Ein Licht in Sibirien – Temperaturtrends in der Arktis

30. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Wissenschaft

Von Gastautor Ed Caryl  

Arktische Stationen in der Nähe von Heizquellen zeigen im vorigen Jahrhundert eine Erwärmung. Isolierte arktische Stationen ohne menschliche Wärmequellen zeigen keine Erwärmung. Die Abbildungen „isolierte [ländliche] Stationen“ und „städtische Stationen“ zeigen diesen Unterschied sehr deutlich. 

Alle Karten der Temperaturanomalien nach GISS zeigen, dass sich die Arktis schneller erwärmt als der Rest des Globus’, besonders im Norden Alaskas und in Sibirien. Die Satellitendaten zeigen jedoch ein anderes Bild. Hier folgen die beiden Darstellungen für 2009, zunächst nach GISS:  

  

Hier die Sicht des Satelliten:  

 

Als Bezugsperiode für die Temperaturkarte von GISS wurde 1933 bis 1963 gewählt. Diese Zeitspanne fällt mit der damaligen Warmphase der atlantischen multidekadischen Oszillation (AMO) zusammen. Diese Periode wies ähnliche Temperaturwerte wie heute auf, verglichen mit der kühlen Periode von 1951 bis 1980, die GISS normalerweise als Referenz benutzt. Das macht sie vergleichbarer mit den Satellitendaten. Diese verwenden das Mittel über den Satellitenzeitraum seit 1979, also der aktuellen AMO Warmphase.  

Die Satellitendaten zeigen eine Abkühlung in Sibirien, ähnlich der Anomaliekarte aus den Bodenstationen, und eine sehr geringe Erwärmung in den meisten Gebieten von Alaska. Sie zeigen auch eine Abkühlung für die Antarktische Halbinsel, wo die Bodenkarte eine Erwärmung zeigt. Aber es gibt eine ganze Reihe sehr warmer Gitterquadrate verteilt über die ganze Karte der Bodenstationen der Arktis. Was ist da also los?  

Ich habe hier Stationen ausgewählt, die zu den warmen Gitterquadraten passen, und auch andere Stationen auf der gleichen geographischen Breite. In diesem Zeitalter, in dem jedermann mit einer Kamera alle Photos gleich im Internet postet, sin eine Menge Informationen über diese Stationen verfügbar. In einigen Fällen konnte ich die Stevenson-Wetterhütten lokalisieren, für die meisten habe ich Bilder von der Umgebung gefunden,und auch andere dieser Orte sind bereits eingehend untersucht worden. Daher sind die entsprechenden Links im Anhang aufgeführt. Ich habe die Rohdaten der Temperatur von GISS für 24 Stationen, die dem Nordpol am nächsten lagen, heruntergeladen, die alle als „ländlich“ klassifiziert werden.  

 “Städtische” arktische Stationen 
Im Gegensatz zu den Verlautbarungen vom GISS sind viele dieser Stationen tatsächlich nicht „ländlich”, wenn man die Qualität ihrer Umgebung berücksichtigt. Viele liegen an Flughäfen, in Städten oder Forschungsstationen mit einem beachtlichen Personal und Infrastruktur. In der Arktis kann jeder Ort mit mehr als ein paar Familien eine große Heizquelle darstellen.

Im Falle vieler Städte im russischen Teil Sibiriens bekommt der Begriff ‚Zentralheizung‘ eine ganz neue Bedeutung. Diese Städte verfügen über ein zentrales Kraftwerk, das elektrischen Strom und Wärme durch Dampferzeugung für die ganze Stadt erzeugt. Große Röhren, sowohl isoliert als auch nicht isoliert, transportieren Dampf, Wasser und Abwässer durch die Straßen zu und von jedem einzelnen Haus. Diese Röhren können wegen des Dauerfrostbodens nicht unter die Erde verlegt werden, also laufen sie erhöht über Land, über Straßenkreuzungen sogar in einer Höhe von 4 bis 5 Metern. Der Temperaturunterschied zwischen diesen Röhren und der umgebenden Luft kann im Winter 140°C ausmachen, oder sogar noch mehr bei einem unter Druck stehendem System.  

Aber das GISS ordnet den gleichen Wärmeinseleffekt (UHI) global allen Stationen zu, ohne Berücksichtigung der geographischen Breite oder der Mitteltemperatur. Sie betrachten die Helligkeit in nächtlichen Satellitenbildern, um abzuschätzen, ob eine Station städtisch oder ländlich ist. Nach diesen Kriterien sind alle Stationen in der inneren Arktis ländlich; es gibt keine Korrekturen des UHI [Urban Heat Island = Städtischer Wärmeinseleffekt].  

Aber betrachten wir einmal jede dieser ‚urbanen’ Stationen. Jeder Name ist gleichzeitig ein Link zu den GISS-Rohdaten der Bodentemperatur.  

Liste der urbanen arktischen Stationen (im Anhang am Ende dieses Beitragssind weitere Einzelheiten jeder Station [im englischen Original]  aufgelistet) 
  1. Kotzebue, Ral (66.9 N,162.6 W), Alaska
  2. Barrow/W. Pos (71.3 N,156.8 W) Alaska
  3. Inuvik (68.3N, 133.5W) Inuvik, Canada
  4. Cambridge Bay (69.1 N,105.1 W) Nunavut, Canada
  5. Eureka, N.W.T. (80.0 N,85.9 W), Canada
  6. Nord Ads (81.6 N,16.7 W Northeast Greenland
  7. Svalbard Luft (78.2 N,15.5 E), Norway
  8. Isfjord Radio (78.1 N,13.6 E), Norway
  9. Gmo Im.E.T.(80.6 N,58.0 E), Russia
10. Olenek (68.5 N,112.4 E), Russia
11. Verhojansk (67.5 N,133.4 E), Russia
12. Cokurdah (70.6 N,147.9 E), Russia
13. Zyrjanka (65.7 N, 150.9 E), Russia
14. Mys Smidta (68.9 N,179.4 W), Russia
15. Mys Uelen (66.2 N,169.8 W), Russia  

Die folgende Graphik zeigt den Temperaturverlauf an 10 der vorgenannten Stationen (5 Stationen mit einer zu kurzen Zeitreihe wurden nicht dargestellt, um den ‘Teppicheffekt’ zu vermeiden). Alle zeigen eine Erwärmung, einige mehr als andere. Barrow, von wo es eine UHI-Studie gibt, zeigt nicht den größten Temperaturanstieg. 

Temperaturtrends „urbaner” Stationen

Isolierte Stationen 
Betrachten wir nun die isolierten Stationen, die sich auf ähnlicher geographischer Breite befinden wie die oben stehenden ‚urbanen’ Stationen. Ein wichtiges Detail muss bei diesen isolierten Stationen beachtet werden – es gibt nur begrenzt elektrischen Strom, und daher ist das Vorhandensein strahlender Glühbirnen unwahrscheinlich. Detaillierte Beschreibungen auch dieser Stationen finden sich ebenfalls im Anhang.  

16. Alert,N.W.T.(82.5 N,62.3 W), Canada
17. Resolute,N.W. (74.7 N,95.0 W), Canada
18. Jan Mayen (70.9 N,8.7 W), Norway
19. Gmo Im.E. K. F (77.7 N, 104.3 E), Tamyr Peninsula, Russia
20. Ostrov Dikson (73.5 N,80.4 E, Russia
21. Ostrov Kotel’ (76.0 N,137.9 E), Russia
22. Mys Salaurova (73.2 N,143.2 E), Russia
23. Ostrov Chetyr (70.6 N,162.5 E), Russia
24. Ostrov Vrange (71.0 N,178.5 W) , Russia  

Hier folgt nun die graphische Darstellung der Temperatur an diesen isolierten Stationen, an denen Zivilisations-Strukturen oder Heizquellen fehlen.  

Man beachte, dass die meisten Verläufe keinen oder einen abnehmenden Trend zeigen. Nur die Stationen Resolute und Ostrov Range zeigen eine leichte Zunahme. Beide könnten aber auch einen kleinen UHI-Effekt spiegeln. Die längsten Reihen zeigen eindeutig eine Erwärmung in den dreißiger und vierziger Jahren sowie Abkühlung in den sechziger Jahren, und keine zeigt einen Hockeyschläger. Die Aufzeichnungen vom GISS der Station Alert enden im Jahre 1991, obwohl die Station dort immer noch liegt und ununterbrochen Meldungen absetzt. Die Daten von Mys Salaurova und Ostrov Chetyr enden ebenfalls um diese Zeit, doch liegt dies vermutlich am Zerfall der Sowjetunion.  

Hier ist das Mittel aller isolierten Stationen dargestellt:  

Mittel der isolierten Stationen

Mittel der isolierten Stationen

Man beachte, dass der Trend von Extrem zu Extrem fast null ist. Der lineare Trend liegt bei 0,4°C pro Jahrhundert, aber der R2-Wert (die statistische Signifikanz für den Trend) ist sehr niedrig bei 0,023.  

 Hier folgt der Verlauf der AMO im Vergleich zur Mitteltemperatur der isolierten Stationen:  

AMO im Vergleich zur Mitteltemperatur der isolierten Stationen

AMO im Vergleich zur Mitteltemperatur der isolierten Stationen

Der Temperaturverlauf, gemessen an Stationen, die von jedem UHI-Effekt isoliert sind, folgt einfach dem der AMO. 
Das sieht so aus, als würde es schrecklich gut passen. Es gibt nur eine sehr geringe globale Erwärmung, wenn überhaupt. Man muss jetzt das Ende des nächsten AMO-Zyklus‘ abwarten, um eine verlässliche Angabe zur globalen Temperaturänderung zu erhalten. Das wird um das Jahr 2050 der Fall sein, wenn sich die AMO-Zyklen weiter so abwechseln, wie sie das seit 1850 getan haben.

Anhang: Detaillierte Beschreibungen der einzelnen Stationen (Link)

Dieser Beitrag ist zuerst im englischen Original im Blog „No Tricks Zone“ des in Deutschland lebenden Amerikaners Pierre Gosselin erschienen. An dieser Stelle sei daher unseren Lesern diese hervorragende und stets aktuelle Seite wärmstens empfohlen.

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8 Kommentare
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  1. Herr Frey,

    vielen Dank für die Übersetzung dieses sehr interessanten Artikels von Ed Caryl. Gerade jetzt, wo vor allem auf Grundlage der Daten des GISS „das wärmste Jahr seit der Temperaturaufzeichnung“ ausgerufen wird, ist es wichtig darzustellen welche Qualität die arktischen Daten des GISS wirklich haben. Schließlich haben die dort gefundenen hohen Werte maßgeblich zum Temperaturanstieg im aktuellen Jahr beigetragen.

  2. @Rudolf Kipp
    In diesem Zusammenhang sollte doch Qualität der arktischen Daten des GISS in “ „ Zeichen stehen, um der Wahrheit annähernd gerecht zu werden.

  3. @ Krishna

    Finde ich gar nicht. Qualität ist ja ein eigentlich Wertungsfreier Begriff und stellt nur die Umschreibung einer Meßgröße dar. Und dabei kann sich dann gute oder schlechte Qualität ergeben. Die Daten vom GISS würde ich aufgrund vieler nachweislicher Qualitätsprobleme eher schlechter Qualität halten…

  4. @Rudolf
    Du sagst es ja selbst…
    :-)

  5. Allen, die hier schreiben und lesen und auch denjenigen die hier nur ignorieren,
    wünsche ich ein glückliches und erfolgreiches Neues Jahr.
    Möge alles, was Ihr mir wünscht, Euch 100 x vergolten werden :)

  6. @ all und ganz besonders mossgeist 😉

    Allen einen guten Rutsch in´s neue Jahr, alles Liebe und Gute dieser Welt, Gesundheit und Glück
    wünscht ein total entspannter
    Karl Rannseyer
    P.S. Mein Rohbau ist dicht das Dach ist drauf und der Keller hat Fenster und ´ne Tür, es schneit seit Tagen wie blöd und ich brauch nix mehr aus´m Bau zu schaufeln … :-))

  7. Auch von mir die besten Wünsche für das neue Jahr.

    Beste Grüße B.

  8. Wünsche allen, gut „gerutscht“ zu sein !

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