Der Europäische Schildbürgerstreich – so sparen wir kein CO2

15. Juli 2008 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Politik
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern… Photo: Autor

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern… Photo: Autor

Da bauen wir ein Windrad nach dem anderen auf, da kaufen wir der halben Welt die Solarzellen ab, um sie teuer auf unsere Dächer zu installieren und was passiert dann? Die ganze Welt lacht sich kaputt über uns und wissen Sie warum? Gut, um diese Frage zu beantworten muss ich etwas ausholen…

Die Kernkraft ist in Deutschland verpönt und soll besser heute noch als morgen verschwinden. Kohle als weiterer Energielieferant erzeugt ganz viel CO2, schadet somit dem Klima und soll deswegen im Boden bleiben. Doch irgendwo soll ja trotzdem noch etwas Strom für unsere hochindustrielle Gesellschaft produziert werden. Ganz einfach, nehmen wir Wind und Sonne und schon sind wir alle Sorgen los, aber leider nur fast.

Wind und Sonne haben die unangenehme Eigenschaft, nicht ständig bereit zu stehen. In der Nacht und bei Windstille nützen uns die schönsten Anlagen nichts, da muss dann trotzdem jemand in die Presche springen. Da nun Atom und Kohle verpönt sind, nehmen wir besser sauberes Erdgas und produzieren damit den restlichen Strom. Alle sind zufrieden und glücklich, die Umweltschützer stolz auf sich und die Regierung kann beim nächsten Gipfeltreffen mit seinen tollen Ergebnissen prahlen.

Gut, der Bürger guckt etwas grimmig, weil der Strom immer teurer wird, aber was tut man nicht alles, um den Planeten vor dem Überhitzen zu schützen.

Ach ist das toll, bloß wo ist da der Haken?

Liebe Leser, ich muss Sie leider enttäuschen, dem Klima nützt das leider herzlich wenig. Wer liefert uns denn das viele, tolle und saubere Erdgas? Richtig, Exxon, Shell und Gazprom und wo holen die das her?
Aus Russland, aus der Nordsee und aus den arabischen Raum. Bis dahin ist noch alles in Ordnung, das dicke Ende kommt erst jetzt.

Was machen nun diese Lieferländer, die bauen sich einfach jede Menge Kohlekraftwerke hin, um nicht ihr wertvolles Erdgas und Öl selber zu verbrauchen.

Dubai plant den Bau von vier großen Kohlekraftwerken. Oman, Abu Dhabi und Ägypten lassen auch solche Projekte prüfen. Öl und Gas sind ihnen zu teuer, um es in Kraftwerken zu verheizen. Das verkaufen sie lieber an die Industriestaaten und erstehen mit dem Erlös unter anderem die Technologie für Kohlekraftwerke. Der Essener Kraftwerksbauer Evonik-Steag profitiert davon. Das Unternehmen sieht in der Golfregion einen Zukunftsmarkt.

Weiteres Beispiel von Spiegel Online

“So hat die staatliche Oman Oil Company erst Ende April mit zwei koreanischen Unternehmen eine Absichtserklärung für Bau und Betrieb mehrerer Kohlekraftwerke unterzeichnet. Dubai plant in einem ersten Schritt mindestens vier große Blöcke mit einer Gesamtleistung von 4000 Megawatt. Abu Dhabi will ebenfalls Kohlekraftwerke bauen. Selbst Ägypten erwägt mittlerweile den Bau einer ersten Anlage am Roten Meer…

… Das erdölreiche Russland plant mehr als 30 neue Kohlekraftwerke – bis 2011. Und in China geht derzeit alle ein bis zwei Wochen ein neuer Block ans Netz…

… Und so kommt es auch, dass die Golfstaaten ein höchst lukratives Geschäftsmodell entwickelt haben: Ihr Öl verkaufen sie zurzeit zu Rekordpreisen von bis zu 140 Dollar pro Barrel an den Weltmarkt. Ihren eigenen Energiebedarf dagegen stillen sie mit billiger Importkohle. Die Versorgung übers Meer ist unproblematisch…

… Die Entwicklung zeigt, zu welch absurden Resultaten eine national begrenzte Klimapolitik führen kann. Während Deutschland seine CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent reduzieren muss und die doppelte Einsparung erreichen will, gelten viele Golfstaaten, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, als Entwicklungsländer.

Das bedeutet: Sie haben zwar das Kyoto-Protokoll ratifiziert, brauchen aber ihren CO2-Ausstoß nicht zu senken….”

So schließt sich der Kreis, während in Europa ab 2013 der Kohlenstrom per Zertifikatshandel künstlich verteuert wird, bauen sich die Erdgaslieferanten schöne neue Kohlekraftwerke und verscherbeln uns das immer teurer werdende Erdgas.

Ach übrigens, da gibt es doch sogar ein paar Konzerne, die zu den Windkraftanlagen die passenden Gasturbinen und GuD Anlagen gleich mit anbieten, das erklärt Ihnen aber nachfolgender Text bei “Eigentümlich frei” viel besser als ich es könnte.

P.S.: Dieser Text hat mich auch zu meinen eigenen Recherchen animiert, Dank an den Autor.

Zuerst erschienen auf Readers Edition am 15. Juli 2008

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