Der Markt und die Atomkraft

16. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Energieerzeugung, Kernenergie, Politik, Wirtschaftsförderung

Eine Betrachtung der Atompolitik aus libertärer Sicht.

von Kalle Kappner


„Atomkraft – Nein, danke!“ oder „Atomkraft – Ja, bitte!“ – die Fronten in der politischen Debatte scheinen klar zu sein. Hier die Grünen und Linken, die schon immer (außer natürlich vor den 80ern) gegen Atomkraft waren. Dort die Konservativen und Liberalen, als Stimme der wirtschaftlichen Vernuft, die an der Atomenergie festhalten. Exemplarisch dafür steht der Eifer, mit dem die rot-grüne Bundesregierung den Ausstieg forciert hat, der dann später von der schwarz-gelben Regierung wieder verwässert wurde. Emotionen spielen natürlich eine wichtige Rolle. Nicht anders lässt sich die enorme Politisierung der Energiefrage erklären: Wenn die übliche linksgrüne Klientel gegen Atomkraft ist, muss man als Liberaler scheinbar zwingend dafür sein und AKWs mit Zähnen und Klauen verteidigen. Als Linker braucht es oftmals überhaupt keine Begründung mehr für eine ablehnende Haltung zur Atomkraft. Man ist halt dagegen. Das S21-Phänomen scheint sich zu wiederholen. Als die linksgrüne Klientel gegen S21 auf die Straße ging (freilich nicht, um gegen Steuergeldverschwendung zu protestieren, sondern um das Steuergeld für ein alternatives Zwangsprojekt einzusetzen), entdeckten viele „Liberale“ aufeinmal ihre Liebe für den Polizeistaat, den Bahnsozialismus und für bürokratische Planfeststellungsverfahren.

Atomkraft im freien Markt

„Ursache: Militärisch-industrieller Komplex. Grundlagen: Staatliche Forschung. Aufbau und Durchführung: Staatsknete, Staatsknete und nochmals Staatsknete. Staats“recht“: Schutz vor Regressansprüchen. Nirgendwo Markt. Das Unglück von Fukushima ist typisch für etatistische gigantomanische Technologie, ähnlich wie die Opfer stalinistischer und maoistischer Industrialisierung.“ – Stefan Blankertz

Gäbe es Atomkraftwerke im freien Markt? Kurz: Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, wie der Status Quo aussieht: Atomkraftwerke in der staatskapitalistischen Gesellschaft haben ihren Ursprung ganz klar im Staatssektor. Sie sind keine Geschöpfe des privaten Sektors. Ob „Anschubinvestitionen“, Risikoübernahme, Infrastrukturbau, Forschung oder diverse Regulierungen und Marktzutrittsbarrieren – der Staat hat und hatte seine Finger zu jeder Zeit im Spiel.Studienvon der Erneuerbaren-Lobby sind dabei mit höchster Vorsicht zu genießen und dürften stark übertriebene Zahlen präsentieren. Trotzdem schaffen sie einen interessanten Einblick in die Subventionstätigkeit des Staates. Und bei all den Konfrontationen heute, darf auch nicht vergessen werden, dass linke Regierungen ebenfalls zu den Förderern der Atomkraft gehörten und gehören. Ein Fable für gigantische und beeindruckende Großprojekte gab es schon immer auf der linken Seite – bei Stalin genauso wie bei der SPD der 70er Jahre. Aber auch gestandene Ordnungspolitiker wie Ludwig Erhard konnten der Versuchung des scheinbar billigen AKW-Stroms nicht widerstehen.

Dabei gäbe es auf einem freien Markt diverse Probleme für Betreiber von Atomkraftwerken. Trivial ist, dass direkte Subventionen wie „Anschubinvestitionen“ und vorteilhafter Infrastruktubau wegfallen würden. Ob der private Kapitalmarkt das viele benötigte Kapital bereitstellen würde, wissen wir nicht – heute werden AKWs vorallem mit Staatskrediten finanziert. Ob und durch wen die nötige Forschung getätigt worden wäre, ist ebenfalls unklar. Interessanter ist aber die Frage der Versicherung. Muss ein AKW-Betreiber sich für den Fall eines GAU versichern, und wenn ja, wie hoch? Würde eine private Versicherungsgesellschaft eine solche Versicherung anbieten? Die persönliche Haftung eines AKW-Betreibers, der nach einem GAU möglicherweise bis an sein Lebensende zu zahlen hat, mag abschreckend wirken.
Es gibt weitere interessante Gedankenspiele: Ein AKW-Betreiber könnte mögliche Betroffene eines GAU im vorhinein dafür bezahlen, im Falle des Unfalls keine Schadensersatzansprüche zu erheben. Ob das ein fruchtbares Geschäftsmodell sein könnte, lässt sich zur Zeit kaum abschätzen. Auch die Frage, inwieweit ein AKW-Betreiber sein Werk überhaupt versichern müsste, lässt sich nicht beantworten. Die Wahrscheinlichkeit eines GAU ist minimal und die Angst vor Schadensersatzklagen könnte private Betreiber dazu drängen, sehr viel mehr in Sicherheitsvorkehrungen zu investieren als dies heute mit dem Staat als letztem Versicherer der Fall ist. Ob, in welchem Maße und auf welche Art ein privater AKW-Betreiber sich versichern würde oder (faktisch) müsste, kann kaum im vorhinein beantwortet werden. Mir persönlich scheint es unplausibel, anzunehmen, dass AKWs in jedem Fall für das Risiko eines Tschernobyl-Unfalls versichert sein müssten. Gleichermaßen unplausibel ist aber auch die Vorstellung, dass die Versicherungstätigkeit derart gering bleiben würde, wie es heute im Staatskapitalismus der Fall ist.

Sicher ist: Wenn es im freien Markt AKWs gäbe, dann sähen sie anders aus. Möglicherweise wären sie teurer, möglicherweise sicherer, möglicherweise auch ganz anders konstruiert (und nicht etwa in Erdbebengefahrgebieten gebaut). Andererseits müssen wir feststellen, dass auch andere Energieformen hohe Subventionen genießen. Die Frage, welcher Energieträger historisch am stärksten subventioniert wurde, lässt sich kaum beantworten und ist auch relativ unwichtig. Dabei muss es nicht mal nur um das klassische Beispiel der Solarförderung gehen. Mit den Gedankenspielen rund um die Kernfusion und um Desertec bereitet die EU zur Zeit die nächsten steuerfinanzierten Großprojekte vor.

Eine libertäre Antwort

Wie kann ein Anhänger eines freien Energiemarktes sich im staatswirtschaftlichen Status Quo nun verhalten? Einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie zu erzwingen, ist sowohl aus Nützlichkeitserwägungen als auch aus Prinzip abzulehnen. Es erscheint höchst unangebracht, Atomenergie „verbieten“ zu wollen. Das Verbot ist die Waffe der Etatisten. „Die Subventionen sind nicht mehr rückgängig zu machen – also lasst uns das beste daraus machen und die Atomkraft voll ausreizen!“, könnte eine Antwort lauten, denn unzweifelhaft ist ein sofortiger Atomausstieg mit hohen Kosten verbunden. Aber eine solche Strategie ignoriert die auch heute noch bestehende massive Subventionierung der AKWs. Und die stellt aus libertärer Sicht durchaus ein Problem dar. Unangebracht ist es deshalb, in Jubel zu verfallen, wenn irgendeine Regierung mal wieder bekannt gibt, Atomenergie „fördern“ zu wollen. Denn das heißt im Klartext: Staatsknete, Staatsknete, Staatsknete. Und das ist keinen Deut besser als die energische Förderung erneuerbarer Energieformen.

In diesem Zusammenhang muss die Strategie der meisten Liberalen kritisiert werden. Sie begegnen etatistischen Argumenten der Atomfeinde im wesentlichen mit ebenfalls etatistischen Argumenten. Das eigentliche liberale Ziel eines freien Energiemarktes verschwindet völlig aus dem Blickwinkel und es geht nur noch um die Frage, ob der Energieetatismus nun grün oder atomar angehaucht sein soll. Liberale sollten ihre Strategie und politische Kommunikation überdenken. Parteinahme für einzelne Energieformen ist gefährlich. Parteinahme für einen freien Energiemarkt wäre angebracht.

Freier Markt statt Energieetatismus
Ich plädiere daher für Entspanntheit: Libertäre sollten sich nicht so sehr mit der Frage beschäftigen, ob wir nun aus der Atomenergie aussteigen müssen, oder nicht. Die Frage der Nützlichkeit und der Kosten einzelner Energieträger kann der Markt beantworten. Das muss nicht unsere Aufgabe sein. Unser Anliegen sollte es vielmehr sein, energisch einen freien Energiemarkt zu fordern, statt uns in mühsamen und potentiell etatistisch angehauchten Diskussionen um den „richtigen“ Energiemix zu verfangen. Mit der Forderung nach einem freien Energiemarkt entlarven wir sowohl die staatsgläubigen Atomanhänger als auch die staatsgläubigen Atomfeinde. Um Linke von den Vorzügen eines freien Energiemarktes zu überzeugen, kann dabei durchaus auch der Hinweis dienen, dass Atomenergie in der heutigen Form in einem freien Markt kaum überleben könnte. Mindestens genauso wichtig ist es aber auch, den Irsinn der fortschreitenden Solar- und Windenergieförderung anzuprangern. Schluß mit der Solarsubventionitis, Schluß mit gigantomanischen Großprojekten auf Staatsknete, Schluß mit der Politisierung der Energiewirtschaft!



Zuerst erschienen auf Freitum , hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Kalle Kappner

und Tomasz M. Froelich



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13 Kommentare
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  1. Es wäre ja schön, wenn die gegenwärtige Debatte über Kernenergie unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten geführt würde. Wird sie aber nicht. Der Staat betreibt gerade Prozeßpolitik. Ich denke, gewisse Rahmenbedingungen für die Energieversorgung müssen staatliche Aufgabe bleiben, dazu sollten nicht zuletzt Aufbau und Pflege der Infrastrukturen (also der Stromnetze) gehören. Nun ist es leider technisch so, daß gewisse Technologien auch gewisse Infrastrukturen erfordern -- es also Pfadabhängigkeiten gibt, die man auch noch so libertär nicht wegreden kann.

    Ich frage mich auch, ob es denn eigentlich überhaupt noch eine Debatte über Kernenergie in Deutschland gibt. Außerhalb des freien Internets scheint sich doch eine übergreifende Allianz gegen die Kernenergie verfestigt zu haben. Ergo sollte auch aus libertärer Sicht zunächst einmal der Rahmen für eine Debatte gelegt werden. Dazu ist obiger Text nicht hilfreich.

    Gäbe es Atomkraftwerke im freien Markt?

    Aber sicher. Warum werde ich wie den Rest meiner Gegenrede in einem eigenen Text formulieren. Stay tuned.

  2. Ich bin auf die Gegenrede gespannt!

  3. @ Peter Heller

    „Es wäre ja schön, wenn die gegenwärtige Debatte über Kernenergie unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten geführt würde. Wird sie aber nicht. Der Staat betreibt gerade Prozeßpolitik.“

    Ich bin da absolut bei Ihnen und auch

    „… gewisse Rahmenbedingungen für die Energieversorgung müssen staatliche Aufgabe bleiben“

    sehe ich genau so.

    „dazu sollten nicht zuletzt Aufbau und Pflege der Infrastrukturen (also der Stromnetze) gehören.“

    Kann man machen, muß man aber nicht zwingend. Wenn der Staat die Rahmenbedingung „Versorgungspflicht“ der Energieversorger festlegt, sind diese an dem Aufbau und Wartung der entsprechenden Infrastruktur selbst interessiert, selbst ohne diese „Rückversicherung“, wie sollen sie auch sonst ihr Produkt liefern? Somit bräuchte man die Pfadabhängigkeiten auch nicht weg reden, weder libertär noch diktatorisch.

    „Ich frage mich auch, ob es denn eigentlich überhaupt noch eine Debatte über Kernenergie in Deutschland gibt. Außerhalb des freien Internets scheint sich doch eine übergreifende Allianz gegen die Kernenergie verfestigt zu haben. Ergo sollte auch aus libertärer Sicht zunächst einmal der Rahmen für eine Debatte gelegt werden. Dazu ist obiger Text nicht hilfreich.“

    Das ist eine Frage die es in der Tat in sich hat, denn wen nicht wofür sollte dann ein Rahmen gelegt werden? Keine Debatte, kein Rahmen da unnötig. Ich denke es wäre nicht einmal ein Rahmen nötig wenn es eine Debatte gäbe, da Rahmen schon wieder eine Beschränkung des Denkens und danach des Handelns bedeuten.
    Ich sehe diesen Text nun nicht unbedingt als der Weisheit letzten Schluß, ist er doch relativ global gehalten mit vielen Fragezeichen versehen, meine aber um überhaupt eine Debatte in Gang zu setzen, sollten libertäre Sichtweisen dominieren, was uns „blüht“ wenn nicht können wir gerade im Baden-Württembergischen beobachten, da will doch der neue MP gleich mit ´ner Peitsche auf die Wirtschaft los.
    Zuviel Staat war noch nie gut, ein Staatsapparat der zu groß wird neigt dazu den Souverän zu vergessen und über dessen Kopf hinweg zu regieren.
    Gut zu beobachten in der heutigen Bundes REPUBLIK Deutschland.


    „Gäbe es Atomkraftwerke im freien Markt?“

    Aber sicher. Warum werde ich wie den Rest meiner Gegenrede in einem eigenen Text formulieren. Stay tuned.“

    Dessen bin ich überzeugt, von beidem, und ich freue mich und bin gespannt auf Ihre Gegenrede! Dann hätten wir ja schon ´mal die Debatte, ganz ohne Rahmen 😉 …

  4. achgut.com (Maxeiner & Miersch):

    Das Dilemma des Pandas

    …..Renate Künast und Hermann Gröhe sind ein schönes Paar. „Der Atomausstieg muss unumkehrbar werden,“ wünschte sich die grüne Fraktionsvorsitzende im Hamburger Abendblatt. „Der Weg ist unumkehrbar,“ versprach ihr der CDU-Generalsekretär zwei Tage später via Frankfurter Rundschau. Jetzt können die beiden gemeinsam in eine harmonische atomfreie Zukunft blicken. Denn was gibt es stabileres und verlässlicheres als Unumkehrbarkeit. Der Begriff transformiert die Merkelsche Lieblingsformel „alternativlos“ in einen Zukunftsentwurf aus solidem Beton.

    Ein kleiner Schönheitsfehler nur, dass das unbelehrbare Ausland uns auf dem Weg in die Unumkehrbarkeit nicht folgen mag. Dann müssen wir Deutschen es eben alleine schaffen. Schließlich gibt es große Vorbilder in der Geschichte, die ebenfalls aus Risikotechnologien ausgestiegen sind. Zum Beispiel den Chinesischen Kaiser Jiajing, der im 16. Jahrhundert alle Schiffe mit mehr als drei Masten zerstören ließ und Handel mit dem Ausland unter Strafe stellte……

  5. @ Tim,

    es ist das Dilemma in einer Demokratie, dass man nie sicher sein kann, ob der einmal eingeschlagene Weg auch in Zukunft gegangen werden wird. Neue Aspekte und Aussichten zwingen manchmal dazu Entscheidungen zu korrigieren. Und vorausschauende Politik muss bedeuten, sich so viele Optionen wie möglich für die Zukunft offen zu lassen.

    Genau das tun aber diejenigen nicht, die die Vokabel unumkehrbar benutzen. Letztlich bedeutet es nichts anderes, als dass Gestaltungsmöglichkeiten in der Zukunft eingeschränkt werden, ohne genau zu wissen, welche Möglichkeiten sich in der Zukunft bieten. Wichtig ist bei diesem Vorgehen, dass man Bestehendes zerstört, da es die Gefahr birgt, dass man hier eventuell wieder anknüpfen kann. Man bricht Brücken ab um einen Rückweg zu verhindern.

    Momentan kann aber noch niemand mit Gewissheit voraussagen, ob der eingeschlagene Weg nicht vielleicht auch eine Sackgasse sein kann. Wenn das der Fall ist, und ich gehe davon aus, wird es sich schwer rächen, diesen Weg unumkehrbar gemacht zu haben. Von verantwortungsvoller Politik kann somit hier keine Rede sein. Das haben Maxeiner & Miersch mit ihren Beispielen gut dargestellt.

  6. @Quentin

    es ist das Dilemma in einer Demokratie, dass man nie sicher sein kann, ob der einmal eingeschlagene Weg auch in Zukunft gegangen werden wird. Neue Aspekte und Aussichten zwingen manchmal dazu Entscheidungen zu korrigieren.

    …..ja eben, das setzt jedoch voraus, dass andere Meinungen überhaupt noch zugelassen werden. Das Wesen einer Demokratie ist ja, dass durch ungehinderte und freie Meinungsvielfalt eine Vielzahl möglicher neuer Wege aufgezeigt wird. Gerade dies jedoch wollen die Planer der „Großen Transformation” nun überhaupt nicht dulden, verzögert es doch ihren beschlossenen Umbau der Welt in ein Erneuerbares-Energien-Paradies. Und wer will sich schon sein fettes Milliarden-Geschäft vermasseln lassen. Also wird nun flugs die „Unumkehrbarkeit” ausgerufen, um den Pöbel vor vollendete Tatsachen zu stellen und damit jegliche Diskussionen über mögliche Alternativen bereits im Vorfeld zu unterbinden. (Außerdem setzt man schlichtweg voraus, dass die Mehrheit der Menschen ja sowieso für einen Atomausstieg sei.) Das ist totalitäres Denken und zeigt in erschreckender Weise, wie weit die Entmündigung der Menschen bereits fortgeschritten ist.

    Dazu schrieb Maxeiner kürzlich:

    …..Nachdem die Arbeiterschaft und die Dritte Welt sich selbstständig gemacht haben und als Mündel ausfallen, verschafft die „Nachhaltigkeit“ Weltbeglückern die Chance, sich zum Sprecher des „Klimas“ zu machen oder noch besser „künftiger Generationen“. „Es findet gleichzeitig eine Entmündigung und Anmaßung statt“, schreibt der Ökonom Oliver Marc Hartwich. Entmündigt wird die heutige Generation, denn ihr wird eine eigene Entscheidung, ihr Leben selbstverantwortlich zu führen, abgenommen. Außerdem maßt sich derjenige, der im angeblichen Interesse künftiger Generationen Forderungen erhebt, an, für eben jene Generationen sprechen zu können.

    Doch welche Generationen sind überhaupt gemeint? Die in 50 Jahren, in 100 Jahren, in 1000 Jahren oder in 100 Millionen Jahren? Wird es dann überhaupt noch Menschen geben? Und was wird gut für sie sein? Was hätte ein Wissenschaftler Ende des 19.Jahrhunderts zu unserem heutigen Wohle empfohlen? Nachhaltige Pferdekutschen? Petroleumlampen? Raddampfer?</strong …..

    In der Sackgasse befinden wir uns auf jeden Fall, die Frage ist nur, ob noch Zeit für eine Umkehr ist, bevor der Motor endgültig festgefahren ist. Umkehrbar ist letztendlich alles, es ist nur die Frage „auf welchem Weg”. Nicht alle kaputtgewirtschafteten Systeme verlassen die Bühne so friedlich wie die DDR 1.0……. Wann also wacht das Volk endlich aus seiner Lethargie auf und begreift, was hier wirklich auf dem Spiel steht.

  7. @ Tim

    Ob und wann das Volk aufwacht kann man schlecht vorhersehen. Ich denke, das wird erst geschehen, wenn die Nachteile der derzeitigen Entwicklung spürbar werden. Das wäre einerseits dann wenn der Lebensstandart absinkt, im Vergleich zu anderen Industrienationen; anderseits wenn es mehr und mehr Einschränkungen der persönlichen Freiheit gibt. Doch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass die Umbesinnung einfach sein wird. Die grüne Bewegung ist im Kern eine religiöse Weltanschauung und diejenigen die diese Weltanschauung verinnerlicht haben, werden sich nicht so schnell davon lösen. Auch Nachteile werden nur als notwendige Opfer empfunden um das große Ziel zu erreichen. Ja, das erbringen dieser Opfer macht denen sogar Freude. Vergleichbare Vorgänge finden sich in fast allen Religionen. Ich denke da nur mal an die Geißlerbewegung im Mittelalter.

    Es wird auch nichts nützen wenn der Ökobewegung die Nachteile ihres Tuns aufgezeigt werden. Deren Ziel liegt in der Zukunft, die Nachteile werden nur als Hindernisse auf dem Weg ins Paradies gesehen. Um das Volk zu überzeugen, braucht es einen politischen Gegenentwurf zur Ökobewegung, einer der auch die Massen erreicht. Wir hier diskutieren oft über libertäre Gedanken zur Gestaltung unserer Gesellschaft, müssen aber einsehen, dass diese keine große Zugkraft entwickeln. Jedenfalls nicht bei der Mehrheit der Bevölkerung. Es werden eher populistische Bewegungen sein, die in naher Zukunft einen Gegenpol zur Ökobewegung bilden werden. Wie etwa in unseren Nachbarländern. Es ist gut möglich, dass dies dann auch zu militanten Reaktionen der Ökos führt, insofern ist auch die Bermerkung: „Nicht alle kaputtgewirtschafteten Systeme verlassen die Bühne so friedlich wie die DDR 1.0“, nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen.

  8. Atomkraft im freien Markt, OK
    „Sicher ist: Wenn es im freien Markt AKWs gäbe, dann sähen sie anders aus.“

    Der Atomstrom aus Kernkraftwerken ist für den Endverbraucher ca. 10 bis 20% teurer als der Strom von den Grünen-Jungs.

    Einfach sich mal seinen Strompreis für 100% Kernkraftstrom bei
    https://enermy.de/produkte/strom/kernstrom/
    anfragen
    und dann bei der einschlägigen Stromvergleichsrechnern und man stellt fest, dass Strom aus Kernkraft teurer ist als der von den Grünen-Jungs.

    MfG

  9. Udo Stemmer 14. März 2017 23:42

    Der Atomstrom aus Kernkraftwerken ist für den Endverbraucher ca. 10 bis 20% teurer als der Strom von den Grünen-Jungs.

    Ich habe mich auch schon immer gefragt, warum der Strom in Frankreich so teuer ist, bei uns aber so billig. Ich dachte, das wäre nur darum, weil die Franzosen eben so viel weniger CO2 emittieren wollen … koste es was es wolle.

  10. 9. Martin Landvoigt 15. März 2017 07:20
    Ich habe mich auch schon immer gefragt, warum der Strom in Frankreich so teuer ist, bei uns aber so billig.

    Da haben Sie natürlich Recht Herr Martin Landvoigt.
    Der Strom in Frankreich ist ca. 1 Cent teurer als in Deutschland an der Strombörse so im Jahresmittel.
    z.B. morgen, Lieferung am 30.07.2017 ca. 0,5 Cent/kWh in Deutschland und in Frankreich ca. 1,4 Cent/kWh, siehe EEX.

    MfG

  11. Wem nutzen die niedrigen Preise an der Strombörse? Eigentlich niemanden. Denn verantwortungsbewusste Versorger haben sich frühzeitig mit Verträgen versorgt und können die Dumping-Preise nicht nutzen. Ebenso auch viele seriöse Verbraucher in der Industrie. Die Aluminiumhütte wird keine Sonderschichten fahren, weil gerade der Strom geschenkt wird.
    Die Nachfrage ist hinsichtlich der Preise unelastisch, mangels Speicherfähigkeit.

    Die Idee der Börse ist die des transparenten Marktes. Idealer Weise stellen sich Preise ein, die tendenziell im Mittel über den Herstellkosten liegen, denn ohne Profit macht der Handel keinen Sinn. Bei der Energie macht das aber wenig Sinn: Sie ist nicht, bzw. nur geringem Umfang speicherbar, Investitionskosten und technische Bedingungen lassen geringe Schwankungen zu. Dumping-Preise erweisen sich hier als besonders schädlich.

  12. Herr Martin Landvoigt,
    die niedrigen Preise an der Strombörse nützen natürlich den Stromverbraucher, da ja auch die Durchschnittlichen Strombeschaffungskosten ein Anteil in der Stromrechnung darstellen.
    Der verantwortungsbewusste Versorger nutzt natürlich die Dumping-Preise bei den längerfristigen Verträgen mit den Kraftwerken.
    Da sind bei den längerfristigen Verträgen auch Preise unter 3 Cent beim Stromeinkauf angesagt.

    Martin Landvoigt 30. Juli 2017 16:00
    Aluminiumhütte wird keine Sonderschichten fahren, weil gerade der Strom geschenkt wird.

    Es gibt aber noch 81 Millionen Deutsche die sich da was einfallen lasen wie man günstigen Strom auch nutzen kann, das machen die Leute von selber wen nur die Gesetzlichen Rahmenbedingungen das zulassen.
    Da braucht sich kein Politiker Gedanken mache was die Leute in dem günstigen Strom anstellen.

    Martin Landvoigt 30. Juli 2017 16:00
    Die Nachfrage ist hinsichtlich der Preise unelastisch, mangels Speicherfähigkeit.

    Die Nachfrage ist keine Frage der Speicherfähigkeiten, sonder nur vom kWh Preis zu einer bestimmten Zeit.

    Martin Landvoigt 30. Juli 2017 16:00
    Die Idee der Börse ist die des transparenten Marktes.

    Ein Börsenpreis ist niemals der Marktpreis oder die Herstellungskosten.
    Egal ob das um Strom der um sonstige Produkte geht.
    An der Börse geht es immer um Angebot und Nachfrage und um nichts anderes.

    Deshalb habe ich auch nicht verstanden weshalb die großen Energieversorger darauf gedrängt haben den gesamten EEG-Strom an der Börse aufschlagen zu lassen ab ca. 2009 mit der Änderung des Wälzungsmechanismus vom EEG-Strom.

    MfG

  13. Udo Stemmer 30. Juli 2017 19:22

    die niedrigen Preise an der Strombörse nützen natürlich den Stromverbraucher, da ja auch die Durchschnittlichen Strombeschaffungskosten ein Anteil in der Stromrechnung darstellen.

    Das ist nur bedingt richtig. Denn zum Einen bezahlt er das Dumping ja mehrfach über die EEG-Umlage. ohne die es zum Dumping nicht kommen würde. Zum Anderen durch die volkswirtschaftlichen Verluste, die er wahrscheinlich auch über Steuern und andere Umlagen finanziert.

    Der verantwortungsbewusste Versorger nutzt natürlich die Dumping-Preise bei den längerfristigen Verträgen mit den Kraftwerken.
    Da sind bei den längerfristigen Verträgen auch Preise unter 3 Cent beim Stromeinkauf angesagt.

    Das hat mit Verantwortungsbewusstsein wenig zu tun, sondern mit wirtschaftlichen Erfordernissen. aber derartige Dumpings sind wirtschaftsschädlich und letztlich nicht anstrebenswert.

    Aluminiumhütte wird keine Sonderschichten fahren, weil gerade der Strom geschenkt wird.

    Es gibt aber noch 81 Millionen Deutsche die sich da was einfallen lasen wie man günstigen Strom auch nutzen kann, das machen die Leute von selber wen nur die Gesetzlichen Rahmenbedingungen das zulassen.

    Industrieelle Großverbraucher haben direkten oder indirekten Zugang zu Börsenpreisen. Privatverbraucher haben das gar nicht.

    Die Nachfrage ist hinsichtlich der Preise unelastisch, mangels Speicherfähigkeit.

    Die Nachfrage ist keine Frage der Speicherfähigkeiten, sonder nur vom kWh Preis zu einer bestimmten Zeit.

    Sie scheinen wirklich das Problem nicht zu verstehen.

    Martin Landvoigt 30. Juli 2017 16:00
    Die Idee der Börse ist die des transparenten Marktes.

    Ein Börsenpreis ist niemals der Marktpreis oder die Herstellungskosten.

    Es wäre sicherlich weniger peinlich, wenn sie sich mit den Grundlagen der Marktlehre vertraut machen. Die gezeigten Defizite lassen sich nicht in einem Kommentar, schon gar nicht gegen eine Erkenntnisimmunisierung, heilen.

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