Sozialverantwortliche Energiepolitik – Eine transatlantische Betrachtung

14. September 2008 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung

IbbenbDie Preise für Energie steigen. Unabhängig ob es sich um Strom, Heizöl, Gas, Benzin oder Diesel handelt, die Kosten für die Industrie und für Privathaushalte haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht. Vor allem angesichts stagnierender oder sinkender Reallöhne bringt die aktuelle Entwicklung Haushalte mit geringem Einkommen am meisten in Bedrängnis.Weltweit steigende Energiepreise sind natürlich nicht nur ein Problem für Europa. Auch für US-amerikanische Haushalte stellen steigende Energiepreise mittlerweile eine große Belastung dar.

Ein Energieträger, der zur Abmilderung des weiteren Anstiegs der Energiepreise beitragen kann, wird dagegen in vielen westlichen Ländern diffamiert, die Kohle. Weltweite Vorkommen, gute Verfügbarkeit und vergleichsweise niedrige und stabile Preise machen Steinkohle und auch Braunkohle zu einem idealen Rohstoff zur Produktion von elektrischer Energie.

Wenn man Szenarien, nach denen etwas mehr atmosphärisches CO2 katastrophale Auswirkung hätte, außer Acht lässt, ergibt sich ein eindeutiges Bild. Die Verhinderung neuer, energieeffizienter Kohlekraftwerke stellt aus sicherheitspolitischer, umweltpolitischer, und sozialpolitischer Sicht unverantwortliches Handeln dar. Das schreibt der amerikanische Autor Paul Driessen in einem Artikel, der u.a. bei Canada Free Press erschienen ist. Paul Driessen ist in Deutschland vor allem bekannt durch sein aufrüttelndes Buch “Öko-Imperialismus – Grüne Politik mit tödlichen Folgen”.

The social responsibility of coal

(Die soziale Verantwortung der Kohle)

Mehr auf Kohle als Energieträger zu setzen brächte viele Vorteile – welche oftmals ignoriert werden

Paul Driessen

(Übersetzung von Rudolf Kipp)

Ihre Bemühungen werden selten honoriert, aber die meisten Unternehmen, welche sich mit Rohstoffgewinnung, Warenherstellung oder der Energieerzeugung befassen, sind bestrebt “sozial verantwortlich” zu handeln – Das sind sie durch das Fokussieren auf Energieeffizienz, Ressourcenwahrung, Umweltschutzmaßnahmen und Sicherheit am Arbeitsplatz. Dabei produzieren sie die Rohstoffe, Gebrauchsgegenstände und die Elektrizität, welche unser Leben verbessern, sicherer machen und bereichern.

Leicht ist das nicht, angesichts ihres Geschäftsfeldes. Erschwert wird ihre Arbeit durch öffentliche Ablehnung jeglicher ökologischer Folgen und durch die Tatsache, dass “Gesellschaftliche Verantwortung” (”corporate social responsibility”, “CSR”) häufig von Aktivistengruppen definiert und dann zur Durchsetzung ideologischer Programme genutzt wird.

Als ihr höchstes Ziel betreiben diese Aktivisten einen Komplettumbau unserer Energie- und Wirtschaftssysteme, weg von der energetischen Nutzung von Kohlenwasserstoffen hin zu mehr “öko-freundlichen” erneuerbaren Rohstoffen. Dazu propagieren sie eine Reduktion unseres Lebensstandards auf ein “nachhaltiges” Niveau (welches sie definieren). Damit wollen sie die Macht über jene Kraft bekommen, welche unsere moderne Welt erst ermöglicht.

Politiker und Interessengruppen ignorieren Realitäten

Diese “dunkelgrüne” Version von CSR ignoriert weitestgehend sozioökonomische Folgen sowie die vielen Vorteile von fossilen Treibstoffen und der Kernkraft. Des Weiteren ignoriert werden die signifikanten Folgen für Landnutzung und die Umwelt von Wind- und Solarenergie und von Biotreibstoff. Und solche Auswirkungen, die nach oben schnellende Energiepreise auf Arbeitsplätze und für arme Menschen haben.

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi beendete eine Sitzung am 1. August, um eine Abstimmung zur Energiepolitik zu verhindern, welche die Demokraten verloren hätten. Später bewies sie ihren fachlichen Scharfsinn als sie behauptete Erdgas wäre eine “saubere, billige Alternative zu fossilen Brennstoffen”. Blitznachricht: Erdgas ist ein fossiler Brennstoff.

Ein energiewirtschaftlicher Grundkurs ist offensichtlich von Nöten. Dabei können beide Seiten lernen etwas schärfer zu sehen, dass Kohlegewinnung und Energiegewinnung aus Kohle eine solide sozialverantwortliche Komponente beinhalten und dabei helfen den unnötigen Kapitalfluss von 700 Milliarden Dollar pro Jahr durch Ölimporte zu vermeiden.

Energie ist die Hauptquelle, der Ursprung von allem was wir essen, benutzen und produzieren. Solide Politik besteht darin, dass Energie reichlich, verlässlich und bezahlbar vorhanden ist. Begrenzte Versorgung angesichts steigender globaler Nachfrage treibt die Preise nach oben und verunsichert dadurch Familien, Industrien, Kommunen und Nationen.

Energiekosten als zunehmend wichtiger Kostentreiber

Die durchschnittlichen gesamten Energiekosten für einen typischen amerikanischen Haushalt haben sich von 1997 mit 2.400 $ und 2007 mit 5.000 $ mehr als verdoppelt. Auch die Preise für Lebensmittel sind rasant gestiegen, während die Einkommen weitestgehend gleich blieben. Mehr und mehr Gering- und Mittelverdiener sind gezwungen zwischen Heizen, Essen, Fortbewegung, medizinischer Versorgung und Wohnen auszuwählen. Für Urlaub, eventuelle Notfälle, Rente oder einer Universitätsausbildung für die Kinder bleibt da wenig bis nichts übrig.

Glücklicherweise stiegen die meisten Stromrechnungen nur vergleichsweise wenig an, weil die Hälfte der Elektrizität in den USA aus Kohle produziert wird. Und der Preis für eben diesen fossilen Brennstoff hat sich weit weniger erhöht als der für Öl, Benzin oder Erdgas.

07-Preisentwicklung_verschiedener_End-Energietraeger

Strom bleibt ein preiswerter Energieträger; Quelle: http://www.stromfuerbayern.de/


Bemerkenswerterweise sind die Strompreise in Florida – wo Kohle verboten ist, Erdgas gefördert wird (im finanziellen Sinne, Förderung im eigentlichen Sinne wird behindert) und Wind- und Solarenergie der letzte Schrei sind, kontinuierlich gestiegen. Der Stromversorger Florida Power & Light muss nach einem Bericht des Heartland Instituts vier mal mehr für Solarenergie, als für Kohleenergie ausgeben. Was dazu führt, dass z.B. Schulen Budgetprobleme wegen ihrer Elektrizitätsrechnung bekommen.

Kohle als sozialer Faktor

Amerika besitzt Kohlereserven für Jahrhunderte. Die Nutzung der Kohle hat sich seit 1970 verdreifacht, während die Schwefeldioxid- und Feinstaubemissionen im gleichen Zeitraum um 40 bzw. 90 Prozent verringert wurden. Wie der Experte für Luftverschmutzung Joel Schwarz ausführt, werden neue Technologien und verschärfte Regularien die Emissionen von Kohlekraftwerken bis 2020 noch weiter absenken. Wobei schon die heutigen Emissionen keine signifikante Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellten.

Radikale Umweltschützer hingegen sind besorgt und nutzen spekulative Gesundheitsrisiken um anti-Kohle Kampagnen zu rechtfertigen. Allerdings sind diese hypothetischen Gefahren verschwindend gering, wenn man die Diskussion auf Millionen von Afrikanern lenkt, die jedes Jahr durch reale Gefahren an Lungen- und Darmkrankheiten sterben. Diese resultieren aus der Abwesenheit von Elektrizität zum Kochen, Heizen, Betreiben von Kühlschränken, für sauberes Trinkwasser, Krankenhäuser und allgemein für anständige Lebensverhältnisse. Wind- und Solarenergie werden kaum in der Lage sein viel an diesem Umstand zu ändern. Und trotzdem verhindern grüne Interessengruppen vehement die Nutzung von fossilen Energien, Kernkraft und Wasserkraft zur Stromerzeugung für Afrika.

Der US-Stromverbrauch wird aufgrund von Bevölkerungswachstum und der vermehrten Nutzung technischer Geräte selbst bei vermehrter Energieeffizienz weiter ansteigen. Gleichzeitig wurden in den USA 59 Kohlekraftwerke allein im Jahr 2007 geschlossen oder verhindert. Dies geht auf die Aktivitäten von Öko-Aktivisten zurück, die noch 50 weitere Kraftwerke schließen wollen.

Ideologische Politik sorgt für steigende Strompreise

Zur Zeit hat die USA praktisch keine Überschusskapazitäten und die Nutzung von Erdgas als Primärenergiequelle zur Stromerzeugung (und als “Back-up” für Windfarmen) bedeutet, dass die Strompreise sich nach Aussage des Energie-Analysten Mark Mills verzehnfachen könnten, besonders wenn die Suche und Nutzung neuer Quellen weiterhin verhindert wird. Demnach könnte es zum erzwungenen Minderverbrauch, aber auch zu einer wechselweisen Abschaltung von Industrie- und Privatkunden kommen.

Energiemangel und Preissteigerungen können zum Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie, im Flugverkehr, im Tourismus, in der Nahrungsmittelindustrie, in der Papier-, Textil- und der chemischen Industrie, in der Metall- und in der verarbeitenden Industrie führen. Vor allem dann, wenn der Kongress noch den Emissionshandel einführt. Die meisten dieser Arbeitsplätze werden nicht, wie vielfach behauptet wird, durch “grüne” Arbeitsplätze ersetzt, die durch die unzuverlässige Wind- und Solarenergie erzeugt werden sollen.

Ein Wechsel zu Hybrid-Autos, die von externer Stromversorgung abhängig sind wird dieses Problem nur verschlimmern. Diese benötigen eine gut ausgebaute Infrastruktur an Elektrizitätsversorgung. Und die momentane Energiepolitik stellt praktisch sicher, dass es diese nicht geben kann.

Momentane Energiepolitik fördert Abhängigkeiten

Zusätzlich zu Auswirkungen auf die Außenhandelsbilanz, beeinflusst eine Abhängigkeit von Energieimporten auch die nationale Sicherheit. Dies wird vor allem in Anbetracht der russischen Invasion in Georgien für Europa sehr deutlich. Deutschland importiert 40 Prozent seines Erdgases aus Russland und sechs osteuropäische Länder sind komplett von Herrn Putins Energie abhängig. Weiterhin gefesselt durch ihre Ablehnung von Kernenergie, der Angst vor einem Klimawandel-Armageddon und dem Festhalten am Kyoto Protokoll, hat die EU kaum gegen jene Aktionen protestiert, bei denen Russland die Versorgung für Lettland, Litauen oder die Tschechische Republik gestoppt hat, um seinen Willen durchzusetzen.

Das sollte dazu führen, dass der US-Kongress über die Abhängigkeit der USA nach Öl aus Venezuela, Nigeria, Iran oder Russland nüchterner nachdenkt. Kohle könnte in synthetische flüssige und gasförmige Treibstoffe umgewandelt werden, um jenes Öl zu ersetzen, das wir ablehnen selbst zu fördern. Allerdings verhindern legale und regulatorische Hürden auch diese Option.

Klimawandel als Rechtfertigung für politisches Handeln

Die Haupt-Rechtfertigung für diese anti-Energie-Politik ist die katastrophale globale Erwärmung. Und das trotz 32.000 Wissenschaftlern, welche die Oregon Petition unterschrieben haben in welcher zum Ausdruck gebracht wird, dass es keinen überzeugenden Beweis dafür gibt, dass der Klimawandel Menschen gemacht ist oder dass die Auswirkungen katastrophal wären. Klimamodelle verkünden weiterhin Chaos aber, wie einer der Wissenschaftler ironisch anmerkt, ist der Glaube in die Vorhersagen genauso unangebracht wie das Vertrauen in Nigerianische E-Mails die einen vermeintlichen Lottogewinn versprechen.

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Globaltemperaturen trotz steigender CO2 Werte im Abwärtstrend (Quelle: Icecap.us)

Trotz wachsender CO2-Emissionen sind die Globaltemperaturen seit 1998 nicht angestiegen. Solarwissenschaftler wie Pal Brekke sagen, dass die bisherige hohe Sonnenaktivität stagnieren oder abklingen wird, was zu fallenden Globaltemperaturen führen könnte.Der Rest der Welt setzt voll auf die Kohle

China und Indien planen oder bauen 700 neue Kohlekraftwerke; Europäische Länder planen den Bau von 50 weiteren in den nächsten fünf Jahren, um ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern; und andere Nationen erhöhen ebenfalls die Nutzung fossiler Energien für den Transport oder die Energieerzeugung.

Daher, unabhängig wie weit die USA ihren Energiekonsum bei Autos, beim Heizen oder bei Klimaanlagen reduzieren, gleichgültig wie viel mehr arme Familien bestraft werden oder inwieweit wirtschaftlicher Selbstmord begangen wird – all diese Aktionen werden weder das CO2 reduzieren, noch das Globalklima beeinflussen.

Wir müssen damit fortfahren, die Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien, die momentan 0,5 Prozent zu unserer Energieversorgung beitragen, weiterhin zu verbessern. Aber momentan sind erneuerbare Energien schlicht zu ineffizient und zu unzuverlässig, um ein Stilllegen der Kohlenwasserstoff basierten Energiewirtschaft zu erlauben.

Das übergeben von “Sozialverantwortung” und “Umweltgerechtigkeit” in die Hände von Öko-Aktivisten und Umweltpolitikern ist als wenn man einem zurückgebliebenen Kind ein Maschinengewehr gibt. Was wir brauchen sind Definitionen, welche das gesamte Spektrum von sozialen Bedürfnissen abdecken und eine Energiepolitik welche die Bedürfnisse in der wirklichen Welt widerspiegelt.

Paul Driessen ist ein Senior Fellow des Committee For A Constructive Tomorrow und des Center for the Defense of Free Enterprise

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  1. Wir müssen damit fortfahren, die Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien, die momentan 0,5 Prozent zu unserer Energieversorgung beitragen,

    Heute nach ca. 10 Jahren ?

    Über 12% erneuerbarer Energien, unserer Energieversorgung.

    https://www.kesselheld.de/wp-content/uploads/2018/01/primaerenergie.jpg

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