Elektromobilität? – Nehmen Sie ein Taxi!
22. Juni 2011 | Von Peter Heller | Kategorie: Artikel, Blog, Innovationspolitik, Politik, Wirtschaftsförderung
Der Vertreter des Energiekonzerns hatte sich redlich Mühe gegeben, die Zuhörer von den Vorzügen des batteriegespeisten Elektroautos zu überzeugen. Wenn man dann abends nach Hause käme, müsse man das Fahrzeug nur noch an die heimische Ladestation anschließen. Der Konzern, so das Mantra seiner Ausführungen, würde den Ladevorgang automatisch zu den Zeiten mit dem billigsten Stromangebot durchführen. Und als dem Publikum anschließend erlaubt wurde, Fragen zu stellen, traute sich der junge Student drei Plätze neben mir als erster. „Ich komme also nach Hause“, so seine Frage, „und wenig später muß ich ins Krankenhaus. Die Batterie ist noch nicht aufgeladen, was nun?“ Mühsam um eine Antwort ringend sah sich der Vortragende einem Zwischenruf aus dem Auditorium ausgesetzt: „Dann nehmen Sie ein Taxi!“ Allgemeines Gelächter und die positive Grundhaltung gegenüber dem Elektroauto schlug rasch in ihr Gegenteil um.
Alles ist möglich?
Der typische Vortrag eines Futurologen heutzutage ist ein Blitzlichtgewitter der Möglichkeiten. Oft hundert Folien oder mehr ergeben einen Film mit stehenden Bildern. Fotos und Zeichnungen mit allerlei Fiktionen, die aus der wahllosen Verknüpfung von denkbaren Fortschritten in Nano-, Bio- und Informationstechnologie bestehen. Dabei entstehen Mythen, die in den Köpfen der Menschen eine eigene Realität schaffen und so den merkwürdigen Status einer Quasiexistenz …
Es scheint, als stünden wir heute unter dem Zwang, zwei Welten miteinander in Einklang zu bringen: ökonomisches Wachstum auf der einen und Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks auf der anderen Seite und müssten zwischen Fortschritt und Selbstbescheidung wählen. Folglich erheben viele Ingenieure und Institutionen im Technologiesektor immer häufiger ein mit möglichst geringen Belastungen verbundenes Wachstum zur Tugend. Dieser scheinbar attraktive Ansatz könnte jedoch langfristig in Wirklichkeit innovationshemmend wirken und echte Innovationen in Projekten, Produkten und Prozessen eher behindern.
Science Skeptical ist bei weitem nicht die einzige (deutsche) Meinungsplattform im Web, die sich aus einer freiheitlichen, optimistischen und technologieoffenen Perspektive mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Welt auseinandersetzt und daher den zeitgeistlichen Strömungen des Ökologismus kritisch gegenübersteht. Unser Ausgangspunkt war die Klimadebatte mit dem Ansatz, der Katastrophenrhetorik und dem Versuch einer bestimmten Gruppe von Naturwissenschaftlern, politische Deutungshoheit und Meinungshegemonie aus ihren Spekulationen abzuleiten, fundierte und unideologische Argumentationen entgegenzusetzen. Im Laufe der Zeit hat sich unser Themenspektrum erweitert. Unter der allgemeinen Überschrift “Klima, Umwelt und Energie” befassen wir uns nun mit einem breiten Spektrum von Fragen politischer, technischer und wissenschaftlicher Natur, das von “Ernährung und Gesundheit” über “Energie- und Wirtschaftspolitik” bis hin zu den Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft reicht. Vor diesem Hintergrund kooperieren wir bereits aktiv mit einigen Portalen, zu nennen sind vor allem
Die Siemens-Postille “Pictures of the Future” schaue ich immer wieder gerne durch. Weil der krampfhafte Versuch, über das nicht zu berichten, mit dem man wirklich Geld verdient, mittlerweile absurd-komische Züge annimmt. Auf der Hannover-Messe ist man wenigstens ehrlich und zeigt die Anlagen- und Kraftwerkstechnik für den konventionellen Bereich, sprich vor allem für die Gewinnung und Nutzung fossiler und sonstiger mineralischer Ressourcen aller Art. In “Pictures of the Future” dagegen ist alles nur noch Öko. In den kommenden 30 Jahren, so die Botschaft, schafft sich Siemens einfach ab. Die PR-Abteilung würde natürlich sagen “Wir erfinden uns immer neu!”. Tja, wenn PR-Leute etwas erfinden, ist es eben meistens unbelastet von jeglichem Bezug zur Realität.
“Die kontrollierte Kernspaltung und die auf diesem Wege zu gewinnende Kernenergie leiten den Beginn eines neuen Zeitalters für die Menschheit ein. [...]die Entwicklung von Kernkraftmaschinen an Stelle der Dieselmotoren und anderer Verbrennungskraftmaschinen für feste und fahrbare Kraftstationen, für Schiffe, Flugzeuge und andere Verkehrsmittel muß den Platz Deutschlands in der Reihe der Industrievölker sichern; [...]” (
Der Besuch im Vergnügungspark endete vor der lebensgroßen Figur des Mammuts. “Lebensgroß” bedeutet in diesem Fall nichts anderes als “ziemlich groß”, also beeindruckend. Der Gestalter hatte sich alle Mühe gegeben, denn immerhin wissen wir heute genau, wie Mammuts einmal ausgesehen haben. Und im Gegensatz zu all den vielen Dinosauriern, deren lebens- also ziemlich große Nachbildungen der Park ebenfalls zu bieten hatte, waren Mammuts einmal unsere Zeitgenossen. Das erklärt die Faszination, die diese Tiere auf uns ausüben. Und ebenfalls im Gegensatz zu den Dinosauriern gibt es zumindest Indizien, die das Aussterben dieser großen Landsäugetiere mit dem Menschen, mit den Fertigkeiten steinzeitlicher Jäger, in Verbindung bringen. Die Figurengruppe im Vergnügungspark, die nicht nur aus dem gigantischen Rüsseltier, sondern auch aus unseren fellbedeckten, mit Speeren herumfuchtelnden Vorfahren besteht, bildete einen merkwürdigen Kontrast zu den Horden lärmender Kinder und staunender Eltern, die sie betrachteten.
Eines muß man Winfried Kretschmann lassen: Er hat noch nicht die Sprache der Politik angenommen, in der man immer das, was man wirklich denkt, mit vielen Worten nicht ausdrückt. Stattdessen sagt er noch die ungeschminkte Wahrheit. Der designierte Ministerpräsident des Autolandes Baden-Württembergs mag Autos nicht besonders. Schon gar nicht, wenn sie leistungsstark sind und einfach Spaß machen.


