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Wie Deutschland sich der Zukunft verweigert

28. Juni 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Innovationspolitik, Politik, Technium, Wirtschaftsförderung

ego150Der still lächelnd auf einem Stuhl neben dem Vortragenden sitzende, als „Assistent“ vorgestellte Mann müsse ein Mensch sein, verkündete ich im Brustton der Überzeugung meinen Sitznachbarn. Schließlich hatte er geblinzelt. Und warum bitte sollte man einem Roboter eine für ihn so nutzlose Funktion wie das erratische Heben und Senken der Augenlider mitgeben? Genau deswegen. Um auch Schlaumeier wie mich zu täuschen. Es war tatsächlich eine Maschine. Eine große Ähnlichkeit mit ihrem Erbauer (Henrik Schärfe von der Universität Aalborg) konnte ich zwar nicht ausmachen, aber das Wesen erschien in jeder Hinsicht als Mensch. Es schaute freundlich ins Publikum, lächelte wissend zu den Ausführungen des Professors und man hatte das Gefühl, es könne jederzeit aufstehen und selbst mit dem Publikum sprechen. Diese beeindruckende Präsentation eines Androiden als höchstes Ziel des Maschinenbaus zeigte Möglichkeiten auf, die man noch vor einigen Jahren als utopische Spinnereien abgetan hätte. Wie würde mein Alltag aussehen, hätte ich einen autonom agierenden, mobilen humanoiden Roboter als Kopie meiner selbst zur Verfügung, der mir allerlei Verrichtungen abnehmen könnte, die der Interaktionsfähigkeit einer menschlichen Physis bedürfen? Einkaufen fällt mir da ein, die Kinder von der Schule abholen und zum Sport- oder Musikunterricht bringen, Behördengänge erledigen und vieles mehr. Er könnte



Veranstaltungshinweis: Panamarenko – Vom Fliegen

27. Juni 2014 | Von | Kategorie: Blog, Innovationspolitik, Technium, Wirtschaftsförderung

PanamarenkoIn vielen Bereichen hat Deutschland Innovation verlernt. Auch, weil man technische Systeme als die Summe ihrer Einzelteile betrachtet und somit die Entwicklung „an der Schraube“ beginnt. Dieser Ansatz schafft Pfadabhängigkeiten, durch die Neuerungen auf die Optimierung des Bestehenden begrenzt werden. Oft beschönigend „inkrementelle Innovation“ genannt, ist dieser Prozeß von komplexer und schwer zu erläuternder Natur. Ein Charakteristikum, das Laien den Zugang erschwert, und damit Technologieferne oder gar Technikfeindlichkeit in der breiten Öffentlichkeit befördert.

Vielleicht sollten wir wieder einen Schritt zurücktreten und technische Systeme in ihrer Gesamtheit betrachten. Das Ganze ist eben mehr als nur die Summe seiner Teile. Wer könnte uns diese Perspektive besser vermitteln, als die Kunst? Noch im 19. Jahrhundert sahen sich die Konstrukteure der Maschinen der industriellen Revolution als legitime Nachfolger der Universalgelehrten früherer Zeiten an, die in Naturwissenschaften, in der Philosophie und in den bildenden Künsten keine Gegensätze erkannten. Der Begriff der „Getriebekunst“ kündet bis heute davon. Als moderner Leonardo da Vinci kann der belgische Künstler Henri van Herreweghe, bekannt unter seinem Pseudonym Panamarenko, angesehen werden. Seinem Lebenswerk widmet sich seit heute eine Ausstellung der Städtischen Galerie Delmenhorst:

Nur beim Machen kommt man in Kontakt mit der Wahrheit.“ Als Künstler-Ingenieur träumt Panamarenko den uralten Traum



Der Fall Bengtsson: Climategate reloaded

18. Mai 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Climategate, Klimawandel, Ökologismus, Wissenschaft

ego150Angenommen, ein Arbeitskollege entscheidet sich, wahlweise den Scientologen, dem Ku-Klux-Klan oder sonst irgendwelchen Faschisten beizutreten. Würde ich mit dieser Person noch zusammenarbeiten wollen? Ganz sicher nicht.

Angenommen, besagter Kollege tritt Greenpeace bei, der ÖDP oder sonst einem Ökologistenclub? Könnte ich dann so weiter machen wie bislang? Aber sicher. Nicht, weil äußere Umstände mich dazu zwingen würden. Erstens könnte ich ein anderes Verhalten vor mir selbst nicht rechtfertigen. Und zweitens käme ich überhaupt nicht auf die Idee, dem Kollegen nun anders gegenüberzutreten, als vorher.

In meinem beruflichen Umfeld, ob Mitarbeiter, Kooperationspartner oder Kunden, treffe ich auf Menschen, die so ziemlich jede denkbare politische Sichtweise abdecken. Ich stecke den Kopf mit Genossen zusammen, mit Grünen, mit erzkonservativen Christdemokraten, mit Liberalen und Libertären, mit Kommunisten und Sozialisten. Da gibt es die NABU-Aktivistin ebenso, wie den BUND-Funktionär oder den Windkraft-Lobbyisten. Ich rede mit allen. Ich streite mit allen. Ich einige mich mit allen. Immer wieder aufs Neue. Meine Güte, eine gute Freundin der Familie ist Molekularbiologin. Überzeugt davon, Gott habe die Welt erschaffen und der Mensch würde diese – durch Kohlendioxid – nun vernichten. Was soll man da machen?

Alle diese vielen verschiedenen Menschen mit ihren vielen differierenden Meinungen kennen meine Auffassungen. Einige davon



Parteien zur Europawahl

12. Mai 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Emissionshandel, Energiewende, Klimawandel, Politik

ego150Seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr scheint die politische Stimmung in Deutschland erstarrt. Ein Blick auf die aktuellen Umfragen und deren Entwicklung seit dem September 2009 offenbart keinerlei Bewegung. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Trifft die große Koalition mit ihrer Politik wirklich die Wünsche der Bevölkerung? Sind die Deutschen zu satt und zu träge geworden, zu desinteressiert und gleichgültig, um noch den Wunsch nach Veränderungen zu haben? Oder stellen die Schwäche der Opposition und ihre Unfähigkeit, wirkungsvoll Alternativen zu formulieren und in die Debatte einzubringen, die entscheidende Ursache dar?

Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allen drei Faktoren. Ändern könnte dies wie so oft eine Wahl mit einem überraschenden Ausgang. Uns steht ja eine bevor, am übernächsten Sonntag wird über die Besetzung des europäischen Parlaments abgestimmt. Eine Chance für den Wähler, durch seine Stimme vor allem die Kommunikation von Themen in den Leitmedien zu beeinflussen. Überraschend gute Ergebnisse für die kleinen Parteien könnten zu einem verstärkten Interesse an deren Aussagen beitragen. Wenn sich die Journalisten der Frage widmen, wie ein solches Ergebnis erklärt werden kann. Die Abstimmung am 25. Mai wäre als Plattform geeignet, um Gegenpositionen zum sozialökokonservativen Einheitsbrei dieser Republik endlich mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Nutzt die



Der Fall Bengtsson

6. Mai 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Medien, Nachhaltigkeit, Politik, Wissenschaft

ego150Die Naturwissenschaft ist voller offener Fragen, auf die verschiedene Forscher unterschiedliche Antworten geben. Daraus entstehen Diskussionen, die manchmal auch heftig verlaufen. Obwohl viele ungeklärte Hypothesen Grundlegendes betreffen, man denke an die Funktionen unseres Gehirns, an die Entstehung und die Entwicklung des Kosmos, an die innere Struktur der Materie, werden diese Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit – wenn überhaupt – nur beobachtend und mit distanziertem Interesse wahrgenommen. Manche, die sich der Wissenschaftskommunikation verschrieben haben, bedauern das. Aber es ist kaum zu ändern, da der verstehende Zugang zu solchen Themen eine intensive Auseinandersetzung erfordert, die weder Wirtschaftsführer, noch Politiker oder Journalisten und schon gar nicht die breite Bevölkerung leisten können oder wollen. Und es hat auch etwas Gutes. Denn der Abstand zu den für die Tagespolitik relevanten gesellschaftlichen Debatten schafft erst den Freiraum, in dem die Wissenschaft Erkenntnisfortschritte nach ihren eigenen erprobten Regeln erzielen kann.

Zuviel Nähe zur Politik hingegen birgt die Gefahr der Vereinnahmung und Instrumentalisierung. Die Eugeniker des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts beriefen sich auf die Evolutionstheorie. Sie waren fest davon überzeugt, mit ihren Konzepten Gutes bewirken zu können. Tatsächlich aber öffneten sie Tür und Tor für totalitäre, rassistische Ideologien und furchtbare, staatlich sanktionierte Verbrechen. Auch Trofim Lyssenko wollte



Elektromobilität: Scheitern aus jeder Perspektive

4. Mai 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Innovationspolitik, Wirtschaftsförderung

ego150Der Lobbyist war erkennbar stolz auf sein Argument. Er hatte es sich für den Anlaß auch ganz genau zurechtgelegt. Immerhin saß mit einem leibhaftigen Minister einer seiner Geldgeber in der ersten Reihe.

Denn besagten Lobbyisten gibt es nur, weil die Bundesregierung das sogenannte „Schaufenster Elektromobilität“ fördert, eine reine Marketing-Veranstaltung. Gut, ohne Schaufenster gäbe es den Herrn natürlich auch, nur würde er dann nicht ein flammendes Plädoyer für batteriebetriebene PKW halten. Sondern vielleicht für Toaster. Oder so. Wenn denn die Bundesregierung sich eine Initiative „Toaster 2020“ überlegt hätte, durch die er dann finanziert würde, um wiederum der Bundesregierung zu sagen, wie bedeutend batteriebetriebene Toaster für Deutschland bis 2020 werden. Worauf das Kabinett flugs zu der Auffassung gelangt, „Toaster 2020“ nicht nur besser ausstatten, sondern auch gleich verlängern zu müssen. Bis 2030. Oder gar bis 2050, gekoppelt an die Energiewende.

Unser Lobbyist hatte auf der Abendveranstaltung also nur eine Aufgabe. Dem Minister in der ersten Reihe, der ihn indirekt bezahlt, indirekt mitzuteilen, wie gut er daran tut. Und das am besten mit einer besonders klug erdachten Stellungnahme, die auch bei einem müden Politiker noch hängenbleibt.

Elektromobilität, so sein Credo sinngemäß, werde sich durchsetzen. Denn man solle sich einfach mal überlegen,



IPCC WGII SPM: Ein Ratespiel im Zwielicht der Halbwahrheiten

3. April 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Wissenschaft

Letztes Jahr hagelte es bei uns. Hagel im Allgemeinen ist zwar nicht ungewöhnlich, in der Heftigkeit von damals aber schon. Bis zu tennisballgroße Körner fielen vom Himmel, produzierten ein paar Dellen im Auto und zerschlugen eine Handvoll Dachziegel. Das erlebt man eben auch nur einmal pro Dekade. Oder so. Alles war übrigens versichert, wurde schnell reguliert und repariert. Ich hatte es schon vergessen. Denn es gibt wichtigeres.

Erst als die Ergebnisse der zweiten Arbeitsgruppe (“Working Group II (WGII)”) des zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel der Vereinten Nationen (“Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)”) vor einigen Tagen öffentlich wurden, erinnerte ich mich wieder an den Hagel. Der eigentliche Report ist jetzt auch verfügbar, gelesen habe ich aber nur die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (“Summary for Policymakers (SPM)”). Und in dieser heißt es dann sinngemäß, mit solchen Extremwetterereignissen wie dem Hagel müsse man in Zukunft wohl häufiger rechnen. Wegen des Klimawandels, des menschgemachten, jedenfalls mutmaßlich menschgemachten, wahrscheinlich “very likely” mit “high confidence” menschgemachten. Gut, über den Hagel in meiner Gegend steht da eigentlich konkret nichts. Aber aus dem Zusammenhang des geschriebenen glaube ich entnehmen zu können, daß es dachziegelbrechende Hagelkörner bei mir “more likely than not” mit “medium confidence” häufiger geben könnte.