Anthropozän und Technium

19. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Technium

Zwei Begriffe die die gleiche Zeit beschreiben, ab dem Punkt an dem sich der Mensch mittels Technik die Natur und seine Umwelt zu Diensten macht. Nein, eigentlich mehr noch, als der Mensch begann, sich in nennenswertem Umfang von den Launen der Natur zu befreien, etwa ab den Zeitpunkt der industriellen Revolution. Der erste Begriff, Anthropozän, wurde von Paul Crutzen geprägt und wird vor allem dann verwendet, wenn der schädliche Einfluss des Menschen auf die Natur und die Geosysteme beschrieben wird.⁽¹⁾ Der zweite Begriff, Technium, geht auf Kevin Kelly zurück, der damit die Entwicklung und Weiterentwicklung von Technik als einen evolutionären Prozess beschreibt, welcher vom Menschen nur bedingt geplant und gelenkt werden kann.⁽²⁾⁽³⁾ In Novo-Argumente geht Thilo Spahl auf die Vorstellungen Kellys ein und beschreibt ein überaus positives Bild der Zukunft:

“Wenn wir aufhören, uns die Zukunft als Energiesparvariante der Gegenwart zu denken, uns über die Expansion des Technium als Expansion des Menschenmöglichen zu freuen, dann können wir eine große Zukunft schaffen”

Beide Begriffe erlauben einen Blick in die Zukunft, was vorstellbar ist, wie sich die Menschheit weiter entwickeln wird. Das Anthropozän als warnende und apokalyptische Vision, mit der Mahnung auf Verzicht und Einhalt; und das genaue Gegenteil, das Technium als evolutionärer Prozess in eine Zukunft mit mehr Möglichkeiten für die Menschheit.

Heute, so scheint es, haben die Vorstellungen Crutzens eine breite Anhängerschaft gefunden und müssen als gesellschaftliche Hauptströmung betrachtet werden. Zumindest wenn man die Zeitung aufschlägt oder Fernsehen schaut. Lediglich im Internet finden sich in nennenswertem Umfang Meinungen die dem widersprechen. So wundert es auch nicht sonderlich, dass gerade die Netzgemeinde den Begriff Technium sehr offen angenommen hat, Vorstellungen über eine technische Evolution, als Wesen der Technik, die vom Menschen eben nicht kontrolliert werden kann, finden hier breiten Zuspruch.⁽⁴⁾ Das führt uns zu der Frage, wie diese beiden gegensätzlichen Vorstellungen vereinigt werden können, ob es so etwas wie einen goldenen Mittelweg gibt, der beiden Seiten gerecht wird? Wohl kaum! Hier ist nun die Versuchung groß in fatalistischer Manier diesen dualistischen Zustand als etwas zu akzeptieren, welches seit jeher die Menschheit begleitet. Mal setzt sich das eine durch, mal das andere.

Wenn man sich mit dieser Antwort nicht zufrieden gibt, dann ist es hilfreich zu betrachten, wie denn diese, sich gegenseitig ausschließenden, Zukunftsvorstellungen auf Menschen, auf die Gesellschaften, wirken. Wo werden welche Erklärungen und Ideen aufgenommen und wo werden sie abgelehnt. Auch hier wirken verschiedene Kräfte, und die Oberhand wird die Vision bekommen, welche sich am breitesten in der Gesellschaft verankert. Diese ist nämlich keine homogene Masse sondern in eine Vielzahl von Teilbereichen gegliedert, die mal mehr, mal weniger miteinander in Abhängigkeit stehen. Dieses miteinander Wirken, ist auch so etwas wie ein evolutionärer Prozess. Neue Möglichkeiten werden ausgelotet, Technik eingegliedert, aus philosophischen Betrachtungen Handlungsweisen entwickelt und vieles mehr. Dieser stetige Wandel kennzeichnet jede Gesellschaft. Werden neue Entwicklungen schnell aufgenommen, so befinden sich diese Gesellschaften im Vorteil gegenüber denjenigen in welchen eher Bewahrungskräfte wirken.

Zum Wesen der Evolution, so wie wir sie von der Natur kennen, gehört auch der Tod. Fehlentwicklungen sind nicht überlebensfähig, genausowenig wie Organismen die eine mangelnde Anpassungsfähigkeit auf eine sich verändernde Umwelt oder neue Konkurrenten kennzeichnen. Das trifft natürlich auch auf Gesellschaften zu und es gibt eine Vielzahl von Theorien welche Ursachen der soziale, oder gesellschaftliche, Wandel hat; beziehungsweise, warum Wandel oder Anpassungen nicht geschehen. Auf alle einzugehen, würde den Rahmen hier sprengen. Deshalb möchte ich wieder zur Anfangsfrage kommen, welches Zukunftsszenario ist wahrscheinlicher – das des Anthropozäns des Herrn Crutzen, oder das Technium nach Kelly.

Um Zukunftsszenarien besser nach ihrer Wahrscheinlichkeit einordnen zu können, ist es notwendig zu erkennen, welche Kräfte in der Vergangenheit wirksam waren, und ob dies mit der Theorie der Evolution von Gesellschaften vereinbar ist. Schon lange vor Kelly wurde erkannt, dass Innovationen und wie diese angenommen werden, eine wesentliche Ursache für Veränderungen war. Die wohl verständlichste Erklärung stammt von William F. Ogburn und wird als Cultural Lag, oder kulturelle Phasenverschiebung bezeichnet.⁽⁵⁾ Kernaussage ist, das neue Innovationen innerhalb einer Kultur in die Gesellschaft integriert werden müssen und dass dies zu Spannungen führen kann, weil alte Strukturen aufbrechen, wobei gleichzeitig neue Möglichkeiten entstehen. Diese Innovationen können sowohl technologisch, als auch ideologisch sein. Ogburn ist allerdings der Meinung, dass in unserer modernen westlichen Kultur die Technik das vorauseilende Kulturgebiet ist, während die übrigen Gebiete der Kultur nachhinken. Das hat selbst Aurelio Peccei, einer der Gründer des “Club of Rome” erkannt, betont aber, in typisch alarmistischer und zukunftspessimistischer Weise, die Gefahren die daraus erwachsen.⁽⁶⁾ Und damit steht er nicht allein, fast die gesamte Gilde der Soziologen und nicht wenige Historiker entdecken in der determinierenden Kraft von Innovation und Technik mehr Gefahren als Vorteile. Auch in der Bevölkerung gibt es von je her Vorbehalte gegenüber Technik und Innovation. So wurde schon 1819 in der Kölnischen Zeitung dargelegt warum Gasstraßenbeleuchtung abzulehnen ist.⁽⁷⁾

In einer Seminararbeit von Martin Wettstein werden die Teilbereiche der menschlichen Gesellschaft oder Kultur in zwei Dimensionen dargestellt: Die Technologie und den Zeremonialismus.⁽⁸⁾ Als bremsende Faktoren werden Ritual, Gewohnheit, Idealisierung des Status Quo oder der Vergangenheit und die Nähe zu rituellen Teilbereichen genannt. Hier wird klar, wo das wirkliche Problem liegt: in der Trägheit der Gesellschaft. Nochmal Wettstein: “Je stärker ein Teilbereich auf die Technologie fixiert ist, desto eher werden Innovationen gemacht oder integriert. Je mehr ein Teilbereich auf Zeremonialismus fixiert ist, desto langsamer werden Innovationen angenommen (vgl. Glade 1952: 433). Die Extrempositionen werden dabei durch Ingenieurberufe und Forschung auf der einen, und religiöse Institutionen auf der anderen Seite gebildet.” Dies ist natürlich durch die Kürze der Darstellung sehr vereinfacht, aber wenn wir uns die Anhänger und Freunde von quasi religiösen Nachhaltigkeitsvorstellungen ansehen, so bekommen wir ein vollständigeres Bild.

Nun werden die Liebhaber der Nachhaltigkeit hier einwenden, dass sie ja auch für Innovationen eintreten, aber eben nur für solche, die ethisch in ihrem Sinne vertretbar sind. Damit wäre aber der ganze Denkansatz, wonach sich Gesellschaften, und auch die Technik, durch evolutionäres Wirken weiter entwickeln, abzulehnen, und durch kreationistische Vorstellungen zu ersetzen. Innovation nach Plan, sozusagen. Für Kelly, und viele andere auch, ist dies nicht darstellbar und ein Wunschbild. Evolution wirkt eben nicht so, wie sich die Anhänger eines intelligent Design es sich vorstellen. Technik hat eine Eigendynamik. Werner Heisenberg hat dies schon 1957 in Bezug auf die Technik mit den Worten formuliert: “erscheint … die Technik fast nicht mehr als das Produkt bewusster menschlicher Bemühungen und die Ausbreitung der materiellen Macht, sondern eher als ein biologischer Vorgang im Großen, bei dem die im menschlichen Organismus angelegten Strukturen in immer weiterem Maße auf die Umwelt des Menschen übertragen werden; ein biologischer Vorgang also, der eben als solcher der Kontrolle durch den Menschen entzogen ist.”⁽⁹⁾

Hier könnten noch viele verschiedene Stellungnahmen und Überlegungen aufgezählt werden, die meisten gehen davon aus, dass die Technik ein evolutionärer Prozess ist, nur die Schlüsse die daraus gezogen werden sind unterschiedlich. Die einen möchten diesen Prozess nutzen, und die Komponenten für sich heraussuchen die sie möchten, oder die die Gesellschaft mehrheitlich möchte. Wobei das Individuum ebenfalls noch die Wahl hat und nicht an Mehrheitsmeinungen gebunden ist. Andere wollen in diesen evolutionären Prozess eingreifen und schon das Entstehen neuer Technik verhindern, und wenn das nicht geht, dann wenigstens die Anwendung verhindern. Wie dies gehen soll, beschreibt Arnold Gehlen: “Der Zusammenhang von Wissenschaft, technischer Anwendung und industrieller Auswertung bildet längst auch eine Superstruktur, die selbst automatisiert und ethisch völlig indifferent ist. Eine durchgreifende Änderung ist fast nur so vorstellbar, dass sie an den extremsten Enden angreift: beim Wissenwollen, dem Anfangspunkt, oder beim Konsumierenwollen, dem Endpunkt des Prozesses. In beiden Fällen wäre die Askese, wenn sie irgendwo aufträte, das Signal einer neuen Epoche.”⁽¹⁰⁾ Das schrieb er 1957, und diese neue Epoche der Askese ist bereits angebrochen, und zwar in Gestalt von kreationistischen Nachhaltigkeitsvorstellungen.

Aber lässt sich durch diese Askese überhaupt eine Entwicklung, die ja geradezu biologischen Charakter hat, aufhalten. Kann man Forschungen und Neugier verbieten – sicher nicht. Genausowenig wie die Umsetzung von Erkenntnissen in Technik im globalen Maßstab. Für die eigene Gesellschaft ist dies vorübergehend schon möglich, doch sollte man sich bewusst sein, dass dies anderswo nicht geschieht und man somit ins Hintertreffen gerät. Mehr noch, da Teile der Gesellschaft Innovationen integrieren möchte, die die andere Teile ablehnen, führt dies zu Krisen die die Stabilität der gesamten Gesellschaft gefährdet (Ogburn). In diesem Stadium kann nur eine Innovation helfen, welche die Kultur wieder zu stabilisieren vermag. Sollte dies nicht geschehen, so kommt es zum Zerfall oder einer Übernahme durch ein stärkeres Gesellschaftsmodell oder eine stabilere Kultur (Wettstein). Mit einfacheren Worten: Die Kultur einer Askese schadet und destabilisiert die Gesellschaft, was letztlich zu deren Untergang oder Marginalisierung führt.

Wenn sich die Gesellschaft mehrheitlich von den apokalyptischen Vorstellungen eines Anthropozän im Sinne Paul Crutzens leiten lässt, verbunden mit einer Kultur der Askese, wird sie der Evolution zum Opfer fallen. Neue aufstrebende Staaten, oder Regionen, werden an die Stelle derer treten, die dereinst mit der industriellen Revolution etwas begonnen haben, was die Menschheit in eine unzweifelhaft bessere Lage versetzt hatte. Lebensstandard, Lebenserwartung wurden erhöht und hat uns in eine Lage gebracht, in der wir Herausforderungen und Bedrohungen nicht mehr fatalistisch entgegensehen müssen, sondern diese selbst in Hand nehmen und lösen können. Wissenschaft und Technik bringen gemeinsam Innovationen hervor, die die Möglichkeiten der Menschheit im Ganzen, sowie die des Individuums im Einzelnen, erweitern. Darauf zu verzichten ist selbstmörderisch und töricht.

Wir haben die Wahl zwischen Anthropozän und Technium. Nein nicht mal das, das Technium wird kommen, die Frage ist nur, ob unsere Gesellschaft bei dem Versuch das Technium zu verhindern vor die Hunde geht, oder sich eines besseren besinnt.

Verweise und Erläuterungen

(1) Wikipedia nennt als Schöpfer dieses Begriffes den italienischen Geologen Antonio Stoppani. Heute wird für Anthropozän, in der politischen Debatte, hauptsächlich die von Paul Crutzen geprägte Interpretation verwendet.
[Klimawandel-Wiki: Anthropozän]
[Wikipedia: Antonio_Stoppani]

(2) Das Technium, so wie ich es verstehe, ist nicht nur die Gesamtheit aller Technik, sondern auch tief in unsere Kultur verwoben. Es umfasst nahezu alles, was wir mit unserem Geist geschaffen haben, Geräte, Infrastruktur, Straßen, Elektrizität, aber auch Alltagsgegenstände wie Bücherregale und Staubsauger. Dies alles ist mehr als nur die Summe seiner Teile – nahezu jede neue Erfindung baut auf früheren auf und ist auch systemisch vernetzt: Maschinen können nicht ohne elektrische Nervenbahnen kommunizieren, für Elektrizität müssen wir Kohle verbrennen oder Uranbrennstäbe verwenden; für Sollarzellen müssen seltene Metalle geschürft werden. Keine Fabrik funktioniert ohne Warenkreislauf, rollende LKWs und Güterwaggons. So greift immer eins ins andere, und in der Gesamtheit bilden all diese Beziehungen eine Art Über-Organismus oder Ökosystem, innerhalb dessen sich die ganzen Einzeltechnologien bedingen, unterstützen und in Gang halten.
[screen.tv n.08: „Ich bin kein Utopist“ Wired-Gründer Kevin Kelly im Interview (pdf | 1,9 MB)]

(3) Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Artikel von Thilo Spahl noch nicht online. In der Druckausgabe von Novo-Argumente 114 findet er sich auf Seite 178ff.
[Novo-Argumente 114 – Inhaltsverzeichnis]

(4) Und mit dieser simplen Verkehrung der Perspektive ergibt sich ein Modell der Erklärung der digitalen Welt, das ähnlich wie das Bild von “Natur” kaum in gut oder schlecht geordnet werden kann – sondern eben als Teil einer übergeordneten Entwicklung. Betrachtet man das Internet nach dem genialen Organismusmodell des Technium, lassen sich die Argumente beider Seiten sehr viel einfacher nachvollziehen.
[S.P.O.N. Sascha Lobo: Das Technium]

Kevin Kelly erklärt die Gesetzmäßigkeiten des Techniums. (eingebettetes Video)
[dctp.tv: Die Gesetze des Techniums – “Nein, die Maschinen werden nicht die Macht übernehmen”]

(5) According to Ogburn, cultural lag is a common societal phenomenon due to the tendency of material culture to evolve and change rapidly and voluminously while non-material culture tends to resist change and remain fixed for a far longer period of time. Due to the opposing nature of these two aspects of culture, adaptation of new technology becomes rather difficult. This distinction between material and non-material culture is also a contribution of Ogburn’s 1922 work on social change.
[Wikipedia: Cultural lag]

(6)Aurelio Peccei betonte, dass das Zurückleiben der geistigen hinter der technischen Entwicklung die eigentliche Gefahr für das Überleben der Menschheit sei. (Johan Hendirik Jacob van der Pot, Die Bewertung des technischen Fortschritts, S. 789 )
[Google Books: Die Bewertung des technischen Fortschritts]

⁽⁷⁾ Jede Straßenbeleuchtung ist verwerflich. Aus einem Artikel der Kölnischen Zeitung vom 28. März 1819 gegen die Einführung der Straßenbeleuchtung mit Gas:
1. Aus theologischen Gründen:
weil sie als Eingriff in die Ordnung Gottes erscheint. Nach dieser ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt, die nur zu gewissen Zeiten vom Mondlicht unterbrochen wird. Dagegen dürfen wir uns nicht auflehnen, den Weltplan nicht hofmeistern, die Nacht nicht zum Tage machen wollen. ….
[Stadtarchiv-Heilbronn: Jede Straßenbeleuchtung ist verwerflich]

(8) Die Geschwindigkeit, mit der ein Teilbereich der Gesellschaft eine Innovation adaptieren und integrieren kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann sich stark unterscheiden. Die Nähe zu einem technologischen oder wissenschaftlichen Teilbereich beschleunigt dabei die Geschwindigkeit der Integration, während Ritual, Gewohnheit, Idealisierung des Status Quo oder der Vergangenheit und die Nähe zu rituellenTeilbereichen sie verlangsamt (vgl. Glade 1952: 431). Vereinfacht kann davon ausgegangen werden, dass sich die Teilbereiche der menschlichen Gesellschaft oder Kultur in zwei Dimensionen erstrecken: Die Technologie und den Zeremonialismus.
[academia.edu: Kulturelle Evolution und Cultural Lag auf dem Prüfstand]

(9) Johan Hendirik Jacob van der Pot, Die Bewertung des technischen Fortschritts, S. 740.
[Google Books: Die Bewertung des technischen Fortschritts]

(10) Johan Hendirik Jacob van der Pot, Die Bewertung des technischen Fortschritts, S. 736.
[Google Books: Die Bewertung des technischen Fortschritts]

Artikel ist ebenfalls erschienen in Glitzerwasser

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22 Kommentare
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  1. Danke für diese interessante Darlegung zweier wichtiger gesellschaftlicher Strömungen!

    Wir haben die Wahl zwischen Anthropozän und Technium.

    .Man könnte auch eine andere, damit eng zusammenhängende und vielleicht mehr evolutive Idee ansprechen: Die Freiheit jedes Menschen und ihr Garantie unsbesondere durch die Sicherheit des Eigentums. Von diesem Ideal sind wir viele Milliarden Lichtjahre entfernt, aber wir wissen: Immer dann, wenn in kleinen Bereichen, teilweise, vorübergehend Individuen sich frei entfalten können, geht “die Post ab”: Kreative, technologische, ökonomische Entwicklungen sprießen, der materielle Wohlstand nimmt sprunghaft zu, die kulturellen Möglichkeiten -- das Technium gewissermaßen. Und andererseits: Gängelei, Bevormundung, Unterdrückung oder Diktatur jeder Schattierung scheitern letztendlich immer wieder an diesem inhärenten Freiheitsdrang der Menschheit.
    Gruß!

  2. @ nLeser

    Ich kann nur zustimmen. Um vielleicht einen Anfang in eine Diskussion zu bekommen, eine Frage an die Leser: Ist es wirklich so, dass eine neue Innovation helfen kann, die derzeitigen, antipodischen, Kulturen zu vereinen? Und muss dies eine technische Innovation sein, oder eher eine ideologische?

    Beide Lager stimmen ja weitestgehend dem Primat der Technik zu. So wie die Einführung der Kernkraft zu Spannungen zwischen den Lagern geführt hat, so tut es jetzt die Einführung der NIE. Eben nur andersherum?

  3. Lieber Herr Quencher,

    Sie schreiben:
    “Nun werden die Liebhaber der Nachhaltigkeit hier einwenden, dass sie ja auch für Innovationen eintreten, aber eben nur für solche, die ethisch in ihrem Sinne vertretbar sind”
    Das ist der entscheidende Satz. Im Gründe bedeutet das, dass ein Rat der “ethisch Weisen” Schicksal spielt indem er aus möglichen Zukunftsszenarien auswählt. das ist nach meiner Auffassung undemokratisch.
    Wenn jemand glaubt abschätzen zu können, was ethisch vertretbar gewesen sein wird,
    dann maßt er sich an die Zukunft zu kennen.

    Einige Beispiele:
    War die Entscheidung Frankreichs auf Kernkraftwerke statt auf Kohlekraftwerke zu setzen ethisch vertretbar oder nicht?
    War der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima ethisch vertretbar?
    War das DDT Verbot ethisch vertretbar?
    War die Entwicklung des Chlorherstellungsprozesses oder des Salpetersäureherstellungsprozesses ethisch vertretbar?
    Wie beurteilen wir Fritz Haber?

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  4. Lieber Herr Heß,

    Ethisch vertretbar sind alle Ihre Beispiele. Mit einem Beil kann ich Brennholz oder Köpfe spalten. Technik ist ethisch indifferent. Selbst der Atombomenabwurf hat womöglich noch größeres Leid verhindert. Zumindest musste man damals vor dem Hintergrund der fürchterlichen Schlachten auf Iwo Jima oder Okinawa von unvorstellbaren Opferzahlen ausgehen, wenn Japan nicht kapituliert und man die Hauptinseln so erobern muss, wie vorher geschehen. Vor diesem Hintergrund wäre es ethisch nicht verantwortbar gewesen, die Atombombe nicht einzusetzen. Das aber nur nebenbei, es soll nur die Problematik aufzeigen, wenn man etwas ethisch aus heutiger Perspektive darstellt.

    Wenn wir den Vorstellungen Kellys zustimmen können, dass Innovation ein Teil der Evolution ist, dies also auch auf die Technik zutrifft, dann ist es nicht möglich, diese Innovationen ethisch zu bewerten. Oder hat schon mal jemand die Evolution als ethisch verwerflich dargestellt? Dazu kommt dann noch das von Ihnen angesprochene Zukunftswissen. Etwas was sich vor allem Apokalyptiker anmaßen.

    Aber es gibt gesellschaftliche Strömungen, die auch technische Entwicklungen ethisch bewerten wollen. Wir mögen dies falsch finden, deswegen gibt es sie aber trotzdem und wir müssen letztlich zu einer Übereinkunft kommen, oder die Gesellschaft wird dauerhaft destabilisiert. Welche Brücken kann man bauen und welche Narrative helfen, diesen Zwist zu entschärfen?

  5. In Spektrum.de habe ich einen Artikel kommentiert, der aber nach rund 48 Stunden immer noch nicht frei geschaltet ist, und ich daher davon ausgehen muss, dass dies auch nicht mehr geschieht.

    Bei dem Artikel geht es um Urananreicherung durch ein neues Laserverfahren, welches die Herstellung von Kernbrennstoff deutlich vereinfachen soll. Der Titel des Artikel zeigt aber schon, wo es hingehen soll: Alarmismus. Doch das war nicht der Grund für meinen Kommentar, sondern diese Aussage von Robert Gast:

    In Deutschland und vielen anderen Ländern wurde die Forschung in den 1980er Jahren eingestellt. Denn die damals bekannten Methoden erwiesen sich als unwirtschaftlich. Die Laser waren zu teuer und die Ausbeuten zu gering. Die Physiker Horst Struve und Michael Goldsworthy haben in Australien weiter an dem Verfahren gearbeitet und 1988 das Unternehmen Silex Systems Limited gegründet.

    So schnell kann es gehen, dass man ins Hintertreffen gelangt, denn dieses Verfahren bietet noch weitere Möglichkeiten für verschiedene zivile Zwecke. In den USA fanden sämtliche Anhörungen zur Genehmigung statt, und nun steht dem Bau einer solchen Anlage nichts mehr entgegen.

    Ich wollte vor allem darauf aufmerksam machen: Technik entwickelt sich weiter, egal was in einzelnen Ländern beschlossen wird.

    Hier der Kommentar der nicht frei geschaltet wurde:

    Technologien entwickeln sich

    Eine besonders wichtige Aussage im Text, so finde ich, ist diese:

    “Die Technologie ist in der Welt, wir können sie nicht rückgängig machen. Man muss aber wenigstens die Möglichkeit der unkontrollierten Verbreitung von atomwaffenfähigem Material verhindern.”

    Es zeigt sich hierbei, dass es ein großer Fehler von Deutschland war, sich aus entsprechender Forschung zu verabschieden. Ebenso dass “wir” nicht im Generation IV International Forum vertreten sind, wo neue Reaktortypen entwickelt werden, die nicht die Nachteile der gegenwärtigen haben. Oder auch die Entwicklungen beim Thorium-Flüssigsalzreaktor sind vielversprechend. Doch nirgendwo ist Deutschland dabei. Einzige Ausnahme der ITER.

    Neue Technik wird sich aber nicht aufhalten lassen, nur weil Deutschland meint, sie wäre ethisch nicht vertretbar. Andere Länder sehen das anders und betrachten es eher als ethisches Gebot die Möglichkeiten die sich der Menschheit bieten, auch auszuschöpfen. Wir befördern uns mit dieser Politik nur ins Abseits. Siehe auch:
    http://glitzerwasser.blogspot.de/2012/10/anthropozan-und-technium.html

  6. Jetzt ist der Beitrag auf Spektrum.de doch noch freigeschaltet worden:
    http://www.spektrum.de/alias/urananreicherung/billig-und-politisch-hochbrisant/1167510#comment-1168272

  7. @QQ
    Na bitte -- die haben sich wohl erschreckt, dass da tatsächlich jemand kommentiert … ;-)

  8. @ C-O

    Ich hatte dem Autor des Artikel, Robert Gast, eine Email geschrieben, in der ich anfragte, warum mein Kommentar nicht freigeschaltet ist. Das war am Samstag morgen, als rund 24 Stunden nach Einreichung meines Kommentars.

    Eine Antwort habe ich nicht bekommen, aber am Montag wurde der Kommentar veröffentlicht.

  9. @Bei QuentinQuencher drüben im “Glitzerwasser” habe ich einen Kommentar unterbringen wollen .
    Nun, ich mußte zu meinem Leidwesen feststellen ,daß ich ein Roboter bin .
    Es ist mir Dieses:Kommentar unterbringen, nicht gelungen .
    Möglicherweise hatten so viele “Nichtwähler” in Stuttgart denselben Eindruck und deshalb kühn Kuhn gewählt.
    Thema war: Eine Autostadt wählt kühn einen Öko Kuhn. Wird die schöne Mercedes nach Straßburg emigrieren ?(müssen!)

    [Ich habe es hier heraus kopiert und dort eingestellt. Keine Ahnung warum es nicht geklappt hat. Sorry. QQ]

  10. hallo Herr Quentin Quencher,
    zweifellos spielt die Technik für unsere “kulturelle Entwicklung” eine überragende Rolle,
    die wohl auch größer ist, als man allgemein “menschlich” realisiert,
    ich denke nur an Buchdruck (Gutenberg) oder heute Internet oder Mobilfunk als Beispiel,
    für mich gehört auch das Auto (unverzichtbar) dazu,
    trotzdem scheint mir der Begriff Technium irgendwie zu blass, inhaltsleer.

    Die Begründung liegt eben im “Menschlichen”.
    Sie haben es selbst gesagt mit dem Beispiel, dass eine Axt
    sowohl für ein Stück Holz wie für einen menschlichen Kopf verwendet werden kann.
    Ich bezweifle daher die postulierte “Verselbständigung” von Technik

    und sehe es mehr “moralisch”,
    jedoch technikfreundlich.

    Wir sind gewissermaßen selbst “duale Geschöpfe”
    mit einer a) irrationalen Emotionalität
    und einer b) rationalen Vernunft,

    (spätestens seit Aristoteles.)

    Für mich scheint völlig offen ob a) oder b) dominiert,
    oder wer von beiden sich wessen bedient.

    Im Rahmen der “Demokratisierung”,
    manche sagen auch freie Marktwirtschaft,
    habe ich den Eindruck,
    dass a) irgendwie b) überstimmt :-)

    das wäre sicher ein kultureller Rückschritt,
    insbesondere, wenn er in “Regierungskreisen” dominiert,
    woran ich nicht zweifle.

    Statt Technium wünsche ich mir daher die Dominanz von b) gegenüber a)

    mfG

  11. Die Frage wird sein :Schafft es die UNO binnen der nächsten 100 Jahre, eine “Anthrozopän Biebel” zu erstellen,
    die über allen “Religionen”stehen wird und die “ausgemisteten alten Bücher” nicht verdrängen muß.!

  12. @ Dr.Paul

    Was ich hier getan habe ist, die Theorie des Technium mit der des Cultural lag zu verknüpfen. Im Prinzip was Sie mit a) und b) meinten. Kelly und Ogburn meinen aber, dass die Technik determiniert. Und das ist eine neue Sichtweise, die Technik als Teil der Evolution, und somit auch der Naturgesetze zu betrachten. Da gibt es kein »Gut« und »Böse«. Für was wir die jeweiligen Innovationen anwenden bleibt immer noch uns überlassen, nur grundsätzlich verhindern können wir sie nicht.

    @ Schuster

    Wenn wir der Theorie Ogburns folgen, dann ist es zwar möglich dass die UNO eine entsprechende Bibel formuliert, doch würde diese zur Destabilisierung führen, und somit wirkungslos bleiben.

  13. @Quentin
    Mögest Du mir bitte verzeihen…….aber der neuste Geniestreich von unserem Moppelchen Altmaier scheint mir trotzdem hier rein zu passen.

    ”Die Energiewende war unsere Mondlandung”

    …..Jedes Land braucht im Laufe seiner Geschichte alle paar Jahrzehnte ein Projekt, das fasziniert und bannt. Das war die Mondlandung der Amerikaner. Das war der Wiederaufbau, es war die deutsche Einheit. Und jetzt kommt die Energiewende: also Risiken ernst nehmen, aber noch stärker die Chancen umarmen……

    Hmm, die Mondlandung der Amis war ein Prestigobjekt im Kampf der Systeme…….das am Ende aus Kostengründen eingestellt wurde, soll ick ddas etwa soooo verstehen?

    Die Welt: War Umweltpolitik “Gedöns”?

    Altmaier: Angela Merkel hat ja als Umweltministerin dann auch mit dem Kyoto-Protokoll noch mal Geschichte geschrieben. Der Anspruch von Klaus Töpfer und Angela Merkel mit der ökologisch-sozialen Marktwirtschaft war ja, die Umweltpolitik vor die Klammer zu ziehen. Und Umweltpolitik als ein übergreifendes Politikthema zu verstehen. Ähnlich wie Sozialpolitik in der sozialen Marktwirtschaft…….

    Tja, man hätte es kommen sehen müssen, das uns die CDU massiv auf die Schippe genommen hat.
    Das mach dann am Ende auch den Atomausstieg und die Energiewende erklärbar…….mit der die Koalition mit wehenden Fahnen, grüner als die Grünen unser Land ins energetische Utopia führen wollen……ohne zu merke(l)n, das das die grüne Hölle werden wird.
    Das ganze Interview lässt zwischen den Zeilen derart viel durchklingen, das mein Magen automatisch rebelliert…..mein Bauchgefühl schreit um Hilfe…….wird hier ein ganzes Volk veralbert?

    Man is mir schlecht.
    H.E.

  14. @ Heinz

    Danke für die Hinweise, ich finde es passt ausgezeichnet hier rein. Aber bevor dieses was der Altmaier von sich gegeben hat für bare Münze nehmen, sollten wir überprüfen, ob dies nicht »Rechtfertigungsnarrative« sind. Also nachträgliche Begründungen für ein Handeln, welches ursprünglich eine ganz andere Ursache hatte. Man erlebt ja immer wieder, nicht nur in der Politik, dass Begründungen angepasst werden, also heute die gleichen Vorkommnisse ganz anders begründet werden, als in der Vergangenheit.

    Beim Töpfer glaube ich das tatsächlich, er wollte und will die ökologisch-soziale Marktwirtschaft. Die Merkel sicher auch, doch bei ihr werden wahrscheinlich andere, strategische, Überlegungen einen breiteren Raum einnehmen.

    Das Apollo Programm wird ja immer wieder gerne als Beispiel genommen, um zu erklären, dass man nur genug Geld in die Hand nehmen müsse, um gewünschte Resultate zu bekommen. Die Frage ist aber, was hatte man sich damals vorgestellt, und was ist daraus geworden. Das zu beantworten ist eigentlich auch nicht mein Gebiet, da wäre der Peter eher gefragt. Soviel nur, Auswirkungen hat es sicher gegeben, aber waren die auch in gewünschte Richtung? Oder sind “Kollateralnutzen” entstanden.

    Und außerdem würde ich unsere Energiewende auch niemals mit dem Apolloprogramm vergleichen. Hier haben ja Experten gearbeitet. Bei uns soll nun aber jeder Bürger zur Stromproduktion beitragen, also der Idee des Schwarms folgend, dass ziemliche viele, ziemlich dumme. Akteure auf Grundlage ziemlich einfacher Regeln, ein komplexes funktionierendes Gebilde schaffen (Eva Horn). Schwarmverhalten steht geradezu exemplarisch gegenüber von Spezialisten determinierte Handlungen. Das war bei Maos »Großen Sprung« nicht anders. Da hat jeder in seinem Hinterhof Stahl gekocht, den aber wegen seiner schlechten Qualität nichts wert war. Ich denke der Vergleich passt zu Energiewende besser.

    Altmaiers, Merkels und Töpfers Ansatz ist im Prinzip kreationistisch und widerspricht der Theorie vom Technium.

  15. @Quentin
    Bei Schwarm muss ich immer an Bienen denken……..eine Königin thront oben und das restliche Volk arbeitet selbstlos, kollektiv und ohne zu murren, bis es tot umfällt.

    Will man aus uns auch thumbe Arbeitssklaven machen, die widerspruchslos jeglichen Befehl der Führung folgen…..soll das am Ende die “große Transformation” sein, eine intelligenzlose graue Masse, die von ein paar wenigen Führern ins Licht der Erlösung geschleift werden?
    Sorry…..dat is in China in die Hose gegangen, selbst das perverse Experiment in Kambodscha konnte diese Art von neuen Menschen nicht erzeugen……wer das also heute immer noch glaubt, erzählen zu müssen…..sollte sich mal in psychatrische Behandlung begeben.

    Die SED hat es über 40 Jahre lang nicht geschafft den Menschen den Egoismus und die Gier auszutreiben, höchstens die Fähigkeit zum Täuschen und Tarnen zu perfektionieren, und da kommen ein paar Typen daher und wollen das der ganzen Welt überhelfen………na wie Balla ist dat denn.
    Wer verleugnet das ein Mensch ein Individum ist, dat eigene Wünsche, Träume und Ideen hat…..hat nix, rein garnix kapiert. Wer nach über 40 Jahren Sozialismus denkt, man könne mal so mir nix, dir nix einen neuen Menschen formen, kennt die Natur des Menschen immer noch nicht.

    Apropos Apollo….die Amis waren gewaltig angepieselt, das die Russen den Sputnik und auch den ersten Mann ins Weltall geschickt haben…….das war wohl Ansporn genug ein paar Mrd. Dollar zu investieren um das eigene Volk wieder stolz zu machen und ein paar Helden bejubeln zu dürfen.
    Heldenverehrung ist in Deutschland ja nun verpönt…….also verehren wir jetzt halt Mutter Natur……kann man ja nix falsch machen, gelle. Hauptsache irgend ein Gott ist da, den man voller Leidenschaft anbeten kann……so sind wir Deutschen nun mal.

    Gesund ist das nicht…….aber die Eliten nutzen diesen Gendefekt weidlich für ihre Interessen.
    Mist….wieder zu weit ins Philosophische hinausgewagt…….bitte nicht hauen.
    MfG
    H.E.

  16. ,,,,,,,” Mittelschicht ,die große Erfindung der Nachkriegszeit! ” So Altmeier .
    In welcher Zeit lebt der Mann denn.
    Die Nachkriegszeit ab ca 1960 hat den “Mittelstand” (kleine Kaufleute Handwerker und Klein-Bauern) vor die Hunde gehen lassen! Unumkehrbar!
    Auswirkung und Folge des “Technium”.
    Nutznießer dieser Entwicklung war :das Großkapital und die Arbeiterschaft.(Der Arbeiter kann sich plötzlich ein Auto leisten, ein Häusle bauen.)
    Sicher :Es hat sich auch ein neuer Mittelstand gebildet ,der aber hatte mit dem bisherigen nichts mehr , oder sehr wenig zu tun.
    Zu groß war die Veränderung. Der Tante Emma Laden passee!
    Diese Anmerkung soll nicht heißen, daß ich diese Entwicklung unbedingt bedaure-für die Betroffenen aber war dies Existenzvernichtend und teilweise (für die Älteren) fürchterlich.

  17. Bei der Mondlandung ging es nicht um Substitution des einen durch das andere. Vielmehr ging es darum, etwas völlig neues zu erschaffen, das unsere Möglichkeiten erweitert, statt sie zu begrenzen. Von daher ist der Vergleich “Energiewende” und “Mondlandung” irreführend.

    Die Auswirkungen des Mondprogramms auf die amerikanische Volkswirtschaft können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man hat mehrere hunderttausend Ingenieure und Techniker ausgebildet, die im Anschluß an das Projekt der Wirtschaft zur Verfügung standen. Und man hat die technologische Basis für völlig neue Branchen, etwa IT, Bildverarbeitung, Sensorik und Aktorik und Digitalfunk geschaffen. Drittens schließlich wurden eine Menge “weiche” Kompetenzen erlernt, etwa die Organisation von komplexen und integrierten Großprojekten. Wer das alles in die Energiewende hineindichtet, hat beides -- Apollo und EEG -- nicht verstanden.

    Altmaiers, Merkels und Töpfers Ansatz ist im Prinzip kreationistisch und widerspricht der Theorie vom Technium.

    Der hätte von mir sein können…Volltreffer. Apollo war evolutionär und expansionistisch angelegt und ist letztlich ein Beleg für die Unvermeidbarkeit des Techniums.

  18. Tja Herr Heller,
    genau das versuchen uns die Energiewendebeführworter ja auch weiß zu machen.
    Wenn man bedenkt was allein mit den Smart-Grid geplant ist, wirkt dagegen das Apollo-Programm wie ne Nussschale gegen einen Flugzeugträger.
    40 Millionen Haushalte derart vernetzt, das man je nach Zufallsstromangebot den Haushalt mehr oder weniger Strom zugestehen kann……die Elektronikindustrie und die Softwareschmieden reiben sich schon heute kräftig die Finger.
    Wir Deutschen….wir alleine werden die Welt in die glorreiche Zukunft der Sonnenenergie führen, wir werden die Welt umkrempeln und das schöne Wissen und die tolle Technik gewinnbringend exportieren, zumindest tönt diese Botschaft aus jeder Ecke der Öko-Kamarilla.

    Der einzige Unterschied zum Apollo-Programm……das Apollo-Programm folgte einem Plan….während unsere Energiewende ein planloses Unheil anrichtet.
    MfG
    Heinz Eng

  19. @Onkel Heinz

    Wir Deutschen….wir alleine werden die Welt in die glorreiche Zukunft der Sonnenenergie führen, wir werden die Welt umkrempeln….

    ….obwohl uns die königlichen Inselzwerge in Sachen ökosozialistischer Bewusstseinsbildung weit voraus sind:

    Licht ist konterrevolutionär!

    In Großbritannien, dieser Wiege der Zivilisation Ausbeutung durch das kapitalistische Schweinesystem, wird es nun allenthalben etwas dunkler ökologischer werden: Landauf, landab entschließen sich immer mehr Stadtverwaltungen, die Straßenlaternen überflüssigen Stromfresser und CO-Zwo-Schleudern auf Gehsteigen und Fahrwegen abzuschalten. Denn, wie die Befürworter dieser Initiative richtig bemerken: Bei Nacht wird sowieso kein Licht gebraucht – weil dann alle schlafen! Aus deutscher Perspektive vorbildlich ist in diesem Zusammenhang die Grafschaft Lincolnshire. Dort wird die Straßenbeleuchtung schon um 9 Uhr abends abgeschaltet; böse Zungen behaupten, es gäbe dort auch in den übrigen Stunden kaum etwas Nennenswertes zu sehen…..

  20. Jetzt ist der Artikel von Thilo Spahl auch online. Unbedingte Lesepflicht:
    Fortschritt in der anthropogenen Welt: Auf ins Technium!

  21. Nachtrag. Ich finde auf den Artikel könnte man auch etwas deutlicher hinweisen, etwa unter Blog.

  22. @Quentin Quencher #20
    Dder Artikel von Thilo Spahl zeichenet ja ein sehr optimistisches Bild. Es fragt sich nur, ob das uns hier in der BRD hilft. Er schreibt u.a.:

    Was Fortschritt generell bedeutet, lässt sich aus den Erfahrungen der Vergangenheit recht einfach beschreiben und normativ auf die Zukunft übertragen. Mit Blick auf den Menschen: wachsende Lebenserwartung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Wohlstand, Wahlmöglichkeiten. Mit Blick auf die Technik: wachsende Effizienz, Leistungsfähigkeit, Diversität, Vernetzung und sinkende Kosten. Wir haben in den letzten 200 Jahren einiges davon gesehen. Und es ist schwer vorstellbar, dass wir in den nächsten 200 Jahren nicht noch viel mehr davon sehen werden. Und so weiter.

    Es ist eigentlich nicht so schwer vorstellbar, dass wir da nicht mehr so viel von sehen werden, denn er zitiert auch den Vorsitzenden der SPD:

    Inzwischen zweifelt kaum jemand daran, dass dieses fast lineare Fortschrittsverständnis, dass aus stetigem Wachstum sich quasi automatisch auch ein beständig höherer Wohlstand und mehr sozialer und gesellschaftlicher Fortschritt ergibt, heute überholt ist

    Das ist hier eine weit verbreitete Meinung und nicht auf parteipolitische Aussenseiter beschränkt. Wir stehen sicher nicht in einer Situation, wie zum Ende des Römischen Reiches aber der Impetus der technologischen Innovationen wird sich sicher auf andere Regionen in dieser Welt verlagern. Wenn immer der Begriff Technium überhaupt einen Sinn macht, dann nur im Kontrast zu Sattheit und im Hinblick auf eine globalisierte Welt mit vielen jungen Menschen und derem Verlangen nach Wohlstand.

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