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Eine Klimakunstschule, Antonio Gramsci und die Zivilgesellschaft

11. Oktober 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel, Ökologismus, Politik

avatar-quentin150So so, es gibt also ein Projekt Klimakunstschule, bei dem Jugendlichen das Thema Klimaschutz über die Kunst nahe gebracht werden soll. Per Twitter bin ich darauf aufmerksam gemacht worden, bezeichnenderweise durch einen Retweed des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau & Reaktorsicherheit (BMUB). Zuerst musste ich lächeln, was für eine Kunst soll den da raus kommen? Bestenfalls wird es peinlich, so wie in diesem Beispiel, als der damalige Umweltminister Altmaier Energiewende-Kunst vorstellte. Dann aber, als das erste Lächeln verflogen ist, kommt mir Antonio Gramsci in den Sinn, und in diesem Moment, das darf ich versichern, ist mir das Lachen vergangen. Wer glaubt, bei dieser Klimakunstschule geht es auch nur im Entferntesten um Kunst, um irgendwelche künstlerische Dilettanten die ihre Weltsorge ebenso dilettantisch-künstlerisch versuchen auszudrücken, und dadurch eben ein Lächeln bei Betrachtern wie mir hervor rufen, der hat sich getäuscht. Nein, um Kunst geht nicht mal annähernd bei derartiger Kunst. Die Kunst besteht darin, dass die Zivilgesellschaft mit einer Ideologie unterwandert wird, ohne dass diese das richtig ins Bewusstsein bekommt. Wie das zu geschehen hat, die Vorlage dafür liefert eben Gramsci, jener Großideologe der italienischen KP, ein buckliger Zwerg mit einem ewigen Kindergesicht, der die Theorie von der „kulturellen



Buchempfehlung: „Erst stirbt der Wald, dann du!“

1. September 2015 | Von | Kategorie: Blog, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen, Wissenschaft

avatar-quentin150In einer Rezension über Birgit Metzgers „Erst stirbt der Wald, dann du!“. Das Waldsterben als westdeutsches Politikum (1978–1986) heißt es:

Umso erklärungsbedürftiger ist es in der Rückschau, warum das „Waldsterben“ in vergleichsweise kurzer Zeit einem Großteil der Bevölkerung als drängendes Problem erscheinen konnte. So forderten bereits im Bundestags-Wahlkampf 1983 neben den jungen Grünen als selbsterklärten Bündnispartnern der Umweltbewegung auch die anderen Parteien konsequente Abhilfe. Den entscheidenden Grund für eine Breitenwirkung „quer durch soziale Milieus und politische Lager“ (S. 10) sieht Metzger im Gegensatz zu den damaligen Protagonisten nicht in der Größenordnung tatsächlich zu beobachtender Waldschäden – diesbezüglich habe weder in der Bundesrepublik noch andernorts eine direkte Relation zur Intensität medialer und öffentlicher Debatten bestanden. Vielmehr benennt sie als wesentliche Voraussetzung, dass sich um 1980 bis dahin getrennte Denkbewegungen zu verbinden begannen: aus dem wissenschaftlichen Bereich die organizistisch orientierte Ökosystemtheorie, aus der gesellschaftlichen Sphäre Diskurse des Krisenbewusstseins und der Zukunftsangst.

Frau Metzger hat dies als Dissertation geschrieben, doch so manches, so deutet sich in der Rezension an, könnte auch auf meinem Mist gewachsen sein. Wenn ich mal so im Gedächtnis meine älteren Texte durch gehe. Besonders interessant wird es dann hier:



Ergrünte Südwest-FDP

23. Juni 2015 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Blog, Energiewende, Photovoltaik

avatar-quentin150So lange ist es nicht mehr hin, dann sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Die Parteien und Kandidaten beginnen sich zu positionieren. Die FDP meldet sich nun mit einem Paukenschlag diesbezüglich in der medialen Arena. Eicke Weber, Chef des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), will für die FDP kandidieren. Stolz präsentierte Landeschef Theurer den neuen Kandidaten.

Dass der Weber ein glühender Befürworter der sogenannten Erneuerbaren Energien ist, darüber könnte man ja zur Not noch hinweg sehen. Damit liegt er ja ganz auf der Schiene von Theurer, der mit einem so bezeichneten »blauen Wachstum«, bei dem Umweltschutz durch technische Innovation möglich sein soll, schon geraume Zeit versucht den Grünen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dass die Liberalen aber einen Kandidaten aufstellen, der die Phantastereien eines Jeremy Rifkin „praktisch vollständig“ teilt, ist ein Armutszeugnis für eine Partei, der man einst eine gewisse Kompetenz in Wirtschaftsfragen einräumte.

Es pinselt sich die Südwest-FDP also nicht nur grün an, in dem sie einen wie Eike Weber als Kandidaten aufstellt, der auch noch geradezu enthusiastisch von einem Ökonomen schwärmt, welcher meint, dass der Kapitalismus in spätestens ein paar Jahrzehnten nur noch in einigen Nischen stattfindet, diese FDP verabschiedet sich von



Anthropozän und der Mythos der Nachhaltigkeit

15. Mai 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energieerzeugung, Klimawandel, Ökologismus, Technium

avatar-quentin150In einer Sendung des Schweizer Fernsehen, der Sternstunde Philosophie⁽¹⁾, sagte der Wachstumskritiker und Direktor der Stiftung FUTURZWEI⁽²⁾, Harald Welzer⁽³⁾, dass er begonnen habe Geschichten darüber zu erzählen was geht, gehen könnte. In Hinblick auf Möglichkeiten wohlgemerkt, und dass es wichtig sei, dass wir wieder lernen über unsere Handlungsspielräume Rechenschaft abzulegen. Mit positiven Beispielen oder Erzählungen wird den Menschen ein Horizont gegeben, nach dem es sich zu streben lohnt. Nun, genau genommen ist das ein alter Hut, mit dem Wecken von Hoffnungen lassen sich Menschen eher begeistern und in eine gewünschte Richtung leiten, als mit dem Schüren von Angst. Am besten funktioniert es natürlich, wenn man beides miteinander kombiniert.

Da Welzer von Handlungsspielräumen spricht, also im Plural, und von Rechenschaft ablegen, haben wir es mit der Imagination von Zukünften zu tun. Auch im Plural. Mögliche Zukünfte, keine Utopien. Diese müssen sich ja nicht darum kümmern, was geht, was machbar ist. Handlungsspielräume abzuchecken, versuchen herauszufinden was geht, gehen könnte, sind sozusagen Visionen im Möglichkeitsraum. Nun getraut man sich heute ja kaum noch das Wort »Vision« auszusprechen, nachdem Helmut Schmitt mit seinem dummen Ausspruch: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ ständig von denen zitiert wird, die



Vergiftete Klimawandeldebatte

25. April 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energiewende, Klimawandel, Medien

avatar-quentin150Die Klimawandeldebatte ist vergiftet, wer sich darauf einlässt findet sich bald in einer Schlangengrube wieder. Es wird gelogen und getrickst, Scharlatane und selbst ernannte Propheten führen das Wort, dabei kocht jeder sein eigenes Süppchen. Längst ist für den Beobachter nicht mehr erkennbar, was eigentlich nun Stand der Wissenschaft ist, welche Unsicherheiten bekannt sind, plus welche noch vermutet werden. Narrative bestimmen die Auseinandersetzung, für Fakten, soweit sie als gesichert angesehen werden können, interessiert sich nur noch eine Minderheit, aber alle tun so, als hantieren sie damit. Wer also wissen möchte, was nun wirklich Stand der Wissenschaft ist, ist darauf angewiesen sich entweder selbst einzuarbeiten, in den IPCC-Bericht beispielsweise, der in seiner Langfassung, so habe ich mir sagen lassen, durchaus die Unsicherheiten benennt, sie aber in der Zusammenfassung für Entscheidungsträger, der sogenannten Summaries, wieder unter den Tisch fallen lässt.

Hier wäre nun die Presse gefragt, Wissenschaftsjurnalisten die über das was gestritten und vermutet wird, und das was als momentan gesichert gilt, berichten, und es für Otto Normal verdaulich aufarbeiten. In den Printmedien findet man gelegentlich derartiges, in Radio oder TV liegen solche Berichte unter der Nachweisgrenze.

Im Prinzip geht das so nun schon seit vielen Jahren, das öffentliche Interesse am Klimawandel



Leggewie und die vierte Gewalt

18. März 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Energiewende, Klimawandel, Medien, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Politik

avatar-quentin150Am 17.03.2015 war Claus Leggewie zu Gast in der Radiosendung SWR1-Leute bei Stefan Siller.⁽¹⁾ Beide sind den Lesern dieses Blogs natürlich vertraut.⁽²⁾ Leggewie gehörte zu den Hauptautoren des WBGU Gutachtens »Welt im Wandel« und als sogenannter 68er zu den Leuten, die die Schnittmenge von linken Gesellschaftsutopien hin zu einer Ökogesellschaft mit Nachhaltigkeitspostulat der Grünen bilden. Er selbst bezeichnet sich eher als Sponti, für die 68er wäre er zu jung.⁽³⁾ Zur politischen Sozialisation Leggewies sagt das schon was aus, vor allem wenn er mit einem gewissen Stolz im Unterton sagt, dass die 68er die Republik zum positiven verändert hätten. Wobei er sich von den K-Gruppen der 70er distanziert, und meint, er wäre nie ein Amerikahasser gewesen. Die dem linken Denken nahestehenden dieses Landes bilden eben eine wesentlich komplexere Gruppe als es in Öffentlichkeit oft erscheint, und man darf annehmen, dass dieses Erscheinungsbild nur deswegen existiert, weil sie der gemeinsame Kampf gegen Kapitalismus oder von solchen Leuten die von ihnen als rechts eingestuft werden, sowie des Liberalismus, eint. Ist der gemeinsame Gegner besiegt, werden sie wieder übereinander herfallen. Carl Schmitt lässt grüßen.⁽⁴⁾



Kinderschuhe und der Klimawandel

1. März 2015 | Von | Kategorie: Artikel, Klimawandel

avatar-quentinIsda! Nukos! mit diesen Rufen wurde ich geweckt, fast täglich morgens gerade als die Sonne begann aufzugehen. Allerdings kamen der Fischersfrau, die den nächtlichen Fang ihres Mannes an die Kundschaft bringen wollte, manchmal die Hähne zuvor. Diese begannen schon vor dem Sonnenaufgang zu krähen, für Langschläfer sind Fischerdörfer in den Philippinen nicht geeignet. Jeden Morgen beginnen die Frauen die Straße, oder manchmal nur den Weg, mit Strohbesen zu fegen, und eine rege Kommunikation ist ebenfalls schon bei den ersten Sonnenstrahlen im Gange. Sauber sieht es aus in diesen Örtchen, kein Vergleich mit den größeren Städten, die abseits von Tourismus oder Big Business einem Dschungel gleichen, Je kleiner die Orte, desto sauberer, nicht generell, doch tendenziell.

Isda (Fisch) und Nukos (kleiner Tintenfisch) werden sofort zubereitet und finden sich zusammen mit Reis auf dem Frühstückstisch wieder. Nur ganz frisch hat der Fisch noch einen überaus angenehmen süßlichen Beigeschmack, wird er erst am Abend zubereitet, ist dieser Geschmack, trotz zwischenzeitlicher Kühlung, nicht mehr so vorhanden. Es ist ein bisschen so wie mit der bayerischen Weißwurst, die ja angeblich des Mittagsläuten auch nicht hören soll.

Malot hieß die Fischersfrau, sie lebte mit ihren Ehemann und drei oder vier Kindern in den Mangroven, hatte dort