Feinstaub! Antrag auf Silvesterfeuerwerkverbot in Köln gescheitert!

30. Dezember 2018 | Von | Kategorie: Blog, Daten, Klimawandel, Ökologismus, Politik

Feinstaub-Silvester

In Köln fordert ein Bürger einen drastischen Schritt und hat bei der Stadt ein Verbot des Silvesterfeuerwerks beantragt.

„Es wäre an der Zeit, das private Böllern zu verbieten oder zumindest deutlich einzuschränken“, meint der Antragsteller. Als Begründung führt er demnach die Debatte über Dieselfahrverbote an: „Man kann schlecht monatelang auf Autoherstellern rumhacken, die bei den Abgaswerten ihrer Diesel betrügen“, um dann zum Jahreswechsel ein wahres Feinstaub-Feuerwerk abzubrennen.

Dabei beruft sich der Antragsteller auf Zahlen des Bundesumweltamtes, nach denen in der Silvesternacht jedes Jahr rund 5000 Tonnen Feinstaub freigesetzt werden. Diese Menge entspricht in etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen

Seine Forderung an die Politiker, sich für ein Pyrotechnik-Verbot einzusetzen, unterstreicht der Antragsteller in seinem Schreiben mit den Worten „Ich flehe Sie an.“

Ist es in der Silvesternacht windstill, bleiben die Schadstoffe jedoch über viele Stunden in der Luft und reichern sich in den unteren Atmosphärenschichten an.

Der zuständige Ratsausschuss tagte am 27. November, um sich mit dem Antrag in Köln zu befassen. Die Verwaltung bezweifele aber, dass ein Verbot vor Gericht Bestand hätte. Denn dafür müsse der Bund erst das Sprengstoffgesetz ändern.

Inzwischen wurde der Antrag abgelehnt!

Die Mitglieder des Beschwerdeausschusses stimmten gegen die Petition, aber empfahlen der Verwaltung immerhin zu prüfen, ob es in der Stadt mehr böllerfreie Zonen wie schon rund um den Dom geben könnte. Der Ausschuss wies darauf hin, dass er für ein komplettes Verbot gar nicht zuständig sei, denn das Böllern an Silvester wird grundsätzlich im Sprengstoffgesetz geregelt, für das der Bund verantwortlich ist.

Die Rechtslage

Die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Luftqualität und saubere Luft für Europa trat am 21. Mai 2008 in Kraft. Die EU Kommission hat darin festgelegt, langfristig europaweit eine Luftqualität zu erreichen, von der keine Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen. Die Richtlinie legt Grenzwerte für Schadstoffkonzentrationen in der Außenluft fest. Die von der Bundesregierung beschlossene Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchtsmengen (39. BImSchV) setzt die EU-Richtlinie im nationalen Recht um. Für alle Städte und Gemeinden besteht nun die gesetzliche Verpflichtung, „geeignete Maßnahmen“ zu treffen, um die Luftqualitätswerte einhalten zu können und die Lebens- und Atemluftqualität für ihre Bürger zu garantieren.

Städte mit ständigen Grenzwertüberschreitungen können zunächst mit entsprechenden Anträgen aufgefordert werden, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die EU-Grenzwerte einzuhalten. Die Städte haben dann vier Wochen Zeit, der Aufforderung nachzukommen, und einen Luftreinhalteplan zu erarbeiten. Sollte die Stadt oder Gemeinde binnen dieser Frist keine Maßnamen ergreifen, können die Betroffenen klagen.

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7 Kommentare
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  1. Auch in der Presse wird immer wieder gesagt, die Feinstaubmenge entspräche ca. 20% der Feinstaubmenge des Verkehrs. Hier kommt es aber auf die Verweildauer an. Dies ist beim Böllern und vielen anderen Feuerwerken bei Kirmes und so in der Regel nur wenige Stunden. Beim Verkehr wird eine Feinstaubbelastung kontinuierlich aufrechterhalten, ähnlich wie bei der Landwirtschaft (Gülleaustrag), offenen Kaminen und ähnlichem. Einige wenige Stunden Feinstaub /a sind ganz unerheblich. Mit dem NOx der Diesel lässt sich das alles nicht vergleichen, allerdings ist hier die Verweilzeit auch nur wenige Stunden, allenfalls bis zum nächsten Regen, wo das ganze NOx nach Umwandlung in Salpetersäure ausgewaschen wird. Wenn wir den Feinstaub im Verkehr nehmen (statt des NOx), müsste es Benzinerfahrverbote geben und nicht Dieselfahrverbote, denn die Benziner verursachen mehr Feinstaub. Aber so genau schauen ja deutsche Gerichte nicht hin.

  2. Und ich dachte immer die Dosis nacht das Gift. Geht mir jedenfalls so.

  3. Pelletöfen, Kamine und Holzöfen „reichern“ die Luft in Wohngebieten ab Herbst bis Frühjahr täglich über Stunden, isbesondere mit reichlich Feinstaub an, auch die NOx Werte sind nicht von schlechten Eltern, nur werden diese Dreckschleudern zum Teil staatlich gefördert, darüber hinaus wird das Heizen mit Holz wird als umweltfreundlich, nachhaltig und ökologisch vernünftig gepriesen. Das 100%ige Gegenteil ist der Fall, wie man hier sehen kann !

    Der Anteil der Feinstaubemissionen aus Holzfeuerungen beträgt rund 16 % an den gesamten Feinstaubemissionen in der Schweiz. Damit sind Holzfeuerungen mit Abstand die grösste Quelle für krebserregenden Feinstaub aus der Verbrennung. Im Winter ist ihr Beitrag zur lokalen Feinstaubbelastung deutlich höher als im Jahresdurchschnitt.

    Im Vergleich zu Öl- und Gasfeuerungen setzen Holzfeuerungen viel mehr Verbrennungsgase wie Stickoxide, Kohlenmonoxid und flüchtige organische Verbindungen (VOC) frei. VOC sind vor allem für die Feinstaubbelastung problematisch. Sie enthalten hochtoxische Komponenten. Zum Teil kondensieren VOC in der Luft, wodurch zusätzlicher Feinstaub gebildet wird.

    Holz ist verglichen mit Öl und Gas sehr uneinheitlich: Grösse der Scheite und Wasseranteil können stark variieren. Das beeinflusst die Verbrennung. Ausschlaggebend für die Minimierung der Emissionen sind die Brennstoffqualität sowie die richtige Steuerung der Anlage. Wird zu wenig oder zu viel Luft in den Brennraum geführt, entsteht viel zusätzlicher Feinstaub, z. B. in Form von Russ.

    Holzkraftwerke sind gegenüber vielen kleinen Heizanlagen ohne Filtersystem zu bevorzugen. Sie zeichnen sich durch einen guten Wirkungsgrad aus, sind mit einer Rauchgasreinigung ausgerüstet und werden professionell betrieben.

    Feuerungen und Heizungen als Luftschadstoffquellen
    Als Beispiel Angaben aus der Schweiz

  4. Silvester ?
    Diesel ?
    Die Politik ignoriert ein viel größeres Problem
    Irgendwie mag ich den Kachelmann 😀

  5. Noch eins oben drauf:

    Wie massiv unsere geliebten Öfen stinken, das verdeutlichen drei Beispiele. Die von der EU geförderte Initiative für saubere Wärme Clean Heat warnt auch vor neuen, als besonders umweltfreundlich ausgezeichneten Holzöfen. Ein solcher Ofen stößt etwa 25-mal so viel Feinstaub aus wie ein zehn Jahre alter Lastwagen ohne Partikelfilter.
    Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 14/2017. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.

    Ferner hat eine Studie der Universität Aarhus Emissionen aus Holzheizungen und aus dem Verkehr in Kopenhagen verglichen. Dort produzieren knapp 17.000 Holzöfen während der Heizperiode so viel gefährlichen Feinstaub wie der komplette Straßenverkehr im gesamten Jahr.

    Schließlich hat das Eidgenössische Bundesamt für Umwelt praxisnah erfasst, welche Schadstoffmengen beim Verfeuern von Erdgas, Heizöl und naturbelassenem Holz entstehen. Am saubersten ist Gas. Mit Öl heizen verdoppelt die Produktion von Stickoxiden und Feinstaub. Holzbrand im Ofen oder Cheminée dagegen steigert die Emission von Kohlenmonoxid (CO) mehr als hundertfach. Dramatisch wird es beim Partikelausstoß: Den Holzofen verlässt im Vergleich zum Gaskessel tausendmal so viel Feinstaub.

    Gemütlich und gefährlich

  6. @ KG #4 5 erfrischender Artikel von J. Kachelmann mit eher sozialpsycholigischem Akzent. Nette Passagen, u. a.

    Es ist wie bei einer Sekte: Wenn der Guru verhaftet wird, weil er alle abgezockt hat, stellen sich die Sektenmitglieder noch mehr hinter ihn, weil man nicht wahrhaben möchte, dass man nach Strich und Faden – pardon – vera….

    Er belässt es bei PM10, wohingegen der hervorragende Zeit-Artikel technisch tiefer auch mit PM2,5 und kleiner eintaucht. 107 teils interessante Kommentare :-
    etliches auf diesem Blog Anfang 2018 diskutiert.
    Guten Feinstaub-Rutsch nach 2019 :-

  7. silvester-fete in köln:
    islam erlaubt, feuerwerk verboten oder wie?

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