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Inseln der Stabilität

8. April 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Erdgas, Kohle

Beim Anblick der fraktal anmutenden Strukturen eines großen Chemiewerkes stellt sich mir unweigerlich die Frage, ob man denn immer ganz genau weiß, in welchem Rohr welches Produkt fließt oder fließen sollte. Im Verlauf der Jahrzehnte gehen schließlich Dokumente und Pläne verloren, Betriebszustände werden umgestellt, das Personal ändert sich. Bei der Rundfahrt durch die Anlage, die mit mehr als 500 Hektar viel zu groß für einen Rundgang ist, konnte der Vertreter des Unternehmens angesichts dieser Anmerkung sein Schmunzeln nicht verbergen. Ja, so räumte er ein, Informationsverluste dieser Art geschähen durchaus – und nicht einmal selten. Wenn niemand mehr da sei, von den alten Hasen, in deren Köpfen die erforderlichen Kenntnisse noch steckten, dann bliebe oft nur eine Möglichkeit: Man müsse die Leitungen abgehen, um zu sehen, woher sie kommen und wohin sie führen.

Die verwirrende Komplexität einer modernen chemischen Großproduktion scheint mir eine nützliche Metapher für das vielbeschworene “Smart Grid” zu sein. Für das “intelligente Stromnetz”, das sowohl als notwendige wie auch als hinreichende Vorbedingung des von vielen herbeigesehnten “Zeitalters der NIEs” gilt. Denn seine Komplexität hinsichtlich der statischen Infrastrukturen wie auch hinsichtlich der dynamischen Zustandsänderungen spottet jeder Beschreibung. Und wer sich gelegentlich Problemen wie den einleitend geschilderten gegenübersieht, …



Butlers Djihad

23. März 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Wirtschaftsförderung

Nun bin ich kein “Atomlobbyist”, noch habe ich beruflich überhaupt etwas mit Kernkraftwerken zu schaffen. Und eigentlich ist es mir auch egal, wie Strom produziert wird, solange dies preiswert und jederzeit und überall ausreichend verfügbar geschieht. Ich habe Fukushima geschrieben, weil man in einem Land, das wie kaum ein anderes von seiner Innovationskraft in Hoch- und Spitzentechnologien lebt, nicht angstbasiert über eine solche diskutieren sollte.

Immer und immer wieder heißt es, man könne eben eine Katastrophe niemals ausschließen. Man könne so viel Schutz- und Sicherheitsmechanismen einbauen, wie man wolle, immer sei eine Gewalt denkbar, ob natürlichen oder artifiziellen Ursprungs, die alle diese Systeme überwindet und am Ende zur Freisetzung von radioaktiven Stoffen führt.

Das ist es, was die Kernkraftgegner letztendlich fürchten: Eine umfangreiche Freisetzung radioaktiven Materials, das große Gebiete für längere Zeit unbewohnbar macht. Und man muß tatsächlich einräumen: Ja, das ist möglich. Wenn in Kraftwerken der Generationen I und II der Reaktorkern nicht mehr ausreichend gekühlt wird, kann eine Wärmemenge freigesetzt werden, die den radioaktiven Isotopen durch jedes bekannte Material einen Weg in die Umwelt bahnt.

In Tschernobyl ist es geschehen – aber hier war die Bauweise des Meilers erstens prinzipiell unsicher und zweitens gibt es einen solchen Reaktortypen in …



Fukushima

17. März 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Kernenergie, Politik, Wirtschaftsförderung

Es gibt keinen Ort auf dieser Erde, an dem ich jetzt lieber wäre, als in Fukushima. Im Kernkraftwerk, im Zentrum des Geschehens. Denn ich bin Physiker und es gibt keinen Ort, der für einen Physiker spannender und interessanter sein könnte. Und vielleicht gilt Ähnliches für viele, wenn nicht für die meisten Physiker und Ingenieure auf diesem Planeten.

Ich wußte schon sehr früh, daß ich eines Tages Physik studieren würde. Als Junge bekam ich zu Weihnachten ein kleines Teleskop geschenkt und fortan war der Blick in den Nachthimmel, die Beobachtung von Sternhaufen, Nebeln und Galaxien, meine liebste Beschäftigung. Erst später lernte ich, das Leuchten und Funkeln im Okular als Ausdruck einer chaotischen, ungebändigten Naturgewalt zu erkennen, der direkten Umwandlung von Materie in Energie bei der Verschmelzung von Atomkernen. Meine Neugierde trug mich wie im Rausch durch 10 Semester Studium und die anschließende Promotion, einer Zeit des Lernens, des mühsam errungenen Verstehens, einer Zeit voller Verzweiflung und Selbstzweifel angesichts der Komplexität und schieren Fülle dessen, was es zu wissen gab. Einer Zeit voller Glücksmomente, wenn sich die Nebel hoben und die Klarheit und Schönheit physikalischer Beschreibungen natürlicher Phänomene erkennbar wurden. Eine Zeit, die leider viel zu schnell vorüberging und viel zu lange …



In eigener Sache: Abstimmung “Autor der Freiheit”

12. März 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Internes

Auf den Seiten der Friedrich-Naumann-Stiftung findet offensichtlich monatlich die Wahl zum “Autor der Freiheit” statt. Diese Abstimmung war mir bislang vollkommen unbekannt. Umso größer meine Überraschung, als ich feststellte, zu den aktuell Nominierten zu gehören. Man hatte mich darüber nicht informiert.

Nun bin ich durchaus ein Freund wettbewerblichen Denkens, aber da meine Mitnominierten auf ihren jeweiligen Webseiten nicht zur Wahl ihrer selbst aufgerufen haben, möchte ich das auch nicht tun.

Zumal die Konkurrenz von hoher Qualität ist. Mit Ulf Poschardt wurde ein Profi, ein Leitartikler der “Welt” ausgesucht. Sein Beitrag “Es lebe die Solidarität” wirft ein Licht auf den Mißbrauch eines wichtigen Prinzips durch politische Ideologien. Thomas Apolte hat mit “Von Quotengerechtigkeit, Gender-Mainstreaming und anderen Glaubensbekenntnissen” ein sehr intelligentes Stück über den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern abgeliefert.

Tja, von mir wird der Text “Das Ende der Ökozone?” durch die Jury empfohlen. Ein kleiner Kommentar, der nach meiner eigenen Einschätzung nicht unbedingt herausragenden Charakter aufweist – um es mal vorsichtig auszudrücken.

Auf jeden Fall aber ist allein die Nominierung schon ein schöner Erfolg für Science Skeptical. Das ist nicht nur eine Anerkennung für mich, sondern für alle Autoren hier. Wir werden zunehmend wahrgenommen und …



Ich tanke Super Plus…

4. März 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Biomasse, Blog, Energieerzeugung, Erdgas, Erdöl, Innovationspolitik, Politik, Wirtschaftsförderung

…obwohl mein Auto E10 problemlos vertragen würde. Denn Superbenzin mit 10% beigemischtem Bioethanol ist ein minderwertiges Produkt. Es enthält je Liter etwa 2% weniger Energie als das bisherige E5. Umgerechnet auf einen Preis von 1,50 Euro entspräche das einem Wertunterschied von 3 Cent. Hinzu tritt die oft unterschätze Komplexität einer analogen Verbrennungskraftmaschine. Wieviel man letztendlich von einem zwar teureren, aber klopffesteren Kraftstoff verbraucht, hängt neben dem Energieinhalt auch von der Einstellung des Motors und dem individuellem Fahrprofil ab. Es lassen sich kaum allgemeingültige Regeln aufstellen, aber mein Selbstversuch der vergangenen Woche, bei dem ich mehrere hundert Kilometer auf allen Straßenkategorien zurückgelegt habe, zeigte es eindeutig: Für mich lohnt sich Super Plus auch bei einer Preisdifferenz von 6 Cent pro Liter, wie sie an meiner Stammtankstelle besteht.

Die zwangsweise Einführung von E10 verdeutlicht einmal mehr, wie sehr sich Ziele wie Klimaschutz auf der einen und Effizienzsteigerung auf der anderen Seite widersprechen. Mit den NIEs jubelt uns die Politik genau das unter, was die Abkürzung besagt: Neue ineffiziente Energieträger, die nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt mehr belasten, als die konventionellen und hochentwickelten Technologien. Beim Bioethanol sind die Energiedichte (die nur etwa die Hälfte der herkömmlichen Benzins ausmacht) und …



Vier Kostbarkeiten und ein Todesfall

19. Februar 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Innovationspolitik, Karbonsteuer, Klimawandel, Politik

Die rasante Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung gilt oft als Beispiel für die Geschwindigkeit, mit der Technologien Märkte schaffen und bestimmen können, wenn man nur genug Zeit, Geld und Ingenieurskunst investiert. Viele Alarmisten übertragen diese Erfahrung auf NIEs, auf Neue Ineffiziente Energieträger wie Sonne und Wind, und auf andere “grüne Technologien”, durch die unsere industrialisierte Welt “kohlenstofffrei”, sprich frei von einem weiteren Kohlenstoffeintrag in die Atmosphäre durch CO2-Emissionen werden soll.

Dabei machen Sie einen entscheidenden Denkfehler. Innovationen stellen in aller Regel nur inkrementelle, sehr kleine Fortschritte dar, durch die technische Systeme beispielsweise miniaturisiert, vernetzt oder ineinander integriert werden können. Bei erfolgreichen Innovationen steigen natürlich Effizienz, Leistungsstärke und Robustheit auf diese Weise, sie werden preiswerter (finden mehr potentielle Nutzer) und erobern neue Anwendungsfelder. Aber das Grundprinzip ihrer Funktion ändert sich meist nicht: Alle heutigen mikroelektronischen Systeme basieren auf der technischen Nutzung eines Prinzips, das sich seit mehr als 60 Jahren nicht geändert hat. Und das sich auch niemals ändern wird, niemals ändern kann, denn die physikalischen Eigenschaften von Halbleitern, die Größe der energetischen Lücke zwischen Valenz- und Leitungsband, die Elektronen überwinden müssen, ist durch die Gesetzmäßigkeiten der Natur vorgegeben. Wenn man die eigentliche Entdeckung des Funktionsprinzips als “Invention”, als Erfindung bezeichnet, so …



Welt-Waldbericht: Abkehr vom Ökologismus?

6. Februar 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Biomasse, Blog, Energieerzeugung, Kohle, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Der Mythos, die Wälder der Welt würden dramatisch schrumpfen, begleitet uns seit Jahrzehnten. Wenn ich mich an die Warnungen meiner Schulzeit erinnere, an die dramatischen Bilder von Holzeinschlägen im Amazonasgebiet, von Bränden in Südostasien und Plantagen in Afrika und Mittelamerika, an die dringlichen Apelle, keine Tropenhölzer mehr zu nutzen und auch kein Papier, dann komme ich zu dem Schluß, der Wald müsse mittlerweile wohl gänzlich verschwunden sein. Der Blick aus dem Fenster belehrt mich ebenso eines besseren, wie das Studium von Satellitenbildern und Luftaufnahmen. Und spätestens seit Lomborgs “Apocalypse No!” könnte eigentlich jeder wissen: Die Wälder schrumpfen zwar, aber keineswegs in nennenswertem Umfang.

Der aktuelle Bericht der UN-Organisation für Nahrung und Landwirtschaft (FAO, Food and Agriculture Organization of the United Nations) über den Zustand der Wälder der Welt belegt es deutlich: Etwa 4 Milliarden Hektar (4.033.060.000 ha) der Erdoberfläche sind von Wald bedeckt (31% der Landfläche) und die Schrumpfungsrate von durchschnittlich 0,2% pro Jahr im Zeitraum 1990-2000 hat sich im vergangenen Jahrzehnt 2000-2010 auf 0,1% halbiert.

Wie ist dieser Unterschied zwischen allgemeiner Wahrnehmung und der Realität zu erklären? Ganz einfach: Der Wald verschwindet nicht, weil er nachwächst. Grundlegendes Dogma des Ökologismus aber ist die Verehrung der “unberührten Natur”. …