Das Ende der Klima-Wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit – Ein Drama in 5 Akten

30. September 2009 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Kurioses

tombstone-webWie zu erwarten war und an dieser Stelle auch mehrfach vorausgesagt wurde, nimmt die Zahl der Vorhersagen des nahenden Weltunterganges mit jedem Tag mit dem wir uns der Klimakonferenz in Kopenhagen nähern unaufhaltsam zu. Jüngstes und am meisten dramatisches Beispiel war wohl die Pressemeldung der Britischen Climate Research Unit, welche einen dramatischen Temperaturanstieg schon in den nächsten 50 Jahren befürchtet. Nach Aussage der Wissenschaftler könnte es in dieser Zeit in der Arktis bis 16 °C wärmer werden. Da ist man fast geneigt schon jetzt seinen Badeurlaub in Grönland für 2060 zu planen, um noch in den Genuss eines ordentlichen Frühbucherrabatts zu kommen.

Wer sich allerdings jenseits des wissenschaftlichen und medialen Mainstreams bewegt, der konnte in den vergangenen Tagen erstaunliches beobachten. Wissenschaftsblogger und Kommentatoren überboten sich förmlich mit Superlativen. Von sehr, sehr wichtigen Ergebnissen war die Rede. Von massiven Lügen in der Klimawissenschaft wurde geschrieben, von einem neuen wissenschaftlichen Skandal oder von Dynamit für die wachsende Zahl der Skeptiker der menschengemachten globalen Erwärmung.

Für die zuletzt etwas in Erklärungsnot geratenen Befürworter der durch Menschen verursachten Katastrophe könnte der jetzt öffentlich gewordene Fall deutlich unangenehme Konsequenzen haben. Sollten sich die neuen Vorwürfe als richtig erweisen, dann bekommt die Klimawissenschaft ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Aber alles der Reihe nach. Die ganze Geschichte beginnt mit einer der wichtigsten Publikationen der Klimaforschung in den letzten Jahren. Es ging um nicht weniger als die Frage, ob sich die Erwärmung des 20. Jahrhunderts innerhalb natürlicher Zyklen bewegt, oder ob es sich dabei um ein in der Geschichte der Menschheit einzigartiges Ereignis handelt.

1. Akt: Ein Hockeyschläger macht Karriere

Im Jahr 1998 veröffentlichte Michael Mann, ein Klimaforscher der University of Massachusetts, eine Studie mit dem etwas sperrigen Titel “Northern Hemisphere Temperatures During the Past Millennium: Inferences, Uncertainties, and Limitations” [1]. In dieser Arbeit hatte die Gruppe um Mann eine Rekonstruktion der globalen Temperaturen der letzten 1000 Jahre auf der Basis von Baumringdaten erstellt. Damit war der Forscher auf einen Schlag zu einem der prominentesten Vertreter seiner Zunft geworden, bestätigten seine Untersuchungen doch was Klimaforscher, Umweltschützer und Politiker bereits länger vermuteten. Nach Dr. Mann verhielt sich das Klima auf der Welt seit 1000 Jahren nahezu konstant, bis ab etwa Beginn des 20. Jahrhunderts eine ungewöhnliche Erwärmung einsetzte. Nach Aussage der Forscher waren die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts das bislang wärmste Jahrzehnt und 1998 das absolut wärmste Jahr der vergangenen 1000 Jahre. Konnte es einen eindrucksvolleren Beweis für eine menschengemachte globale Erwärmung geben?


Der legendäre „Hockeystick“ Quelle: wikimedia.org

Die Überzeugungskraft dieser Grafik beeindruckte nicht nur den Weltklimarat, der sie in seinem 3. Zustandsbericht 2001 als Kronzeugen präsentierte. Auch in Al Gores alarmistischen Machwerk “Eine unbequeme Wahrheit” diente die Grafik als eindeutiger Beleg für den schädlichen Einfluss des Menschen auf das Weltklima.Dabei war die Arbeit des Klimaforschers Mann von Beginn an alles andere als unumstritten. Vor allem der gleichmäßige Temperaturverlauf über 1000 Jahre widersprach bisherigen Ergebnissen, nach denen z.B. die Temperaturen während der mittelalterlichen Wärmeperiode [3] höher lagen als heute. Große Zweifel hegte auch der kanadische Mathematiker Steve McIntyre [4]. Er vermutete, dass die Jahresringe nicht die wahre Geschichte der Klimaentwicklung der letzten 1000 Jahre widerspiegelten. Unter anderem war ihm aufgefallen, dass die von Mann und seinen Kollegen verwendete Normalisierung der Daten zwangsläufig zu der Hockeyschläger Form führen musste. Und selbst wenn McIntyre an seinem Computer Zufallsdaten nach dem Mann-Verfahren bearbeitete kam als Ergebnis ein Hockeyschläger-Diagramm heraus.

2. Akt: Tarnen und Täuschen

Diese Ergebnisse weckten in McIntyre das Interesse, die Rechnungen von Mann anhand der Originaldaten nachzuvollziehen. Allerdings erwies sich dieses unterfangen als schwieriger als zunächst vermutet. Der Klimaforscher weigerte sich lange standhaft die Rohdaten auf welchen seine Ergebnisse beruhten zur Verfügung zu stellen und gab auch nach mehrfacher intensiver Nachfrage von McIntyre nur Bruchstücke der Daten heraus. Allein dieser Vorgang ist schon als skandalös zu bezeichnen. Schließlich werden die Forscher aus öffentlichen Mitteln bezahlt und gerade im Bereich der Klimaforschung hat die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse zu er fahren auf welcher Datengrundlage Ergebnisse produziert werden.

Unbeeindruck von dieser offensichtlichen Verschleierungstaktik veröffentlichte Steve McIntyre 2004 zusammen mit Ross McKitrick eine Studie [5] in welchem sie Mann und Kollegen methodische Fehler nachwiesen [6]. Und ebenfalls 2004 wurde von den Machern des Hockey-Sticks die Website RealClimate [7] gegründet, auf welcher die wissenschaftliche Kritik brüsk zurückgewiesen wurde.

3. Akt: Daten tauchen aus dem Nebel auf

Die Jahre vergehen und McIntyre setzt seine Bemühungen fort an Originaldaten zu gelangen um die Ergebnisse von Mann und Kollegen nachzuvollziehen, wird aber weiter erfolgreich daran gehindert. In der Zwischenzeit publiziert Mann eine weiter Studie [8] in welcher er seine Baumringdaten trotz aller Kontroversen verteidigt. Einer der Co-Autoren von Mann, von welchem auch Baumring-Daten stammten, ist Professor Keith Briffa [9] von der Climate Research Unit (CRU) in Großbritannien. Professor Briffa veröffentlichte ebenfalls 2008 eine eigene Studie [10] in welcher er Datenserien aus Yamal in Russland verarbeitete. In dieser Studie bestätigte Briffa im Prinzip die Aussagen des Hockeysticks. Danach wären die heutigen Temperaturen in Nordwest-Eurasien höher als zur Zeit der mittelalterlichen Wärmeperiode und die höchsten der letzten Tausend Jahre.

Damit bestätigte Briffa auch die Ergebnisse einer Studie mit diesen Daten, welche er bereits im Jahr 2000 in den Quaternary Science Reviews [11] veröffentlicht hatte. Bereits diese Veröffentlichung hatte McIntyre stutzig gemacht, weil sie eine außergewöhnliche Erwärmung im 20. Jahrhundert fand, welche die beiden russischen Autoren die diese Baumring-Daten ursprünglich gesammelt hatten, nicht finden konnten [12]. Von diesen Widersprüchen unbeeindruck fand jedoch nur die Interpretation der Daten von Briffa weitere Verbreitung in der Klimawissenschaft [13, 14, 15, 15, 17, 18]. Es ist schon beinahe müßig zu erwähnen, dass alle Publikationen eine ungewöhnliche Erwärmung im 20. Jahrhundert fanden.

Was McIntyre jedoch an dieser Veröffentlichung am meisten interessierte waren nicht die publizierten Ergebnisse, sondern die Tatsache, dass sie in den Philosophical Transactions of the Royal Society erfolgte. Dieses Magazin hat strikte Richtlinien, alle zugrunde liegenden Daten korrekt zu archivieren. Und dieser Umstand ermöglichte es Steve McIntyre jetzt erstmals erfolgreich Zugang zu diesen Daten zu erhalten.

4. Akt: Licht ins Dunkel

Allerdings erwiesen sich die zuerst veröffentlichten Datensätze als ziemlich enttäuschend. So war aus den Baumring-Daten zunächst nicht ersichtlich, von welchen Orten die jeweiligen Proben stammten. Auch verwendete Briffa ein veraltetes Datenformat welches zuletzt zur Zeit der Speicherung auf Lochkarten verwendet wurde. Steve McIntyre war jedoch weit davon entfernt sich über diese Umstände weiter zu wundern. Bestätigte es doch seine Erfahrung, dass Klimaforscher alles daran setzen ihre Daten eben nicht öffentlich verfügbar zu machen. Und so machte er sich in detektivischer Kleinarbeit daran, jede mögliche Information aus dem Datensatz herauszubekommen und es gelang ihm viele der verbliebenen Lücken zu füllen.

McIntyre setzte seine Untersuchungen zum “Fall Briffa” über das ganze Jahr 2009 fort und berichtete regelmäßig über die Fortschritte. Auch schaute er gelegentlich auf die Homepage von Professor Briffa in der Hoffnung, dass doch noch aussagekräftige Daten öffentlich gemacht würden. Seine Beharrlichkeit und Geduld wurde schließlich im September belohnt, als ihn ein Leser seines Blogs darauf hinwies, dass es bei Briffa jetzt die vollständigen Daten öffentlich gemacht wären. Jetzt, zehn Jahre nach Briffas erster Veröffentlicheung und drei Jahre nachdem McIntyre zum ersten mal die Daten angefragt hatte, konnte er sich daran machen die letzten Fragen zu beantworten.

Mit dem jetzt vollständigen Yamal-Datensatz gelang es McIntyre die Analysen des Mann Co-Autors Briffa nachzuvollziehen. Dabei fielen ihm zunächst einige Ungereimtheiten auf. Wie konnte es sein, dass gerade für die jüngste Vergangenheit die wenigsten Daten verfügbar waren? Gab es für diesen Zeitraum nicht mehr verfügbare Proben? Oder hat sich Briffa nur solcher Datensätze bedient, welche als Resultat einen Hockeyschläger mit einer außergewöhnlichen Erwärmung im 20. Jahrhundert ergeben?

5. Akt: die Erwärmung im 20. Jahrhundert löst sich in Luft auf

Wie so oft in solchen Fällen kam Hilfe von unerwarteter Seite. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Yamal-Datensätze hatte Briffa noch weitere Daten von Messungen im Sibirischen Ural öffentlich zugänglich gemacht. Und mit Hilfe dieser Daten gelang es McIntyre das Puzzle zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Es stellte sich nämlich heraus, dass Briffa aus einem sehr großen Satz an Verfügbaren Daten nur eine kleine Anzahl, nämlich zwölf, ausgewählt hatte.

Vergleich der Anzahl der Proben aus Briffas Archiv-Daten und der Modifikation durch McIntyre (Quelle: wattsupwiththat.com)

Um herauszufinden, welche Motivation hinter dieser sehr dünnen Auswahl an Daten stand, führte McIntyre einen einfachen Test durch in dem er die zwölf Proben aus der Yamal-Serie durch eine größere Schar an Proben ersetzte, welche von dem Schweizer Klimatologen Fritz Schweingruber gesammelt worden waren. Diese stellen allein durch die größere Anzahl an Einzelproben (34) eine verlässlichere Datenbasis dar, als die Yamal-Serie.

Und dabei kam McIntyre zu überraschenden Ergebnissen. Wenn man die Daten aus dem Schweingruber-Satz aufträgt, verschwindet der berühmte Hockey-Stick. Und nicht nur das, die Kurve wird für die jüngste Vergangenheit sogar negativ. Kombiniert man die beiden Datensätze, so ergibt sich für das 20. Jahrhundert ein flacher Kurvenverlauf.Dieses Ergebnis lässt nur einen Schluss zu: Aus den Baumring-Daten wurden von Briffa nur eben jene ausgewählt, welche zum gewünschten Ergebnis führten, nämlich einer außergewöhnlichen Erwärmung für das Ende des 20. Jahrhunderts!

Epilog: Wie glaubwürdig stellt sich die Klimaforschung dar?

Man mag sich fragen, welche Relevanz die Ergebnisse, welche Steve McIntyre in aufopferungsvoller Kleinarbeit gefunden hat, für die Klimaforschung als solche haben. Die Brisanz dieser Resultate wird einem deutlich, wenn man sich vor Augen führt, was für eine große Anzahl an Publikationen sich auf die Arbeit von Professor Briffa berufen und dass eben diese Arbeiten vom IPCC immer wieder dazu genutzt werden die Richtigkeit von Michael Manns “Hockeystick” herauszustellen. Wenn sich nun herausstellt, dass die Grundlage vieler dieser Studien auf geschickter Auswahl bestimmter Einzelergebnisse beruht, welche “herausgepickt” wurden, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen, erscheint eine gewisse Skepsis mehr als Angebracht. Und diese Skepsis sollte immer dann besonders groß werden, wenn Forscher sich weigern die Rohdaten ihrer Forschung für die Öffentlichkeit verfügbar zu machen.

Weitere Informationen:

Climate Audit

Watts Up With That

The Yamal Implosion (Bishop Hill)

(Quelle Bild “Hockeystick”: wikimedia.org)

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3 Kommentare
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  1. Einfach der vollständigkeit halber: Die Kritik an den Klimawissenschaften ist nicht etwa 5 Jahre alt. Es gibt einen Dokumentarfilm (“the global warmin conspiracy” oder so ähnlich) aus dem Jahre 1996

    Neunzehnhundertsechsundneunzig

  2. Kritik an der Klimahysterie gibt es schon seit den 80er Jahren. Z.B. “Fact and Fancy on Greenhouse Earth”, erschienen im Wall Street Journal am 30. August 1988. Siehe .

  3. Die Ökowissenschaft ist keine Naturwissenschaft die unvoreingenommen Erkenntnisse sammeln möchte, sondern Teil der Ökoreligion. In diesem Sinne gilt es analog anderer Religionen Dogmen “zu beweisen”.

    Die selektive Nutzung der Daten ist ein übliches Instrument der Ökowissenschaft. Weitere interessante Fälle sind:

    Die Kinderkrebsstudie die anhand erfrischender Methoden einen Zusammenhang zwischen umweltfreundlichen Kernkraftwerken und Leukämie nachzuweisen sucht.

    Die ungelöste Atommüll Endlagerfrage.

    Auf der Seite http://www.oekoreligon.npage.de werden einige Dogmen der Ökoreligion analythisch hinterfragt.

    Vandale

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