Biosprit und Rinderzucht – mit zwei Mythen im Klimaschutz wird aufgeräumt

13. April 2010 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Politik

Als Ergebnis von Studien ist jetzt herausgekommen:

1. Das Zehn-Prozent-Ziel für Biodiesel würde mehr Schaden anrichten als nützen

2. Grasende Kühe verbessern die Lachgas-Bilanz

Die Ergebnisse der internen EU-Kommissionsstudien zum Thema Biosprit sind brisant. Wenn Autos in Europa bis 2020 tatsächlich zu zehn Prozent mit erneuerbaren Energien angetrieben werden müssen, drohen massive Schäden für Umwelt und arme Bevölkerungsgruppen weltweit.

Bereits seit Juli 2009 sind die Studien fertig. Doch die EU-Kommission hielt die Ergebnisse der vier Studien geheim und weigert sich, diese der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Schon seit Jahren gibt es massive Zweifel an den Segnungen des Biosprits, dessen Einsatz im großen Stil notwendig wäre, um das Ziel zu erreichen. Dass Energiepflanzen wie Raps den Anbau von Nahrungsmittelpflanzen verdrängen und zu Knappheiten bei Lebensmitteln beitragen können, ist dabei nur ein Problem.

Auch die Klimabilanz von Biosprit ist durchwachsen: Der Anbau der Nutzpflanzen ist in vielen Fällen so energieintensiv, dass unterm Strich mehr CO2 ausgestoßen als eingespart wird.

Diese Ergebnisse sind nicht neu. Schon im Jahr 2007 hat eine internationale Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern um den Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen folgendes festgestellt:

Biosprit ist klimaschädlicher als Benzin. Der Grund liegt in dem gefährlichen Stickoxid (N2O, Lachgas), welches vor allem beim Düngen der Energiepflanzen in die Atmosphäre gelangt.

Jede Tonne Lachgas hat nämlich eine fast 300-fach so starke Treibhauswirkung wie dieselbe Menge an Kohlendioxid. Außerdem macht Lachgas auch der Ozonschicht zu schaffen. Das dürfte die Diskussion um Biotreibstoffe weiter anheizen.

Seit längerem ist klar, dass vor allem der Sprit aus Raps und Mais wegen der Energie, die zu seiner Herstellung gebraucht wird, keine positive Klimabilanz hat. Auch eine OECD-Studie hat dem Biosprit ein verheerendes Zeugnis ausgestellt.

Wegen der starken Treibhauswirkung von Lachgas sind die Folgen fürs Klima erheblich: Für Raps-Sprit wäre demnach die relative Erwärmung 1,7-mal höher als der Kühlungseffekt durch die Einsparung von CO2 aus fossilem Treibstoff. Ethanol aus Mais, der vor allem in den USA hergestellt wird, wäre den Berechnungen zufolge bis zu 1,5-mal klimaschädlicher als Benzin oder Diesel.

Auch mit dem Mythos, dass Fleischkonsum zwangsläufig dem Klima schadet wurde nun aufgeräumt

Entfleucht der Kuh ein Methan-Lüftchen, dann schadet das dem Klima. So viel schien klar zu sein. Eine neue Studie chinesischer, britischer und deutscher Forscher bringt nun aber eine überraschende Erkenntnis: Die im Fachmagazin “Nature” veröffentlichte Arbeit legt nahe, dass Tierhaltung und Weidewirtschaft zu einer Reduzierung der Lachgasemissionen führen könnten und sich damit positiv auf das Klima auswirken könnten.

Die Wissenschaftler hatten sich in Nordchina über längere Zeit insgesamt zehn Standorte in semiariden Steppen angesehen. Die Forscher um Klaus Butterbach-Bahl vom Karlsruhe Institute of Technology fanden dabei heraus, dass Weidewirtschaft dafür sorgt, dass die Lachgasemissionen auf Viehweiden deutlich geringer ausfallen als in ungenutzten Steppenbereichen. Das hängt u.a. mit der geringeren Wassersättigung und der stärkeren Auskühlung von Böden mit kurzem Grasbewuchs zusammen.

“Kälte und Trockenheit hemmen dann mikrobielle Aktivitäten in der Tauperiode”, sagt Forscher Butterbach-Bahl. “Als Folge gibt das Erdreich bedeutend weniger Lachgas ab.”

Der Effekt – je öfter das Gras kurz gefressen wird, desto besser – ist bemerkenswert: Im Jahresdurchschnitt seien die Emissionen der Weideflächen etwa halb so hoch ausgefallen wie die der nicht für die Tierhaltung genutzten Gebiete, berichten die Forscher.

Offenbar hat der Uno-Weltklimarat (IPCC) die Lachgas-Emissionen bisher deutlich unterschätzt. Zudem sind die Methanemissionen der Rinder den verminderten Lachgasemissionen der beweideten Flächen entgegen zu stellen.

Quellen:

Das Biosprit-Ziel muss weg

VCÖ: EU-Kommission hält vier kritische Studien über Umweltfolgen von Biosprit zurück!

Klimakiller vom Acker

Grasende Kühe verbessern die Lachgas-Bilanz

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6 Kommentare
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  1. […] http://www.science-skeptical.de/blog/biosprit-und-rinderzucht-mit-zwei-mythen-im-klimaschutz-wird-au… Comments RSS feed […]

  2. IPCC AR4 diskreditiert!
    http://nofrakkingconsensus.blogspot.com/

  3. Manchmal muss ich mich wundern, um was es jenen geht die die Reduzierung des Massenfleischkonsums als Angriff unserer Freiheit betrachten. Spielt es eine Rolle ob Tierhaltung unser Klima erwärmt? Es ist ein perverses Spiel. Nicht eine fragwürdige Klimaerwärmung, sondern die Brutalität, Verachtung und Misshandlung von Millionen von Tieren, die täglich zu tausenden auf den Fließbändern zerhackt werden, solte der Grund für eine Reduzierung des Massenkonsums von Fleisch werden. Es geht darum, dass Massentierhaltungen mit pharmazeutischen Produkten vollgepumpt werden, was am Ende auf unseren Tellern landet. Es finden sich Hormonbomben darin, sowie Farbstoffe und anderes Zeug, dass alles andere als Gesundheitsfördernd ist. Es geht nicht um eine generelle Ablehnung von Fleisch, aber eine drastische Veringerung unseres Fleischkonsums würde gewiß nicht zu einem Zerfall unser Gesellschaft führen. (Nebenbei angemerkt, die ältesten Menschen gab es in China, wo die Menschen aus Armut fast völlig auf Fleisch verzichtet haben). Fleisch sollte aber wieder zu dem werden, was es einmal war. Eine wertvolle Nahrungsquelle, der man mit einem mindestmaß an Achtung und Resepkt begegnet, anstatt aus der Wurst bunte Gesichter für Kinder zu formen. Anbei sollte noch einmal die Frage erlaubt sein, was denn die vielen Rinder (die Rinderzuchten sind regelrecht auf der ganzen Welt explodiert) alles fressen müssen, um am Ende auf der Schlachtbank zu landen. Wo kommt eigentlich das viele Futter her? Das muss doch auch angepflanzt werden und benötigt viel Wasser. Hat darüber schon einmal jemand nachgedacht?

  4. […] science-skeptical.de: Biosprit und Rinderzucht – mit zwei Mythen im Klimaschutz wird aufgeräumt […]

  5. @Nachdenker, hier etwas zum Belesen, vielleicht als Chance, die PETA-(u. a.)-Ideologie etwas sachbezogener reflektieren zu können, bevor man sie sich zu eigen macht.

  6. Sigmar Gabriel hatte uns gewarnt, dass die Einführung von dem Treibstoff E10 kein guter Vorschlag ist. Tja, leider werden zuständige Minister dann aus der Behörde gehoben. Sein Nachfolger hatte doch 16 Monate Zeit, sich darum zu kümmern. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat jedoch, wie gewohnt in dieser Regierung, einfach überhaupt nichts erledigt. Die Frage ist:In welchem Interesse geschieht das alles mit E10? Sicher nicht im Interesse der Autofahrer und Verbraucher. Aber der Autofahrer und Verbraucher muss das volle Risiko tragen. Und: wenn wie überlegt Alle E10 tanken würden, wie viele Felder müssten dann speziel dafür angebaut werden? Da meint Irgendjemand, dass hätte keine Konsequenz auf die Preise der Nahrungsmittel. Anstatt dafür zu sorgen, dass die Industrie einfach umweltfreundlichere Fahrzeuge produziert, füllen wir Nährmittel in den Tank. Die Problematik, dass nicht alle Motoren die neue Benzinsorte verarbeiten, könnte eventuell mit diesem Membranen gelöst werden.

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