4 Millionen neue Jobs bis 2020 – So könnte es klappen
13. August 2009 | Von Rudolf Kipp | Kategorie: Artikel, Blog, Kurioses
Gerade in Zeiten des Wahlkampfes sehen sich unsere Politiker genötigt, sich gegenseitig mit Versprechungen von sozialen und gesellschaftlichen Wohltaten zu überbieten. Dem Wähler soll dadurch suggeriert werden, er könnte durch das richtige Setzen des Kreuzes auf dem Stimmzettel selbst entscheiden, welche Art der Begünstigung er sich für die nächste Legislaturperiode wünscht.
Meist hatte diese Sache bislang allerdings einen Haken. Nach erfolgreicher Wahl in die Regierung mussten die Heilsversprecher hinterher häufig kleinlaut eingestehen, dass sie vor der Wahl von falschen Voraussetzungen ausgegangen waren oder dass sich die Rahmenbedingungen plötzlich so sehr geändert hätten, dass die von ihnen versprochenen Segnungen vorerst hinten an stehen und der politischen Realität weichen müssten. Aber nicht verzagen, hieß es dann häufig. Vielleicht klappt’s ja mit dem Einhalten der Wahlversprechen nach der nächsten Wahl, wenn nicht wieder bislang Unvorhersehbares dazwischen kommt.
Wahlversprechen bringen Politiker in die Bredouille
Manch ein Politiker geht mittlerweile auch völlig andere Wege, um aus der selbstgemachten Bredouille der von ihm gemachten Versprechungen wieder herauszukommen. Als wegweisend hat sich hier der SPD Parteivorsitzende Franz Müntefering erwiesen, indem er dem Wähler vorwarf, doch tatsächlich das einzufordern, was ihm im Wahlkampf von den Parteien versprochen wurde. Recht so, Herr Müntefering, endlich mal ein Politiker der sich traut dieses unverfrorene Verhalten öffentlich anzuprangern.
Ein anderer Weg ist der, sich gar nicht in die dumme Situation zu begeben, irgendwelche Versprechen einlösen zu müssen, die man „vielleicht mal irgendwann“ im Wahlkampf gemacht hat. Um dem geneigten Wähler aber trotzdem Entschlossenheit und Tatkraft zu suggerieren präsentiert man besser Ideen für die Zukunft, oder noch besser, Visionen für eine bessere Welt.
Auch wenn rückwärts gewandte Politik-Dinosaurier eben dieses Verhalten schon lange als unseriös abtun wollten (Helmut Schmidts Worte hierzu waren: „Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen“), haben unsere modernen, stets in die Zukunft blickenden Entscheidungsträger die Zeichen der Zeit besser erkannt und rücken zunehmend von konkreten Zielvorstellungen für die nächsten 4 Jahre ab indem sie ihre Heilversprechen in die ferne Zukunft legen. Wegweisend ist hier zum Beispiel unser Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Sein bisheriges Ziel 20% CO2-Einsparung bis 2020 ist nicht zu erreichen? Kein Problem, setzten wir uns doch einfach noch ambitioniertere Ziele, diese allerdings erst in ferner Zukunft. 30% bis 2030 vielleicht oder, weil’s gerade so gut klingt, 50% bis 2050.
Visionen ersetzen Lösungen
Das Prinzip ist einfach. Wenn wir für unsere jetzigen Probleme keine Lösungen anzubieten haben, dann wenden wir uns zukünftigen, noch gewaltigeren Aufgaben zu. Das mag sich auch der SPD Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier gedacht haben, als er seinen „Deutschland-Plan“ präsentierte. In diesem finden sich nicht, wie man vielleicht vermutet hätte, Ideen und Vorschläge, wie die ausufernde Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen ist oder wie das Leben des „kleinen Mannes“ trotz stetig steigender Steuern und Abgaben weiterhin bezahlbar bleiben soll. Nein, der Anwärter für den Job des Bundeskanzlers hält sich erst gar nicht mit solchen Kleinigkeiten auf, sondern hat das Große Ganze im Sinne. Er präsentiert seine Vision von einem Deutschland im Jahr 2020. In diesem soll, so seine Kernthese, endlich wieder Vollbeschäftigung herrschen. Erreicht werden soll dieses Ziel durch die Schaffung von insgesamt 4 Millionen neuen Arbeitsplätzen, vor allem in den Bereichen Umweltschutz und kreativer Dienstleistung.
4 Millionen neue Stellen sind, dass erkennt auch der Laie auf den ersten Blick, eine äußerst sportliche Zielsetzung. Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn wirklich alle kreativen Potenziale auch voll ausgenutzt werden. Aus diesem Grund sieht sich auch der Autor dieser Zeilen angehalten, seine Ideen für ein Deutschland der Vollbeschäftigung zu präsentieren.
Angsttrompeter
Ein Wirtschaftszweig, welcher nach wie vor ein enormes Wachstumspotenzial bietet ist die Informationstechnologie. Hiermit ist jedoch nicht das Internet oder die Computertechnologie gemeint. Es geht hierbei vielmehr um die Information der Bevölkerung und die stetige Warnung vor bekannten und neuen Gefahren. Gerade in Zeiten in denen sich die prophezeiten Katastrophen, wie etwa ein beschleunigter Meeresspiegelanstieg, tropische Stürme, Ausbreitung der Wüsten, das Abschmelzen der Polkappen (hier und hier) oder auch nur ein weiteres Ansteigen der Globaltemperatur ausbleiben, brauchen wir noch mehr Menschen, welche die Angst in unseren Köpfen aufrecht erhalten und durch stetige Wiederholung noch weiter verstärken. Und damit sich auch niemand der Flut der Botschaften entziehen kann, plädiere ich für das Einsetzen von staatlich finanzierten Angsttrompetern, etwa nach Art der mittelalterlichen Herolde oder Stadtschreier. Nur so kann garantiert werden, dass die Botschaft auch wirklich alle erreicht und auch nur das verkündet wird, was vom Staat als die einzig seligmachende Wahrheit für das Volk vorgesehen ist.
Glühbirnenschnüffler
Am 1. September ist es endlich so weit. Ab diesem Tag tritt die erste Stufe des von der Europäischen Union beschlossenen Glühbirnenverbotes in Kraft. Als ein Hindernis für die Konsequente Durchsetzung könnte sich allerdings die Renitenz der EU-Bürger herausstellen. Manch einer mag sich einfach nicht von der segensbringenden Kraft der Energiesparlampe überzeugen lassen und beharrt weiterhin auf der Nutzung herkömmlicher Glühlampen. Es ist auch anzunehmen, dass Individuen mit besonders ausgeprägter krimineller Energie nicht davor zurückschrecken, Glühbirnen im außereuropäischen Ausland zu beschaffen und gesetzwidrig in die EU zu verbringen. Um diesem Gebaren Einhalt zu gebieten wurde bereits angedacht den Zoll mit der Kontrolle von Paketen und Päckchen aus dem Ausland zu beauftragen. Diese Lösung würde allerdings nicht weit genug führen und so fordere ich, dass ganz im Sinne der preußischen Kaffeeschnüffler künftig Glühbirnenschnüffler zum Einsatz kommen. Diese wären nicht nur auf den Einsatz an der Grenze beschränkt, sondern könnten auch im Kernland den gesetzeskonformen Gebrauch von Leuchtmitteln überprüfen.
Klimaforscher
War früher eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung ein Garant für beruflichen Erfolg, so hört man heutzutage vermehrt auch von arbeitslosen Akademikern und Ingenieuren. Das müsste so nicht sein. Seitdem wir erkannt haben, dass der menschengemachte Klimawandel die größte Bedrohung aller Zeiten darstellt, sehen wir auch zunehmend die Notwendigkeit von immer mehr Klimaforschung, und das nicht nur weil viele Faktoren das Klima beeinflussen, sondern das Klima selbst mittlerweile auch nahezu jeden Bereich unseres täglichen Lebens und der Umwelt beeinflusst. So ist der Klimawandel unter anderem verantwortlich für Hitze, Kälte, Trockenheit, Überschwemmungen, zu große und zu keine Fische, zu viel und zu wenig Pflanzenwachstum, mehr Wein in Deutschland, weniger Wein in Frankreich, Kriminalität, Herzinfarkte, Depressionen und für sämtliche Gebrechen, welche die Menschheit heute plagen.
War die Klimaforschung früher ein Spezialgebiet in dem sich vor allem Meteorologen und Geologen hervortaten, so kann heute auch jeder Soziologe, Informatiker, Insektenforscher, Kernphysiker oder Heilpraktiker sein Geld in der Klimaforschung verdienen.
Voraussetzung ist lediglich, dass er die richtige Einstellung mitbringt und nicht etwa andere Ursachen für die erwähnten Veränderungen als den durch Menschen verursachten Klimawandel ermittelt.
Solarzellenputzer
Viele der von Steinmeier angedachten neuen Jobs sind eher im Bereich der Hochtechnologie angesiedelt und erfordern so ein Mindestmaß an Bildung und Ausbildung. Das führt aber dazu, dass gerade die Gering-Qualifizierten unter den Arbeitslosen auch mit dem neuen Modell weiter zu den Abgehängten gehören werden. Dieser Entwicklung kann Abhilfe geschaffen werden. Schließlich bedecken mittlerweile Millionen Quadratmeter Solarzellen die deutschen Dächer. Um eine optimale Stromausbeute zu erzielen ist es wichtig, dass diese jederzeit möglichst sauber gehalten werden. Weil aber die Arbeit auf Dächern nicht jedermanns Sache ist und außerdem ein nicht unerhebliches Gefahrenpotenzial birgt, sollte man die notwendigen Wartungs- und Reinigungsarbeiten besser speziell ausgebildeten Fachkräften überlassen. Die hierbei anfallenden Kosten sollten natürlich nicht vom Betreiber dieser Anlagen getragen werden. Da es sich hier eindeutig um Ausgleichszahlungen handelt welche die Wettbewerbsfähigkeit zu herkömmlichen Energien verbessern helfen sollen, sollten diese über eine Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes an den Endverbraucher weitergegeben werden. Dies würde außerdem weitere Anreize für einen sparsameren Umgang mit elektrischer Energie schaffen.
Klimaschutz-Maßnahmen-Kontrolleure
Was nützen die schönsten Gesetze zum Schutz von Umwelt und Klima, wenn deren Einhaltung nicht rigoros überprüft werden kann? Wie eine solche Überprüfung aussehen kann zeigt ein Gesetzentwurf der Rot/Dunkelroten Regierung in Berlin. In diesem werden als mögliche Maßnahmen zum Beispiel das Verbot von elektrischen Wassererhitzern oder von Klimaanlagen angeführt. Auch soll es eine Pflicht zur Nutzung von Sonnenkollektoren und ein Verbot von Wärmestrahlern im Außenbereich geben. Damit diese Maßnahmen auch durchgeführt und eingehalten werden, sollen staatliche Kontrolleure zur Überprüfung befugt werden. Auch das Grundrecht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) soll mit diesem Gesetz eingeschränkt werden. Sollte dieses Gesetz Realität werden, entstünde also direkt ein Bedarf an Arbeitskräften, welche nach entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen ausschwärmen und den Bürger auf ökokorrektes Verhalten hin zu überprüfen hätten. Um auch Arbeitsmarkt-technisch zum Erfolg zu werden wäre es allerdings unerlässlich, dass dieser Gesetzentwurf möglichst bald auch Bundesweit umgesetzt wird. Und um diese neuen Maßnahmen auch wirklich umweltfreundlich zu gestalten, sollte der Kontrolleur zwecks Einsparung langer Anfahrtswege möglichst in der Nähe der von ihm betreuten Objekte wohnen. Damit hätten wir Deutschen endlich wieder unseren guten alten Blockwart.
Jugendliche Randalierer zu staatlichen „Abwrackern“
Warum, so mag man sich fragen, sollte ein Gesetz welches sich bereits in einem Fall als Erfolgsmodell präsentiert hat, nicht auch auf andere Bereiche ausgedehnt werden? Hat nicht die sogenannte Umweltprämie nicht nur dafür gesorgt, dass Menschen sich neue Autos anschafften, die bisher eigentlich gar keinen Bedarf dafür hatten? Führte diese nicht dazu, dass viele Autobauer die Krise der Weltwirtschaft bislang relativ unbeschadet überstanden haben? War es nicht eins der wenigen Gesetze der letzten Jahre, welches direkt beim Verbraucher ankam? Warum sollte man diese radikal-innovative Idee also auf einen einzelnen Wirtschaftszweig beschränken? Viele Häuser und Wohnungen verfügen auch heute noch über einfach verglaste Fenster. Warum also nicht eine Abwrackprämie für alte Fenster einführen. Das würde einen spontanen Boom im zuletzt doch arg gebeutelten Bausektor auslösen. Und nicht nur das. Als unterstützende Maßnahme könnte man gewaltbereite Jugendliche aus Kreuzberg oder Neukölln zu staatlich geprüften Abwrackhelfern ausbilden. Einzige Qualifikation wäre das zielsichere Unterscheiden von einfach- und doppelt-verglasten Fenstern auf Steinwurfentfernung.Wie friedlich könnte unser Land sein, wenn jugendliche Steinewerfer ihre Energie nicht gegen Polizisten, sondern gegen Energieverschwender einsetzen würden.
Wie Sie sehen, liebe Leser, sind zur Lösung vieler Probleme in unserem Land lediglich einige wenige Ideen vonnöten, welche dann allerdings konsequent umgesetzt werden müssen. Diese Aufstellung soll auch nur ein kleiner Ausschnitt dessen sein, was möglich wäre wenn wir die Probleme in unserem Land nur mit genug Willenskraft angehen. Auch bin ich überzeugt, dass viele von Ihnen noch weitere Ideen beisteuern können um unser Land Schritt für Schritt ein wenig besser zu machen.
Und auch in anderen Ländern kann noch so manches bewegt werden. Als Beispiel sei die Gewinnung von Biogas aus Haikadavern genannt oder der vermehrte Polizeieinsatz zur Durchsetzung von Klimaschutzgesetzen. Auch könnte man jene (noch) Arbeitslosen, die noch in keinem der oben angeführten Programme aktiv sind, zur ökologisch korrekten Stromerzeugung mittels großer Laufräder heranziehen. Diese sollten vor allem bei Dunkelheit oder Windstille zum Einsatz kommen, also wenn Windenergie und Photovoltaik nicht in der Lage unseren Strombedarf zu decken, und könnten so ihren Beitrag zur Sicherung der Grundversorgung leisten.
Sie sehen, liebe Leser, vieles ist jetzt schon möglich. Wenn wir alle den nötigen Willen und die Energie aufbringen, werden wir uns schon bald in einer schönen neuen Welt wiederfinden. Yes we can!
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Darf ich wohl einmal die Darstellung der Grafik verbessern?
Die Agentur heisst:
AGENTUR OHNE ARBEIT
oder auch:
AGENTUR FÜR ARMUT
Das wissen allerdings nur Betroffene!
Satirische Grüsse
Christel