Die Affen, die Menschen und der Tod
27. Juli 2010 | Von Peter Heller | Kategorie: Artikel, Biomasse, Blog, Energieerzeugung, Erdgas, Erdöl, Kohle
Die Sorge um den Fortbestand der britischen Wälder hätte eine Umweltbewegung im Jahr 1700 thematisieren können. Zu Recht. Und die Schuld hierfür trug nicht etwa der Klimawandel. Sondern tatsächlich der Mensch selbst. Der exzessive Schiffbau auf der einen und die Bedarfe der erwachenden Stahlindustrie andererseits führten zu großflächigem Holzeinschlag. Bar jeder forstwirtschaftlichen Vernunft wurde in Holzkohle verwandelt, was nur möglich war. Holzkohle, mit der in den damaligen Hochöfen Eisen und Stahl produziert werden konnten.Wer heute durch die Hügel der Landschaft um den mittelenglischen Flecken Coalbrookdale wandert, wird sich die apokalyptische Szenerie des Gemäldes von Philipp Jakob Loutherbourg kaum mehr vorstellen können. Das Bild stammt zwar aus dem Jahr 1801, aber es vermittelt einen Eindruck, wie es auch schon 1709 ausgesehen haben könnte. Eine karge, schlammige Landschaft, der Himmel verdunkelt von den Rauchschwaden aus den Schornsteinen, in Helligkeit getaucht allein durch die immerwährenden Feuer der Hochöfen. Statt auf Gleisen, Kanälen oder Straßen wurden Erze, Holz und Holzkohle auf Pferdekarren über unbefestigte Wege zu jeder Tag- und Nachtzeit herangeschafft. Ein lärmendes Inferno. Von dem heute nur noch ein paar alte Gebäude und ein Museum künden, inmitten sattgrüner Wälder und klarer Bäche unter – manchmal – strahlend blauem Himmel. Das Museum lädt den Wanderer mit dem bedeutungsschweren Hinweis „Hier ist, wo alles begann!“ zum Verweilen ein.
Und es stimmt. Genau dort, in Coalbrookdale, genau in dem Jahr 1709, begann das, von dem heute viele denken, es hätte uns in den unausweichlichen Untergang getrieben. Obwohl es – in Coalbrookdale und anderswo – eigentlich nur grüne Bäume, klare Bäche und blauen Himmel geschaffen hat. In 1709, in Coalbrookdale, begann die Industrielle Revolution mit der Rettung des britischen Waldes.
Es war ein eher spontaner Schritt. Es gingen ihm keine jahrzehntelangen Forschungsarbeiten, Studien und Investitionen voraus. Es wurde einfach getan, mit Mut zum Risiko und viel Glück, aus einer Notlage heraus. Denn Abraham Darby, der damals die Hochöfen in Coalbrookdale betrieb, konnte keine Holzkohle mehr bekommen. Sie war zu knapp geworden, zu teuer, der Raubbau an den Wäldern zu weit fortgeschritten. Und so stieg er auf Kokskohle um. Unvermittelt. Man weiß heutzutage nicht viel über die konkreten Umstände. Allein Darbys Geschäftsunterlagen, seine Buchhaltung, können als Beweis herhalten. Ab dem Jahr 1709 wurden keine Einkäufe von Holzkohle oder Holz mehr vermerkt. Stattdessen wurde Koks gekauft bzw. Kohle zur Herstellung desselben. Es hatte schon vorher entsprechende Versuche gegeben. Und alle scheiterten am zu hohen Schwefelgehalt der Kohle, durch den das gewonnene Eisen spröde und brüchig wurde. Zu Darbys Glück hatte die Kohle aus der Umgebung von Coalbrookdale einen sehr niedrigen Schwefelgehalt. Dadurch konnte er das Problem mit Hilfe der Zugabe von Kalk während des Schmelzprozesses lösen.
Der Übergang von Holzkohle zu Koks in der Stahlproduktion eröffnete aus vielerlei Gründen den Weg für eine effizientere und effektivere Produktion. Nicht ganz unwesentlich war dabei die viel höhere Energiedichte des neuen Brennstoffes. Natürlich wurden noch Jahrzehnte nach Darby’s Schritt Hochöfen mit Holzkohle befeuert. Immerhin reden wir über eine Welt, die durch eher mittelalterliche Transport- und Kommunikationsinfrastrukturen geprägt war. Nicht gerade förderlich für die Verbreitung von Innovationen. Aber es dauerte keine hundert Jahre bis Holzkohle nicht mehr eingesetzt wurden. Und keine Wälder mehr der Stahlproduktion zum Opfer fielen. Den Stahlbedarf für Fahrzeug-, Maschinen- und schließlich auch für den Gebäudebau erfüllen zu können, hat die Montanindustrie Darby’s Entwicklung zu verdanken. Und damit hat am Ende auch der Schiffbau die Möglichkeit gehabt, auf Holz zu verzichten. Im Jahre 1709 begann die Industrielle Revolution. Mit der Rettung der britischen Wälder und der Tiere, die darin lebten.
Auch heute sind wieder Wälder in Gefahr. Und Tiere. Besondere Tiere, außergewöhnliche Tiere, die uns Menschen genetisch sehr nahe stehen. Die Rede ist von den Berggorillas im Virunga-Nationalpark, der sich im Drei-Länder-Eck zwischen Kongo, Ruanda und Uganda erstreckt. Ist es der Klimawandel, der die großen Affen bedroht? Ist es die Lebensweise der Menschen in den Industrienationen? Sind es durch den Kapitalismus reichgewordene Großwild- und Trophäensammler? Alles falsch. Die größte Bedrohung für die Berggorillas besteht in der Zerstörung ihres Lebensraums. Durch Armut.
Etwa eine Million Menschen wohnen in oder in unmittelbarer Nähe dieses Gebietes, die meisten davon auf kongolesischer Seite. Und - so schätzt man – noch etwa 700 Gorillas. Die Menschen dort leben unter erbärmlichen Umständen in einem unterentwickelten, von Bürgerkriegen und Korruption geprägtem Land. Infrastrukturen für Energie gibt es nicht. Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose. Für die Einwohner der kongolesischen Provinz North Kivu, in der der Nationalpark liegt, kommt er überhaupt nicht. Und deswegen gehen sie in den Wald. Weil Holz die einzige Ressource ist, auf die sie zurückgreifen können. Sie fällen die Bäume, um Holzkohle zu erzeugen. Der Energieträger, den sie für die Zubereitung ihrer Nahrung brauchen. Der einzige, den sie sich leisten können. An den Gorillas haben sie kein Interesse. Aber ihr Hunger nach Energie, nach Wärme und Licht, zerstört unaufhaltsam den Dschungel der Menschenaffen.
Natürlich gibt es dort Biologen, die die Gorillas erforschen – und beschützen – wollen. Natürlich gibt es Wildhüter in diesem Reservat, die Wilderer abschrecken sollen. Aber gegen den Hunger der Menschen nach Energie haben Sie keine Chance. Ein Team des amerikanischen Fernsehsender CBS berichtete im Jahr 2007 aus der Region und von den Problemen. Und fand: erschossene Gorillas. Eine Gruppe, erschossen und verbrannt als Warnung an die Ranger und die Forscher. Ein Hinweis der „Holzkohle-Industrie“ des Kongo: Dies ist unser Land.Versucht nicht, uns zu hindern. Sonst töten wir alle Gorillas.
Die Lösung ist aus Sicht der Wissenschaftler und Umweltschützer eindeutig: Gas. Erdgas oder Butan (ein Erdölderivat). Und die Versorgung der Menschen der Region mit Gasherden sowie einer Infrastruktur zur Verteilung des Energieträgers. Aber niemand kann dies finanzieren. Und so versuchen sie verzweifelt (mit Spenden engagierter Bürger) eine Form von getrockneter Biomasse aus Pflanzenabfällen als Alternative zur Holzkohle zu etablieren. Was, angesichts der Dimensionen, ein eher aussichtsloses Unterfangen darstellt.
Die Menschen, so kann man aus dieser Geschichte lernen, zerstören die Natur nicht immer nur aus Gier. Sondern oft einfach aus der Notwendigkeit heraus, zu überleben. Energieträger mit geringer Energiedichte sind Teil dieses Problems. Und nicht seine Lösung.
Im 18. Jahrhundert rettete die Kohle unsere Wälder, im 19. das Kerosin die Wale. Und heute könnte Erdgas den Lebensraum der Berggorillas und viele andere Dschungelgebiete retten helfen. Kohle, Öl und Gas sind aufgrund ihres Potentials im Vergleich die Energieträger, die es uns ermöglichen, unsere Lebensumstände mit dem geringsten Einfluß auf die Umwelt zu verbessern.
Je mehr wir auf fossile Quellen zurückgreifen, desto weniger Flächen und natürliche Lebensräume beanspruchen wir. Und desto mehr Entfaltungsmöglichkeiten geben wir den Tieren und Pflanzen. Sollte dies nicht das Ziel jeder Form von Naturschutz sein?
Auf diese Geschichte aufmerksam gemacht hat mich das Buch „Power Hungry“ von Robert Bryce. Bei Amazon erhältlich für Euro 17,95. Lesetip!
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Wunderschön geschrieben, Danke Herr Heller.
Palmöl…….während wir in Deutschland ganz stolz “klimaneutrales” Palmöl in BHKW vefeuern, werden dafür in Asien Wälder gerodet, Urang Uthas getötet und Palmölplantagen angebaut, was für eine Verschwendung und Vernichtung von Natur.
In deutschen Städten ist inzwischen die Artenvielfalt größer als auf den durch Monokulturen verunstalteten Lande, aber wir produzieren ja “Klimaneutrale” Energiepflanzen, wie toll für unsere Natur.
In diesen Zusammenhang möchte ich den AGW-Verräter Physiker Dr. Denis Rancourt zitieren .
Dieser Mann hat den Nagel voll auf dem Kopf getroffen,
Genau das kann man besonders gut an den deutschen Klimaschützern beobachten, CO2 Verteufelung bis zur Extase, obwohl immer noch 1 Milliarde Menschen auf der Welt hungern müssen, auch weil sie auf billige Energie keinen Zugriff haben.
Der Öko-Industrielle-Komplex ist der wahre Feind der Erde und der menschlichen Gesellschaft und anhand unserer eigenen Umweltverbände und deren Führugsriegen sieht man ganz deutlich, wie korrupt das System inzwischen geworden ist.
Ende der Ansage
Heinz Eng
Hut ab Herr Eng, sie haben mir aus der Seele gesprochen!