Die Ökokrieger (eine Definition des Ökologismus)

4. November 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Herr Weber hat Angst. Herr Weber [Name geändert] ist nicht irgendwer, er ist ein hoher Funktionär eines großen deutschen Umweltverbandes. Ein Meinungsführer also. Einer der mitreden darf, der gehört wird, nicht nur von den Mitgliedern seines Verbandes, sondern auch von der Presse und der Politik.

Webers Angst wurde spürbar in dem entgeisterten Blick, den er mir bei einer dieser vielen Hinterzimmer-Diskussionen zuwarf. Als ich ihm entgegenhielt, was auch immer man für den Klimaschutz in Betracht ziehe, müsse sich unter ökonomischen Aspekten rechnen, verlor er beinahe die Fassung. Denn, so dozierte er in einem Ton tiefster innerer Überzeugung, wenn wir den Klimawandel nicht stoppen würden, wären die Grundlagen unserer Ökonomie nicht mehr vorhanden und damit sei mein Argument hinfällig. Womit aus Webers Sicht alles gesagt war und ich etwas verdutzt versuchte, eine nähere Erklärung zu erhalten. Es stellte sich heraus, daß Weber tatsächlich dem Glauben anhängt, im Falle einer weiteren Erderwärmung, wie sie die Projektionen des IPCC als möglich erscheinen lassen, wäre der Untergang unserer Zivilisation besiegelt. Das „Zwei Grad Ziel“ war für ihn sakrosankt und nicht diskutabel, die IPCC-Projektionen alternativlose Zukünfte (im Falle einer nicht ausreichenden Emissionsminderung) und die Folgen standen ihm klar vor Augen: das Ende der uns bekannten Welt in einer Apokalypse biblischen Ausmaßes.

Dagegen steht meine Auffassung (von der ich immer dachte, sie wäre Konsens in allen Diskussionen): Würden wir heute mit einer Zeitmaschine in das Jahr 2100 reisen können, die Welt wäre sicher in vielen Aspekten anders, aber uns in ihren grundsätzlichen Elementen noch immer vertraut genug, um sich zurechtfinden zu können. Ob Klimawandel oder nicht: Die Menschen werden lieben, lachen, leiden, Familien gründen, zur Arbeit gehen und ihre Freizeit genießen, in den Urlaub fliegen und am Wochenende die Sportstadien besuchen.

Eine solche Welt ist aber aus Sicht des Herrn Weber nicht vorstellbar. Der Klimawandel ist für ihn eine Mauer, über die man nicht schauen kann. Hinter dem Klimawandel folgt das Nichts, also ist zu versuchen, vor dieser Grenze zu stoppen und stehenzubleiben. Für mich dagegen ist der Klimawandel nicht viel mehr als ein Hinweisschild am Straßenrand, an dem man einfach so vorbeirauscht. Wenn man langsamer wird, kann man es lesen. Da es nichts Wesentliches beinhaltet, sollte man aber ruhig ein wenig Gas geben, die interessanten Dinge folgen noch hinter der nächsten Kurve…

Da ist auch noch Katie. Katie hat auch Angst, aber sie glaubt, die Ursache ihrer Angst selbst eliminieren zu können. Dazu verteilt sie merkwürdig aussehende Anhänger – an die Gäste ihrer Hochzeit. Und sucht und findet die von der böswilligen Hotelleitung „schlau versteckten“ Heizstrahler, die natürlich „SOFORT“ ausgeschaltet werden mußten. Katie kümmert sich – engagiert, wie sie ist – auch gerne um nicht mehr benötigte Toaster. Katie ist so stolz auf ihre „CO2-arme“ Hochzeit, daß sie die frohe Botschaft auch gleich der ganzen Welt kundtun muß. Denn sie will ja Anerkennung und Gefolgschaft, als Koordinatorin der deutschen Sektion der Kampagne 10:10. Zur Erinnerung: Das sind die, die mit demselben Vergnügen, mit dem sie Heizstrahler bekämpfen, auch die Köpfe von Kindern in Splattervideos explodieren lassen.

Was haben Katie und Herr Weber gemeinsam? Sie sind Ökologisten. An beiden kann man zwei äußere Grundmuster des Ökologismus ablesen: Angst (vor der Zukunft) und Sendungsbewußtsein (missionarischer Eifer). Aber das reicht noch nicht, den Ökologismus zu erfassen. Denn Furcht auf der einen und Fanatismus auf der anderen Seite bedingen sich zwar gegenseitig, sind aber auch nur Reflexe einer tiefergehenden Überzeugung.

Das ökologistische Dogma

Es ist offenbar schwierig, „Natur“ zu definieren. Da hilft das Ausschlußverfahren. Man charakterisiert zunächst all das, was nicht „Natur“ ist/sein kann/sein soll. Das ist für viele der Mensch, die von ihm geschaffenen „künstlichen“ Artefakte und die von ihm gestalteten Naturräume. Der Rest wäre dann die eigentliche „Natur“.

Für den Ökologisten ist diese Vorgehensweise nicht einfach nur eine Hilfestellung, um die Welt zu erfassen und Maßnahmen einzuordnen. Sondern programmatischer, dogmatischer Ausgangspunkt. In seiner Vorstellung gibt es die von Menschen unberührte Natur, die durch menschliche Eingriffe in unterschiedlicher Weise beeinträchtigt wird. Und das ist in seiner Weltanschauung verwerflich, denn die Natur an sich hat ein eigenständiges intrinsisches Recht auf Existenz außerhalb menschlicher Einflußnahme. Dabei wird „Natur“ als etwas verstanden, das so „bleiben soll, wie es ist“ oder besser noch „so werden soll, wie es einmal war“. Der Ökologismus denkt in Zuständen, und nicht in Prozessen. Diese Haltung begründet sich durch zwei übergeordnete Aspekte:

  • Erstens die Nähe zu mythologisch-religiösen Gedanken einer „Schöpfung“ (ggf. durch einen metaphysischen „Schöpfer“), für die wir Menschen ebenso verantwortlich sind, wie für uns selbst. Nicht zuletzt definieren bei uns die Parteien mit dem „C“ im Namen ihre Umweltschutzstrategie auf dieser spirituellen Basis.
  • Zweitens die Vorstellung, das menschliche Leben wäre von der unberührten Natur abhängig. Ohne diese – so bspw. die Idee von Herrn Weber – wäre unser (Über-)Leben nicht mehr möglich. Man beachte: Von menschlichen Eingriffen geschaffene oder umfänglich beeinflußte Naturräume haben für den Ökologisten keinen Wert.

Das Überleben des Menschen in – oder besser neben – der ihn umgebenden Natur ist aus Sicht des Ökologismus daher immer nur ein Kompromiß. Das Idealbild besteht aus einer Erde ohne jede menschliche Aktivität, wie es in Bildern vom „Krebsgeschwür Mensch“, das den Planeten befallen habe indirekt, aber in radikalen Positionen auch sehr unmittelbar formuliert wird.

Aus Sicht des Ökologismus ist der Mensch der Feind dessen, was es zu bewahren gilt. Deswegen sucht diese Bewegung nicht nur die Fähigkeiten des Menschen zu verringern, seine Umwelt zu verändern (Technologiefeindlichkeit), sondern die Größe der menschlichen Population selbst zu steuern. Für die britische Initiative „Optimum Population Trust“ beispielsweise ist jedes Kind, das nicht geboren wird, eine eingesparte CO2-Emission, ein eingesparter Flächenverbrauch, ein eingesparter Verbrauch an Nahrung und Rohstoffen. Die „Einsparung“ von Glück, Freude, Hoffnung, Kreativität, Ideen und Zukunft, die mit jedem „eingesparten“ Kind einhergeht, zählt dagegen wenig. Ansätze wie die von OPT haben Hochkonjunktur, der Ökologismus schwimmt auf der Welle der Klimadebatte und nutzt entsprechende apokalyptische Zukunftsvorstellungen als „Mutter aller Katastrophen“ intensiv für sich aus.

Was auch immer wir tun, der Ökologist fragt nicht nach dem Nutzen für die Menschen, sondern nach dem Schaden für die Natur. Ob Landwirtschaft, der Bau von Infrastrukturen, die Produktion und Verteilung von Energieträgern und deren Nutzung, die Produktion und Verteilung von Waren und Gütern aller Art, ja am Ende selbst Kommunikationsmedien, die der freien Verbreitung von Ideen und Konzepten dienen, alles gehört aus Sicht des Ökologisten begrenzt, beschränkt und reguliert. Immer im Sinne des Gegensatzes zwischen den Ansprüchen des Menschen und der Natur. Eine Auseinandersetzung, die nach ökologistischen Vorstellungen immer im Sinne der Natur zu entscheiden ist. Denn ihr Recht auf „Unberührtheit“ vor menschlichen Aktivitäten ist der höchste Wert, den der Ökologist kennt. 

Obwohl es mittlerweile sogar einen Wikipedia-Eintrag zum Begriff „Ökologismus“ gibt und viele Kommentatoren in der Klima- und Umweltdebatte diesen schon seit Jahren verwenden, existiert keine übergreifende Definition. Und von daher ist es verständlich, wenn viele Leser nicht immer verstehen, was ich denn meine, wenn ich von Ökologismus spreche. Oft höre ich dann, man solle doch einen solchen „Kampfbegriff“, mit dem jede Art von Umweltschutz negiert wird, besser nicht verwenden. Aus diesem Grund habe ich mit diesem Text versucht, das zu beschreiben, was ich unter „Ökologismus“ verstehe. Ich fasse zusammen:

Dogma des Ökologismus ist die Existenz eines Konfliktes zwischen Mensch und Natur, der nur durch Kompromisse lösbar ist. Der „Natur“ wird dabei ein eigenes, intrinsisches Recht auf „Unberührtheit“ zugewiesen, das der Mensch in seinem Handeln zu berücksichtigen habe.

Dieser Gegensatz zwischen Mensch und Natur kann – ein weiterer zentraler Aspekt der ökologistischen Bewegung – niemals abschließend aufgelöst werden. Er verlangt daher dauerhafte und stetige Anstrengungen, die in eine niemals abbrechende Kette von Kompromissen münden. Diese prinzipielle Abwesenheit einer endgültigen Lösung sichert nicht nur die Existenz des Ökologismus ab. Sondern auch die Vorstellung, fortdauernde Prozesse der „nachhaltigen Entwicklung“ durch fortlaufende „Weiterentwicklung“ des menschlichen Individuums optimieren zu müssen.  Er schafft damit die Möglichkeit, Regulierungen, Einschränkungen und Verbote immer wieder neuen Charakters, immer wieder neuen Zuschnittes vorzuschlagen, zu debattieren und durchzusetzen. Der Konflikt zwischen „Mensch“ und „unberührter Natur“ ist vor diesem Hintergrund der Startpunkt für den Weg in eine Gesellschaft totalitären Zuschnittes. 

Auf dieser gedanklichen Grundlage beruhen die Ängste des Herrn Weber (und seine Schlußfolgerungen) ebenso, wie der blinde Aktionismus und das Sendungsbewußtsein von Katie. Das ist es, wogegen wir in der Klimadebatte eigentlich kämpfen. Katie und Herr Weber sind Beispiele für die „Ökokrieger“, die ihre Weltsicht und ihre Verhaltensnormen auch allen anderen Menschen aufzwingen wollen. Denn solange auch nur einige wenige Menschen nicht bereit sind, Kompromisse zugunsten der „unberührten Natur“ einzugehen, wird die Angst bei Katie und Herrn Weber bestehen bleiben und ihr Denken und Handeln diktieren können.

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57 Kommentare
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  1. Sehr geehrter Herr Heller,
    ich kann ihnen nur zustimmen. Insbesondere ziehen sie, im Gegensatz zu den üblichen Klimadiskussionen, die Entscheidende Schlußfolgerung: Der Ökologismus ist der Startpunkt für den Weg in eine Gesellschaft totalitären Zuschnittes. Wenn man sich dann die Entstehungsgeschichte dieser Ideologie anschaut ( der untere Link ist da hilfreich) erkennt man schnell, dass der Ökologismus inklusive Klimakeule eigentlich nur Mittel zum Zweck ist!
    Ein riesiges, immer größer werdendes, Heer von Klimainstituten und NGO versucht, durch permanente Medienpropaganda, die quasi religiösen Dogmen der Klimakirche als unumstößliche Wahrheit zu etablieren. Und wie in jeder guten Kirche, ist das in Frage stellen der Dogmen des Teufels aber zu mindest eine schwere Sünde!
    Einziges Ziel ist der Machterhalt, durch die Etablierung eines unfassbaren Mythischen Gegners, der Klimakatastrophe, um quasi unter Kriegsrecht, den ungleichen Kampf gegen den Weltuntergang aufzunehmen! Um diesen ungleichen Kampf zu gewinnen, kann man natürlich dem Volk auch außergewöhnliche Opfer abverlangen. Und wer diese Opfer verwehrt hat sich vor dem „Kriegsgericht“ zu verantworten! Das heißt natürlich, der großen Sache zu liebe, werden auch die Bürgerrechte geopfert! Dies alles und auch die Mechanismen dieser Diktaturen sind uns DDR-Bürgern nicht fremd.
    Wir glaubten 1989 eigentlich das alles hinter uns gelassen zu haben.

    http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2010/10/18/ipcc-chef-eus-%E2%80%9Cmenschgemachte-globale-erwarmung%E2%80%9D-ist-politisches-auftrags-dogma-nicht-wissenschaft-daher-wird-%E2%80%9Cklimastorungen%E2%80%9D-vorgeschlagen/

  2. Hmm, Natur….welche meinen die eigentlich?

    Die Natur vor 1000 Jahren….10.000 Jahren……..10 Millionen Jahren?
    Die Natur die mit Vulkanen, Erdbeben, Stürmen, Überschwemmungen sich selbst ständig verändert?
    Die Natur, die gelegentlich ihren Eispanzer gen Süden schickt und dabei alles überrollt was nicht schnell genug flüchten kann?

    Meinen die auch Bakterien, Pilze, Viren, Kakerlaken und andere vermeintliche Schädlinge die Mutter Natur ausgespuckt hat um sich selber zu bekämpfen?
    Die Natur, die mittels elektrostatischer Zündung ganze Wälder abfackelt, damit aus der Asche wieder neues Leben entstehen kann?

    Also ist ein mühsam gepfleger Kleingarten keine Natur, wunderschöne Parks von Menschhand geschaffen…..keine Natur?

    Oder ist Natur was ganz anderes……..der Kampf gegen das Herbstlaub, das Moos und Unkraut in jeder Ritze, Baumwurzeln die ganze Straßen und Gehwege zerstören, Wespen und Fliegen und Mücken die uns den letzten Nerv rauben, die Kohlmeisen, Spatzen, Tauben, Eichelhäher, Elstern, Igel, Fledermäuse u.s.w. die sich in meinen Wohnviertel angesiedelt haben….sind die keine Natur?

    Oder ist auch ein alter Tagebau „Natur“, den man bewusst ganz von alleine machen lässt was er mag?

    Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Natur zu schützen, ohne die Menschen dabei auszugrenzen. Von sorgsam ausgewählten Aussichtspunkten aus können die Besucher der Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen Tiere beobachten, ohne empfindliche Bereiche zu stören. Die Natur erobert zurück, was ihr genommen wurde – diesem Reiz kann sich kaum jemand entziehen, der diese fantastische Landschaft mit eigenen Augen gesehen hat.

    Welche Natur meinen denn nun die Öko-Krieger, irgendwie habe ich die Übersicht verloren.

    Wer glaubt das Mutter Natur ein schwächliches Wesen sei das unbedingt in Ruhe gelassen werden will, der hat die Evolution verpennt……die immerhin auch den Menschen erschaffen hat.

    So, ich muss mal ne Stunde Raus, Mutter Natur hat seit gestern jede Menge Blattwerk hinterlassen, das es zu beseitigen gilt.

    MfG
    Onkel Heinz

  3. Ein Satz, der es treffender nicht hätte ausdrücken können:

    …Früher hieß es, die grüne Bewegung sei wirtschaftsfeindlich, gefährde Arbeitsplätze und Konjunktur. Heute sieht man, dass der Ökologisch-Industrielle Komplex nicht nur ein starker Innovationsmotor ist, sondern soziale Ungleichheiten mehr verstärkt, als es neoliberale Ideologen wohl je vermocht hätten.

    MfG
    Heinz Eng

  4. Mutti Natur von ihrer häßlichen Seite:

    Glühende Vulkanasche tötet 54 Menschen

    Der Vulkan hatte um kurz nach Mitternacht wieder glühende Asche und Geröll bis zu einem Kilometer in die Luft geschleudert. Die Asche ging auf den Hängen nieder und verbrannte Menschen, Häuser und Felder. Anwohner und Helfer rannten um ihr Leben. Metro TV zeigte brennende Häuser, totes Vieh auf der Weide und weite Flächen, die mit einer dicken grauen Asche-Schicht bedeckt waren.

    Ein Öko-Krieger würde jetzt sagen, Recht so………die Natur erhebt sich gegen seinen Peiniger.

    H.E.

  5. Der Ökologismus ist eine Luxusideologie der wohlhabenden Zivilisation, geprägt von einem starken Mißtrauen in den Nutzen jeglicher menschlicher Tätigkeiten. Entstanden in vordarwinistischer Zeit geprägt von einem christlich, romantischem Naturbild paradiesischer Urzustände, ist er nicht in der Lage den Menschen als gleichwertigen Teil der Natur zu verstehen. Hat er sich doch durch die Erbsünde von ihr entfernt. In dieser Zeit entstand auch der sehnsuchtsvolle Blick auf den edlen Wilden, der im Einklang mit der Natur sein hartes aber glückliches Leben fristet.

    Durch den Einfluss östlicher Philosophien erstarkte der Wunsch nach Askese und Enthaltsamkeit und fand seinen Ausdruck in vielen esoterischen und theosophischen Strömungen, die lange Zeit die Haltung zur Natur bestimmten. Die große Not der beiden Weltkriege dämmte sehr stark den Aufstieg dieser Ideen. Als aber der Wohlstand, der dieser demütigen Weltanschauung zuwider ist, wieder erstarkte, kam es sehr schnell zu einer Neubelebung dieser Denkweise, die sich schnell mit Teilen der revolutionären, antikapitalistischen Strömungen der Nach-68iger verband.

    Heute scheint diese Bewegung ihrem Höhepunkt zuzustreben und läuft dabei Gefahr, wie so viele Ideologien zuvor mit Schimpf und Schande unterzugehen. Dies wird dann passieren, wenn aus der Idee eine konkrete gesellschaftliche Realität entstehen soll. Will man dies ernsthaft umsetzen, kommt man an einer Diktatur nicht vorbei, die aber kaum in der Lage sein wird sich längere Zeit erfolgreich zu halten. Dies macht schon der stets betonte globale Anspruch deutlich. Man kann sicher eine Zeit lang wider die menschlichen Bedürfnisse agieren und diese Wünsche unterdrücken, aber eben nicht auf Dauer. Ein Blick in die jüngere Geschichte ist stets hilfreich. Der Ökologismus hat die Phase der Desillussion noch vor sich.

    Beste Grüße B.

  6. Lieber Herr Heller,
    Dank für die gute Vorlage zu einer Diskussion, die wir kaum bündig für unsere Gesellschaft abschließen können. Daran hindern unterschiedlich Erfahrungswerte und Sichtweisen im Sinne von Meinung einerseits sowie der eher niedrige Level naturwissenschaftlicher Bildung im Sinne von Wissen anderseits (unser gegenwärtiges Gesellschaftssystem ist nun mal die Eleokratie…).
    Schon die Frage: Was ist „Natur“? wird kaum konsent zu beantworten sein. Dabei beinhaltet der Begriff alles auf unserer Erde, in unserem Sonnensystem, in unserer Galaxis, im Kosmos -- in unserer Um-Welt.
    Nichts ist dort substantiell „künstlich“.

    Das heute prominente Bild der Umwelt hat eine Prägung erfahren. Einer der bedeutendsten Vordenker des heutigen Umweltbegriffs war Jean-Jacques Rousseau (der seine eigenen fünf Kinder ins Waisenhaus entsorgte, weil zu teuer und störend). Die Umwelt, nach der er sich sehnte, war wohl jene der Parks rund um die Lustschlösser seiner Mätressen. Sowohl damals als auch heute besteht allerdings – entgegen unserem verklärten Umweltbegriff – ein Großteil der neo-romantisch besungenen Umwelt nun einmal aus Kulturlandschaften, die der Mensch seit Jahrtausenden geprägt hat. Daran ist auch nichts verwerfliches.
    Eine sich selbst überlassene, ursprüngliche wilde Natur mit ihrem erbarmungslosen Spiel geologischer, klimatischer und evolutionärer Kräfte kommt in diesen Vorstellungen nicht mehr vor, allenfalls bruchstückhaft als Urlaubsziel mit Abenteuerspielplatz, nach dessen Rückkehr wir entschieden haben, auf Dauer dort nicht leben zu wollen – weil wir es gar nicht können.

  7. @ t.tiger

    Jean-Jacques Rousseau (der seine eigenen fünf Kinder ins Waisenhaus entsorgte, weil zu teuer und störend)

    Dass Rousseau einer der Väter des Umweltbegriffs ist, ist mir unbekannt. Bekannt ist mir aber seine Philosophie und da stellen Sie Rousseau etwas ungerecht da.
    Rousseau war der Überzeugung, dass Kultur und den Menschen nicht besser, sondern schlechter machen.

    „Die Menschen sind böse; eine traurige und fortdauernde Erfahrung erübrigt den Beweis; jedoch, der Mensch ist von Natur aus gut, ich glaube, es nachgewiesen zu haben.“

    Aus heutiger Sicht natürlich ein Irrtum und er war ein grauenhafter Familienvater, man sollte ihm aber immerhin zugute halten, dass er überzeugt war, seinen Kindern durch deren Einsamkeit etwas gutes zu tun.

    (Nun aber Schluss mit Rousseau, OT)

  8. Weber ist ein gutes Beispiel angewachsener Scheuklappen, unüberwindbaren Tellerrands über ihm und ein typischer Vertreter dieser Gattung „Glaubensbruder“ -- weniger ein als seine Schwester im Glauben…..

  9. Ihre Charakterstudie, Herr Keller, ist hervorragend. Ergänzt werden muß, daß der Ökologismus vom gutsituierten Bildungsbürgertum getragen wird, von den pseudointellektuellen Gutmenschen. Sie sind unfähig zu begreifen, daß die Ökofassade von einer Gruppe skrupelloser „Weltretter“ errichtet wurde und unterhalten wird. die bereits mit der Eugenik scheiterten -- die keine Erfindung Hitlers war. Erst wenn der Förderunfug endlich gestoppt wird und die Politik nicht mehr in Naturwissenschaften und Technik hineinregiert, kehren wir wieder zu normalen Zuständen zurück.

  10. Lieber Herr Bartsch,
    Sie schreiben:

    Sie sind unfähig zu begreifen, dass die Ökofassade von einer Gruppe skrupelloser “Weltretter” errichtet wurde und unterhalten wird.

    Ich denke man kommt auch ohne Verschwörungstheorie aus. Viele Menschen meinen es einfach gut.
    Fallen aber auf falsche Propheten herein. Das war wohl schon immer so.
    Aber ist es auch klar, dass es eben einfach ist Menschen zu manipulieren, wenn sie Angst vor einer Sache haben. Das bedeutet alle Szenarien die Menschen Angst machen können zur Manipulation missbraucht werden. Das ist beim Klimawandel natürlich längst der Fall, da Spendengelder und Fördermittel fließen. Die Gruppe der Gewinnler ist da sehr heterogen, an eine Verschwörung glaube ich da nicht. Nur an Leute die davon profitieren und auf solche Steilvorlagen aufspringen.
    Deshalb ist es wichtig für alle Staatsbürger wachsam und skeptisch zu bleiben. Es erstaunt mich immer wieder wie schnell gut gebildete Menschen ihre Skepsis aufgeben und auf diese Gewinnler und falsche Propheten reinfallen.
    Wasser predigen und selbst Wein trinken ist das ja äußere Anzeichen dieser falschen Propheten, auf das uns schon Jesus hingewiesen hat.
    Jeder Staatsbürger kann sich ja mal den Lebensstil derjenigen anschauen, die besonders vehement für den Klimaschutz eintreten. Wieviel Häuser hat und heizt und kühlt Al Gore, was ist sein „Carbon Footprint“?
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  11. Präzise eingekreist! Unabdingbare Voraussetzung, gegen unsere Dämmokratie bessere Treffer zu landen …

    Glückauf!

    Konrad Fischer
    Ökoketzer

  12. Erstmal danke an alle für die interessanten Kommentare bis hierhin.

    Ich würde mich in der Analyse dem Bibliothekar anschließen. Ich bin ebenfalls nicht so ganz sicher, Tiger, ob man den nun Rousseau eine tragende Rolle für die Entstehung des modernen Ökologismus zuweisen kann.

    In meinem Text oben habe ich noch einen wichtigen Punkt unterschlagen. Und der paßt ein bißchen zum Kommentar vom Bibliothekar. Viele Aspekte des Ökologismus sind nur durch eine zunehmende Entfremdung von der Natur verständlich. Diese Ideologie wird ja typischerweise von gutgebildeten, situierten, an Wohlstand und einen gewissen Luxus gewöhnten städtischen Bildungsbürgern getragen. Die zwar einen vom Menschen geschaffenen Naturraum bewohnen (eben die Stadt), der nun ausgerechnet der mit der höchsten Artenvielfalt ist (zumindest in unseren Breiten), aber trotzdem das Gefühl haben, in einer rein künstlichen, artifiziellen Welt zu leben. Da ist eine gewisse Wahrnehmungsstörung und einfach ein Mangel an Naturerlebnis, das zu irrationalen Überhähungen führt.

    Oder, einfacher ausgedrückt: Wer gelegentlich direkten Kontakt zu Schweinen, Hühnern, Gänsen und Rindern hat (und man muß dazu nicht auf dem Bauernhof leben), wird niemals auf die Idee kommen, irgendeinen Grund zu suchen, warum man die Viecher nicht essen sollte. Geschweige denn, ihnen irgendeine Form von „Tierrechten“ zuzubilligen. Das heißt nicht, daß man diese Tiere nicht respektieren sollte. Aber dieser Respekt hat gewisse Grenzen, die nur der versteht, der ab und an mit den Viechern zu kommunizieren versucht (und sei es auch nur nonverbal) und ihre arttypischen Möglichkeiten und Verhaltensmuster kennt.

  13. Ersatzbefriedigung der von Natur und Wohnpartner entfremdeten: Die häusliche Tierhaltung: erstmal Köter (Ausmistung im Englischen Garten, Übernachtung im eigenen Bett) und Katz, dann alle andern: Meerschweinderl, Ratte, Schlangenterrarium, Zierfischaqurium, Wellensittich, … . Ach ja, der Zoo.

    Grusel!

  14. Peter Heller:

    Ich bin ebenfalls nicht so ganz sicher, Tiger, ob man den nun Rousseau eine tragende Rolle für die Entstehung des modernen Ökologismus zuweisen kann.

    Es zieht sich eine rote Linie von Rousseaus Naturromantik bis zum Ökologismus durch, wie von Rudolf Steiner zum Bio-/Öko-Landbau oder von Marx zum Archipel Gulag. Dabei darf jede rote Linie das Recht in Anspruch nehmen ausarten zu dürfen.
    Doch Sie selbst bekommen die richtige (gleiche) Kurve in den nächsten Absätzen, wo sie zunehmende Naturferne und, u. a. davon bedingt, jene irrationale Weltsicht des Ökologismus beschreiben.
    Es gibt keinerlei ökologistische „Verschwörung“; dazu wäre einige Intelligenz erforderlich. Der Kern unseres Themas stellt jedoch, auf den Punkt gebracht, großflächige Unbildung und Einfalt dar.
    Wenn der von mir sehr geschätzte (Kollege) Josef Reichholf mal wieder ein neues Buch in feinstem Sprachduktus herausbringt, wundert es mich nicht (sofern es von den Deppen überhaupt gelesen wird), daß der Rest der Welt laut „Feuer“ schreit: Sie verstehen’s nicht und wollen es auch gar nicht, weil es wehtut, wenn jemand an einem geliebten Weltbild zu Recht mit der Spitzhacke herangeht.
    Im übrigen sind wir (Bio)-Wissenschaftler es abgrundtief müde, auf jeden medialen Flatus einzugehen. Es ist außerordentlich mühsam, von der Wirkung her zwecklos, und wir kämen nicht mehr zum arbeiten.

  15. Die Rezepte der Ökokrieger sind schlecht durchdacht und helfen niemanden, am allerwenigsten der Umwelt oder dem Klima:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,727695,00.html

    Ökokrieger sind nur eine andere Ausprägung von Egoisten.

  16. Elias Canetti schreibt von der Langsamkeit oder Ferne des Ziels als stabilisierendes Element einer Masse. In den großen Religionen wird dieses Ziel meist mit Paradies beschrieben. Politische Parteien streben nach Gerechtigkeit, wobei das, je nach Ausrichtung, völlig Verschiedenes bedeuten kann. Gemeinsam ist allen Bewegungen: Ein idealisiertes Bild ist das Ziel. Da dieses Ziel aber unter normalen Umständen unerreichbar fern ist, manchmal erst im Jenseits, bemüht man sich, den richtigen Weg dahin aufzuzeigen.

    Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten die sich in der Gegenwart bieten, werden danach beurteilt inwieweit sie helfen dem großen Ziel näher zu kommen. Dies ist auch beim Ökologismus der Fall. Müßig all die vielen Verbote, auch Denkverbote, hier aufzuführen die die Umweltromantiker anstreben oder schon durchgesetzt haben.

    Die Masse der Gläubigen verlangt aber nach mehr als einem großen Ziel. Auch die Regulierung des täglichen Lebens ist nicht ausreichend. Die Masse will sich versammeln, der Einzelne spürt dann keine Distanz zu seinem Nächsten, wie es sonst der Fall ist, alle fühlen sich gleich und vom gleichem Geist durchdrungen.

    Hier stehen die Ökologisten vor einem Dilemma, Kirchen oder andere Versammlungsorte haben sie nicht. Versammlungen gibt es dennoch, meist in Form von Demonstrationen. Man könnte sagen, was dem braven Gläubigen der Kirchgang, ist dem Ökologisten seine Demo.

  17. Ökologismus ist nun das eine Extrem.

    Es gibt aber noch ein anderes, das so mächtig ist, dass es uns beim Lesen gar nicht mehr auffällt:

    […], was auch immer man für den Klimaschutz in Betracht ziehe, müsse sich unter ökonomischen Aspekten rechnen,[…]

    Soll ich es „Ökonomismus“, Neoliberalismus oder anders nennen?

    Nehmen wir nur mal an, die Prognosen des IPCC würden sich bewahrheiten.
    Dann wurde das Problem durch die Industrialisierung geschaffen, und der sogenannten „1.Welt“ würde dann auch eine besondere Verantwortung bei der Lösung des Problems zufallen. Ich wüsste nicht, wie man weltweit ein „Ich tue nur so viel, wie es sich für mich rechnet.“ vertreten wollte. Ich wüsste nebenbei auch nicht, wie man die möglichen Schäden berechnen oder abschätzen will (Stern oder Tol könnten jetzt vielleicht weiterhelfen), wie wird z.B. nach ökonomischen Gesichtspunkten ein Todesopfer bemessen? Ist ein Toter in Deutschland ökonomisch ein größerer Schaden als ein Toter in Bangladesh?

    Eine Gesellschaft, die nur noch nach Kosten/Nutzen-Analysen entscheidet, ist meines Erachtens inhuman.

  18. Nun, das hat aber gedauert, bis mal die Frage „Was ist eigentlich die Gegenposition zum Ökologismus?“ zumindest indirekt angesprochen wird.

    Ich werde diese Position (zumindest mal meine) noch formulieren, Herr Fischer, Text in Vorbereitung. Ich habe allerdings noch kein passendes Wort dafür. Im Moment tendiere ich zu „Ökophilie“, mal schauen.

    Soll ich es “Ökonomismus”, Neoliberalismus oder anders nennen?

    Vernunft reicht völlig.

    Die Vorstellung, den Armen ginge es besser, wenn die Reichen auch zu Armen werden, ist scheinbar nicht auszurotten. Dabei gibt es dafür keinerlei Beleg in der Menschheitsgeschichte. Im Gegenteil: Marktwirtschaftlich organisierte Systeme erzeugen Reichtum, der zwangsläufig durch die gesellschaftlichen Schichten hindurch diffundiert. Man kann darüber streiten, ob er in ausreichendem Umfang oder in ausreichender Geschwindigkeit diffundiert, keine Frage (und das wird ja auch getan, auf diese Fragestellung sind ja sozial- und fiskalpolitische Strategien ausgerichtet). Aber in anders organisierten Systemen wird entweder zuwenig Wohlstand produziert oder dessen Diffusion ausgeschaltet.

    Anders ausgedrückt: Unser Verzicht hilft keinem in der noch zu entwickelnden Welt. Im Gegenteil, er reduziert auch die Entwicklungsmöglichkeiten der armen Länder. Es ist zu riskant, zu verzichten, und sei es auch nur der Verzicht auf mehr Wohlstand.

    Wenn Sie, Herr Fischer, vor diesem Hintergrund eine moralische Dimension der Klimafrage geltend machen, so sehe ich in meiner Aussage

    was auch immer man für den Klimaschutz in Betracht ziehe, müsse sich unter ökonomischen Aspekten rechnen

    genau diese moralische Dimension nicht nur hinreichend, sondern auch auf die einzig zu rechtfertigende Weise berücksichtigt. Unvernunft dagegen kann nie höher bewertet werden, als Vernunft, auch und gerade nicht unter moralischen Gesichtspunkten.

    Oder anders ausgedrückt:

    Dann wurde das Problem durch die Industrialisierung geschaffen, und der sogenannten “1.Welt” würde dann auch eine besondere Verantwortung bei der Lösung des Problems zufallen.

    Wie wäre eine Welt, in der die Industrialisierung nicht stattgefunden hätte, hinsichtlich grundlegender moralisch/ethischer Fragestellungen zu bewerten? Hinsichtlich der Menschenrechte beispielsweise? Besser oder schlechter als die heutige?

    Die Antwort ist eindeutig. Und insoweit wäre die Verantwortung der „1. Welt“ für die Entstehung des Problems (das nach meiner Meinung nicht existiert, aber gehen wir mal, wie Sie oben, davon aus) geringer zu werten, als die ihr zustehende Honorierung für die Lösung schwerwiegenderer und konkreterer Probleme. Die Verantwortung der übrigen Welt besteht darin, diese Entwicklung schnellstmöglich nachzuholen.

    Die einzige moralisch ableitbare Verpflichtung, die wir in den Industrienationen haben, ist die, dieses Aufholen nicht zu behindern. Sondern im Gegenteil zu unterstützen. Indem wir die Diffusion des Reichtums rund um den Globus verbessern. Durch seine Vergrößerung und der Erhöhung seiner Beweglichkeit. Freier Handel und marktwirtschaftliches Denken sind also Gebote der Vernunft und der Moral. Jede Alternative wäre inhumaner.

  19. Lieber Herr Fischer,
    Sie schreiben:

    Dann wurde das Problem durch die Industrialisierung geschaffen, und der sogenannten “1.Welt” würde dann auch eine besondere Verantwortung bei der Lösung des Problems zufallen.

    Das ist genau die Kategorie der Naturromantiker. Hätten sie den im Jahre 1900 zum Beispiel dafür plädiert auf fossile Energieträger zu verzichten?
    Das ist die Frage die sie sich beantworten müssen.
    Haben wir ihrer Meinung nach ein Problem geschaffen oder den Wohlstand der Menschen verbessert?
    Es leben jetzt sieben Milliarden anstatt 2 Milliarden Menschen mit steigendem Wohlstand und höherer Lebenserwartung auf diesen schönen Planeten, weil fossile Energieträger genutzt werden konnten. Heißt das denn nicht, dass jeder von uns Menschen eine gleiche Verantwortung hat, da wir alle Nutznießer sind.
    Ich möchte damit eine andere Frage verbinden.
    Glauben sie denn die Menschheit hätte zu Beginn der Industrialisierung eine Alternative zu fossilen Energieträgern gehabt? Hätten wir damals Photovoltaik oder Windenergie einsetzen können? Biomasse mit schlechten Folgen hatten wir ja schon eingesetzt.
    Hätten wir mehr Kernkraftwerke, wäre die pro Kopf CO2 Emission in Deutschland niedriger. Wer übernimmt den dafür die Verantwortung? Die Grünen, Greenpeace, die anti-AKW Bewegung?
    Ich höre nichts.
    Das IPCC empfiehlt im AR4-syr-spm auf Seite 17:

    „Mandatory fuel economy; biofuel blending and CO2 standards for road transport”

    Übernimmt das IPCC jetzt auch die Verantwortung dafür:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,727695,00.html

    Ich höre nichts. Nein, stattdessen Schweigen im Walde.
    Entscheidungen rückwirkend zu betrachten und Verantwortung zuzuweisen ist schwierig, da eine ursprünglich gute Idee oder eine aus der Situation heraus notwendige Entscheidung oft erst später negative Auswirkungen zeigt. Man muss versuchen Entscheidungen aus der Situation heraus verstehen und nicht mit dem moralischen Zeigefinger desjenigen, der hinterher immer alles besser weiß.
    Woran liegt das denn? Natürlich daran, dass wir die Zukunft nicht kennen. Auch das IPCC nicht.
    Es ist in unserem Rechtsverständis deshalb gerade nicht erlaubt Schicksal zu spielen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  20. Lieber Herr Fischer,
    Sie schreiben:

    Eine Gesellschaft, die nur noch nach Kosten/Nutzen-Analysen entscheidet, ist meines Erachtens inhuman.

    Welche Bewertung gibt es denn für uns Menschen noch. Kosten das ist die Arbeit, die wir bereit sind aufzuwenden und Nutzen ist die Motivation warum wir etwas tun.
    Was Sie meinen ist dann wohl, wir sollen arbeiten, damit ein höherer Zweck was davon hat. Wer definiert dann den höheren Zweck? Sie. Das IPCC. Die Grünen. Die CDU. Die Linke. Obama, Pachauri, Greenpeace?
    Nein, in der Demokratie stimmen wir Deutschen darüber ab, was für uns Nutzen bedeutet. Das ist der humane Gedanke. Eine Gesellschaft die eine Kosten/Nutzen Analyse betreibt ist verantwortungsbewusst.
    Entscheidend ist wie wir gemeinsam den Nutzen definieren in der Demokratie und dann bereit sind dafür zu arbeiten.
    Und selbstverständlich muss der Nutzen mit den Menschenrechten und dem Grundgesetz vereinbar sein.
    Dass eine übergeordnete Organisation den Nutzen vorgibt das ist Diktatur.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  21. Sehr geehrte Herren Heß und Heller,

    Sie unterliegen einem Denkfehler, wenn Sie Wohlstand und Klimaschutz als konträre Positionen empfinden. Das war wohl bislang richtig, es ist aber unzulässig, dies in die Zukunft zu projizieren. Die entscheidende Frage ist doch eher, dass wir es schaffen sollten zu zeigen, dass klimaverträglicher Wohlstand möglich ist und dieser Weg auch von den sich entwickelnden Staaten eingeschlagen werden kann.

    Hätten sie den im Jahre 1900 zum Beispiel dafür plädiert auf fossile Energieträger zu verzichten?

    Natürlich nicht. Niemand will zurück zu vorindustrialisierten Zeiten. Dennoch darf nicht ignoriert werden, dass unwissentlich Schäden verursacht worden sind, die Frage der Verantwortung ist keine theoretische oder naturromantische Frage, sondern Realität und wurde z.B. von Entwicklungs- und Schwellenländern in Kopenhagen gestellt.

    Herr Heller, wenn ich Ihnen unabsichtlich ins Auto fahren, dann halten Sie es doch auch für normal, dass ich für den Schaden aufkommen muss, oder? Oder darf ich mich dann auch hinter privaten Kosten/Nutzen-Kalkulationen verstecken?

    Oder provozierend:
    Wenn es um Menschenleben geht, sollten wir dann nach persönlichen Kosten/Nutzen-Relationen entscheiden, ob wir zur Rettung schreiten?

    Sie, Herr Heß, fragen:

    Welche Bewertung gibt es denn für uns Menschen noch. Kosten das ist die Arbeit, die wir bereit sind aufzuwenden und Nutzen ist die Motivation warum wir etwas tun.

    Das verstehe ich jetzt gar nicht mehr. Ist es nicht Alltag, dass sich Menschen engagieren, ohne eigenen finanziellen Nutzen? Ehrenämtler, freiwillige Feuerwehr etc.
    Sollen wir bei Senioren nach Kosten/Nutzenanalysen entscheiden, ob sich ein neuer Herzschrittmacher „lohnt“?

    Um nicht missverstanden zu werden:
    Ökonomische Betrachtungen sind wichtig und notwendig. Sie kennen auch die Studien von Stern und Tol uvm., die Klimaschutz auf ökonomischen Grundlagen betrachten. Alles gut und schön, ich wehre mich nur dagegen, ökonomische Betrachtungen zum ALLEINIGEN Maßstab gesellschaftlicher Entscheidungen zu machen. Sind wir eine Wertegemeinschaft oder eine „Deutschland AG“?

  22. Lieber Herr Fischer,

    Nutzen ist der subjektive Wert von Gütern den ich oder sie materiellen oder immateriellen Gütern beimessen. Ob man den Nutzen immer so genau messen kann lasse ich dahingestellt.

    Das heißt aber zu mindestens was es mir Wert ist und wie viel ich bereit bin dafür zu arbeiten. Das heißt nicht, dass ich für diese Arbeit finanziell bezahlt werden muss.
    Wobei ein Gut alles Mögliche sein kann, bis zur CO2 Vermeidung oder Pflege alter Menschen.
    Das Adjektiv finanziell haben sie nachher in die Diskussion eingefügt und mir quasi untergeschoben, wenn sie nochmal selbstkritisch nachlesen.
    Wenn sie einseitig Nutzen auf finanziellen Nutzen für den Einzelnen verkürzen, sitzen sie der Propaganda bestimmter Gruppen auf. Das tut ja unsere soziale Marktwirtschaft und unsere Demokratie gerade nicht. Nehmen sie alleine den Generationenvertrag unserer Rentenversicherung.
    Nochmal mein Satz:

    Welche Bewertung gibt es denn für uns Menschen noch. Kosten das ist die Arbeit, die wir bereit sind aufzuwenden und Nutzen ist die Motivation warum wir etwas tun.

    Wenn ich den Dingen Wert beimesse bin ich bereit und motiviert dafür zu arbeiten. Mit der Menge an Arbeit die ich bereit bin zu leisten, könnte man den Nutzen bemessen.
    Warum sie das auf finanziellen Nutzen verkürzen kann nur an einem Missverständnis liegen.
    Das ist ja gerade, was viele hier skeptisch macht, die Maßnahmen werden von bestimmten Gruppen vorgeschlagen, andere müssen dafür zahlen bzw. arbeiten und ob es einen Nutzen hat wird noch nicht mal überprüft, wie man im folgenden mehrfach zitierten hier sieht:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,727695,00.html
    Das nenne ich verantwortungslos und inhuman ohne Kosten/Nutzen-Analyse andere Menschen arbeiten zu lassen.
    Und das ist auch das was Lomborg anprangert, statt da zu handeln wo direkt Hilfe gebraucht wird und auch wirksam geleistet werden kann, wird in wirkungslosen Aktionismus die Arbeitskraft der Menschen verschwendet.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  23. Lieber Herr Fischer,
    erlauben sie mir noch einen Nachsatz zu meinem #22.
    Kosten/Nutzenanalyse heißt nicht nur, rauszufinden ob man überhaupt dafür arbeiten will, sondern auch darum mit begrenzten Ressourcen den größtmöglichen Nutzen zu bekommen. Und begrenzt sind ja Ressourcen immer, oder? Gerade deshalb ist sie so wichtig, denn nur mit einer vernünftigen Kosten/Nutzen Analyse können sie zum Beispiel maximal viel CO2 einsparen und verantwortlich die Menschen in die Zukunft führen.
    Nochmal, damit sie mich nicht wieder missverstehen mit Nutzen meine ich nicht nur den finanziellen Nutzen.

    Was ist also an einer Kosten/Nutzenanalyse inhuman, wie sie das schreiben?

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  24. Lieber Herr Fischer
    Sie schreiben:
    „Dennoch darf nicht ignoriert werden, dass unwissentlich Schäden verursacht worden sind, die Frage der Verantwortung ist keine theoretische oder naturromantische Frage, sondern Realität und wurde z.B. von Entwicklungs- und Schwellenländern in Kopenhagen gestellt.“
    Klar als Entwicklungsland würde ich das auch sagen. Ist halt Realpolitik und Verhandlungstaktik.
    So ist das Leben.

    Selbstverständlich ist das aber theoretisch, denn können sie denn die Schäden genau belegen, die schon verursacht wurden?

    Der „carbon footprint“ eines Chinesen der jetzt in Shanghai oder Hongkong lebt und Porsche fährt ist sicher größer als der „Carbon Footprint“ meiner Eltern. Der „Carbon Footprint“ der jetzigen Generation ist größer als der Generation davor. Der „Carbon Footprint“ der nächsten Generation wird nochmal größer sein.
    Falls CO2 ein Problem ist, ist das Problem absolut und nicht relativ und die Chinesen haben uns absolut schon längst überholt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  25. Zusatz zu # 24:
    Der satz in der weisen Box ist von mir.

  26. Lieber Herr Fischer,
    Sie schreiben:

    Sie unterliegen einem Denkfehler, wenn Sie Wohlstand und Klimaschutz als konträre Positionen empfinden. Das war wohl bislang richtig, es ist aber unzulässig, dies in die Zukunft zu projizieren.

    Auch das ist ein unterschieben von Aussagen. Können sie das aus meinen Ausführungen belegen?

    Ich glaube lediglich, dass viele der bisher vorgeschlagenen Lösungswege und Wohlstand nicht vereinbar sind. Ich meine Kernenergie als Lösung wird ja zum Beispiel von den „Ökokriegern“ abgelehnt in Deutschland.

    Ich glaube auch, dass ein Vorpreschen für Deutschland teuer wird, ohne dass es dem „Klimaschutz“ hilft, da bin ich ganz bei Professor Sinn mit seinem wirtschaftlichen Sachverstand.
    Sie schreiben weiterhin:

    Die entscheidende Frage ist doch eher, dass wir es schaffen sollten zu zeigen, dass klimaverträglicher Wohlstand möglich ist und dieser Weg auch von den sich entwickelnden Staaten eingeschlagen werden kann.

    Da bin ich ganz bei Ihnen. Man sollte das erst zeigen, bevor man aktionistisch Massnahmen beschließt.
    Aber wer hat das denn bisher gezeigt. Haben sie das gezeigt?
    Strom aus ereneurbaren Energien ist teuerer und wie man am Biosprit sieht kontraproduktiv für das angestrebte Ziel.
    Ergo, schon mal Ressourcenverschwendung und das mindert den Wohlstand.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  27. Herr Heß,

    Sie antworten auf etwas, was ich zwar geschrieben habe, hier aber nirgends finde. Ich dachte, dies wäre eher ein Blog, wo die Leute Lust auf kontroverse und intelligente Diskussionen in respektvollen Umgangsformen haben. Da lag ich dann wohl falsch. Man scheint auch hier wohl eher unter sich bleiben zu wollen, meinetwegen.

    Ich dachte, Sie und Herr Heller würden einen Widerspruch zwischen Wohlstand und Klimaverträglichkeit sehen, weil Sie sofort das Beispiel der Industrialisierung nannten. Aber ich muss feststellen, im Grunde unterscheiden wir uns weniger, als man anfangs so denkt.

    Herzliche Grüße

  28. Nachtrag:

    Ich sehe mittelfristig einen Preisschock bei Öl, getrieben von steigender Nachfrage bei zunehmender Verknappung des billigen Öls. Meine Prognose lautet, dass die Volkswirtschaft damit am besten fertig wird, die am weitesten auf dem Weg der Dekarbonisierung fortgeschritten ist.

    Und ich teile auch nicht den Optimismus von Herrn Heller, dass, komme was wolle, wir uns auch noch in ferner Zukunft Flugreisen in den Urlaub leisten können. Untätigkeit in Sachen Klimawandel und bei verknappenden Ressourcen kann auch zu Wohlstandsverlust führen. Ich denke, wir sind uns einig, dass schon aus volkswirtschaftlicher Vernunft die Energieumstellung eingeleitet werden muss, wir unterscheiden uns wohl nur im Tempo derselben.

    Aber wie heißt es so schön: Prognosen sind schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen 😉

  29. PS:

    Entschuldigung, Herr Heß bezieht sich auf einen erschienenen Beitrag.
    Ich habe noch einen weiteren geschrieben, der nicht vorhanden ist, nehme aber mal an, dass ich es selbst verbaselt habe. Ich bitte, meinen Vorwurf als nichtexistent zu betrachten.

  30. Lieber Herr Fischer,
    ehrlich gesagt meinte ich mich immer auf ihre Aussagen in # 17bezogen zu haben. Ich habe mich gefreut jemanden zu haben der das Thema mal kontrovers aufnimmt, respektlos sein wollte ich nicht. Falls sie das rauslesen aus meinen Zeilen, Entschuldigung.
    Sie schreiben:

    Ich dachte, Sie und Herr Heller würden einen Widerspruch zwischen Wohlstand und Klimaverträglichkeit sehen, weil Sie sofort das Beispiel der Industrialisierung nannten. Aber ich muss feststellen, im Grunde unterscheiden wir uns weniger, als man anfangs so denkt.

    Nein, ich sehe nur einen Widerspruch von 7 Milliarden Menschen, steigende Lebenserwartung und einseitige Schuldzuweisung an hart arbeitende Menschen in Industrieländern, die in ihren Formulierungen # 17 mit anklingt.
    Sie schreiben:

    Ich denke, wir sind uns einig, dass schon aus volkswirtschaftlicher Vernunft die Energieumstellung eingeleitet werden muss, wir unterscheiden uns wohl nur im Tempo derselben.

    Nicht ganz. Ich glaube Herr Heller und ich würden vielleicht gerne das gleiche Tempo einlegen, können aber nicht sehen, dass die Vorschläge die auf dem Tisch liegen durchdacht sind und Wirksamkeit versprechen. Wir betrachten dieses vermeintliche Tempo der „Ökokrieger“ deshalb als Aktionismus zur Gewissensberuhigung. Der Mensch ist in der Regel ein Fluchttier und springt bei auftretenden Problemen häufig in Aktionismus. Das erlebe ich täglich. Gutes Management, Verantwortung übernehmen und Führung bedeutet erstmals kontraintuitiv Tempo rausnehmen, die Menschen abholen, auch wenn es vermeintlich drängt und genau darüber nachdenken, was denn eine wirksame Lösung ist. Das ist die Grundlage jedweder Problemlösungsstrategie in der Industrie. Der Chinese sagt dazu: Wer es eilig hat, der gehe langsam.
    Meine Frage an Sie steht aber:

    Was ist also an einer sorgfältig durchgeführten Kosten/Nutzenanalyse in Hinblick auf ein Ziel inhuman?

    Es gehört doch im Gegenteil zum Handwerkszeug verantwortlicher Politik eine sorgfältige Kosten/Nutzen-Analyse durchzuführen, um die begrenzten Ressourcen effizient einzusetzen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  31. Lieber Herr Fischer,

    Sie schreiben:

    Ich sehe mittelfristig einen Preisschock bei Öl, getrieben von steigender Nachfrage bei zunehmender Verknappung des billigen Öls. Meine Prognose lautet, dass die Volkswirtschaft damit am besten fertig wird, die am weitesten auf dem Weg der Dekarbonisierung fortgeschritten ist.

    Einverstanden. Aber die Lösung wäre gewesen für Deutschland und ist es noch, die Kernenergie, mindestens auf den Stand von Frankreich auszubauen. Wir hätten weniger CO2 Emissionen und wären weniger abhängig vom Öl.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  32. Lieber Herr Heß,

    ehrlich gesagt meinte ich mich immer auf ihre Aussagen in # 17bezogen zu haben. Ich habe mich gefreut jemanden zu haben der das Thema mal kontrovers aufnimmt, respektlos sein wollte ich nicht. Falls sie das rauslesen aus meinen Zeilen, Entschuldigung.

    Ich glaube, da lag ein Missverständnis vor. Ich hatte einen Beitrag zu ihren #23 und #24 verfasst, las dann ihre Antwort und dachte, dies müsste die Reaktion auf meine #25 sein, die ich aber nicht fand. Ich dachte zuerst, der Beitrag wäre gelöscht worden, aber vermutlich habe ich es selbst verschusselt. Sie waren in keinster Weise respektlos.

    Was ist also an einer sorgfältig durchgeführten Kosten/Nutzenanalyse in Hinblick auf ein Ziel inhuman?

    Inhuman wird es dann, wenn in solche Rechnungen Tote einfließen, die nach einem ökonomischen Wert taxiert werden. Inhuman wird es dann, wenn heutige Aktienkurse und Gewinne gewisser Branchen höhergewichtet werden als Nachteile der folgenden Generationen.

    Wie gesagt, ich wollte nur den Gegenpol zum Extrempol „Ökologismus“ schildern. Diesen extremen Gegenpol hatte ich in neoliberalen, profitorientierten Denkarten angesiedelt, wo man aus kurzsichtigem Profitdenken heraus langfristige Klimaschutzpolitik bekämpft. Auch hierzulande werden die entschiedensten Gegenpositionen oft von Organisationen vertreten, die „frei“ oder „liberal“ im Titel tragen, meist im Sinne von marktliberal, wenn man genauer hinschaut (s. z.B. die Linktipps hier unter B: Medien). Ich befürchte, dass es dieser Extrempol über den Hebel USA geschafft hat, jegliche Klimaschutzabkommen auf Jahre hinaus zu verhindern.

    Ich gebe zu, die Studien von Stern oder Tol nicht im Original gelesen zu haben, auch mit dem AR3 habe ich mich nicht sonderlich beschäftigt. Ich habe das Gefühl, als wäre es aus heutiger Sicht kaum möglich, halbwegs zuverlässige Kosten/Nutzen-Analysen überhaupt aufzustellen. Das Emissionsszenario ist unbekannt und die regionalen Vorhersagen sind auch noch sehr vage. Dies ist die wissenschaftliche Unsicherheit. Die ökonomische stufe ich sogar noch höher ein. Ich muss mich deshalb als Verfechter des von Herrn Heller kritisierten „Vorsorgeprinzips“ outen.
    Ich bin neu hier und muss gestehen, noch nicht verstanden zu haben, was Herr Heller mit seiner Kritik genau meint, für mich ist das gerade wegen der Unsicherheiten der logische und plausible Ansatzpunkt.

  33. Es ist mal wieder an der Zeit zu poltern.

    Herr Fischer, was soll das Gesülze eigentlich?
    Sie nutzen hier eine aufwendig, energieintensive Infrastruktur um sich dann über diese böse Infrastruktur aufzuregen.
    Warum ist Lomberg, als Verfechter des AGW, eigentlich so ein böses Negativbeispiel für unsere Hyper, der bestreitet ja nicht mal den Treibhauseffekt?

    Wo gehen Sie persönlich im Klimakampf voran, ausser eventuell „Öko-Strom“ zu kaufen?
    Gerade der Klimakampf öffnet doch unseren Banken eine weitere Möglichkeit eine neue Blase zu initiieren, wollen Sie das etwa?
    EE sind alleine Schrott ohne vernünftige Speichermöglichkeit, aber man kann ja kräftig damit Geld verdienen, wenn man da seine übrige Kohle reinsteckt.
    Ich kann dieses pseudophilosophische Gelaber einfach nicht mehr hören, Lebensmittel verbrennen und 1 Milliarde Menschen hungern lassen, so sieht es derzeit aus.
    Den Armen anständige medizinischen Versorgung angedeihen lassen, sauberes Trinkwasser bereitzustellen, eine anständige Abwasserbehandlung durchzuführen, den Menschen Mittel zur Eigenversorgung in die Hand zu geben…….das wäre wohl eher ein Ziel.

    Nee, wir wollen mit ungeeigneten Massnahmen das Klima auf 2 Grad Temperaturanstieg festnageln, weil ja ansonsten die Menschen in der 3. Welt das zukünftige Klima ausbaden müssen, welch ein scheinheiliger Dumpfsinn in Sinne des „Club of Rome“.

    Afrika geht es schlechter als je zu vor, weil Europa und Amerika besonders in diesen Kontinent seine fetten Spenden samt „Entwicklungshelfer“ los werden will, Asien zieht sich gerade alleine aus dem Dreck………und nebenbei auch gleich Afrika und Südamerika.

    Westlich geprägte Klimaschützer und Öko-Krieger geht es doch nur darum, für sich selber vorzusorgen, der Rest der Welt geht denen doch glatt am Arsch vorbei.

    Ich persönlich finde diese Diskussion an egoistischer Perversion kaum noch zu überbieten, aber was solls, Europa und Amerika sind gerade dabei sich selber abzuschaffen, die Dekadenz des Wohlstands muss wohl auf diverse Hirnwindungen negativ einwirken, anders kann ich mir diesen Schwachsinn einfach nicht mehr erklären.

    PS. Ach übrigens, die derzeitigen „Klimaschutzbemühungen“ unserer Bundesregierung sorgen anständig für eine weitere Verarmung in deutschen Lande, wir brauchen nicht mal nach Afrika zu gucken um diese menschenfeindliche Religion enttarnen zu können.

    Schönen Sonntag noch in der warmen, trockenen Wohnung mit elektrisch Strom und Internetanschluss.

    H.E.

  34. Irgendwie geht hier aus meiner Sicht gerade der rote Faden verloren, bzw. es wird einiges durcheinander geworfen.

    Aber zunächst:

    Ich dachte zuerst, der Beitrag wäre gelöscht worden, aber vermutlich habe ich es selbst verschusselt.

    Hier wird nur äußerst selten etwas gelöscht und nie ohne Begründung, die dem Kommentator auch mitgeteilt wird. Was auch immer da schiefgelaufen ist: Der fehlende Beitrag findet sich auch nicht im Spam-Filter.

    Zur Sache und zur Sortierung der Gedanken:

    Herr Fischer, Sie beziehen sich auf meinen oben geschilderten Disput mit Herrn Weber und leiten eine Gegenposition zu mir aus einer moralisch/ethischen Dimension ab, die Sie dem Klimawandel zuweisen. Das war aber überhaupt nicht das Thema zwischen mir und Herrn Weber. Im Gegenteil: Der Herr Weber nimmt ebenso wie ich für sich in Anspruch, ein Verfechter der Marktwirtschaft zu sein und marktwirtschaftliche Lösungen zu fordern. Es ging auch noch nicht einmal um das Vorsorgeprinzip. Dieses wird ja verwendet, um bei Maßnahmen mit niedrigen Eintrittswahrscheinlichkeiten und hohen potentiellen Folgen ein Handeln zu fordern bzw. zu rechtfertigen. Für Herrn Weber ist die Klimakatastrophe aber genau kein Ereignis mit niedriger Wahrscheinlichkeit und hohem Zerstörungspotential. Sondern ein Ereignis mit der Eintrittswahrscheinlichkeit von 100% und der zwangsläufigen totalen Zerstörung (der Grundlagen unseres Wirtschaftens). Anders ausgedrückt: Für Herrn Weber ist die Klimakatastrophe Gewißheit und seine Vorstellungen beruhen nicht auf der Reaktion auf Unsicherheiten. Darum ging es mir eigentlich.

    Für Herrn Weber ist damit Verzicht eine marktwirtschaftliche Lösung par Excellence. Denn ohne diesen Verzicht gibt es aus seiner Sicht keine Marktwirtschaft mehr, in der man Lösungen anstreben könnte.

    Sie dagegen argumentieren mit ethisch/moralischen Ansätzen („vermiedene Todesopfer“), die in meiner Debatte mit Herrn Weber überhaupt nicht zur Sprache kamen. Wenn Sie aber so argumentieren, und das wollte ich Ihnen oben sagen, kann man für einen anderen Umgang mit Risiken (Minimierung der Folgen statt Minimierung der Risiken) dieselbe ethisch/moralische Rechtfertigung verargumentieren. Das hat nun wirklich noch nichts mit „neoliberal“ zu tun.

    Folgenminimierung ist aber nur dann möglich, wenn wir heute das entsprechende technisch-ökonomische Potential aufbauen, das unsere nachfolgenden Generationen vielleicht benötigen. Anders ausgedrückt: Wenn wir Bangladesh in die Lage versetzen, sich technisch und ökonomisch einen ebenso guten Hochwasserschutz zu leisten, wie wir ihn realisieren können, dann vermeiden wir eben auch Todesopfer. Und zwar vielleicht mehr, als durch Einsparung von Emissionen.

    Auf alle anderen Punkte werde ich noch eingehen.

  35. So, dann ein paar Einzelaspekte der Reihe nach:

    Sie unterliegen einem Denkfehler, wenn Sie Wohlstand und Klimaschutz als konträre Positionen empfinden. Das war wohl bislang richtig, es ist aber unzulässig, dies in die Zukunft zu projizieren.

    Meine Antwort entspricht der von Herrn Heß in Nr. 26. Bislang sind alle vorgeschlagenen und umgesetzten Maßnahmen solche, die gegen Markttrends arbeiten. Und somit zwangsläufig Werte vernichten. Haben Sie ein Gegenbeispiel, Herr Fischer? Ich kenne auch kein Konzept, nach dem sich das in der Zukunft ändern soll. Wenn wir bspw. unsere Energieerzeugung weiter dekarbonisieren wollen (was ja der stabile Trend seit vielen tausend Jahren ist (Holz -> Torf -> Braunkohle -> Steinkohle -> Öl -> Gas, immer weniger C und immer mehr H)), dann sind Innovationen gefragt, die preiswerter sind. Nicht solche, die teurer sind. Das teure gegen das preiswerte am Markt konkurrenzfähig zu halten, erfordert Eingriffe (Subventionen, Verbote), die entweder Wertschöpfung verhindern oder Werte vernichten, ohne das entsprechende Gegenwerte entstehen.

    Derzeit gibt es eine Reihe Möglichkeiten, mit negativen Vermeidungskosten (also zusätzlicher Wertschöpfung) weiter zu dekarbonisieren, Beispiele sind die Effizienzsteigerung in konventionellen Kraftwerken durch Erhöhung der Verbrennungstemperatur und Optimierung des Verbrennungsprozesses und die Kernenergie. Diese Optionen werden von keiner parlamentarischen Kraft in Deutschland offensiv vertreten. Und von den Ökologisten sogar ideologisch bekämpft.

    Wie man eine „Klimaschutzpolitik“ auch aufsetzen kann (indem man nämlich eigentlich keine macht) zeigt bspw. das Hartwell-Papier.

    Ich werde meine Alternative noch beschreiben, irgendwann in den kommenden Wochen.

    Ich sehe mittelfristig einen Preisschock bei Öl, getrieben von steigender Nachfrage bei zunehmender Verknappung des billigen Öls.

    Ich nicht. Wir verfügen bereits heute über ausreichend umfangreiche alternative Quellen für Kohlenwasserstoffe, die einen solchen Preisschock (bzw. seine Folgen) durch ihr Substitutionspotential abfangen können. Wir verwenden Erdöl als Ausgangssubstanz für die benötigten Kohlenwasserstoffe nur deswegen noch, weil es so billig ist (und immer billiger wird), nicht, weil es so teuer ist.

    Und ich teile auch nicht den Optimismus von Herrn Heller, dass, komme was wolle, wir uns auch noch in ferner Zukunft Flugreisen in den Urlaub leisten können.

    Ich denke, daß wir (langfristig) Urlaubsreisen auf kurzen und mittleren Strecken so selbstverständlich mit dem eigenen Flugzeug antreten werden, wie heute mit dem eigenen Auto.

    Ich denke, wir sind uns einig, dass schon aus volkswirtschaftlicher Vernunft die Energieumstellung eingeleitet werden muss, wir unterscheiden uns wohl nur im Tempo derselben.

    Der Staat hat überhaupt nichts einzuleiten. Es obliegt seiner Verantwortung, vorwettbewerbliche Entwicklungen zu fördern, insbesondere also Forschung und Entwicklung an Forschungseinrichtungen wie in Unternehmen. Über Erfolge oder Mißerfolge entscheidet der Markt, der Staat sollte das Marktgeschehen niemals zu dominieren versuchen (das hat auch noch nie funktioniert, oder haben Sie ein Gegenbeispiel?). Wenn etwas eingeleitet werden muß, dann wird es durch das Marktgeschehen ohnehin eingeleitet. Wenn die Marktteilnehmer dagegen eine Neuerung nicht von selbst akzeptieren, ist diese Neuerung auch keine weitere Betrachtung wert.

    Ich sehe auch keine Notwendigkeit einer „Energiewende“ (die hat es auch in der Menschheitsgeschichte noch nie gegeben). Ich sehe nur einen wachsenden Bedarf an Primärenergie und an Elektrizität. In diesem Markt ergänzt das Neue das Alte, weil das Alte zwar den aktuellen Bedarf, nicht aber den der Zukunft decken kann. Eine Substitution findet nicht statt (jedenfalls nicht global).

    Wie gesagt, ich wollte nur den Gegenpol zum Extrempol “Ökologismus” schildern. Diesen extremen Gegenpol hatte ich in neoliberalen, profitorientierten Denkarten angesiedelt, wo man aus kurzsichtigem Profitdenken heraus langfristige Klimaschutzpolitik bekämpft.

    Oh, das „Profitdenken“, das ich hier vertrete, ist durchaus langfristig angelegt. Sogar sehr langfristig. Wir Marktwirtschaftler denken weit weniger in Kapital, denn in der Verzinsung desselben.

    Den Gegenpol zum Ökologismus werde ich noch formulieren. Er besteht aber nicht in wirtschaftspolitischen Strategien, sondern in einem neuen Ansatz für den Umweltschutz. Ausgangspunkt ist, daß der oben geschilderte Konflikt zwischen Mensch und Natur nicht existiert (nicht existieren kann). Und es geht auch nicht darum, bestimmte Zustände in der Natur zu schützen, sondern ihre Fähigkeit, sich anzupassen, sich zu wandeln. Die Gegenposition ist also nicht zustandsorientiertes, statisches, sondern prozessorientiertes, dynamisches Denken.

    Ich bin neu hier und muss gestehen, noch nicht verstanden zu haben, was Herr Heller mit seiner Kritik genau meint, …

    In aller Kürze: Der „Klimawandel“ ist ein Nichtproblem. Wenn man denn denkt, man müsse diesem Problem aus politischer Taktiererei heraus begegnen, dann bitte soll man die Probleme lösen, die real sind. Man kann viele davon unter das Etikett „Klimaschutz“ stellen, ohne Schaden anzurichten.

    Ansonsten meinen wir hier eine ganze Menge verschiedener Dinge. Dies ist einfach nur ein Blog, der aus privatem Vergnügen heraus als Hobby betrieben wird. Ich teste hier Gedanken und Ideen, ich verfolge hier keine großangelegte Strategie.

    Wenn Sie sich noch ein bißchen einlesen wollen, bitteschön:

    German Angst
    Ökologischer Fußabdruck
    Szenarien und Prognosen
    Anpassung kontra Vermeidung

    Viel Spaß…

  36. Hallo Herr Heller,

    Mit Ihrer Gegenüberstellung Weber ./. Katie haben Sie versucht anhand zweier Extreme das Spektrum der „Ökokrieger“ zu umreißen. Die ist Ihnen –so wie ich meine- recht gut gelungen. Ihre Aussage, dass es sich bei Beiden um „Ökologisten“ handelt, möchte ich doch so nicht unbedingt unterschreiben. Denn wenn wir schon zu Recht unterstellen, dass Beide „Krieger“ sind, dann stellt sich die Frage nach den Feldherren/Führern. Wie Sie richtig beschreiben, handelt es sich beim Ökologismus im eine Ideologie, was aber letztlich bedeutet, dass wir in den Vordenkern/Ideologen die eigentlichen „Ökologisten“ zu suchen haben. Die von Ihnen beschriebenen „Ökokrieger“ sind –so meine Definition- NUR das Schwert der „Ökoideologen“ (ein fürchterliches Wort), das der Durchsetzung dieser Ideologie dient und achtlos beiseite gelegt wird, wenn das Ziel –die Herrschaft- erreicht ist und man seiner nicht mehr bedarf. Als Beispiel möchte ich nur die sog. Säuberungsaktionen unter den „Gefolgsleuten“ totalitärer Herrscher nach Festigung der eigenen Macht anführen.

    Sie schreiben:

    An beiden kann man zwei äußere Grundmuster des Ökologismus ablesen: Angst (vor der Zukunft) und Sendungsbewußtsein (missionarischer Eifer).

    Angst? Haben die Webers und Katies wirklich Angst? Oder GLAUBEN die beiden nur *ANGST HABEN ZU MÜSSEN*? Die Reaktionen der beiden lässt eher auf Letzteres schließen. Das beiden innewohnende Sendungsbewusstsein bestätigt meine These, dass es sich hier um eine Frage des Glaubens bzw. „GLAUBEN WOLLENS* handelt. Denn Angst erzeugt kein Sendungsbewusstsein, dies kann nur der Glaube bewerkstelligen. So paradox es auch klingen mag, Katie und Weber bekämpfen, ohne sich dessen bewusst zu sein, Ihren Glauben an dieses *ANGST HABEN ZU MÜSSEN*. Jeder der beiden versucht es mit eigenen Mitteln.

    Weber versucht es als Marktwirtschaftler, ohne zu reflektieren, dass er damit auf dem „besten“ Wege ist aus einer Marktwirtschaft über eine Planwirtschaft in eine Kommandowirtschaft totalitärer Regime überzuleiten. Hat er auch -für den Fall eines Gelingens seiner „Idee“- ein Konzept für den Weg zurück in eine demokratische Marktwirtschaft? Wohl kaum. Weber denkt nicht, wie er vorgibt, an Morgen. Er ist nur an der Erhaltung eines IST-Zustandes –jedenfalls das was er darunter versteht- interessiert. Also ein nützlicher Krieger, der nicht danach fragt, wer oder was durch sein Handeln auf der Strecke bleibt.

    Während man Weber noch unterstellen kann einen Weg beschreiten zu wollen, der NUR zu einer Umgestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nach sich zieht, zielen Katies hysterische Aktivitäten schon gegen die sog. Errungenschaften der entwickelten Zivilisation. Katie ist eindeutig die Gefährlichere von den beiden.
    Sie handelt aus irrationalem Fanatismus heraus. Sie gibt sich mit dem IST-Zustand nicht zufrieden. Sie will zurück und zwar viel weiter, als sie selber in ihrer Hysterie überblicken kann. Ihr Kampf gilt der Zivilisation schlechthin. Sie verlangt Verzicht um des Verzichtens Willen und das ohne Rücksicht auf die Folgen. Sie nimmt sogar, wenn man der Botschaft des von ihr mit zu verantwortenden Videoclips folgt, billigend in Kauf, wenn Unbotmäßige physischer Vernichtung preisgegeben werden.

    +++

    Ihren Ausführungen zum „Ökologischen Dogma“ stimme ich ohne „Gegenwehr“ zu, möchte jedoch noch anfügen, dass aus meiner Sicht der Ökologismus das „Neue Pferd“ ist, auf dem die immer wieder auftauchenden Weltbeglücker zum Ziele reiten wollen. Die alten Parolen *Proletarier aller Länder vereinigt euch* oder *Volk halt Wacht* locken heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Also sucht man unter einer anderen Klientel –den Satten und Bildungsangehauchten- seine Gefolgsscharen zu rekrutieren. Und wie es scheint, wieder einmal mit Erfolg.

    Ein nachdenklicher Geist aus dem Moos
    schickt freundliche Grüße

  37. @ moosgeist:

    Angst? Haben die Webers und Katies wirklich Angst? Oder GLAUBEN die beiden nur *ANGST HABEN ZU MÜSSEN*?

    Korrekt. Ich stimme zu. Die beiden glauben, „Angst haben zu müssen“.

    Hat er auch -für den Fall eines Gelingens seiner „Idee“- ein Konzept für den Weg zurück in eine demokratische Marktwirtschaft? Wohl kaum. Weber denkt nicht, wie er vorgibt, an Morgen. Er ist nur an der Erhaltung eines IST-Zustandes –jedenfalls das was er darunter versteht- interessiert.

    Korrekt. So habe ich Herrn Weber erlebt (und erlebe ihn noch, ich habe mit dem Herrn desöfteren zu tun).

    Katie ist eindeutig die Gefährlichere von den beiden.

    Korrekt. Mit Weber habe ich eine Kommunikationsbasis. Er ist mir sogar sympathisch (und ich denke, das beruht auf Gegenseitigkeit). Mit den „Katies“, die ich kennengelernt habe, ist dagegen keinerlei Kommunikation mehr möglich.

  38. Norbert Fischer #17

    Der Ökologismus der heutigen Prägung hat sich neben Umwelt- und Naturschutz auch den Klimaschutz auf seine Fahne geschrieben. D.h. sie haben (neudeutsch) fusioniert. Klimaschützer führen in ihrer Argumentation Natur- und Umweltschutz ins Feld und umgekehrt argumentieren Natur- und Umweltschützer mit dem Klimaschutz.
    Siehe die Argumentationstechniken von Greenpeace, WWF und diverser anderer nationaler und internationaler NGO’s.

    Ökologismus ist nun das eine Extrem.
    Es gibt aber noch ein anderes, das so mächtig ist, dass es uns beim Lesen gar nicht mehr auffällt:

    Ich bin mir nicht sicher, ob Herr Heller hier durch seine en passant Erwähnungen des Klimaschutzes in seinem Artikel absichtlich eine provokative Falle gestellt hat, aber ich vermeine ein verschmitztes Grinsen zu sehen. Sei dem wie es will, Sie sind voll rein getappt.

    Jedem Skeptiker hier ist es völlig klar, dass Klimaschutz in letzter Konsequenz mit Natur- und Umweltschutz nicht kompatibel ist. Es geht hier ein Riss durch die gemeinsame Ideologie. Es ist schon spaßig mit welchen akrobatischen Argumentationen Klimaschützer den Spagat zu Natur- und Umweltschutz zu schaffen versuchen.

    Bevor Sie aber weiter in Sachen Klimaschutz diskutieren, sollten Sie einmal erläutern was SIE unter Klimaschutz verstehen und mit welcher Konsequenz Sie ein Klima schützen wollen.

  39. Lieber Herr Fischer,
    Sie schreiben in #32:

    Inhuman wird es dann, wenn in solche Rechnungen Tote einfließen, die nach einem ökonomischen Wert taxiert werden. Inhuman wird es dann, wenn heutige Aktienkurse und Gewinne gewisser Branchen höhergewichtet werden als Nachteile der folgenden Generationen.

    Völlig richtig, aber das hat nichts mit der Kosten-/Nutzen Analyse zu tun, sondern mit demjenigen der sie macht.
    Sie verwechseln da etwas. Eine Kosten/Nutzen-Analyse ist nur ein Werkzeug, dass man verantwortungsvoll oder inhuman einsetzen kann. Das hängt vom Benutzer ab. Wenn Sie also mit Nutzen nur verkürzt den finanziellen Nutzen des Einzelnen meinen, dann sei das Ihnen überlassen. Ich tue es nicht.
    Für mich ist Nutzen für immaterielle Güter wie Gesundheit oder Umwelt auch eine Bewertung zu der ich aufgrund unseres Grundgesetzes und der Menschenrechte, sowie meinen religiösen Überzeugungen komme und ich unterstelle das den anderen in diesem Blog genauso. Das hat nichts mit ihrem rein finanziellen Nutzen zu tun.
    Sie können wie gesagt auch der CO2-Vermeidung eine Nutzenfunktion zuordnen.
    Mit meiner Vorraussetzung gehört eine Kosten/Nutzen-Analyse als Werkzeug zu verantwortungsvoller Politik.

    Selbstverständlich ist auch das Vorsorgeprinzip nur ein Prinzip, das zunächst wertneutral ist. Sie können auch das Vorsorgeprinzip missbrauchen. Das heißt ein Anhänger des Vorsorgeprinzips zu sein ist zunächst eine sinnlose Aussage. Mit dem Vorsorge Prinzip könnten sie ja sonst alle Handlungen und Maßnahmen rechtfertigen, die irgendjemand vorschlägt.
    Es sind die Handlungen und Maßnahmen die unmoralisch sind oder nicht. Es sind Handlungen und Maßnahmen die wirksam sind oder nicht.
    In unserer Demokratie müssen aber alle Maßnahmen und Handlungen faktisch und normativ legitimiert sein. Dazu dienen der Bundestag und unser Grundgesetz.
    Das Vorsorgeprinzip definiert von Lobbygruppen wie Umweltbewegung oder Klimafolgenforschern per se ist keine Legitimationsgrundlage in unserem Staat. Deshalb lehne ich das Vorsorgeprinzip als Legitimationsgrundlage oder Argument ab, bin aber nicht dagegen sinnvoll vorzusorgen und wirksame Maßnahmen zu beschließen. Deshalb zahle ich gerne meine Steuern und meine Rentenversicherung.
    Wie gesagt. Mit dem Vorsorge Prinzip könnten sie alle Handlungen und Maßnahmen rechtfertigen, die irgendjemand vorschlägt.
    Mit etwas Phantasie können sie im Deutschland der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts etliche Maßnahmen und Handlungen finden die mit dem Vorsorgeprinzip gerechtfertigt wurden.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  40. Lieber Herr Fischer,
    noch ein kleines Beispiel zum Vorsorgeprinzip.
    Nehmen wir eine Familie, die eine Kaufentscheidung für ein Auto treffen möchte.
    Der Vater hat in Wissenschaft und Technik gelesen, dass man in kleineren und leichteren Autos eine schlechtere Überlebenschance hat, als in einem SUV. Der Vater plädiert nach dem Vorsorgeprinzip für seine Familie für einen SUV.
    Die Mutter hat in einem Umweltmagazin gelesen, dass CO2 die Umwelt schädigt und plädiert nach dem Vorsorgeprinzip für die Welt für einen Kleinwagen.
    Der Sohn hat Hannes Jänicke bei Plasberg gehört und mitbekommen, dass CO2 Vermeidung Eisbären rettet und plädiert nach dem Vorsorgeprinzip für Eisbären für einen Kleinwagen.
    Die Tochter hat Hannes Jänicke bei der Fulda Arctic Challenge 2010 gesehen und möchte ebenfalls nach dem Vorsorgeprinzip in einem SUV für Klimaschutz kämpfen.
    Wie fällt nun die Entscheidung nach dem Vorsorgeprinzip aus?
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  41. Lieber Her Heß,

    ich glaube, ihr Beispiel könnte man philosophisch entweder mit Kants kategorischem Imperativ oder nach utilitaristischen Prinzipien auflösen (wobei solch rationale Überlegungen bei individuellen Kaufentscheidungen natürlich Illusion sind).

    @ moosgeist

    Bevor Sie aber weiter in Sachen Klimaschutz diskutieren, sollten Sie einmal erläutern was SIE unter Klimaschutz verstehen und mit welcher Konsequenz Sie ein Klima schützen wollen.

    Ich wünschte, ich könnte jetzt kurz und prägnant etwas schreiben, aber ihre Frage ist sehr gut und sehr schwer zu beantworten. Vielleicht ist Klimaschutz der Versuch, größtmögliche Vermeidungen zu erreichen unter Berücksichtigung gesellschaftlicher und ökonomischer Grenzen.
    Wäre ich Bundeskanzler, hätte ich z.B. auch eine Laufzeitverlängerung durchzusetzen versucht, allerdings hätte ich dann eine vertragliche Fixierung zum Verzicht auf den Neubau von Kohlekraftwerken gefordert.
    Irgendwie bin ich pessimistisch und optimistisch zugleich. Pessimistisch, weil ich ein 2°C-Ziel für nicht erreichbar halte, auf Jahre hinaus sehe ich keinen internationalen Konsens. Optimistisch, weil ich darauf vertraue, dass zukünftige Preissteigerungen bei Öl schon von alleine zu einer Stärkung regenerativer Energieträger führen werden. Ich denke, dich Chancen stehen gut, die Konzentration unter 500ppm zu halten, ob das jetzt im Sinne von Klimaschutz gut oder schlecht ist, weiß ich nicht, das wird dann die Zukunft zeigen müssen.

  42. Lieber Herr Fischer,
    die einzige Lösung, die das Vorsorgeprinzip vollständig befriedigt in dem Beispiel #40 ist aufs Auto fahren zu verzichten. Da man in dem Fall, weder den Tod der eigenen Familie oder einer anderen Familie riskiert, noch die Welt gefährdet durch CO2-Erzeugung.
    Das Vorsorgeprinzip ist deshalb in der realen Welt eine Utopie, das als Argument wie „ad hominems“ in der politischen Debatte als Totschlagargument gebraucht wird. Aber niemand wird daran gehindert selbst damit anzufangen aufs Auto zu verzichten.
    Deshalb haben sie auch immer Schwierigkeiten mit Herrn Eng. Er denkt bei ihrer Argumentationsweise meiner Meinung nach immer an die totalitären Utopisten aus dem Arbeiter- und Bauernparadies mit integriertem Natur- und Umweltschutz als Lippenbekenntnis, sowie aufgeschobener Kleinwagenanschaffung. 17 Jahre warten erzeugt schon mal kein CO2. Das Dilemma hatten sie da nicht, es gab nur Kleinwagen fürs Volk und die großen Autos für die sozialistischen Elitekrieger.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß
    P.S. Ich habe kein Auto und fahre seit 30 Jahren nicht. Finde aber jeder darf in unserem schönen Land eine freie Entscheidung treffen.

  43. Lieber Herr Heß,

    ich gebe zu, ich habe die Kritik am Vorsorgeprinzip immer noch nicht verstanden. Auch aus ihrem Beispiel geht nur eine Kritik an extremen, überzogenen Vorsorgemaßnahmen hervor.

    In unserem Alltag ist es doch stets vertreten. Jemand kauft sich ein teures Auto und schließt freiwillig eine Vollkaskoversicherung ab. Vorsorge gegen einen hohen Schaden trotz kleiner Eintrittswahrscheinlichkeit.
    Kosten ca. 20-40 Euro monatlich, Zahlung klaglos. Vermutlich, weil freiwillig bezahlt wird und ein kaputtes Auto weniger abstrakt ist als mögliche Klimawandelfolgen und die Auswirkungen auf den Autobesitzer unmittelbarer sind als Schäden für nachfolgende Generationen.

    Aber bleiben wir bei erneuerbaren Energien:
    Hier scheint Konsens zu sein, dass diese (da teurer als fossile Energieträger) Wohlstand vernichten. Ganz so einfach geht es nicht, wir müssten schon einpreisen, welche Schäden durch CO2-Emissionen verursacht werden. Per saldo könnte es sogar sein, dass teurere Energiepreise Wohlstand erhalten oder schaffen.
    Nun wird’s aber leider kompliziert: Wie will man diese angenommenen Schäden berechnen? Was ist, wenn andere Länder nicht mitziehen und der Nutzen weltweit verteilt wird, die Kosten sich lokal aber summieren? Nach welcher Methode sollte man „einpreisen“, durch Co2-Steuer oder Emissionshandel?

    Gegen solche politische Fragen ist meine geliebte Wissenschaft fast schon einfach. Ich bin da jetzt auch ganz demütig und schaue mit Interesse auf die Antworten der Ökonomen und Politiker. Ich weiß einzig mit Sicherheit, dass ich mir möglichst effektive Vorsorge wünsche, die aber nur in internationaler Kooperation richtig effektiv sein kann.

    (Zu Herr Eng: Sehe ich ähnlich, ist aber sein Problem, nicht meines.)

  44. Norbert Fischer #41

    Sorry, ich wollte Sie nicht in Verlegenheit bringen. Vielleicht hätte ich die Frage besser detaillieren und erläutern sollen. Also nächster Versuch:
    a) Was verstehen Sie unter Klima?
    b) Gibt es überhaupt ein globales Klima? Oder ist unter dem Begriff Klima schlechthin die Vielzahl der Klimata der einzelnen Regionen unseres Planeten zu verstehen?
    c) Wie kann der Mensch ein Klima schützen? Gegen was? Vor was?
    d) Welche Mittel kann und darf der Mensch einsetzen um das von Ihnen definierte Klima gegen die von Ihnen definierten Gefahren bzw. Auswirkungen zu schützen?
    e) Welche Konsequenzen für Umwelt und Natur sollte der Mensch bereit sein zu tragen, wenn er glaubt ein/das Klima schützen zu müssen?
    f) Wäre es nicht sinnvoller, wenn sich der Mensch einem sich ändernden Klima anpasst, wie er es schon seit seinem Bestehen getan hat? Und seine finanziellen Mittel und technischen Ressourcen dort einsetzt wo sie tatsächlich gebraucht werden?

    Vielleicht ist Klimaschutz der Versuch, größtmögliche Vermeidungen zu erreichen unter Berücksichtigung gesellschaftlicher und ökonomischer Grenzen.

    Sie sagen es: *vielleicht* ein *Versuch* Damit geben Sie eigentlich schon die Antwort. Und dann: *größtmögliche Vermeidung* Was soll da vermieden werden, wenn es bis dato den etablierten und staatlich patronierten sog. Klimatologen nicht gelungen ist den Anteil menschlicher Aktivitäten am ständigen Auf und Ab des Klimageschehens zu definieren.
    Wo sind denn da die gesellschaftlichen und ökonomischen Grenzen unter Berücksichtigung von *vielleicht* und *Versuch* und der Unwissenheit über den anthropogenen Anteil am Klimageschehen?

    Wäre ich Bundeskanzler, hätte ich z.B. auch eine Laufzeitverlängerung durchzusetzen versucht

    Wer zieht sich schon gerne selber den Stecker raus.

    allerdings hätte ich dann eine vertragliche Fixierung zum Verzicht auf den Neubau von Kohlekraftwerken gefordert.

    Warum? Haben Sie etwas gegen moderne emissionsarme Kohlekraftwerke? Es wäre doch wesentlich effizienter die alten gegen neue auszutauschen. Miefquirle und Krähenspiegel brauchen nun mal ein zuverlässiges Backup.

    Pessimistisch, weil ich ein 2°C-Ziel für nicht erreichbar halte, auf Jahre hinaus sehe ich keinen internationalen Konsens.

    Was wollen Sie bloß mit diesem ominösen 2°-Ziel. Das ist doch nichts Anderes als eine „Hausnummer“, die willkürlich auf die Straße geworfen wurde. Hinzu kommt noch, dass es sich hierbei um einen fragwürdigen Mittelwert handelt. Wo genau die tatsächlichen Temperatursteigerungen stattfinden werden weiß kein Mensch. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass diese sog. globalen Mittelwerte etwas mit der Kassenlage gewisser Institute zu tun haben.
    Was erwarten Sie denn für einen Konsens? Es ist wohl kaum damit zu rechnen, dass sich Länder wie z.B. China, Indien, Brasilien und andere Newcomer selber den Gashahn zudrehen. Die werden die Technik einsetzen, die sie für den Einzelfall als optimal erachten und sich einen Deubel darum scheren was die abgehalfterten Europäer gerne hätten. Wenn dabei auch mal Wind und Sonne zum Zuge kommen, dann hat das allenfalls etwas mit der vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Infrastruktur zu tun, aber sicherlich weniger mit dem leidigen Klimaschutz a la Germania.

    Optimistisch, weil ich darauf vertraue, dass zukünftige Preissteigerungen bei Öl schon von alleine zu einer Stärkung regenerativer Energieträger führen werden.

    Sorry, aber das ist eines der dümmsten Argumente, dass Sie da bringen können. Wenn Sie schon –wenn auch unausgesprochen- eine Reduzierung des CO2 Ausstoßes anstreben, dann sind die sog. regenerativen Energieträger wohl das denkbar ungeeignetste Äquivalent, weil diese eine wesentlich höhere Umweltbelastung darstellen, als das vielgeschmähte Öl.

    Ich denke, die Chancen stehen gut, die Konzentration unter 500ppm zu halten, ob das jetzt im Sinne von Klimaschutz gut oder schlecht ist, weiß ich nicht, das wird dann die Zukunft zeigen müssen.

    Das ist ja dann mal ein ehrliches Statement, wie man es selten findet. Aber was wollen Sie dann mit *unter 500ppm*? Soweit man die Studien gewisser landwirtschaftlicher Forschungsinstitute richtig interpretiert, soll ein CO2-Gehalt von ca. 500ppm bis auf wenige Ausnahmen recht günstig für den Wuchs von Nahrungsmitteln sein. So gesehen wäre dann, bei steigender Bevölkerungszahl und somit höherem Nahrungsmittelbedarf, eine Reduzierung des CO2-Anteils kontraproduktiv. Aber es gibt ja Zeitgenossen und darunter sogar renommierte Persönlichkeiten, die einer schnellen und radikalen Verringerung der Weltbevölkerung das Wort reden. Da geistert seit „Herbert Gruhl“ der Kalauer *2 Mrd. sind genug* durch den Raum und es gibt genügend Leute aus dem gutsituierten grünen Milieu, die das munter nachplappern.

  45. Zwei Einwürfe:

    1. Das „Vorsorgeprinzip“ ist genau nicht der Abschluß einer Versicherung.

    Das „Vorsorgeprinzip“ verlangt, Risiken durch eine Verhaltensänderung nicht einzugehen. Eine Versicherung hingegen ermöglicht es, Risiken einzugehen, weil die Folgen minimiert werden. Ein Versicherung ist sogar nur dann sinnvoll, wenn der Schadensfall tatsächlich eintritt, ansonsten hat man Geld (bzw. Energie) nutzlos aufgewendet.

    Mein Lieblingsbeisppiel ist der Sicherheitsgurt. Er vermeidet keinen Unfall. Er ist nur dann sinnvoll, wenn es tatsächlich einen Aufprall gibt, denn nur dann entfaltet er seine Funktion als „Verminderung der Folgen von Aufprällen“. Wenn man eine lange Strecke im Auto angeschnallt zurücklegt und kein Unfall geschieht, war es im Nachhinein betrachtet völlig sinnlos, den Gurt anzulegen. Im Gegenteil: Möglicherweise führt der Gurt (und alle anderen Sicherheitssysteme im Automobil) sogar dazu, daß man mehr Risiken eingeht.

    Gleiches gilt für alle Arten von konkreten Versicherungen: Die Krankenversicherung verhindert nicht die Krankheit, die Feuerversicherung nicht den Brand, die Lebensversicherung nicht den Tod usw…

    Was wir im Alltag unter „Vorsorge“ verstehen ist also genau das Gegenteil dessen, was das „Vorsorgeprinzip“ als politische Strategie ausmacht. Viele Menschen verwechseln das immer noch, leider.

    In Bezug auf das Autofahren bedeutet die Anwendung des Vorsorgeprinzips einfach, nicht autozufahren.

    Viele Klimaschützer lehnen ja aus genau diesem Grund jede Form von Anpassungsstrategie strikt ab. Weil die Menschen dann nämlich bereit sein könnten, die Risiken des Klimawandels einzugehen und Vermeidung als nicht mehr sinnvoll erachten.

    2. Das „Zwei Grad Ziel“ ist nicht an der Realität orientiert. Und es ist auch kein absolutes Ziel, sondern eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Das „Zwei Grad Ziel“ zu verfehlen, heißt also nicht, daß die mittlere globale Temperaturanomalie um mehr als 2 Grad steigt.

    Sondern vielmehr, daß die vom IPCC verwendeten bzw. angeforderten Klimamodelle in mehr als 75% der Modelläufe einen solchen Anstieg im Rahmen ihrer Genauigkeit projizieren.

    Das ist leider auch den meisten Menschen völlig unklar.

  46. Lieber Herr Fischer,
    das Vorsorgeprinzip besagt doch, dass man Maßnahmen beschließt, trotz unsicherer wissenschaftlicher Basis für das Risiko und die Wirkung der Maßnahme im Guten wie im Schlechten.
    Das Vorsorgeprinzip alleine ist deshalb untauglich, da es alles rechtfertigen kann. Man braucht immer eine Bewertung des Risikos und des Nutzens. Bei knappen Ressourcen muss eben immer eine Kosten/Nutzen-Analyse.

    Deshalb gibt die EU ja folgende Leitlinie dazu aus:

    Leitlinien für den Rückgriff auf das Vorsorgeprinzip
    Bei der Anwendung des Vorsorgeprinzips sollten drei spezifische Grundsätze beachtet werden:
    Die Anwendung des Prinzips sollte auf einer möglichst umfassenden wissenschaftlichen Bewertung beruhen. Soweit möglich, sollte in jedem Stadium dieser Bewertung das Ausmaß der wissenschaftlichen Unsicherheit ermittelt werden.
    Vor jeder Entscheidung für oder gegen ein Tätig werden sollten die Risiken und die möglichen Folgen einer Untätigkeit bewertet werden.
    Sobald die Ergebnisse der wissenschaftlichen Bewertung und/oder der Risikobewertung vorliegen, sollten alle Betroffenen in die Untersuchung der verschiedenen Risikomanagement-Optionen einbezogen werden, wobei das Verfahren so transparent wie möglich zu gestalten ist.
    Neben diesen spezifischen Grundsätzen sind im Fall einer Berufung auf das Vorsorgeprinzip auch die allgemeinen Grundsätze eines ordnungsgemäßen Risikomanagements anwendbar. Es handelt sich dabei um die folgenden fünf Grundsätze:
    den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, d. h. dass die getroffenen Maßnahmen im Verhältnis zum angestrebten Schutzniveau stehen müssen;
    das Verbot von Diskriminierungen bei der Anwendung der Maßnahmen;
    das Kohärenzgebot, d. h. dass die Maßnahmen auf in ähnlichen Fällen getroffene Maßnahmen abgestimmt sein oder auf ähnlichen Ansätzen beruhen sollten;
    den Grundsatz der Abwägung der mit einem Tätigwerden oder Nichttätigwerden verbundenen Vor- und Nachteile;
    den Grundsatz der Überprüfung der Maßnahmen im Lichte der wissenschaftlichen Entwicklung.

    Damit ist aber klar, dass das Vorsorgeprinzip ohne Kosten/Nutzen-Analyse und Risikobewertung der eigentlichen Maßnahmen und Handlung nicht angewandt werden kann.
    Damit ist auch klar, dass man Maßnahmen eben nicht alleine wegen des Vorsorgeprinzips rechtfertigen kann und darf.
    Meine Kritik bezieht sich eben darauf, dass mit dem Vorsorgeprinzip Maßnahmen gerechtfertigt werden die Aufwand erzeugen, Wohlstand vermindern und gleichzeitig für das Ziel unwirksam sind, wie beim Biosprit.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  47. Ist dieser Artikel hier eigentlich bekannt?

    Der Ökologisch-Industrielle Komplex
    Den Grünen fehlt das soziale Gewissen

    Wer arm ist, den macht Öko noch ärmer. Malte Lehming über Umwelt-, Natur- und Klimaschützer, die soziale Ungleichheiten mehr verstärken, als es neoliberale Ideologen je vermocht hätten.

    Die Deutschen sind die fleißigsten Müllsortierer. Gebrauchte Glühbirnen und Batterien bringen sie brav zu Sonderverwertungsstellen, sie bauen Tunnel unter Autobahnen, damit Frösche passieren können. Sie kämpfen für bedrohte Bäume und bedrohte Tiere, immer mehr Windräder beherrschen das Landschaftsbild, Umweltschutz wird in der Schule gelehrt, der Einsatz für den Klimaschutz ist das Markenzeichen der Bundeskanzlerin…

  48. Eine sehr interessante Charakterisierung von dogmatischen Persönlichkeiten, die nicht vernunftgesteuert, sondern glaubensbasiert handeln. Leider charakterisiert sie Extremisten, andererseits ist deswegen das Wort „Ökologisten“ auch passend.

    Mich persönlich betrifft diese Charakterisierung in keinster Weise.

    Die Probleme, die ich (und so mancher Bekannte von mir) sehe, beziehen sich nicht auf Naturromantik, sondern auf wirtschaftliche Fakten, wie zum Beispiel:

    -- Wenn eine Verdoppelung des CO2-Gehalts im Labor zu einer Erwärmung von 1,2 Grad führt, warum sollte das dann in der echten Welt nicht so sein? Welche Kräfte sind in der Lage, das auf 0 zu setzen, zusätzlich zu leicht messbaren Dingen wie Eisalbedo-Feedback? Und wo sind diese Kräfte und warum können wir sie nicht messen, wenn sie doch ziemlich groß sein müssten?
    -- Selbst wenn CO2 kaum etwas bewirken sollte, wäre es dann nicht sinnvoll, fossile Brennstoffe nicht weiter zu fördern, sondern regenerative Energien voranzutreiben, weil die Rohstoffe knapper werden und deswegen teurer? Bzw. schwerer zu erschließen und deswegen teurer? Während Strom aus Wind und Sonne aufgrund besserer Fertigungsmethoden, Skaleneffekte und technischem Fortschritt immer günstiger wird?
    -- Selbst wenn die Rohstoffe nicht knapp werden würden (was fragwürdig ist, wenn man sich vor Augen hält, dass die einzigen Leute, die das behaupten, Jahr für Jahr weniger Öl finden als sie fördern, aber trotzdem behaupten, dass ihre Reserven gleich bleiben), müßten wir irgendwann nicht sowieso aufhören, es zu produzieren, weil unsere Atemluft dann gesundheitsgefährdend wird (ja, das ist zugegebenermaßen noch ein weiter Weg bis 3000ppm)
    -- Wenn bei heutigen Energiepreisen Dämmmaßnahmen (in Richtung 7l Haus/Wohnung) 20% höhere Instandhaltungskosten verursachen, aber dieser Betrag kleiner ist als die Energiekosteneinsparung, wo ist das Problem? Warum macht man es nicht einfach, wenn es sich sogar rechnet (Zumindest für alle ausser den Energiekonzernen)?
    -- Sind Fischerei-Arbeitsplätze nicht vollkommen weg, wenn es keine Fische mehr gibt?

    Was ich (als jemand, für den die Realität eines menschgemachten Klimawandels außer Frage steht) als störend empfinde, ist zum Beispiel, dass die Kosten nicht abgeschätzt werden können. Wenn man eine Klimasensitivität von 2-4,5 hat, dazu Extremereignisse mit großen Kosten und geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, dazu Schwankungsbreiten beim prognostizierten Meeresspiegelanstieg, der dann noch vom tatsächlich gemessenen abweicht, dazu noch unterschiedliche Szenarien über Wirtschaftsentwicklung, die wieder den anzunehmenden Zinssatz beeinflussen, und sich die ganzen Variablen gegenseitig beeinflussen… dann kann man jede Preisangabe für eine Tonne CO2 in der Pfeife rauchen.

    Dadurch führt jedes Vorsorgeprinzip leider in die Irre. Selbst wenn man zukünftig zu erwartende Schäden genau beziffern könnte (Eintrittswahrscheinlichkeit * Schadenshöhe), und dazu genau sagen könnte, wann diese Ereignisse eintreten, hakt es spätestens beim Zinssatz aus. Nimmt man 4% an, ist das alles halb so wild, nimmt man 1,2% an, ist alles eine globale Katastrophe.

    Auf der anderen Seite ist es leider so, dass die Rückkopplungseffekte bei so einem ökonomischen Modell gravierend sind.
    Mehr Schäden => geringeres Wirtschaftswachstum => niedrigere Zinsen => höherer Barwert zukünftiger Schäden
    gilt genauso wie
    Weniger Rohstoffe => höhere Preise => weniger Wirtschaftswachstum => niedrigere Zinsen => Höherer Barwert zukünftiger Schäden => Mehr Vorsorge => weniger Schäden => mehr Rohstoffe

    Letztendlich kann man die Problematik von Umweltschäden und Rohstoffen nur mit gesundem Menschenverstand lösen:
    -- Es ist nicht sinnvoll, so viel Fische zu fangen, dass sie weniger werden, sondern nur so viele, wie in einem Jahr nachwachsen
    -- Je sparsamer wir mit unserem Rohstoffen wirtschaften, desto länger werden wir sie zu überschaubaren Preisen haben. Langfristig müssen wir mit ihnen so wirtschaften, dass Rohstoffknappheit nicht dazu führt, dass höhere Preise für ausgefallenere Förderungsarten (Tiefseebohrungen + Sicherheit, Methaneisförderung etc.) nicht mehr gezahlt werden können.
    -- Wenn man sich ziemlich sicher ist, dass CO2 Schäden verursacht, ist es sinnvoll, ein Preisschild draufzukleben, auch wenn man nicht weiß, wie hoch der ideale Preis dafür ist. Was ja in Deutschland passiert (durch Energieverteuerung durch Ökosteuer und EEG-Umlage), und in einem überschaubaren Rahmen, der Rekordwachstum nicht verhindert hat.
    -- Wenn man 20 Jahre Einspeisevergütung zahlt, sollte man nicht jetzt so viel wie möglich für alten Schrott zahlen, sondern dafür sorgen, dass jedes Jahr modernere Anlagen gebaut werden. Solarstrom muss langfristig ohne Förderung auskommen (was eigentlich auch für Kernenergie gelten sollte).
    -- Überbevölkerung ist ein Problem, das sich von selbst lösen wird, sobald Öl-, Phosphate und andere Dinge, die man zur industrialisierten Landwirtschaft braucht, zur Neige gehen.

    Bin ich ein Ökologist? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich effizientes Wirtschaften mit Energie viel Geld spart. Ob beim Auto oder Haus.

  49. @Günter Hess #42
    ich fahre etwas länger und habe bisher „grundlos“ Vorsorge in Form von Haftpflicht geleistet -- nie eine Unfall gehabt….

  50. @_Flin_
    Darf ich auf diesen Kommentar verweisen und natürlich auf den dazu gehörigen Artikel…..

  51. gehen Kommentare mit Links jetzt in’s Nirwana ?

  52. @_Flin
    NeuerVersuch

    ich verweise mal auf folgenden Kommentar , den dazugehörigen Artikel würde ich Ihnen auch vorschlagen, nein raten, zu lesen.

    http://www.readers-edition.de/2010/11/10/biosprit-ein-umwelt-und-klimakiller/

    Das mit „a href“ einzubinden schlägt fehl, das „frißt den ganzen restlichen Kommentar auf…..

  53. Schon wieder verschwunden, langsam nervts, zumal der Kommentar zu lesen und die Links zu verfolgen waren !!!

  54. So, die Beiträge sind wieder da. Waren in den Spam-Ordner gewandert. Eigentlich sollte dies nur bei Beiträgen mit 5 oder mehr Links geschehen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist…

  55. Prima, danke -- dann kann http://www.science-skeptical.de/blog/die-okokrieger-eine-definition-des-okologismus/003155/#comment-6010 der ja weg…

  56. Hallo Frau Gans,

    natürlich dürfen Sie auf den Artikel verweisen, allerdings bin ich mir über den Grund, warum Sie das tun, nicht so ganz im Klaren.

    Viele Grüße,
    _Flin_

  57. Herr Gans, nichts für ungut -- warum ich au den Artikel verweise ?
    Wer für EE eintritt, warum auch immer, sollte die Nachteile auch kennen.

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