Die Berechnung der sozialen Kosten des Kohlendioxid: Wissenschaft oder Spekulation?

15. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Artikel

kirche_gustorf

Mit diesem Artikel möchte ich an einem Beispiel aufzeigen wie in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur die hypothetischen sozialen Kosten des von uns Menschen emittierten COberechnet werden.

Die Abschätzungen der externen Kosten der CO2-Emissionen (englisch: social costs of carbon (SCC)) überdecken drei Größenordnungen, von 0.0 £ (oder sogar darunter) bis 1000 £ pro Tonne Kohlenstoff, schreiben Watkiss und Downing in: „The Social Cost of Carbon: Valuation estimates and their use in UK policy“. [1]

Fehlende Studien in den Wirtschaftssektoren und unser mangelndes Verständnis der lokalen und regionalen Wechselwirkungen schließen, laut Watkiss und Downing, eine mittlere Abschätzung der SCC von vornherein aus. Darüber hinaus bleibt ihrer Meinung nach die eindeutige Verwendung von SCC-Werten für die Klimawandelpolitik umstritten.

Die Berechnung der Grenzkosten der anthropogenen CO2-Emission

Um die Grenzkosten der anthropogenen CO2-Emission (im folgenden Grenzkosten) zu berechnen, brauchen wir im wesentlichen drei Funktionen.

Zum ersten eine Rückhaltefunktion G(t), die beschreibt welcher Anteil der CO2-Emissionen in der Atmosphäre verbleibt. Eine Schadensfunktion C(mh), welche die Kosten des Klimawandels mit den CO2 Konzentrationen in der Atmosphäre in Beziehung setzt. Wobei mit mh der Zuwachs an CO2 seit der vorindustriellen Zeit (das Jahr 1750) bezeichnet ist.  Zum Dritten eine Funktion V(t) die den Gegenwartswert derjenigen Kosten beschreibt, die ab heute bis weit in die Zukunft als Schaden entstehen könnten, wenn eine zusätzliche Tonne Kohlenstoff (als CO2) emittiert wird.  Außerdem muss man natürlich den Zeithorizont T abschätzen über den der Schaden verursacht werden könnte. Man beachte, dass alle Zahlen auf Tonnen Kohlenstoff umgerechnet sind. Eine Tonne Kohlenstoff entspricht 3.7 Tonnen CO2.

Die Grenzkosten MC1 einer Einheitsmenge an CO2-Emission ergeben sich dann aus den drei Funktionen mit einem einfachen Integral zu

MC1  .                                                                  (1)

Die Schadensfunktion

Azar und Sterner [2] nehmen an, dass die Schadensfunktion C(mh) durch folgenden Zusammenhang gegeben ist

Cmh .                                                                       (2)

wobei Y(t) das Welteinkommen zum Zeitpunkt t bezeichnet und der Schadenskoeffizient k den Bruchteil am Welteinkommen beschreibt, der durch eine äquivalente Verdopplung von CO2 verloren geht. Mit mp ist der vorindustrielle Wert der CO2-Menge bezeichnet. Die Schadensfunktion ist also proportional zum Welteinkommen in der Zukunft, sowie zur von den Menschen in die Atmosphäre emittierte  CO2-Menge.  In der Studie von Azar und Sterner wird ein Schadenskoeffizient k von 1.5% verwendet, dessen Wert aber großen Unsicherheiten unterliegt.  Man findet in der Literatur Werte zwischen 1% und 2.5%.  Und natürlich kann man kritisieren, dass die Schadensfunktion C ja eigentlich vom realen Temperaturanstieg abhängen müsste.

Der Zeithorizont

Azar und Sterner [2] nehmen willkürlich an, dass Gleichung (2) 300 Jahre bis 1000 Jahre in die Zukunft gilt. Zum einen weil es ja 1000 Jahre dauert 85% des überschüssigen CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen und weil ja auch Konflikte wie in Palästina oder Jugoslawien einige hundert Jahre früher ausgelöst wurden.

Der Kohlenstoffzyklus

Nun müssen wir als nächstens den Anteil einer Einheitsmenge CO2 beschreiben der in der Atmosphäre verbleibt. Nordhaus und andere nutzen eine einfache Exponentialfunktion

Gt ,                                                                            (3)

wobei β das unmittelbare Rückhalteverhältnis bezeichnet und δ die Rate mit der CO2 aus der Atmosphäre enfernt wird. Azar und Sterner diskutieren die Nordhaus-Funktion (3) benutzen aber selbst die Funktion

Gmrh,                                                 (4)

nach einem Model von Maier-Reimer und Hasselmann 1987, wobei die Parameter Aj und τj vom Emissionsszenario abhängen.

Die beiden unterschiedlichen Rückhaltefunktionen (3) und (4) habe ich in Bild 1 dargestellt:

Azar

Bild 1: Die Rückhalterate der Atmosphäre für CO2 nach zwei verschiedenen Modellen.

Wie man einfach sehen kann sind die Unterschiede substantiell, vor allem wenn man Zeiträume über 300 Jahre und mehr betrachtet. Die Modellfunktion (4) mit den Parametern aus Azar et al. [2] entspricht auch im wesentlichen was das IPCC in seinem Bericht AR 5 WG1 immer noch benutzt. Deshalb benutze auch ich diese seit 26 Jahren „bewährte“ Funktion.

Der Gegenwartswert des Schadens

Die Berechnung des Gegenwartswertes des hypothetischen Schadens wäre sicher ein eigener Artikel, den ich an dieser Stelle zurückstelle, da ich kein Wirtschaftswissenschaftler bin. Stattdessen beschränke ich mich darauf die Funktion

Vt                                                             (5)

anzugeben, die Azar und Sterner benutzen. Wobei γ der Koeffizient der relativen Risikoabneigung ist und  ρ der Abzinssatz aufgrund des Zeitpunktes alleine, der auch Zeitpräferenzrate genannt wird. P(t) bezeichnet die Entwicklung der Weltbevölkerung. Der Gegenwartswert V(t) hängt also vom Wachstum der Weltbevölkerung und dem Wachstum des Welteinkommens ab.

Das Wachstum der Weltbevölkerung P(t) und des Welteinkommens Y(t) werden bei Azar und Sterner mit den beiden folgenden logistischen Funktionen,

Pt                                                    (6)

und

Yt ,                                                   (7)

 

beschrieben. Für die spätere Berechnung wurden die Annahmen von Azar und Sterner [2] übernommen.

Das sind mp=600 Gton C, αy = 0.03, αp = 0.02, P=10.6 Mrd. Menschen, P0=5.7 Mrd. Menschen, Y= 16000 Mrd. USD, Y0 = 2000 Mrd. USD. Po und Yo sind die Weltbevölkerung und das Welteinkommen zum Zeitpunkt t = 0.

Das Ergebnis meiner Rechnungen

Mit den Funktionen (2), (4) und (5) eingesetzt in (1) ergibt sich die Rechenvorschrift für die Grenzkosten oder sozialen Kosten der CO2-Emission:

MC12 .                                       (8)

Betrachten wir nun die Funktion (8) etwas genauer. Zunächst einmal den Parameter γ. Dieser Parameter beschreibt wie wir Risiko und Ungleichheit bewerten. Je höher der Wert dieses Risikobewertungsfaktors γ, desto stärker lehnen wir Risiko und Ungleichheit ab. Azar und Sterner geben an, dass empirische Studien den Wert für den Risikobewertungsfaktor γ im Bereich zwischen Eins und Zwei ansiedeln. Für die Zeitpräferenzrate ρ schreibt Nordhaus [3], dass die meisten Ökonomen und Sozialphilosophen eine reine Zeitpräferenzrate größer Null (ρ = 0.0) im Abstrakt eines Papers nur schwer verteidigbar finden. Trotzdem wählt Nordhaus eine Zeitpräferenzrate von drei Prozent (ρ = 0.03), während Azar und Sterner eine Zeitpräferenzrate von Null (ρ = 0.0) wählen. Eine Zeitpräferenzrate von Null bedeutet, dass hypothetische Schäden in der Zukunft von uns Menschen genauso bewertet werden wie reale Schäden in der Gegenwart.

In diese Diskussion möchte ich in aber diesem Artikel nicht einsteigen und stattdessen anhand einiger Extremwerte den Verlauf der Funktion (8) diskutieren.

Wählen wir nun einen Zeithorizont von 1000 Jahren und plotten in Bild 2 die sozialen Kosten der CO2-Emission für zwei verschiedene Zeitpräferenzraten von ρ = 0.0 und ρ = 0.03 als Funktion des Risikobewertungsfaktors γ, der im Bereich zwischen 1.0 und 2.0 liegt.

SCC1000

Bild 2: Die sozialen Kosten des CO2: blau für  ρ = 0.0 und rot für  ρ = 0.03 und T = 1000 Jahre.

Als Ergebnis halten wir fest, dass sich für den 1000 Jahre Integrationszeitraum pro emittierte Tonne Kohlenstoff soziale Kosten von 13 USD – 200 USD berechnen. Pro emittierte Tonne CO2 ergeben sich dann Kosten von 3 USD – 53 USD. Beachte, dass die US-Dollar (USD) aus dem Jahr 1995 sind.

Plotte ich das gleiche nochmal für einen Integrationszeitraum von 300 Jahren, so ergibt sich das Bild 3.

SCC300

Bild 3: Die sozialen Kosten des CO2: blau für  ρ = 0.0 und rot für  ρ = 0.03 und T = 300 Jahre.

Als Ergebnis halten wir fest, dass sich für einen Integrationszeitraum von 300 Jahren pro emittierte Tonne Kohlenstoff soziale Kosten von 13 USD – 85 USD berechnen. Pro emittierte Tonne CO2 ergeben sich dann Kosten von 3 USD- 23 USD.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Wir haben gesehen, dass man für die Berechnung der sozialen Kosten des von uns Menschen emittierten CO2 mit drei Funktionen rechnet. Eine Rückhaltefunktion G(t) für das CO2 der Atmosphäre, die sich aus den Simulationen des Kohlenstoffzyklus ergibt. Eine Schadensfunktion C die proportional zum Welteinkommen ist. In diesem Artikel wurde der Wert für diesen Proportionalitätskoeffizienten k auf 0.015 (1.5%) gesetzt. Der Gegenwartswert der in der Zukunft verursachen hypothetischen Kosten. Entscheidend für das Ergebnis ist dann vor allem die Festsetzung der Zeitpräferenzrate ρ. Für den Risikobewertungsfaktor γ wurde der Bereich zwischen Eins und Zwei betrachtet und ein Integrationszeitraum von 300 bzw. 1000 Jahren. Die Berechnung der sozialen Kosten erfolgt dann über das Integral aus dem Produkt der drei Funktionen. Zusammenfassend ergeben sich mit diesen Werten und nach Gleichung (8) pro emittierte Tonne Kohlenstoff soziale Kosten von 13 USD – 200 USD. Pro emittierte Tonne CO2 ergeben sich also hypothetische Schadenskosten von 3 USD – 85 USD.

Was bedeutet das nun für die sozialen Kosten unserer Stromerzeugung. Ein Braunkohlekraftwerk emittiert pro Kilowattstunde Strom (kWhel)  1161 g CO2. Gemessen in Kohlenstoff sind das etwa 313 g Kohlenstoff. Damit errechnen sich soziale Kosten in der Größenordnung von 0.004 USD/kWhel bis 0.06 USD/kWhel.

Ausblick

Ich möchte mich bei Gerhard von Straten bedanken, der mich zu diesem Artikel motiviert hat. Mein Ziel war es zu skizzieren wie man die sozialen Kosten berechnet.  Dabei habe ich den lehrreichen Artikel von Azar und Sterner gefunden. Beim Durcharbeiten habe ich gelernt das die Berechnung der sozialen Kosten der CO2-Emission eine Vielzahl von Annahmen beinhaltet die mir willkürlich erscheinen. Aber vielleicht findet sich ja in der Diskussion ein Wirtschaftswissenschaftler der diesen Eindruck korrigieren kann.

Im Grunde integriert man bei der Berechnung der sozialen Kosten der CO2-Emission über ein Produkt aus drei Funktionen die man nicht kennt und zu allem Überfluss auch noch über einen Zeitraum den kein Mensch überblicken kann. Ich stelle auch fest, dass die Spannweite der berechneten sozialen Kosten vor allem dadurch zustande kommt, dass der Zeitpräferenzwert ohne wissenschaftliche Begründung auf Null (ρ = 0.0) gesetzt wird und die Zeitspanne für die Integration zu 1000 Jahren gewählt ist. Dadurch geht ein Schaden der in 1000 Jahren entstehen könnte, so in die Berechnung ein, als fände er heute statt. Damit wird meines Erachtens eine wirtschaftliche Kosten/Nutzen-Analyse „ad absurdum“ geführt.  Für mich entsteht dadurch auch der Eindruck, dass „wissenschaftliche Ergebnisse“ als politische Instrumente missbraucht werden.

Ich habe deshalb zum Abschluss die Zeitpräferenzrate auf ρ = 0.005 (0.5%) gesetzt und mit ρ = 0.03 (3%) verglichen. Eine Zeitpräferenzrate von ρ = 0.005 bedeutet, dass ein Schaden der in 1000 Jahren entstehen könnte zu nur 0.7% in die Berechnung eingeht. Ein Schaden der in 100 Jahren entstehen könnte geht hingegen zu 60% in die Berechnung ein.

SCC0005

Bild 4: Die sozialen Kosten des CO2: blau für  ρ = 0.005 und rot für  ρ = 0.03 und T = 1000 Jahre.

Als Ergebnis halten wir fest, dass sich bei diesen Parameterwerten und einem Integrationszeitraum von 1000 Jahren pro emittierte Tonne Kohlenstoff soziale Kosten von 13 USD – 55 USD berechnen.

Damit ergeben sich für die Stromerzeugung durch Braunkohle soziale Kosten in der Größenordnung von 0.004 USD/kWhel und 0.017 USD/kWhel.

Bitte beachten, dass meine Rechenergebnisse sicher nur die Größenordnung und die Größenverhältnisse wiedergeben. Ausserdem ging es mir darum die Methode vorzustellen. Mit einer Wertung habe ich mich deshalb zurückgehalten.

Update

Auf Basis ähnlicher Rechnungen berechnet das Umweltbundesamt die externen Kosten der Stromerzeugung oder des Verkehrs. Diese Rechnungen sind also die Basis für die politischen Entscheidungen bzgl. EEG, LKW-Maut, etc. [4] So errechnet das Umweltbundesamt 0.087 €/ kWhel als externe Kosten für die Stromerzeugung durch Braunkohle. [4]

Quellen:

[1] Watkiss and Downing 2008: „The Social Cost of Carbon: Valuation estimates and their use in UK policy“, http://journals.sfu.ca/int_assess/index.php/iaj/article/viewFile/272/236

[2] Azar und Sterner 1996: „Discounting and distributional considerations in the context of global warming“, ftp://131.252.97.79/Transfer/ES_Pubs/ESVal/carbon_val/azar_96_DiscountAndDistribCarbon_EcolEcon_v19_p169.pdf

[3] Nordhaus, W.D., 1994. Managing the Global Commons. The Economics of Climate Change. MIT Press, Cambridge, MA.

[4] EXTERNE KOSTEN KENNEN – UMWELT BESSER SCHÜTZEN  Die Methodenkonvention zur Schätzung externer Kosten am Beispiel
Energie und Verkehr , http://www.dfld.de/Downloads/UBA_070427_ExterneKosten-1.pdf

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18 Kommentare
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  1. Diese Überlegungen sind ja sehr ehrenhaft, aber es liegt ein großer Denkfehler dem ganzen zugrunde. Die Einstellung ist negativ und daher wird eine Schadensfunktion zugrundegelegt.

    Wir haben bei allem, auch bei der Energie eine Upside und eine Downside, bei der Energie haben wir dies auch, und wir würden keine Kohle verwenden, wenn die Upside nicht die Downside überwiegen würde und dies sollten wir auch durch Formeln ausdrücken und betonen.

    Statt mit einer Schadensfunktion zu rechnen, sollten wir mit einer Nutzenfunktion rechnen, die von den Vorteilen die Nachteile abzieht. Keine Energie zu haben ist wesentlich schlimmer, als das 120.000 Menschen in der EU pro Jahr an Luftverschmutzung vorzeitig Sterben. Ohne Energie wären es weit mehr, denn dann hätten wir gar keine Zivilisation mehr.

    Energie ermöglicht leben, und dies sollte man auch so durch eine Nutzen-Funktion zum Ausdruck bringen. Die negative Herangehensweise ist die Domaine der Grünen, und die sollten wir ihnen überlassen und uns da nicht von ihnen funktionalisieren lassen.

    Wenn man diese Nutzen für die Verscheidenen Energieformen erstmal hat, macht es am Ende nur Sinn diese Nutzen der verschiedenen Energieformen zu vergleichen.

    Aber am Ende des Tages braucht man diese komplizierten Rechnungen doch nicht, weil wir ja ganz einfach erkennen können, dass wir durch die Kohle in der EU viele Tote jedes Jahr haben, die wir bei der Kernkraft nicht hätten, selbst wenn wir ein Fukushima jedes Jahr in der EU durch zweitausend AKWs hätten. Selbst ein Tschernobyl pro Jahr hätte keine 100.000 Tote pro Jahr.

    Dadurch das die 68er Friedens- und Antiatombewegung den Ausbau der Kernkraft seit den 1970ern verhindert haben, haben sie erzwungen, dass heute noch jedes Jahr durch die Luftverschmutzung viele Menschen sterben. Hätten wir heute die Kernkraft, bis auf im Verkehr und wenigen anderen Bereichen, wo Öl und Gas schwer zu ersetzen sind, würden wir schon lange 80% der Luftverschmutzung nicht mehr haben.

    Letztendlich sind also die Grünen an 100.000 Toten allein in der EU jedes Jahr verantwortlich, was sich über die Jahrzehnte zu Millionen summiert hat.

    Den wirtschaftlichen Schaden dieser negativen, gegen den Menschen gerichteten Politik wird man wohl kaum beziffern können, und die dadurch unnötiger Weise in relativer Armut lebenden wohl auch kaum.

    Lasst uns Kernkraftwerke in alle Welt exportieren, besonders in die Dritte Welt als Entwicklungshilfe, statt ihnen das Essen und die Ackerflächen zu nehmen.

  2. Kann man Jobverlust und Deindustrialisierung auch als soziale Kosten betrachten? http://www.welt.de/wirtschaft/article122930122/Hoehere-Oekostrom-Umlage-kostet-86-000-Jobs.html

  3. Mathematisch relativ einfach und leicht nachvollziehbar. Aber die eingesetzten Parameter sind ohne Ausnahme reine Annahmen, die man fast beliebig festlegen kann. Ist der Zusammenhang zwischen CO2-Emission und Temperaturvariation stetig und linear? Zumindest in den letzten hundert Jahren empirisch nicht nachvollziehbar. Und vor dieser Zeit gab es kein anthropogenes CO2. Mit welchem Koeffizienten (Sensibilität)? Niemand kann eine einigermassen verlässliche Zahl nennen, nicht einmal das IPCC.
    Niemand weiss, wie lange überschüssiges anthropogenes CO2 in der Atmosphäre meteorologisch wirksam bleibt.
    Weshalb sollte ein höherer Anteil CO2 in der Atmosphäre Schaden verursachen? Pflanzliches Wachstum ist direkt von der CO2-Konzentration abhängig; mehr CO2 bedeutet höhere landwirtschaftliche Produktivität.
    Bereits in der Vergangenheit haben Warmperioden die Entwicklung der Menschheit positiv beeinflusst, zu besserer Gesundheit und wirtschaftlicher Prosperität geführt. Wo werden diese „negativen“ Schäden in der Berechnung berücksichtigt?

  4. Offengestanden:
    Ich kann Berechnungen, die zeitlich 300 oder gar 1000 Jahre in die Zukunft extrapolieren, nicht das geringste abgewinnen.

    Wie wäre es mit einer retrospektiven Schadensrechung anhand enes Beispels, das 300 Jahre zurück liegt?
    Vielleicht anhand der ‚Nachhaltigkeit‘ in der Forstbewirtschaftung? Denn genau in desem Jahr wurde der Begrff erstmals n der Forstwirtschaft erwähnt.
    Konkreter:
    Welche Schadensrechnung kann man für den Holzeinschlag bzw. die Holznutzung in 1713 machen? Da Wälder nur langsam wachsen, ist de Frage meiner Ansicht nach berechtigt; offensichtlich hat die Waldwirtschaft von 1713 langfristige Auswirkungen, die bis heute nachweisbar sind.
    Betrachtet man aber den umwälzenden Wandel der Welt in diesen 300 Jahren, wird sofort klar: Niemand im Jahr 1713
    hätte auf irgend eine Art von einer Schadensrechnung profitieren können, die mit dem damaligen Wissen gemacht worden wäre. Jeder, der damals eine derartige Rechnung gemacht und als Entscheidungshilfe propagiert hätte, würde uns heute als Scharlatan belustigen.

  5. @Alexander Biersack
    Ich habe den Artikel geschrieben, weil ich glaube, das in der politischen Diskussion nicht reichen wird dem Schaden einfach einen Nutzen gegenüberzustellen. Beim Beschäftigen mit der Berechnungsmethode ist mir deutlich geworden, dass in Zukunft integrierte Assistent Modelle (IAM) verwendet werden, die mit subjektiven Eingabeparametern gefüttert werden.
    Das heißt der politische Kampf wird schon um die Eingabeparameter gehen. Das zeigt die Diskussion des Zeitpräferenzparameter im Artikel. Der wird dann aufgrund eines subjektiven philosophischen Druckes auf 0.0 gesetzt.
    Wissenschaftler wie Nordhaus die im aufgrund ihrer Untersuchungen auf 0.03 setzen werden politisch überstimmt.
    Dadurch wird aber die Größe des Ergebnis des Modells so beeinflusst, dass andere Parameter kaum Einfluss haben.
    Anders ausgedrückt die Politik kann über diese Eingabeparameter das wissenschaftliche Ergebnis der IAMs beeinflussen.
    In dieser postmodernen Wissenschaft-/Politikdiskussion können sie dann Wissenschaft und Politik als Bürger nicht mehr unterscheiden. Genau deshalb sollten wir hier diese Modelle kritisch begleiten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  6. Ich finde es erst einmal hoch interessant, gezeigt zu bekommen, wie man zu Ergebnissen kommen kann, die dann Eingang ins politische Denken nehmen. Der ganze Ansatz, irgendwelche vermutete Schäden auf dutzende und mehr Generationen hochzurechnen, muss schon bei oberflächlicher Betrachtung absurd erscheinen (sehe ich genau so wie Tritium).

    Aber um ein Ding nicht nur aus dem Bauch heraus abzulehnen, wie ich dass mit den Katastrophenmeldungen, und dazu gehören auch diese angenommenen Schadenssummen, mache, muss man wohl erst einmal so denken wie die anderen denken. Günter hat dies vorgemacht, und damit auch die Fehler die dieser Denkweise inneliegen aufgezeigt.

    Er hat nicht eine Gegentheorie entworfen, oder gar Gegenrechnungen aufgemacht, sondern abgeklopft wie solide die bisher propagierten Schadensmeldungen über das CO₂ sind. So wie ich das sehe, sind die eher das Gegenteil von solide.

  7. Interessanter Artikel, weil er die inzwischen gängige Methodik aller Alarmisten bloßlegt.
    Inzwischen ist es bei den NGOs für CO2 bis Kernkraft zum Standard geworden, alles „unnatürliche“ durch bis zum Wahnsinn hochgerechnete „Zukunftskosten“ zu verteufeln. Und es funktioniert.
    Man lernt eben von den Institutionen, welche diese Psychologie schon vor Jahrtausenden perfektioniert haben und alle Zeitwirren damit sicher überlebten. Dort wurde zwar noch nicht mit Geld hoch-gerechnet, aber Fegefeuer, unendlich lange Höllenfolter und Verdammnis bis in die 5. Generation sind auch nicht ohne.
    Und der Paralleleffekt wirkt(e): Wer heute als Kritiker Schuld daran ist, dass solche (zu xx % sicheren) Zukunftsprobleme eintreten, gehört sofort und unnachsichtig …..

  8. @Heß, Wissenschaft oder Spekulation?
    Ich halte diese Abschätzung für puren Humbug. Es fängt schon damit an, dass eine Gewichtsfunktion (Rückhaltefunktion) G(t) verwendet wird (Gl.(4)), die einen konstanten Wert Ao haben soll -- spricht -- die Gewichtsfunktion (Impulsantwort) konvergiert nicht gegen Null. (Ein System mit solcher Eigenschaft hat bislang noch nie lange Zeit überlebt, glaub ich mal)
    Zum einfachen Verständnis: Jedesmal wenn etwas CO2 freigesetzt wird verbleibt nach dem Modell davon ein Anteil von ca. Ao=10% dauerhaft in der Atmosphäre. Nun muss man sich einmal vorstellen wieviel CO2 durch Vulkane in der Vergangenheit schon freigesetzt wurde.

    Das Paper von Maier-Reimer und Hasselmann 1987 ist leider kostenpflichtig, hab ich folglich nicht gesichtet, vielleicht stehen darin noch Restriktionen für die Anwendbarkeit der Theorie.

    Oma sagte schon immer: Nicht alle, aber die Klima-Pseudos haben von Statistik und Dynamik Null Ahnung

  9. @vivendi #3

    Völlig richtig. Den Nutzen oder „negativen Schaden“ muss man separat berechnen.
    Im Grunde kann man aber die gleiche Formel/Methode verwenden.

    Grüße
    Günter Heß

  10. @Tritium

    laut dem IER in Stuttgart:

    Biomasse hat relativ hohe externe und soziale Kosten. Am günstigsten ist noch die Verbrennung von Rest- und Abfallstoffen in großen Feuerungen.

    Biomasse
    hat laut IER Stuttgart mit Abstand die größten Schadenswerte in der Rubrik menschliche Gesundheit.

    Vor allem die dezentrale Biomasseverbrennung sticht da hervor.

    Grüße
    Güter Heß

  11. @Quentin und H. Kunz

    Mit der Berechnung auf diese Art und Weise wird eine Vermutungskette erzeugt, die es erlaubt einer Technologie beliebige Zukunftskosten zuordnen. Seriös wirkt das in der Tat nicht. Gleichzeitig werden permanent solche Rechnungen gemacht, die Politik fordert das ja ein, um ihre Entscheidungen zu untermauern.

    Genau deshalb müssen wir versuchen diese Mechanismen zu verstehen

    Grüße
    Günter Heß

  12. @Gast #8
    Gut erkannt. Wenn sie diesen konstante Faktor rausnehmen kommt man mit den Parametern im Artikel nur noch auf 78 USD für den Maximalwert statt 200 USD. Die Modelle von Azar und Nordhaus Gleichung (4) und (3) sind da praktisch identisch.
    Das Paper von Maier-Raimer und Hansemann habe ich auch nicht gefunden.
    Allerdings, wenn sie sich Bild 6.1 IPCC AR5 WG1 Kapitel 6
    anschauen finden sie die gleiche Funktion vom Prinzip her,
    nur für 10000 Jahre dargestellt, da lässt sich dann noch weiter integrieren.
    Grüße
    Günter Heß

  13. Lieber Herr Heß,

    Biomasse
    hat laut IER Stuttgart mit Abstand die größten Schadenswerte in der Rubrik menschliche Gesundheit.

    Vor allem die dezentrale Biomasseverbrennung sticht da hervor.

    Sehen Sie, da ist der Spekulation Tür und Tor geöffnet:
    Man könnte jetzt sagen “ Aha! Die Steigerung der Lebenserwartung seit 1713 ist maßgeblich / wesentlich / wissenschaftlich erwiesen auf die Veränderung der Feuerungen zurück zu führen.“
    Man kann das sogar weiter ausschmücken:
    „Die Umstellung von Biomasse-Feuerung auf Kohle zeigt eine sehr gute Korrelation mit der Lebenserwartung; Kohlefeuerung ist also gesundheitspolitisch sehr zu begrüßen!“
    Letzteres wäre nicht nur über die Korrelation gestützt, sondern, wenn ich Sie recht verstehe, sogar mit eine plausiblen Kausalität gestützt -- und ich habe schon sehr viel schwächere statistische Schlußfolgerungen gesehen, die mit dem Brustton der Überzeugung propagiert wurden. CO2 und Temperatur, Passivrauch-Gesundheitsgefahren, Feinstaub…

  14. Lieber Herr Tritium,
    Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch dezentrale Biomasseverbrennung wurden vermutlich schon durch Daten aus der Vergangenheit nachgewiesen, allerdings haben da die Menschen auch mehr geraucht. Eindeutige Kausalitäten bleiben vermutlich schwierig.

    Das IER kommt aber zu interessanten Schlussfolgerungen:

    Laufwasser, gefolgt von Braunkohle, Wind, evtl. Wellenenergie und Steinkohle sind die Optionen mit den niedrigsten sozialen Kosten. Aber: das Potential von Wind und Laufwasser ist begrenzt; Wind und Wellenenergie benötigen Reserve- oder Speicherkapazität.

    oder:

    Stromerzeugung mit Sonnenenergie weist mindestens bis 2030 die höchsten sozialen Kosten auf.

    Grüße
    Günter Heß

  15. Shit in. Shit out.

  16. @Günter Heß
    „Das heißt der politische Kampf wird schon um die Eingabeparameter gehen. “

    Es gibt keine Experimente, nichts. Die „Theorie“ ist praktisch nicht falsifizierbar und hat sich auch nie einem Test unterzogen, wie Tritium schon anmerkte.
    Und somit ist das ganze Spiel mit hübschen Funktionen unwissenschaftliche Bauernfängerei.

    Es muß an der Wurzel zerpflückt werden: Keine Aussagekraft. Auf keinen Fall Gegenrechnungen selber „Qualität“.

    mfg

    PS im übrigen vermute ich, daß es in den Wirtschafts“wissenschaften“ an anderer Stelle ähnlich zugeht

  17. @Günter Heß
    Die Politik entscheidet sich nicht an irgendwelchen komplizierten Formeln, die die Politiker, die größtenteils Juristen und Lehrer sind, die Journalisten, die Germanistik studiert haben, nicht verstehen können,

    Politik entscheidet sich über einfach Sprüche wie: „1-Euro-Jobs“ und „Man muss von seiner Arbeit leben können“ egal wie dumm und falsch diese Sprüche sind. Solange kein Politiker den Mut hat bei Hart aber Fair oder woanders im Fernsehen die Energiewende als Verbrechen gegen die Menschlichkeit moralisch anzuprangern und die einfachen Wahrheiten, mal zu sagen, von den 120.000 Toten der Luftverschmutzung in der EU und den Hungertoten in der Dritten Welt, wird nichts passieren. Die Grünen haben das verstanden, sie schieben die verhungernden Kinder, die ihre eigene Politik verursacht, auf die Spekulanten und Agrarkonzerne.

    Die CDU hat geschickt jetzt die EEG-Politik der SPD zugeschoben. So funktioniert Politik.

    Ich habe übrigens absichtlich nicht von CO2, sondern von Nutzen und Schaden geschrieben. Das CO2 in irgendeiner Weise schädlich ist, ist vollkommen unbelegt, wenn man sich den CO2 Gehalt über die letzten 600 mio Jahre anschaut, sieht man nur das wir an einem Allzeit-Minimum sind. Vielleicht ist ja mehr CO2 auch positiv? Wenn etwas mehr CO2 einen Runaway Prozess der Erwärmung auslösen soll, warum ist dass nicht in den letzten 600 Mrd Jahren immer wieder passiert? Das mit dem CO2 ist einfach haarsträubender Blödsinn, wenn das Wetter einseitig Instabil wäre, wäre es schon längst in diese Richtung gekippt.

    Schaden kann vielerlei sein, wie höhere Nahrungspreise durch Energie zu Essen, mehr Luftverschmutzung, also Feinstaub, Ruß, krebserregende Kohlenwasserstoffe, Dioxin, Radon, wie sie bei Kohle und Ölverbrennung auftreten usw.

    Wenn wir einmal akzeptiert haben, dass wir Energie brauchen und der Energieverbrauch sich global bis 2050 vervielfachen wird, vermutlich verzehnfachen wird, brauchen wir nur zu fragen, was am wenigsten Menschen tötet.

    Die Unterschiede sind gravierend, sie gehen von über 100 Toten pro TWh bei Biomasse, Wasserkraft und Flüssiggas runter auf unter 0,001 Tote pro TWh bei der Kernkraft.

    Dennoch kann man daraus nicht ableiten, dass alle nur Kernkraft machen sollten, denn wenn irgendein Entwicklungsland nicht an Kernkraft kommt, ist Kohle mit 60 Toten pro TWh immer noch besser als keine Energie, denn Energie rettet mit Sicherheit weit mehr Menschen als diese 60, die sie kostet.

    Strom für Händies und Internet ist in der Dritten Welt so wertvoll, wie wir uns das gar nicht vorstellen können.

  18. @ alexander Biersack.
    Danke für die einleuchtende gut verständliche Zusammenfassung des eigentlichen Problems.
    Preisgünstige Energie ist der Schlüssel zu allen sozialen Wohltaten seit dem wärmenden Feuer in der Höhle. Unsere Zivilisation entwickelte sich erst danach und deswegen. Hätte jemand den „Qualm“ schon damals nach komplizierten Formeln berechnet um das Feuer gleich wissenschaftlich fundiert zu ersticken, wären unsere Vorfahren in der „frischen Luft“ erfroren. Unser Leben ist von Gefahren geprägt. 60 sind besser als tausende. Wir laufen ohnehin Gefahr zwischen den wertvollen in den satten Gesellschaften und den übrigen in den Entwicklungsländern zu unterscheiden. Den Feinstaub des Porsche auf dem Weg zum Kindergarten mit Elektroantrieb reduzieren, was immer auch die Konsequenzen sind und den den Afrikaner/Asiaten/Südamerikaner mit Öko -Pur nach Darwin sterben lassen.

    Danke Alexander Biersack

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