Falsche Prioritäten: Das Energiekonzept der Bundesregierung

16. September 2010 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Biomasse, Blog, Energieerzeugung, Erdgas, Erdöl, Kernenergie, Kohle, Politik, Wasserkraft, Windkraft

Die ersten Eckpunkte zum neuen Energiekonzept der Bundesregierung liegen vor. Das Papier beschreibt die Zielstellung und deutet die auf dieser basierenden Maßnahmen an. In einer wenig aussagekräftigen Art und Weise, denn die ökonomischen und sozialen Folgen bleiben ausgeklammert. Das Eckpunkte-Papier ist kaum mehr als ein Marketing-Pamphlet. Man kann aus diesem Text lernen, wie die Bundesregierung plant, ihre Vorstellungen in der breiten Öffentlichkeit darzustellen, zu kommunizieren. Man kann etwas über die angedachten Sprachregelungen erfahren und wenig bis nichts über die Zukunft.

Das Eckpunkte-Papier basiert auf einem Gutachten, in dem verschiedene Zielszenarien für die Zukunft unserer Energieversorgung durchgerechnet wurden. Dieses enthält also die eigentlich wichtigen Details. Den Gutachtern wurden dabei sehr enge Leitplanken von der Bundesregierung vorgegeben. Die geplante Reduzierung von Treibhausgasemissionen (-40% bis 2020, -85% bis 2050, jeweils gegenüber 1990) und der geplante Anteil der NIEs (1) am Primärenergieverbrauch von 50% in 2050 wurden festgeschrieben. Andere denkbare Zukünfte wurden nicht berechnet und berücksichtigt. Variiert wurde in den 5 betrachteten Szenarien lediglich die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken (0 (keine Änderung am bestehenden Ausstiegsgesetz im Referenzszenario), 4, 12, 20 und 28 Jahre).

Was kann man aus dem Energiegutachten lernen?

Szenarien sind keine Prognosen. Es werden keine Zukunftsbilder erstellt, denen man eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit zuordnen kann. Als sogenannte „Zielszenarien“ dienen die Berechnungen allein der Charakterisierung einer Zukunft, in der die gesteckten Ziele sicher erreicht wurden. Man kann dem Gutachten daher entnehmen, wie Deutschland in 2050 aussehen wird

  • wenn die Emissionen entsprechend der Vorgaben gesenkt und
  • der Anteil der NIEs am Primärenergieverbrauch entsprechend gesteigert und
  • keine weiteren bahnbrechenden technischen Innovationen entwickelt werden (also die in 2050 verfügbaren Technologien zur Energieerzeugung und -umwandlung dieselben sind, wie heute).

Und das ist bei weitem ausreichend, um die Energiepolitik der Bundesregierung als geleitet von falschen Prioritäten zu entlarven.

Deutschland im Jahr 2050

Die allen kalkulierten Szenarien gemeinsamen Eckdaten sind die folgenden:

  • Um die Zielstellungen zu erreichen, muß der Primärenergieverbrauch gegenüber 1990 halbiert werden. Dies kann nur gelingen, wenn Maßnahmen ergriffen werden, die die Energieeffizienz um etwa 2,5% pro Jahr steigern. In den letzten 20 Jahren konnten etwa 1,9% pro Jahr realisiert werden. Dieser Wert wird auch im Referenzszenario ohne Laufzeitverlängerung angesetzt und führt zu einem Rückgang des Primärenergieverbrauches um etwa 34%. 
  • Um die Zielstellungen zu erreichen, muß der Bedarf an elektrischem Strom um etwa 30%  gegenüber 2008 sinken (von etwa 635 TWh auf etwa 450 TWh). Gleichzeitig wird Deutschland vom Stromexporteur zum Stromimporteur. Während 2008 noch der gesamte Bedarf im Inland produziert werden konnte (und zusätzlich etwa 20 TWh ins Ausland verkauft wurden), können im Jahr 2050 nur noch etwa 350 TWh bereitgestellt werden. Etwa 100 TWh sind zuzukaufen.

Die Zielstellung wird also einerseits mit der Verringerung der Abhängigkeit von Importen von Primärenergieträgern begründet, andererseits aber schafft sie eine Abhängigkeit von Stromimporten, die weiter nicht thematisiert wird.

Den Hauptanteil an der Senkung von Primärenergie- und Stromverbrauch haben in allen Szenarien die privaten Haushalte zu tragen. Hierzu werden Zwangsmaßnahmen erforderlich sein (Wärmedämmung, Änderung des Mobilitätsverhaltens), die erhebliche Kosten verursachen. Diese werden im Anhang des Gutachtens auch detailliert dargestellt. Die Mehrkosten pro Haushalt belaufen sich auf hohe dreistellige bis niedrige vierstellige Beträge pro Jahr, je nach Szenario und betrachteter Maßnahme (5 bis 10% Mehrkosten pro Jahr für Miete, 200 bis 400 Euro Mehrkosten pro Jahr für Mobilität).

Desweiteren: Zwar sinkt der Primärenergieverbrauch in Deutschland seit 1990, der Stromverbrauch aber steigt leicht an. Die Szenarien erfordern also insbesondere für letzteren eine radikale Trendumkehr.

Aber das ist noch nicht alles:

  • Die NIEs müssen im Jahr 2050 etwa 3.000 bis 3.500 PJ an Primärenergie liefern (gegenüber etwa 1.200 PJ im Jahr 2008). Ungefähr 60% dieser Menge entfallen auf die Nutzung von Biomasse, 20% auf die Nutzung von Windenergie (On- wie Offshore) und die restlichen 20% entfallen auf Solarthermie, Geothermie, Photovoltaik, Wasserkraft sowie Müllverbrennung und Deponiegase (in der Reihenfolge ihrer Bedeutung). Gegenüber 2008 müssen die Biomassekapazitäten also mehr als verdoppelt und die Windenergienutzung sogar mehr als verdreifacht werden. Den stärksten Ausbau erfährt die Geothermie (Faktor 130), aber auf niedrigem absoluten Niveau.
  • Neben dem endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie nach Ablauf der Laufzeitverlängerung beschreiben die Szenarien – von vielen Kommentatoren unbemerkt – auch den Ausstieg aus der Verstromung von Braunkohle.
  • Hinsichtlich der sozioökonomischen Parameter gleichen sich alle Szenarien weitgehend. Das Bruttoinlandsprodukt steigt bis 2050 im Schnitt um real 0,8% pro Jahr, die realen (also inflationsbereinigten) Preise für Heizöl und Benzin steigen um 1 bis 1,5% pro Jahr, bei Gas sind es 0,7% und die Strompreise bleiben weitgehend unverändert. Auch hinsichtlich der Beschäftigungseffekte ähneln sich die Szenarien. Es ist aber zu konstatieren: Je länger die Kernkraftwerke laufen, desto günstiger werden die Szenarien in ihren sozioökonomischen Auswirkungen.

Bezüglich der Reduzierung von Treibhausgasemissionen zeigt sich ein klares Bild: Die Zielstellung von -85% bis 2050 kann nur erreicht werden, wenn die Laufzeiten um mindestens 4 Jahre verlängert werden. Das Referenzszenario ohne Laufzeitverlängerung erbringt nur eine Reduktion um etwa 30%.

Zeitgeistkonforme Beschränkung

Die Bundesregierung hat wesentliche Vorfestlegungen getroffen, sie beschränkt sich in ihrem Handeln auf die Leitplanken „Emissionsreduzierung“, „Ausbau der NIEs“ und „Ausstieg aus der Kernenergie (und weitgehend auch der Braunkohle) bis spätestens 2050“. Zukünfte, in denen man auf einen weiteren subventionierten Ausbau der NIEs verzichtet, in denen möglicherweise sogar neue Kernkraftwerke der vierten Generation in Deutschland gebaut werden, in denen fossile Energieträger am Weltmarkt preiswert und in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, in denen vielleicht neue Technologien ganz andere Verfahren der Energieumwandlung ermöglichen oder in denen ganz einfach nur der Strombedarf steigt, werden aus der Entscheidungsfindung ausgeklammert. Es ist also nicht möglich, die Szenarien und die aus ihnen abgeleiteten Maßnahmen wirklich einzuordnen und zu vergleichen.

Man darf daher weiterhin vermuten: Wir werden immer mehr Elektrizität benötigen und mit Kohle, Öl, Erdgas und Uran (resp. Thorium) könnten die Energiekosten (und die Belastungen für die privaten Haushalte) trotzdem deutlich sinken, das BIP stärker steigen, sich die Industrieproduktion und die Beschäftigung besser entwickeln. Und auch die Umwelt könnte profitieren, wenn sie nicht dem enormen Flächenverbrauch durch Windenergie und Biomasse ausgesetzt wird, den die Zukunftswelten der Bundesregierung erfordern.

Die Beschränkung auf die oben dargestellten Zukünfte ist vielleicht auch dem Druck der veröffentlichten Meinung geschuldet, die landauf landab die NIEs als die alleinseligmachende Zukunft und den mutmaßlich anthropogenen Klimawandel als die zentrale Herausforderung ansieht. Die Bundesregierung ist dadurch offenbar der Überzeugung, in ihrem Handlungsspielraum so weit eingeschränkt zu sein, daß Alternativen nicht einmal mehr bedacht werden dürfen. Denn schließlich ist das Mobilisierungspotential der politischen Gegner so gering wie möglich zu halten.

In Wahrheit arbeitet sie daher nicht an einem neuen Energiekonzept (denn dessen Eckpfeiler stehen schon lange fest), sondern nur an einer Kommunikationsstrategie. Das Ziel, Energiekosten zu senken, hat sie offensichtlich aufgegeben. Stattdessen spricht sie in ihren Eckpunkten nur mehr von „Wirtschaftlichkeit“ im Sinne von „Bezahlbarkeit“. Und natürlich werden wir im reichen Deutschland auch gleichbleibende oder steigende Preise „bezahlen“ können.

Eine Alternative für die Welt, Produkte und Konzepte für einen globalen Markt, erzeugen wir auf diese Weise aber genau nicht. Unser Wohlstand basiert wesentlich auf unserer Fähigkeit, Rohstoffe einzukaufen, diese zu nützlichen Produkten zu veredeln und letztere zu einem entsprechenden Preis wieder zu exportieren. Die Bundesregierung verzichtet nun nicht nur auf diese Möglichkeit im Falle der veredelten Energie „Elektrizität“, von der wir in Zukunft beachtliche Mengen im Ausland zukaufen müssen. Sie eliminiert auch unsere technische Kompetenz in den Feldern „Kernenergie“ und „Braunkohleverstromung“. Märkte für Anwendungen, die bald nicht mehr von deutschen Herstellern mit deutschen Produkten bedient werden können.   

Der zweite entscheidende Punkt im neuen Energiekonzept ist die fundamentale Neudefinition des Begriffes „Verfügbarkeit“. Bislang ist insbesondere unsere Stromversorgung darauf ausgerichtet, das Angebot an die Nachfrage anzupassen. Man bekommt so viel Strom wie man braucht, wann immer man will. Das Energiekonzept der Bundesregierung allerdings erfordert eine Ausrichtung des Bedarfs am Angebot. Man hat sich als Verbraucher in Zukunft danach zu richten, wann denn der Energieversorger Strom im Angebot hat – und wann nicht. Ein System von sogenannten „intelligenten Zählern“ mit Fernüberwachung und ferngesteuerten Haushaltsgeräten und ebenso ferngesteuerter Aufladung von Elektromobilen soll diese Verhaltensänderung erzwingen.

Das Energiekonzept der Bundesregierung kommt den Bürger also erstens teuer zu stehen (für Zwangsmaßnahmen der Wärmedämmung, für Subventionen und wohl auch für neue Energiesteuern). Und zweitens führt es zu Einschränkungen seiner Freiheit. Es ist geschehen, was man befürchten durfte: Freiheit und Wohlstand werden einmal mehr nur als nachgeordnete Ziele verfolgt, die sich dem Vorrang der Senkung von Treibhausgasemissionen zur nicht nachweisbaren Vermeidung vermuteter Klimarisiken unterzuordnen haben.

Dies kann man als verhängnisvoll bezeichnen. Bleiben wir höflich und sprechen bis auf weiteres zunächst nur von der Setzung falscher Prioritäten…    

(1) Gemäß einem Vorschlag von Heinz Horeis in der aktuellen Novo können die sogenannten „erneuerbaren Energieen“ auch als „Neue Ineffiziente Energiequellen“ oder kurz „NIEs“ bezeichnet werden. Ich werde mich in Zukunft an diese Sprachregelung halten.

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33 Kommentare
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  1. Die Bundesregierung Deutschlands anerkennt die von EU und UNO propagierte Theorie der „Grenzen des Wachstums“ und nimmt aktiv an der Verwirklichung dieser Ziele teil. Hauptergebnis muß sein, die Welt immer ein wenig schlechter zu hinterlassen, um den nachfolgenden Generationen auch ein wenig Entwicklung innerhalb der Grenzen zu ermöglichen.

    Die Bundesregierung Deutschlands bekennt sich zur ökologisch sozialen Marktwirtschaft, um als weiteren Bündnispartner, neben Rot, Grün, Dunkelrot auch die ÖDP zu gewinnen.

    Die Bundesregierung Deutschlands schützt und achtet das Privateigentum, um selbst darauf Zugriff nehmen zu können. Die Spareinlagen der Bürger sind eine wesentliche Stütze des Staatshaushaltes und müssen mit geeigneten Zwangsmaßnahmen in den Umlauf gebracht werden.

  2. [Ja, lag im Spam-Ordner. Daher verspätet freigeschaltet, Admin Heller]

    Energiekonzept……….ein Sammelsurium von Dummheiten, mehr auch nicht.

    Laut SRU Studie, Szenario /b wurde auf Grund der Elektrifizierung eines Teile des Fahrzeugparkes ein Gesamtstromverbrauches Deutschlands von ! 700 TWh angenommen, was ich im Energiekonzept der Bundesregierung völlig vermisse.

    Stromimporte….habe ich auch schon mehrfach bemängelt, denn nirgends wird die gesamteuropäische Stromversorgung der Zukunft betrachtet, zumal auch schon heute Staaten wie Italien nicht mehr in der Lage sind ihren Strombedarf aus eigenen Mitteln zu decken.

    Speicher Skandinavien/alpinen Nationen……wer sagt uns eigentlich, das diese Nationen viele Milliarden Euro investieren, nur um deutsche Stromversorgungsträume zu realisieren, ursprünglich wurden deren Wasserkraftwerke komplett für die Eigenversorgung ausgelegt (zumal Skandinavien sein eigene Verbundnetz hat und dort für Ausgleich sorgt).

    Klatsche von McKinsey

    Nationale Interessen in der Energiepolitik kommen den Bürger teuer zu stehen: Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey wird der Umstieg auf Erneuerbare Energien bis zu 35 Prozent teurer, wenn die EU-Mitgliedsländer auf Alleingänge setzen.

    Selbst unter diesem Betrachtungswinkel sind die deutschen Ausbaupläne ein teurer Witz nur um grünbeseelte Bessermenschen zufrieden zu stellen schmeissen wir erstmal jede Menge Geld zum Fenster raus.

    Null-Energiehäuser……….man mag ja ein Eigenheim verpacken wie eine Sardinenbüchse samt Solarwunderplatten auf dem Dach um dann theoretisch Energieverbrauch und Erzeugung auf eine Nullsumme zu bekommen, wie aber sieht es da bei einem schnöden Hochhaus aus?
    Dachfläche/Einwohner…….wird wohl verdammt grauselig werden im Winter…..oder man zieht gleich in den warmen Süden und erspart sich den deutschen Sparwahn.

    Strompreise….hier nun kommt der größte Witz in diesen Paper……wir müssen nicht nur die EEG die nächsten 20-30 refinanzieren, sondern gleich noch einen unsinnigen Netzausbau dazu. Speicherkosten im In- und Ausland werden auch nicht ganz billig und wenn ganz Europa so rumgammelt mit dem Neubau von konventionellen Kraftwerken wird der Importstrom an der Börse jedes (über-)Mass annehmen können, wenn dann bald europäisch Strommangel herrscht.

    Am Ende stellt Herr Heller aber die tatsächlichen Absichten klar…..Mangelwirtschaft auf Knochen des Normalbürgers der sein kärgliches Leben als Mieter fristet.
    Keine Möglichkeit sich ein Notstromaggregat in den Keller zu stellen wird er dann komplett gegängelt, wann er zu welchen Kosten dann seine Waschmaschine/Geschirrspüler/Heizung/Fernseher betreiben darf um nicht schon mitte des Monats Pleite zu sein.

    Wenn man dann global die Augen schweifen lässt, China und Indien betrachtet, möglicherweise auch Afrika irgendwann den Anschluss schafft, deren konventionellen Zubau betrachtet……ja dann sind europäische/deutsche Bemühungen mit „NIEs“ klimatisch ein Witz und wirtschaftlich ein Ruin.

    Deutschland schafft sich ab…….Endphase einer überfressenen, dekadenten Gesellschaft ohne Überlebensinstinkte.

    Schön das wir mal drüber geredet haben, ich gehe erstmal wieder meine Klangschüssel rühren um mit der Natur und Nachbars Eiche im Einklang zu kommen………….oooommmm.

    PS. Hoffentlich kommt es endlich zur versprochenen Erwärmung, denn bald werden wir uns die nötige Heizung nicht mehr leisten können.

    Heinz Eng

  3. Das Energiekonzept der Bundesregierung ist erschreckend langweilig. Einem vermeintlichen Mainstream folgend, dass die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland mit den NIEs praktikabel und wünschenswert sei. Dabei werden viele wichtige Aspekte ausgeblendet.

    Zur Zeit ist noch nicht einmal absehbar wie sich die Europäer auf eine gemeinsame Linie einigen können. Von einem globalen Abkommen ganz zu schweigen. Was der Umbau der Energieversorgung in Europa wahrscheinlich kostet, wenn sich die Europäer einig sind, wird nach einer Studie von McKinsey deutlich.

    Insgesamt läuft die Entwicklung auf eine Deindustrialisierung hinaus, verbunden mit sinkendem Lebensstandard. Auch der Schutz von Eigentumsrechten wird in Frage gestellt, falls Immobilienbesitzer zur Sanierung ihrer Häuser gezwungen werden. Zum Teil ist das ja schon der Fall.

    Wie soll diese Entwicklung weiter gehen, werden nun Bauern die ein Feld brach liegen lassen, zur Anpflanzung von Kulturen zur Energieerzeugung gezwungen? Nur als Beispiel. Es sind bereits Grenzen überschritten worden, Freiheit und Selbstbestimmung scheinen keinen großen Stellenwert zu haben.

    Ich bin mit Fred Singer der Meinung, dass wir den Chinesen dankbar sein sollen, dass sie mit der Blockierung verbindlicher Klimaschutzzusagen, schlimmere Auswirkungen verhindert haben. Und es ist nur zu hoffen, dass solche Initiativen wie dieser Tage mit Frau Dött und Herrn Friedhoff auf fruchtbaren Boden fallen.

  4. Sorry, falscher Link oben, Korrektur:
    Was der Umbau der Energieversorgung in Europa wahrscheinlich kostet, wenn sich die Europäer einig sind, wird nach einer Studie von McKinsey deutlich.

  5. @Peter Heller

    Gemäß einem Vorschlag von Heinz Horeis in der aktuellen Novo können die sogenannten “erneuerbaren Energieen” auch als “Neue Ineffiziente Energiequellen” oder kurz “NIEs” bezeichnet werden. Ich werde mich in Zukunft an diese Sprachregelung halten.

    das finde ich unsachlich, hilft der Diskussion nicht (da rein polemisch) und ist überhaupt eine schlechte Idee. Oder warum führen Sie nicht auch andere bewertende Abkürzungen ein für die nicht-regenerativen Energien ein? ..mal nachdenken… so auf die Schnelle ist das passende für eine Sachdiskussion dann wohl so was wie „SAU“ (steinzeitlich auslaufende Umwandlungstechniken, also: Öl, Kohle, Gas, Nuklear). Ich fände es gut wenn Sie den „Vorschlag“ nochmal überdenken und Abstand von der Idee nehmen. Können Sie auch gerne ihrem Heinz weiterleiten.

    Man darf daher weiterhin vermuten: Wir werden immer mehr Elektrizität benötigen und mit Kohle, Öl, Erdgas und Uran (resp. Thorium) könnten die Energiekosten (und die Belastungen für die privaten Haushalte) trotzdem deutlich sinken…

    Ach, das darf man? wie sollen die Energiekosten dauerhaft (!) sinken wenn das Ausgangsmaterial immer teurer wird, da knapper. Die reinen Stromkosten sind in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt um 5-6% pro Jahr (!) gestiegen und bevor das Totschlagargument kommt: das liegt nicht an den EE…selbst das EEG macht heute nur 1,32 cent/kWh aus am Strompreis für private Haushalte (ungeachtet der EEG Diskussion an sich).

    …, das BIP stärker steigen,

    Und? Wer will das, wer braucht das? Es ist längst nicht mehr Konsens das ein steigendes BIP wertfrei einfach nur „gut“ ist [1] An der Stelle bin ich Skeptiker und würde mir die selbe Offenheit wünschen, diese alten Dogmen in Frage zu stellen, wie Sie als Klimaskeptiker für sich beanspruchen. Ich werde dafür jetzt aber kein blog eröffnen à la „eco-skeptical“ oder so, das kommt noch oder gibts schon woanders,

    sich die Industrieproduktion und die Beschäftigung besser entwickeln. Und auch die Umwelt könnte profitieren, wenn sie nicht dem enormen Flächenverbrauch durch Windenergie und Biomasse ausgesetzt wird, den die Zukunftswelten der Bundesregierung erfordern.

    in wiefern „profitiert“ die Umwelt von 100 Windrädern die nicht aufgestellt werden? Weil man stattdessen ein neues Kohlekraftwerk mit dauerhafter Kohlebeschaffung (Umweltfolgen des Abbaus, Transport), Wahnsinns < 40% Gesamtwirkungsgrad in der Verbrennung (optimistisch), Luftbelastung (Folgekosten Gesundheit) hinstellen kann?

    Insgesamt gesehen gehört dieser Artikel meiner Meinung nach zu Ihren schlechten, sorry -- das ging schon besser. Und der polemische Ton wurde als schlechtes Beispiel ja gleich aufgegriffen.

    [1] "Exit. Wohlstand ohne Wachstum." Propyläen, Berlin 2010, ISBN 978-3-549-07365-0

  6. falls man sich nicht das Buch leihen/kaufen will, hier eine leicht verdauliche Zusammenfassung:

    http://www.zeit.de/2010/12/P-Miegel?page=all

  7. Spiegel-Online: Unionspolitiker rücken vom Energiekonzept ab…

    Man will keine Zwangsmaßnahmen, die einer Enteignung gleichkommen, keine unrealistischen Ziele, keine Belastungen für Wirtschaft und Verbraucher…das läßt hoffen…

  8. @ swieder

    Wie oft schon hat die „Elite“ der Menschheit ihre Grenzen benannt und zur Mäßigung im Namen einer Religion oder Ideologie aufgerufen. Zugehört hat wohl niemand und wird es wahrscheinlich auch diesmal nicht. Es widerspräche auch dem menschlichen Naturell. Die eigentlichen Grenzen des Wachstums, sehe ich nur in den Grenzen des Denkens. Daran ändern auch die Schriften der einschlägigen Propheten, wie Malthus, Meadows und Gruhl nichts. Deren Weltensicht ist nicht progressiv sondern zutiefst statisch. Schade, daß Sie sich dem anschließen wollen, swieder.

  9. Edgar L. Gärtner meint, das Energiekonzept der Bundesregierung bezwecke möglicherweise nur eines, die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke zu verpacken. Auch mir drängt sich dieser Eindruck auf, denn die weiteren Aspekte in diesem Konzept scheinen wenig durchdacht.

    Geht es etwa nur darum etwas Zeit zu gewinnen, um in ein paar Jahren nach Alternativen zu den NIEs Ausschau zu halten?

  10. @ Heller

    Man will keine Zwangsmaßnahmen, die einer Enteignung gleichkommen, keine unrealistischen Ziele, keine Belastungen für Wirtschaft und Verbraucher…das läßt hoffen…

    Heute will man ein Null-Emmissions Haus, morgen ein Energie-Plus-Plus Haus, dann wird die abzugebende Energiemenge vorgeschrieben und Übermorgen soll das ganze Haus dazu auch nur noch aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Die Politiker nennen das Visionen, ich Schwachsinn, um einen irgendwie Aktionismus vorzutäuschen, immer in Sorge die Elitefunktion zu verlieren. Glauben kann ich aber diesen völlig unrealistischen Quatsch mit Soße nicht. Das neue Häusleplanspiel ist doch nur ein höflicher Knicks vor dem gebeuteltem, mittelständigem Handwerk, um selbiges der Politik gewogen zu stimmen und wenn ich die neuverschuldung bremsen will, muß halt der Bürger „gezwungenermaßen“ in die Pflicht genommen werden. Zumindest versucht man es.

  11. @Bibliothekar

    Wie oft schon hat die “Elite” der Menschheit ihre Grenzen benannt und zur Mäßigung im Namen einer Religion oder Ideologie aufgerufen. Zugehört hat wohl niemand und wird es wahrscheinlich auch diesmal nicht. Es widerspräche auch dem menschlichen Naturell.

    Das empfinde ich als eine extrem zynische Sichtweise. Die „Elite“ ist doch die, die Miegel anspricht, weil er Ihr vorwirft dem Dogma ergeben zu sein. Der Satz ist zudem quasi universell anwendbar als Gegenargument gegen schlicht alles, man kann ihn nach Belieben einsetzen. Mäßigung im Angesicht der Verschwendung, die negative Folgen hat, ist doch ein legitimer Apell -- wieso soll der nicht fruchten?

    Die eigentlichen Grenzen des Wachstums, sehe ich nur in den Grenzen des Denkens.

    Wenn ich das bei Babelfish eingebe, wird mir das übersetzt mit „Nach mir die Sinflut“ ;). Das finde ich sehr selbstgerecht. Haben Sie eigentlich Kinder? Alleine das Risiko das man mit Ihrer Einschätzung am Ende doch daneben liegt, legt es nahe, sich darüber ernsthaft Gedanken zu machen. Kinder zu haben, bringt einen vielleicht dazu, etwas weniger optimistisch die Grenze nur im Denken zu sehen.

  12. Lieber Herr Swieder,
    sie haben glaube ich den Herrn Bibliothekar vollständig missverstanden.
    Sein:

    „Die eigentlichen Grenzen des Wachstums, sehe ich nur in den Grenzen des Denkens.“

    Ist doch zutiefst optimistisch und zukunftsfreundlich. Darin drückt sich das Vertrauen aus, dass unsere gut ausgebildeten Ingenieure und Naturwissenschaftler auch in Zukunft die Probleme der Menschheit lösen werden. Dass sie die Probleme, wenn sie auftreten durch ihr Fachwissen lösen werden. Gerade das ist doch eine optimistische Einstellung, die man Kindern vermitteln sollte, damit sie mit Entschlusskraft die Probleme angehen und nicht durch Ängste gelähmt werden.
    Schließlich ist die Erdbevölkerung gerade im 20. Jahrhundert durch die Errungenschaften unserer Naturwissenschaftler und Ingenieure von 2 Milliarden auf 7 Milliarden angewachsen und gleichzeitig sind Wohlstand und Lebenserwartung gestiegen. Das konnten wir übrigens, weil uns Energie/Leistung mit hoher Dichte zur Verfügung standen und wir den „erneuerbaren“ Energieträger Holz durch bessere Energieträger ersetzt haben.
    Im Gegensatz dazu steht die oft alarmistische, pessimistische und rückwärtsgewandte Sichtweise die in den Medien verbreitet wird. Dort sieht man oft in jeder Veränderung eine Katastrophe schlummern.
    Fragen sie sich doch mal, was unsere pessimistischen Medien zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorhergesagt hätten.
    Grenzen des Wachstums, Umweltkatastrophen, die Welt geht unter, Kriege, Hungersnöte, Flutwellen?
    Ist doch immer dieselbe Litanei.
    Wie gesagt, wir können optimistisch ins 21. Jahrhundert gehen, weil wir mehr technische Lösungen haben als zu beginn des 20. jahrhunderts und wir werden am Beginn des 22. jahrhunderts wieder mehr Lösungen haben.
    Aber es werden technische Lösungen sein und keine planwirtschaftlichen wie das EEG oder irgendwelche CO2 Zertifikate. Damit doktern wir ja seit Kyoto rum, und die absoluten Emissionen gehen nicht zurück. Im Grunde ist diese Politik schon großartig gescheitert.
    Herr Heller hat vollkommen Recht, es werden die falschen Prioritäten gestezt. Wir brauchen Lösungen und keine Beschränkungen
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  13. Lieber Herr Heß,

    danke für die Unterstützung. Genauso war es gemeint und im guten Glauben und Vertrauen an meine 5 Kinder von mir geschrieben. Der selbsternannten „Elite“ die ich deshalb in Anführungsstriche setzte, traue ich nicht zu, sich aktiv für die vorwärtsgerichtete Lösung der Probleme einzusetzen. Die übt lieber schon einmal in Kindergärten einen Tag ohne Strom.

    http://www.leuchtpol.de/wettbewerb

    Beste Grüße

  14. @ swieder

    Schauen Sie sich doch mal die Förderer der „leuchtpol“ Aktion an. Selbst die EVU kuscheln grün und nachhaltig. Sicher aus purem Uneigennutz.

  15. @swieder:

    Alleine das Risiko das man mit Ihrer Einschätzung am Ende doch daneben liegt, legt es nahe, sich darüber ernsthaft Gedanken zu machen. Kinder zu haben, bringt einen vielleicht dazu, etwas weniger optimistisch die Grenze nur im Denken zu sehen.

    Tja, sehen Sie: Wir hier glauben alle nicht an die Weisheit des Vorsorgeprinzips (also Bibliothekar, Heß, Quencher, viele andere Kommentatoren und alle Autoren dieses Blogs). Von daher unterscheiden wir uns grundlegend, da ist kein Kompromiß möglich. Der Versuch, Risiken zu vermeiden, steigert diese nur. Folgenminimierung ist unser Weg.

    siehe hier und hier und hier (beispielsweise)

    Kinder zu haben, bringt einen vielleicht dazu, etwas weniger optimistisch die Grenze nur im Denken zu sehen.

    Ich bin ganz froh, daß die Generationen vor uns Ihre Denkweise nicht verinnerlicht hatten. Und damit einen auf diesem Planeten einzigartigen Wohlstand aufbauen konnten. Ein Wohlstand, der allein es Ihnen beispielsweise ermöglicht, unsere Lebensweise zu kritisieren. Wären Sie die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt, Nahrung für sich und Ihre Familie zu organisieren (wie es nach wie vor für die Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten der Fall ist), hätten Sie jedenfalls ganz andere Probleme.

    Ich jedenfalls wünsche mir für meine Kinder, daß wir ihnen noch mehr Wohlstand, und damit mehr Freiheit und mehr Chancen für Problemlösungen hinterlassen, als wir vorgefunden haben. Insofern halte ich Ihre Einstellung für unverantwortlich.

    Ich fände es gut wenn Sie den “Vorschlag” nochmal überdenken und Abstand von der Idee nehmen. Können Sie auch gerne ihrem Heinz weiterleiten.

    Wenn Ihnen der Vorschlag nicht gefällt, hat Horeis wohl einen Nerv getroffen. Was für mich ein guter Grund ist, dabei zu bleiben. Rein inhaltlich gesehen stimmt es jedenfalls, die alternativen Energiequellen, die das Energiekonzept favorisiert, sind im Vergleich zu den konventionellen nun einmal sowohl „neu“, als auch „ineffizient“. Die Energie- und Leistungsdichte zählt.

    in wiefern “profitiert” die Umwelt von 100 Windrädern die nicht aufgestellt werden?

    Für mich ist der Flächenverbrauch die grundlegende umweltpolitische Frage, alles andere hat sich dieser Priorität unterzuordnen. Aufgrund der geringen Energiedichte des Windes ist außerdem ein erheblicher Aufwand zu treiben. Das äußert sich in den Mengen an Stahl und Beton (bspw.), die einzusetzen sind. Pro kWh sind sie ein Vielfaches höher, als bei Kernenergie, Kohle und Gas. Nebenbei: Stahl und Beton erzeugen bei ihrer Herstellung viel CO2. Ein eigener Artikel dazu befindet sich in Vorbereitung.

    wie sollen die Energiekosten dauerhaft (!) sinken wenn das Ausgangsmaterial immer teurer wird, da knapper.

    Es gibt keine Verknappung bei Uran, Thorium, Kohle und Gas (Auch bei Erdöl habe ich da meine Zweifel (hier), wobei dies zur Stromerzeugung in Deutschland nahezu nicht eingesetzt wird). Gegenüber den Investitionen in Bau und Betrieb sind die Brennstoffkosten bei Kernenergie außerdem vernachlässigbar. Hinzu tritt die Möglichkeit, einen erheblichen Anteil des Brennstoffes aufzubereiten, während des Betriebs zu erbrüten (nicht nur Brüter, auch einige Kraftwerkskonzepte der vierten Generation und der Laufwellenreaktor können dies). Insoweit sind Kernbrennstoffe die einzigen wirklich regenerierbaren Energieträger, die wir kennen.

    Insgesamt gesehen gehört dieser Artikel meiner Meinung nach zu Ihren schlechten, sorry – das ging schon besser.

    Beispiel? Welcher Artikel hat Ihnen denn besser gefallen?

  16. „Die eigentlichen Grenzen des Wachstums, sehe ich nur in den Grenzen des Denkens.“
    Ist doch zutiefst optimistisch und zukunftsfreundlich. Darin drückt sich das Vertrauen aus, dass unsere gut ausgebildeten Ingenieure und Naturwissenschaftler auch in Zukunft die Probleme der Menschheit lösen werden. Dass sie die Probleme, wenn sie auftreten durch ihr Fachwissen lösen werden. Gerade das ist doch eine optimistische Einstellung, die man Kindern vermitteln sollte, damit sie mit Entschlusskraft die Probleme angehen und nicht durch Ängste gelähmt werden.

    Ja, das ist eine mögliche Lesart. Aber es bleibt gleichzeitig eine „einfache“ Lösung die Sache zu betrachten: man sieht die Probleme von heute, aber vertraut darauf das zukünftig irgendein gut ausgebildeter schon eine Lösung findet. Das ist für mich durchaus eine „nach mir die Sinflut“-Einstellung. Der Punkt ist ja das eben niemand (auch die Skeptiker nicht) sicher sein kann, das wir die Zeit auch wirklich haben, die Sie den zukünftigen gut ausgebildeten Leuten zugestehen. Vermutlich kommt jetzt das Argument der Anpassung…ich sehe durchaus beide Seiten, ich für meinen Teil fühle mich damit wohler, heute Lösungen anzustreben, von denen ich überzeugt bin das Sie die negativen Effekte nicht aufweisen. Wenn wir uns mal kurz in die Zukunft beamen und uns vorstellen es wäre der 100%ige Umstieg auf EE mit Speicher, Netz und dem ganzen Kram den man dafür braucht, gelungen – wie vergleicht sich die Situation mit der heutigen? Nach meinem Eindruck klar „besser“. Und da mein Bewertungsmaßstab nicht ausschließlich von Rendite/Kostenpunkten bestimmt wird, ist mir egal ob ich diesen Umstieg nur zu suboptimalen Kosten (weil: zu teuer) hingekriegt habe. Ich denke wir sind heute einfach nicht in der Situation und haben auch das Recht nicht, noch Jahrzehnte die optimale Lösung zu debattieren oder zu suchen – geredet worden ist viel zu lange schon.

    Das konnten wir übrigens, weil uns Energie/Leistung mit hoher Dichte zur Verfügung standen und wir den “erneuerbaren” Energieträger Holz durch bessere Energieträger ersetzt haben.

    Ich verstehe ehrlich gesagt dieses ewige Argument mit der Energiedichte in kWh/g nicht – die ist doch hier völlig unerheblich…bzw. hohe gewichtsspezifische E-Dichten sind doch nur wichtig wenn man keinen Platz hat oder etwas transportieren will. Ich kann Energiedichten von beliebigen physikalischen Größen berechnen und vergleichen. CIS Dünnschichtsolarzellen (nur als Beispiel jetzt) haben bei durchschnittlichen 3,5µm Dicke, 8 g/cm³ Dichte und einem Wirkungsgrad von 12% in 20 Jahren (das ist realisitisch) eine kumulierte Strommenge von 2400 kWh pro m² und eine 1.000 m² Installation damit eine Energiedichte von rund 55.000 MWh/g…sollen wir jetzt wirklich gewichtsspezifische Energiedichten von Uran und CIS vergleichen?

    Im Gegensatz dazu steht die oft alarmistische, pessimistische und rückwärtsgewandte Sichtweise die in den Medien verbreitet wird. Dort sieht man oft in jeder Veränderung eine Katastrophe schlummern.

    Da gebe ich Ihnen leider recht – das ist in der Tat anzumahnen. Das Problem ist aber wohl eher, das die vierte Gewalt im Staat hier keine Fortschritte wird leisten können (oder auch nur versucht).

    Wie gesagt, wir können optimistisch ins 21. Jahrhundert gehen, weil wir mehr technische Lösungen haben als zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wir werden am Beginn des 22. Jahrhunderts wieder mehr Lösungen haben.

    Vielleicht, nur vielleicht werden wir die Zeit aber nicht haben. Ich schwanke da immer wieder und sehe auch keinen Weg, in der Frage echte Gewissheit zu bekommen. Man muss es glauben/hoffen – und das tue ich im Moment nicht. Und Folgenminimierung ist dann nicht ausreichend und Anpassung ist eben nur vielleicht möglich – glaube ich.

    Aber es werden technische Lösungen sein und keine planwirtschaftlichen wie das EEG oder irgendwelche CO2 Zertifikate. Damit doktern wir ja seit Kyoto rum, und die absoluten Emissionen gehen nicht zurück. Im Grunde ist diese Politik schon großartig gescheitert.

    Ich stimme Ihnen insofern zu als das ich denke, der Emissionshandel gehört abgeschafft.
    @Bibliothekar: nur ganz kurz – ich habe das Gefühl bei Miegel reden wir aneinander vorbei…er traut (genau wie Sie) den Eliten die Sache eben nicht zu, er macht sie verantwortlich. Und leuchtpol…ich kann zumindest etwas Gutes darin sehen: es wird versucht, für das Thema Energie zu sensibilisieren und weniger Energie zu verbrauchen. Und grundsätzlich sollte der Primärenergiebedarf nicht steigen nur weil wir ineffiziente Energieerzeugung (also: fossil, atomar) weiter ausbauen. Wir sollten nicht Uran und Kohle und Öl mit all den negativen Folgen fördern und dann 2/3 wegwerfen bis es zu Hause Licht wird oder warm. Ineffizienz heisst hier: die riesigen Verluste bei der Umwandlung …die gibts bei EE nicht…weil die Energie, die man nicht nutzt, eben nicht verschwendet ist sondern eben nur das: nicht genutzt.

    @ Heller: gerne wäre ich auf Ihre Argumente eingegangen, habe mich aber eines Besseren besonnen…aber wenn jetzt als Argument schon entgegengehalten wird, das es kein Verknappungsproblem gibt und Atomkraft die einzige regenerative Energiequelle ist (beides ist absurd), können wir die Diskussion ebenso gut beenden. Deswegen nur ganz kurze Stichpunkte:

    Wenn Ihnen der Vorschlag nicht gefällt, hat Horeis wohl einen Nerv getroffen. Was für mich ein guter Grund ist, dabei zu bleiben. Rein inhaltlich gesehen stimmt es jedenfalls, die alternativen Energiequellen, die das Energiekonzept favorisiert, sind im Vergleich zu den konventionellen nun einmal sowohl “neu”, als auch “ineffizient”.

    Das ist genauso kindisch wie der Satz, das SAU die „richtige“ Bezeichnung der fossilen ist: sie sind steinzeitlich alt (Tatsache) und auslaufend.

    Die Energie- und Leistungsdichte zählt.

    Wieso? Weil SIE das glauben? Ahja.

    Für mich ist der Flächenverbrauch die grundlegende umweltpolitische Frage, alles andere hat sich dieser Priorität unterzuordnen.

    Und schon wieder: weil SIE das glauben?

    Soviel zur „Offenheit“, wir wollen ja alle nur ganz sachlich und neutral die Sache erörtern, nicht wahr? Dann ist es auch gar nicht mehr so eigenartig das der „Dialog“ hier so einseitig ist. Mir war nicht klar das es in dem Blog darum geht das Gleichgesinnte sich gegenseitig bestätigen. Das es ums Recht haben geht weil man ja eh schon alles weiß. Wenn es nur darum geht seinen Glauben zu verteidigen, dann bitte weitermachen. Bloß: wieso dann überhaupt diskutieren? Es gibt doch noch Schwerter und Pferde – auf zum Kreuzzug! Mich haben Sie jedenfalls erfolgreich in die Flucht geschlagen, machen Sie sich eine Kerbe in den Sattelknauf und genießen weiter Ihre selbstgerechte Stimmung.

  17. @ swieder

    Der Hauptunterschied zwischen uns beiden besteht wohl darin, daß Sie in der Tatsache Energie im Überflß zu haben die Wurzel aller gesellschaftlichen Unwägbarkeiten sehen, während ich dies als Motor und Fundament des Fortschritts betrachte. Ihnen geht es doch nicht darum, eine robuste Energieversorgung in der Zukunft zu sichern. Sie wollen den Mangel an Energie zum Ausbremsen, des in Ihren Augen schädlichen Wachstums, der nur eine überbordende Konsumlust generiert, die behauptetermaßen eine Vernichtung und Schädigung der Umwelt zur Folge haben muß. Dies sind für Sie unumstößliche Postulate, die nur eins zum Ausdruck bringen, daß Ihnen das Vertrauen in menschliche und gesellschaftliche Fähigkeiten verloren gegangen ist.

    Sie wollen mit ihren Ideen Brücke in die Zukunft sein und werfen doch nur Strohhalme über den Bach. Das, was Sie wollen ist zwar im theoretischen Sinne möglich und kann gewaltsam durchgesetzt werden, robust und fortschrittlich ist es jedenfalls nicht. Die unerfüllbaren Voraussetzungen in ihrer Theorie sind einfach unüberwindlich, es sei denn man setzt ein Diktat oder glauben sie wirklich naiv daran dies mit Überzeugungsarbeit bewältigen zu können?

  18. @ swieder

    Wenn wir uns mal kurz in die Zukunft beamen und uns vorstellen es wäre der 100%ige Umstieg auf EE mit Speicher, Netz und dem ganzen Kram den man dafür braucht, gelungen – wie vergleicht sich die Situation mit der heutigen? Nach meinem Eindruck klar „besser“.

    Sie sind ein Öko-Romantiker, irgendwie hört sich das nach dem hier an.

  19. @swieder:

    Mit welcher Motivation diskutieren Sie denn hier mit? Dachten Sie im Ernst, man würde Ihnen zujubeln? In diesem Blog wird nun einmal eine klare Haltung vertreten, die sich gegen den zeitgeistkonformen Mainstream richtet. Die grundlegende Auseinandersetzung darüber, welche strategischen Ansätze sinnvoll sind und aus welchen Grundüberzeugungen (oder meinetwegen auch Grundwerten) eine bestimmte Haltung folgt, haben wir hier alle erstens schon hinter uns und zweitens schon tausendmal geführt.

    Und auf Dauer bringt es keinen Erkenntnisgewinn, diese Debatte immer und immer wieder von Neuem zu führen.

    Für Sie gibt es im „Nachhaltigkeitsdreieck“ ein Primat der Ökologie, für mich ein Primat der Ökonomie. Sie sehen Innovationen nur bei Technologien, von denen Sie denken, ihr Einsatz wäre konform zu Ihrer Haltung. Ich vertrete einen umfassenden Innovationsbegriff über alle Technologien hinweg. Und erkenne zusätzlich in Technologien keine generische Werteorientierung.

    Oder einfacher gesagt: Wenn wir über Kernenergie diskutieren, dann bitte nicht auf dem technischen Stand der 1970er Jahre, sondern auf dem, was heute möglich wäre (wenn wir denn wollten). Wenn Sie nicht erkennen können (oder wollen), daß man Ihren Bedenken (Betriebssicherheit, Abfälle, Verfügbarkeit von Kernbrennstoffen) mit technischen Innovationen begegnen kann, haben Sie mein Mitleid. Mehr aber nicht.

    Wenn Sie also hier mitdiskutieren, dann können Sie höchstens lernen, warum die meisten Leute hier so denken, wie sie denken. Wenn Sie aber nicht bereit sind, sich mit Fragen der „Innovation“, des „Flächenverbrauches“, der „Energie- und Leistungsdichte“ und der „ökonomischen Randbedingungen“ zu befassen, dann können Sie auch nichts lernen.

    Missionare mögen wir nicht, die sind hier nicht erwünscht. Das haben Sie schon richtig verstanden.

  20. Lieber Herr Swieder,
    Sie schreiben:

    Ja, das ist eine mögliche Lesart. Aber es bleibt gleichzeitig eine „einfache“ Lösung die Sache zu betrachten: man sieht die Probleme von heute, aber vertraut darauf das zukünftig irgendein gut ausgebildeter schon eine Lösung findet.

    Aber das tun ja gerade Sie.
    Ich bezeichne als naturwissenschaftlich-technische Lösung auch im Bereich Energie nur eine Technologie die in der Gegenwart implementiert werden kann. Das heißt die in der Gegenwart vom Wirkungsgrad her und von den Kosten genauso oder wenigstens annähernd so effizient ist, wie die bestehenden Technologien.
    Ist die Fotovoltaik das denn? Ich lese aus den szearien der bundesregierung ein Nein.
    Das heißt sie wünschen sich ja nur heute eine bestimmte Lösung und gehen davon aus, dass diese Technologie das in Zukunft erreichen wird, inklusive den notwendigen Speichermedien bei der Fotovoltaik.
    Sie schreiben:

    Der Punkt ist ja das eben niemand (auch die Skeptiker nicht) sicher sein kann, das wir die Zeit auch wirklich haben, die Sie den zukünftigen gut ausgebildeten Leuten zugestehen.

    Wie gesagt das tun sie ja auch mit der Fotovoltaik.
    Ihr Argument ist also lediglich eine Wette auf die Zukunft, die sie eingehen, weil sie glauben die Ursache des Problems, die richtige Lösung dafür, und die Zukunft zu kennen. Ich nenne das Hybris. Aber das ist nur der Naturwissenschaftler in mir.
    Ihr Argument ist die gleiche Annahme, die der Planwirtschaft zugrunde liegt. Deshalb folgen aus ihrem Argument auch immer planwirtschaftliche Verordnungen.
    Ich glaube nicht, dass wir die Zukunft kennen. Deshalb bin ich nur dafür Technologien genau dann zu implementieren, wenn sie so ausgereift sind, dass sie auch wirklich ihren Zweck erfüllen. In ihrem Fall CO2 einsparen.
    Sie schreiben:

    Ich verstehe ehrlich gesagt dieses ewige Argument mit der Energiedichte in kWh/g nicht – die ist doch hier völlig unerheblich…bzw. hohe gewichtsspezifische E-Dichten sind doch nur wichtig wenn man keinen Platz hat oder etwas transportieren will.

    Na ja. Sie können ja mal die Flächendichte für EEs bestimmen. Im Übrigen müssten wir mal klar stellen, was die Bundesregierung mit EE meint. In den Szenarien für dier Bundesregierung beträgt 2050 der Anteil der Fotovoltaik 2%, die Solarthermie 3.5% und die Windenergie 8% bezogen auf Primärenergie.
    Die Fotovoltaik ist auch meiner Meinung nach eine schöne Technologie, aber sie scheint wohl auch 2050 keine Lösung zu sein.
    In der Energiestudie für die Bundesregierung steht:

    Der bedeutendste Energieträger unter den Erneuerbaren bleiben Biomassen in Form fester und flüssiger Kraftstoffe sowie als Biogas. Auf sie entfallen 2050 rund drei Fünftel des gesamten Einsatzes erneuerbarer Energien.

    Fotovoltaik wird also immer als Leuchtturm genannt, ist aber offensichtlich auch 2050 noch keine Lösung. Jetzt rechnen sie sich den Flächenbedarf der Biomasse aus und dann dehnen sie diese Lösung global aus und betrachten auch Länder wie Ruanda, die selbst mit ihrer ganzen Fläche ihre Bevölkerung nicht richtig versorgen können. Eine Propangasversorgung würde Ruanda schon heute deutlich helfen.
    Wunschträume helfen eben in der Gegenwart nicht. Die Menschen brauchen jetzt Lösungen.

    Das ist meine Meinung. Man muss in der Gegenwart effiziente Lösungen implementieren, die wirken und ihre Wirksamkeit vor Allem überprüfen. Gleichzeitig sollte man für die Zukunft neue Lösungen entwickeln und dann implementieren, wenn sie so reif sind, dass sie wirken.

    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  21. Lieber Herr Bibliothekar,
    Ich fand es typisch, wie Herr Swieder ihre Aussage in seinem Interesse umgedeutet hat. Das ist typisch für die Klima- und Energiedebatte und ihre intellektuelle Armut. Argumente werden nicht diskutiert, sondern umgedeutet, um den Gegenüber in eine Ecke zu stellen.
    Wenn man zum Beispiel darauf pocht, dass Energieversorgung bezahlbar bleiben muss, wird man in irgendeine „Skeptiker-Ecke“ oder sonstige Ecke gestellt.
    Ich vermute mal, dass das durch Menschen geschieht, die anscheinend vergessen haben, dass es in Deutschland viele Menschen gibt, die hart für ihr Geld arbeiten müssen. Da sind dann vermutlich ihre sogenannten „Eliten“. Adelige der Neuzeit eben?
    Elite widerspricht meinem Verständnis unserer Demokratie. Es ist ein Irrglaube, dass Eliten unser Land oder eine Firma erfolgreich machen. Es ist der gutausgebildete Durchschnitt der uns in Deutschland erfolgreich macht -- unsere Schulen, unsere Universitäten und unsere qualifizierte Berufsausbildung machen das in diesem Land möglich.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  22. Lieber Herr Heß,

    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Nicht die selbstgefälligen, selbsternannten „Eliten“ der überall aus den Boden schießenden PR-Abteilungen und Luftschloßerfinder, sind die Leistungsträger, sondern diejenigen, die dieses dann auszubaden haben. Diesen obliegt es dann immer wieder, so einigermaßen, das Beste daraus zu machen und der Realität zum Licht zu verhelfen, wenn es, wie heute oft zu hören heißt: „Die technischen Probleme lassen wir jetzt erst einmal außen vor“. Aber hier wird es bald echte Grenzen geben, wenn sich der Trend Politik als Wille, statt als Gestaltungskraft fortsetzt.

    Uns wirft man vor, viel zu stark den Möglichkeiten der Menschen, der Technik und der Wissenschaft zu vertrauen. Geht es aber um ideologische Ziele kann das Vertrauen der Gegenseite gar nicht groß genug sein. Da ist dann plötzlich alles in kurzer Zeit machbar, so man denn ganz kräftig staatlich fördert und gesetzgeberisch vorschreibt. Da gibt es dann unendliche Wachstumspotentiale. Da kann man schnell die abwägigsten Ideen postulieren, immer in der Hoffnung das praktische Fußvolk wird schon was Gescheites draus machen, denn das hat es ja bisher immer getan.

    Beste Grüße

  23. @Admin

    Bitte mal in den Spamfilter gucken, ich vermisse hier meinen ersten Kommentar.

    @Schonwieder

    „““ „nach mir die Sinflut“-Einstellung.““““…….

    haben derzeit die EE-Jünger und ihre technisch unwissenden Anhänger.
    Wenn wir Wind und Solar betrachten, dann müssen wir auch den nötigen Speicher einrechnen, der bei konventionellen Kraftwerken in Form von Brennstof lagert, um eine Energieerzeugung auf den nötigen Bedarf minutengenau abzustimmen.
    Sämtliche Studien (100% EE) gehen von gewaltigen Speichern, noch gewaltigeren Netzen mit energieverschlingenen Smart-Gerümpel aus, nur um den Stromkunden anschließend den Unbillen der Natur zu unterwerfen.

    Welche elektrotechnische Ausbildung erlaubt ihnen eigentlich, bei Stromsachen mit zu reden?

    OfG
    H.E.

  24. Der fehlende Kommentar von Heinz Eng wurde freigeschaltet, er lag tatsächlich im Spam-Filter. Jetzt zu finden oben unter Nr. 2.

  25. @Heller

    Der fehlende Kommentar von Heinz Eng wurde freigeschaltet, er lag tatsächlich im Spam-Filter. Jetzt zu finden oben unter Nr. 2.

    Danke-:)

    H.E.

  26. Hier haben wir mal noch ein interessantes Interview zum Thema:

    http://tinyurl.com/32olstj

  27. Günter Heß #26

    Ja, Herr Heß.

    Das Interview –man sollte es komplett lesen- ist wirklich interessant und vielleicht auch erhellend für diejenigen, die Greenpeace bisher noch im hehren Licht betrachten.
    Interessant ist auch, wo das Interview erschienen ist. Die Zeit konnte man ja in der Vergangenheit nicht unbedingt zu den Befürwortern der Kernenergie zählen.

    Denjenigen, die immer noch den „Sachverstand“ von Greenpeace ins Feld führen, sei aus dem Interview folgendes Statement von Patrick Moore ins Stammbüchlein geschrieben:

    Bei Greenpeace arbeiten wissenschaftliche Analphabeten. Man nutzt Wissenschaft um Positionen zu rechtfertigen, die in Wahrheit jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren. Das zeigt sich auch in der Atomenergie.

    Naja, was die Wissenschaftler anbelangt, so hat man ja bei GP nachgerüstet. Der wissenschaftliche Sachverstand wird von Politologen, Pädagogen jeder Couleur
    Berufsstudenten und Studienabbrechern im vorgeschrittenen Alter vertreten. Diese Leutchen sind wahrhaft die Creme de la Creme von dem was die Wissenschaft zu bieten hat.

  28. Lieber Herr Moosgeist,
    es ist ja wirklich interessant sich auch das Gutachten für die Bundesregierung runterzuladen und über folgende Beobachtung nachzudenken.
    Wir haben eine steigende Weltbevölkerung, aller Voraussicht nach ja auch bis 2050.
    Lädt man sich die Daten für den Stromverbrauch aller Länder aus dem BP Statistical Review herunter, dann stellt man fest dass der Stromverbrauch der Welt und praktisch aller Länder zwischen 1990 und 2009 angestiegen ist. Für die ganze Welt um etwa 70%, also um etwa 3.6% pro Jahr. Nimmt man 2009 für die Bundesrepublik beträgt aufgrund der Krise der Anstieg bezogen auf 1990 nur 8%, nimmt man 2008 sind es 16%.
    Das Gutachten nimmt aber an, dass der Stromverbrauch der Bundesrepublik in den Zielszenarien bis 2050 um ca 25% sinkt.
    Jetzt meine Fragen:
    1) Wie wahrscheinlich ist in einer alternden Gesellschaft die mehr wachstum braucht um die Renten zu bezahlen, denn so ein Szenario aufgrund der Vergangenheitsdaten?
    2) Selbst wenn das für die Bundesrepublik gelten sollte, weil alle stromintensiven Industrien in Asien sind. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Stromverbrauch der Welt zurückgeht?
    3) Wie wahrscheinlich ist es dass die Großhandelsstrompreise sinken, wenn der Stromverbrauch der Welt steigt und wir angeblich die Grenzen des Wachstums erreichen?
    4) Muss verantwortliche Politik nicht schlichtweg das Szenario zugrunde legen, in dem der Stromverbrauch und der Strompreis weiter steigen, wie es die Vergangenheitsdaten vorschlagen und nicht eine Wette auf die Zukunft eingehen dass einige selektierte Szenarien eintreten?

    Herr Heller hat vollkommen Recht. Es wurden Wunschszenarien und Wunschannahmen vorselektiert und berechnet, die Auftragsschreiberlinge unter dem Deckmantel der Wissenschaft verkaufen. Sowie Greenpeace nur die Wissenschaft als Deckmantel nimmt, um Geld einzusammeln.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  29. Lieber Herr Heß,

    die Frage des Strombedarfs in der Zukunft ist in der Tat ein wesentlicher Punkt im Energiekonzept. Und mit kritikwürdigen Annahmen belegt, denn man hat gewisse Zusammenhänge einfach nicht verstanden bzw. ausgeblendet. Bei steigender Wirtschaftsleistung induziert ein sinkender Bedarf an Primärenergieträgern automatisch einen höheren Stromverbrauch. Denn Effizienzsteigerungen sind bei uns vor allem Folge von Automatisierungen in der Produktion, die einen entsprechend verstärkter Einsatz elektrischer Systeme (vom Roboter bis zum Computer) erfordern.

    Das Energiekonzept postuliert hier die Möglichkeit eines Trendbruches, ohne eine Begründung für dessen Auftreten anzugeben.

    Ich habe dazu noch einen Text in der Mache, mehr in einigen Tagen.

  30. #28

    Lieber Herr Heß,

    Ihre Bedenken zur Aussage des Gutachtens, besonders in Anbetracht der realistisch zu erwartenden Situation bis zum Jahre 2050 und darüber hinaus, teile ich. Darüber hinaus kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die einzelnen „Szenarien“ sehr stark in ein vorgegebenes Ergebniskorsett gezwungen sind. Ich würde sogar soweit gehen und die kesse Frage stellen, ob das Gutachten nicht dem Konzept folgt. Diese Praxis ist ja nicht ganz unbekannt und sehr probat, wenn es um die Durchsetzung bestimmter Vorstellungen geht und hierzu zur Absicherung „gutachterlicher Sachverstand“ opportun erscheint.

    Das Gutachten nimmt aber an, dass der Stromverbrauch der Bundesrepublik in den Zielszenarien bis 2050 um ca 25% sinkt.

    Das „Gutachten“ folgt hier offensichtlich dem Wunschdenken der Politik. Selbst wenn es gelänge die Effizienz der El-Verbraucher drastisch zu steigern und den Stand der Elektrifizierung auf das heutige Niveau einzufrieren, würde allein die Größenordnung der Nutzung der NIEs diese Rechnung zunichte machen. Strom aus Wind und Sonne müssen naturbedingt für Flauten bzw. Nachtzeit zwischengespeichert werden. Das bedeutet einen kontinuierlichen Mehrbedarf an Strom um diese Speicher ständig wieder aufzufüllen und das sogar während der Produktion des Stroms für den Bedarf der betroffenen Volkswirtschaft. Da der zeitliche Bedarf an Speicherleistung nicht planbar ist, muss die „Ladekapazität“ ständig vorgehalten werden.

    Die Vorstellung, dass sog. „Biomasse“ in die Bresche springen kann, ist einfach absurd. Da sollte sich erst mal jemand dahinter setzen und nachvollziehbar ausrechnen, wie viel dieser „Biomasse“ und in welchem Rhythmus und in welcher Größenordnung diese zur Verfügung stehen muss, denn natürliche Gegebenheit und technische Notwendigkeit dürften wohl zwei verschiedene Paar Stiefel sein. Abgesehen davon ist Energie aus Biomasse auch nicht ohne Energieeinsatz realisierbar.

    Nein, der Stromverbrauch wird bis 2050 nicht um 25% sinken. Es wäre schon eine bemerkenswerte Leistung, wenn die Steigerungsrate um 25% gesenkt werden könnte. Es darf doch wohl einmal nachgefragt werden, womit die bis 2020 – 2030 postulierten E-Mobile Nacht für Nacht geladen werden?

    Die einzige Möglichkeit den Stromverbrauch generell um 25% zu senken würde darin bestehen, dass der größte Teil der noch hier ansässigen Industrie aus dem Lande vergrault, Strom grundsätzlich zum Mangelprodukt erklärt und dem entsprechend auch bewirtschaftet wird. Dieses Szenario schwebt der Politik offensichtlich vor. Denn wie anders wäre sonst der Satz ** Über nachfrageseitiges Lastmanagement soll sich in Zukunft die Energienachfrage stärker an das Angebot anpassen * * im „Entwurf zum Energiekonzept“ zu verstehen?

    Langer Rede kurzer Sinn: Die Politik beabsichtigt (offensichtlich parteiübergreifend) den Übergang zur planwirtschaftlichen Stromerzeugung und das „Gutachten“ soll die Machbarkeit bestätigen, wobei das Hickhack über die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke nur ablenkende Begleitmusik ist. Es wird jedenfalls spannend, mit welchen Ideen diese Politkaste daherkommt, wenn die Laufzeitverlängerung, dank realitätsferner Utopisten, nicht durchsetzbar ist.

    Meint mit freundlichen Grüßen
    der Moosgeist

  31. Lieber Herr Moosgeist,
    es wäre ja schon interessant der Öffentlichkeit mal zu sagen, dass eine Kombination aus Gas und Kernenergie bequem 80% CO2 bei der Stromerzeugung einsparen würde mit bestehenden Technologien.
    Man kann es nur immer wieder sagen. Die Lösung für die Gegenwart existiert.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  32. #30 Moosgeist

    Wie war das gleich?
    Der Preis bestimmt die Nachfrage… das hat doch schon immer gut funktioniert, oder? Wir haben dieses System schon in vielen Bereichen nicht nur im Ansatz verwirklicht: Wasser, Pharmaprodukte, Fahrzeugersatzteile… klappt doch ausgezeichnet.
    Das Problem beim Stron ist aber, dass er essentiell für unzählige Dinge des Lebens benötigt wird. Das Einpaarpotential, was hier erwartet wird, ist einfach nicht vorhanden.
    Der Tagesablauf zwingt einen bestimmten Bedarf auf, welcher sich auch zeitlich nicht verlagern lässt. Ich hätte einfach was gegen einen Morgenkaffee einzuwenden, der schon Stunden in der Thermoskanne schlummert. Eigentlich kenne ich nur einen Stromverbraucher im Haushalt, der innerhalb 24h einigermaßen steuerbar wäre -- das Kühlgerät. Weil die Speicherung hier problemlos wäre.
    Bei der Wäsche wird es schon schwieriger- meine Frau wäre nie bereit, die Wäsche längere Zeit in der Trommel zu lassen -- obwohl die zu erwartenden Farbwechsel doch ganz neue Modeperspektiven bieten…
    Im übrigen möchte ich die Hausgemeinschaft sehen, die einen Rumpelgang nach 20 Uhr genehmigt.
    Immer mehr elektrische Geräte bestimmen immer höheren Grundstromverbrauch. Ein wesentlicher Faktor ist zum Beispiel die Kommunikationstechnik. Kabelmodem und Router saugen im Wohnbereich mittlerweile mehr weg als sämtliche Beleuchtung zusammen.
    Und abschalten geht nicht, das Telefon fordert den Standby für die Verfügbarkeit.
    Im öffentlichen Bereich sind die Möglichkeiten noch geringer, irgendwie den Verbrauch an sporadisch verfügbare Energie anzupassen.
    Der einzige Weg der bleibt, ist der in die vorindustrielle Zeit. Keine Haushaltgeräte, keine Telekommunikation, kein Internet. Damit würden wir das Ziel im Handumdrehen erreichen!
    Nachdenklich,
    Euer Wetterfrosch

  33. Tja nun, da setzen mich die Kommentatoren unter Druck, meinen nächsten Artikel schneller zu veröffentlichen, als geplant. Soeben erfolgt. Im Prinzip wurde zwar alles schon gesagt, aber ich habe noch ein paar recht anschauliche Diagramme zu bieten, die das Gesagte verdeutlichen. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen, hier.

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