Das Erdölzeitalter beginnt

17. Februar 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Erdöl, Klimawandel

Man kann die ob der Entwicklung unseres Klimas ängstlichen und besorgten Zeitgenossen mit der Unmöglichkeit konfrontieren, schlechtes Wetter zu vermeiden. Man kann auch  mit den Wissenslücken in den Projektionen der künftigen klimatischen Bedingungen argumentieren. In jedem Fall lautet eine beliebte Rückzugsposition, die Maßnahmen zur Vermeidung des Klimawandels wären auch ohne diesen sinnvoll. Denn eine Umstellung unserer Energieversorgung auf „kohlenstoffarme“ Energieträger müsse sein. Insbesondere Erdöl stünde bald nicht mehr zur Verfügung. Das Ende des Erdölzeitalters wäre gekommen.

Oft wird die Hypothese über das globale Fördermaximum („Peak Oil“) ins Feld geführt. Wenn denn die Neufunde die Fördermengen nicht mehr ausgleichen oder übertreffen, so die Kernaussage dieser Idee, dann werden immer knappere Reserven auf eine immer größere Nachfrage treffen. Enorm steigende Preise könnten in der Folge ökonomisches Chaos verursachen. Und irgendwann wäre das Angebot zu klein, um unsere gegenwärtige Zivilisationsstufe zu halten. Aus dieser düsteren Zukunft einer in das Mittelalter zurückgeworfenen Welt winkt Mad Max den Ängstlichen im Traume bereits zu.

Ist diese Befürchtung realistisch?

Reserven und Ressourcen

Diese Fieberphantasien sind oft Folge eines mangelnden Verständnisses für die Differenzen und Kopplungen zwischen Reserven und Ressourcen. Und sie beinhalten einen unverständlichen Pessimismus hinsichtlich der Kreativität unserer Techniker und Ingenieure.

Die Erdölressourcen entstammen im wesentlichen den drei unterschiedlichen Vorkommensarten konventioneller Ölfelder, Ölsande und Ölschiefer. Zusammengenommen, so die zur Verfügung stehenden Daten, enthalten diese noch 612 Gt Rohöl (eine Gigatonne (Gt) entspricht einer Milliarde oder 109 Tonnen).

In ihrer Geschichte hat die Menschheit nach Schätzungen bislang erst 155 Gt Rohöl gefördert, also nur etwa 20% der bekannten Vorkommen. Nahezu 80% des Rohöls ist noch vorhanden.

Aber erst mit der Möglichkeit, eine Lagerstätte auch technisch zu marktfähigen Kosten erschließen und ausbeuten zu können, werden aus Ressourcen Reserven. Und letztere entsprechen derzeit einer Menge von 212 Gt, von denen 160 Gt den konventionellen Vorkommen und 52 Gt den Ölsanden zuzurechnen sind.

Das „derzeit“ ist wichtig, denn das Verhältnis von Ressourcen und Reserven ändert sich dynamisch. Nicht nur Neufunde sind dabei in das Kalkül einzubeziehen, sondern auch der technische Fortschritt bei Explorations- und Fördersystemen sowie die Entwicklung des Ölpreises.

Die Peak-Oil-Hypothese bildet dabei nur einen Teil der Wirklichkeit ab und ist im Prinzip unbrauchbar. Denn sie erfaßt nur die konventionellen Ölfelder, Ölsande und Ölschiefer werden ausgeblendet. Mit zusammen 361 Gt übersteigt aber die Menge der Ressourcen in den unkonventionellen Lagerstätten die Menge der herkömmlichen von 251 Gt erheblich. Spätestens seit dem Jahr 2002, als infolge der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten große Menge an Ölsanden erstmals von Ressourcen zu Reserven aufgewertet wurden, ist die Peak-Oil-Hypothese obsolet.

Im Jahr 2008 wurden weltweit aus konventionellen Feldern sowie aus Ölsanden 3,9 Gt Rohöl gefördert. Nimmt man diese Menge als konstant an und läßt die Dynamik der Märkte und des technischen Fortschrittes ebenfalls außen vor, so würden die verfügbaren Reserven noch für die kommenden 54 Jahre ausreichen. Diese sogenannte Erdölkonstante weist derzeit den höchsten Stand seit Beginn der großtechnischen Ölförderung im 19. Jahrhundert auf.    

Soweit die Fakten. Die bekannte Menge an Ressourcen und Reserven ist in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen. Gleiches gilt für die statische Reichweite, die Erdölkonstante. Sie eilt von Rekord zu Rekord. Und auch die Umsätze und Gewinne in der Ölbranche folgen diesem Trend.

Spekulationen hinsichtlich eines möglichen abiotischen Ursprungs von Erdöl und einer „Wiederauffüllung“ von Lagerstätten in nennenswertem Umfang sind sicher interessante Ideen für den wissenschaftlichen Diskurs. Man benötigt sie aber nicht, um der Angst vor der Ölverknappung entgegenzutreten.

Vielmehr verrät diese Angst einen merkwürdig eingeschränkten Blick auf den technischen Fortschritt. Aller Optimismus, der in Fragen alternativer Energieträger vertreten wird, ist wie weggeblasen, wenn es um das Öl geht. Man ist überzeugt, bald preiswerten Strom in großer Menge aus Wind-, Solar-, und geothermischen Kraftwerken erzeugen zu können, um damit Elektromobilität zu ermöglichen. Man ist überzeugt, Treibstoffe in großen Mengen umweltverträglich aus Pflanzenabfällen herstellen zu können, um damit Benzin und Diesel zu substituieren. Aber aus Ölsanden und Ölschiefer ebenso wirtschaftlich und umweltverträglich Rohöl gewinnen zu können, soll uns niemals möglich sein?

Der Beginn des Erdölzeitalters

Es wird keine Abkehr vom Öl geben, so lange Reserven und Ressourcen in der vorhandenen Größenordnung auf ihre Nutzung warten. Es wird immer möglich sein, Erdöl zu marktfähigen Kosten zu fördern. Und daher wird es auch immer diejeinigen geben, die es durchführen, und diejenigen, die das Öl nutzen, sprich verbrennen.

Vielleicht wird Erdöl noch für 50 Jahre ein wesentlicher Bestandteil unserer Energieversorgung sein, vielleicht für 100 Jahre, das kann niemand sagen. Aber in der Zukunft wird ein Vielfaches von dem gefördert und verbraucht, was bislang in der Menschheitsgeschichte schon verbraucht wurde, soviel ist sicher. Denn die Menge der Reserven übersteigt die bislang insgesamt geförderte Menge Erdöl deutlich. Und eine noch viel größere Menge an Ressourcen wartet auf kreative Ingenieure. Es ist der Beginn des Erdölzeitalters zu verkünden – und nicht dessen Ende.

Und es wird trotzdem nicht genügen

Die genannten Zusammenhänge gelten nicht nur für das Erdöl, sondern auch für Kohle und Erdgas. Bei den letzteren sind die Vorräte, die Ressourcen und Reserven, sogar noch weit größer, als bei Erdöl. Und trotzdem werden die Mengen an fossilen Rohstoffen nicht genügen, den Hunger der Menschheit nach Energie, nach Wärme, Strom und Treibstoff, zu befriedigen.

Der globale Bedarf an Primärenergieträgern verdoppelt sich nach den bisherigen Trends etwa alle 50 Jahre. Nach allen Referenzszenarien diverser Forschungseinrichtungen wird sich diese Entwicklung weiter fortsetzen.

Das Bild zeigt ein solches Standardszenario. Es stammt vom National Institute for Environmental Studies in Japan und ist wurde neben anderen zur Berechnung unserer zukünftigen Emissionen für die IPCC-Klimaprojektionen verwendet.

Hier sind die Primärenergieträger nach bisherigem und für die Zukunft angenommenem Energieumsatz aufgetragen. Man erkennt den enormen Anstieg des Energiebedarfes bis zum Jahr 2100 um einen Faktor von mehr als 4 gegenüber dem Jahr 2000.

Bei allen verfügbaren Daten über Ressourcen und Reserven, bei allem Optimismus hinsichtlich Förder- und Explorationstechnologien, bei allen denkbaren Effizienzsteigerungen: Die fossilen Rohstoffe werden dafür nicht reichen. Und auch, wenn man Uran und Wasserkraft als etablierte Energieträger hinzuzählt: Es wird immer noch nicht genügen.

Nicht das Klima erzwingt die Entwicklung alternativer Technologien. Nicht die mangelnde Verfügbarkeit von Erdöl oder anderen natürlichen Ressourcen macht es erforderlich, neue Formen der Energieversorgung zu erfinden. Nein, es ist schlicht und einfach die Erfüllung des Bedarfes.

Dem Szenario zufolge werden wir im Jahr 2100 noch immer so viel Erdöl verbrauchen, wie heute. Mit Kohle und Erdgas wird sich die benötigte Menge an fossilen Energieträgern mehr als verdoppeln. Auch die Kernenergie wird eine höhere Bedeutung haben. Aber all diese konventionellen Energieträger zusammengenommen können dann nicht einmal mehr die Hälfte des Gesamtbedarfes decken.

Es ist zwingend: Wir müssen Alternativen entwickeln, denn ohne diese werden wir der Welt keine positive Entwicklung ermöglichen können. Wir werden ansonsten den Menschen, die hungern, die nicht über Wasser, Elektrizität, Hygiene, ein Gesundheitswesen und Mobilität verfügen, nicht helfen können.

Es ist zwingend: Aus dem gleichen Grund dürfen wir nicht auf die konventionellen Energieträger, insbesondere nicht auf das Erdöl, verzichten.

Die Fantasiewelt voller Solar-, Erdwärme- und Wasserkraftwerke ist keine schlechte Welt. Auch ich halte eine Menge von der Förderung von Innovationen (wenn sie denn richtig gemacht wird und nicht als Subvention den Markt verzerrt). Aber zur oft beschworenen Verantwortung für die kommenden Generationen zählt eben auch der Hinweis darauf, daß diese Welt nicht ohne Öl auskommen kann. Das eine kann das andere nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Alles wird gebraucht.

Das Argument, auch ohne Klimawandel müßten wir dringend aus der Nutzung des Erdöls aussteigen, weil es knapp wäre und bald nicht mehr zur Verfügung stände, ist nicht nur nicht tragfähig. Es ist angesichts der realen Probleme dieser Welt, die eben nicht das Klima, sondern Hunger und Armut betreffen, verantwortungslos.

Quellen:

(1) Die Zahlen zu den bekannten Erdölvorräten stammen aus der Kurzstudie „Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2009“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

(2) Die Emissionsszenarien des IPCC finden sich hier.

Ähnliche Beiträge (Automatisch generiert):

Print Friendly

16 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Mich würde interessieren wo die 50 Jahre Bedarfsverdoppelung herstammen (Quellenangaben)? In dem Bericht den du verlinkt hast stehen ja Werte für um die 20 Jahre drin.
    Man nehme sich ruhig mal eine Stunde und beachte zu dem Thema auch diese Vorlesung (ist einfach nur Mathe).
    Ich sehe das ganze zugegebener Maßen etwas dramatischer besonders im Bezug auf Öl, weil das ist einfach zu schade zum Verheizen (Verpackung, Medizin, Chemie).

  2. @Peter Heller:
    Es wäre noch gut, wenn du die Werte zu Reserven, Ressource etc. in Barrel angeben könntest. Ist bei Erdöl einfach gebräuchlicher und zudem hab ich nur in dieser Einheit Zahlen im Hinterkopf :-)

    Das Hauptproblem an deinem Text ist in meinen Augen, dass nicht klar ist, wie und ob die Produktion aus unkonventionellem Öl schnell genug gesteigert werden kann. Vor ca. einem halben Jahr erschien eine recht interessante Studie in Energy Policy zum Peak Oil.

    [Bitte in Zukunft die „link“-Funktion nutzen, der Admin]

    Daraus:
    „How many years, then, might the peak be delayed as a result of unconventional sources of oil?
    In terms of formulating an answer,some general considerations follow: if the peak of crude oil and NGL production occurs in the next few years, the amount of oil produced from unconventional sources would not be relevant enough to change the future scenario significantly; however, if the peak of crude oil and NGL occurs later, in the mean time the production of unconventional oil could increase enough (from OECD/IEA (2008b), it can be estimated that global oil production from processing gains, shale oil, oilsands, and arctic/ultra-deepwater will be approximately 12% in 2030 and 20% in 2050) to affect the peak itself (a third peak associated with unconventional oil could also occur, but would probably be less pronounced). Nevertheless, according to a comparison of estimates (Foucher, 2008), we should not expect a significant shift in the peak year. In such a case, oil prices should even increase; therefore, the era of abundant and cheap oil would also end.
    It can be argued that unconventional oil, rather than significantly affecting the oil peak, will most likely affect the ‘‘depletion year’’ (i.e., the year oil supplies will be completely exhausted), which depends ,indirectly, on production. Infact, if production drops below a critical level and cannot satisfy present consumption (or future demand, which will probably be higher), necessity will force considerable reliance on reserves (or increase investment in oil/hydrocarbons that are difficult to extract); otherwise,a serious alternative and/or substitute for oil (e.g. wide spread use of renewable energy sources) should be employed.“

    PS: Für mich reicht schon die Mondlandschaft in Alberta als Grund vom Öl unabhängig zu werden. Das müssten ihr doch genauso so sehen, oft genug habe ich schliesslich gelesen, dass ihr sehr für Naturschutz seid.

  3. @ bs

    In der Vorlesung von Dr. Albert A. Bartlett wird ein klassisches Beispiel für mathusianisches Denken präsentiert. Scheint doch Barlett genauso wie Mathus an ein exponentielles Wachsen der Bevölkerung als einer Art Grundkonstante zu glauben. Wenn man nur einmal die Vorhersagen von Malthus mit der Realität vergleicht, die dann doch ganz anders aussah, oder auch die Prophezeiungen des Club of Rome, der für Südostasien und Indien für die 80er und 90er Jahre gigantische Hungerkatastrophen vorausgesehen hat, dann muss man resümieren, dass dieses Denkmodell bislang grandios gescheitert sind.

    Was bei diesen Zukunftsprognosen immer außen vor gelassen wird, ist dass eben auch die Entwicklung voranschreitet. Durch Fortschritte in der Landwirtschaft kann eben heute ein vielfaches an Nahrung auf der gleichen Fläche produziert werden, als es noch vor 50 oder vor 150 Jahren der Fall war. Und auch, dass die Bevölkerung eben nicht zwangsläufig exponentiell anwächst, sondern dass gerade steigender Wohlstand zum Abflachen der Wachstumskurve führt, wird in solchen Berechnungen nicht berücksichtigt.

    Bei Zukunftsprognosen solcher Art ist eine Größe nun einmal schwer bis gar nicht zu quantifizieren. Und das ist der Fortschritt. Wir wissen heute eben noch nicht, welche Technologien uns in 10, 50 oder 100 Jahren zur Verfügung stehen. Das gilt für die Nahrungsversorgung und ganz bestimmt auch für die Energieversorgung. Prognosen wie solche von Malthus oder auch Bartlett können ganz präzise bestimmen, wie die Zukunft aussehen wird, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Und somit sind sie für die Vorhersage der Zukunft in einer sich stetig wandelnden Welt wertlos.

  4. @Rudolf Kipp

    Wir wissen heute eben noch nicht, welche Technologien uns in 10, 50 oder 100 Jahren zur Verfügung stehen. Das gilt für die Nahrungsversorgung und ganz bestimmt auch für die Energieversorgung. Prognosen wie solche von Malthus oder auch Bartlett können ganz präzise bestimmen, wie die Zukunft aussehen wird, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern

    Das ist mit einer der Gründe, warum ich so ein whansinniger „Fan“ des Spruches bin, wir hätten die Erde von unseren Enkeln „geliehen“ !
    Ich frag mich, wenn ich das immer so als Totschalg-Argument kommend lese, wem wir die Erde geliehen haben.
    Ist doch nichts desto Trotz was Gutes draus geworden.
    Nur die, die mit dem „Entleihen“ argumentieren, sehen das wohl irgendwie anders,,,

  5. @ Martin

    Für mich reicht schon die Mondlandschaft in Alberta als Grund vom Öl unabhängig zu werden. Das müssten ihr doch genauso so sehen, oft genug habe ich schliesslich gelesen, dass ihr sehr für Naturschutz seid.

    Ich lebe im Rheinland und bin begeisterter Naturfreund und Wassersportler. Südlich von Köln habe ich die Gelegenheit, eine solche ehemalige „Mondlandschaft“ zu erleben. In dieser Region wurde bis in die 60er Jahre Braunkohle abgebaut. Heute findet man hier ein wunderschönes Naherholungsgebiet und ausgedehnte Wälder mit zahlreichen Seen.

    Gleiches können Sie auch in den ehemaligen Braunkohle-Tagebauen im Osten der Republik beobachten. Und mehr noch, bereits vor der Renaturierung bieten solche Sukzessionsflächen Lebensräume für viele seltene Tierarten. Das führt unter anderem dazu, dass heute teilweise Umweltschützer gegen geplante „Renaturierungen“ protestieren, Eben weil dort sonst seltene Tierarten einen Lebensraum finden. Eines ist klar, Landschaften werden durch Tagebaumaßnahmen verändert. Ob diese Veränderung jedoch gut oder schlecht ist, hängt sehr davon ab, wie diese Maßnahmen durchgeführt werden und liegt zudem auch noch sehr im Auge des Betrachters.

  6. @ bs:

    Die „50 Jahre für die Bedarfsverdoppelung“ entstammen dem Referenzszenario der Internationalen Energieagentur IEA. Man kann sie aber auch aus den IPCC-Emissionsszenarien ablesen.

    Wo steht im Bericht der BGR, es gäbe eine Bedarfsverdoppelung „alle 20 Jahre“? Habe ich da was überlesen? Das wäre nun ein wirklich dramatisches Szenario…

    @ Martin:

    Mein Text ist nun keine wissenschaftliche Facharbeit und kann auch nicht in der Ausführlichkeit auf alle Fragen eingehen. Eigentlich sind tausend Wörter für das Internet fast schon zu viel -- und ich brauche mal wieder mehr. Mir ist bekannt, daß viele Experten am Substitutionspotential von Ölsanden und Ölschiefern zweifeln. Das steht ja auch so im BGR-Bericht. Nun, andere zweifeln am Substitutionspotential der Windenergie, der Biomasse, der Photovoltaik oder der Solarthermie. Im Vergleich insbesondere zur Sonnenergie muß man aber einräumen, daß Ölsande und Ölschiefer zumindest bessere Chancen aufgrund ihrer besseren Ausgangsposition haben.

    Ich wollte oben aber eigentlich auch ausdrücken, daß es an der Zeit ist, mit dem Zweifeln mal aufzuhören und Probleme zu lösen, statt zu diskutieren. Und das gilt für jeden Primärenergieträger. Ohne Ausnahme.

  7. @Peter Heller:
    Das Problem mit deiner Analyse ist schlicht, dass sie in keiner Weise deine These Das Erdölzeitalter beginnt rechtfertigt und schon gar nicht die Peak-Oil Theorie als Fieberphantasie abzutun. Dass es grosse Ressourcen an unkonventionellem Öl gibt, wird doch von niemanden bestritten. Die grosse Frage ist eben nur wie schnell diese abgebaut werden können und nicht deren absolute Menge, denn genau das ist das Peak-Oil Problem: Nicht die statistische Reichweite, sondern die Förderrate und damit die Verfügbarkeit von billigem Öl.

    Von More und Evans ist erst gerade im Januar eine Studie erschienen, die sich mit der Frage beschäftigt, ob durch unkonventionelles Öl der Zeitpunkt fürs Peak Oil wesentlich verzögert werden kann:

    Fig. 11 shows combined conventional and unconventional oil production. The conventional oil production includes three projections and is from Mohr and Evans (2008). The combined total oil production in Fig. 11 shows that the pessimistic oil production scenario peaks in 2010 at 31 Gb/y (84 Mb/d). The total oil production best guess scenario is projected to peak in 2014 at 32 Gb/y (87 Mb/d). In the optimistic scenario conventional oil peaks in 2025 and total oil production predicted to peak around 2050 (2052 at 39 Gb/y or 106 Mb/d). Although the optimistic scenario peaks in the long term future, demand for oil in 2030 is projected to be 40 Gb/y (109 Mb/d)2 (U.S. Department of Energy, 2008), whereas even in the optimistic scenario production is only 36 Gb/d (99 Mb/d), so even with optimistic scenarios there will be insufficient oil supplies by 2030. Combining conventional and unconventional oil production indicates that only in a very optimistic scenario can oil production peak after the next 5 years.

  8. @ Martin:

    Wow, jetzt schreibe ich schon „Analysen“!!!

    Nein, „Analysen“ verfasse ich für meinen Arbeitgeber und meine Kunden. Hier verfasse ich höchstens kleine Provokationen. Simple Argumente, die dabei helfen sollen, auch mal einen anderen Standpunkt anzunehmen.

    Wie wäre es also ganz einfach mal mit diesem: Wenn es einen solch großen Bedarf an Erdöl gibt, und wenn es solche Mengen an Ressourcen gibt, die diesen Bedarf noch viele Jahrzehnte decken können, ist es dann nicht unvorstellbar, daß diese Ressourcen nicht genutzt werden?

    Ich lebe in einer Welt, in der solche Dinge eben genau nicht unvorstellbar sind, sondern im Gegenteil mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stattfinden werden. Ich muß konstatieren, daß merkwürdigerweise viele Experten in einer Welt zu leben glauben, die ihre Möglichkeiten nicht ausschöpft. Wahrscheinlich auch deswegen, weil diese Experten Bekanntheit und Aufträge dadurch erreichen, daß sie Probleme benennen, statt Möglichkeiten.

    Ich habe hier schon oft festgestellt, daß ich wesentlich simpler denke, als meine Leser. Ständig versucht man, meine Argumente zu verkomplizieren. Nein, das ist nicht nötig. Da oben steht:

    Weil das Öl da ist, werden wir es nutzen.

    Ja, genau so einfach denke ich. Es ist einfach unvorstellbar, daß wir vor einem Haufen Ölsand oder Ölschiefer stehen und herummaulen „Oh, das ist jetzt aber schwierig, also das bekommen wir aber nicht hin.“

    Allerdings war der Artikel im Ursprung doppelt so lang. Ich hatte nämlich noch eine Menge Hinweise auf moderne Förder- und Explorationstechnologien darin aufgenommen. Dinge, die eben den Pessimismus hinsichtlich der Nutzung unkonventioneller Quellen nicht unterstützen. Ich erinnere mich auch noch gut an Diskussionen von vor 10 Jahren (so in etwa), in denen mir Experten aus tiefster Überzeugung mitteilten, Ölsande würden niemals großtechnisch ausgebeutet. Nun ja…

    Mit „Fieberphantasien“ sind solche gemeint, die den bevorstehenden Untergang der Zivilisation aus der Peak-Oil-Hypothese herauslesen. Das darf man natürlich, ist ja ein freies Land. Aber dann wird man eben auch mal ausgelacht.
    Damit muß man dann leben.

  9. Obwohl unser Globus mit Sicherheit mehr Öl für uns eingelagert hat oder es sogar abiotisch ständig neu produziert (bisher eine Hypothese, die aber von den Schweden kürzlich recht plausibel untermauert wurde), halte ich diesen „pluripotenten“ Rohstoff einfach für zu schade, ihn zur bloßen Energiegewinnung zu verheizen -- wie die Neandertaler alles Brennbare, nachdem ihnen Prometheus das Feuer schenkte.
    Die Synthesechemie hat mit dem Öl schon viel Wertvolles hervorgebracht und wird künftig weiteres liefern können. Dort liegt der eigentlich Wert.
    Die Energiefrage wird künftig wohl nicht mehr so stark am Öl festgemacht werden müssen, weil sichere und effektive Kernreaktortechnologien früher zur Verfügung stehen werden als „in 50 Jahren“, wie bisher angenommen. Allerdings gilt das nur unter der Voraussetzung, daß nicht wieder technologiefeindliche Deppen auf die Straßen ziehen, einfältige Politiker populistisch ins gleiche Horn tuten oder Unternehmen aus kapitalmarktrelevanten Gründen bremsen.
    Über die Fusion wurde hier im Blog schon einmal berichtet, glaube ich zumindest
    Übrigens: Die Kernfusion im kalifonischen Lawrence Livermore Lab. mit dem NIF hat nun schon mal funktioniert 😉 -- auch wenn diese spezielle Technologie vielleicht nicht zwingend das Mittel der Wahl sein muß. Zwei andere Techniken werden dafür auf den Prüfstand zu stellen sein und sind in Arbeit.

  10. @ Theobald Tiger #9

    Über die Fusion wurde hier im Blog schon einmal berichtet, glaube ich zumindest

    Das stimmt, und zwar hier:
    Brauchen wir die Kernfusion?

  11. @ Tiger:

    Bei Erdöl geht es ja im wesentlichen um Treib- und Heizstoffe. Ich bin zwar sehr überzeugt davon, daß wir Elekromobilität in größerem Maßstab bekommen werden, glaube aber auch hier nicht an eine Substitution. Vielmehr werden die Elektrofahrzeuge die konventionellen sinnvoll ergänzen. Elektromobilität ist eigentlich nur ein Weg, den steigenden Mobilitätsbedarf zu erfüllen, mit ihr können Wachstumsraten dargestellt werden, die mit der konventionellen Technologie nicht mehr möglich wären.

    Die Menge an Erdöl, die für die Grundstoffe der chemischen Industrie benötigt wird, ist gegenüber der Treibstoffproduktion vernachlässigbar. Außerdem sind unsere Raffinerieprozesse so angelegt, daß Propen, Buten (aber bspw. auch Bitumen) usw. bei der Herstellung von Benzin, Kerosin, Heizöl und Diesel ohnehin anfallen. Man kann hier also nicht von einem entweder-oder sprechen.

    So schön das mit der Kernfusion auch wäre, sie wird nun schon seit so vielen Jahrzehnten in Aussicht gestellt, daß ich da etwas mißtrauisch geworden bin. Man kann in Zukunftsszenarien nach meiner Auffassung keine Technologien einbauen, die ihre Funktionalitäten noch nicht unter Beweis gestellt haben. Bei Ölsanden und Ölschiefern hingegen ist das anders. Zwar sind viele technische Ansätze noch nicht wirtschaftlich durchführbar, aber es wurde zumindest demonstriert, daß sie das gewünschte Resultat erbringen. Glaubt man der Wikipedia, wurde schon im Dritten Reich in geringem Umfang Treibstoff aus Ölschiefer gewonnen. Es gibt heute einige Produktionsanlagen, die den Ölschiefer (durch direkte Verbrennung) als Energiequelle nutzen.

    Eine Quelle, die in der Wikipedia angegeben wird, ist diese, hier heißt es u.a.:

    Die Southern Pacific Petroleum Company (SPPC) stellte seit Anfang der 1980er Jahre synthetisches Rohöl aus Tertiären Ölschiefern her, die nahe der Stadt Gladstone im australischen Bundesstaat Queensland im Tagebau abgebaut wurden. Rechnerische Reserven von etwa 26 Milliarden Faß (1 Faß = 159 Liter) ließen die Lagerstätte in die Nähe der konvenionellen Erdölreserven Libyens, einem wichtigen OPEC-Land, rücken!

    Gut, das Projekt wurde 2002 wieder eingestellt, neben den üblichen Aufständen der Umweltschützer gab es wohl technische Probleme. Aber immerhin hat man es 20 Jahre lang durchgeführt, es hat also funktioniert.

    Auch hier kommt der Autor zu dem Schluß, damit wäre nun belegt, daß Ölschiefer kein Substitutionspotential hätte. Ich gelange halt zum genau gegenteiligen Schluß. Wenn es technisch funktioniert, wird es auch umgesetzt, wenn es einen Markt und Kunden dafür gibt. Eigentlich besagt die Peak-Oil-Hypothese also nur: Es wird einen Bedarf für die Nutzung des Ölschiefers geben. Und dann werden sich auch entsprechende Investoren finden, die derartige Projekte wieder neu auflegen. Die Technologie ist vorhanden. Die Rahmenbedingungen, unter denen sie wirtschaftlich sein kann, werden automatisch eintreten. So simpel sehe ich das.

  12. Weil das Öl da ist, werden wir es nutzen.

    Es ist wirklich so einfach, solange Öl da ist wird es auch genutzt werden. Das trifft auch für Kohle zu. Dies verhindern zu wollen, erinnert mich an Windmühlen und Don Quichotte.

    Falls es in Zukunft Alternativen zu den fossilen Energieträgern gibt, welche auch preislich konkurrieren können, wird es eine Veränderung geben. Solar-, Wind- und Wasserkraft werden da nicht ausreichen, also bleibt uns nur die Hoffnung auf einen technologischen Fortschritt, vielleicht bei der Kernfusion.

  13. @ Peter Heller
    Für Erdöl S.17 letzter Absatz „…die Hälfte davon innerhalb der letzten 22 Jahre.“
    Für Erdgas S.21 3.Abs „Die Hälfte davon wurde allein innerhalb der letzten 17 Jahre gefördert.“
    Für Kohle war keine direkte Angabe zu finden, aber aus S.24 Abs.3 kann man zumindest schließen, daß die in ähnlichen Bereichen liegen wird.

    @ Rudolf Kipp
    Die Vorlesung dreht sich zwar in großen Teilen um Bevölkerungswachstum, aber darauf wollte ich gar nicht wirklich raus. Da mir das zugegebener Maßen auch zu schwer zu überschauen ist. Dem Argument mit dem Wohlstand vs. Bevölkerungswachstum stimm ich auch zu (ist hier ja zu beobachten). Mir ging es mehr um die Anwendung den Ressourcenverbrauch. Durch zunehmenden Wohlstand ist aber eben auch zunehmender Energieverbrauch zu erwarten. Und im Bereich der Energieerzeugung sind die technischen Möglichkeiten der nächsten 10 -- 20 Jahre recht gut überschaubar. Große Sprünge sind hier in der Zeit nicht zu erwarten. Wegen Dauer der Grundlagenforschung, Dauer bis zur Praxistauglichkeit usw. Demzufolge bleibt erstmal nur die effizientere Nutzung. Um es mal mit einem Beispiel zu begleiten. Oft wird hier ja auch mit der Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Industrie argumentiert. Ich war mal ein Jahr lang in der Leiterplattenfertigung tätig, ein Industriezweig der neben elekt. Energie auch sehr viel Wärmeenergie im Bereich unter 100°C braucht. Aktueller Stand in DE ist alle benötigte Energie wird elektrisch Verbraucht (also auch aus Strom Wärme erzeugt). Dabei entsteht doch bei der Stromerzeugung Abwärme, welche „vermüllt“ wird. Die Industrie ist hier selbst zu investitionsfaul um sich mal ein Blockheizkraftwerk in den Keller zu stellen, welches aus Gas (billiger als Strom) mal Nutzwärme und Strom erzeugt. Und mir fällt eben hier auch nichts anderes ein, als diese Faulheit mit höheren Kosten zu bekämpfen. (Alternative Vorschläge erwünscht)

  14. @bs:

    Sie haben da etwas mißverstanden.Der Text oben handelt vom globalen Anstieg des Energiebedarfes. Dieser verdoppelt sich eben so etwa alle 50 Jahre. Hierfür habe ich Ihnen die Quellen genannt. Derartige Zukunftsprojektionen sind in der BGR-Studie genau nicht enthalten.

    Daß man diesen Bedarfsanstieg nicht durch Erdöl, und langfristig auch nicht durch die konventionellen Energieträger decken kann, ist doch nun Thema des Textes.

    Zum Thema „Abwärme zu Strom“: Thermoelektrizität. Entsprechende Technologien haben ihre Funktionalität schon seit Jahrzehnten unter Beweis gestellt (in Raumsonden bspw.). Ich rechne damit, derartiges sehr rasch bspw. im Automobil zu finden, womit dann allerdings der Benziner oder Diesel einen noch deutlicheren Effizienzvorsprung gegenüber dem Elektroauto gewinnen.

    Ein anderes Beispiel ist „Energy harvesting“ -- also die direkte Gewinnung von Strom aus der Bewegung, ohne Zwischenschritt, genau wie bei thermoelektrischen Elementen.

    Effizienzsteigerung ist nicht immer das Mittel der Wahl. Insbesondere, wenn man etwas einsparen will, ist Effizienzsteigerung wegen der Rebound-Effekte oft kontraproduktiv. Manchmal ist es besser, den Energie- und Stoffumsatz zu erhöhen, wenn man denn vernünftige „Recycling-Konzepte“ etablieren kann.

    Aber auf diesem Auge ist der Ökologismus eben auch blind.

  15. Ergänzung:

    Bezieht sich zwar auf Erdgas, aber in Verbindung mit meinem obigen Text ist die folgende Passage aus der aktuellen Jahrespressemitteilung des Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. doch interessant:

    Im Inland erweise es sich als zunehmend schwieriger, neue Erdgasmengen zu erschließen. Der WEG-Vorsitzende erwartet, dass in Zukunft in Deutschland in erster Linie unkonventionelle Lagerstätten entwickelt werden. Hierfür gebe es ein großes Potenzial, das mit innovativen Technologien und großen Investitionen neue Arbeitsplätze schaffen und die Gasversorgung sichern kann.

    Und weiter heißt es:

    Mit Blick auf das geplante Energiekonzept der Bundesregierung sei es für das Technologieland Deutschland sinnvoll, ein möglichst technologieoffenes und wettbewerbsorientiertes Energiekonzept zu entwickeln und nicht einen Energiemix politisch vorzugeben.

    Ja, das denke ich auch. Der Wettbewerb auf freien Märkten ist der beste Problemlöser, den wir haben.

  16. Der obige Artikel missachtet die simple Tatsache, dass man Energie benötigt um Energie fördern zu kommen. Man bezeichnet das Verhältnis des Energie-Gewinns zur bei seiner Förderung eingesetzten Energie im Englischen als ‚Energy Return on Energy Investment‚ (ERoEI). Der ERoEI der Förderung konventionellen Erdöls betrug zu Beginn des Erdölzeitalters ca. 100, heute liegt er bei unkonventionell gefördertem Erdöl bei Tiefseebohrungen zwischen ca. 14 bis 20 und bei den Teersänden bei nur ca. 3. Mit einem ERoEI von 3 kann jedoch die industrielle Konsumkultur wie wir sie heute kennen nicht aufrecht erhalten werden. Die Gesetze der Thermodynamik bestimmen auch das Wesen der fossilen Energiegewinnung entscheidend.

    Technologisch gesehen benötigt man viel mechanische Energie, Wasser und Hitze um aus Teersänden oder Teerschiefern Erdöl gewinnen zu können; die Gewinnung von Erdöl aus Sänden erfordert Bergbau-Techniken und ist damit viel Energie- und Ressourcen-intensiver als einfach nur ein Loch in die Erde zu bohren und das im Fels eingeschlossene Erdöl vom Grundwasser nach oben drücken zu lassen oder in späteren Phasen der Förderung nach oben zu pumpen. Die Technologie zur Extraktion von Erdöl aus Sänden ist heute sehr fortschrittlich, der schlechte ERoEI und die geringe Flussrate wird bei dieser Form von Erdölgewinnung auch in Zukunft wohl nicht überwunden werden können. Wenn eines Tages in Alberta mehr 3 mB/d an Erdöl gefördert werden sollten, wird das bereits eine technologische Grenze darstellen, die nicht weiter sinnvoll überwunden werden kann. Im Vergleich dazu fördern konventionelle Anbieter wie Saudi Arabien oder Russland zwischen 9 -- 11 mB pro Tag. Selbst die in Zukunft zu erwartenden Mengen an Erdöl aus Teersänden, wird nur einen Bruchteil des gewohnten Umfangs der konventionellen Förderung ausmachen.

    Das Erdöl aus den Teersänden ist zudem qualitativ nicht sehr hochwertig. Es muss mit Erdöl besserer Qualität gemischt werden um den gängigen industriellen Standards zu genügen.

    Die zur Extraktion des Erdöls aus Teersänden benötigten Wasser- und Energiemengen sind enorm. Es wird doppelt so viel Wasser benötigt wie Erdöl gefördert wird und dieses Wasser wird heute von den Betreibern einfach ungeklärt in künstliche Seen entlassen, die deshalb hochgradig mit Erdöl und Schwermetallen kontaminiert sind. Diese künstlichen Industrieseen haben inzwischen eine derart immense Größe erlangt, dass sie bereits auf Satellitenbildern auffällig werden. Das Grundwasser und die natürlichen Seen rund um Alberta sind heute schon hochgradig mit den Giften aus dem Erdöl-Extraktionsverfahren kontaminiert. Die Einwohner klagen über hohe Raten an Krebserkrankungen. Der Erdöl-Bergbau in Alberta ist deshalb ein großes Unglück für die Menschen, die Tiere und die Natur in Kanada.

    Erdöl gibt es in der Tat noch in sehr sehr großen Mengen auf der Erde, aber die peak oil-Theorie bezieht sich nicht auf die absoluten Mengen an Erdöl im Erdreich, sondern auf die möglichen Flussraten (= förderbares Volumen pro Tag) seines Abbaus. Zu Beginn des Erdölzeitalters hatte man die am tiefsten hängenden Früchte gepickt und konsumiert. Dann ging man zu den schwieriger zu fördernden Quellen wie etwa in der Tiefsee über und heute fördert man sogar unökonomische Quellen mit geringen Flussraten, schlechtem ERoEI und unter riesigem Energie- und Materialeinsatz. Teersände sind wie Braunkohle keine ergiebige Energiequelle weil man davon riesige Volumen bewegen und verarbeiten muss, um daraus Energie extrahieren zu können. Die Energiedichten dieser Lagerstätten sind einfach zu gering. Wenn ein Kojote für die Jagt nach Beute mehr Energie einsetzen muss als er aus dem Verzehr der Beute erlangt, wird er verhungern und genau dieses Schicksal wird das Erdöl-Zeitalter in absehbarer Zeit ereilen. Die Gesetze der Thermodynamik lassen sich nicht umgehen.

    Aufgrund ihres schlechten ERoEIs und der minderwertigen Qualität bezeichnet man Teersände und Schieferöle auch als das Narren-Gold der Erdölwirtschaft. Da die alten hochergiebigen und ERoEI-günstigen Ölfelder aus den 50er und 70er Jahren bereits entweder verbraucht sind oder sich im Begriff der raschen Depletion befinden, wird die Flussrate an geförderten Erdöl bereits in der nahen Zukunft rasch abnehmen. Bereits um 2015 dürfte das Volumen an täglich global geförderen Erdöl von heute ca. 85 mB auf etwas über 60 mB abgesunken sein! Das Erdölzeitalter befindet sich deshalb in seinen letzten Zügen und hat auch unter größtem Technologie-Einsatz keine Zukunft mehr.

    Unsere Zivilisation wird eine neue Lebenskultur mit viel weniger Energie und industriellen Konsum erfinden müssen. Die Straßen werden sich von Automobilen leeren und es wird auch immer weniger Flugzeuge am Himmel geben. Die industrielle Zivilisation wird gemäß der Olduvai-Theorie von Dr. Richard Duncan, etwa um das Jahr 2025 aufgrund der raschen Depletion nicht erneuerbarer fossiler Ressourcen beendet sein, denn nicht ’nur‘ das billige Erdöl geht zur Neige, sondern auch hochwertige energiedichte Kohle, deren globales Fördermaximum etwa um das Jahr 2025 erreicht sein wird. Zudem müssen wir uns aus den gleichen Gründen Sorgen machen um den Erhalt einer ertragreichen Landwirtschaft, denn auch einige hierfür essentielle Grundlagen wie z.B. Phosphat, dessen Fördermaximum um das Jahr 1989 erreicht wurde, gehen zur Neige.

Schreibe einen Kommentar