Deutschland und die Gentechnik: „Keine Vernunft. Nirgends.“

12. August 2015 | Von | Kategorie: Blog, Gentechnik, Ökologismus, Politik

800px-Golden_RiceWas würde ein gentechnikfreies Deutschland in Wirklichkeit bedeuten? Wäre das wünschenswert? Ist das überhaupt möglich? Diesen und anderen Fragen geht Ralph Bock, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm bei Potsdam, in einem Beitrag für das Laborjournal nach.

Ohne zu viel zu verraten, ein gentechnikfreies Deutschland ist, wie der Autor deutlich herausstellt, nichts weiter als eine Illusion, der Politik und Umweltverbände hinterherlaufen, die aber in Konsequenz kaum wünschenswert, wenn nicht unerreichbar ist:

Ich verstehe das Dilemma. Vollständige Kennzeichnung hieße schon heute Gentechnik-Aufdrucke überall im Regal: auf sehr vielen Lebensmitteln (vom Käse bis zur Wurst), auf nahezu allen Medikamenten – und auch unsere schönen, bunten Euro-Geldscheine würden einen Aufdruck tragen, der darauf hinweist, dass sie aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt wurden (hier ist die Wahlfreiheit zugegebenermaßen etwas schwieriger umzusetzen, aber Münzgeld wird meines Wissens momentan noch gentechnikfrei hergestellt und Kartenzahlung ist ja schließlich auch vielerorts möglich…). Willkommen in der Realität!

Um mehr Ehrlichkeit (und auch Realitätssinn) in die Debatte um genetisch veränderte Pflanzen zu bekommen fordert Bock eine konsequente Kennzeichnungspflicht gentechnisch hergestellter Produkte. Nur das gibt wirkliche Wahlfreiheit, und wird vielen Verbrauchern erst klarmachen, dass Gentechnik in fast allen Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen Dingen des täglichen Bedarfs bereits ganz selbstverständlich vorhanden ist. Ohne dass davon irgendeine Gefahr ausgehen würde.

Richtig gut wird der Text von Bock, wenn er schreibt, was er über den Umgang der Politik mit dem Thema Gentechnik und der Forschung dazu hält. Hier spürt man auch den Frust eines Forschers, der sich seit vielen Jahren mit den wirklichkeitsfremden Entscheidungen von Politiker mit großen Ambitionen aber frei von jedem Fachwissen herumschlagen muss:

Ich lese weiter im Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion: „Wir wollen eine stärkere Gewichtung der gentechnikkritischen Forschungen, um dem Vorsorgegrundsatz der Umwelt- und Naturschutzpolitik besser gerecht zu werden.“ Was bitte, liebe SPD-Bundespolitiker, heißt das denn auf Deutsch? Wollen Sie die Forscher in Deutschland so lange gängeln, bis sie sich Ihren Wunschthemen zuwenden und verzweifelt versuchen, mit der zwölftausendsten Studie doch noch den Nachweis zu erbringen, dass Gentechnik Krebs auslöst, Marienkäfer tötet und heimische Orchideen bedroht? Reicht es nicht mehr aus, dass das seit Jahren mit der Ressortforschung in Bundesanstalten und Bundesinstituten geschieht, wo Wissenschaftler bevormundet und unliebsame Forschungsaktivitäten par ordre du mufti eingestellt werden? Liebe SPD-Abgeordnete, dann nutzen Sie die Gunst der Stunde: Mit der großen Koalition können Sie das Grundgesetz ändern und die Forschungsfreiheit in Deutschland abschaffen. Dann können Sie den Wissenschaftlern im Lande endlich flächendeckend die Themen verordnen, die sie Ihrer Meinung nach beforschen sollten. Und im Idealfall können Sie vielleicht auch gleich die „gentechnikkritischen“ Forschungsergebnisse mitbestellen, die Sie sich zu erhoffen scheinen – weltweit mehr als zehntausend aus Steuergeldern finanzierte Studien und Metastudien müssen einfach irren!

Bitte unbedingt den ganzen Text lesen. Es gibt ihn hier.

Titelbild: „Golden Rice“ by International Rice Research Institute (IRRI) –  Licensed under CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Ähnliche Beiträge (Automatisch generiert):

Print Friendly

10 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Wie der Hase laufen soll kann ich immer bei den Aufrufen von Campact nachlesen. Alle zwei Tage wird einen neue Sau durchs linksgrüne Dorf mit schwarzen Hausnummern getrieben. Der Sinn für Realität und bei vielen auch das notwendige Wissen sind längst ideologisch weg gezaubert worden. Die Entzauberung wird einmal kommen.
    In Baden Würrtemberg steht Unterricht zu sexueller Vielfalt auf der Agenda. Da wird nachhaltig die Zukunft unserer „Reproduktion“ geleert. Gene, was ist das? Schon wieder German Angst. Aber wer nichts (mehr) weiß muß alles glauben.
    Dafür sorgen schon die Medien.

  2. Schon 2000 erkannte man:

    44 Prozent der Bundesbürger vertraten die Ansicht, normale Tomaten hätten keine Gene. 30 Prozent der Deutschen glaubten zudem, dass der Verzehr einer gentechnisch veränderten Tomate die eigene menschliche Erbsubstanz verändern könne.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/studie-verbraucher-stehen-gentechnik-skeptisch-gegenueber-a-92385.html

    Die Ösis zogen früh erste Konsequenzen:

    Meinl will seine Lieferanten verpflichten, nur

    genfreie

    Produkte zu liefern. (….) Lebensmittelhersteller, die sich nicht zur genfreien Produktion verpflichten, wie etwa Nestlé, Unilever oder Danone, droht der Rausschmiß.

    Reitmeier, Ruth -- Wirtschaftsblatt (AT) (17.10.1996 -- Händler setzen Gen-Industrie unter Druck)

    Österreicher und die „Endlösung“, früher wie heute:

    Ganz Österreich muss zur genfreien Zone werden

    KRONEN ZEITUNG (08.4.2002)

    da muss sich unsere Kompetenznomenklatura doch auch stark machen. Ganze Regionen müssen de-ribonukleinisiert werden:

    Zum einen will ich mich dafür einsetzen, dass der Taunus genfreie Zone wird, zum anderen muss sich unsere Region als Gesundheitsstandort profilieren.

    Nouripour, Omid (MdB) (zit. in Taunus-Zeitung 16.09.2006)

    Ob er den Taunus mittlerweile der Führung in Groß-Berlin „genfrei“ gemeldet hat?

    ..aber gottseidank gibt es noch Einsichtige ob der Erfolgsaussichten, wahre Dissidenten:

    Deutschland ist kein genfreies Land und wird es auch nicht werden …

    Bernhard Daldrup MdL, landwirtschaftspolitische Sprecher CDU Fraktion Sachsen Anhalt (CDU Fraktion Sachsen Anhalt 22.08.2003)

    …klar, das kann es nicht werden, dafür CO2-frei, bis in die tiefste Provinz:
    http://www.badische-zeitung.de/denzlingen/ziel-ist-eine-co2-freie-gemeinde--54510149.html

    Man könnte lachen, wenn es nicht so ernst wäre, oder wie Einstein sagte:

    Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

  3. @Testpilot
    Tja….dat liegt daran, das die bildungsfernen Schichten es in die Verwaltungen und sogar bis in die Regierung geschafft haben.

    Denn viele Mitglieder der bildungsfernen Schichten haben es bis in den Bundestag und die deutschen Landtage geschafft. Nach 15, 20 Semestern Studium, nicht selten ohne Abschluss, nach „Arbeit“ in steuersubventionierten „Initiativen“ und Kampagnen zur Niederringung des verachteten Systems, ist man spätestens mit Fischer 1985 an der Spitze der Geldverteilungsmaschine angekommen. …..

    ….Wissen ist von den bildungsfernen Schichten konsequent ersetzt worden durch Glauben und Angst, das kleine Latinum durch das große Moralium abgelöst, und leider hat auch die 50 Jahre währende Umerziehung „der Massen“ Früchte getragen. Die Schweigespirale tut ein Übrigens, ……

    Eine schier endlose Zahl von Betreuungs- und Kontrolljobs ist entstanden, der Staatapparat zum Platzen aufgebläht mit Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, Mobbingschutz, Flüchtlings-, Migranten und Armutsindustrie, Genderkomikern und natürlich Sozialarbeitern, Sozialarbeitern, Sozialarbeitern.

    u.s.w.

    Quelle

    Ich spüre das zunehmend in meiner täglich Arbeit……eine Flut von Vorschriften….die dazu animiert…..am besten garkein neues Projekt mehr zu planen….und wenn ja, dann wirds teuer ohne Ende.
    Zunehmende Unfähigkeit externer Planer machen dann noch jedes Projekt zur unkalkulierbaren Kostenfalle…..eine Bürgerbeschwerde reicht aus, vom eigenen Vorgesetzten fast geköpft zu werden…..ein nötiger Versorgungsausfall wegen nötigen Umbau/Modernisierungsmassnahmen…..ist der armen Bevölkerung kaum noch zuzumuten…..obwohl man selber in Ausnahmefällen 16-18 Stunden knüppelt…..

    Wenn Anspruchsdenken mit der totalen Verblödung eine Ehe eingeht…..können die entstehenden Kinder nur noch sabbernde Dauernörgler werden….die sich staatlich alimentiert durchs Leben schleppen.
    Adiue Deutschland……..von der Atomfreien Stadt bis zum Genfreien Dorf……ist es nur noch ein kurzer Weg.

    Hihi…..wenn die Bekloppten wüssten…..wieviel Bakterien in ihren Körper ein Teil der Verdauung übernehmen…..würden se sich wahrscheinlich sofortigst zu Tode desinfizieren.

    Onkel Heinz…..wenn Blödheit Hitze erzeugen könnte, wären die Ursachen das Klimawandels zu 100% tatsächlich menschengemacht.

  4. am Besten gefiel mir im zitierten Artikel:

    Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass in den USA jeder Bürger ein Auto hat?“
    „Im Prinzip ja, aber bei uns hat dafür jeder einen Parkplatz“

    auf unsere Situation bezogen:

    Frage an Radio Eriwan: „Stimmt es, dass in den USA jeder Bürger günstigen Strom hat?“
    „Im Prinzip ja, aber bei uns hat dafür fast jeder ein Solardach“

  5. Bremen wurde per Schild zur gentechnikfreien Zone erklärt.

    http://www.gentechnikfreie-regionen.de/regionen-gemeinden/gentechnikfreie-bundeslaender/bremen.html

    Das grüne Schild steht an der Ortsgrenze von Bremen zu Lilienthal/ Niedersachsen.

    Mal sehen, vielleicht komme ich dort heute mit dem Rad vorbei und stelle nachher ein Foto ein.

  6. @ Micha #5 Das erinnert mich an die Atomwaffenfreien Zonen. Ja immer fällt den linksgrünen Textern nicht etwas Neues ein.
    Eine Aktivistin besucht mich einst und möchte eine Unterschrift. Ich verweigere die wegen Grundgesetz, mangelnde Zuständigkeitkeit des Kreises. Dann kommt die Sprache auf Abschreckung. Mein Nachbar Schweizer macht dies wehrhaft verbal klar. Die Dame gibt in unserem Vorgarten immer noch nicht auf. Ich schlage die Jacke zurück und zeige meine schußbereite Dienstpistole. Mein schweizer Freund dazu: Wenn mir einer mit dem Stöckchen kommt, treffe ich ihn mit dem Prügel..
    Die ideologisch sehr fixierte Dame mußte erst mit Hinweis auf Hausrecht aus unserem großen gemeinsamen Garten verwiesen werden.Trotzdem erklärte sich der Landkreis Fürstenfeldbruck für Atomwaffenfrei.
    Ja das sind die gleichen verbohrten Personen, die sind noch nicht ausgestorben und an den Schulen wird Nachwuchs gezüchtet, wie ab 1933.

  7. Bin gerade mit dem Rad zurück.

    Hier das grüne Schild „Gentechnikfreie Region Bremen“ wenn man von Lilienthal/ Niedersachsen nach Bremen Borgfeld fährt:

    http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/hbgentechnikfr5xapd9rhoz.jpg

    Jemand hat das Schild schon beschmiert, ich wars nicht. Vielleicht lasse ich mir in den nächsten Tagen Genmais zuschicken und pflanze den neben dem Schild an. Natürlich mit Schild „Genmais“. 😉

  8. Genfreie Gebiete sind nur durch massivem Kernwaffeneinsatz zu erreichen, während die völige CO2-Freiheit schwer sein dürfte. Die Deppen sollten schon einmal mit gutem Beispiel voran gehen, aber dann bitte konsequent. Allerdings würden sie sich aber umschauen, denn ausatmen ist verboten und zu essen gibt es auch nichts mehr, denn Pflanzen sinf auf dieses „Giftgas“ lebensnotwendig angewiesen. Bis zum Ableben ist es immerhin möglich, wenigstens Wasser zu trinken, stilles Wasser, versteht sich. Angesichts der um sich greifenden Verdummung sollte ich mir langsam eine Tischplatte aus Schaumstoff zulegen.

  9. Wenn ich mal gegenpositionieren dürfte: Das Problem mit gentechnisch modifizierten Saatgut ist wohl die monopolisierung des Marktes durch einschlägige Großkonzerne, die die dummen Bauern in aller Welt in die Abhängigkeit treiben, jährlich neues Saatgut und die dazugehörigen Pflanzenschutzmittel bei ihnen kaufen zu müssen. Und wenn dieses Milliardengeschäft noch nicht mal zu signifikanten Ertragssteigerungen führt, fragt man sich doch schon mal, wozu überhaupt der ganze Aufwand? Stellen sich die Wissenschaftler in den Dienst des Mammon oder des wohlergehens der Menschheit? Und kommt mir nicht mit „Wissenschaft ist neutral“. Wer für Syngenta oder Monsanto arbeitet, ist wohl kaum neutral. Und der Höhepunkt ist es ja, wenn dieses patentierte Saatgut auf ein Feld eines „Ökobauern“ rüber weht und dieser dann bis auf die Unterhosen verklagt wird. In einer anderen, gerechteren Welt, würden genetisch optimierte Pflanzen vielleicht viel nutzen bringen, aber solange Landwirtschaft ein dreckiges Geschaft wie jedes andere ist, kann es viele Existenzen ruinieren.
    Freiheit, Dezentralisierung, Gerechtigkeit!

  10. 1. Es wird keiner gezwungen, gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen.
    2. Kleine Firmen können sich die Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen rein finanziell nicht leisten. Das können nur solche großen Multis. Schuld sind die hohen Hürden, um überhaupt eine Zulassung zu bekommen. Eine diesem Thema offenere Gesellschaft würde zudem die Forschung dazu an den Hochschulen fördern, was zur Zeit ebenfalls nicht passiert, weil politisch nicht gewollt.
    3. Der goldene Reis zum Beispiel darf völlig frei ohne Lizenzgebühren zum Eigenbedarf angebaut werden. Nix mit dem Leibhaftigen Monsanto und all den Schauergeschichten.

Schreibe einen Kommentar