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Elektromobilität: Zukunftsangst gegen Innovation

27. Januar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Elektromobilität, Innovationspolitik, Wirtschaftsförderung

ego3-150x150Im Verlauf jeder wirtschaftspolitischen Diskussion gelangt man an den Zeitpunkt, an dem sich jemand mit dem Satz zu Wort meldet: „Aber wir müssen uns doch mal überlegen, wo wir in zwanzig Jahren sein wollen!“ Müssen wir? Können wir? Sollten wir?

Es mag Zusammenhänge geben, in denen dieser Ansatz sinnvoll ist. Wenn man als Privatperson eine Immobilie finanziert oder auch, wenn Politik über grundlegende Rechtssetzungen nachdenkt. Aber in Bezug auf Innovationen ist diese Art zu Denken nicht nur nicht hilfreich, sondern kontraproduktiv. Innovationen finden in der Gegenwart statt, nicht in der Zukunft. Sie sind Objekte des Hier und Jetzt. Je nach Branche ist das „Hier und Jetzt“ natürlich dehnbar. Manche müssen die nächste Produktgeneration, die nächste Neuheit in Monaten präsentieren, manchen genügen ein, zwei oder drei Jahre und einige wenige denken tatsächlich in Jahrzehnten.

Der Satz oben aber stellt eine Metapher dar, die nicht nur meint, gleich mehrere Produktgenerationen im Voraus, sondern gar eine Art endgültiges Ziel festlegen zu müssen. Die Motivation verdeutlichen diverse synonyme Formulierungen, in denen die Aussage ebenfalls angeboten wird. „Wenn wir jetzt nicht in diese oder jene Richtung aufbrechen, werden wir in zwanzig Jahren vor großen Problemen stehen!“ heißt es dann beispielweise. Furcht treibt die Protagonisten der



Energiewende: Subventionen gegen Innovationen

18. Januar 2015 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Energieerzeugung, Energiewende, Politik, Wirtschaftsförderung

ego150Tot sei das Thema Energie in Deutschland, so sagte es mir vor einigen Tagen ein erfahrener Wirtschaftsförderer. Er bezog sich auf das Ausbleiben von Innovationen in der Branche. Über den Schuldigen waren wir uns schnell einig: die Energiewende. Um dies zu erläutern, möchte ich etwas weiter ausholen.

Man sollte sich unsere Vorfahren als glückliche Menschen vorstellen. Denn ohne ein gewisses Maß an Zufriedenheit in jeder Epoche gäbe es uns heute nicht. Selbst in vorindustriellen Zeiten wird den weitaus meisten Zeitgenossen nur wenig gefehlt haben. Sicher, aus unserer Perspektive erscheint das Mittelalter entbehrungsreich. Kein fließendes oder auch nur sauberes Wasser, keine gesicherte Versorgung mit Nahrungsmitteln, kein Gesundheitswesen. Selbst die Privilegierten jener Zeit konnten sich mit all ihrem Reichtum weder ein Handy kaufen, noch Gummibärchen. Nur ist es ihnen nicht aufgefallen. Man hatte schlicht keine Kenntnis von dem, was man vermissen könnte. Eine Vorstellung von Autos oder Computern, von Waschmaschinen oder Kühlschränken gab es nicht. Trotzdem wird Fortschritt oft auf Visionäre zurückgeführt, auf Erfinder, in deren Werkstätten vorauseilende Ideen eher zufällig Gestalt annahmen.

Inventoren, Erfinder, produziert die Energiewende genug. Legionen an Schraubern tüfteln in Garagen und Hobbykellern an Energietechnologien, die ihrer Meinung nach revolutionär sein sollen. Angestachelt werden sie durch die aktuelle politische



Nuklearia-Presseinformation: Strahlenangst mit Fakten bekämpfen

12. Januar 2015 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Kernenergie

Pressemitteilung des Nuklearia e.V. vom 11.01.2015:

Strahlenangst mit Fakten bekämpfen

Die gesellschaftliche Diskussion über Atommüll, Kernenergie oder Nuklearmedizin erfordert einen sachorientierten Umgang mit dem Thema Strahlung, meint der Nuklearia e.V. Den weitverbreiteten Ängsten vor Strahlung stellt der kernkraftfreundliche Verein in einem jetzt erschienenen Faltblatt Fakten entgegen. Sie zeigen: Niedrigstrahlung ist unbedenklich.

Der Flyer der Nuklearia skizziert die verschiedenen Arten radioaktiver Strahlung und erläutert, wie Strahlung im Körper wirkt. Kritisch geht die Nuklearia mit der vorherrschenden Meinung ins Gericht, selbst geringste Strahlung sei gefährlich. »Wenn man sieht, was die Strahlenbiologie in den letzten 20 Jahren herausgefunden hat, ist diese These schlicht nicht mehr haltbar«, erläutert Vereinsvorsitzender Rainer Klute. »Hohe Strahlung ist gefährlich, keine Frage. Das gilt aber nicht für geringe Strahlendosen und auch nicht für höhere Dosen, die sich über einen längeren Zeitraum strecken.« Diese Art Strahlung sei nicht nur unschädlich, sondern habe durchaus positive Effekte, ist im Flyer zu lesen.

Ein besonders eindrückliches Beispiel stammt aus Taiwan. Hier waren mehrere tausend Menschen über Jahre hinweg in ihren Wohnungen unbemerkt Strahlung aus radioaktivem Baustahl ausgesetzt. Nach der gängigen Theorie hätte es unter ihnen 30 Prozent mehr Krebsfälle als in der übrigen Bevölkerung geben müssen. Tatsächlich ging die Krebsrate jedoch dramatisch zurück.



Nach der Wahl ist vor der Wahl

10. Januar 2015 | Von | Kategorie: Blog, Internes

StreitDie Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres sorgt für Gesprächsstoff. Und das ist gut so. Denn die Idee der Initiative Reiner Korbmanns ist nicht primär die eines Wettbewerbes mit Gewinnern und Verlierern, die sich um irgendeine Art von „Preis“ streiten. Für ihn ist die Abstimmung ein Werkzeug des Marketings, ein Instrument, um Aufmerksamkeit für die Wissenschaftsbloggerei in Deutschland zu schaffen. Denn Aufmerksamkeit ist die Belohnung, für die wir Blogger schreiben. Wir wollen gelesen werden. Was auch immer Menschen dazu anregt, uns ihre Zeit zu schenken, ist daher zu begrüßen. Auch und gerade dann, wenn es zu Streitigkeiten führt. Kontroversen schaffen Klicks. Manchmal führen Konflikte auch zu konstruktiven Lösungen und besseren Ideen.

Im Jahr 2012 nahm ich den Wettbewerb erstmals zur Kenntnis. Science Skeptical wurde nominiert. Obwohl wir uns nicht darum beworben hatten. Reiner Korbmann legt seiner Vorschlagsliste (zusätzlich zu Leserempfehlungen) eine Rangliste einer auf Internet-Werbung spezialisierten Marketing-Agentur zugrunde, deren genaue Kriterien auch er nicht kennt. In dieser Tabelle werden 84 deutsche Wissenschaftsblogs nach „Einfluß“ sortiert (der sich gemäß der kurzen Beschreibungen aus Verlinkungen und Aktivitäten auf Twitter und Facebook ableiten lassen soll) und wir liegen dort eigentlich immer unter den Top 20. Damals schrieb ich Herrn Korbmann dazu:

[…] Sie werden



Klimaimperialismus

2. Januar 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Politik

ego150Viele Historiker erkennen im Zweiten Weltkrieg eine Zäsur, durch die auch das Zeitalter des Imperialismus beendet wurde. Formal gesehen begann am 26. Juni 1945 mit der völkerrechtlich verbindlichen Charta der Vereinten Nationen eine neue Epoche der Achtung vor dem Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker. Berechtigt ist der Einwand, die Souveränität bestimmter Nationen sei auch in der jüngeren Vergangenheit häufig mißachtet worden. Aber dies waren Einzelfälle. Mitunter spielten wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Meist jedoch sah sich die Weltgemeinschaft durch massive Verletzungen der Menschenrecht gezwungen, das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates zu durchbrechen.

Die Idee, das Klima vor dem Einfluß des Menschen schützen zu müssen, schafft nun aber noch weitgehend unbemerkt die Grundlage für eine Wiederkehr überwunden geglaubter kolonialistischer Reflexe. Imperialismus ist wieder salonfähig – und das ausgerechnet in Deutschland. Wenn der Außenminister Ecuadors, Ricardo Patino, Mitgliedern des deutschen Bundestages einen (Zitat gemäß Spiegel Online) Kurs über das Selbstbestimmungsrecht der Völker und gegenseitigen Respekt empfiehlt, sollte dies aufhorchen lassen. Hintergrund ist der Wunsch der Regierung des lateinamerikanischen Landes, in einem Nationalpark Öl fördern zu lassen. Was ein durchaus pragmatisches Verhältnis zu Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes einer- und der Wirtschaftsförderung andererseits verrät. Hinsichtlich



Aufruf an die Leser: Empfehlen Sie unsere wichtigsten Texte!

17. Dezember 2014 | Von | Kategorie: Blog, Internes

ScSKPodiumIm Oktober 2009 ging Science Skeptical online. In den letzten fünf Jahren haben wir nahezu 900 Beiträge hier veröffentlicht. Darunter viele kurze Denkanstöße und Hinweise, aber eben auch hunderte von längeren Analysen. Stetig steigende Nutzerzahlen bestätigen unser Konzept. Gerade in den letzten Wochen und Monaten sind viele neue Leser zu uns gestoßen. Das spiegelt sich auch im Kommentarbereich wieder.

Nun ist das Internet ein schnelles, tagesaktuelles Medium. Auf unserer Startseite finden sich gerade mal die jüngsten 25 Artikel und Blogbeiträge. Manchmal rutschen wichtige Texte schon nach wenigen Wochen ins Archiv und geraten damit leider aus dem Blickfeld. Gerade für die neuen Leser ist es daher mitunter schwierig, einen Einstieg zu finden und sich ein umfassendes Bild von diesem Blog zu machen. Manche Gedanken werden ja über mehrere Beiträge kommuniziert und häufig erweitern neue Artikel eine Argumentation, die durch ältere Texte schon vorbereitet wurde.

Ich ertappe mich jedenfalls oft bei dem Gedanken: Hey, das Thema haben wir doch bereits erschöpfend behandelt. Aber sich im Archiv auf gut Glück etwas herauszusuchen, ohne genau zu wissen, wonach man denn eigentlich sucht, suchen sollte, suchen kann, ist schwierig und aufwendig.

Ich würde daher gerne eine Art “Einstiegsseite” für neue Leser gestalten, auf der



Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres 2014

16. Dezember 2014 | Von | Kategorie: Artikel, Internes

Blog-TeufelchenDie Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres ist eröffnet. Sie können hier für uns abstimmen.

Reiner Korbmann hat eine Idee. Die heftigen Auseinandersetzungen des vergangenen Jahres rund um seine Initiative “Wissenschaftsblog des Jahres” will er heuer vermeiden. Diskussionen, die sich allein an der Tatsache entzündeten, daß Science Skeptical überhaupt zu den Nominierten gehörte. Aufgrund eines obskuren Rankings, dessen Algorithmus keiner kennt. Obwohl wir noch nicht einmal auf dem Treppchen landeten, lehnte der Sieger die Auszeichnung (mit der keinerlei “Preis” im herkömmlichen Sinne verbunden ist) ab. Korbmann fand das alles wenig erfreulich. Dabei hat die Debatte Aufmerksamkeit (die Währung im Web) auf seinen kleinen Blog gelenkt, wie kein anderes seiner Themen. Und sie verdeutlichte den unvoreingenommenen Lesern, wie Fundamentalisten und Ideologen wirklich denken. Ein Blog kann nach deren Auffassung kein Wissenschaftsblog sein, wenn er nicht dem politischen Mainstream folgt. Die Klima- und Energiewendeskeptiker seien daher auszuschließen und zu ignorieren.

Sich dieser Haltung öffentlich zu unterwerfen, behagt Reiner Korbmann aber scheinbar auch nicht. Durch einen Trick möchte er es allen Seiten recht machen. Zunächst hat er einen undurchschaubaren Wortnebel über die Frage gelegt, was denn nun ein “Wissenschaftsblog” sei. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die dafür entscheidende Bedingung, nicht einfach nur