Die Wind-Barone

13. Dezember 2009 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Energieerzeugung, Windkraft

Schiffsbewegungen_NordseeAEin russischer Energiebaron will in der Nordsee einen Windpark bauen. Doch Putins Regierung hat mit dem Ex-Gasprom-Aufsichtsrat noch eine Rechnung offen.

Argolt Bekker hat große Pläne. Er will vor der deutschen Nordseeküste bis zu 200 (neuerdings sogar bis zu 320) Windkraftanlagen installieren. Nördlich von Borkum sollen in einer ersten Phase 80 Generatoren installiert werden. Die Kosten wurden zunächst mit über 500 Millionen Euro beziffert, inzwischen ist von 1,2 Milliarden Euro die Rede. Für Fertigung, Vormontage, Wartung und Seetransport richtet Bekkers Firma Bard Engineering einen Basishafen in Emden ein.

Bekker gehört nicht zu den üblichen Verdächtigen der ökobeseelten Windkraftszene, sondern zur Fraktion russischer Energiebarone: Das sind schillernde Geschäftsleute, die unter dem Ex-Präsidenten Boris Jelzin Milliarden verdienten – und später von Wladimir Putins Regierung torpediert wurden.

Mit dem Ende der alten Sowjetunion witterte auch Bekker seine Chance. Er räumte seinen Stuhl als hoher Funktionär im Gasministerium und stieg Anfang der neunziger Jahre mit der frischgegründeten Firma Stroitransgas ins Energiegeschäft ein. Dank exzellenter Beziehungen in den Moskauer Machtapparat liefen die Geschäfte bald blendend.

Windparks Nordsee

Für den Gasmonopolisten Gasprom verlegte Bekkers Truppe etliche Pipelines und kassierte dabei fürstlich. Dank Großaufträgen von Gasprom boomte das Unternehmen. Doch nach dem Machtwechsel im Kreml mutierte auch die Erfolgsgeschichte von Stroitransgas zum Skandal.

Der Skandal begründet sich in dem Verdacht, dass der Monopolist Gasprom von einem familiären Netzwerk mit Hilfe überhöhter Rechnungen systematisch ausgenommen worden war.

Obwohl Bekker alle Vorwürfe bestritt, musste er auf einem Aktionärstreffen von Gasprom im Juni 2001 kapitulieren. Er verlor seinen Posten als Aufsichtsrat, Putins Mannschaft gewann endgültig die Kontrolle über das Gremium.

Laut Insidern soll der Kreml in den folgenden Monaten von ihm umgerechnet über 170 Millionen Euro gefordert haben, um die Affäre zu vergessen. Doch Bekker weigerte sich offenbar und bekam daraufhin unmissverständliche Drohungen vom russischen Geheimdienst. Schließlich verkaufte er seine Stroitransgas-Anteile und setzte sich mit Familie und Vermögen nach Deutschland ab.

Bekker lebt seit 2002 mit seiner Familie in Deutschland. Das er trotz der Erfolge das Land verließ, erklärt Bekker damit, dass er schon immer “in die Heimat seiner Vorfahren zurückkehren wollte”. Vorwürfe, dass er wegen Geldgeschichten Ärger mit der Putin-Regierung bekommen hat, streitet Bekker ab. “Das einzige Problem, das es mit dem Kreml gab, war wegen Falschparkens”, sagt er knapp. Der Ex-Aufsichtsrat des Energieriesen Gasprom heuerte allerdings kurz nach Neujahr 2005 eine private Sicherheitsfirma an und schaltete auch die Polizei ein. Über einen befreundeten Major des Geheimdienstes soll Bekker zuvor erfahren haben, dass er in russischen Regierungskreisen scharf kritisiert wird. “Wir haben entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen”, bestätigt Wilhelm Weber, Leiter der Abteilung Gewaltdelikte im Landeskriminalamt Bremen.

Auch über sein Vermögen äußert sich der heute 73-jährige Manager nicht näher. Das Magazin Forbes taxierte es vor einigen Jahren auf 300 Millionen Euro. “Viel zu hoch”, sagt er. Für die Finanzierung der Projekte habe Bard ein Bankenkonsortium gewinnen können, erklärt Bekker, ohne aber Namen und Größenordnung des Kredits nennen zu wollen.

Wie SPIEGEL-ONLINE berichtete, flossen an einem Tag im Dezember 2002 auf neun Bremer Konten des Clans insgesamt 83,6 Millionen Dollar. Das Geld kam direkt aus Moskau, was hierzulande entsprechende Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche auslöste. Entgegen der üblichen Vorgehensweise startete die Deutsche Botschaft in Moskau beim Innenministerium eine Anfrage, die allerdings nichts Illegales zutage förderte.

Inzwischen hat Bekker sein Windimperium in Deutschland weiter ausgebaut. Hohe Politiker zeigen sich gerne im Rampenlicht des Großunternehmers. Der ehemalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat 2008 die erste BARD-Nearshore-Windkraftanlage in der Außenjade offiziell in Betrieb genommen. Ein Jahr später hat Gabriel per Knopfdruck die erste Leitwarte für Offshore-Windkraftwerke bei der Bard Engineering GmbH in Betrieb genommen.

“Schlechte” bzw. fehlerhafte Presse wird hingegen nicht geduldet. In der Sendung “Niedersachsen 19:30″ vom 04.09.2008 berichtete der NDR über den Windpark Alpha Ventus und Verzögerungen beim Baubeginn. Im Bericht wurde versehentlich Bildmaterial der BARD-Projekte gezeigt. Daraufhin sah sich die BARD-Gruppe um Bekker veranlasst gegen den NDR vorzugehen.

Der NDR hat schließlich die Wiederholungen im Nacht- und Morgenprogramm abgeändert und in der Sendung vom 05.09.2008 die folgende Richtigstellung verlesen:

“Einen Nachtrag zu gestern haben wir noch. Da hatten wir berichtet, dass sich die Bauarbeiten am Windpark Alpha Ventus, der vor Borkum entstehen soll, verzögern. Das stimmt auch, allerdings haben wir versehentlich falsche Bilder für diese Nachricht geliefert. Diese Bilder zeigten den Windpark vor Hooksiel an der Außenjade. Dieser Windpark war natürlich nicht gemeint. Es handelt sich dabei nämlich um die Testanlage der BARD-Gruppe aus Emden, die seit Ende August im Bau und vor allem voll im Plan ist. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.”

Aber es gibt nicht nur Ärger mit der Presse. Auch die Kosten der ersten 80 Windkraftanlagen der 5-MW-Klasse steigen inzwischen in nicht geahnte Höhen. Inklusive Vorlauf wird das ganze Vorhaben mehr als eine Milliarde Euro kosten. Die Zeit-ONLINE beziffert die Kosten sogar auf rund 1,2 Milliarden Euro. Zudem hat sich das Projekt verzögert, weil ein Errichterschiff nicht pünktlich fertig wurde, bzw. Defekte aufwies. Der Park sollte zunächst Ende 2010 fertig sein. Jetzt wird Anfang 2011 angestrebt.

Auch der reibungslose Betrieb des Windpaks ist nicht sicher gestellt, wie die beiden bisher größten Offshore-Windparks der Welt zeigen. Der Nysted Windpark und Horns Rev, beide in Dänemark gelegen, hatten mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Bedingt durch Ausfall der Anlage (Transformatorendefekt im Juni 2007) konnte der Nysted Windpark nur 4 Jahre nach der Inbetriebnahme monatelang keinen Strom mehr einspeisen. Bei Horns Rev gab es Probleme mit den Turbinen. Nach nur zwei Jahren Betrieb musste der Turbinenhersteller, der Weltmarktführer Vestas, 2004 alle 80 Anlagen abschrauben, an Land bringen und reparieren. Diese Windparks sind mit weitaus kleineren Anlagen der 2 bis 2,3-MW-Klasse ausgestattet. Eine Wartung und Reparatur der jetzt aufgestellten 5-MW-Riesen gestaltet sich weitaus schwieriger.

Eine Vergleichsberechnung zwischen Wind- und Kohlestrom deckt weitere Mängel auf. Die Betreiber von Offshore-Windkraftanlagen der 5-MW-Klasse rechnen mit 3.800 Volllaststunden im Jahr. Das ergibt (für den Windpark mit 80 Windkraftanlagen der 5-MW-Klasse) eine Ausbeute von rund 1.520 GWh pro Jahr und über die gesamte Lebenszeit des Windparks von 20 Jahre gesehen, eine Ausbeute von rund 30.400 GWh. Zum Vergleich: Ein Kohlekraftwerkt der 800-MW-Klasse ist von den Baukosten her ähnlich teuer und produziert bei 7.000 Vollaststunden im Jahr rund 5.600 GWh pro Jahr. Über die durchschnittliche Laufzeit von 40 Jahren gesehen ergeben sich somit rund 224.000 GWh Strom. Ein Kohlekraftwerk produziert bei gleichen Baukostenanteil also über das siebenfache an Strom und das bedarfsgerecht und unabhängig von den Windverhältnissen.

Die Wind-Barone wird die schlechte Bilanz kaum stören, denn sie erhalten über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine gesetzlich gesicherte Vergütung von bis zu 15 Cent pro eingespeister kWh Windstrom aus den Offshore-Anlagen. Der Marktwert liegt hingegen bei nur etwa 5 Cent pro kWh. (Strom an der Strombörse kostet etwa 5 ct/kWh). Ein Milliardengeschäft. Die Umlage zahlen letztendlich die Stromkunden, also Sie liebe Leser.

Und wer glaubt, dass man mit dem Ausbau der Windenergie dem Klima etwas Gutes tut, der unterliegt auch hier einer Illusion. Aufgrund des Emissionshandels mit CO2-Zertifikaten in Europa wird an einer Stelle CO2 eingespart, an anderer Stelle darf dafür aber mehr ausgestoßen werden. Reduziert wird letztendlich gar nichts, außer das Geld in Ihrem Geldbeutel.

Quellen

Gegenwind aus dem Kreml

Wirbelwind aus Bremen

Windräder bringen nichts für CO2-Ziel

Der Artikel ist zuerst erscheinen auf Readers Edition

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