Greentec-Award – Das reine Gewissen der Großen

6. September 2013 | Von | Kategorie: Blog, Innovationspolitik, Nachhaltigkeit, Wirtschaftsförderung

ein Beitrag von Felix Schaller

Alle Jahre wieder findet er statt. Der Greentec Award. Seit 2008 als Clean Tech Media Award ins Leben gerufen lud er dieses Jahr das erste Mal unter dem Namen Greentec zum Wettbewerb ein. Schon im Vorfeld der aktuellen Verleihung machte der Award Schlagzeilen. Allerdings keine positiven, wie die meisten Leser bereits wissen dürften. Denn als großer Hoffnungsträger startete der Dual Fluid Reaktor (DFR) vom Berliner Institut für Festkörperkernphysik (IFK) in der Kategorie Galileo Wissenspreis ins Rennen und führte bereits bis Ende des vorgeschalteten Online-Votings im Mai klar die Abstimmung. Dann die große Enttäuschung, welche schließlich zum Eklat führte. Der DFR wurde nicht zugelassen. Unter fadenscheinigen Gründen und durch heranziehen unhaltbarer Gutachten wurde argumentiert, der Reaktor sei für den Award nicht vertretbar. Doch auch wenn am Ende die erste gerichtliche Auseinandersetzung fehl schlug, das IFK war mit Herrn Götz Ruprecht dennoch auf der Gala dabei! Wenngleich die Veranstalter im Vorfeld ihre Verunsicherung über einen weiteren Eklat auf der Gala schriftlich verlauten ließen, wie man auf der facebook-Seite des DFR lesen kann. Passiert ist dann „gottseidank“ aber nichts.

Ausgelobt wurde die diesjährige Gala in der deutschen Hauptstadtrepräsentation der Telekom. Von aussen eher ein unscheinbarer Glaspalast unter den vielen anderen umliegenden, dessen Umfeld wenig Raum für eine kultträchtige Inszenierung auf einem „grünen“ Teppich bot. Dieser wurde eher bescheiden in einen Nebenraum des Veranstaltungssaales verlegt.

Um so eindrucksvoller strahlte jedoch gleich beim betreten des Gebäudes ein 1:1 Flugmodell der Firma E-Volo über den Stühlen des Saales. Eine manntragende Version der derzeit bei Bastlern und anderen Modellfliegern sehr beliebten Quadcopter-Drohnen. Vom ersten Flugversuch in 2011 nun bereits der erste serienreife Prototyp, welcher laut Alexander Zosel, CEO von E-Volo, gerade noch rechtzeitig zur Gala fertig wurde. Zusätzlich zu E-Volo als Nominiertem, der als Sieger aus der Abstimmung des Online-Votings hervorging, gab es noch einen weiteren interessanten Kandidaten in der Kategorie Luftfahrt. So war unter anderem Felix Schaller mit seiner Erfindung des bionischen Flügels nebst Airbus mit einer Brennstoffzellentechnologie Nominierter aus der Jurysitzung. Der bionische Flügel ist eine Technologie, welche es dem Flügel ermöglicht, seine Kontur in Sekundenbruchteilen an die aktuellen Strömungsbedingungen anzupassen sowie Strömungsabrisse zu verzögern. Die Technik ist an die Federn von Vögeln angelehnt. Die Vögel haben mit ihren Federn ebenfalls die Fähigkeit, die Kontur ihres Flügel-Profils den Gegebenheiten der Strömung anzupassen. Wie auch die Federn bei Vögeln, kommt diese Technologie ohne anfällige Regelungselektronik aus, sondern nutzt das Verhalten der Strömung als passive Regelungseinheit. Ungleich komischer wurde es später in der Kategorie Galileo Wissenspreis. Wo ursprünglich der DFR als Sieger des Online-Votings mit an der Preisverleihung teilnehmen sollte, wurde an dessen Stelle kurzerhand ein Dachkraftwerk von Prof. Dr.-Ing. Kurt Spiegelmacher der FH Kaiserslautern nominiert.

Die Vision vom Individualverkehr in der Luft schwebte über den Greentec Awards

Die Vision vom Individualverkehr in der Luft schwebte über den Greentec Awards

Eröffnet wurde die Gala um 18:30. Nach einem recht komplizierten Akkreditierungsverfahren konnte man sich vor Eröffnung der Zeremonie mit – politisch korrekten – vegetarischen Häppchen und Getränken von BioScotch bis BioSäften aus Tetrapak in der Backstage-Lobby erfrischen. Hier bot sich unter anderem ein Bild mit einer Menge Stände von Sponsoren sowie weiteren nominierten wie nichtnominierten Firmen, die sich hier zusätzlich mit einer Werbefläche wirksam in Szene setzten. Pünktlich um 20:00 wurde mit der Preisverleihung begonnen, welche sowohl bei ProSieben als auch bei WiWo-Green über das Internet gestreamt wurde. Recht zügig wurde dann auch gleich mit der Vorstellung der Nominierten angefangen. Erste Kategorie war der bereits berühmt-berüchtigte Galileo Wissenspreis. Hier waren vertreten: Eine maritime Müllabfuhr, Boote, welche autonom und mittels Wind und Solar betrieben, Meere sowie Binnengewässer von Plastikmüll mittels Netzen oder Förderbändern befreien sollen. Als zweites eine Wärmerückgewinnung aus Abgasen. Sowie anstelle des DFR das Dachziegelkraftwerk.  Besonders bei letztem bot sich das eher kuriose Bild, Wind innerhalb hohler Dachziegel zu leiten und mittels kleiner Propeller Energie zu gewinnen. Dass der Winddruck an Gebäuden nicht unerheblich ist, ist zwar bekannt, nur wird sich ähnlich Texas Windrad der Wind kaum den Weg des größten Widerstandes aussuchen, schon gar nicht an solchen Stellen, wo erwartungsgemäß wenig Druckgefälle vorliegt. Entsprechend konnte sich dann auch so mancher im Publikum ein leises Lachen nicht verkneifen. Auffällig war, dass besonders diesem letzten Wettbewerber ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit in verschiedensten Beiträgen gewidmet wurde. Ob das eine Retourkutsche auf den DFR hätte werden sollen? Glücklicherweise gewann dann aber doch der überzeugendste Beitrag mit der maritimen Müllabfuhr.

Ein Abend unter Freunden: Götz Ruprecht (links) und Felix Schaller (rechts)

Ein Abend unter Freunden: Götz Ruprecht (links) und Felix Schaller (rechts)

Bereits in der nächsten Kategorie Bauen & Wohnen zeigte sich, wozu der Award eigentlich existiert, nämlich zur Reinwaschung des grünen Gewissens großer Industriekonzerne. Während hier das Konzept des Lichtbetons sehr eindrucksvoll überzeugte, bewarb sich Miele & Cie KG mit einer nicht serien- oder massentauglichen Prestige-Idee, die Wärme für ihre energiehungrigen Wäschetrockner aus Solarwärme zu erzeugen. Warum man da die Wäsche nicht gleich in den Garten hängt, wenn für diesen volatilen Betrieb mal die Sonne scheint, ist die andere Frage, die wohl nur die Haushaltsmuffel unter den Öko-Fans beantworten können. Natürlich gewann der Big-Player auch den Preis.

Nicht anders in der Kategorie Luftfahrt. Auch hier durfte sich der Gewinner Airbus über ein reines grünes Gewissen mit einer multifunktionalen Brennstoffzelle als alternative Energiequelle für die Bordelektronik des Flugzeuges freuen. Die Laudatio, vorgetragen von dem Model und Schirmherrin der Kategorie, Franziska Knuppe, klang da fast wie eine Entschuldigung an die beiden anderen Bewerber Felix Schaller und E-Volo, leider doch vor dem Big Player eingeknickt zu sein. In der Rede formulierte sie dann auch deren innovative Inhalte als Wunschziele mit den Worten: „Hier werden Technologien präsentiert, die mehr als vielversprechend sind und frischen Wind in die Branche bringen. Das Fliegen der Zukunft wird leise, sauberer und bleibt dennoch effizient.“

Den weiteren Kategorien erging es nicht anders. Wo immer sich ein Big Player in einer Kategorie aufdrängte, durfte er – ungeachtet seines Innovationsgrades – die Trophäe auch mit nach Hause nehmen. Amüsant wurde es dabei nochmals bei VW, wo man sich mit dem Konzept der „Think Blue Factory“ in der Kategorie Produktion bewarb. Das Konzept war an sich jedoch so inhaltsleer, dass man ausser der etwas kuriosen Präsentation nichts behalten konnte. Ungleich verdienter gewonnen hätte das Lichttechnische Institut der Karlsruher Uni (KIT), welches quecksilberfreie Plasma-Energiesparlampen entwickelt, oder die recycelte Funktionsunterwäsche von Odlo.

Zum Glück wurde die Zeremonie zur Erleichterung aller schließlich noch pünktlich beendet, worauf es dann zur Preisübergabe auf dem grünen Teppich kam. Anschließend wurde noch bis zur letzten Stunde backstage gefeiert. Insgesamt war der Eindruck der Gesellschaft aber recht gelassen. Man traf eher auf Silikon, als dass man einem ökologischen Hardliner über den Weg lief. Auch verneinte keiner abseits der Kameras und Mikrophone großartig den weniger ethischen als öffentlichkeitswirksamen Hintergrund sowie die geschäftlichen Interessen an der Veranstaltung.

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3 Kommentare
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  1. Interessanter Einblick in die Preisverleihung sowie auf die Preisträger und Motivation dieser Veranstaltung!

    Eine Runde durch die Rechtschreibkorrektur täte dem Artikel und seiner Seriosität aber gut! Nicht zuletzt sollte der Name des Instituts der DFR-Erfinder korrekt geschrieben werden.

  2. Ha, Ha, sehr witzig! Du kriegst 10ct für jeden den du findest. Sieh es als Spende an Nuklearia e.V.

  3. @ Rainer Klute:

    Herr Schaller hat mir einige Korrekturen übermittelt und ich habe auch noch einmal drübergeschaut. Ich hoffe, die meisten Fehler wurden nun eliminiert.

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