Moderner Ablasshandel – Das Geschäft mit dem schlechten Gewissen

22. Juli 2008 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel

“Der Taler in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!” Das war einst der markige Spruch, mit dem der Dominikanermönch Johann Tetzel zu Beginn des 16. Jahrhunderts in päpstlichem Auftrag in Deutschland unterwegs war. Gegen Bares, so versprach er, war der Ablass aller Sünden zu bekommen. Das so eingenommene Geld wurde vom Papst dringend für den Bau des Petersdoms benötigt.

Solche Auswüchse wären heutzutage natürlich undenkbar. Wir sind schließlich Kinder der Aufklärung. In unserer säkularisierten Welt erscheinen die Ängste der damaligen Zeit vor Hölle und Verdammnis doch eher als tiefer Aberglaube. Mit dem Erlass von Sünden wäre heutzutage sicher kein Geld mehr zu verdienen. Sollte man meinen. Schließlich kommt das Wort Sünde den meisten heutzutage höchstens noch im Zusammenhang mit dem Essen in den Sinn. Das Wort Ernährungssünde hört man häufiger, wenn es mal wieder lecker und reichlich gegeben hat.

Doch auch bei Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes ist der Ausdruck Sünde immer öfter anzutreffen.

Utopia.de, ein deutsches Portal für Ökofans, das nach eigener Aussage hilft sich eine “bessere Welt zu kaufen” hat eigens ein Forum “Beichte Deine Ökosünden” eingerichtet. Wie das geht zeigen sie in einem Werbefilm:

Herr, ich habe gesündigt, denn ich habe das I-Phone”, “Ich fahr´ gerne schnell Auto”, “Ich habe einen Brotbackautomaten”.

Hier sind offensichtlich einige arme Seelen vom ökokorrekten Weg abgekommen.

Selbstverständlich bietet Utopia.de Hilfe für das so geplagte Gewissen an. Auf der Homepage kann sich jeder über einen korrekten Lebensstil und die dazu passenden Produkte informieren. Neben – natürlich – Ökostrom wird eine Vielzahl weiterer Produkte vorgestellt, die helfen sollen den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Vibratoren aus Holz zum Beispiel oder ökokorrektes Tierfutter.

Zur Fußball-EM hat Utopia dann eine neue Möglichkeit gefunden dem Ökosünder Erleichterung zu verschaffen. Schließlich lädt sich der Besucher eines Public Viewings doch durch seine bloße Anwesenheit bei dem Event eine CO2-Schuld von satten 25 kg auf. Utopia.de weiß hier Abhilfe, wie in den Utopia Werbespots von Revolverheld und von Marcel Eger erklärt wird: Einfach für 99 Cent eine SMS schicken und schon profitiert die Umwelt. Und der Netzbetreiber. Und Utopia.

Das Geschäft mit dem CO2-Ablass für Privatpersonen hat in Deutschland schon eine etwas längere Tradition

Vorreiter waren die Fluggesellschaften. Das wundert nicht, stellt doch das Fliegen allein durch den hohen Treibstoffverbrauch die größte Einzelquelle für CO2-Emissionen dar. So kann aus den 3,8 Tonnen CO2-Emissionen die jeder Bundesbürger im Durchschnitt verursacht durch eine Reise nach Asien schon mal schnell das Doppelte werden. Um das Gewissen (und auch den Geldbeutel) ihrer Kunden zu erleichtern bieten daher viele Airlines schon direkt beim Ticketverkauf Zertifikate z.B. von atmosfair.de an.

Mit Preisen von etwa. 25 Euro pro Tonne verursachten CO2-Ausstoßes sind diese Angebote allerdings fast noch preiswert. Bei den 99 Cent, die Utopia für 25 kg berechnet kommt man schon auf knapp 40 Euro pro Tonne CO2.

Teuerster Anbieter eines reinen Gewissens ist einer von Deutschlands prominentesten Klimaforschern und engagierter Verfechter der menschengemachten globalen Erwärmung. Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung vertreibt auf seiner privaten Homepage zusammen mit seiner Frau so genannte CO2-Pins. Auf der Seite wird versprochen, dass mit jedem Pin eine Tonne CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird. Eine Tonne Ablass ist so bei den Rahmstorfs für stolze 130 Euros zu haben. Aber dazu bekommt man ja auch noch diese formschöne Anstecknadel…

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