Der Unterschied zwischen Gefahr und Risiko

5. Juli 2010 | Von | Kategorie: Blog, Gesundheit, Klimawandel, Medien, Ökologismus

Wenn Stefan Rahmstorf der Spiegel nicht mehr gefällt, dann ist das Grund genug, ihn besonders gründlich zu lesen.

In der aktuellen Print-Ausgabe (27/2010) sind jedenfalls eine Reihe sehr lesenswerter Beiträge enthalten. So das Interview mit der grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken, für die die Weltrettung mit einem fleischfreien Tag in der Bundestagskantine Fahrt aufnehmen soll. Was selbst in ihrer eigenen Fraktion zu Widerspruch führt. Höfken kommentiert dies mit den Worten „[…] gerade Grüne lassen sich ungern was vorschreiben.“ Aha. Man staunt doch sehr, welche Wahrnehmung die Verbotspartei an sich von sich selbst so hat. Auf den Einwand des Spiegel, die Parlamentarier würden dann wohl doch eher die Imbißbuden in der Umgebung stürmen konterte Höfken mit zu bratenden „Ausnahmewürsten“ für „Härtefälle“.

Schön, daß der Spiegel immer wieder Politikern Raum gibt, sich selbst zu entlarven. Und das gilt auch für Wirtschaftsbosse.

Der Chef der Münchner Rück, Nikolaus von Bomhard, bleibt jedenfalls trotz Hurricangate fest bei seiner Auffassung, der Klimawandel hätte bereits zu mehr Stürmen, Überschwemmungen und sonstigen Extremwetterereignissen geführt. Und zeigt sich als wackerer Kämpfer gegen die Katastrophe. Denn schließlich dürften die Risiken nicht so hoch werden, daß die Prämien der Rückversicherer nicht mehr bezahlt werden könnten. Wahrnehmungsverlust und Verschleierung gehen hier Hand in Hand. Ein ebenfalls sehr aufschlußreiches Interview.

Ein gelungenes Stück Journalismus (in bester aufklärerischer Tradition) ist auch der Text über den Einsatz von DDT gegen Malaria in Swasiland. Auf nur einer Seite wird hier die gesamte Ökobewegung vernichtet. Durch einen Betroffenen selbst, Simon Kunene, den Malariabeauftragten des kleinen afrikanischen Königreiches. Ich darf den Text hier aus Copyright-Gründen natürlich nicht in voller Länge wiedergeben. Aber den grandiosen Schluß darf ich zitieren (Hervorhebung durch mich):

„Natürlich kann es sein, daß DDT gefährlich ist“, sagt Kunene. „Aber immerhin weiß ich, das es gegen Malaria funktioniert. Ich habe in meinem Leben viele Gräber von Malariaopfern gesehen. Aber kein einziges von einem DDT-Opfer.“

Es ist eine afrikanische Sichtweise, pragmatisch, nicht ideologisch. Es beschreibt ziemlich präzise den Unterschied zwischen Risiko und Gefahr.

„Ich liebe Erfolge“, sagt Kunene. Dann zündet er sich eine Zigarette an und humpelt über den Rasen zurück zur Gesundheitskonferenz.

Rahmstorf mag den Spiegel nicht (mehr). Jetzt bekomme ich einen Eindruck, warum…

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13 Kommentare
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  1. Das (ersatzlose) DDT-Verbot 1972 hat mit 50-100 Millionen Malariatoten zum größten Masentotschlag aller Zeiten geführt.
    Wenn jetzt beispielsweise die Afrikaner Schadenersatzklagen o.ä. durchführen, dürfte das politisch weltweit zu einem politischen/weltanschaulichen Erdrutsch führen können.

  2. Sag ich schon länger. [gelöscht, Admin Heller -- wie Bibliothekar unten korrekterweise anmerkt, geben Nickname und die gelöschte Formulierung Anlaß, über die Motivation dieses Beitrages nachzudenken]

  3. @ Johnny Bombenhagel

    Ich weiß nicht warum in diesem Zusammenhang der H.. Name auftauchen muß. Ich hoffe es war nur Unachtsamkeit und nicht mit dem Ziel dem Forum einen bestimmten Touch zu geben. Ich distanziere mich jedenfalls von diesem , in ihrer Form geschriebenen Zusammenhang.
    Ihr gewählter Nickname behagt mir übrigens auch nicht.

  4. Gerade bei Ökowatch gefunden…..

    „““Unbequeme Wahrheiten über die Klimapolitik““
    Vom Europaabgeordneten Holger Kramer , Dr. Benny Peiser und Dr. Arman Nyilas

    http://tinyurl.com/3axjdql

    Wem diese Broschüre gefällt, einfach ausdrucken und in seinem persönlichen Umfeld verteilen.

    Viel Spass beim Lesen

    Heinz Eng

  5. Ich darf an dieser Stelle auf Paul Driessens Buch „Öko-Imperialismus: Grüne Politik mit tödlichen Folgen“ hinweisen (siehe den Link hier links unten), in dem detailliert auf den Zusammenhang „grüne“ Unvernunft-Massensterben in Afrika eingegangen wird. Das Buch ist auch in anderer Weise prophetisch. In Form eines Dossiers geht es mit den Praktiken von BP (Beyond Petroleum) ins Gericht. Schon 2006 stand für den Autor fest, daß es hier irgendwann zu einer Katastrophe kommen wird. In einem gewissen Sinne war es das erste Buch gegen die Arroganz der „Grünen“, das in Deutschland erschien. Es hat mir damals „nachhaltig“ die Augen geöffnet. Bis dahin fand ich auch, das Deutschland grüner, nachhaltiger und so weiter werden müßte, seitdem nicht mehr!

  6. @ Julian Fischer

    Der Empfehlung für dieses Buch kann ich mich voll und ganz anschließen (es taucht auch in den Buchempfehlungen rechts auf dieser Seite auf). In der Tat ein echter Augenöffner. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für alle grünen Politiker (und damit meine ich Politiker sämtlicher Parteien) in unserem Land sein.

  7. Schön wärs, wenn mit DDT das Malariaproblem gelöst wäre. Gezeigt hat sich aber unterdessen, dass die Malariaübertragenden Fliegen resistent sind gegen dieses Gift. DDT steht dagegen dringend im Verdacht, an sogenannten Polioepidemien schuld zu sein. Meines Erachtens verschiebt DDT das Problem nur. Gift kann niemals gut sein. Was viel zu wenig bekannt ist, ist dass es pflanzliche Malariaprophylaxe gibt. Mein Schwager, der einige Jahre in Afrika gelebt hat, baut dieses Kraut an und vertreibt es in Afrika. Eine Malariaerkrankungen kann zudem erfolgreich mit Homöopathie auskuriert werden. Gift ist keine Lösung. Gott hat für alles ein Kraut wachesen lassen.

  8. Ach herrje…erst die Trolle, dann die Esoteriker. Naja, ist halt das Internet…

    Eine Malariaerkrankungen kann zudem erfolgreich mit Homöopathie auskuriert werden.

    Mit Homöopathie kann gar nichts kuriert werden.

    Gift ist keine Lösung.

    Alles ist giftig, es kommt nur auf die Konzentration an.

    Gott hat für alles ein Kraut wachesen lassen.

    Gott hat gar nichts wachsen lassen. Die Evolution der Pflanzen ist auch eine Geschichte der Entwicklung von Abwehrkräften (Giftstoffen) gegen Konkurrenten und Freßfeinde. Deswegen sind ja alle pflanzlichen Wirkstoffe Gifte. Daß ein paar davon in bestimmten Mengen und Konzentrationen uns gegen Krankheiten helfen können, wurde von den Pflanzen ganz bestimmt nicht so intendiert.

  9. >Schön wärs, wenn mit DDT das Malariaproblem gelöst wäre.

    DDT ist kein Wundermittel gegen Malaria, sondern ein sehr gut wirksames Mittel, wenn man es gezielt einsetzt. Hätte man das Mittel nicht vor 40 Jahren aufgrund u.a. des Drucks von Greenpeace und des World Wildlife Fond aus dem Verkehr genommen, hätten 40 Mio. Leute vermutlich nicht sterben müssen. Im übrigen bedroht Malaria ca. 40% der gesamten Menschheit, das sind derzeit 3,9 Mrd. Menschen. Davon sind 250 Mio. mit Malaria infiziert und jedes Jahr sterben etwa noch weltweit 800.000 Leute daran -- primär Kinder. Wie’s in Deutschland diesbezüglich noch vor
    etwa 150 Jahren ausgesehen hat, lesen Sie nach unter http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/05H123/prom.pdf. Da können Sie auch nachlesen, dass wir nach dem I und II. Weltkrieg lokale Malariaausbrüche hatten -- z.B. in Berlin und Hamburg.

    >Gezeigt hat sich aber unterdessen, dass die Malariaübertragenden Fliegen resistent sind gegen dieses Gift.

    Hört sich nett an, stimmt aber so nicht. Ein Blick in die Fachliteratur zeigt sofort, dass dies nur für einen Teil der Mückenstämme sowie ausgewählte Regionen z.b. in Süd-Vietnam und Kambodscha sowie Ethiopien gilt. Wenn Sie
    die Fachliteratur lesen würden, würden Sie feststellen, dass die von den Greenies stets propagierten Pyrethroide als DDT-Alternative selbst auch unter Resistenzproblemen leiden. Mal abgesehen davon, dass Pyrethroide deutlich schlechter wirksam sind.

    >DDT steht dagegen dringend im Verdacht, an sogenannten Polioepidemien schuld zu sein.

    dafür haben Sie jetzt hoffentlich eine glaubhafte Evidenz und nicht irgendeinen Presseschnipsel aus einem
    pseudomedizinischen Alternativmedizin-Antiimpf-Kinderjournal, ja? Ein Blick in die med. Fachliteratur zeigt,
    dass es hierzu keine einzige Studie gibt. Ergo gibt es den von Ihnen behaupteten Zusammenhang offenbar
    nicht.

    >Meines Erachtens verschiebt DDT das Problem nur.

    nein, mein Herr, es hätte (frühzeitig eingesetzt), das Problem schlicht gelöst. Die USA zeigen das erstklassig. Die rotteten in den 1950ern Malaria durch massiven DDT-Einsatz aus. Heute erkranken ca. 1800 US-Bürger noch an
    Malaria und davon sind im letzten Jahr gerade mal fünf (sic!) Personen im eigenen Land erkrankt, während der
    Rest der Infektionen von Urlaubern ohne anständige Prophylaxe von außen nach den USA eingeschleppt wurde.
    In Deutschland werden jährlich bis zu 1000 Malaria-Fälle aus Drittländern eingeschleppt. Wir haben ab und an auch Flughafen-Malaria-Fälle bei Leuten, die nie im Ausland waren. Die haben sich über in Fliegern mitreisenden Anophelesmücken infiziert, wobei wir noch von Glück sagen können, dass diese Viecher nicht lange leben und sich (noch) nicht hier vermehren können. Bin ich froh, dass sich das Klima derzeit offensichtlich etwas abkühlt.

    >Gift kann niemals gut sein.

    Sagen Sie das mal allen, die sich mit Malaria tropica infiziert haben. Können Sie sicher auch gerne selbst ausprobieren. Einfach nach Afrika fliegen, kein Mückennetz und keine Prophylaxe benutzen, sich stechen
    lassen (z.B. beim Baden im Fluss) und dann nach dem üblichen 2-Wochen-Trip mit einer scheinbaren kleinen
    Grippe zu Hause ankommen. Verpennt man den Gang zum Arzt oder kriegt der zufällig nicht mit, dass Sie aus
    den Tropfen kommen und übersieht der dann die Malaria tropica, müssen Sie sich mit dem Testament beeilen,
    da sie als Erwachsener dann unbehandelt beste Chancen auf die Kiste besitzen. Passiert jedes Jahr in Deutschland.
    Und wissen Sie, was auch wirklich witzig ist? Es gab sogar schon Fälle hundsnormaler, anständiger deutscher Stechmückinnen, die sich an malaria-tropica-positiven Krankenhauspatienten den Wanst vollschlugen, dann abhauten, nach 1-2 Tagen wieder kamen, den benachbarten Patienten ohne Malaria stachen und dabei die Malaria des ersten Opfers übertrugen. Und das alles höhnisch grinsend unter den Augen der erstaunten Ärzte, die sich nicht erklären konnten, wie die Malaria von einem zum anderen kommt, denn die ist ohne Blut-Blut-Kontakt nicht übertragbar.

    >Was viel zu wenig bekannt ist, ist dass es pflanzliche Malariaprophylaxe gibt.

    dann erbitte ich konkrete Hinweise auf die entsprechenden Produkte und Pflanzen (am besten gleich
    mit lat. Bezeichnung). Ich bin für realistische Alternativen stets offen.

    >Mein Schwager, der einige Jahre in Afrika gelebt hat, baut dieses Kraut an und vertreibt es in Afrika.

    Und welches Wunderkraut ist es genau? Und hat er dazu schon mal ’ne Studie veröffentlicht oder irgendetwas
    Handfestes vorzuweisen? Wäre ja ganz simpel: einfach Leute selektieren, die sowieso nicht behandelt werden,
    denen das Mittel aufschwatzen und regelmäßig Blutbild abnehmen und die Malariatests durchführen. Dann sieht
    man, ob das Wundermittel hilft oder nicht. So einen Blutausstrich kann jeder Anfänger machen, wenn man es ihm
    beibringt.

    >Eine Malariaerkrankungen kann zudem erfolgreich mit Homöopathie auskuriert werden.

    Hahnemann’sche Glaubensmedizin hat mit Phytopharmazie so viel zu tun wie Fingerhakeln mit Eierlegen.
    Ansonsten kann ich bezüglich Homöopathie und Malaria nur auf folgenden Artikel verweisen. Er zeigt exemplarisch,
    wie schnell man sich Malaria unter „homoeopathischer Prophylaxe“ einfängt.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1119022/?tool=pubmed
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1120300/?tool=pubmed

    >Gift ist keine Lösung.

    Dummerweise ist DDT gar nicht so giftig. Wenn man es leitliniengerecht anwendet, ist es sehr sicher anwendbar.
    Wäre es anders, wären die Amis alle tot, denn die haben hunderttausende von Tonnen DDT in die Umwelt geballert und die leben doch noch glatt allesamt ….

    >Gott hat für alles ein Kraut wachesen lassen

    und was macht jetzt ’n Atheist wie ich? Weinend zusammenbrechen?

    Kopfschüttelnd, Upjohn

  10. Mich würde interessieren, warum die Befürworter der Schulmedizin und von DDT etc. immer so aggressiv reagieren wenn man ihnen sagt, dass es Alternativen gibt. Wenn die Homöopathie bei meiner Katze wirkt, warum soll sie beim Menschen nicht wirken? Als Humanbiologin, die 7 Jahre in der Pharmaindustrie gearbeitet hat, kann ich da auch nur den Kopf schütteln. Lieber aggressiv sein als lernen, oder? Nehmt Euer Gift, betreibt weiter Raubbau an der Erde und werft Euch Eure Chemie ein. In der Zeitrechnung des Planeten gesehen, gibt es Euch nur den Bruchteil einer Millisekunde. Es lohnt also die Aufregung nicht.

  11. @nix_gelernt

    Ich nehme mal an, das auch Impfungen gegen diverse Krankheiten nur eine Erfindung der bösen Pharmalobby ist um uns zu hirnlosen Zombies zu machen?

    gibt es Euch nur den Bruchteil einer Millisekunde.

    Sie kommen sicherlich von einem anderen Stern, denn Sie scheinen ja von den Problemen dieses Planeten nur am Rande tangiert zu sein.

    Ach ja, sollen ruhig noch ein paar Schwarzafrikaner an Malaria verrecken, was geht uns an, wir sind ökologisch Vorbildlich.

    H.E.

  12. n’Abend!

    1. Interessiere mich für nüchterne deutschsprachige Übersicht DDT / Malaria.
    2. Bedaure, daß hier keine Privatnachrichten möglich sind. Dank & Gruß!

  13. @ nleser:

    Ein paar Tips:

    P Bützer: Der ökologische Sündenfall
    Sehr knapp das wesentliche zusammengefasst, von einem Chemiker.

    Vom Killerpestizid zum Heilsbringer
    Beleuchtet eher die politische Seite.

    Und ganz nebenbei: Auch in Deutschland gibt es immer noch große Vorräte an DDT und Lindan -- in den Lagern für Katastrophenschutz und bei der Bundeswehr. Es gibt im Fall der Fälle eben nichts besseres.

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