Grönländischer und westantarktischer Eisschild schmelzen nur halb so schnell

7. September 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Meeresspiegel, Schnee und Eis

Der grönländische und der westantarktische Eisschild schmelzen nur halb so schnell, wie bisher angenommen wurde. Das zeigte jetzt ein Team aus dem Jet Propulsion Laboratory (USA), der Delft University of Technology (TU Delft, Niederlande) und dem SRON Netherlands Institute for Space Research im Fachmagazin Nature Geoscience.

Das Abschmelzen der beiden Eisschilde wurde seit 2002 mit Hilfe der beiden GRACE-Satelliten kartiert. Aus dem Weltraum erkennen sie kleine Änderungen im Gravitationsfeld der Erde. Hieraus lässt sich auf Massenveränderungen der Erde schließen, einschließlich der von Eis und Wasser. Wenn Eis schmilzt und ins Meer abfließt, so hat das einen Einfluss auf das Gravitationsfeld.

Basierend auf diesem Prinzip wurde für das grönländische Eisschild bisher ein Abschmelzen von 230 Giga-Tonnen pro Jahr (230.000 Mrd. kg) angenommen, was zu einem durchschnittlichen Anstieg im Meeresspiegel von rund 0,75 Millimeter pro Jahr führen würde. Für die Westantarktis gingen die Schätzungen bisher von 132 Giga-Tonnen pro Jahr aus.

Jetzt stellte sich heraus, dass die bisherigen Abschätzungen nicht korrekt um die isostatischen Ausgleichsbewegungen der Erdkruste korrigiert wurden. Infolge der schmelzenden Eisschilde kommt es zu Landhebungen und das seit der letzten Eiszeit, also seit rund 20.000 Jahren. Diese Bewegungen der Erdkruste müssen in die Berechnungen mit einbezogen werden, da vertikale Erdbewegungen die Masseverteilung verändern und damit auch Einfluss auf das Gravitationsfeld haben.

Forscher vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (USA), der TU Delft und dem SRON Netherlands Institute for Space Research ist diese Korrektur nun viel genauer gelungen. Dabei verwendeten und kombinierten sie Daten der GRACE-Satellitenmissionen, GPS Messungen vom Land und Druckdaten vom Meeresgrund. Die Auswertungen brachten zu Tage, dass der Meeresgrund unter Grönland schneller absinkt als bisher angenommen. Einer der Forscher, Dr. Bert Vermeersen von der TU Delft, erklärt: “Die Korrekturen zur Verformung der Erdkruste haben einen beträchtlichen Einfluss auf die Abschätzungen zur jährlich abschmelzenden Eismasse. Wir haben herausgefunden, dass der grönländische und der westantarktische Eisschild nur halb so schnell abschmelzen, wie bisher angenommen wurde.” Der durchschnittliche Anstieg des Meeresspiegels, als Folge der schmelzenden Eiskappen, ist also auch bedeutend niedriger anzusetzen.

Quellen

Greenland, West Antarctic Ice Caps Melting At Half The Speed Previously Predicted

Simultaneous estimation of global present-day water transport and glacial isostatic adjustment

Sea-level rise: Ice-sheet uncertainty

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7 Kommentare
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  1. Da sieht man mal wie wichtig Satelliten beim Klimamonitoring sind. Ein schönes Ergebnis. Und hoffentlich lassen sich damit die Modelle mit ihren bekanntlichen Schwächen in der Eisdynamik weiter verbessern.

  2. Die Auswertungen brachten zu Tage, dass der Meeresgrund unter Grönland schneller absinkt als bisher angenommen.

    Ich bin leicht irritiert, sollte der Boden unter Grönland nicht ansteigen, wenn der Druck sinkt, und dafür der Meeresgrund des Nordatlantik absinken?

  3. #2 Wetterfrosch (10. September 2010 19:33)

    Hallo Wetterfrosch

    Dein Einwand

    sollte der Boden unter Grönland nicht ansteigen, wenn der Druck sinkt, und dafür der Meeresgrund des Nordatlantik absinken?

    Ist aus meiner Sicht durchaus berechtigt. Auch mir erschließt sich diese Logik nicht.
    Meine Erklärung dazu ist, dass wir es hier mit zwei entgegengesetzt wirkenden Mechanismen zu tun haben, die sich in Teilen gegenseitig aufheben.
    D.h. ein Teil der Dekompression der Landmassen nach der Eiszeit bis in die heutige Zeit wird durch ein Absinken (isostatische Ausgleichsbewegung) des Meeresbodens zum Teil wettgemacht. Das würde dann aber bedeuten, dass das Fassungsvermögen der Meere steigt, ohne dass das Niveau des Meeresspiegels, in Relation zur jeweiligen Küste, den Zuwachs der „Wassermassen“ durch Eisschmelze adäquat widerspiegelt.

    Das ist nur ein Erklärungsversuch eines Laien, aber vielleicht gibt es ja hier einen Experten, der das Phänomen richtiger beschreiben kann.

  4. Wo es sinkt, ist Ost-Skandinavien / Ostsee, mit5 Teilen von Schweden und Finnland

  5. @ moosgeist
    Aufklärung kann also nur der Originalartikel selbst bringen -- hier als PDF
    http://tinyurl.com/3a7mrub

    …the Earth’s mantle is viscoelastic and therefore responds to changes in surface loading with a long
    delay. Indeed, the variations of the mass and extent of the ice sheets since the Last Glacial Maximum, about 20,000 years ago, continue to aect present-day changes in bedrock elevation.

    http://tinyurl.com/3a7mrub
    Der heute beobachtete Anstieg des Meeresspiegels kann also teilweise Folge der Vergletscherung vor 20000 Jahren sein, mit noch andauerndem Absinken der entsprechenden Gebiete -- ohne, dass nur ein Krümel Eis schmilzt. Den Modellen nach…

  6. @Wetterfrosch

    du zitierst dies

    Aufklärung kann also nur der Originalartikel selbst bringen – hier als PDF
    http://tinyurl.com/3a7mrub

    und schlussfolgerst:

    Der heute beobachtete Anstieg des Meeresspiegels kann also teilweise Folge der Vergletscherung vor 20000 Jahren sein, mit noch andauerndem Absinken der entsprechenden Gebiete – ohne, dass nur ein Krümel Eis schmilzt.

    In dem Artikel wird die von Dir gemachte Aussagen aber gerade nicht getroffen. Dagegen wird sehr wohl gesagt, das der Einfluss des schmelzenden Eises nicht nur überhaupt zum Anstieg des Meeresspielgel beiträgt sondern das darüberhinaus sich in den letzten Jahren die Sache beschleunigt hat. Weiter wird klar zum Ausdruck gebracht dass man immer noch wenig über die Entwicklung der großen Eisflächen weiss und noch viel weniger, wie der Erdmantel darauf reagiert … ich sag mal so: wenn Experten sagen, daß sie es nicht genau wissen können wir hier nur spekulatieren, soviel Vertrauen habe ich dann doch noch. Jedenfalls wird ausdrücklich bestätigt, das die Eismassen kontinuierlich weniger werden (aber eben Faktor 2 weniger als bisher angenommen), sowie daß der Vorgang und der Beitrag zur Zunahme des Meeresspiegels sich beschleunigt.

  7. @ swieder

    In dem Artikel wird die von Dir gemachte Aussagen aber gerade nicht getroffen.

    ach, nein?

    …the Earth’s mantle is viscoelastic and therefore responds to changes in surface loading with a long
    delay. Indeed, the variations of the mass and extent of the ice sheets since the Last Glacial Maximum, about 20,000 years ago, continue to affect present-day changes in bedrock elevation.

    und noch weiter

    an excessive part of the geodetic signal may have been ascribed to modern ice-mass loss in previous studies.

    Vielleicht haben sie das nicht verstanden? Ich will ihnen das mal erklären. Wenn der Boden unter dem Eis sinkt, misst GPS ständig weniger Höhe. Ein weiterer Faktor ist, dass mit dem Absinken einzelner Gebiete andere zwangsweise aufsteigen müssen. Dies führt zum Ansteigen des Meeresspiegels, ohne dass nur ein Gramm Eis schmelzen muss.
    Da mann aber den Meeresboden nicht so vermessen kann wie die Landoberflächen, bestehen darüber große Unsicherheiten.
    Niemand behauptet, dass nach der letzen Eiszeit die Gletscher nicht weiter abschmelzen. Was erwarten sie denn, wenn es nach einer Kaltzeit wieder hin zu für uns normalen Temperaturen geht -- dass sie zunehmen? Keine seriöse Messung zeigt jedoch einen signifikanten, beschleunigten Anstieg der Schmelzraten, bzw des Meeresspiegels- und wo bitte weisen die Autoren im Artikel darauf hin? Habe ich was überlesen? Im Artikel wird ein Beitrag von ca. 0,3mm/a zum Meeresspiegel genannt. Das sind 30cm in 100 Jahren. Die vielfach behauptete Beschleunigung beruht doch gerade auf den früheren Studien, welche die doppelte Schmelzrate suggerieren, der Zahn sollte also beginnen zu wackeln…
    Sprechen wir eigentlich vom selben Artikel?
    Eines haben sie sicher erkannt: Der Artikel spricht ganz klar von Unsicherheiten (ganz normal für so eine komlexe Wissenschaft), deren Grenzen von Alarmisten nur allzu gut ausgenutzt werden, um die nahende Sintflut zu predigen.

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