AStA TU Darmstadt vs. Freiheit von Lehre und Forschung

17. Juni 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie

An der Technischen Universität Darmstadt wird eine Wahlpflichtvorlesung „Kernenergie“ für Maschinenbaustudenten mit folgenden Inhalten angeboten:
Allgemeiner Überblick und Brennstoffversorgung

  • Kernphysikalische Grundlagen
  • Kettenreaktion, kontrollierte Kernspaltung, Reaktorkernauslegung
  • Kernreaktorentwicklung (ausgewählte Beispiele)
  • Aufbau, Funktion und Sicherheitskonzept am Beispiel eines Druckwasserreaktors (DWR)
  • Bestimmungsgemäßer Betrieb und Auslegungsstörfälle am Beispiel eines DWR
  • Unfälle in Kernkraftwerken (Windscale, Three Mile Island und Tschernobyl)
  • Auslegungsüberschreitende Störfälle, Notfallmaßnahmen, Sicherheitsüberprüfungen
  • Ausblick zur Weiterentwicklung von Reaktorgenerationen
  • Entsorgung von Kernkraftwerken, Endlagerkonzepte
  • Stilllegung eines Kernkraftwerks, Grundbegriffe des Strahlenschutzes, Meldeverordnung für Vorkommnisse

Eine Vorlesung für angehende Ingenieure also, die sich einen Überblick über naturwissenschaftliche und technische Grundlagen der Kernenergie verschaffen möchten. Im Prinzip nichts Besonderes, möchte man meinen, und auch kein Politikum. Das sieht der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU Darmstadt offenbar anders. Dieser fordert einen Stopp der Veranstaltung. „An der TU Darmstadt findet im Sommersemester Freitags um 9.50 Uhr eine Vorlesung „pro Kernkraft“ des Betriebsleiters des Atomkraftwerks Biblis statt. Diese Veranstaltung ist fester Bestandteil der Lehre und wird vor allem von Maschinenbaustudent*innen besucht. „Die vergangenen Vorlesungen und insbesondere die erste Veranstaltung des Sommersemester 2011 lassen keinen Zweifel daran, dass diese Veranstaltung an keiner ernsthaften kritischen Auseinandersetzung mit Kernkraft interessiert ist“ Giulietta Bender (Referentin für Gleichstellung und Feminismus, AStA TU Darmstadt).Der AStA TU Darmstadt verurteilt diese Lobbyveranstaltung als Teil der Lehre an der TU Darmstadt und fordert den Dozierenden Lauer und den Vizepräsident Motzko auf, die Veranstaltung mit sofortiger Wirkung abzusetzen“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung.

Wow. Das ist nicht einfach eine Meinungsäußerung zum Thema Kernenergie. Das ist ein Versuch, die Freiheit der Forschung und der Lehre abzuschaffen. Das wird im zweiten Teil des Statements noch deutlicher: „„Ein Atomausstieg in Deutschland bedeutet auch, dass nicht alleine die deutsche Energieproduktion auf regenerative Energien wechseln muss. Gerade Forschung und Lehre müssen einen aktiven Kernenergieausstieg mittragen. Dies bedeutet auch, dass alle um die Produktion von Kernenergie angesiedelten Ausbildungsgebiete umgedacht werden müssen. Ausstieg heißt Ausstieg und dieser muss konsequent auch in der Wissenschaft vollzogen werden.“ Sebastian Ankenbrand (Referent für Hochschulpolitik, AStA TU Darmstadt)“

Da wissenschaftliche Erkenntnisse sich nicht um die politischen Überzeugungen derjenigen scheren, die mit ihnen konfrontiert werden, ist man im AStA Darmstadt wohl zu dem Schluss gekommen, dass man Naturwissenschaft und Technik einer politischen Zensur unterwerfen muss. Es sollte bei der Beurteilung dieses Vorgangs unerheblich sein, ob man selbst für oder gegen die Nutzung der Kernenergie ist. Selbst dem erbittertesten Gegner der Kernenergie dürfte eigentlich klar sein, dass auch ein Ausstieg nicht ohne entsprechend ausgebildete Fachkräfte möglich ist, zumindest wenn man nicht massenhaft Menschenleben gefährden will. Immerhin hat sich die Fachschaft Maschinenbau von der Forderung des AStAs distanziert.

ebenfalls erschienen auf „oekowatch.org“

„Erinnerung, Emotion, Illusion“ bestellen

(Bildquelle: geralt/photoopia.com)

Ähnliche Beiträge (Automatisch generiert):

Print Friendly

25 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Positiv denken!
    (a + b) (a + b) = a^2 + b^2
    Kleinliche Krittelei und Negativismus passen nicht mehr in die Zeit!

  2. @ Fluminist: Positiv denken, heißt in diesem Fall wohl, falsch zu denken: (a+b)(a+b) = (a+b)² = a²+2ab+b².

  3. @B. Nom
    Danke für die Klarstellung. Damit alle folgen können, hier noch einmal im Klartext:

    Ausstieg heißt Ausstieg und dieser muss konsequent auch in der Wissenschaft vollzogen werden.

    Die Umsetzung des Prinzips Milchmädchenrechnung mit noch nicht einmal theoretisch erfundener Technologie als festem Faktor wird über kurz oder lang auch den Ausstieg aus dem logisch-mathematischen Denken erfordern.

  4. Man muss sich nur die Gestalten anschauen und das Programm ist offensichtlich. 😉

  5. „…..und dieser (…..) muss konsequent auch in der Wissenschaft vollzogen werden.“

    Obiges Zitat bedarf einer Ergänzung um die Botschaft zu entschlüsseln. Setzen wir in die Klammer wahlweise die Begriffe „Kampf gegen die jüdischen Plutokraten“ oder „Antikapitalismus“, so sind wir fluchs bei den Nationalen Sozialisten von 33-45 und bei den Internationalen Sozialisten der Jahre 49-89 in Deutschland. Die Tradition ist also ungebrochen und nichts überraschend Neues.

    Der Standort des Landes ist also klar erkennbar. Jetzt fehlen nur noch die konsequenten Scheiterhaufen, denen man traditionsgemäß „die Werke von xy übergibt.“ Sehr erfolgreich war auch die Methode von 49-89, Bibliotheksbestände zu säubern und an das Ausland zu verscherbeln.

    Angekündigt wurde das von den 68er „Studenten“ schon frühzeitig: „Wissen ist Macht… Nichts wissen macht nichts“ Davon zehren wir heute.

  6. Für die Volksgesundheit bedenkliche Entwicklungen werden künftig par ordre de mufti verboten, basta. Und unsere Geistlichkeit (siehe Ethikkommision) sorgt für die moralische Aufklärung, damit der plebs auch begreift, dass dies nur zu seinem Besten ist.

    Atom, pfui Teufel…… als nächstes müsste nun eigentlich die Nuklearmedizin drankommen. Also weg mit dem Zeuchs, das ist eh nur dazu da, dass die Konzernmultis noch mehr Milliarden einsacken. Tumore werden künftig wieder bei der Wahrsagerin geortet.

    Zur Not geht auch Beten. Dafür steht der gute Kardinal Marx von der Ethikkommission sicher hilfreich zur Seite.

    …..’ne Alternative wäre natürlich auch die homöopathische Notfallmedizin.

  7. @Heinzel

    Sebastian Ankenbrand (Referent für Hochschulpolitik, AStA TU Darmstadt)

    Der nette Sebastian ist Mitglied der Linke.SDS.

    Dort erklärt man uns übrigens unsere Zukunft folgendermaßen:

    ….. Zuallererst braucht man Demokratie. In einer Demokratie werden dann notwendigerweise die Proletarier die Macht erringen, weil sie nun einmal die meisten sind. An der Macht werden sie gewaltsam die Eigentumsverhältnisse und damit auch die Klassen aufheben.

    Ich stimme diesem Weg nicht zu. Nur die Eigentumsverhältnisse aufzuheben, reicht nicht aus. Dadurch werden keine besseren Menschen entstehen. Die Menschen müssen den Kommunismus wollen! Das sollte unser erstes Ziel als Linke sein: Den Menschen den Kommunismus näherzubringen. Denn ich denke nicht, daß man sie zu ihrem Glück zwingen muß. Ein erzwungenes Glück ist kein Glück. Ich glaube fest daran, immer mehr Menschen merken, daß es so nicht weitergehen kann. Und daß sie sich nach und nach für alternative Gesellschaftssysteme und schließlich für den Kommunismus öffnen werden. Soviel Vertrauen in meine eigene Ideologie sollte ich doch haben.

    Deshalb sehe ich zwei Wege: Der beste Weg ist die Kommune. Hier wird im Kleinen Kommunismus praktiziert. Überall bilden sich Kommunen und wer genug hat vom Kapitalismus, wer bereit ist, etwas Neues auszuprobieren, der zieht in eine. Dort wird dann der Kommunismus vorgelebt. Irgendwann werden es immer mehr Menschen sein, die in Kommunen leben, eines Tages sind es vielleicht alle.

    Der zweite Weg ist die Politik. Ich glaube fest an die Demokratie. Kommunismus ist nur eine Wirtschaftsform, die Demokratie stelle ich nicht in Frage. Auch der Kommunismus wird eine Demokratie sein. Wenn es einer kommunistischen Partei gelingt, demokratisch gewählt zu werden, dann vertritt sie irgendwann die Mehrheit und kann in kleinen Schritten in Richtung Kommunismus gehen.

    Quelle: Guckst du hier

    Ja klar, „Wo bitte geht’s zum Kommunismus?” Gesine Lötzsch, die Zweite. Bingo!
    Ein anschauliches Beispiel von Realitätsverlust, Verwirrung und Umnachtung.

  8. Ich hatte das an anderer Stelle bereits gepostet, aber hier passt es besser. Mit dem ASTA der TU Darmstadt hat sich ebenfalls der Blog „Zettels Raum“ beschäftigt. Dort findet man auch eine Antwort der Fachschaft Maschinenbau:

    Die Fachschaft Maschinenbau distanziert sich von der Stellungnahme des AStAs mit der Forderung nach einer Abschaffung der Wahlpflichtvorlesung „Kernenergie“.

    Nach Artikel 5 Abs. 3 des Grundgesetzes herrscht in Deutschland die Freiheit der Lehre, so lange sie sich auf dem Boden der Verfassung bewegt. Der Fachbereichsrat als entscheidendes Gremium hat Herrn Dr. Lauer einen Lehrauftrag erteilt, so dass hier die Forderung nach einer Abschaffung der Veranstaltung seitens der genannten Gruppe nicht zulässig ist. Zudem propagiert der AStA im Gegenzug ebenfalls die Forderung nach Freiheit der Lehre, so dass sich hier aus unserer Sicht ein Interessenskonflikt ergibt.

    Weiterhin ist die Fachschaft Maschinenbau nach Durchsicht der Vorlesungsunterlagen der Meinung, dass die Vorlesung keineswegs ideologisch behaftet ist, sondern sich auf die technischen Aspekte der Kernenergie beschränkt und auch die Probleme und Gefahren im Zusammenhang mit dem Betrieb von Kernkraftwerken und der Endlagerung des Atommülls thematisiert. Zudem existiert besagte Veranstaltung in dieser Form schon seit dem Jahr 2005, ohne dass bisher Beschwerden über die Veranstaltung an die Fachschaft herangetragen wurden.

    Wir sehen in der Forderung nach Abschaffung der Vorlesung auch ein wahltaktisches Manöver, für das wir als Fachschaft uns keinesfalls instrumentalisieren lassen wollen. Außerdem kritisieren wir scharf, dass besagte Stellungnahme des AStAs veröffentlicht worden ist, ohne die betreffende Fachschaft um ihre Meinung zu fragen.

  9. @Rudolf

    Mit dem ASTA der TU Darmstadt hat sich ebenfalls der Blog “Zettels Raum” beschäftigt.

    Zettels Meckerecke: Der „Ausstieg“ bedroht unsere Freiheit. Auch die Freiheit der Lehre

    „…..Das ist keine Erklärung eines extremistischen Grüppchens, sondern des AStA der TU Darmstadt, welcher von deren Studenten gewählt wurde und der von ihnen aus ihren Semesterbeiträgen bezahlt wird.

    Der Stil, die Unverfrorenheit, die Anmaßung sind identisch mit dem, was Nazi-Studenten nach 1933 forderten: Wer nicht ihrer politischen Meinung ist, der darf nicht mehr lehren. Inhalte, die ihnen nicht gefallen, dürfen nicht mehr Gegenstand der akademischen Lehre sein……”

  10. @ quer #5

    …bei den Nationalen Sozialisten von 33-45 und bei den Internationalen Sozialisten der Jahre 49-89…

    … die ihren Alleinvertretungsanspruch auch auf Grundlage einer popularisierten Schein-Wissenschaft (ohne die jeder wirklichen Wissenschaft eigenen Freiheit zum Widerspruch) erhoben: Pseudo-Genetik bzw. Pseudo-Volkswirtschaftslehre.

  11. Ich bin noch immer fassungslos über diesen ungeheuerlichen Vorgang. Natürlich bieten sich jede Menge historische Vergleiche an, zu all jenen Diktatoren, die immer auch eine Geisteshaltung von ihren Untertanen verlangen, die konform zur herrschenden Ideologie ist.

    Es wird immer noch zu weiten Teilen angenommen, das der derzeitige Disput über die Kernenergie, die NIE oder den Klimawandel, auf der verschiedenen Auslegung von Daten oder wissenschaftlichen Überzeugungen und Erkenntnissen beruht. Natürlich geht es auch darum, bis zu einem gewissen Grad, doch es ist nicht die Hauptsache. Es prallen verschiedene Weltanschauungen aufeinander, es ist ein philosophischer, oder besser, ideologischer Streit.

    Wenn eine Vorlesung mit dem Thema Kernenergie derartige Reaktionen hervorruft, dann lässt sich das nicht anders deuten, als das man Angst hat, durch die Beschäftigung mit diesem Thema besteht die Gefahr vom wahren Glauben abzufallen. Eine quasi religiöse Bewegung will aber wachsen, alle Menschen denen man habhaft werden kann, sollen gewonnen werden. Menschen die einfach nur wissensdurstig sind, müssen davon abgehalten werden, sich mit Themen zu beschäftigen die Zweifel an der herrschenden Ideologie hervorrufen könnten. Instinktiv erkennt man die Gefahr die von einer solchen Veranstaltung ausgeht und versucht sie daher zu verhindern.

    Eigentlich sollten wir den Initiatoren vom AStA dankbar sein, durch dieses Verhalten haben sie ihre wahren Beweggründe aufgezeigt, ebenso den totalitaristischen Charakter ihrer Weltanschauung.

  12. Lieber Herr Krüger #4,
    bitte keine Diffamierungen. Zu meinen Studentenzeiten war im ASTA nur eine Elite ausgewählter Studenten. Meistens die Erfahrensten mit 15 bis 20 Semestern auf dem Buckel.
    Mittelmäßige Studenten wie ich, die nicht zu dieser Elite gehören, die in der Regelstudienzeit von 10 -- 12 Semestern oder kürzer studieren mußten, konnten sich für den ASTA nicht qualifizieren.
    Gerade wir Naturwissenschaftler und Techniker haben immer staunend zur Kenntnis genommen wie sich diese Elitestudenten, meist aus der Politologie oder den Sozialwissenschaften, ohne gefragt worden zu sein, ihren Aussagen nach selbstlos für die Allgemeinheit geopfert haben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  13. Selbst wenn (wie ja hoffentlich noch zu erwarten ist) der Aufruf des AStA TU Darmstadt keine direkte Wirkung zeigt, wird der Ausstieg aus der Lehre mittelfristig doch stattfinden. Es werden keine Lehrstühle für Kerntechnik o.ä. mehr ausgeschrieben, Studiengänge werden „modernisiert“ und „entrümpelt“, und die einschlägigen Lehrbücher verschwinden („aus Platzgründen“) aus den Bibliotheken.
    Heute protestiert die Fachschaft Maschinenbau noch, aber die künftigen Studenten, bei denen Kernenergie nicht mehr im Vorlesungsverzeichnis steht, werden (von ein paar Ewiggestrigen abgesehen) gar nicht mehr merken, daß da etwas fehlt.

    Durch die Reduktion des Vorlesungsangebots auf nur in Deutschland als relevant betrachtete Inhalte kann man nebenbei der vielbedauerten Abwanderung wertvoller Akademiker ins Ausland ungezwungen vorbeugen.

    @ Quentin Quencher #11
    Die Sache hat wohl auch etwas mit der Art des Inhalts der Ideologie zu tun.
    Die Umsetzung einer Idee, die schon in der halbausgegorenen Theorie nur dann funktioniert, wenn alle mitmachen -- und in der Praxis gar nicht -, erfordert „konsequenterweise“ die Ausschaltung aller Andersdenkenden.

  14. interne diskussion an der tu darmstadt zu diesem thema:

  15. http://www.maschinenbauer-forum.de/forum/index.php?page=Thread&threadID=20141

  16. @hansharibert

    Danke für Ihren Link……………anscheinend gibt es bei den technischen und naturwissenschaftlichen Studenten doch noch intelligente Menschen, die sich nicht jeden Müll gefallen lassen.
    Anscheinend rudert die ASTA inzwischen auch langsam zurück………….die Aktion war wohl noch zu früh, sind wohl noch nicht alle Studenten verblödet/verängstigt genug um diesen Mist mit zu machen.

    Viele Grüße an die Studenten der TU-Darmstadt, die sich noch ein gewisses Mass an Wissensdurst bewahrt haben.
    Deutschland wird euch brauchen und das sehr bald, den Politologen und Sozialwissenschaftler haben wir genug………..was wir händeringend suchen………..sind Techniker, die Deutschland weiter am Leben erhalten.

    MfG
    Onkel Heinz

  17. Es geschieht exakt das, was ich schon von Beginn der Fukushima-Debatte an befürchtet hatte.

    Der „Atomausstieg“ ist in Wahrheit nicht verbunden mit einem „Modernisierungsgedanken“, wie es uns die Bundesregierung vermitteln will. Der Ausstieg ist ein Rückfall in mittelalterliches Denken, in dem Dogmen Wissenschaft und Technik einengen sollen. Dieser Aspekt wird in der breiten Öffentlichkeit -- und scheinbar auch von unserern Politikern -- entweder nicht erkannt, oder billigend hingenommen.

    Es handelt sich um einen Rückfall in die Zeit vor der Aufklärung. Die Aktion des ASTA ist nur ein erstes Signal, weitere werden folgen.

  18. Das liberale Institut hat das Thema ebenfalls aufgegriffen:

    http://liberalesinstitut.wordpress.com/2011/06/18/ausstieg-aus-dem-denken/

    Ein Kommentator dort hat bereits die Befürchtung geäußert, irgendwann würde dann wohl auch der Arbeitstisch von Hahn, Meitner und Straßmann aus dem Deutschen Museum entfernt. Er meinte das wohl eher sarkastisch, ich aber denke, solche Forderungen werden zwangsläufig folgen.

    Wenn ich mir dann noch einmal durchlese, was ich am 17. März unmittelbar nach dem Fukushima-Störfall geschrieben habe

    Es erfüllt mich mit Trauer und Wut, wie die Lebenswerke der oben genannten Heroen der Physik in den Schmutz getreten werden, wie eine der größten Errungenschaften der Naturwissenschaft des 20. Jahrhunderts geradezu in ein Verbrechen umdefiniert wird. Die aktuelle Debatte in Deutschland ist auch eine Debatte über die Freiheit der Forschung. Die Stigmatisierung und Ächtung der Kernenergie, die Forderung nach einem sofortigem und endgültigem Ausstieg ist eben auch die Forderung nach dem Ende von Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Keine Arbeitsmöglichkeiten bedeutet keine Studenten bedeutet keine Lehrstühle bedeutet ein Ende der Vermehrung unseres Wissens. Der Ausstieg ist nichts anderes, als das Erbe Einsteins, Heisenbergs, Bohrs und all der anderen abzulehnen, zu verwerfen, als gefährlich abzustempeln. Und ähnlich wie Kreationisten versuchen, die Evolutionstheorie aus den Schulbüchern zu verbannen, scheint es fast so, als würde jede sachliche und neutrale Aufklärung der Menschen in Deutschland mit Absicht unterbleiben.

    …was würde ich mir wünschen, in diesem Punkt Unrecht behalten zu haben. Leider sieht es nicht so aus. Ich bin hier Admin, ich darf auch mal Kraftausdrücke gebrauchen: Es ist zum Kotzen.

    Viele CDU/CSU-Granden (bspw.) betonen ja seit Monaten, „Kernenergie“ gehöre nicht zum „Markenkern“ der Union. Das mag sogar stimmen. Nun müssen wir konstatieren: Aufklärung wohl auch nicht. Jedenfalls hat die Bundesregierung den anti-aufklärerisch agierenden Ökologisten Tür und Tor geöffnet. Man wollte wohl die Grünen kaltstellen. Erreicht hat man nur, daß sie (bzw. ihre Ideologie) an Bedeutung gewinnen.

  19. @ Günter Heß #12

    Lieber Herr Heß,

    ja, Sie haben völlig Recht, man sollte diese selbstlosen Eliten nicht diffamieren. Gehen sie doch oftmals einen beschwerlichen und aufopferungsvollen Weg zum Wohle der jungen unwissenden Studentenschaft, die nur darauf bedacht ist mit schnödem und dümmlichem Fleiß einen vermeintlich erstrebenswerten Abschluss zu erreichen. Diese „armen Dummchen“ müssen doch erst noch zum richtigen Glauben und zu den hehren Zielen des akademischen Denkens und dessen Freiheiten geführt werden. Ein Naturwissenschaftler oder Techniker ist doch erst dann für die Allgemeinheit von Nutzen, wenn er im tiefsten Bewusstsein seines ihm verinnerlichten rechten Glaubens seinen künftigen beruflichen Weg geht. Wer, wenn nicht die selbstlosen Eliten mit erweitertem Horizont, sollten dazu in der Lage sein, diesen Weg zum Nutzen der neuen Gesellschaft zu weisen?

    Schöne Grüße aus dem Moos

    NS: Dem Vernehmen nach, soll es bereits einigen dieser elitären ASTA-Kader gelungen sein, den nahtlosen Übergang von der Uni in die Rente zu erreichen.

  20. Lieber Moosgeist,
    wir haben uns verstanden. Stellen wir uns nur mal vor diese Eliten hätten schon immer die Geschicke der Menschheit gelenkt, dann hätten die Menschen sicher nie das „pöse“ CO2 erzeugt.
    Mit freunlichen Grüßen
    Günter Heß

  21. Innerhalb der CDU soll es recht unterschiedliche, wenn nicht gegensätzliche Strömungen in Sachen Atomkraft und auch Merkel geben.
    Es sind längst nicht alle so grün, wie derzeit nach außen demonstriert wird. Und Merkels derzeitiger (Un-) Kurs, also Blindflug, wird nicht generell gutgeheißen.
    Sie wird mehr und mehr auch in den eigenen Reihen als Ossi-Tusse empfunden.

  22. Man ist ja schon bescheiden geworden, deshalb sollten wir die wenigen positiven Stimmen nicht unerwähnt lassen. Trotz Atomausstiegs: Mehr Mittel für Atomforschung.

    Als «hochinteressant» bezeichnete die Ministerin mit Blick auf die ungelöste Endlagerfrage das Verfahren der Transmutation, das radioaktive Stoffe wie Plutonium oder andere Langzeitstrahler entschärfen könne. Das sei ein zentraler Ansatz, die Entsorgungsfrage zu lösen.

  23. Moin,

    ich fürchte mit der Freiheit der Lehre und Forschung ist es in diesem Land sowieso schon länger nicht mehr weit her.

    Nicht durch direkte Zensur wie hier vom AStA gefordert, sondern indirekt, indem die zur Verfügung stehenden Mittel immer weiter gekürzt werden.
    Sei es durch Veringerung des gesamten Hochschulhaushaltes, die Verlagerung der Gelder zu dem Zeitgeist entsprechenden Studiengängen/Lehrinhalten oder durch die mißbräuchliche Nutzung der Gelder für allerlei Soziologen-Firlefanz durch die Hochschulleitung.

    Als Ausgleich für fehlende Forschungsmittel sollen „Drittmittel“ eingeworben werden, diese kommen aber zum großen Teil von mehr oder weniger staatlichen Einrichtungen, die in ihren Vergabekriterien voll und ganz der herrschenden Doktrin unterliegen. Da braucht es auch sicher keine Direktiven, es gibt ja einen „Konsens“.
    Wer also in seinem Forschungsantrag die richtigen Stichwörter benutzt („erneuerbare Energien“, Solar… etc.) wird mit ziemlicher Sicherheit jeden Mist finanziert bekommen. Wer das versäumt muß sehen wo er bleibt.

    Grüße,
    dieter

  24. Möchte dem Kommentar 12 von Herrn Heß nochmals unterstreichen.

    Habe mein Studium zum Dipl.-Ing. Maschinenbau 2002 an der TU Darmstadt beendet und bis 2006 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Maschinenbau der TU Darmstadt gearbeitet. Damals war die Besetzung des AStA genauso wie oben vermutet…

    Unter anderem wurde damals auf der Straße ordentlich mitdemonstriert, für bessere Studienbedingungen, bessere Ausstattung von Bibliotheken usw. obwohl zu WENIG Studenten vorhanden waren, d.h. Nachwuchsmangel herrschte. (Habe seinerzeit in einer Vorlesung des Hauptstudiums mit 2 weiteren Studenten dem Prof. lauschen dürfen!)

  25. Und hier ein weiteres Beispiel, wie ideologisch unpassende Forschung verhindert werden soll:

    Kernfusionsforschung
    Grüne fordern Baustopp bei „Iter“

Schreibe einen Kommentar