Darf man beim Beten rauchen?

30. September 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Kurioses, Politik

Ein Mönch beobachtete einen Mitbruder, der rauchend sein Brevier betete. Entrüstet stellte er ihn zur Rede: „Ich habe unseren Abt gefragt, ob ich während des Betens rauchen darf – und er hat es mir ausdrücklich verboten. Das Verbot muss auch für dich gelten!“ – „Ich habe auch den Vater Abt gefragt.“ entgegnete der andere gelassen. „Ich habe gefragt, ob ich beim Rauchen beten darf – er hatte überhaupt nichts dagegen!“

Diese Geschichte kam mir spontan in den Sinn, als ich im Internet die Seite HEATBALL besuchte. Dort ist ein neuartiges Produkt zu kaufen, welches in handelsüblichen Lampen eingesetzt werden kann. Der Sinn dieser überschwänglich gelobten Innovation will sich einem auf den ersten Blick jedoch noch nicht so recht erschließen.

Aber durch den ersten Eindruck neugierig geworden, lese ich weiter in der Produktbeschreibung des Herstellers:

Die beste Erfindung seit der Glühbirne! Heatballs sind technisch der klassischen Glühbirne sehr ähnlich, nur dass sie nicht zur Beleuchtung gedacht sind, sondern zum Heizen.

Ein Heatball passt in jede herkömmliche E27- beziehungsweise E14-Fassung. Der Wirkungsgrad eines Heatball ist extrem hoch.

Weiter im Text erfährt man, dass es sich beim Heatball im eigentlichen Sinne um ein Kunstobjekt handelt, welches zur elektrischen Heizung von z.B. Passivhäusern geeignet ist. Dabei erreicht der Heatball einen phantastischen Wirkungsgrad von über 95%.

Eine solche Art der Heizung sei sinnvoll geworden, weil nach Einführung der EU-Verordnung über die die Mindestanforderungen an die Effizienz von Haushaltslampen herkömmliche Glühlampen schrittweise verboten werden. Hauptargument für das Verbot (wir berichteten hier) war seinerzeit die geringe Lichtausbeute der Glühlampen, schließlich würden weniger als 5% des verbrauchten Stroms in Licht umgewandelt, 95% der Energie würden durch Wärme „verloren gehen“.

Phantastische 95% Wirkungsgrad

Haben Sie was gemerkt? Wo die EU anprangert, 95% der zugeführten Energie würden in Wärme umgewandelt, drehen die Vermarkter der Heatballs den Spieß einfach um. Hier werden nun ziemlich normale Glühlampen (nichts anderes sind die „Heatballs“ schließlich) als Heizmittel verkauft. Wobei so herum betrachtet der Wärme-Wirkungsgrad von 95% jetzt als verkaufsförderndes Argument eingesetzt werden kann.

Auch wenn man mit ein wenig Kopfschütteln betrachtet, welche semantischen und juristischen Verrenkungen unternommen werden müssen, um innerhalb der Grenzen Groß-Europas die Nachfrage nach einem ehemals so „normalen“ Produkt wie der Glühlampe befriedigen zu können, so freut es mich doch, dass ich wohl auch in Zukunft nicht auf das angenehme Licht wie es bisher nur Glülampen hervorbringen verzichten muss.

Bislang konnte ich Lampen in meiner Wohnung mit Leuchtmitteln betreiben, die neben der Beleuchtung auch noch einen Beitrag zur Erwärmung leisteten. Durch das neue EU-Recht werde ich wohl in Zukunft in diesen Lampen Heatballs als Heizkörper einsetzen und das dabei „verloren gehende“ warme Licht nutzen. Mir soll’s recht sein…

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5 Kommentare
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  1. Die Idee ist genial. Ob nun irgendwelche Bürokraten versuchen werden, das zu verhindern?

    Allerdings sind 1,69 pro Stück völlig überteuert. Mein Glühlampen-Vorrat reicht noch viele Jahre, bis dann hoffentlich LEDs preiswert und gut genug sind. Auf den Heatball bin ich also nicht angewiesen.

    Nebenbei: ich habe im aktuellen Manufactum-Katalog gesehen, daß man herkömmliche Glühbirnen aller Art nach wie vor in Europa herstellen und vertreiben darf. Solange es sich um Spezialausführungen für Industriezwecke handelt (die sich u.a. durch hohe Stoßfestigkeit auszeichnen). Manufactum bietet diese jetzt auch für Privatkunden an, allerdings noch teurer, als den Heatball.

  2. @ Peter Heller # 1
    Wie heißt es doch bei Manufactum so schön?
    „Es gibt sie noch die guten Sachen“

  3. Köstlich!

    Glühlampen waren für den Winter schon immer eine Heizquelle. Ich kenne übrigens noch einen speziellen Laden … DDR läßt grüßen. Der Spaß endet leider bei den Strompreisen. 🙁 mfG

  4. Paßt zwar jetzt nicht zum Klimaschutz, aber: darf man im Theater rauchen? Nein. Darf man beim Rauchen Theater spielen? Ja:

    http://www.innsalzach24.de/muehldorf/uschibar-kleinkunstbuehne-is24-949196.html

  5. Lustig Lustig… Es gibt so viele Dinge dir zur Klimaschutz nicht gehören aber trotzdem gemacht werden von uns allen, aber was soll man sagen. Die Erde ist für uns wichtig.

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