Ein Wind in der Antarktis

6. Januar 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Schnee und Eis, Wissenschaft

Gastbeitrag von Ed Caryl 

Die Masse der AGW-Alarmisten behauptet, dass sich die durch CO2 induzierte Erwärmung zunächst in der Arktis und der Antarktis bemerkbar macht. Wir haben hier gezeigt, dass es nur eine geringe oder gar keine Erwärmung in der Arktis gibt, zumindest in den Gebieten, die genügend weit von humanen Wärmeinseln (Städten) entfernt liegen. In der Antarktis sollte dies kein Problem sein, weil die Forschungsstationen meist klein sind und ihre Größe seit ihrer Gründung nicht verändert haben. Und doch gibt dieses Beispiel Anlass, an diesem Gedanken zu zweifeln.  

In Abbildung 1 (Alle Temperaturwerte in den folgenden Graphiken sind aus den Rohdaten des GISS in Excel geplottet) beträgt die Entfernung zwischen den Stationen McMurdo und Scott Base nur 5 Kilometer. Die Station Marble Point liegt von beiden 87 Kilometer entfernt. Der Temperaturverlauf aller drei Stationen ähnelt sich, mit der Ausnahme, dass es in McMurdo und Scott Base während der hier abgebildeten 50 Jahre eine Erwärmung von weniger als 1 K gibt, und dass der Verlauf der Station Marble Point im 30-jährigen Zeitraum keinen Trend zeigt. Woher kommt die große Temperaturdifferenz zwischen McMurdo und Scott Base? Das weiß niemand! Falls ein Leser einmal dort war und eine Idee hat, wie man diese Frage beantworten kann, kann diese Antwort in den Kommentaren gegeben werden. 

Abildung 2

Die Antwort könnte ganz einfach sein! In McMurdo halten sich jeden Winter über 1000 Leute auf, während in Scott Base lediglich rund 10 Personen überwintern. Diese Anzahl ist seit Errichtung der Stationen etwa gleich geblieben. Bei Marble Point handelt es sich um eine automatische Station, eine der wenigen, bei denen es gelungen ist, sie konsistent am Laufen zu halten. Normalerweise bläst der Wind die Automaten weg, oder sie werden unter Schnee begraben. Automatische Station = keine Menschen = keine Erwärmung.  

Wenn man die Aufzeichnungen auf die letzten 30 Jahre verkürzt, ergibt sich ein etwas anderes Bild (Abbildung 2).  

Abbildung 2

In McMurdo wurde es seit 1980 etwas wärmer, in Marble Point gab es keine Änderung, und Scott Base ist es etwa um den gleichen Betrag kälter geworden, um den es sich in den 25 Jahren zuvor erwärmt hat. Fazit? In McMurdo gibt es einen Wärmeinseleffekt.  

Gibt es anderswo Hinweise auf Erwärmung und Abkühlung in der Antarktis?  

Gewiss gibt es die. Hier folgen zwei Graphiken, die beide die letzten 30 Jahre abdecken, Abbildungen 3 und 4. Die kälteren Stationen in der ersten Abbildung unten liegen näher am Südpol.  

Abbildung

Abbildung 3

Abbildung 4

Man erkennt, dass die Temperatur an den kontinentalen Stationen einerseits und der antarktischen Halbinsel andererseits in die entgegen gesetzte Richtung gehen. In jedem Jahr, wenn es an den Stationen am Rande der Antarktis kälter wird, zeigt sich an den Stationen auf der antarktischen Halbinsel eine Erwärmung, und umgekehrt. Besonders fällt das im Jahre 1989 auf. Wie kann das kommen?  

Es gibt eine ähnliche Verteilung beim Antarctic Oscillation Index. Der AOI beschreibt den auf Meereshöhe reduzierten Luftdruckunterschied zwischen 40 und 60° südlicher Breite. [Das Gegenstück dazu stellt die Nordatlantische Oszillation NAO dar. A. d. Übers.] Die gleiche Verteilung zeigt sich im Southern Hemisphere Annular Mode Index or SAM. Dieser Index ist ähnlich dem AOI, beschreibt jedoch die Druckdifferenz zwischen 40 und 70° südlicher Breite. In Abbildung 5 befindet sich der SAM-Index in Phase mit der Mitteltemperatur auf der antarktischen Halbinsel und ist umgekehrt zum Mittel des antarktischen Kontinents. In dieser Darstellung wurde das Mittel im Kontinent umgekehrt eingefügt.  

Abbildung 5

Die Southern Oscillation (SOI) steht ebenfalls irgendwie in Beziehung zu Wind und Temperatur in der Antarktis. Die Southern Oscillation ist ein Index, der aus der Druckdifferenz zwischen Tahiti und Darwin, Australien, errechnet wird. Man nennt ihn auch die El Niño Southern Oscillation ENSO.  

Der SOI steht ebenfalls in Phase mit der Temperatur auf der antarktischen Halbinsel und befindet sich in entgegen gesetzter Phase mit den kontinentalen Stationen. Das ist nicht völlig konsistent, aber man erinnere sich, dass es sich hier um Jahresmittel handelt, so dass einige Details verloren gehen.  

Abbildung 6

Abbildung 6 ist ebenfalls ein Mittel der Temperatur an den kontinentalen Stationen und denen auf der antarktischen Halbinsel, der Verlauf im Kontinent ist wieder invers geplottet. Alle werden mit dem SOI verglichen. 1988/89 war ein starkes La Niña-Jahr, ebenso wie die Periode von 1998 bis 2000.  

 Quelle: http://faculty.washington.edu/kessler/ENSO/soi-1950-98.gif

Abbildung 7. Quelle: http://faculty.washington.edu/kessler/ENSO/soi-1950-98.gif

Wird es in der Antarktis wärmer?   

Nun haben wir aber immer noch nicht die Frage beantwortet: Wird es in der Antarktis wärmer? Das Problem dabei liegt darin, dass die meisten Stationen in der Antarktis, einschließlich der Halbinsel, erst Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eingerichtet worden waren, und zwar während des Internationalen Geophysikalischen Jahres. Dies bedeutet, dass die meisten Temperaturaufzeichnungen nicht über die längsten Ozeanzyklen reichen, wie z. B. der AMO.  

Nur die Aufzeichnungen der Station Base Orcadas, Abbildung 8, auf der Laurie-Insel in den Süd-Orkney Inseln reichen bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück, nämlich bis 1903. Sie zeigen deutlich die Abkühlung in den zwanziger und dreißiger Jahren, Erwärmung bis zu den späten fünfziger Jahren und wieder Abkühlung bis zu den siebziger Jahren. Dann folgte wieder Erwärmung bis zur Gegenwart.  

Abbildung 8

Die gesamte Erwärmung in Base Orcadas während der letzten 100 Jahre beträgt im gleitenden 6-Monats-Mittel etwa 1°C. Drei andere Stationen zeigen Abkühlung: Halley, Mawson und Neumayer, die sich alle im antarktischen Kontinent befinden. Nur an zwei Stationen reichen die Aufzeichnungen bis 1957 oder noch weiter zurück, nämlich Halley und Mawson. Halley ist die einzige Station mit einer signifikanten Abkühlung während der letzten 50 Jahre (Abbildung 9)  

Abbildung 9

Abbildung 9

Also, warum wird es auf der Antarktischen Halbinsel warmer? Die Antwort scheint in einer Zunahme der zirkumpolaren Winde in diesem Gebiet zu liegen. Diese führen in Lee der Halbinsel durch föhnartiges Absinken zu einer adiabatischen Erwärmung. Die daraus resultierende Erwärmung zeigt dieses Bild der NASA, Abbildung 10.  

Abbildung 10. Quelle: http://www.coolantarctica.com/Antarctica%20fact%20file/science/Antarctic_temps_AVH1982-2004%20source%20NASA.jpg

Abbildung 10. Quelle: http://www.coolantarctica.com/Antarctica%20fact%20file/science/Antarctic_temps_AVH1982-2004%20source%20NASA.jpg

Der Grund für diese Erwärmung ist paradox. Der Antarktische Kontinent kühlt sich ab, besonders um den Südpol. Der Kontinent besteht zumeist aus einem Hochplateau mit konstant hohem Luftdruck. Dies führt zu einem Ausströmen der Luft und adiabatischem Absinken an den Rändern. Die Erdrotation zwingt diese Winde durch die Corioliskraft in Polare Easterlies. Wenn diese über die Halbinsel wehen, wird es an der Westseite warm.  

Abbidlung 11 zeigt den mittleren jährlichen Luftdruck an der Station Wostok auf dem Plateau und die Windgeschwindigkeit an der Station Swoya an der Küste. Der Luftdruck nimmt in Wostok während der Messperiode langsam zu, und auch die Windgeschwindigkeit an der Küste nimmt zu. (Diese Stationen wurden ausgesucht, weil sie über die kontinuierlichsten Aufzeichnungen verfügen).  

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Abbildung 11

Wird sich die Luftdruck- und Windzunahme zusammen mit der Abkühlung im Kontinent und der Erwärmung auf der Halbinsel fortsetzen? Der jüngste Trend in der Meereisbedeckung um die Antarktis und die gegenwärtige Abfolge von La Niña-Ereignissen lassen dies nicht erwarten, siehe Abbildung 12.  

Abbildung 12. Quelle: http://www.bom.gov.au/watl/enso/

Aus Abbildung 12 geht hervor, dass La Niña-Ereignisse positiv sind und zu Abkühlung, El Niño-Ereignisse dagegen negativ und zu Erwärmung führen. Dies zeigt auch Abbildung 7 mit dem SOI. Man erinnere sich, dass die ENSO ein Index des Luftdruckunterschieds ist. Während La Niña blasen die Winde das warme Oberflächenwasser hinweg. Bei El Niño flaut der Wind ab, so dass sich das Wasser wieder erwärmen kann. Es ist eine ziemliche Überraschung, dass diese Effekte, die am Äquator wohlbekannt sind, auch am Südpol Auswirkungen zeigen.  

Was bedeuten diese Indikatoren nun für AGW? Es erheben sich Zweifel. Es bedeutet, dass wir, um die Wahrheit sehen zu können, viel mehr Fakten über längere Zeiträume und größere Distanzen berücksichtigen müssen, als wir es in der Vergangenheit getan haben. Wie in der Arktis auch, braucht man noch einige zusätzliche Jahre mit sorgfältigen Messungen.

Dieser Artikel ist zuerst in Pierre Gosselins NoTricksZone erschienen.

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3 Kommentare
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  1. Herr Frey -- vielen Dank für diese wunderschöne Übersetzung.

  2. Dazu auch:

    Erwärmt sich der antarktische Kontinent wirklich?

  3. Von derartigen Auswertungen und Versuchen diverse Zusammenhänge möglichst zugänglich (logische Ketten) zu erklären wünsche ich mir mehr hier auf dem Blog.

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