Das Vorsorgeprinzip oder das letzte Gefecht

14. Januar 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Medien, Politik, Wissenschaft

Angesichts des kalten und schneereichen Winters geschieht in diesen Tagen Erstaunliches im deutschen Fernsehen. Zwei Sendungen zum Klimawandel brachen nacheinander mit zementierten Traditionen. Zunächst sendete der MDR im Rahmen seiner Sendung „Fakt ist“ eine Diskussion zur Klimadebatte (11.01.2010), Tags drauf folgte NTV mit „Das Duell“. Nicht nur, daß in beiden Fällen ausgewiesen skeptische Wissenschaftler (Lüdecke beim MDR, Malberg bei NTV) eingeladen waren, nein, diese kamen auch noch ausführlich zu Wort und die Moderation zeichnete sich durch strikte Neutralität (MDR) bzw. sogar durch Sympathien für den Skeptizismus (Heiner Bremer bei NTV) aus.

Also mußten die jeweiligen Opponenten (ein Juraprofessor namens Ekardt beim MDR und Bärbel Höhn bei NTV) tatsächlich die Existenz alternativer, wissenschaftlich durchaus begründeter Auffassungen einräumen.

Ungehört und ungesehen in den Medien, zumindest in meiner Wahrnehmung. Die skeptische Seite wird nicht nur gezeigt, um sie lächerlich zu machen, sie wird als ernsthafter Gesprächspartner anerkannt. Selbst das Argument der großen Zahl („aber die Mehrheit der Forscher ist überzeugt, daß…“) wurde in beiden Sendungen unisono von beiden Seiten vom Tisch gewischt. Und wieder ist eine alte Skeptikerweisheit in den Massenmedien angekommen: Die wissenschaftliche Wahrheitsfindung beruht nicht auf Abstimmungen oder Konsensfindungen.

Und wenn man das anerkennt, dann sind natürlich Alarmisten der Güte Ekardt und Höhn gefordert. Gefordert, eine gute Begründung dafür zu liefern, warum trotz dieser andersdenkenden Wissenschaftler „Klimapolitik“ eine primär auf „CO2-Vermeidung“ ausgerichtete sein sollte.

Und da blieb beiden neben etwas unstrukturiertem Gerede über Energiequellen nur das sogenannte Vorsorgeprinzip.

Es handelt sich hier um ein grundlegendes Dogma der Umweltbewegung, dessen politisch akzeptierte Formulierung auf die UNO-Deklaration der Rio-Konferenz des Jahres 1992 zurückgeführt werden kann.

Hier die Originalfassung:

„In order to protect the environment, the precautionary approach shall be widely applied by States according to their capabilities. Where there are threats of serious or irreversible damage, lack of full scientific certainty shall not be used as a reason for postponing cost-effective measures to prevent environmental degradation.“

Und hier meine deutsche Übersetzung:

„Zum Schutz der Umwelt soll ein Vorsorgeansatz durch Staaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten weitgehend etabliert werden. Wenn es Gefahren ernsthaften oder irreversiblen Schadens gibt, soll ein Mangel an voller wissenschaftlicher Gewißheit nicht als Begründung genutzt werden, kosteneffiziente Maßnahmen zur Verhinderung von Umweltzerstörungen zu verschieben.“

Dies ist natürlich ein politisches Handlungsprinzip und als solches weit interpretierbar. Was ist eine „Gefahr irreversiblen Schadens“, was ist „eine kosteneffiziente Maßnahme“?

Für die Alarmisten ist die Sache klar: So lange auch nur das geringste Risiko besteht, apokalyptische Untergangsszenarien könnten eintreten, so lange muß alles unternommen werden, dieses Risiko zu vermindern oder gar ganz zu vermeiden. Denn der Weltuntergang ist definitionsgemäß irreversibel  – und damit jede beliebige Maßnahme automatisch kosteneffizient. Und die Existenz der Möglichkeit des CO2-bedingten Weltuntergangs ist keine Frage des Wissens, sondern eine der Verantwortung. Verantwortung im Sinne der Umweltaktivisten bedeutet nämlich, in jedem Fall das Schlimmste anzunehmen.

Da zeigt sich ein geschlossenes Weltbild, gegen das mit wissenschaftlichen Argumenten so wenig argumentiert werden kann, wie gegen die Jungfräulichkeit Mariens. Dieses Weltbild existiert unabhängig von jeglicher Forschung, jeglichem IPCC-Bericht, unabhängig von den Fragen nach Sensitivitäten im Klimasystem, nach Meeresströmungen und Sonnenflecken.

Auf diese Position haben sich sowohl Bärbel Höhn, als auch Felix Ekhardt in den jeweiligen Diskussionen zurückgezogen. Die Eisbären sind allein schon deswegen vom Aussterben bedroht, weil sie existieren. So einfach ist das.

Nun kann man, wie Willis Eschenbach das auf „Watts up with that“ (bei EIKE die deutsche Fassung) vor kurzem getan hat, auf eine andere Interpretation des politisch formulierten Vorsorgeprinzips hinweisen. Zu sagen, die eine Interpretation wäre richtiger als die andere, ist aber nach meiner Meinung Quatsch. In der Politik gibt es kein „falsch“ und kein „richtig“. Es gibt nur unterschiedliche Maßstäbe, die man anlegt, um der Realität im Sinne der zu erreichenden Wähler zu begegnen.

Das Vorsorgeprinzip in der Formulierung der Rio-Deklaration läßt immer die Möglichkeit offen, irgendein Risiko als „Gefahr irreversiblen Schadens“ zu definieren und irgendeine Maßnahme als „kosteneffizient“ zu bewerten. Es ist eine Frage der „Einstellung“, es gibt hier keine objektiven Kriterien der Meinungsfindung.

Daher lehne ich das Vorsorgeprinzip als Basis für die politische Entscheidungsfindung insgesamt ab. Es ermöglicht im Wortsinne irrationales und unmenschliches Verhalten und darf nicht Grundlage für Regierungshandeln sein.

Ich möchte dies an einem Beispiel deutlich machen: Dem Sicherheitsgurt.

Wenn wir autofahren, dann wissen wir um die Gefahr eines Unfalles. Eines Unfalles, der potentiell irreversible Schäden nach sich zieht. Das Vorsorgeprinzip im Sinne der Alarmisten anzuwenden, würde also bedeuten, nicht mehr autozufahren. Dies ist die offensichtlich optimale Vermeidung des Risikos „Autounfall“.

Und genau so verhalten sich Menschen nicht. Wir fahren mit dem Auto (und auch mit der Bahn und wir fliegen mit dem Flugzeug, wohl wissend, welchen Risiken wir uns aussetzen). Aber wir legen einen Sicherheitsgurt an.

Dieser minimiert in keinster Weise das Risiko eines Unfalles. Er ist im Gegenteil nur dann sinnvoll, wenn ein Unfall tatsächlich geschieht. Denn erst dann tritt er in Funktion. Und kann die Folgen des Schadens abmildern.

Darauf ist menschliches Handeln angelegt, in alltäglichen privaten, wie in großen weltpolitischen Dingen. Das Risiko zu akzeptieren und Vorsorge für den Fall zu treffen, in dem es eintritt. Eine Lebensversicherung verhindert nicht den Tod, eine Feuerversicherung nicht den Brand. Und wir verzichten nicht darauf, uns zu verlieben, obwohl eine Trennung möglich ist.

Würde man das Vorsorgeprinzip in der Konsequenz anwenden, wie es die Alarmisten fordern, so wäre automatisch jeder Bürger ein potentieller Terrorist und gehörte überwacht. Aber auch andere Bereiche unserer Lebensgestaltung, über Ernährung und Sport bis hin zum Medienkonsum müßten intensiv reguliert werden. Die ersten Schritte dahin werden bereits unternommen.

Das Vorsorgeprinzip in der Interpretation der Alarmisten ebnet nicht nur den Weg in eine umfassende Diktatur, es ist letztendlich sogar die Rechtfertigung für alle existierenden totalitären Systeme. Es wird immer Risiken geben, denen man durch „Vermeidung“ entgegentreten kann. Und seien diese noch so konstruiert.

Diese Chance sollten wir Bürger keiner Regierung geben. Daher geht es nach meiner Auffassung nicht darum, innerhalb des Vorsorgeprinzips um die richtige Politik zu streiten. Es geht darum, das Vorsorgeprinzip insgesamt zu bekämpfen.

Und ich werbe dafür, es durch etwas Klügeres zu ersetzen. Durch das Prinzip der Anpassung.

Klimaschutz, so die Alarmisten, soll beispielsweise das Risiko von Dürren und Überschwemmungen mindern.

Klüger ist es, der Dürre und der Überschwemmung ihre Gefahr zu nehmen. Laßt sie doch kommen, all die vielen prophezeiten Wetterextreme. Wir können uns vorbereiten. Wir können entsprechend robuste Nutzpflanzen, Be- und Entwässerungssysteme, ein ausgefeiltes Rettungswesen, widerstandsfähige Infrastrukturen und vieles mehr entwickeln und aufbauen.

Anpassung an die Gefahr ist die Alternative, für die wir werben sollten. So, wie der Sicherheitsgurt auch nicht mehr ist, als die Anpassung an eine Kollision.

Daß also mittlerweile die Existenz skeptischer wissenschaftlicher Ansichten nicht nur nicht mehr geleugnet wird, daß solche mittlerweile sogar wie selbstverständlich Teil der Berichterstattung und der Debatten in den Medien werden, zwingt die Alarmisten automatisch, ihre Interpretation des Vorsorgeprinzips als Begründung für eine Politik der CO2-Vermeidung um jeden Preis anzuführen. Es ist der Punkt, von dem aus sie mit ihrer Ideologie gestartet sind und damit auch ihre letzte Rückzugsposition, ihr letztes Gefecht. Dahinter kommt nichts mehr, dahinter kommt ihre Niederlage.

Erst, wenn diese Stellung ebenfalls gefallen ist, kann Klimaschutz wieder rational und im Sinne der Menschen diskutiert und durchgeführt werden. Als „Schutz des Menschen vor destruktiven klimatischen Einwirkungen“ – und nicht andersherum. Daher darf man den Alarmisten dieses Schlupfloch nicht lassen. Die Debatte entscheidet sich an diesem Punkt. Das Vorsorgeprinzip ist als totalitär zu entlarven, um unsere individuelle Freiheit gegen die Attacken nicht nur der Klima- und Umweltideologen zu bewahren.

Update – Die beiden Videos zu den Sendungen können hier angesehen oder heruntergeladen werden:

Das Duell
Fakt ist…

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14 Kommentare
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  1. bin anderer Meinung

    Ich denke das Vorsorgeprinzip ist schon ok. Allerdings lässt sich jeder noch so gute Gedanke bzw. Ansatz missbrauchen und ins Gegenteil verkehren. Ob Vorsorge oder Anpassung das Mittel der Wahl ist, muss in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft werden.

    Im Falle der Gesundheitsgefährdung durch Nikotingenuss z.B., habe ich mich für das Vorsorgeprinzip entschieden -- ich rauche nicht. Die Anspassungs-Strategie, auf eine möglicherweise erfolgreiche Krebstherapie bei Eintritt des Risikos zu setzen, scheint mir nicht geeignet. (Natürlich habe ich diese Entscheidung unbewusst getroffen)

    Im Falle der Klimadiskussion wäre mein Vorschlag gewesen, zwei völlig voneinander unabhängige Organisationseinheiten zu gründen. Eine, die versucht Belege für einen hohen Beitrag des Menschen zum Klima zu finden. Die zweite mit dem Auftrag die natürlichen Einflüsse herauszuarbeiten. Letztlich müsste dann die Politik, die dann immer noch sehr schwierige Entscheidung treffen, ob und wie zu handeln ist. Auch diese Entscheidung könnte falsch ausfallen, aber die Wahrscheinlichkeit das eine auf objektiven Informationen beruhende Entscheidung vernünftiger ausfällt, als es heute der Fall ist, ist wesentlich größer.

  2. @T.

    Im Falle der Klimadiskussion wäre mein Vorschlag gewesen, zwei völlig voneinander unabhängige Organisationseinheiten zu gründen. Eine, die versucht Belege für einen hohen Beitrag des Menschen zum Klima zu finden.

    Diese gibt es und heißt IPCC.

  3. Eine, die versucht Belege für einen hohen Beitrag des Menschen zum Klima zu finden. Die zweite mit dem Auftrag die natürlichen Einflüsse herauszuarbeiten.

    Welch wissenschaftlicher Ansatz!
    Bliebe nur noch, daß einfältige Politiker als Schiedsrichter agieren und demokratisch über naturwissenschaftliche Zahlen, Fakten und Methoden abstimmen.

    Erinnern wir uns an die Entstehungsgeschichte des IPCC:
    Mit dem Anspruch, Katastrophenszenarien zu entwerfen, wurde dieses IPCC-Gebilde von Maggy Thatcher angeregt und durch die Gründung des CRU an der East Anglia Univ. auf den Weg gebracht. Das geschah just zu einer Zeit, als Steven Schneider, später der erste Chef des CRU, in der Science 173 (1971) 138-141 noch „Eiszeit!“ rief.
    (Das war aber auch nicht neu, denn schon 1938, lange vor dem IPCC, faselte G. C. Callandar nach eine Reihe warmer Jahre: „Der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt ist da.“)
    Seitdem: Alle Jahre wieder…
    So auch 1990: Der gleiche Stephen Schneider, der 1971 vor der Eiszeit warnte, sagte in einem TV-Interview 1990 (Channel 4, UK): „Die Veränderung (des Klimas) erfolgt so schnell, daß ich nicht zögere, die Auswirkungen als potentiell katastrophisch zu bezeichnen.“ Es war warm geworden.

    Wetten, daß spätestens 2020 ein profilneurotischer Depp laut durch die Medien tönt: „Die Erde friert ein!“

    Nebenbei: Rahmstorf nimmt international auch keiner mehr richtig ernst: http://www.timesonline.co.uk/tol/news/environment/article6982299.ece

  4. @Theobald Tiger
    Zu Rahmstorf in „times online“ eine kleine Bemerkung von mir, auf das Bild bezogen:

    So wie der Rahmstorf da im Wasser steht [http://www.timesonline.co.uk/tol/news/environment/article6982299.ece], haben wir immer im Strandbad als Kinder dagestanden, während wir in den See gepinkelt haben.
    Einschließlich diesem Blick…

  5. Eine treffende Beschreibung des IST-Zustands, oder, mit welcher Strategie es auch in einer Demokratie möglich ist, eben diese zum Nachteil seiner Wähler auszuhebeln – wenn man nur über genug willfährige Polit-Attrappen verfügt!

    Natürlich trägt auch die Bevölkerung eine gehörige Portion Mitschuld an den Zuständen die sich durch ihre Nachlässigkeit ergeben hat, sich stets in „Mehrheit“ für diese Sprechpuppen als oberste Repräsentanten entschieden zu haben.

    Dabei gibt’s schon seit Jahrzehnten eine passende Kurzform für die Partei-Programme:

    operative Hektik ersetzt geistige Windstille!

    @T #1

    T’schulligung, aber bei solchen Aussagen…

    (…)Letztlich müsste dann die Politik, die dann immer noch sehr schwierige Entscheidung treffen, ob und wie zu handeln ist. Auch diese Entscheidung könnte falsch ausfallen, aber die Wahrscheinlichkeit das eine auf objektiven Informationen beruhende Entscheidung vernünftiger ausfällt, als es heute der Fall ist, ist wesentlich größer.

    …stellt sich mir unweigerlich die Frage: lebte der Schreiber bisher in einem Paralleluniversum das vollkommen war?

    mfg

  6. Der Inhalt dieses Artikels deckt sich mit meinen Ansichten, und die Argumentation wirkt gelungen und schlüssig.

    Bei der Sendung von Heiner Bremer(NTV) möchte ich noch anmerken, daß mir der Umgang der beiden Gäste miteinander auch sehr gefallen hat.

    Die Situation für Menschen mit naturwissenschaftlich/technischen Kenntnissen war in den vergangenen Jahren mit Bezug auf das genannte Thema zunehmend schwierig.

    Vielen Dank für Ihre Arbeit Herr Heller.


    Rolf Schattschneider
    (Niedersachsen)

  7. Nun, der Text hat schon eine gewisse Verbreitung im Internet gefunden. EIKE hat ihn verlinkt und auch oekologismus.de (schön, Tomislav, daß Du wieder aktiv bist). Ich selbst habe ihn auch auf Readers Edition eingestellt.

    Mich überraschen die vielen Kommentare, die der Moderation der MDR-Sendung „Fakt ist“ Parteilichkeit vorwerfen. Ich habe das tatsächlich nicht so gesehen. Man sollte doch beachten, daß es die Aufgabe eines Journalisten ist, kritische Fragen zu stellen. Wenn wir also fordern, daß die Alarmisten entsprechend angefaßt werden, dann dürfen wir uns nicht beschweren, daß dies auch Skeptikern geschieht.

    Ich finde, gerade die kritischen Fragen haben Herrn Lüdecke schone Vorlagen geliefert, die er auch sehr gut genutzt hat. Nach meinem Empfinden kann man auch nicht sagen, Lüdecke wäre nun öfter unterbrochen worden als die anderen Protagonisten. Fernsehdebatten dieser Art verlaufen nun mal im Stakkato, daran muß man sich anpassen und seinen Punkt möglichst direkt im ersten Satz machen. Ich hatte auch nicht den Eindruck, Prof. Lüdecke wäre deutlich weniger Redezeit zugestanden worden, als den Mitdiskutanten -- geschweige denn, daß seine Mitdiskutanten weniger kritisch angefaßt wurden.

    Ok, Heiner Bremer ist natürlich ein anderes journalistisches Kaliber, das hat man beim Vergleich der beiden Sendungen auch merken können.

    Und wenn ein Moderator Herrn Ekardt nach seinen persönlichen Beiträgen zum Klimaschutz befragt, und dieser dann lang und breit über Verzicht auf Auto, Flugreisen, Gefrierfächer und Fleisch schwadronieren darf, so ist das nach meiner Meinung eher von Vorteil. Ich hätte ihn als Moderator an dieser Stelle auch ausreden lassen, entlarvender geht es kaum. Ekardt wurde erst an der Stelle unterbrochen, als er merkte, daß er sich einen Bärendienst erwies und darauf hinwies, daß diese individuellen Verhaltensweise nichts bringen.

    Wie auch immer:

    Danke für das Lob, Zyniker und Herr Schattschneider. Wir arbeiten hier alle ehrenamtlich in unserer Freizeit, da gefällt einem das natürlich schon.

    @T.: Ich habe schon bei Readers Edition Kommentare gelesen, die mir zeigen, daß das Beispiel „Sicherheitsgurt“ einige auf eine falsche Fährte lockt. Es geht beim Vorsorgeprinzip ja nicht darum, was Sie persönlich für sich tun (sollen oder können). Es geht um die strategische Grundlage für Regierungshandeln. Und -- um ihr Beispiel aufzunehmen -- im Sinne des Vorsorgeprinzips wäre es zu rechtfertigen, allen Rauchern das Rauchen zu verbieten. Immer und überall. Das ist die Grundidee des Vorsorgeprinzips, also der Plan, den die Ökologisten auf seiner Grundlage umsetzen wollen (bezogen auf den Klimaschutz). Ich bin für eine Welt, in der jeder frei entscheiden kann, ob er raucht oder nicht. Ich bin nicht für eine Welt, in der man die Nichtraucher zum Rauchen zwingt, weil es Therapien gegen Lungenkrebs gibt.

  8. Für alle, die die beiden Sendungen nicht gesehen haben, hier gibt es sie:

    Das Duell
    Fakt ist…

  9. #4 Krishna Gans

    So wie der Rahmstorf da im Wasser steht

    Und der Artikel dazu.
    Die haben Ihn nass gemacht.
    Typischer englischer Humor. Bild statt vieler Worte.

  10. Hallo Herr Heller,

    soll ein Mangel an voller wissenschaftlicher Gewißheit nicht als Begründung genutzt werden, kosteneffiziente Maßnahmen zur Verhinderung von Umweltzerstörungen zu verschieben

    Um es einmal überspitzt auszudrücken. Dieser Halbsatz ist für Öko-Ideologen mit totalitärem Anspruch schon fast einem Ermächtigungs-Gesetz gleichzusetzen.
    Dass dies auch so von der „Grünen-Seite“ so verstanden wird, kam in den beiden Sendungen nur allzu deutlich zu Tage.

    Besonders auffallend kam dies bei Bärbel Höhn mit ihrem stereotypen **ich als Politikerin muss dafür sorgen dass o.ä zum Tragen. Es wirkte manchmal schon richtig peinlich wie sie, statt sich an Fakten zu orientieren, sich immer wieder auf ihre Vorsorgepflicht gegenüber den Bürgern berief. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass diese Dame unter Vorsorge so etwas wie Bevormundung und Entmündigung versteht. Ihr ging es offensichtlich um ideologische Indoktrination und Unterordnung des Individuums unter das imaginäre Ziel einer „besseren Welt“.
    Nachdem Malberg ihr den „Konsens des weltweit größten Teil der Wissenschaftler“ von der Backe geputzt hatte, zog sie sich immer mehr auf diese unselige erweiterte Vorsorgepflicht des Staates gegenüber seinen Bürgern zurück, die doch gar nicht den Überblick hätten und deshalb mit entsprechenden Gesetzen und Abgaben geführt werden müssten. Da will sie rein vorsorglich mal eben die Lebensgewohnheiten, den Ressourcenverbrauch, die Essgewohnheiten und das Mobilitätsverhalten der Bürge ändern. Sie sprach das alles nicht in dieser krassen Form an, aber es klang deutlich durch. Dass sie damit kräftig an den Grundsätzen der Demokratie rüttelt kommt ihr offensichtlich nicht in den Sinn. Oder doch??

    Um die im Titel Ihres Artikels enthaltene Frage zu beantworten. Das letzte Gefecht findet noch nicht statt, da werden noch andere Gefecht folgen. Auch über die Akzeptanz des grün definierten Vorsorgeprinzips ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Politik begreift, was da in den letzten Wochen in Sachen „Klimaforschung“ passiert ist.

    Es grüßt der Geist aus dem Moos (;-)

  11. Volle Zustimmung, Moosgeist, darauf wollte ich mit meinem Text hinweisen.

    Wobei „das letzte Gefecht“ sich darauf bezieht, daß man den Ökologisten eine zentrale Säule ihrer Ideologie entziehen kann (wenn nicht die zentrale), sobald man das „Vorsorgeprinzip“ in der Rio-Formulierung negiert.

    Ich hätte mir gewünscht, daß dieser Punkt in beiden Fernsehdebatten deutlicher herausgearbeitet worden wäre, aber vielleicht ist es dafür noch zu früh. Vielleicht teilen auch Malberg und Lüdecke meine Auffassung nicht, ähnlich wie Willis Eschenbach gibt es ja einige Skeptiker, die das Vorsorgeprinzip im Kern für klug halten.

  12. Also diese „Versöhnungsgesten“ mit solchen Volksverblödungspuppen aus dem ökofaschistischen Grusel-Kabinett sollte sich Prof. Malberg für die Zukunft verkneifen. Dieses tüdelige geschwätzige Graue ETWAS, Namens Bärbel Höhn(nomen est omen), verbreitet doch lediglich nur den selben Schwachsinn, den der „Club of Rome“ schon in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts von sich gab. Alles nachzulesen in dem von jeglicher wissenschaftlicher Kompetenz befreiten Buch „Die Grenzen des Wachstums“!

    Oh natürelement, sie nimmt mit Steuergeld gesponserte Holzpellets & Solar und einige Claqueure im Publikum bejubeln die eigene Einfalt. Auch wenn ich sonst nicht viel für Thilo Sarrazin übrig habe, doch wo er recht hat, hat er recht:

    „Hätten wir je wieder eine Diktatur in Deutschland – an überangepassten Opportunisten würde es sicherlich nicht mangeln.“

    Und obwohl dieser „Club“ seinerzeit schon mit der Drohungen um die „Endlichkeit der Ressourcen“ Schiffbruch erlitt, wird diese Phrase – hier Erdöl – mit einer beständigen Regelmäßigkeit immer wieder und wieder hochgewürgt.

    Dazu wäre festzuhalten: es war ein gewisser M. King Hubbert (1903-89), der schon 1956 in einem Aufsatz (Nuclear Energy and Fossil Fuels in: Drilling and Prodution Practice, Washington, American Petroleum Institute, S. 7-25), so etwas wie „peak oil“, d.h. den Wendepunkt der Ölförderung, richtig für das Jahr 1970 vorhergesagt hatte. Das betraf aber ausschließlich die USA und lag nicht an den natürlichen Ölvorkommen der USA, sondern daran, daß die Regierung diese Ölvorkommen in den USA aus strategischen Gründen als Reserve betrachtete und nicht weiter angreifen wollte! (Womit sich eigentlich auch die Mär des sogen. „freien Marktes“ erledigt hätte.)

    Für den Rest der Welt stimmten Hubberts Ankündigungen auf der ganzen Linie nicht; so sollte für Libyen der Rückgang der Ölproduktion schon 1970 eintreten; im Iran 1974; in Rumänien 1976; in Brunei 1979; in Rußland 1987… usw. Doch wieviel Öl tatsächlich in der Erdkruste verborgen ist, weiß bisher niemand so recht. Hierzu sehr aufschlußreich Biosphäre der heißen Tiefen & „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“ oder gleich bei Autor William Engdahl.

    Doch schon lange vor Hubbert, nämlich 1933, hatte Erich Zimmermann (1888-1961, World Resources and Industries, New York, Harper & Brothers) diese Denkweise ebenfalls sehr einfach und grundlegend widerlegt. Es gebe keine natürlichen Rohstoffe sagte er:

    „Rohstoffe sind eine recht dynamische, funktionale Vorstellung. Es gibt sie nicht, sie werden. Sie ergeben sich aus dem dreieinigen Zusammenwirken von Natur, Mensch und Kultur. Die Natur setzt zwar Grenzen, aber der Mensch und seine Kultur sind weitgehend für den Anteil an der physikalischen Totalität verantwortlich, die dem Menschen verfügbar ist.“

    Kurz gesagt: „Wissen ist die Mutter aller Ressourcen“.

    Nicht nur macht erst das Wissen um die Verwendbarkeit bestimmter Stoffe diese zu Rohstoffen, auch die Technik des Zugriffs auf sie bestimmt, wie viel davon zur Verfügung stehen. Unsere geldorientierte Zeit verkürzt diese Einsicht auf den Preis: die Höhe des Rohstoffpreises bestimmt den Umfang der verfügbaren Vorräte. Und selbst eine wahrhafte EU-Energie-Kommissarin, Loyola de Palacio, kam im Mai 2004 in Brüssel vor versammelter Medien-Meute umhin zu erklären:

    „Es handelt sich um eine Spekulationsblase … Es gibt keine echte Verknappung auf den Märkten. Das ist die Wirklichkeit.“
    (Und gerade kommt im Radio, daß sich die mit zukünftigem Steuergeld alimentierten Bankster wieder an den Rohstoffmärkten zu schaffen machten!!!)

    Weiter. Wie mit dem Erdöl dürfte es bei allem anderen sein. Um sich einmal über die Dimensionen klar zu werden, um die es hier geht, und für jeden der noch über ein gewisses Maß an Vorstellungskraft verfügt, als Vorgabe:
    Das tiefste Bohrloch befindet sich mit über 12 Km in Russland; das, was einmal die „tiefste Bohrung“ werden sollte, wurde bei etwas über 10 Km in der Oberpfalz abgebrochen. Nachweislich graben die Menschen überall auf den 149.000.000 Km2 Fläche der Erde punktuell nach allerlei Mineralien; in Südafrika hat man sich dabei so um die 4 Km eingeschaufelt…usw.
    Nachweislich beträgt der mittlere Erddurchmesser ca. 12.735 Km! Noch Fragen…

    Man zeichne mit einem Zirkel einen Kreis mit Radius 6,4 cm auf ein Blatt Papier und erhält folglich einen 12,8 cm Kreisdurchmesser. Die Linie die ihn umschreibt, dürfte im Verhältnis um ein mehrfaches dicker sein, als es menschliche Buddelei vermochte in die Erdkruste vorzudringen!

    Ergo: was dort alles noch auf Entdeckung wartet, enthält sich bisher hartnäckig anthropogener Schaffenskraft!
    In Ermangelung grundschultauglicher Utensilien tut’s auch eine handelsübliche Salat-Zwiebel. Die oberste braune Schale dürfte dem Vergleich nahe kommen.

    I.d.S.

  13. Einen hab‘ ich noch…

    Wo ich schon dabei bin, ziehen wir dem gemeinen Umweltheuchler auch noch den Zahn mit der ang. „Überbevölkerung“.
    Die Erdoberfläche beträgt etwas über 510 Millionen Km2, davon sind ca. 71 % oder 361 Mio. Km2 Wasser. Die Landfläche umfaßt 149 Mio. km2, davon gelten als „bewohnbar“ 90 Mio. km2. Von diesen 90 Mio. km2 werden ca. 14 Mio. km2 landwirtschaftlich genutzt, das sind rund 15%, und nur ca. 2 % der bewohnbaren Fläche – wobei diese sich durch entsprechende Maßnahmen sicher noch ausdehnen ließe – ist von menschlichen Siedlungen bedeckt. Mit anderen Worten, mehr als 83% der bewohnbaren Erdoberfläche sind vom Menschen weder besiedelt, noch werden sie als Ackerland genutzt.

    Z.Z. leben ca. 6 Mrd. Menschen auf der Erde. Böte man jedem nur 113 m2 Raum, so hätten sie alle in einem einzigen US-Bundesstaat, nämlich in Texas Platz, der mit 680.755 km2 fast doppelt so groß ist wie die BRD. Wenn man die einzelnen Menschen aller Altersstufen nun in Drei-personenhaushalte zusammenfaßt, könnte man für jeden Haushalt ein Haus von 102 m2 Wohnfläche errichten und mit der frei werdenden Fläche würden Städteplaner Freiräume für eine Infrastruktur, für Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Sie bräuchten höchsten zweigeschossige Häuser zu errichten und Texas wäre eine riesige Stadt, eine Megapolis, und kein Mensch wäre da, die Felder in der Ukraine, in Australien, Europa, Afrika, den USA, Kanada und Lateinamerika zu bearbeiten, sie alle würden in Texas wohnen.
    Vergl. dazu Roland Rösler „Familienplanung – die Mär v.d. Bevölkerungsexplosion“ ; sein Buch von 1989 „Der Menschen Zahl-Das zerstörte Sodom ist euer Land“.(Der Link zu Amazon funktioniert irgendwie nicht!)

    Habe feddisch

  14. Zitat aus obigem Beitrag:

    „Das Vorsorgeprinzip in der Interpretation der Alarmisten ebnet nicht nur den Weg in eine umfassende Diktatur, es ist letztendlich sogar die Rechtfertigung für alle existierenden totalitären Systeme.“

    Nun -- dieses Vorsorgeprinzip gibt es in der Bundesrepublik Deutschland schon immer.

    Und zwar in Form der auf Landesebene geltenden PsychKGs (Psychisch-Kranken-Gesetze).

    Nach diesen Gesetzen kann jeder Mensch wegen der Straftat eines Dritten eingesperrt werden. Es genügt die Behauptung dieses Dritten, es läge eine Fremd- oder Selbst-„Gefährdung“ vor.

    Dieser Dritte ist in der Regel ein Psychiater, Psychologe oder Arzt. Dabei wird der Eindruck erweckt, dass dessen subjektives Gefühl, es läge Gefährdung vor, eine fachlich festgestellte Tatsache sei.

    Es braucht kein strafrechtlich nachprüfbarer Versuch einer Gefährdungshandlung vorzuliegen. Die bloße Verdächtigung, es könne zu einer Gefährdungshandlung kommen, genügt, um einen Menschen so lange wegzusperren (und mit Psychopharmaka vollzupumpen) wie es dem psychiatrischen Gefängniswärter nützt, im behördendeutsch -- so lange wie die Gefährdung fortbesteht.

    MfG
    Sabrina Schwanczar

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