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Elektromobilität? – Nehmen Sie ein Taxi!

22. Juni 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Innovationspolitik, Politik, Wirtschaftsförderung

Der Vertreter des Energiekonzerns hatte sich redlich Mühe gegeben, die Zuhörer von den Vorzügen des batteriegespeisten Elektroautos zu überzeugen. Wenn man dann abends nach Hause käme, müsse man das Fahrzeug nur noch an die heimische Ladestation anschließen. Der Konzern, so das Mantra seiner Ausführungen, würde den Ladevorgang automatisch zu den Zeiten mit dem billigsten Stromangebot durchführen. Und als dem Publikum anschließend erlaubt wurde, Fragen zu stellen, traute sich der junge Student drei Plätze neben mir als erster. „Ich komme also nach Hause“, so seine Frage, „und wenig später muß ich ins Krankenhaus. Die Batterie ist noch nicht aufgeladen, was nun?“ Mühsam um eine Antwort ringend sah sich der Vortragende einem Zwischenruf aus dem Auditorium ausgesetzt: „Dann nehmen Sie ein Taxi!“ Allgemeines Gelächter und die positive Grundhaltung gegenüber dem Elektroauto schlug rasch in ihr Gegenteil um.

Alles ist möglich?

Der typische Vortrag eines Futurologen heutzutage ist ein Blitzlichtgewitter der Möglichkeiten. Oft hundert Folien oder mehr ergeben einen Film mit stehenden Bildern. Fotos und Zeichnungen mit allerlei Fiktionen, die aus der wahllosen Verknüpfung von denkbaren Fortschritten in Nano-, Bio- und Informationstechnologie bestehen. Dabei entstehen Mythen, die in den Köpfen der Menschen eine eigene Realität schaffen und so den merkwürdigen Status einer Quasiexistenz …



Paul Reeves: Echte Innovation lässt sich nicht erzwingen

18. Juni 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit, Politik, Wirtschaftsförderung

Es scheint, als stünden wir heute unter dem Zwang, zwei Welten miteinander in Einklang zu bringen: ökonomisches Wachstum auf der einen und Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks auf der anderen Seite und müssten zwischen Fortschritt und Selbstbescheidung wählen. Folglich erheben viele Ingenieure und Institutionen im Technologiesektor immer häufiger ein mit möglichst geringen Belastungen verbundenes Wachstum zur Tugend. Dieser scheinbar attraktive Ansatz könnte jedoch langfristig in Wirklichkeit innovationshemmend wirken und echte Innovationen in Projekten, Produkten und Prozessen eher behindern.

Vom Helden zum Zauderer

Im Ingenieurwesen war man früher bestrebt, Neues zu schaffen, das weitreichende positive Veränderungen für die Gesellschaft mit sich brachte. Heute hingegen beschränkt man sich zumindest in Großbritannien darauf, alte Infrastrukturen wie das Abwassersystem oder Schienennetz auszubessern. Nachdem der Autobahnbau in den 1960er und 1990er Jahren boomte, geht es bei den heutigen Infrastrukturprojekten in erster Linie um Wartung, Ausbesserungs- und Verbreiterungsmaßnahmen, um die Straßensicherheit zu gewährleisten und Nadelöhre, insbesondere in den Ballungsgebieten, zu entlasten (1). Als Entschuldigung für den Mangel an größeren und verbesserten Verkehrskapazitäten wird auf Alternativen wie den Schienenverkehr verwiesen – doch nur, weil man das Autofahren möglichst eindämmen möchte. Die Erschließung neuer Flächen auf der grünen Wiese oder gar in Grüngürteln stößt auf Ablehnung. Und obgleich die …



In eigener Sache: Kooperation mit Novo Argumente

18. Juni 2011 | Von | Kategorie: Internes, Off-Topic-Arena

Science Skeptical ist bei weitem nicht die einzige (deutsche) Meinungsplattform im Web, die sich aus einer freiheitlichen, optimistischen und technologieoffenen Perspektive mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Welt auseinandersetzt und daher den zeitgeistlichen Strömungen des Ökologismus kritisch gegenübersteht. Unser Ausgangspunkt war die Klimadebatte mit dem Ansatz, der Katastrophenrhetorik und dem Versuch einer bestimmten Gruppe von Naturwissenschaftlern, politische Deutungshoheit und Meinungshegemonie aus ihren Spekulationen abzuleiten, fundierte und unideologische Argumentationen entgegenzusetzen. Im Laufe der Zeit hat sich unser Themenspektrum erweitert. Unter der allgemeinen Überschrift “Klima, Umwelt und Energie” befassen wir uns nun mit einem breiten Spektrum von Fragen politischer, technischer und wissenschaftlicher Natur, das von “Ernährung und Gesundheit” über “Energie- und Wirtschaftspolitik” bis hin zu den Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft reicht. Vor diesem Hintergrund kooperieren wir bereits aktiv mit einigen Portalen, zu nennen sind vor allem Ökowatch und EIKE, mit denen wir häufig Texte austauschen.

Auch der äußerst aktive Pierre Gosselin, dessen NoTricksZone regelmäßig eine Quelle der Inspiration für uns darstellt und der uns einen Zugang zum englischen Sprachraum bietet (Beispiel: die Übersetzung von “Fukushima” und dessen Veröffentlichung bei Anthony Watts), soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Die Vernetzung schreitet also voran und vor diesem Hintergrund …



Relativ gedacht ist absolut daneben…

28. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Erdgas, Erdöl, Kernenergie, Kohle, Politik

Die Siemens-Postille “Pictures of the Future” schaue ich immer wieder gerne durch. Weil der krampfhafte Versuch, über das nicht zu berichten, mit dem man wirklich Geld verdient, mittlerweile absurd-komische Züge annimmt. Auf der Hannover-Messe ist man wenigstens ehrlich und zeigt die Anlagen- und Kraftwerkstechnik für den konventionellen Bereich, sprich vor allem für die Gewinnung und Nutzung fossiler und sonstiger mineralischer Ressourcen aller Art. In “Pictures of the Future” dagegen ist alles nur noch Öko. In den kommenden 30 Jahren, so die Botschaft, schafft sich Siemens einfach ab. Die PR-Abteilung würde natürlich sagen “Wir erfinden uns immer neu!”. Tja, wenn PR-Leute etwas erfinden, ist es eben meistens unbelastet von jeglichem Bezug zur Realität.

An der aktuellen Ausgabe hat mich zumindest eines positiv überrascht: Die Ausrufung des “Stromzeitalters”. Klar ist das im Sinne des Konzerns, denn viele Komponenten für die Regelung und Verteilung von Elektrizität sind unabhängig von der Art der Stromerzeugung. Aber angesichts der gegenwärtigen Debatten um die “Energiewende” verwundert es dann doch, wenn endlich einmal aus der Wirtschaft offen und deutlich die Aussage getroffen wird, daß wir in Zukunft einen höheren Elektrizitätsbedarf haben könnten, und nicht etwa sicher von einem sinkenden auszugehen ist. Siemens benennt drei wesentliche Argumente:

  • Effizienzsteigerungen im


Fukushima und das Primat der Technologie

23. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Wirtschaftsförderung

“Die kontrollierte Kernspaltung und die auf diesem Wege zu gewinnende Kernenergie leiten den Beginn eines neuen Zeitalters für die Menschheit ein. [...]die Entwicklung von Kernkraftmaschinen an Stelle der Dieselmotoren und anderer Verbrennungskraftmaschinen für feste und fahrbare Kraftstationen, für Schiffe, Flugzeuge und andere Verkehrsmittel muß den Platz Deutschlands in der Reihe der Industrievölker sichern; [...]” (SPD Parteitag in München, 14.07.1956)

“Eine Risikotechnologie wie die Kernkraft kann nicht auf Dauer gegen die Mehrheit der Bevölkerung betrieben werden. Sie ist auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen.” (FDP-Parteitag in Rostock, 15.05.2011)

Zwischen diesen beiden Parteitagsbeschlüssen liegen nicht nur einfach mehr als 50 Jahre.

Angesichts der andauernden Debatte über die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland, die eigentlich nur mehr eine Debatte darüber ist, wie schnell man aus dieser Technologie denn nun aussteigen könne, mag mancher Zeitgenosse denken, die Teilnehmer des SPD-Parteitages von 1956 wären wohl ein wenig naiv gewesen. Aber beim Lesen des Textes in voller Länge wird deutlich: Man hat sich für die Kernenergie in voller Kenntnis über die ihr innewohnenden Risiken entschieden. Und gerade diese Risiken waren der Grund, aus dem man in parteiübergreifender Einigkeit in den 1950er Jahren begann, Forschung und Entwicklung ebenso zu unterstützen wie die Errichtung von …



Nachhaltige Entwicklung? – Die Welt gehört den Lebenden…

15. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Der Besuch im Vergnügungspark endete vor der lebensgroßen Figur des Mammuts. “Lebensgroß” bedeutet in diesem Fall nichts anderes als “ziemlich groß”, also beeindruckend. Der Gestalter hatte sich alle Mühe gegeben, denn immerhin wissen wir heute genau, wie Mammuts einmal ausgesehen haben. Und im Gegensatz zu all den vielen Dinosauriern, deren lebens- also ziemlich große Nachbildungen der Park ebenfalls zu bieten hatte, waren Mammuts einmal unsere Zeitgenossen. Das erklärt die Faszination, die diese Tiere auf uns ausüben. Und ebenfalls im Gegensatz zu den Dinosauriern gibt es zumindest Indizien, die das Aussterben dieser großen Landsäugetiere mit dem Menschen, mit den Fertigkeiten steinzeitlicher Jäger, in Verbindung bringen.  Die Figurengruppe im Vergnügungspark, die nicht nur aus dem gigantischen Rüsseltier, sondern auch aus unseren fellbedeckten, mit Speeren herumfuchtelnden Vorfahren besteht, bildete einen merkwürdigen Kontrast zu den Horden lärmender Kinder und staunender Eltern, die sie betrachteten.

Dieser Kontrast verdeutlicht das Scheitern des Prinzips der “nachhaltigen Entwicklung”.

Unsere gegenwärtigen Bedürfnisse, so dieses Prinzip, sollen wir auf eine Art und Weise erfüllen, die die Fähigkeit künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nicht einschränkt. Für sich genommen bietet diese Vorgabe keinerlei Entscheidungskriterium. Denn erstens kennen wir die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht – und zweitens nicht deren Fähigkeiten.

Das Prinzip …



Kretschmann ungeschminkt

26. April 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Innovationspolitik, Ökologismus, Politik, Wirtschaftsförderung

Eines muß man Winfried Kretschmann lassen: Er hat noch nicht die Sprache der Politik angenommen, in der man immer das, was man wirklich denkt, mit vielen Worten nicht ausdrückt. Stattdessen sagt er noch die ungeschminkte Wahrheit.  Der designierte Ministerpräsident des Autolandes Baden-Württembergs mag Autos nicht besonders. Schon gar nicht, wenn sie leistungsstark sind und einfach Spaß machen.

Baden-Württemberg soll weniger Autos bauen, so führt er im Interview mit der Bild am Sonntag aus. Wörtlich: „Weniger Autos sind natürlich besser als mehr.“ Denn noch mehr Autos wären, so einige Sätze später, „ruinös für den Planeten“. Oha! Die etwas mehr als 200.000 Menschen, die in Baden-Württemberg für die Automobilindustrie arbeiten, sind also in Wahrheit mit der Zerstörung der Erde befaßt. Und der Wohlstand, der auf diese Weise entsteht, der Familien ernährt, Kindern eine Zukunft ermöglicht, über den letztendlich unser Gemeinwesen mit all seinen Infrastrukturen, von Straßen bis hin zu Theatern, Schulen, Universitäten und den Gehältern auch grüner Ministerpräsidenten finanziert wird, der ist letztendlich nichts wert. Sagt Kretschmann. Weil er tatsächlich so denkt.

Tja, liebe Wähler in Baden-Württemberg: Das habt ihr gewählt. Es war euch vielleicht nicht klar, denn wer macht sich heutzutage noch die Mühe, Parteiprogramme wirklich intensiv zu lesen. Natürlich, …