Alpengletscher als Klimaarchiv – Was erzählen uns die Alpengletscher?

21. November 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Wissenschaft

Die renommierten Gletscherforscher Prof. Schlüchter (Uni Bern) und Prof. Patzelt (Uni Innsbruck), sowie Prof. Nicolussi (Uni Innsbruck), erklären in einer Sendung der ARD vom November 2008 und einer Sendung des BR die Vergangenheit der Alpengletscher. Demnach ist die aktuelle Klimaerwärmung nichts Besonderes.

Im Jahr 2010 wurden in der WDR/3SAT-TV-Sendung „Der Dreck der Anderen“ (3SAT am 19.10.2010) Gletscherforscher gezeigt, die in der Sendung feststellten, dass der Gletscherschwund nichts aussergewöhnliches ist und „alles schon mal dagewesen sei“.

Und dann am 05.11.2011 in der ARD-Volksmusik-Sendung „Hansi Hinterseer“ finden sich die „sensationellen“ Zitate und Behauptungen des Alpen-Bergführers Martin Glantschnig, der als „Alpen-Insider“ behauptet, dass der Gletscher Pasterze in dem betroffenen Tal vor 500 Jahren (im 16. Jahrhundert) eine grüne Weide war, was sich auch daran festmachen liesse, so Martin Glantschnig, dass das Pasterze übersetzt Viehweide heisst. Der Name Pasterze wird aus dem Slowenischen als Viehweide abgeleitet (vgl. poln. „pasterski“ = Hirten). Noch im Jahre 1554 wird urkundlich eine Wiese in der Pasterze genannt.

Und was sagen die Klimarekostruktionen?

Wissenschaftler haben anhand von Gletscher- und Waldgrenzenschwankungen, durch Jahresring-Analyse von Holzresten und mit Hilfe von Pollenanalysen, die Klimageschichte der Alpen der letzten 10.000, bzw. 16.000 Jahre rekonstruiert. Es zeigte sich: Temperaturschwankungen um 1,5 bis zwei Grad innerhalb einiger Jahrzehnte waren in den letzten Jahrtausenden völlig normal.

Aus Nicolussi und Patzelt 2006

Alpenklima nach Bortenschlager aus Kral 1979

Quellen

Solarkritik: Gletscherschmelze hat natürliche Ursachen !!

Die Gletscher lügen nicht

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6 Kommentare
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  1. Ergänzend vielleicht folgende interessante Statistik, die ich gerade gefunden habe, und die die Größenordnung der Alpengletscher im Vergleich zur globalen Gletschermasse deutlich macht:

    Auf der Erde gibt es insgesamt 33,2 Mio. Kubikkilometer Eis und Schnee, wobei praktisch die ganze Menge (33,1 Mio.) in Gletschern gespeichert ist. Verschwindend kleine Volumina liegen in Permafrost, Meereis und saisonaler Schneebedeckung. Von den 33,1 Mio. kkm Eis in den Gletschern sind 91 % (30.1 Mio. kkm) in der Antarktis am Südpol zu finden. Grönland hat einen Anteil von 8,8 % (2.93 Mio. kkm) am weltweiten Gletschereis. Gebirgsgletscher tragen also nur 0,2 % (0,07 Mio kkm) zum globalen Gletschereis bei. Angenommen, das gesamte Gebirgsgletschereis von 0,07 Millionen kkm würde auf einen Schlag schmelzen, so würde der Meeresspiegel lediglich um ca. 9 Millimeter ansteigen. Das ist der derzeit natürliche Anstieg von 3-4 Jahren. Quelle: http://www.metheo.ethz.ch

  2. Nun ja, da gibt es ein Problem:
    Als ‚Ötzi‘ zu Tode kanm, endete gerade eine Warmperiode mit Gletscherschwund, die mindestens(!) so warm war wie unsere jetztige Zeit.
    Denn als er starb, war dort, wo er lag -- und er veränderte seine Lage nicht! Er ist KEINE typische Gletschermumie, die vom Eis zu Tal getragen wird, sondern lag in einer Felswanne auf einem Grat! -- kein Eis. Das kam erst nach seinem Tod und wurde immer mehr und konservierte ihn, bis es in der Jetztzeit wieder genau so weit schwand wie an seinem Todestag
    Wäre es anders gewesen, wäre er entweder immer noch unter Eis oder längst verwest.

    Nun gibt es aber eine offene Frage:
    Ötzis Alter wird mit 5300 Jahren angegeben.
    Zur Römerzeit kann er nicht aufgetaut sein, sonst wäre er verwest. Zumindest lokal muss man also davon ausgehen, dass dort heute weiniger Eis liegt als in den letzten 5300 Jahren.

  3. @Tritium

    Über das Ötzi-Problem hatte ich schon mal was geschrieben:

    Die Legende von Ötzi als Beleg für das heutige, warme Klima

    Von “Klima-Apokalyptikern” wird gerne der Ötzi-Fund als Beleg für das einzigartig, warme heutige Klima herangezogen. Dieser Vergleich hinkt allerdings:

    Ötzi hat vor etwa 5.300 Jahren gelebt, im 2. Klimaoptimum des Holozän. Diese Warmzeit ist auf der Nordhalbkugel (Alpen) und der Südhalbkugel (Anden) durch Pflanzenfunde unter den Gletschern gut belegt. Zu dieser Zeit war die Sahara noch eine Savanne in der Ackerbau betrieben wurde. Die Wüstenbildung setzte am Ende des Klimaoptimums ein und ist bis heute fortschreitend. In der heutigen Warmzeit könnte die Sahara nach den Aussagen der Klimawissenschaftler aber wieder feuchter und grün werden, wie zu Zeiten des Holozän-Optimums.

    Im März 1991 hatten Stürme feinsten ockerfarbenen Sand aus der Sahara bis in die Alpen geweht, welcher sich im Mai auf dem Similaun Gletscher ablagerte. Unter der Sommersonne schmolzen die mit diesem höchst wirksamen Lösungsmittel bestäubten Gletscher nur so dahin, mit bis zu 10 cm pro Tag. Allein in Tirol gab das vermeintlich ewige Eis ein halbes Dutzend Leichen frei, Ötzi als sechste am 19. Sep. 1991. Der Saharastaub einhergehend mit der starken Sonneneinstrahlung war der Grund dafür, dass Ötzi freigelegt wurde und nicht die “außergewöhnliche” Wärme. Der Similaun Gletscher unterhalb der Ötzifundstelle ist heute noch vorhanden, somit kann der Ötzi-Fund nicht als Beleg für ein einzigartig, warmes heutiges Klima heran gezogen werden.

    Mit Rahmstorf hatte ich auch schon darüber diskutiert. Hier.

  4. @Tritium

    Bei der Fundstelle (Gipfellage) kann ich mir auch vorstellen, dass Schneeverwehungen als zusätzlicher Faktor in Frage kommen. Im Zeitalter der Industrialisierung kam zudem die Luftverschmutzung hinzu. Durch die Verschmutzungen schmilzt der Schnee bei Sonneneinstrahlung einfach schneller.

  5. @ M. Krüger:

    Gut denkbar.
    Ich muss gestehen, dass ich mich mit den näheren Begleitumständen zu Ötzis Freilegung nie näher beschäftigt habe.
    Aus einem Punkt kann man auch sowieso keine generellen Svhlüsse ziehen, so was überlasse ich Michael Mann und seinen Baumringen.
    Ein interessanter Zeuge bleibt Ötzi jedoch schon, auch für die Klimageschichte.

    Und apropos Industrie:
    An einigen Stellen gab es ja tatsächlich ein industrielles Waldsterben; die Kammlagen des Harz beispielsweise, aber auch im Erzgebirge und Bayerischen Wald, sind bedeckt von ‚frischen‘ Baumleichen.
    Das macht ganz fatal den Eindruck, als sei dort die Baumgrenze gesunken. Nur zu leicht liesse es sich in fernerer Zukunft als ‚Beweis‘ für eine deutliche Klimaabkühlung im 20. Jahrhundert interpretieren. Man kann gar nicht vorsichtig genung sein, mit Proxies…

  6. @Tritium

    Ach, eines hatte ich noch vergessen. Die Ötzi-Fundstelle ist übrigens heute wieder schneebedeckt. Das TV-Team war im Sommer da, wie am an der Kleidung sehen kann.

    Daraus könnte man dann analog schießen, dass es in den letzten Jahren eine Abkühlung gab. 😉

    Jedenfalls, wenn man wie die Klimaschützer argumentiert. Es gibt also diverse Faktoren, die zum „Auftauen“ des Ötzis beigetragen haben können. Nur einer davon ist die Erwärmung.

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