Die Gegenrede zum Manifest der Ökomodernisten: Der Ökologismus ist nicht modernisierbar!

21. Mai 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen, Technium

ego3-150x150Eine Wanderung im Schwarzwald wird oft reich belohnt. Mit wunderbaren Panoramen von Dörfern, die sich harmonisch in die Täler zwischen sanft ansteigenden Hügeln schmiegen. Saftige Weiden gehen in die tiefgrünen Wälder auf den Höhenrücken über. Die Idylle, so stellt man rasch fest, ist nicht nur auf Postkarten zu finden. Sie existiert wirklich und übertrifft die gedruckten Hochglanzbilder bei weitem. Der Schwarzwald gilt als ein Stück heiler Natur in Deutschland, mitten im dichtbesiedelten und industrialisierten Europa. So vermarktet er sich auch. Ich mache gerne dort Urlaub.

Obwohl oder gerade weil ich um die Illusion weiß. Der Schwarzwald ist in Wahrheit nicht mehr als eine perfekte Vorspiegelung falscher Tatsachen, eine im Maßstab 1:1 umgesetzte Faller-Modellbahnwelt. Denn ursprüngliche oder gar unberührte Natur findet man dort nicht. Sondern nur eine vollkommen artifizielle Umgebung.

Die Hügel sind durchlöchert von Bergwerksstollen, die meisten Seen und Teiche wurden in Wahrheit als Wasserreservoire dereinst künstlich angelegt, die Bäche und Flußläufe begradigt und umgeleitet, um sie beispielsweise für Wassermühlen nutzbar zu machen. Die Höhenrücken waren noch im 18. Jahrhundert weitgehend entwaldet, das Holz wurde als Baustoff und Energieträger gebraucht. Viele Rodungen dienten auch der Schaffung von Flächen für die Viehwirtschaft. Saftige Weiden gehörten eben nicht zur Grundausstattung dieser Landschaft, als dereinst die Römer sie betraten, um den wenigen Ureinwohnern einen ersten Geschmack der Zivilisation zu vermitteln. Der dann die Bäume zu weichen hatten. Diesen Trend änderte erst die industrielle Revolution, die die Effizienz auch in der Landwirtschaft steigerte und damit deren Flächenbedarf enorm senkte. Auch wurde Biomasse als Primärenergiequelle zügig durch Kohle, Erdöl und später Erdgas ersetzt.

Blick über das Schuttertal - Natur- oder Kulturlandschaft?

Blick über das Schuttertal – Natur- oder Kulturlandschaft?

Diese Entwicklung, die nicht auf den Schwarzwald beschränkt war, erkennen die Ökomodernisten an, wenn sie in ihrem vieldiskutierten Manifest schreiben, das größte Ausmaß habe die Entwaldung vor der industriellen Revolution erreicht, während die Waldfläche in vielen entwickelten Ländern heute wieder deutlich wachse. Nur ist das nicht gleichbedeutend mit der Rückkehr der Ur- sondern mit der Schaffung von Nutzwäldern.

Tatsächlich gibt es keinen Quadratmeter Boden im Schwarzwald, der nicht vom Menschen gestaltet wäre. Oder besser ausgedrückt: Es gibt keinen Quadratmeter, der nicht so ist, wie er ist, weil der Mensch das so will oder akzeptiert. Ist das die „Natur“, der die Ökomodernisten durch das Vermindern menschlicher Einflüsse mehr Raum zur Entfaltung geben wollen? Wohl kaum. Sie meinen die Wildnis, die zurückkehre, wenn der technische Fortschritt zu einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft, also zu einer weiteren Erhöhung des Ertrages pro Flächeneinheit führt. Der Schwarzwald aber stellt keine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft dar. Das ist ein bedeutender Unterschied.

Neben der steigenden Agrarproduktivität sind es zwei weitere Trends, die die Ökomodernisten anführen, um die Validität ihrer Vision zu belegen: Verstädterung und das Absinken der Geburtenrate.

Es stimmt ja, Städte beherbergen bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung auf weniger als 3% der Erdoberfläche mit zunehmender Tendenz. Aber dieser Prozeß ist begrenzt auf Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen die Menschen aus wirtschaftlicher Not in die Ballungszentren kommen. Nicht etwa, weil sie es sich wünschen. In den Industrienationen wachsen die urbanen Kerne nicht, eher sind es die Speckgürtel im Umland. Da hängt natürlich vieles davon ab, wie groß man eine „Stadt“ eigentlich zieht.

Im Schwarzwald reiht sich zwischen den Höfen, Sägewerken und sonstigen kleinen Gewerbebetrieben ein Einfamilienhaus an das andere. Der Lebensraum, den Individuen hier für sich in Anspruch nehmen, spottet jeder Idee von Nachhaltigkeit. Zersiedelung ist eben auch ein Ausdruck von Reichtum. Über den in der idealen Welt der Ökomodernisten die meisten – wenn nicht alle – Erdenbürger verfügen werden.

So mag sich dann auch die Abschwächung des Bevölkerungswachstums in ihr Gegenteil verkehren. Wer weiß schon, was die Zunahme des Lebensalters in Verbindung mit der modernen Fortpflanzungsmedizin und dem Aufkommen robotischer Haushaltshelfer vermag. Wer sicher hundert wird, und das bei bester Gesundheit, mag davon die ersten 25 Jahre in die Ausbildung investieren und die nächsten vierzig in die Wohlstandsmehrung. Es verbleiben dann immer noch weitere vierzig Jahre Freizeit, um sich Kinder zu gönnen und großzuziehen. Vielleicht erleben wir gerade genau diese Zeit des Übergangs in eine Gesellschaft, in der Rentner und Pensionäre Eltern sind.

Reiche Menschen reisen gerne und viel. Vor allem zu den Sehnsuchtszielen, für die die afrikanische Savanne ein gutes Beispiel ist. Steckt hierin nicht ein Beleg für die Machbarkeit der ökomodernistischen Idee eines Wachstums, das die ursprüngliche Natur zu erhalten hilft? Wenn der Tourismus den Menschen vor Ort mehr einbringt, als Landwirtschaft oder auch Wilderei, werden diese dann nicht von ganz allein trachten, ihre Elefanten und Nashörner, ihre Löwen, Giraffen, Zebras und Antilopen in deren angestammten Lebensräumen zu erhalten?

Nein, werden sie nicht. Sie werden einen riesigen Freiluftzoo errichten, mit luxuriösen Erlebnishotels, mit befestigten Wegen, mit Verkaufsbuden und Restaurants an neuralgischen Punkten, die sich beispielsweise  an den Wanderwegen der Tiere orientieren. Man kann auch unterirdische Gänge künstlich anlegen, um Nacktmulle bei ihrem Treiben hinter eingezogenen Glasscheiben zu beobachten. Und vieles andere mehr. Das Konzept ist leicht auf Dschungel und Korallenriffe, auf Eis- oder Sandwüsten und auf Hochgebirgsregionen zu erweitern. Moderne Tierparks machen es vor und überall auf der Welt können die Ansätze hierzu bereits beobachtet werden.

Tribergs Wasserfälle: Ursprüngliche Wildnis? Nein: Gestaltete Landschaft, in vollem Umfang touristisch erschlossen...

Tribergs Wasserfälle: Ursprüngliche Wildnis? Nein: Gestaltete Landschaft, in vollem Umfang touristisch erschlossen…

Eine Welt jenseits der Knappheit wird eben nicht die Rettung der Wildnis erleben. Sondern deren vollständige und umfassende Umgestaltung von der Natur- zur Kulturlandschaft. Und das ist auch gut so. Denn nur, was der Mensch gestaltet und beherrscht, kann auf ihn keinen destruktiven Einfluß mehr ausüben.

Der grundsätzliche Fehler der Ökomodernisten ist schon in ihrem Ausgangsgedanken angelegt. Wie heutzutage üblich, beginnen sie mit einem Dreiklang an Problemen, Risiken oder Gefahren, die es zu lösen, zu minimieren oder abzuwehren gälte. Man kennt diese Herangehensweise ja aus der Wirtschaftspolitik mit Arbeitslosigkeit, Demographie und Ressourcenverfügbarkeit. Oder man nehme das berühmt-berüchtigte energiepolitische Dreieck aus Versorgungssicherheit, Umweltschutz und Preisstabilität. Selbst die konservative Interpretation der Nachhaltigkeit folgt diesem Ansatz mit der Erfindung sozialer, ökonomischer und ökologischer Dimensionen. Häufig ist erst eine ideologische Forderung da, deren Sinnhaftigkeit dann nachträglich damit begründet wird, gleich drei entsprechend erdachte, sich eigentlich widersprechende Ziele zu erfüllen. Manchmal sind die Dreieckszeichner auch von der Relevanz ihrer Eckpunkte überzeugt und sonnen sich dann in ihrer scheinbar idealen Lösung. Ganz wie ein Komödiant, der über seine eigenen Witze mehr lacht, als sein Publikum.

Bei den Ökomodernisten stellen die Verbesserung der Lebensumstände für die Menschen (vulgo Wohlstand), die Stabilisierung des Klimas und eben der Schutz der natürlichen Umwelt (genannt werden unter anderen die Biodiversität, die Versauerung der Meere und das Ozonloch) die zentralen Kriterien dar, an denen ein ihrer Meinung nach „gutes Anthropozän“ zu messen sei. Die Taktik, dies mit technischem Fortschritt zu erreichen, mit beispielsweise nuklearer Energie und einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft, klingt auf den ersten Blick charmant. Die Strategie jedoch, zur menschlichen Bedarfserfüllung unabhängig vom Angebot der Natur zu werden, ist glücklicherweise ungeeignet.

In einer Welt, in der die Menschen nicht mehr gezwungen sind, Produkte aus der Biosphäre im Übermaß zu nutzen oder ihren Lebensraum auf Kosten anderer Arten zu erweitern, gibt es auch keine Notwendigkeit, die Umwelt in ihrem gegenwärtigen Zustand zu erhalten. Die industrialisierten Länder haben diese Phase bereits erreicht. Deswegen ist, was in diesen unter einem von ökologistischer Ideologie befreiten klassischem Umweltschutz subsummiert werden kann, eigentlich Landschaftsschutz. Der die zielgerichtete Gestaltung von Kulturlandschaften für nicht mehr materielle menschliche Bedürfnisse einschließt. Ein Erholungsraum ist eben nur dann ein solcher, wenn er die menschliche Vorstellung von „Erholung“ auch wirklich erfüllt. Der Schwarzwald grüßt. Die echte Wildnis wäre zur Entspannung viel zu gefährlich. Die Geschichte der Menschheit ist eben auch die Geschichte ihrer Emanzipation von den destruktiven Einflüssen ihrer jeweiligen Lebensräume durch das Ausüben von Gestaltungsmacht.

Was also kümmert mich das Klima, wenn ich reich genug bin, daß dessen Schwankungen mich nicht mehr interessieren? Hungersnöte aufgrund von Ernteausfällen gehören hierzulande der Vergangenheit an. Sturmfluten und Überschwemmungen, die einst jeweils tausende oder gar zehntausende Todesopfer fordern, sind heute attraktive touristische Ereignisse. Einmal erlebte ich in Japan tatsächlich einen Taifun. Aus dem zehnten Stock eines durchaus luxuriösen Hotels mit großen Fensterfronten. Es war ein beeindruckendes Event, ein Happening mit Sandsäcken in der Hotelhalle, in der wir alle bei Speisen und Getränken auf das Wasser warteten, das dann doch nicht kam. Eine Bedrohung verspürte keiner der Hotelgäste oder Angestellten.

Wichtiger ist uns dagegen die Bedrohung der Natur durch die Natur selbst. Wenn sich im Grünland jenseits der eigenen Terrasse Nacktschnecken oder auch „Un“kräuter ausbreiten, dann wird der Hobbygärtner unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel schnell einen erbarmungslosen Abwehrkampf aufnehmen. Und wenn Käfer beginnen, den Schwarzwald aufzufressen, dann töten wir die Käfer. Denen wir also weniger Recht auf Leben zuweisen, als den Bäumen. Weil wir das so wollen. Zukünftige Generationen pflanzen vielleicht Bäume, um den Käfern ein Auskommen zu ermöglichen, wer weiß das schon zu sagen.

Es sind nicht nur ein verfehltes Menschenbild und eine verdrehte Interpretation von Entstehung und Ausbau der Zivilisation, die das ökomodernistische Manifest prägen.  Es ist vor allem der grundsätzliche Denkfehler aller Dreieckszeichner. Manchmal gibt es eben keinen idealen Weg zur Auflösung prinzipieller Widersprüche. Es verbleiben dann nur faule Kompromisse, die die Gesamtsituation eher verschlechtern. Man denke an die Energiewende – auch im Schwarzwald ist der Widerstand gegen Windräder mächtig und organisiert.

Viel häufiger aber ist der Fall, bei dem die Lösung einer Frage alle anderen obsolet macht. In diese Falle tappen die Ökomodernisten. Denn wer die Lebensumstände der Menschen überall mindestens auf ein Niveau hebt, wie es im Westen bereits erreicht wurde, dem verbleiben keine bedeutenden ökologischen Probleme mehr, denen er sich widmen könnte.

Die Ausführungen der Ökomodernisten zum technischen Fortschritt sind berechtigt und wahr. Aber wenn sie dessen positive Wirkungen in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht anerkennen, dann müssen sie auch berücksichtigen, wie das alles erreicht wurde. Nämlich mit der Konzentration auf nur ein Ziel statt auf mehrere. Innovation entsteht nur durch und für den Menschen. Nur weil dieser seine Möglichkeiten ausschließlich zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt hat, ist die Welt zu dem geworden, was sie heute ist. Wer also diesen Weg weiter beschreiten möchte, kann von diesem Egoismus nicht abkehren. Allein der Mensch selbst darf das Maß aller Dinge darstellen. Die Wildnis hingegen hat keinen Wert an sich, sondern nur den, den ihr der Mensch zu seinem Nutzen zuweist.

Das ökomodernistische Manifest ist vor diesem Hintergrund keine Modernisierung der ökologistischen Ideologie. Denn von deren Grundlage weicht es nicht ab. Auch die Ökomodernisten sehen das Interesse des Menschen als nachgeordnet gegenüber einer mit spiritueller Bedeutung aufgeladenen Natur an. Sie schreiben ja selbst aus einer (Zitat) „tiefen Liebe und emotionalen Verbindung zur natürlichen Welt“. Die Existenz von „Wildnis“ wird als „wichtig für das psychologische und spirituelle Wohlbefinden“ der Menschen angesehen, auch werden „ästhetische Gründe“ genannt.

Wie tief reicht die „Liebe“ afrikanischer Bauern zu Elefanten, die ihre Felder verwüsten? Welche „Ästhetik“ mag denn ein Hirte in einem Wolf erkennen, der seine Schafe reißt? Was wird geschehen, wenn diese intelligenten Räuber, deren Rückkehr nach Deutschland die Ökologisten feiern, die Mülltonnen in den Städten als Nahrungsquelle erkennen und dadurch nicht nur Haustieren, sondern auch Kindern gefährlich nahe kommen? Die „emotionale Verbindung zur natürlichen Welt“ wird sich dann wohl eher im Griff zum Gewehr äußern – nur gut, daß es die Jäger gibt.

Wirklicher Fortschritt würde bedeuten, nur das eine Ziel „Verbesserung der Lebensumstände aller Menschen“ als berechtigt zu betrachten. Das Ergebnis wäre kein „großes Anthropozän“, sondern ein „großes Technium“. In dem der Mensch die Natur nicht wieder sich selbst überläßt, sondern noch umfassender beherrscht und formt als heute. Dieser Fortschritt kann sich nur bei einer Überwindung des Ökologismus einstellen. Seine Neuformulierung durch eine unzureichende Anpassung an die Fakten, wie es die Ökomodernisten versuchen, ist nicht sinnvoll.

Ich mache gerne Urlaub im Schwarzwald. Denn er hat weit Besseres zu bieten, als das Wandern über die Hügel und durch die Täler – nämlich mit dem Europapark Deutschlands größten Themen- und Vergnügungspark. Eine vollständig virtuelle Welt, eine einzige spektakuläre Kulisse, die auch gar nichts anderes sein will und gar nichts anderes vortäuscht.  Geschaffen allein zu meiner Unterhaltung und zu meinem Vergnügen. Dort fühle ich mich wohl. Dort kann ich mich besser vom Alltag erholen, als im Wald. Piratenfahrt und Geisterbahn schlagen jeden Panoramablick.  Von denen, die mir Skyrim, Witcher 3 oder Dragon Age Inquisition bieten, einmal abgesehen.

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50 Kommentare
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  1. Herr Heller, wieder ein ausgezeichnter Beitrag. Bis vor einer halben Stunde war ich der Meinung, dieses Manifest wäre was Vernünftiges, dem man zustimmen kann. Jetzt muß ich wohl doch noch genauer drüber nachdenken. Danke für die anregenden Gedanken.

  2. @Peter

    Wirklicher Fortschritt würde bedeuten, nur das eine Ziel „Verbesserung der Lebensumstände aller Menschen“ als berechtigt zu betrachten.

    Ich interpretiere das Manifest genau so, auch wenn es noch einen gewissen anglozentrischen Einschlag hat was die „unberührte Wildnis“ betrifft. Das Manifest legt das Primärziel wieder auf den Menschen. Während die Ökologisten den Menschen aus der Natur verbannen wollen und das Primärziel auf die Natur legen.

    Die unausweichliche Folge ist dann meines Erachtens, dass wir die Welt in eine Kulturlandschaft verändern. Und warum nicht wie dein Schwarzwaldbeispiel zeigt. Das ist meines Erachtens was zum Beispiel Afrika braucht eine Kulturlandschaft die von den menschen selbstverantwortlich gestaltet wird. Anstatt Lodges und gigantische Safarigehege für Ökotouristen die die „Big Five“ oder „Berggorillas“ sehen wollen, braucht Afrika Energie, effiziente Verwaltung, effiziente Industrie und effiziente Landwirtschaft.
    Wenn ich mir die Entwicklungshilfebotschafter und ihre Aussagen so anschaue, dann wollen die vor allem dezentrale Kleinbauern die in modernen Hütten leben mit Fernseher und sich selbst versorgen. Das geht eben nicht mit Bevölkerungswachstum. Diese Lösung wird aber seit Jahrzehnten immer wieder vorgeschlagen, obwohl sie seit Jahrzehnten fehlschlägt.
    Im Grunde ist es genau diese vorgeschlagene Lösung der Entwicklungshilfe die Afrika bevormundet.
    Meines Erachtens ist aber das Manifest der Ökomodernisten ein Schritt in die richtige Richtung. Politik besteht eben aus Kompromissen wie Du so schön gesagt hast, als wir die 8 Tatsachen der AfD diskutierten. Das Manifest der Ökomodernisten aber ist gut konstruiert.

    Grüße
    Günter

    P.S: Ich wäre jetzt nicht auf die Idee gekommen in den Schwarzwald zu fahren und den Europapark zu besuchen.
    Ich bevorzuge die Wanderwege und die Loipen zum Erholen.
    So sind die Geschmäcker verschieden.

  3. @ Günter:

    Ich wäre jetzt nicht auf die Idee gekommen in den Schwarzwald zu fahren und den Europapark zu besuchen.

    Ich bin nur in den Schwarzwald gefahren (und das schon mehrfach), um den Europapark zu besuchen. Der Rest war Beiwerk, den ich aber mit großem Genuß „mitgenommen“ habe. Ich weiß aber nicht, ob ich das auch getan hätte, hätte ich auf Wölfe und Bären treffen können…

  4. @Peter

    In der Kulturlandschaft der USA kann man an vielen Stellen auf Bären und Klapperschlangen treffen, auch im eigenen Garten.
    In Australien ist der eigene Garten noch gefährlicher. Das ist dann am Ende nur eine Frage der Gewöhnung.
    Aber Du hast Recht. Es ist spannend wie wir Menschen auf die Wiederbesiedelung Deutschlands durch Wölfe und Bären reagieren werden. Im Moment sind vermutlich die domestizierten Wölfe wesentlich gefährlicher. Und diese Gefahr ist akzeptiert.

    In den Jahren 1990–2001 belegen die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Thema Hundebiss beim Menschen in Deutschland 1–6 Sterbefälle pro Jahr, im Schnitt ca. 3,9 Sterbefälle. Die in früheren Jahren für das Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik erhobenen Zahlen unterscheiden sich davon nur unmaßgeblich.
    Es gibt keine gemeinsame Beißstatistik für das gesamte Bundesgebiet. Nach einer Statistik aus Nordrhein-Westfalen, die auf Meldungen der Kommunen aufbaut, wurden im Jahr 2001 insgesamt 841 gemeldete Angriffe von Hunden (ohne Rassenpräferenz) auf Menschen mit Verletzungsfolgen sowie 1146 Angriffe auf Hunde, davon 58 mit tödlichem Ausgang, amtlich gezählt.

  5. Diese Gegenrede wird den Ecomodernisten eigentlich nirgendwo gerecht. Die Wildnis spielt nun wrklich für die weitere Entwicklung der Menschheit keine Rolle. Die Ecomodernisten setzen wohl einfach voraus, dass es Allgemeinwissen ist, dass es Wildniss nur noch da gibt, wo für den Menschen nichts zu holen ist oder es für seine jetzigen Möglichkeiten zu aufwendig ist, die Gegebenheiten zu nutzen. Sonst haben wir das, was man Kulturlandschaft nennt und die ist natürlich weltweit mehr oder weniger intensiv gestaltet.
    Hinter dem Manifest steht eigentlich die Erkenntnis, dass wir die Natur bis jetzt und wohl auch noch auf lange Zeit nur bedingt gestalten können und sie deshalb zum Überleben notwendig brauchen. Deshalb sollten wir alles daran setzen, sie nicht zu zerstören. Das Mass der Dinge ist dabei aber das Wohlergehen der Menschen, dem wird absolut Vorrang gegeben vor Klimawandel und sonstigen Problemen die diskutiert werden. Die Lösung wird darin gesehen, dass man sich mit den wachsenden technischen Möglichkeiten immer unabhängiger von der Natur macht. Ob das auch für den emotionalen Bezug zur Natur gilt, den Menschen recht häufig auch haben, sei dahingestellt. Die Ecomodernisten gehen da wohl nicht von aus.
    Wir haben das Technium jedenfalls noch nicht erreicht sondern sind da noch weit von entfernt. Die Rede ist nicht davon, wie es mal sein könnte, sondern davon, wie es im Moment ist. Die Ecomodernisten formulieren die Entwicklung bis jetzt so:

    Decoupling occurs in both relative and absolute terms. Relative decoupling means that human environmental impacts rise at a slower rate than overall economic growth. Thus, for each unit of economic output, less environmental impact (e.g., deforestation, defaunation, pollution) results. Overall impacts may still increase, just at a slower rate than would otherwise be the case. Absolute decoupling occurs when total environmental impacts — impacts in the aggregate — peak and begin to decline, even as the economy continues to grow.

    Eine Gegenrede müßte beinhalten, dass diese Sichtweise z.B bei der Entwicklung seit der industriellen Revolution falsch ist oder sie müßte zeigen, dass wir die Natur beherrschen und da keine Abhängigkeit besteht oder eben die übliche Harmonisierung mit der Natur in den Vordergrund stellen.
    Bevölkerungsentwicklung, Urbanisierung oder auch die Bindung von zukünftigen Generationen an die „Widnis“ sind natürlich spekulativ aber es ist m.E. trotzdem nicht vekehrt sich zumindest mittelfristig auf die Trends einzustellen, die man im Moment beobachtet.

  6. „Wildnis“ ist ja nicht nur nichts vom Menschen beinflusstes, sondern auch niemandes Eigentum. Ich finde es sehr beengend, dass man in Deutschland oft zahlen muss, wenn man an den Strand will, nicht einfach im Moor Beeren sammeln darf oder Campen und Grillen wo man will etc, etc. Wildnis hat also auch für den Liberalen einen Wert. Wildnis in diesem Sinne ist eben der Raum, wo der Einzelne seine Möglichkeiten voll ausschöpfen kann. Wenn sie geschützt werden muss und nur auf gekennzeichneten Wegen begangen werden darf, wenn man keine Pflanzenteile abreissen darf oder kein Quellwasser trinken, ist es eben keine Wildnis mehr.

  7. Das Blockland bei mir um die Ecke ist auch eine 900 Jahre alte Kulturlandschaft aus Weidewiesen und Feuchtwiesen und mit großer Artenvielfalt. Vor der Entwässerung durch die Holländer war das Land ödes Sumpfland. Das Schlimme ist, dass diese Kulturlandschaft, welche Natura 2000 Schutzgebiet ist, durch immer mehr Windräder und Maisanbau am Rande kaputt gemacht wird.

    Im Schwarzwald werden auch immer mehr Windräder gebaut und Stauseen sollen dort zum Unmut der Bevölkerung und Umweltschützer angelegt werden.

    Es ist gut, dass der Mensch Kulturlandschaften und Biotope gestaltet, um die Lebensqualität zu verbessern. Nicht gut ist diese Landschaften durch vordergründigen Klimaschutz, ohne Nutzen zu zerstören.

  8. Peter,

    die Ökomodernisten rücken den Mensch wieder in den Vordergund, sind also deswegen von den Ökologisten zu trennen. Auch wenn sie in einigen Punkten die gleichen Aussagen treffen, Biodiversität oder Klimaschutz, so ist doch die Herangehensweise in der Reihenfolge verschieden. Das ist für mich der entscheidende Punkt.

    Ich denke, Du schießt übers Ziel hinaus, wenn Du sie alle in einen Topf wirfst. Sie sprechen ja direkt von einer »Entkoppelung« und überwinden somit den humanophoben Denkansatz der Ökos. Wenn Du der Wildnis keinen Wert zumessen möchtest, weil sie in deinen Augen eher etwas ist, was den Menschen bedroht, etwas zu dem er Distanz haben möchte, dann ist dies durch deine Argumentation durchaus verständlich, für mich aber nicht zutreffend.

    Eine Kulturlandschaft, so reizvoll sie oft ist, von der Toskana bis zum Schwarzwald, ist eine die sich der Mensch nach seinen Bedürfnissen geschaffen hat, kann aber, gerade wenn man die Umgebungskultur oft als öde und langweilig empfindet, als Einengung und bedrückend empfunden werden. Um sich über diese Bedrückung klar zu werden, was davon eingebildet ist und was nicht, das versuchen Menschen immer wieder heraus zu finden. Das beginnt in religiösen Schriften, hier meist mit dem Bild der Wüste dargestellt, als Ort fern der Umgebungszivilisation und -Kultur. Die Literatur ist voll mit Beschreibungen von Eremiten, die sich aus der Umgebungskultur zurück gezogen haben, um für sich heraus zu finden, was der Kern ihrer selbst ist.

    Die Wildnis ist die Gegenwelt der unseren, wer sich in sie begibt, lernt über sich selbst, da es ein Ort jenseits unserer Kultur ist. Sowohl in Hinblick auf Zivilisation als auch Kulturlandschaft, die sich auch noch gegenseitig beeinflussen. Schon allein um diese Möglichkeit zu haben, der Zivilisation und der Kultur zu entfliehen, erscheint mir die Wildnis als schützenswert.

    Mag sein dass ich vielleicht einen mehr spirituellen Zugang zur Wildnis habe, einen der mir Respekt einflößt -- ich habe ein paar Taifune in weniger komfortablen Behausungen erleben dürfen, vor einem konnte ich mich gerade noch so in den den Hafen von Cagayancillo retten -- vielleicht ist es aber auch nur das Abenteurerblut in mir, was mich zu solchen Orten zieht. Der Reiz sozusagen, mich Gefahren auszusetzen, wie es etwa auch S-Bahn-Surfer tun. Also, wenn man so will, so ist die Wildnis für mich ein Kulturgut welches es zu schützen gilt. Sozusagen ein Gegenpart zu unserer Umgebungskultur, zu der auch die Landschaft gehört.

    Aber das ist natürlich eine ganz individuelle Sicht, die sich eigentlich auch nicht logisch begründen lässt.

    Ich sehe in den Ecomodernisten eine Bewegung gerade weg vom Ökologismus als bestimmende Kraft für die Menschen, ihrer Kultur und Zivilisation.

  9. @ Straten, #5:

    Das Mass der Dinge ist dabei aber das Wohlergehen der Menschen, dem wird absolut Vorrang gegeben vor Klimawandel und sonstigen Problemen die diskutiert werden.

    Günter schreibt ja ähnliches in seinem Kommentar #2.

    Wenn das stimmen würde, müßte man die außerordentlich wichtige Rolle der fossilen Energieträger für die Entwicklung der Menschheit nicht nur anerkennen, sondern auch ihre Nutzung in Zukunft noch ausweiten. Ich fordere das. Die Ökomodernisten aber wollen das Gegenteil. Ergo ist ihnen das Klima wohl doch wichtiger, als der Mensch.

    Sie täuschen sich massiv in diesem Dokument. Und Günter, Du täuscht Dich auch.

    Die Ökomodernisten sehen beispielsweise in der industriellen Revolution auch ein destruktives Element. Ich nicht. Das habe ich versucht, oben auszudrücken. Der Mensch zerstört seine Umwelt nicht. Er gestaltet sie. Es mag nicht jedem zu jedem Zeitpunkt gefallen, wie diese Gestaltung aussieht. Aber „Zerstörung“ ist ein Werturteil, das sich die Ökomodernisten anmaßen und daß man eben so nicht unwidersprochen hinnehmen darf.

  10. @ Quentin:

    die Ökomodernisten rücken den Mensch wieder in den Vordergund, sind also deswegen von den Ökologisten zu trennen.

    Oha, die Ökologisten behaupten von sich seit Jahr und Tag, nur das Interesse der Menschen zu vertreten. Wenn wir uns darüber einig sind, daß dies nicht stimmt, dann stimmt dies aus denselben Gründen bei den Ökomodernisten auch nicht.

    IAuch wenn sie in einigen Punkten die gleichen Aussagen treffen, Biodiversität oder Klimaschutz, so ist doch die Herangehensweise in der Reihenfolge verschieden.

    Wo habt ihr alle das nur her? Habt ihr das Dokument denn gelesen? Ich zitiere mal:

    There remain, however, serious long-term environmental threats to human well-being, such as
    anthropogenic climate change, stratospheric ozone depletion, and ocean acidification. While these
    risks are difficult to quantify, the evidence is clear today that they could cause significant risk of
    catastrophic impacts on societies and ecosystems. Even gradual, non-catastrophic outcomes associated
    with these threats are likely to result in significant human and economic costs as well as rising
    ecological losses.

    Diese Risiken treiben doch erst den Ansatz der Ökomodernisten. Erkennt man (so wie ich) diese Risiken nicht an bzw. hält sie für irrelevant, ergibt das ganze Manifest nicht im geringsten irgendeinen Sinn. Nur vor dem Hintergrund dieser Risiken ist die Forderung nach einer Entkoppelung von Wachstum und Naturnutzung überhaupt begründbar.

    Ich will keine solche Entkoppelung. Vielmehr möchte ich noch mehr an Gestaltungsmacht -- und diese soll dann selbstverständlich auch genutzt werden (und sie würde auch genutzt werden). Wir haben uns entschieden, bestimmte Mückenarten einfach mal auszurotten. Warum denn? Mit welcher Berechtigung?

    Ich zitiere:

    We write this document out of deep love and emotional connection to the natural world. By appreciating,
    exploring, seeking to understand, and cultivating nature, many people get outside
    themselves. ey connect with their deep evolutionary history. Even when people never experience
    these wild natures directly, they affirm their existence as important for their psychological and spiritual
    well-being

    Gilt das auch für Mücken? Oder Bakterien? Oder Viren? Wenn nein, warum eigentlich nicht?

  11. @Peter

    Wie geagt ich lese in dem Manifest, dass die Autoren durchaus die positive Seite der Industrialisierung und der fossilen Energieträger sehen:

    The modernization processes that have increasingly liberated humanity from nature are, of course, double-edged, since they have also degraded the natural environment. Fossil fuels, mechanization and manufacturing, synthetic fertilizers and pesticides, electrification and modern transportation and communication technologies, have made larger human populations and greater consumption possible in the first place. Had technologies not improved since the Dark Ages, no doubt the human population would not have grown much either.
    It is also true that large, increasingly affluent urban populations have placed greater demands upon ecosystems in distant places — the extraction of natural resources has been globalized. But those same technologies have also made it possible for people to secure food, shelter, heat, light, and mobility through means that are vastly more resource- and land-efficient than at any previous time in human history.

    und

    Urbanization, agricultural intensification, nuclear power, aquaculture, and desalination are all processes with a demonstrated potential to reduce human demands on the environment, allowing more room for non-human species. Suburbanization, low-yield farming, and many forms of renew- able energy production, in contrast, generally require more land and resources and leave less room for nature.

    Ich kann eben in diesen Ansätzen die Basis für einen politischen Kompromiss sehen.

    Meiner Meinung muss man in der Diskussion berücksichtigen, dass wir in Deutschland quasi auf einer Insel der Glückseligen leben, weil wir die Zeiten mit massiver Umweltverschmutzung durch die Industrie und Privathaushalte überwunden haben. Andere Länder müssen da noch durch und da stellt sich die Frage, ob man nicht an unserem Beispiel lernen kann und mit unserer jetzigen Technologie Zerstörungen vermeiden kann, wie es hier zum Ausdruck kommt:

    Decoupling human well-being from the destruction of nature requires the conscious acceleration of emergent decoupling processes. In some cases, the objective is the development of technological substitutes. Reducing deforestation and indoor air pollution requires the substitution of wood and charcoal with modern energy.

    Insgesamt überwiegen für mich die positiven Aspekte des Manifests. Denn machen wir uns nichts vor. In Afrika haben die erneuerbaren Energien immer noch ein große Bedeutung, weil die Menschen Holz verbrennen müssen, weil es keine ordentliche Energieversorgung gibt.

    Meiner Ansicht nach wird die Ausrichtung auf das politische Ziel alle Menschen mit erschwinglicher Energie, Wohlstand und Nahrung zu versorgen die Ziele erreichen und das sehen die Ökomodernisten ähnlich.

    Dass die Menschen dann die Natur in ihrer Umgebung gestalten kann sie demokratisch eh niemand daran hindern. Meines Erachtens wird die Kulturlandschaft „Erde“ kommen.

    Was ich als Riesenproblem sehe ist, dass unsere Politiker dazu neigen ihr Wunschbild von Afrika oder einem anderen Kontinent mit der Entwicklungshilfe zu exportieren. Diese Bevormundung halte ich für falsch.

  12. @ Straten, #5:

    Noch eine Ergänzung:

    Wir haben das Technium jedenfalls noch nicht erreicht sondern sind da noch weit von entfernt.

    Ich denke, in den nächsten zehn Jahren wird sich die Welt und auch unser Leben stärker verändern, als in den letzten zehntausend. Das Technium hat längst begonnen. Hier nur drei Links (damit mich nicht auch noch der Spamfilter stoppt):

    Cyberdyne
    Boston Dynamics
    Blackrock Microsystems

    @ all:

    Ich war letztens auf einem parlamentarischen Abend zum Thema Raumfahrt. Da hat die Industrie die Optimierung eines Trägers wie der Ariane als große Vision verkauft. Beim Abendessen sprach ich einen der anwesenden Manager an und sagte ihm (sinngemäß), das wäre Bullshit. Man solle besser Las Vegas auf dem Mond errichten, denn dort ist alles steuerfrei. Zur Ehrenrettung der Industrie sei gesagt, daß der Mensch die Idee durchaus charmant fand und begann, darüber nachzudenken.

    Wer auch immer nun das Manifest liest, um die offensichtlichen Widersprüche in der Interpretation zwischen mir auf der einen und Günter, Quentin und Gerhard Straten auf der anderen Seite zu verstehen, der stelle sich beim Lesen einfach die folgende Frage:

    Bringt uns das Manifest zum Mond?

    Wenn die Antwort (wie meine) „nein“ lautet, dann ab in den Papierkorb damit…

  13. @Peter Heller #9 #12
    Natürlich hat die industrielle Revolution viel zerstört. Bei jeder Gestaltung zerstöre ich etwas. Die Frage ist immer nur, ob es das auch Wert ist und da werden sie immer unterschiedliche Antworten drauf bekommen. Es ist schon notwendig, dass man darüber Einigkeit oder einen Kompromiss erzielt, sonst schlägt man sich womöglich die Köpfe ein und kommt nie zum Mond.
    Sie sehen ja welchen Erfolg die Ökologisten in den alten Industrienationen haben. Wenn man da nicht zu einem anderen Zeitgeist kommt, dann wird das mit dem Mond schwierig. Das Manifest bringt uns zwar sicher nicht zum Mond, aber es könnte Hemmschuhe auf dem Weg dorthin beseitigen indem es den Mythos, dass der Mensch eine Gefahr für die Erde ist schwächt und die Lust Risiko einzugehen und Neues zu entdecken fördert.
    Ihre Links verweisen zwar auf schöne Errungenschaften aber daraus kann man nun wirklich nicht ersehen, dass wir mit der Natur machen können, was wir wollen. Dazu bräuchten wir eine völlige Unabhängigkeit, die ich nicht einmal am Horizont sehe. Der Versuch bestimmte Viren oder Bakterien auszurotten zeigt das sehr deutlich. Selbst Ratten stehen wir hilflos gegenüber und bis wir auf Landwirtschaft verzichten können, dauert wohl auch noch eine Weile.

  14. @Peter

    Bringt uns das Manifest zum Mond?

    Das ist mir zuviel Schwarz/Weiß für ein kompliziertes Politikumfeld.
    Wir entwickeln uns zwar technisch und der Wohlstand steigt im Mittel, aber politisch scheinen wir einen Stillstand zu haben.
    Es werden gefühlt seit mindestens 25 Jahren die gleichen Parolen verbreitet. Im Prinzip ist an allen negativen Entwicklungen auf der Welt der Westen schuld. Das scheint mir das überwiegende Narrativ zu sein das ich seit 25 Jahren täglich in der Presse lese und im Fernsehen höre. Mit diesem Narrativ werden Spenden gesammelt die von den Gleichen Organisationen verteilt werden. Laut diesen Organisationen ist es nie genug und alles wird immer schlimmer. Niemand hinterfragt, ob vielleicht die seit Jahrzehnten immer gleichen Rezepte wirkungslos sind. Vielleicht ist ja gar nicht der Westen Schuld. Vielleicht liegt eine Lösung darin, dass sich jeder Staat selbstverantwortlich an die eigene Nase fast, eine Bestandsaufnahme macht und versucht sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.
    Die Ökomodernnisten hinterfragen nun diese Rezepte der UN und ihrer Satelliten NGOs und bieten einen Denkansatz der endlich mal in eine andere Richtung führt, statt immer nur das Mantra der dezentralen kleinbäuerlichen Selbstversorgung im Einklang mit der Natur.
    Diese Selbstversorgung im Einklang mit der Natur führt dann dazu, dass Afrikanerinnen Elefantenscheisse sammeln, und daraus Papier machen für die Tagebücher von Ökotouristen. Das ist jetzt kein Witz, sondern Realität.
    Das ganze wird dann in unseren Medien als Beispiel verbreitet für Unternehmertum in Afrika.

    Ich denke auf das Manifest läßt sich aufbauen auch wenn es uns nicht zum Mond führt, weist es vielleicht den Weg in eine Kulturlandschaft die jedes Land immer besser versorgt.

  15. @ Straten, #13:

    Nur damit da keine Mißverständnisse aufkommen: Das Technium ist für mich etwas völlig anderes, als das Anthropozän. Die Bezeichnung Anthropozän ist doch für sich genommen schon ökologistisch motiviert, weil sie eine Bedeutung von „Natur“ oder „Umwelt“ oder „Wildnis“ suggeriert, die längst nicht mehr besteht und die nach meiner Auffassung auch in Zukunft nicht mehr bestehen sollte.

    Das Technium bedeutet nicht, Macht über die Natur zu erringen. Das Technium bedeutet eine ganz neue Form der Interaktion zwischen Mensch und Technologie. Es ist sozusagen eine Verschmelzung zwischen biologischer und technischer Evolution.

    „Anthropozän“ ist rückwärts gewandt und betont eher das Vergangene, die Herkunft. „Technium“ dagegen blickt in die Zukunft und beschreibt eine völlig neue Welt, der gerade entsteht und die völlig neuen Regeln (in allen Bereichen) gehorcht und sich auf völlig andere Art und Weise entwickelt.

    „Anthropozän“ und „Technium“ sind für mich gegensätzliche Sichtweisen und eben auch gegensätzliche Prozesse, die nicht miteinander kompatibel sind.

    Daß der Mensch mit dem Technium eine bislang nicht vorstellbare Gestaltungsmacht gewinnt, ist ein Nebeneffekt. Aber nicht die Hauptsache.

    Die Ökomodernisten heben beispielsweise an mehreren Stellen ihres Manifestes die Biodiversität als ganz wichtig hervor. Ich frage mich immer, für wen das eigentlich wichtig ist und in welchem Zusammenhang. Da fängt das mit dem Ökologismus schon an, denn die Relevanz von Biodiversität ist eher Glaube als Wissen. Evolution ist schließlich kein Optimierungsprozeß für Individuen.

    Nun stellen Sie sich eine Welt vor, in der ganz viele „Biohacker“ mit einfachsten Mitteln in der heimischen Küche Lebewesen (also zumindest deren Erbinformationen) manipulieren und neu gestalten können. Die Welt des Techniums wird eine Biodiversität von bisher ungekannten Ausmaßen erleben.

    Wenn Sie sich das nicht vorstellen können („das ist viel zu kompliziert, das werden wir auch in Jahrhunderten nicht können“), dann googeln Sie mal nach „CRISPR-Cas9“.

    Wie gesagt, ich halte den Grundansatz der Ökomodernisten (das „decoupling“) für komplett verfehlt. Und sehe ihn außerdem als Wunschdenken an.

  16. @ Günter, #14:

    Da hast Du sicher recht. Aber ist es denn wirklich relevant -- also das komplizierte Politikumfeld?

    Glaubst Du wirklich, das Manifest könnte die sich verfestigte Haltung auflösen, die Du beschreibst?

    Das denke ich nicht. Ich sehe das Papier eher als ein Danaer-Geschenk an die Leute, die seit Jahren in solchen Blogs wie diesem hier eine völlig andere Haltung vertreten. Und es wirkt ja auch entsprechend, wie mir die Diskussion hier zeigt. Gerade jetzt, wo wir (ich wiederhole mich) in das Technium eintreten, sollte man sich nicht einlullen lassen.

    Die Zielstellung des Manifestes ist eindeutig, Skeptiker (wie mich, aber die meinen natürlich nicht mich persönlich, denn die kennen mich ja nicht) dazu zu bringen, dem Klimaschutz zuzustimmen. Dafür bekommt man dann das Bonbon Nuklearenergie zugeworfen (soll aber auch die Kröte Photovoltaik schlucken).

    Ich bin kein Politiker, ich muß solche faulen Kompromisse nicht eingehen.

    Auch wieder holzschnittartig und in völlig undifferenzierter Komplexitätsreduktion: Liebe Ökomodernisten, ich nehme die Kernenergie gerne, aber nur, wenn ihr mir das Fracking dazu gebt. Und „genetic engineering“ zur Intensivierung der Landwirtschaft offensiv fordert.

  17. @Peter Heller,

    wenn man die Transportkosten zum Mond drastisch senken will, wäre das hier einen Blick wert.

    Die von der Umwelt / Wildnis „entkoppelten“ Städte könnten dann auch auf Mond und Mars entstehen -- wobei die Reisedauer zum Mond kürzer ist und die Aussicht auf die Erde mehr Touristen dorthin locken könnte.

  18. @Peter

    so lese ich das Manifest nicht. Ich lese Technik, Wohlstand und Umwelt entwickeln, Klimaschutz ist irrelevant.
    Aber vielleicht habe ich nur die entsprechenden Passagen zu sehr überflogen.

    Ja ich glaube das Manifest kann dazu beitragen die verfestigte Haltung aufzulösen. Der Mainstream der Öko- und Klimaaktivisten sowie der Linken werden darüber herfallen, weil es ihr Narrativ bedroht. Dabei wird ihr Dogmatismus überdeutlich, denn sie werden die Ökomodernisten in die böse Industrieecke stellen und die Studenten der nächsten Generation werden zweifeln wenn sich immer mehr Hochschullehrer wieder zu ihrer Technologie bekennen können und nicht mehr nur alles mit “ Greenirgendwas“ rechtfertigen müssen.

  19. @Peter Heller #15
    Um ehrlich zu sein, kann ich mir unter einem Anthropozän nichts vorstellen. Schon die Wortwahl „gutes Anthropozän“ zeigt mir, dass es den Autoren des Manifestes wohl auch nicht anders geht. Das scheint mir mehr ein Versuch zu sein Vokabular zu benutzen, dass ‚In‘ ist.
    Dass die Biodiversität für unsere Art und das Leben auf diesem Planeten recht wichtig ist, ist ja nun eine weit verbreitete Meinung. Ich bin nicht vom Fach, aber die Argumente dafür überzeugen mich. Um dagegen zu argumentieren bräuchte man schon etwas mehr als Szenarien von irgendwelchen Biohackern, die da künstlich für sorgen. Ich kann mir das schon vorstellen aber in Gegensatz zu ihnen sehe ich eine Fortschrittsfeindlichkeit, die selbst in die US-Amerikanische Gesellschaft tief hineinreicht. Diese Geisteshaltung und das lächerliche Wirtschaftswachstum von um die 2% muss erst einmal überwunden werden.
    Das Decoupling ist für mich ein Grundsatz nachdem ich seit mind. 20 Jahren Lebe. Ich meide Alles, was aus der Natur kommt, wenn es eine Alternative gibt. Mag sein, dass das Wunschdenken ist, da ja der Zeitgeist mehr suggeriert, dass natürlich gut ist. Aber unter diesem Zeitgeist halte ich ihre Vorstellungen für noch abgehobener.
    Wie das auch immer sei. Jetzt und heute ist es wichtig, dass ein Verständnis dafür geweckt wird, das wir unseren Nahrungs- und Energiebedarf nicht aus der Natur decken können. Was sie daran für verfehlt halten, leuchtet mir irgendwie nicht ein.

  20. @ Günter, #18

    Ich lese Technik, Wohlstand und Umwelt entwickeln, Klimaschutz ist irrelevant.

    Das oben von mir kritisierte Zieldreieck der Ökomodernisten wird doch direkt auf der ersten Seite definiert:

    A good Anthropocene demands that humans use their growing social, economic, and technological powers to make life better for people [Ziel 1], stabilize the climate [Ziel 2], and protect the natural world [Ziel 3].

    Alle drei Ziele werden im Verlauf des Papiers als gleichberechtigt angesehen. Später wird auch definiert, was die Autoren unter „natural world“ verstehen, nämlich eben Wildnis.

    Hier noch ein paar Zitate zum Klimaschutz:

    There remain, however, serious long-term environmental threats to human well-being, such as anthropogenic climate change, stratospheric ozone depletion, and ocean acidification. While these risks are difficult to quantify, the evidence is clear today that they could cause significant risk of catastrophic impacts on societies and ecosystems. Even gradual, non-catastrophic outcomes associated with these threats are likely to result in significant human and economic costs as well as rising ecological losses.

    (Das ökologistische Glaubensbekenntnis in Reinkultur, auf Seite 10.)

    Looking forward, modern energy may allow the capture of carbon from the atmosphere to reduce the accumulated carbon that drives global warming.

    (Seite 20, die dann folgenden Ausführungen gelten alle dem Klimaschutz, dessen Notwendigkeit auch hier wieder als zentral angesehen wird.)

    In the long run, next-generation solar, advanced nuclear fission, and nuclear fusion represent the most plausible pathways toward the

    joint goals of climate stabilization and radical decoupling

    of humans from nature.

    (Joint goals! Die Aussage auf Seite 23 besagt es eindeutig: Die Ziele gehören zusammen und sind untrennbar. Diese Additionen von Quellen und Senken ist typisch für den Ökologismus (ökologischer Fußabdruck) und schlicht irreführend.)

    @ Straten, #19:

    Was sie daran für verfehlt halten, leuchtet mir irgendwie nicht ein.

    Dann ist mein Artikel schlecht. Ich habe mich oben bemüht, das sehr klar und deutlich auszudrücken.

    Neben der allgemeinen Betrachtungsebene steht einfach so viel Schrott in diesem Manifest, daß ich im Prinzip zu fast jedem Satz einen eigenen Artikel schreiben könnte. Wenn ich das in den vergangenen Jahren nicht schon getan hätte. Wie und warum Innovationen entstehen (S. 28), haben die Autoren bspw. ebensowenig verstanden, wie die Unwirksamkeit und Unfähigkeit supranationaler Einrichtungen. Hallo!? Die fordern Subventionen für Technologien, die in ihrem Sinne sind (S. 30) und wagen es auch noch, das Wort „Nachhaltigkeit“ mehrmals in den Mund zu nehmen.

    Nein, das Papier ist kein Fortschritt. Sondern Unfug.

  21. @Peter

    Ja steht da. Aber es steht auch da:

    Climate change and other global ecological challenges are not the most important immediate concerns for the majority of the world’s people. Nor should they be. A new coal-fired power station in Bangladesh may bring air pollution and rising carbon dioxide emissions but will also save lives. For millions living without light and forced to burn dung to cook their food, electricity and modern fuels, no matter the source, offer a pathway to a better life, even as they also bring new environmen- tal challenges. ….Meaningful climate mitigation is fundamentally a technological challenge. By this we mean that even dramatic limits to per capita global consumption would be insufficient to achieve significant climate mitigation.

    Ich lese eben daraus, dass der Fokus auf der technologischen Entwicklung liegen sollte und die Ziele nicht gleichberechtigt sind, sondern eine klare Priorität auf technischer Entwicklung haben.
    Dass ist für mich das wichtige Element des Manifestes.

    Die Klimaschutzpassagen lesen sich für mich wie die üblichen Lippenbekenntnisse denen man allumfassend begegnet.

    Aber gut, dass wir unterschiedlicher Meinung sind denn schließlich ist das ja nur ein erstes Manifest.

  22. @Peter

    Das Ecomodernist-Manifest ist ein politisches Papier. Mit Aussagen, Forderungen, Visionen und Utopien. Und es ist an eine bestimmte Klientel gerichtet. Deine Leseweise ist nachvollziehbar und deine Wertung ist konsequent.

    Deine Kritik, wenn ich es mal so zusammenfasse, ist, dass mit dem Manifest Narrative aus dem Bereich des Ökologismus verfestigt werden. Dazu kommt, dass die evolutionäre Entwicklung hin zum Technium nicht verstanden wird. Nun, das ist nicht einfach von der Hand zu weisen, und ich bin auch ganz dankbar für deine klare Position, die mir, und wahrscheinlich auch einigen anderen Lesern, einen alternativen Blickwinkel auf dieses Manifest erlaubt.

    Was mich irritiert, ist die Intensität deiner Kritik. Wenn wir es nämlich als politisches Papier lesen, und dabei berücksichtigen welche Zielgruppe angesprochen ist, dann ist dieses Manifest etwas was Wege öffnet. Nicht alle wünschenswerten, doch immerhin. Wenn ich es mal so salopp sagen darf, die Verlautbarungen die ich so per Twitter seitens der Nuklearia mitbekomme, lesen sich nicht viel anders. Auch dort wird immer wieder auf die klimaschützende Wirkung der Kernkraft hingewiesen. Ist deswegen die Nuklearia auch Unfug?

    Der Mainstream hat eben bestimmte Vorstellungen und Überzeugungen, an die geht das Manifest nicht ran, sondern zeigt nur einen anderen Weg als den der Suffizienz und der teuren Energie aus dem ideologischen Schlamassel in dem wir uns befinden. Wir haben es eben nicht nur mit technischen Fragen zu tun, oder abstrakt philosophischen, sondern mit Fragen der Moral. Und haben sich moralische Vorstellungen soweit verfestigt, dass sie als Handlungsanweisung empfunden werden, dann braucht es eine lange Zeit, eben diese Moral, die mit der Lebenswirklichkeit immer mehr in Konflikt kommt, durch eine andere zu ersetzen. Die Gaia Sichtweise ist eben meist eine humanophobe. Hier hilft das Narrativ »Entkoppelung«. Das geht ja eigentlich bis auf Francis Bacon zurück.

    Deine hier hier vorgetragene Kritik ist, wenn man sie in einen politischen Kontext setzt, eine fundamentalistische. Es ist gut dass sie vorgetragen wird, Fundis sind im Spannungsfeld einer Gesellschaft wichtig zur Orientierung, sie eröffnen Perspektiven. Sie kollidieren aber oft mit persönlichen Moralvorstellungen und scheitern regelmäßig in der politischen Praxis, die eben auf die Vorstellungen der Klientel Rücksicht nehmen muss. Ich spreche in diesen Zusammenhang ja gerne von Brückenideologien, dass heißt auf gut deutsch, man muss die Leute dort abholen, wo sie sich befinden. Und genau das tut das Ecomodernist-Manifest. Die Gefahr, dass es ökologistische Moralvorstellungen verfestigt werden, eben die humanophoben, sehe ich als gering an. Ich Gegenteil, sie werden aufgeweicht, weil mit dem Weg aus der Sackgasse Suffizienz eine neue Lebenswirklichkeit entsteht, die wieder nach neuen Deutungen verlangt.

  23. Sehr geehrter Herr Heller,

    danke für Ihren ausgezeichneten Artikel. Sehr Interessant ist auch die daran anschließende Diskussion. Ich möchte auch noch meine Gedanken dazu beitragen, vielleicht sind sie ja hilfreich, vielleicht sind sie auch für Sie und Ihre Diskutanten auch (k)alter Kaffee:

    Ökologisten und Ökomodernisten gehören der selben Religion an. Es ist die moderne Naturreligion, die sich in der westlichen Welt ausgebildet hat, genau in dem Maße, wie die christlichen Religionen zurückgegangen sind. Diese wiederum haben versucht, sich die Naturreligion zu Nutze zu machen (Bewahrung der Schöpfung) und damit ihren eigenen Untergang noch beschleunigt und Öl ins Feuer gegossen.

    Diese Naturreligion sieht als Schöpfer und Bewahrer des Lebens die Natur an (Gott ist tot -- das hatten wir schon einmal). Daran misst sich nun alles. Natur ist gut und muss gegen den Menschen um ihrer selbst Willen bewahrt werden Der Mensch versündigt sich an der Natur und muss daher Buße tun. Die individuelle Erlösung des Christentums finden wir auch hier wieder: jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten… Die Ökologisten vertreten das in Reibform, die Ökomodernisten öffnen sich ein wenig, das ist der ganze Unterschied. Wie Luther einst die Kirche gespalten hat, so sind auch in der Naturreligion unterschiedliche Strömungen zu finden, die sich oft untereinander auch nicht grün sind.

    Ich bin ganz der Meinung von Ihnen, dass sich beide Strömungen aus einer falschen Grundannahme, in dem Fall sogar aus einer religiösen (und die sind die schlimmsten) speisen. Erst wenn die fundamentalen Glaubenssätze sich als unwahr entlarven lassen, (ähnlich der Aufklärung) dann werden die Menschen frei von dieser Religion. Nur ist in dieser Richtung bisher wenig zu erkennen.

    Dass sich in der westlichen Welt eine solche Religion entwickeln konnte, zeigt, wie stark der Wunsch nach Spiritualität und Religion ist, denn nach der Aufklärung sah es ja kurz so aus, als ob solche Ideen verschwunden wären -- Pustekuchen.

    Wir werden noch lange mit dieser Region leben müssen. Ein Hoffnungsschimmer gibt es: der Erfindungsreichtum des Menschen und sein Wunsch nach Komfort und Steigerung der Lebensqualität. Beide Faktoren treiben die Entwicklung nach vorne, und das unaufhaltsam.

    Mit freundlichem Gruß

    Stefan Schütz
    Unternehmer
    (Ehem. Theologe)

  24. @ Günter, #21:

    Die von Dir zitierte Textstelle ist doch nur die Formulierung des klimapolitischen Mantras, daß die Hauptlasten für den Klimaschutz eben nicht von den Entwicklungsländern, sondern von der industrialisierten Welt zu tragen sind.

    Ich erkenne da keinen neuen Gedanken und daher auch keinen Fortschritt.

  25. Nur mal so ne Idee……zum Manifest…..sind wir in den vielen Jahren im Kampf gegen den Öko-Irrsinn inzwischen so mürbe geworden, das wir uns inzwischen freiwillig mit dem Spatz in der Hand begnügen…anstatt weiter daran zu arbeiten, endlich mal die doofe Taube vom Dach zu holen?

    Hmm, ick war auch kurz begeistert vom Manifest…..bis Peter seine Gegenrede zum Nachdenken ins Netz gestellt hat…..und plötzlich, fühl ick mich wieder mal übern Öko-Nuckel gezogen.

    H.E.

  26. @Peter

    Ich finde deine fundamentale Kritik gut, denn sie legt den Finger auf die Wunde.
    Aber ich finde einige Aspekte eben gut und einige nicht. Insgesamt aber finde ich es gut, dass das Papier einen neuen Diskussionsbeitrag liefert. Ich fand ja auch, dass das AFD Positionspapier als DiskussionsBeitrag gut ist.
    Ich bin da bei Quentin. Beim Klimaschutz werden meines Erachtens aus politischem Kalkül die Mainstreampositionen übernommen. Und einige der Autoren glauben sicher auch daran, aber immerhin zweifeln Sie ob die bestehende Politik zielführend ist. Der Mainstream hingegen setzt Politik um, wenn sie gut gemeint ist und schert sich einen Dreck, ob es wirkt oder ob es effizient ist.
    Das Papier ist gut, weil es die angebliche Alternativlosigkeit des Mainstream aufweicht und technischen Fortschritt als Lösung periodisiert. Das wird frischen Wind bringen. Insofern ist das für mich ein Fortschritt.

  27. Heinz,
    dann war das aber knapp, bzgl. Deiner Gehirnwäsche 😉

    Dabei hast Du doch alles schon erlebt. Bei Manifest stellen sich mir automatisch die Nackenhaare auf. Dann mußt Du nur die verwendeten Kategorien vergleichen, sie benutzen die gleichen idiotischen Ökowörter.

    Jetzt vergleichst Du nur noch mit dem realen Sozialismus. Dann liegt dieser Schwachsinn so zw. dem Sozialismus in den Farben der ddr und Dubceks Sozialismus mit menschlichen Antlitz. Es ist immer die gleiche Verblödungsleier. Mich würde nur interessieren, wer dieses Manifest finanziert hat. Oder sollte Pielke jun. alleine auf so blödsinnige Ideen kommen ?

    Alle Welzers, die QQ so gerne liest, werden finanziert 😉

  28. Erst als der Menschen die Wildnis zu einer für den Menschen nutzbaren und damit wertvollen Landschaft umgestalltet hat, ist eine Naturlandschaft daraus geworden. Der moderne Ökologist könnte mit einer Wildnis = unberührter Naturdschungel gar nichts anfangen. Als erster würden die meisten Ökolisten in der Wildnis zum Aufräumen anfangen und eine für den Menschen angenehme und überschaubar Struktur reinzubringen. Die Wildnis ist dazu da, um vom Menschen kultiviert zu werden. Also für die Bedürfnisse (angenehmes Leben/Überleben) des Menschen nutzbar gemacht zu werden.

  29. Schauen wir uns doch mal an, was dieses Ecomodernist-Manifest bei Anderen bewirkt und welche Abwehrreaktionen dort zu beobachten sind. Werner Krauss zitiert auf der Klimazwiebel Bill Adams:

    So, in the Manifesto, decoupling is presented as a technical challenge: the choice of technology is technical; the process of replacing old processes with new is technical; the processes of decarbonization and dematerialization are treated as technical; the protection of ‘wild nature’ is presented an emergent property of a process brought about by technical decisions.

  30. @Peter Heller #20
    Ich hoffe ja nicht, dass ich ihrer Anrwort entnehmen soll, dass wir unseren Nahrungs -- und Energiebedarf locker weiter aus Wind, Sonne Biomasse, ökologischer Landwirtschaft und was es da sonst noch so gibt decken können. Das lese ich aus ihrem Artikel nicht heraus sondern eher eine substantielle Kritik an dem Naturverständnis und auch dem politischen Verständnis der Ecomodernisten.
    Wenn sie allerdings wirklich meinen, das fast jeder Satz in dem Manifest Schrott enthält, dann gehen sie zu weit.
    Ich kann heute keine Diskussion um Innovation und Technologie mehr führen, ohne das Wort ‚Nachhaltigkeit‘ in den Mund zu nehmen. Es hilft auch nicht weiter das einfach als Schrott zu bezeichnen. Ich muß mich dem stellen, was damit gemeint ist. Das ist natürlich schwierig, da es in der Regel keine ableitbare Definition gibt.
    Wenn ihr Verweis auf S. 28 den Text meint:

    Too often, modernization is conflated, both by its defenders and critics, with capitalism, corporate
    power, and laissez-faire economic policies. We reject such reductions. What we refer to when we
    speak of modernization is the long-term evolution of social, economic, political, and technological
    arrangements in human societies toward vastly improved material well-being, public health, resource
    productivity, economic integration, shared infrastructure, and personal freedom

    dann zeigt das nur, dass sie eine andere politische Einstellung haben, als die Autoren. Wenn sie sich an dem Begriff ’scarcity‘ (in einem Absatz weiter oben) bei der Begründung für Innovation stören, dann haben sie natürlich einen Punkt.
    Ob Subventionen eine geeignetes Mittel sind neue Technologien marktfähig zu machen, sollte man sicher anzweifeln, aber dass die Autoren das nur für ihnen genehme Techniken fordern, ist eine glatte Unterstellung.
    Das Papier ist bei weitem kein Unfug sondern liefert eine gute Argumentsgrundlage für Diskussionen mit „Green Tech“-Vertretern als auch mit Schwundtheoretikern. An den internationalen Gremien kommt man heute ganz bestimmt nicht mehr vorbei.

  31. @ Straten:

    Das Papier ist bei weitem kein Unfug sondern liefert eine gute Argumentsgrundlage für Diskussionen mit “Green Tech”-Vertretern als auch mit Schwundtheoretikern. An den internationalen Gremien kommt man heute ganz bestimmt nicht mehr vorbei.

    Das Papier ist insgesamt nur eine ausführliche Darstellung des Vorsorgeprinzips. Auf dieser Grundlage ist keine Diskussion möglich, die auf irgendeine Weise zu sinnvollen Ergebnissen führen könnte. Macht und Einfluß internationaler Gremien sind heute glücklicherweise arg begrenzt. Wer diese stärken will, hat nichts anderes verdient als Mißtrauen.

    Ich schreibe hier seit Jahren gegen das Vorsorgeprinzip an -- und eben auch gegen die Verlagerung von Entscheidungen auf nicht demokratisch legitimierte supranationale Einrichtungen. Erwarten Sie daher ernsthaft, ich könne auch nur irgendetwas Gutes in diesem Manifest erkennen?

  32. @Peter Heller #31
    Nein dann natürlich nicht. Bei mir ist das anders. Ich verfolge die Veröffentlichungen des Break-Through Institutes schon seit Jahren. Ich bin nicht mit Allem einverstanden, aber die Richtung entspricht im Großen und Ganzen meinem Denken. Ich kann in dem Manifest auch nicht erkennen, dass der Versuch vorliegt, das Vorsorgeprinzip exakt zu definieren und wie das so Allgemein vewendet wird, bedeutet das nur, dass ich nicht über die Strasse laufe, ohne rechts und links nach Autos zu gucken. Das scheint mir selbstverständlich. Es ist halt so eine Floskel, wie Nachhaltigkeit.
    Mit den supranationalen Einrichtungen haben sie einen relevanten Punkt. Wenn sie da keine Zukunft drin sehen und das strikt ablehnen, dann verstehe ich ihre ablehnende Haltung. Ich sehe da halt die Zukunft drin und glaube, dass sich da auch eine Form der Demokratisierung entwickeln wird. Innovation gibt es auch im Zusammenleben der Menschen. Denken sie nur an die Diskussion über die Schiedsgerichte bei TTIPP. Der Einfluss des Ökologismus ist nicht auf nationale oder gar nur demokratische Strukturen beschränkt.

  33. @ Quentin, #22:

    Was mich irritiert, ist die Intensität deiner Kritik

    .

    Daran seid ihr drei „schuld“, also Du, Günter und Gerhard Straten. Ich versuche natürlich, euch ein wenig aufzurütteln.

    Kernkraft ist ein gutes Beispiel für das, was ich meine. Mir kommt es nämlich nicht nur darauf an, was man macht. Viel wichtiger ist letztendlich das „warum“, denn es entscheidet, wie man etwas macht. Und man kann die Dinge eben klug und sinnvoll, oder weniger klug und weniger sinnvoll durchführen.

    Meine (berufliche) Erfahrung zeigt mir eindeutig: Innovationen sind genau dann häufig nicht erfolgreich bzw. entstehen gar nicht erst, wenn man sie von vornherein auf ihr Substitutionspotential reduziert. Innovationen lösen keine Probleme, sie schaffen neue Möglichkeiten.

    In dem Manifest wird Kernenergie als Substitution für Kohlenwasserstoffe angesehen. Sollte sich die Politik dem anschließen, dann überziehen wir eben die Welt weiterhin mit LWR und kommen keinen Schritt voran.

    Ich habe ja nun bekanntermaßen überhaupt nichts gegen Kernenergie. Aber sie muß sich im freien Wettbewerb mit allen anderen Energieträgern beweisen. Sie muß also vor allem ökonomisch funktionieren, sie muß Versorgungssicherheit (Verläßlichkeit) bieten und betriebssicher sein. Das leisten LWR aus meiner Sicht nicht (mehr). Wenn schon Kernkraft, dann neu und anders als bislang.

    Wenn man aber nun Flüssigsalzreaktoren (oder andere innovative Ansätze) tatsächlich zur Marktreife bringt, dann sind diese, wenn sie in den oben genannten Kriterien entsprechend abschneiden, auch zuzulassen und eben nicht aus anderen Gründen zu behindern.

    Die Stabilität des Klimas oder auch der Erhalt der Natur dagegen sind Entscheidungskriterien, die ich als Bewertungs- oder Auswahlkriterien für Technologien grundsätzlich ablehne. Weil diese eben nicht zu optimalen technischen Lösungen aus Nutzersicht führen, sondern nur zu faulen Kompromissen.

    Daher ist auch die Argumentation der Nuklearia nicht hilfreich. Denn im Wettbewerb der Ängste verliert der Mensch als Nutzer und Profiteur von Technologien immer. Falls ich mich innerhalb des Vereins mal aktiviere, werde ich für meine Position auch dort werben.

    Anders und stark vereinfacht ausgedrückt: Wenn die Ökomodernisten für eine Technologie werben, weil diese ihrer Meinung nach aufgrund notwendiger Vorsorge andere substituieren soll, dann wird dies dieser Technologie nicht helfen. Sondern statt der Befeuerung innovativer Prozesse (die nur ein freier Markt leisten kann und niemand sonst) zu einer Festschreibung des Status Quo führen.

    Die Interessen des Menschen in den Vordergrund zu stellen heißt aus meiner Sicht, diesem die besten aller denkbaren Werkzeuge für den jeweils angestrebten Nutzen zu ermöglichen. Da darf man nichts, absolut nichts, aus Gründen ausschließen, die mit dem angestrebten Nutzen nichts zu tun haben.

  34. @ Peter

    Ich versuche natürlich, euch ein wenig aufzurütteln.

    Ist schon ok. Verstanden habe ich Dich schon. Aber es gibt halt ein paar prinzipielle Unterschiede in der Betrachtung. Du hast Dir aus deinen Erkenntnissen und Erfahrungen eine Lehre gebastelt, nach der Dinge beurteilt werden. Eben wie Innovationen entstehen, wie sie sich durchsetzen, oder auch nicht. Danach beurteilst Du dieses Manifest. Das ergibt für mich interessante Sichtweisen. Wichtig in der Diskussion. Du argumentierst auf Grundlage einer Ideologie.

    Meine Betrachtung ist eine andere, nämlich der Frage nachzugehen, wie der Mensch sich in seiner Umwelt insgesamt verhält. Zu seinen Mitmenschen, zur Gesellschaft, zur Umgebung, zur Natur. Welchen konkurrierenden Ideologien er sich zuwendet, welche er verinnerlicht und welche nicht. Welche Weltbilder leiten den Menschen. Wenn Du schreibst,

    Die Stabilität des Klimas oder auch der Erhalt der Natur dagegen sind Entscheidungskriterien, die ich als Bewertungs- oder Auswahlkriterien für Technologien grundsätzlich ablehne.

    dann hast Du natürlich aus Deiner Sichtweise recht, es ist auch logisch sehr gut begründet, nur ist es eben nur eine konkurrierende Wahrheit gegenüber anderen.

    Für mich schiebt sich hier das Bild vom »Rufer in der Wüste« in die Betrachtung, der zwar Wahrheiten verkündet, diese aber losgelöst von den Lebenswirklichkeiten, zu der auch die Ideologien des Mainstream, seine Kultur und sonstigen geistigen Dinge gehören, ausblendet. Besonders deutlich wird dies bei Deinem Naturbild, welches eben nur Nutzen gemäß Deiner Definition hat.

    Der entscheidende Unterschied in der Betrachtung ist vielleicht, dass ich auch den Imagenationen einen Wert zumesse, an was die Menschen glauben, von was sie überzeugt sind. Es gibt Menschen die sterben lieber, als sich von ihrem Weltbild zu trennen.

    Das Ecomodernist-Manifest kratzt nur ein wenig an diesen Weltbildern, zwingt die Menschen nicht, ihre verinnerlichten Ideologien zu verlassen. Aus Sicht des »Rufers in der Wüste« geht das natürlich nicht weit genug, und ist sogar zu weiten Teilen falsch. Für denjenigen der um die Beständigkeit von Weltbildern weiß, wie lange es braucht bis sie sich gefestigt haben, und wie schwer es ist ist, sich wieder davon zu trennen, ist dieses Manifest aber ein besseres Instrument um Richtungsänderungen des Mainsteams hin zu bekommen, als die Darstellung konkurrierender Weltbilder. Auch wenn die Richtung erst einmal grob beibehalten wird, so entsteht doch ein Stachel des Zweifels an eben dieser Richtung. Eine neue Umgebung mit neuer Lebenswirklichkeit entsteht, die nach neuen Ideologien verlangt.

    Nehmen wir als Beispiel mal die Christianisierung der Sachsen. Speziell für sie wurde der Heliand geschrieben. Wäre dieser Heliand in Form der Luther-Bibel den Sachsen vorgetragen wurden, sie hätten es nicht verstanden, weil ihre Lebenswirklichkeit, zu der auch ihre Imagenationen gehörten, eine gänzlich andere war.

    Wie gesagt, der »Rufer in der Wüste« ist wichtig, genauso wichtig ist es aber auch, will man etwas bewegen, die Menschen dort abzuholen, wo sie sich eben befinden.

  35. @Peter Heller #33
    Im Kernkraftbau gibt es keine freie Marktwirtschaft. Der Kernkraftbau ist von der Politik und ihren zuständigen Gremien/Behörden bis in die kleinste Schraube reguliert und muss bevor überhaupt eine Schraube eingebaut werden darf durch 2-3 TÜV Prüfungen. Auch wenn diese Schraube nur eine Kloschüssel halten soll. Der Kernkraftbau ist bewusst von der Politik über reguliert worden. Das gleiche gilt für die politisch-ideologisch festgelegte Strahlenschutzbestimmung. Und nicht nur bei der Kernkraft auch bei allen anderen Wirtschaftsbranchen versucht der Staat (die Ideologie einer Politik) über Gesetze und Verordnungen den freien Marktwettbewerb zu regulieren und zu verhindern. Stichwort Gentechnik, Fracking. Verbots- und Markteinschränkungsgesetze wie auch kostspielige Verordnungen und Vorschriften sind halt auf der „emotionalen Ebene“ in der Politik für die Gesellschaft einfach durchzusetzen. Besonders im „Angsthasenland“ Deutschland.

  36. @Nachtrag #35
    Und wenn in einen Land mal die Anzahl der Menschen höher ist, die in den Ämtern und Behörden arbeiten als in der freien Wirtschaft, dann wird es bald keine Wirtschaft mehr geben, die unseren sozialen Wohlstand erwirtschaften kann. Siehe Griechenland.

  37. @ Quentin:

    Du argumentierst auf Grundlage einer Ideologie.

    Überraschender Befund aus meiner Sicht. Ich nehme für mich eigentlich in Anspruch, jenseits aller Ideologien zu argumentieren. Jedenfalls wüßte ich nicht, welcher Ideologie ich nun anhängen sollte. Es sei denn, man würde die Abwesenheit von Ideologie auch als Ideologie bezeichnen.

    Henryk Broder hat mir mal gesagt, als Atheist wäre ich eben auch ein Gläubiger. Auch das hat mich verwirrt, denn ich sehe das dezidiert anders.

    Ich versuche es noch einmal ganz plakativ und verkürzt auf den Punkt zu bringen: Meine „Ideologie“ wäre höchstens, daß niemand mir Vorschriften machen darf. Kein Gott. Keine Ideologie. Und eben auch keine Ökomodernisten. Wenn ich Kernenergie nutze, dann, weil ich das will (weil ich davon einen konkreten individuellen Vorteil habe). Und nicht etwa, weil ich das soll (wg. Klimaschutz). Da Maxatomstrom eben genau einen Cent pro kWh teurer ist, als mein aktueller Tarif, nutze ich Maxatomstrom nicht. Wäre er nur einen Cent billiger, würde ich sofort umsteigen.

    Es interessiert mich auch nicht sonderlich, ob arme Menschen nun reich werden oder nicht. Jedenfalls nicht aus moralisch/ethischen Gründen. Ich bin nur ein Mensch. Es erfordert meine ganze Energie und Aufmerksamkeit, für Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld (Familie und Freunde) Verantwortung zu übernehmen und für diese Sorge zu tragen. Da bleibt für den Rest der Welt nicht viel übrig. Ich möchte, daß aus armen Menschen reiche Menschen werden, weil diese dann mehr konsumieren können, was letztlich in einem marktwirtschaftlichen System auch wieder mir ganz persönlich bei der Wohlstandsmehrung hilft.

    Vielleicht ist es dieser Weltrettungsansatz, der mich an dem Manifest besonders stört. Die „Welt“ will und muß nicht gerettet werden. Individuen dagegen schon. Wenn ich tausend Elefanten töten muß (auch indirekt), um nur ein konkretes Menschenleben zu retten, dann ist für mich die Entscheidung klar: Weg mit den Elefanten. Da gibt es kein Abwägen und auch keine Kompromisse.

    Ist das eine Ideologie? Und falls ja: Wie würdest Du sie nennen?

  38. @ Peter

    Danke für die Fragen und Ergänzungen. Vorausschicken möchte ich, dass Ideologie für mich kein Schimpfwort ist, sondern nur so etwas wie eine verinnerlichte Lehre, wie Dinge betrachtet werden. Broder hat aus meiner Sicht nicht unrecht, wenn er den Atheismus auch als Glauben bezeichnet. Aber Glauben und Ideologie sind zweierlei, Glauben ist spirituelle Erfahrung, Ideologie ein Werkzeug oder Hilfsmittel um Dinge, materielle wie nicht materielle, so aufzuarbeiten, dass sie ins eigene Weltbild passen. So gesehen hat jeder von uns seine Ideologien denen er zuneigt, manchmal ist dies mit tieferen Überzeugungen wie Glauben, oder auch Nicht-Glauben, verbunden, aber nicht dessen hauptsächlicher Charakter.

    Deine Ideologie würde ich als Evolutionären-Innovationismus bezeichnen. Vielleicht könnte man noch das Wörtchen »materiell« einfügen. Das ganze mit liberalen oder libertären Elementen versetzt. Damit ist die Wertepyramide im Weltbild konstruiert. Die Frage nach dem Sein kann damit beantwortet werden, ist in sich schlüssig und nachvollziehbar. Es ist eine vernunftbasierte Ideologie.

    Ich bin allerdings der Vernunft gegenüber skeptisch, glaube dass diese uns oft einen Streich spielt und eigentlich ein Hilfsmittel ist, um das was wir wahr nehmen mit dem eigenen Weltbild kompatibel zu machen. Ich bin skeptisch gegenüber dem »Denken« an sich. Die Frage nach dem Sein beinhaltet bei mir ebenso spirituelle Elemente, die als individuelle Erfahrung in einem kulturellen Umfeld gemacht werden. Als Hinweis dafür dient mir vor allem die Existenz von Emotionen die völlig unabhängig von der Verstandesebene entstehen. Gewissheiten entstehen, ohne dass sie vom Verstand erklärt werden können, die Gewissheiten bekommen ihre Bestätigung im persönlichen Erlebnis. Das ist nicht nur eine Frage die in den Religionen, sondern auch in Kunst, der Kultur überhaupt, zu finden ist.

    Das ist jetzt vielleicht sehr abstrakt, und ich habe für die vorangegangen Zeilen auch ganz absichtlich nicht nach den korrekten Definitionen und deren Bedeutungen gegooglt, und schildere dies so wie ich es verstanden habe. Auch auf die Gefahr hin, dass mich andere auf Grund von vielleicht falsch verwendeten Begriffen, als Dilettanten in dem Bereich hinstellen.

    Aber ich will noch mal, um es ein wenig zu konkretisieren, ein Beispiel aufgreifen: Das Vorsorgeprinzip. Dies ist für uns eine durch die Kultur vermittelte Gewissheit. Es wird uns vermittelt durch alle möglichen Verhaltensweisen, ist in Märchen genauso zu finden wie in religiösen Schriften (Bsp. die sieben fetten und die sieben mageren Jahre in Ägypten). Es mag, dieses Vorsorgeprinzip, in Hinblick auf das Klima unsinnig erscheinen, es dockt aber an kulturellen und emotionalen Gewissheiten an. Für mich ist der Mensch eben in allererster Linie ein kulturelles Wesen, von Gewissheiten geprägt die jenseits des Verstandes ihren Ursprung haben. Der materielle-evolutionäre-Innovationismus kann nur einen kleinen Teilbereich dieser Kultur erklären.

    Aber ich will mich, abschließend, ausdrücklich für deine Texte bedanken. Sie sind immer anregend und eröffnen gedankliche Perspektiven. Ich ordne sie halt in einen anderen Kontext ein, als es vielleicht andere tun. Aber das ist doch auch wiederum toll, dass Menschen eben so verschieden sind, und ein jeder seine Welt hat, so wie er sie sieht.

  39. @ 4. Günter Heß

    Wölfe sollen den Wildbestand regulieren. Wenn das geschieht, wird der Wolfsbestand auf einige 1000 in Deutschland gewachsen sein. Danach wird Vieh gerissen (Zäune helfen da wenig, die überspringt der Wolf) und auch mal ein wehrloses Kind oder ein gebrechlicher Mensch, weil hier Jagd auf Wölfe verboten ist.

  40. Was mir bei Peter gefällt, ist seine Art, die Welt ohne „Geschwindigkeitsbegrenzung“ zu denken. Er schaut halt vorwärts und hält sich nicht ewig mit Reflexion auf das Vergangene auf. Sein „Innovationalismus“ muß sich nicht erst durchsetzen, er findet bereits statt. Auch, wenn er kritisch beäugt oft im Hintergrund statt findet. So ein bischen, wie beim fliegenden Auto, das eben kommen wird.
    Das Manifest meint die „Geschwindigkeitsbegrenzungen“ an einigen Stellen herauf setzen zu können. So nach dem Motto, da machen wir halt aus der 30iger Zone eine 40iger Zone und reden ganz viel darüber. Peter will, so wie ich ihn verstehe, für die Problemzonen eine andere, geschwindigkeitserhaltende Lösung, auch wenn man dazu den herkömmlichen Weg verlassen muß. Die schon heute vorhandenen Möglichkeiten ermöglichen doch schon einen guten Blick auf das Übermorgen und werden doch nur durch unnötige Verkehrsschilder ausgebremst, aber nicht aufgehalten.

  41. @ Haxthausen

    Man wird im dicht besiedelten Deutschland ganz schnell dazu übergehen müssen den verhätschelten Wolf einem nötigen Jagddruck zu unterwerfen, da die Furcht vor dem Menschen von Generation zu Generation verloren gehen wird. Der Wolf wird weichen müssen und nicht der Mensch.

  42. @Quentin Quencher: Atheismus ist als Weltanschauung bar jeden Inhalts, so wenig ein weiterer Glaube wie „Nichtastrologie“ eine Wissenschaft ist.

    @Haxthausen: in der ZEIT http://www.zeit.de/2015/14/tiere-woelfe-bedrohung/seite-4 war ein langer Artikel über Wölfe. Ein Deutsch-Kanadier hat seine eigene Theorie e entwickelt:

    Valerius Geist [hat] eine eigene Theorie über Wölfe, die er an Wissenschaftler schickte – und die ihn jede Menge Freunde unter seinen Kollegen kostete. Was er da schrieb, ging ihnen zu weit. Von nun an galt Geist als Außenseiter, weil er sich gegen die Mehrheitsmeinung stellte. Geist, der kein Wolfsexperte ist, sondern Verhaltensforscher, verallgemeinerte persönliche Erlebnisse und einen krassen Todesfall, das passte einigen seiner Kollegen nicht. Geist spitzte seine Thesen zu.

    Er präsentierte ein Modell der Eskalation, mit mehreren Stufen. Demnach beobachten Wölfe zunächst eine Siedlung, bleiben ihr aber noch fern. Anschließend wagen sie sich dichter heran. Sie reißen zunächst Nutztiere, oft nachts, später auch tagsüber. Danach, so Geist, würden Menschen als Beute getestet, zuerst vorsichtig, durch ein Zerren an der Kleidung beispielsweise. Schließlich folge – wenn die Wölfe nicht vertrieben würden – ein Angriff, der tödlich ausgehen könne.

  43. @Heller #37,

    Henryk Broder hat mir mal gesagt, als Atheist wäre ich eben auch ein Gläubiger.

    da irrt er oder er meint es anders. Ein Atheist weiß, dass er eigentlich nichts weiß.

    Entweder Broder -- Die Deutschland-Safari -- Teil 3 Guck mal, wer die Erde rettet -- Montag, 26.09.2011

    https://www.youtube.com/watch?v=4Rl5xq2tDTs

    Unseren Zustand beschreibt Broder aber treffend:

    Mein Opa war in der Waffen SS, mein Papa in der Volksarmee und ich trenne Müll

  44. An Irgendetwas glauben auch die Atheisten.
    Und den Sozialisten/Ökologisten etc. möchte man zurufen:
    „Währt ihr doch nuch beim Christentum geblieben,
    so hätte es viele Tote nicht mehr gegeben.“

  45. Wildnis: Ist eine Definitionsfrage.
    Als die Europäer zu anderen Kontinenten aufbrachen, und deren Bewohner trafen, waren es für sie „Wilde“, die demnach in einer Wildnis lebten. Aber für die Ureinwohner war es keine Wildnis, sondern der natürliche Lebensraum, in den sie die Mittel für die Erfüllung ihrer täglichen Bedürfnisse gewonnen haben. Das konnte durch die Jagd bis zur Ausrottung einzelner Tierarten führen.
    These: es gibt keine Wildnis, nur eine durch den Menschen mehr oder weniger veränderte Umwelt.
    Es ist eine Illusion, z.B. durch die Herausnahme von landwirtschaftlichen oder forstwirtschaftlichen Flächen aus der Bewirtschaftung, eine Wildnis schaffen zu können. Eine vom Menschen geschaffene Wildnis ist keine Wildnis sondern ein teures Kunstprodukt, das vorher hinsichtlich seiner Eigenschaften rein subjektiv definierte wurde.

  46. Hallo Peter,

    in diesem Artikel, der nun auch auf NOVO erschienen ist, hast Du am Ende ergänzt:

    Höchstens die virtuellen Welten, die mir die Computerspiele Skyrim, The Witcher 3 oder Dragon Age Inquisition bieten, sind da noch ehrlicher.

    Hier muss ich natürlich meinen Senf dazu geben. Nicht bezüglich Computerspielen, da kenne ich mich nicht aus, bin kein Spieler, doch ich kenne virtuelle Welten, und die entstehen eben nicht erst heute durch Technik und Computer. Ich hatte mal, vor bald drei Jahren, ein paar Zeilen über die virtuelle Figur »Miku Hatsune« geschieben, die in Japan geradezu Kultstatus erreichte. Ich meinte damals dazu:

    Ich habe heute das erste Mal von Miku gehört, und dachte, die spinnen eben die Japaner. Das war doch mit dem »Tamagotchi“ nicht viel anders, doch das Ding konnte man aber wenigstens noch anfassen. Mit einem Lächeln wollte ich mich deshalb von dem Artikel abwenden und mich einer, vermeintlich sinnvolleren, Lektüre widmen -- da wurde mir mein Hochmut bewusst. Zeigt sich hier nicht etwas was es immer schon gegeben hat? Genau, Menschen haben schon immer Emotionen gegenüber Phantasien, Kunstprodukten, gehabt. Was ist mit den großen Dichtern und Erzählern, deren Figuren in uns ebensolche Emotionen wecken, obwohl wir genau wissen, dass diese genauso künstlich entstanden sind wie süße Hatsune Miku.

  47. Sorry Peter,

    ich sehe gerade, diese Zeile ist auch hier so ähnlich enthalten. Das hatte ich überlesen und ist mir erst jetzt aufgefallen. Komisch, was die Veränderung von wenigen Worten doch bewirken kann.

  48. @ Quentin, #47:

    Komisch, was die Veränderung von wenigen Worten doch bewirken kann.

    Mir gefallen diese Veränderungen aber nicht. Eine „Novo-Textredaktion“ (wer auch immer das ist) hat den Text ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung an einigen Stellen verändert. Dieser Satz

    Höchstens die virtuellen Welten, die mir die Computerspiele Skyrim, The Witcher 3 oder Dragon Age Inquisition bieten, sind da noch ehrlicher.

    stammt nicht von mir und er trifft auch den Punkt nicht (was soll „ehrlicher“ in diesem Zusammenhang bedeuten? Und wer nicht weiß, worum es sich bei Skyrim und Co. handelt, mag sich eben schlau machen oder den Satz schlicht ignorieren).

    Ich bin ziemlich angesäuert, da dies nicht die einzige „redaktionelle“ Änderung ist. In Zukunft wird es von mir nur noch dann Texte bei Novo geben, wenn diese so übernommen werden, wie von mir vorgegeben. Scheinbar fehlerhafte Überschreitungen grammatischer Regeln -- bspw, durch Sätze ohne Prädikat -- sind nämlich durchaus Absicht und dienen der Betonung und Schärfung von Aussagen.

  49. @ Peter

    Ich weiß auch nicht was bei NOVO da schief läuft, auch dem Text von Thilo Spahl, bei dem es um die Ökomodernisten geht, haben die als einleitenden Absatz geschrieben:

    Niedriger Energieverbrauch, kaum Umweltzerstörung und trotzdem Wohlstand. Das Ecomodernist Manifesto skizziert eine moderne Ökobewegung.

    Von niedrigen Energieverbrauch schreibt aber Thilo Spahl nicht, sondern genau vom Gegenteil. Ursprünglich ist Spahls Text ja im The European erschienen, und dort steht:

    Das „Ecomodernist Manifesto“ wagt einen optimistischen Ausblick auf eine Welt des Wohlstands mit hohem Energie- und niedrigem Naturverbrauch. Wie genau die aussehen soll, ist aber unklar.

    Auf der Achse wurde auch die Version von NOVO übernommen, das wurde dann aber nach einem Hinweis von mir wieder geändert.

  50. Allein schon den Europapark der Landschaft vorzuziehen ist schon zu köstlich…nur zu Info die Landschaften in Witcher 3 wurden größtenteils von existierenden Landstrichen abgekupfert, Herr Heller..Ich spiele auch gern diese Spiele, aber ich schaue mir derart schöne Gebiete lieber real an.Zeigt wie sehr sie in der realen Welt angekommen sind Herr Heller!!

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