Atomares Gärtnern – Die ultimativen Frankenstein-Pflanzen

11. Juli 2012 | Von | Kategorie: Artikel, Ernährung, Gentechnik, Gesundheit, Ökologismus

Gastbeitrag von Kevin M. Folta

Sollten Sie bereits kein Freund von genmodifizierten Pflanzen sein, dann sehen sie erst einmal was für abgedrehte (freakish) Praktiken Wissenschaftler und großen Saatgut-Konzerne unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit ausüben. Wissenschaftler lassen Pflanzensamen in giftigen Chemikalien quellen oder setzen sie starker radioaktiver Strahlung aus, um dadurch zufällige Veränderungen oder Zerstörungen an Genen zu erzeugen. Zufällige DNA-Fehler führen zu unvorhersehbaren genetischen Effekten, wodurch neue Proteine und dadurch Pflanzen mit neuen Merkmalen entstehen.

Diese neuen Züchtungslinien werden nicht auf ihre Sicherheit oder auf ihren Einfluss auf die Umwelt getestet. Und diese neuen Pflanzen will man uns jetzt auftischen, sogar Kindern.

All das gibt es bereits. Tatsächlich wird die hier beschriebene Methode schon seit vielen Jahrzehnten angewendet. Kein Widerstand, keine Kennzeichnungspflicht, keine Demonstranten, keine Angst. Die Pflanzen sind sogar für den Bioanbau in der EU zugelassen. Bei dem hier beschriebenen Verfahren handelt es sich um die Mutationszüchtung.

Neue Sorten durch künstliche Mutationen

Alle Genveränderungen starten mit Mutationen. Mutationen sind Veränderungen in der DNA die sich letztendlich durch Veränderungen der Funktion  oder Leistungsfähigkeit eines Gens bemerkbar machen können. Während der Replikation der DNA (das passiert bei jeder Zellteilung) treten spontane Mutationen in großer Zahl auf, wenn man diese mit einem Mutagen wie UV-Licht aussetzt. Daher besitzt jede Zelle ein Abwehrsystem welches solche Fehler sehr zuverlässig repariert. Normalerweise jedenfalls.

Manchmal wird ein Fehler nicht behoben und führt dann zu einer permanenten Veränderung des betroffenen Gens und dadurch in einigen Fällen zu interessanten neuen Merkmalen. Mutationen sind unentbehrliche Grundlage für einfache genetische Variationen, aber sie sind auch Ursache für viele Krankheiten.

Vielfalt durch radioaktive Strahlen und Chemo-Keule

Die Mutationszüchtung ist ein Prozess, bei dem durch chemische Mittel oder durch Radioaktivität Veränderungen in Genen ausgelöst werden sollen. Samen werden in Chemikalien wie Ethylmethansulfonat, Natriumazid oder N-Nitroso-N-methylharnstoff  aufgeweicht oder man behandelt damit Gewebe oder Pollen. Dadurch entstehen zufällige Veränderungen in der DNA, normalerweise bei einer einzelnen Base oder durch kleinere Beschädigungen. Dadurch wird das durch das Gen kodierte Protein verändert. Das neue Protein kann dann mehr oder weniger funktionell sein. Oder beschnitten sein. Oder überhaupt nicht mehr gebildet werden.

Bei der radioaktiven Behandlung setzt man schnelle Neutronen, Röntgen- oder Gamma-Strahlen ein, um Doppelstrangbrüche in den Chromosomen zu erzeugen. Das führt zu einer größeren Zerstörung von Genmaterial und manchmal zu Rekombinationen.

Eine starke radioaktive Quelle in der Mitte dieses Versuchsdfeldes des japanischen Institute für Radiation Breeding beschießt die umgebenden Pflanzen mit Gamma-Strahlen. Diese Behandlung bewirkt zufällige DNA-Veränderungen die zu neuen genetischen Variationen führen.

Diese Veränderungen sind naturgemäß zufällig. Man erreicht sie, indem man das Material für kurze Zeit (Minuten bis Stunden) einem starken radioakaktiven Strahler (oft Kobalt 60) aussetzt. Manchmal werden ganze Pflanzen in einem starken radioaktiven Feld großgezogen um Genveränderungen zu erzeugen. Das japanische Institut für Mutationszüchtung (Institute of Radiation Breeding, IRB) hat mit dieser Technik einige neue Sorten gezüchtet.

Tatsächlich sind sehr viele Sorten unter Einsatz dieser Techniken entstanden. Eine Menge Interessantes darüber enthält das Informationsportal Mutation Enhanced Technologies for Agriculture. Gerste, Weizen, Mais, Bananen, Trauben Tomaten, Sonnenblumen… Mindestens 3000 durch künstliche Mutation erzeugte Pflanzenlinien sind dort in der Mutant Variety Database aufgeführt. Es sind darunter nicht nur Nutzpflanzen, sondern auch hunderte Blumen und andere Ziergewächse. Allein in den USA gibt es vielleicht 100 Beispiele für den Einsatz solcher Pflanzen. Darunter sind Grapefruit, Kopfsalat, Hafer, Gemeine Bohne, Pfefferminze, Weizen, Reis, Hopfen und Gerste.

Worin unterscheiden sich genmodifizierte (GMO) Pflanzen und solche die durch Mutationszüchtung gewonnen wurden?

Im Gegensatz zur Mutationszüchtung steht die Gentechnik wegen vielerlei Gründen in der Kritik. Wenden wir einmal gleiche Kriterien auf diese beiden Techniken an und vergleichen diese anhand einiger üblicher Kritikpunkte.


Und wie sieht es aus mit der Kennzeichnungspflicht, der Eignung für den Bioanbau oder der Erlaubnis für den Anbau in der EU? Alles kein Problem, wenn die DNA der Pflanze durch Radioaktivität oder Chemikalien durcheinander gewürfelt wurde. Hier ist eine (leicht ironische) Gegenüberstellung zur Akzeptanz der beiden Methoden.


Mutationszüchtung riskanter als Gentechnik

Es ergibt sich logisch zwingend dass die Mutationszüchtung im Vergleich zur Gentechnologie viel zufälliger, unvorhersehbarer, nicht genau überprüfbar und unpräzise ist. Es ist außer Frage, dass Genveränderungen vorgenommen wurden, wenn man bei der Mutationszüchtung die interessanten Merkmale anhand von sichtbaren Merkmalen auswählt, wie etwa bei dieser Weizensorte die Resistenzen gegen Trockenheit und Kälte hat. Und es gibt keine einfache Möglichkeit zu erkennen, was für weitere genetischen Veränderungen diese neue Sorte wohl haben mag.

Um nicht missverstanden zu werden, ich sehe kein Problem bei der Mutationszüchtung. Die Techniken sind nachweislich erfolgreich bei der Erzeugung brauchbarer genetischer Variationen was zu verbesserten Pflanzen geführt hat. Abgefahren (Awesome). Wobei es mir als Wissenschaftler schwerfällt den Widerspruch aufzuklären, dass diese Methode gemeinhin akzeptiert ist, während transgene Techniken so scharf kritisiert werden.

Verbot der Gentechnik politisch motiviert

Vielleicht zeigt das einfach auf dass die wissenschaftlichen und intellektuellen Argumente gegen genveränderte Pflanzen gar keine echten Bedenken sind. Sie sind nur vorgehaltene Gründe für die derzeitigen Politik-, Wirtschafts- oder Sozialagenden. Die Genwissenschaft ist perfekt geeignet für das kultivieren von Missverständigung und Angst. Nur irgendwie übersehen die gleichen Panikmacher dabei die Mutationszüchtung völlig.

Das sagt auch etwas aus über die wahre Agenda. Es geht dabei gar nicht darum welches Produkt wie hergestellt wurde. Es geht darum, wer das Produkt herstellt.

Übersetzung von Rudolf Kipp.

Kevin M. Folta ist ein amerikanischer Molekularbiologe, der an der University of  Florida die Einwirkung von Licht auf Pflanzen und das Genom von Erdbeeren untersucht. Dieser Artikel ist zuerst auf englisch unter dem Titel „Atomic Gardening – The Ultimate Frankenfoods“ im Wissenschaftsblog science 2.0 erschienen.

 

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33 Kommentare
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  1. Es ist wirklich interessant, dass die Gentechnik allgemein verteufelt wird, Mutationszüchtungen aber überhaupt nicht kritisiert werden. Da scheint die gesamte Betroffenheits-Branche einen blinden Fleck entwickelt zu haben.
    Der einzige, der in Deutschland auf dieses Thema aufmerksam macht ist der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, etwa in dem Artikel „Gentechnik -- von Killerbienen und Monstergemüsen“ oder in dem äußerst lesenswerten Buch Wer hat das Rind zur Sau gemacht?: Wie Lebensmittelskandale erfunden und benutzt werden (Hier eine Buchbesprechung bei Novo).

    Sehr detaillierte Informationen zu verschiedenen Techniken bei der Mutationszüchtung findet man in dem Buch Mutation Breeding: Theory and Practical Applicationsv von A. M. Van Harten (in Auszügen lesbar).

  2. @Rudolf

    ….tja, im Gegensatz zur Gentechnik sieht man wohl in der Mutationszüchtung kein nennenswertes Gefährdungspotenzial.

    Mutationszüchtung unterliegt keinen gesetzlichen Regelungen, da keine Gene aus anderen Organismen eingeführt werden, sondern die natürliche Mutationsfrequenz erhöht wird. Auf diese Weise ist zum Beispiel eine Kartoffel gezüchtet worden, die genau wie die mit Gentechnik hergestellte Amflora keine Amylose mehr produziert. Das Gen für Amylose ist durch eine zufällige Mutation abgeschaltet worden.

    Quelle: Komm ins Beet, Website der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

  3. #2

    Mutationszüchtung unterliegt keinen gesetzlichen Regelungen, da keine Gene aus anderen Organismen eingeführt werden

    Ich will ja der Max-Planck-Gesellschaft nicht zu nahe treten, aber diese Logik ist doch etwas seltsam. Gene aus anderen Organismen wären ja wenigstens evolutionär erprobt und haben eine oft ziemlich genau untersuchte Funktion (insbesondere solche Gene, die man gentechnisch nutzen möchte), aber durch gewaltsam herbeigeführte Mutation entstehen Gene, die es in dieser Form und in dieser Zusammenstellung vorher nie gegeben hat und die vollkommen unerprobt sind, weder von der Natur noch im Labor getestet.

    Es liegt wohl in erster Linie ein psychologisches Problem vor. Bei künstlichem gezielten Eingriff ins Genom denkt man an Mischwesen wie in H. G. Wells‘ „Island of Dr. Moreau“, daran, daß „der Mensch“ an „Gottes Schöpfung“ herumpfuscht und sich so die Vertreibung aus dem Paradies einhandelt. Bei Erhöhung der „natürlichen Mutationsfrequenz“ dagegen wird ein natürlicher Vorgang nur beschleunigt, das sieht harmloser aus.
    Dabei hat eine erhöhte Mutationsfrequenz durchaus nicht nur quantitativen, sondern auch qualitativen Charakter, denn in der natürlichen Evolution finden vereinzelte Mutationen statt und werden dann auf dem Rüttelsieb der Selektion getestet, aber eine sehr hohe Mutationsfrequenz führt zu mehrfachen gleichzeitigen Mutationen vor der Selektion, und daher können entstandene ungünstige Eigenschaften mit zufällig assoziierten selektierten (gewünschten) Eigenschaften mitlaufen.

  4. Danke, daß wiedermal bißchen Licht in die Öko-Ecke kommt. Grün muß man inzwische wohl mit geisteskrank übersetzen.
    Mich würde gelegentlich auch interessieren, wie sich die Entwicklung entsprechender Mikroorganismen in den … KKW gestaltet; ihr wißt schon.

  5. Da ich die Aktion „Komm ins Beet“ des MPI für Molekulare Pflanzenphysiologie sehr gut kenne und auch die Philosophie des MPI, möchte ich es hier ein wenig in Schutz nehmen.

    Ja das ist verquere Logik, zumindest aus Sicht des Fachmannes. Aber Fachleute machen in der Regel keine Gesetze, sondern Juristen. Die greifen wie erst kürzlich auch das Verfassungsgericht gesellschaftliche Strömungen auf, auch wenn diese irrational sind. Das Urteil des Verfassungsgerichtes aus 2010 liest sich wie eine Verlautbarung von greenpeace: http://www.bverfg.de/pressemitteilungen/bvg10-108.html
    „…greift die Gentechnik in die elementaren Strukturen des Lebens ein. Die Folgen solcher Eingriffe lassen sich, wenn überhaupt, nur schwer wieder rückgängig machen. Die Ausbreitung einmal in die Umwelt ausgebrachten gentechnisch veränderten Materials ist nur schwer oder auch gar nicht begrenzbar…“
    Es wurde wegen dieser hohlen Phrasen (was ist ein Eingriff in „elemantare Strukturen des Lebens“ ?) auch hart kritisiert: http://www.dgfz-bonn.de/renommierter_verfassungsrechtler_uebt_harsche_krit.html

    Doch zurück zum MPI: Die Philosophie des MPI ist, zu zeigen, dass man mit verschiedenen Methoden zum gleichen Ziel kommen kann (Mutation oder Gentechnik). Das MPI plädiert deswegen dafür, nicht die Methode zu betrachten und ggf. zu regulieren, sondern das Endprodukt mit seinen Eigenschaften. Daraus würde für die Mutationszüchtung folgen, dass zur Bewertung ein wesentlich höherer Aufwand zu betreiben wäre. Bei der Gentechnik kann mit heutigen Methoden sehr gut das genetische Umfeld des Transgens charakterisiert werden, denn man kann es aufgrund der Kenntnis der Sequenz zielgenau suchen, die meisten Kulturpflanzen sind durchsequenziert und viele Abschnitte auch bereits annotiert (Funktionszuweisung). Mal abgesehen davon, dass es bereits Methoden gibt (Zinkfinger-Nukleasetechnik) das Transgen zielgerichtet in eine bestimmte Stelle des Genoms einzubauen. Die derzeitige Praxis -- Mutationszüchtung ohne Regulation vs. Gentechnik mit abwürgender Überregulation -- ist tatsächlich Ergebnis einer kognitiven Dissonanz (oder wie der Autor schreibt: fehlende intellektuelle Konsequenz) und entstammt in erster Linie Unkenntnis, dem Drang von Bauchgefühlen oder wie in dem Artikel dargestellt der Kultivierung einer bestimmten (grünen) politischen Agenda. Da letzteres häufig in Kenntnis anderslautender wissenschaftlicher Erkenntnisse bewusst erfolgt, erfüllt eine solche Politik den Tatbestand der Antiaufklärung und Demagogie.

  6. und entstammt in erster Linie Unkenntnis, dem Drang von Bauchgefühlen oder wie in dem Artikel dargestellt der Kultivierung einer bestimmten (grünen) politischen Agenda.

    Vielleicht aber auch etwas religiös. Denn ein Transgen zielgerichtet in einem Genom zu platzieren, ist eindeutig vom Menschen gesteuert, Mutationzüchtung via Strahlung und Chemie unterliegt „Gottes“-Zufall.

  7. Die unterschiedliche rechtliche Behandlung von mutationsgezüchteten und gendmodifizierten Pflanzen ist vollkommen unsinnig. Vielleicht kann mir aber jemand aber mal die hasserfüllte Rhetorik gegen Genfood-Gegner hier in den Kommentaren erklären. Warum ist jeder Gegner von Genmanipulation angeblich ungebildet, dumm, ausschließlich gefühlsgesteuert, verrückt usw.? Solche Vorurteile ersticken doch jede Diskussion im Keim. Ich kann z.B. mit primitivem Technikglauben á la 50er absolut nichts anfangen, trotzdem würde ich nicht jeden, der Gentechnik befürwortet, sofort zum ewiggestrigen Idioten abstempeln.

  8. Verehrter Klimzot!

    Helfen Sie mir doch bitte mal auf die Sprünge:

    die hasserfüllte Rhetorik gegen Genfood-Gegner hier in den Kommentaren

    Mit Dank & Gruß!

  9. „Hasserfüllte Rhetorik“ kann ich in den Kommentaren nicht erkennen. Ihre weiteren Unterstellungen wie „ungebildet, dumm, verrückt“ sind etwas anderes als der Hinweis auf Unkenntnis trotz vorhandener, jedem zugänglicher Erkenntnisse oder auf die bewusste Verwendung von Vorbehalten für eine politische Agenda. Und zur Schürung solcher Vorbehalte eignen sich kurze, knackige, negativ besetzte Worte wie „Genfood“ am besten. Ich schreibe hier, weil eben ein anderes Klima herrscht als bei anderen blogs. Es geht hier um eine ideologiefreie und weniger emotionsgeladene Bewertung technologischer Entwicklungen.

  10. #7 kann ich auch nicht so recht nachvollziehen. Bisher geht es hier doch nur darum, die unterschiedliche Behandlung von zwei verschiedenen Methoden künstlicher Genmanipulation aufzuzeigen und über die Gründe dafür zu spekulieren. Eine Bewertung solcher Genmanipulation wäre etwas ganz anderes. Man könnte aus Obigem genausogut den Schluß ziehen, die Mutationszüchtungen seien denselben Kontrollen und Beschränkungen zu unterziehen wie die kontrollierte Genveränderung; ja sogar der Titel der Artikels legt einen solchen Schluß nahe.

  11. Fluminist:
    „Man könnte aus Obigem genausogut den Schluß ziehen, die Mutationszüchtungen seien denselben Kontrollen und Beschränkungen zu unterziehen wie die kontrollierte Genveränderung; ja sogar der Titel der Artikels legt einen solchen Schluß nahe.“

    Einen solchen Schluss sollte man eben nicht ziehen. Der Vergleich beider Züchtungsmethoden soll ja nur die kognitive Dissonanz aufzeigen. Wenn Mutationszüchtung gemeinhin anerkannt und offenbar als problemlos bewertet wird, dann müsste die mit weniger Unsicherheit behaftete, aber streng regulierte Gentechnik erst recht als weniger problemlos eingestuft werden. Und der Autor schreibt ja auch:
    „Um nicht missverstanden zu werden, ich sehe kein Problem bei der Mutationszüchtung. Die Techniken sind nachweislich erfolgreich bei der Erzeugung brauchbarer genetischer Variationen was zu verbesserten Pflanzen geführt hat.“

    Das letzte, was wir brauchen, ist eine Überregulation auch anderer Züchtungsmethoden. Das würde Stillstand bedeuten (so wie bei grüner Gentechnik in Deutschland) und wäre verantwortungslos angesichts der weltweiten Herausforderungen zur Lebensmittelversorgung.

  12. Mal ganz von den aktuellen Dissonanzen abgesehen gibt es noch eine sehr bedeutsame Unlogik im Ökologismus:
    Einerseits wird Hochleistungslandwirtschaft in jeder Hinsicht verteufelt -- die vehemente Ablehnung der Genmanipulation ist ja nur ein Aspekt -- andererseits aber wird Agrarenergiegewinnung propagiert.
    Nun ist es aber doch jedem auch nur halbwegs vorausschauendem Menschen klar, dass der Hochleistungsanbau von Energiepflanzen nicht nur extrem Umwelt- und naturschädigend ist, sondern dass genau diese Turbolandwirtschaft auch Sachzwänge schafft, die früher oder später zwangsläufig zum Einsatz genmanipulierter Sorten führen muss, denn:

    1. Monokultur und reduzierte Fruchtfolge schädigt nicht nur den Boden, erfordert nicht nur massiven Mineraldüngereinsatz und ist nicht nur mittelfristig grundwasserschädigend, sondern erhöht vor allem den Schädlingsbefall.
    Zur Erntesicherung bleiben nur zwei gleich ‚teuflische‘ Alternativen: Pestizide oder Resistenzüchtungen!
    2. Energiepflanzen haben nur ein Zielkriterium: Maximalen Brennwert, maximale Masse. Die extreme Ausbildung einer einzigen Eigenschaft ist ideal zum Einsatz von Gentechnik, da ‚Nebenwirkungen‘ wie Aromaverlust, ansprechendes Aussehen, Lagerstabilität etc. keine Rolle spielen und rasche Erfolge wünschenswert sind.
    3. Die Hemmschwelle zum Einsatz von Gentechnik ist bei Energiepflanzen, die ja nicht zum Verzehr gedacht sind, viel niedriger .

    Es liegt also in der inneren Logik, dass die Förderung des Energiepflanzenanbaus beinahe zwangsläufig die Einführung der Gentechnik nach sich ziehen wird -- Es ist die gleiche Logik bzw der gleiche ‚Sachzwang‘, nach der Natur- und Landschaftsschutzgebiete ihren Schutz verlieren und zerstört werden, wenn man Windkraft fördert.

  13. Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
    daß sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären.

  14. Zum Wochenende :-)
    http://tinyurl.com/d3lj47u

  15. #14

    Dieses Gerede von der Bekämpfung des Hungers durch Landwirtschaft! Die Menschen in den ärmeren Regionen, vor allem in Europa, können sich das Agrar-Food doch ohnehin nicht leisten!

    Ja, da gehen einem die Augen auf!

  16. Bei allem Respekt für Retrospektiven, das ist doch etwas zu fiktiv. Hätte damals jemand so in seiner Horde rumgelabert anstatt sich an der Nahrungsbeschaffung zu beteiligen, dem hätten sie schon die Leviten gelesen oder kurzerhand ausgeschlossen und zum Verhungern verdammt. Heute qualifiziert so etwas natürlich zur Teilhabe an der Zivilgesellschaft und die die so etwas wie Wahrhaftigkeit und Gewissenheit fordern, sind die Spielverderber.

  17. Ich habe dabei Äußerungen wie folgende gemeint:

    Grün muß man inzwische wohl mit geisteskrank übersetzen.

    Andere Kommentatoren wählen elegantere Formulierungen, wie z.B.:

    entstammt in erster Linie Unkenntnis, dem Drang von Bauchgefühlen

    Ich bin mir sicher, dass es Gentechnikgegner gibt, deren Ablehnung tatsächlich aus Bauchgefühlen resultiert. Aber wie viele das sind, müsste man erst mal erforschen. In der fachfremden Normalbevölkerung wahrscheinlich viele. Ebenso wahrscheinlich ist aber auch, dass viele fachfremde Befürworter ebenso aus Bauchgefühl heraus denken und handeln. Da steht dann eben das wohlige Gefühl, dass Technik immer „toll“ ist, alle Menschheitsprobleme in kürzester Zeit lösen wird, und man sich keinerlei Gedanken um komplexe Themen machen muss, im Vordergrund. Über die tatsächlichen Risiken und Chancen von genmodifizierten Pflanzen sagt das alles nichts aus, über interessierte und (hoffentlich) kompetente Streiter auf beiden Seiten ebenfalls nicht.

  18. Klimzot

    „Über die tatsächlichen Risiken und Chancen von genmodifizierten Pflanzen sagt das alles nichts aus“ Es gibt dazu nach 15-jähriger Anbaupraxis und fast 30-jähriger Forschung eine große, jedem verfügbare Datenfülle, die die EU-Gremien und staatliche deutsche Beratungseinrichtungen (ZKBS) und Forschungsgemeinschaften (DFG, acatec) den Schluss ziehen ließen, dass die Risiken nicht anders zu bewerten sind als die der konventionellen Pflanzenzüchtung. http://ec.europa.eu/research/biosociety/pdf/a_decade_of_eu-funded_gmo_research.pdf
    http://www.gmo-safety.eu/news/1262.eu-genetic-engineering.html
    Nur manche können oder wollen das nicht wissen oder akzeptieren, weil erstere Informationen vom hören-sagen reichen und die anderen es nicht in ihre politische oder ideologische Agenda passt.
    Die Ablehnung resultiert nicht nur aus einem Bauchgefühl, sondern überwiegend aus unbewusst (stille Post) oder bewusst (grüne Agenda) gestreuter Fehlinformation. Dass man sich nicht mal auf die sog. Qualitätsmedien verlassen kann zeigen folgende zwei Beispiele, die nur mittelbar etwas mit dem Thema GVO zu tun haben. Aber beim Thema Sortenschutz und Pflanzenschutzmittel geht es mit den Informationen ebenso drunter und drüber:
    http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=319
    http://www.transgen.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=318

    Übrigens sind die Technikbegeisterten in Deutschland eindeutig in der Unterzahl und am Aussterben, weil Bedenkenträger trotz sicherer Lebensumstände hier Hochkonjunktur haben, vielleicht auch, weil langsam der Nachwuchs ausgeht.

  19. Der EUGH hat gestern erst die Interessen der großen Firmen wie Monsanto gestützt und den gewerblichen Handel mit „alten Sorten“ verboten.
    Keine Ahnung, warum das wichtig sein sollte, wenn alte Sorten weiter existieren dürften, sie wollen doch Artenvielfalt?

  20. @ nLeser

    Da gibt es ein Bakterium namens Micrococcus radiodurans (= Deinococcus radiodurans), das dank seiner Strahlenresistenz unter anderem in Lebensmittelkonserven vorkommt, die durch ionisierende Strahlung sterilisiert wurden, oder im Kühlwasserkeislauf von AKWs. Das Bakterium ist dank seiner Widerstandskraft auch gegen andere Umweltfaktoren allgegenwärtig, aber harmlos -- obwohl es seit Jahrzehnten in Reaktoren immer neue Mutationen ansammeln konnte.

  21. #19 Hier klingt das allerdings etwas anders:

    Europas Bauern dürfen selbst Saatgut aus alten, amtlich nicht zugelassenen Pflanzensorten herstellen und vermarkten -- regional und in geringen Mengen. Die umstrittene EU-Richtlinie verbiete dies nicht, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem am Donnerstag verkündeten Urteil. Die EU-Kommission muss jetzt das Vermarktungsverbot alter Sorten aufheben und die Mitgliedstaaten auffordern, dem zu folgen.

    Solange er nicht Handel im großen Stil mit den alten Sorten treiben will, darf der Bauer also nach wie vor die Artenvielfalt auf seinem Acker pflegen.

  22. @Klimzot

    Ich habe dabei Äußerungen wie folgende gemeint:
    Grün muß man inzwische wohl mit geisteskrank übersetzen.

    Wenn meine Bemerkung als „haßerfüllte“ persönliche Beleidigung bei Ihnen angekommen sein sollte, dann bitte ich Sie um Verzeihung!
    Abgesehen davon, daß in meinem Alter die Aufregungen eher piano verlaufen: „Grün“ steht bei mir weniger für bestimmte Personen (ich war selber schon dort zugange, habe etliche Freunde und Verwandte dieser Denkrichtung), sondern für eine politisch / ideologisch / weltanschauliche Richtung, deren Grundaussagen / Ideen immer offenkundiger divergieren und die sich gegenseitig ad absurdum führen. (Beispiele muß ich nicht wiederholen.) Als Analogie für diese, jeder Logik hohnsprechenden, ideologischen Ansichten fällt mir nur die Schizophrenie nie. Verkürzt wurde daraus „grün = geisteskrank“.

    Es gab seinerzeit sehr viele anständige, menschlich integre, selbstlose Kommunisten. Die hatten jene Welterlösungsvorstellungen verinnerlicht (zunehmende Zweifel unterdrückend), nahmen keine persönliche Vorteile, übten selber kein Unrecht aus, bespitzelten keine andere Leute usw. Trotzdem ist der Kommunismus in toto verbrecherisch!

    Freundlichen Gruß

  23. @Wafthrudnir

    Danke für den Hinweis auf das interessante Bakterium Micrococcus radiodurans!

    Die klandestine Bezeichnug KKW oben meinte KACKE-Kraftwerke.:)

    mfG

  24. @nLeser

    Die klandestine Bezeichnug KKW oben meinte KACKE-Kraftwerke.:)

    …. hi hi, „Kraft durch Kacke”?

  25. @Klimzot :
    Auch ich möchte noch einmal auf Ihre Bemerkungen zurück kommen.
    Sicherlich denken und handeln wenigstens 90% der Bevölkerung aus dem Bauch, in beiden Lagern.
    Sie haben völlig recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass die Auseinandersetzung keineswegs zwischen ‚Bauchdenkern‘ und Rationalisten abläuft und die Mahnung, ab und zu in den Spiegel zu sehen, schadet gewiss nicht.

    Doch hier ist auch in der Regel nicht von den Mitläufern die Rede, sondern von den Agitprop-Aktivisten, den Managern der grünen Bewegung. Bei denen finden sich natürlich auch hirnlose und bauchgesteuerte Exdemplare wie Claudia Roth, doch es ist undenkbar, dass in ihrem inneren Zirkel nicht die zynische Verachtung für ihr Stimmvolk überwiegt oder doch zumindest deutlich präsent ist. Das ist der Auslöser für manche wütende Bemerkung. Gemeint sind die skrupellosen ideologen, welche die emotionale Lenkbarkeit der Masse bewusst ausnützen um ihre eigenen klandestinen Ziele zu verwirklichen, nicht anders, wie Rheumadeckenverkäufer auf Kaffeefahrten.

    Ich erinnere mich da zum Beispiel an die feixenden Grimassen der grünen Fürhungsmannschaft nach der Naturkatastrophe in Japan, als sie diese schreckliche Tragödie umgehend für ihre Agitprop-Agenda nutzten. Da konnten sie nicht einmal vor den Kameras der Journalisten Trauer über 20.000 Menschenleben mimen, so sehr waren sie von diesem ‚Geschenk‘ begeistert.

  26. (Entschuldigung für die DDR-Reminiszenzen!)

    Bezüglich des Mitläufertums noch eine Anmerkung: Der damalige Universitätsrektor erhielt etwa das Dreifache wie ein gut verdienender (und de facto unkündbarer) Fabrik-Schichtarbeiter. Selbst die Bonzen lebten materiell (aus heutiger Sicht!) relativ bescheiden (Feinheiten der Mangelwirtschaft beiseite).

    Heute degegen scheint es eine ziemlich breite und einflußreiche Schicht von, oft fachlich hochqualifizerten, Personen in subventionierten Firmen, Verwaltungen, Forschungseinrichtungen, Medienanstalten, Redaktionen, Gewerkschaften, Kirchen, Organisationen u.v.a. zu geben, die unmittelbar und existenziell mit der grünen Agenda / Klimarettung / Bürgerbeschützung / Bio-Ernährung / Kinder-, Frauen-, Südländerbetreuung / Schulbeaufsichtigung / Seelsorge für alle Lebenslagen usw. zu tun haben und für die das Stichwort CO2 sehr viel mehr als „Kohlendioxid“ bedeutet…

    Ich hoffe sehr, daß es in dieser Fehlentwicklung noch einen zivilisierten Ausweg gibt! mfG

  27. achgut.com (Stadler):

    Ich kenne keine rationalen Gründe gegen die Gentechnik

  28. #27. Tim Hardenberg

    Ich kenne keine rationalen Gründe gegen die Gentechnik

    moin Tim,

    ich auch nicht!

    karl.s

  29. @karl.s

    …..moin, Karlchen, wir ham Dich schon vermisst! Hoffentlich haste dich gut erholt im Urlaub, hier pfeift jetzt wieder ein anderer Wind (…der den Großen Transpirateuren – wie immer – ordentlich ins Gesicht bläst). 😉

    Gruß
    Tim

  30. Huhu Karlchen, welcom back.

    MfG

  31. #29./30. Tim u. Heinz

    danke, danke. Um ehrlich zu sein, mir hat was gefehlt 😉

    gruß
    karl.s

  32. @Klimzot wie soll man denn Menschen nennen,
    die rationalen Argumenten nicht mehr zugängig sind?

  33. http://www.focus.de/panorama/diverses/nahrungsmittel-kerntechnik-zur-sicherung-der-lebensmittelversorgung_aid_818125.html
    Das ist doch ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Anwendung der als „Risikotechnologie“ bezeichneten Kerntechnik zur Erzeugung neuer Pflanzensorten nicht reguliert wird, während die präzise „Risikotechnologie“ Gentechnik in Europa mittels Überregulierung verbannt wurde. Schon häufig thematisiert, aber als fachkundiger kommt man nicht umhin, über so viel Unfug wiederholt den Kopf zu schütteln.

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