Hörtipp: Gen-Mikroben auf unserer Haut

1. September 2014 | Von | Kategorie: Blog, Ernährung, Gentechnik, Gesundheit

mahlzeitGefühlt viel zu selten weise ich hier auf die hervorragende Kolumne „Mahlzeit“ von Udo Pollmer im Deutschlandradio Kultur hin. Dort klärt der auch als Enfant terrible der Ernährungswissenschaft“ bezeichnete Lebensmittelchemiker regelmäßig über Mythen und Trugschlüsse bei der Ernährung, aber auch bei vielen anderen Themen zur Bio-Landwirtschaft oder anderen Umweltschutz-Themen auf. Seine Sendungen gibt es bei Deutschlandradio Kultur zum Nachlesen und Nachhören.

In der jüngsten Ausgabe geht es um die grüne Gentechnik. Vielmehr darum, warum gerade diese verteufelt wird, Gentechnik in anderen Bereichen in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt kein Problem darzustellen scheint. Hier ein Auszug und eine dringende Leseempfehlung:

Ohne Gentechnik bliebe bunte Wäsche für das bloße Auge erkennbar schmuddelig. Moderne Waschmittel enthalten Enzyme, also biologische Katalysatoren, die all die waschtechnisch schwer zu beherrschenden körperlichen Ausscheidungen komplett zerlegen. Diese Enzyme sind ohne Genmanipulation nicht zu haben.

Natürlich verbleiben vom Waschmittel und damit von den Enzymen immer Rückstände in der Kleidung, vor allem bei Öko-Waschmaschinen, die Wasser sparen. So tragen wir die Gentechnik anstandslos auf unserer Haut. Würde ein Politiker vor „unkalkulierbaren Gen-Gefahren aus der Unterhose“ warnen und fordern, fürderhin nur noch weißen Feinripp zu tragen, würden seine Bedenken bestenfalls Heiterkeit auslösen. Die farbenfrohe Wäsche zeigt damit einer ewiggestrigen Ideologie die Rote Karte.

Das Theater um Genmais und Gensoja ist nur eine Kulisse, vor der scheinheilige Umweltschützer so tun können, als würde auf dem Acker die Schöpfung bedroht, während die Mahner selbst Tag für Tag die Leistungen der Gentechnik wissentlich genießen und selbstverständlich nicht darauf verzichten wollen.

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8 Kommentare
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  1. Die Jünger der Ökoreligion hängen ja dauernd in diesem Spagat aus Ideologie, Unwissen, Halbwissen, mangelnder naturwissenschaftlicher Grundbildung und „nachhaltigen Wünschen“. Da wird zum Schutz des Juchtenkäfers in Stuttgart demonstriert und der letzte Käfer von den Demonstranten zertrampelt. Da wird vor dem Waldsterben gewarnt und Angst verbreitet, gleichzeitig werden Windturbinen in den Wald geklotzt. Strahlenangst ohne Ende, aber Fernreisen mit Höhenstrahlung im Flugzeug und Sonnenbad am radioaktiven Sandstrand. Kampf gegen Monokulturen, aber ganze Landstriche mit Mais für Strom. Die Liste ist endlos. Die Angsttrompeter von Dr. Heinz Hug -- ISBN 978-3-7766-8013-3, da wird mancher Unfug gerade gerückt.

  2. Diese kognitive Dissonanz wird ja mit dem bewährten Bauchgefühl begründet, das angeblich die richtige Orientierung vorgibt. Nur gilt das eben nur für soziologische Probleme. Glücklicherweise waren unsere Vorfahren da schon weiter, denn das Bauchgefühl hätte ihnen sagen müssen, niemals so was Gefährliches wie das Feuer anzufassen. Dieses Argument wird dann auch in erster Linie von denen hervorgebracht, die mit MINT wenig am Hut haben. Und davon gibt es inzwischen eine ganze Menge.
    Nur sollte der Udo Pollmer bei all der berechtigten Kritik an den modernen Heuchlern nicht den Fehler machen, in der Argumentation mit ähnlichen Methoden zu arbeiten, denn die produktiven, weil veränderten Mikroben sind in den Enzympräparaten nicht mehr vorhanden und können somit nicht auf die Haut gelangen.

  3. @2: Pollmer redet nicht von den enzymherstellenden Mikrobenrückständen, sondern von Enzymresten, die in der sauberen Wäsche verbleiben.

    MfG

    RM

  4. @3: Die Überschrift suggeriert das aber leider.

  5. @torben #4
    Der markierte Text aber nicht:

    Natürlich verbleiben vom Waschmittel und damit von den Enzymen immer Rückstände in der Kleidung, vor allem bei Öko-Waschmaschinen, die Wasser sparen. So tragen wir die Gentechnik anstandslos auf unserer Haut

  6. Noch eine Ergänzung: Auch in der Medikamentenherstellung spielen gentechnisch veränderte Mikroben eine Rolle, so wird das Humaninsulin für die Diabetiker von gentechnisch veränderten E. coli-Bakterien produziert. Als seinerzeit Joschka Fischer Umweltminister in Hessen war, hat der den Bau einer solchen Fabrik verboten, diese Fabrik wurde dann in Frankreich gebaut.

  7. @ Raimund Moenig
    Ein interessantes Detail ist da, dass nach der Infektion mit EHEC mit Bio-Sprossen 2011 knapp 200 schwere Fälle mit dem aus Mäusezellkulturen gentechnisch hergestellten Immuneiweiß Eculizumab (Soliris) behandelt worden sind. Öko-Jünger, die auf rohe Sprossen stehen, können also, wenn es um die eigene Gesundheit geht, durchaus ein Auge zudrücken bei der Gentechnik.

  8. @Raimund Moenig und Rudolf Kipp
    Ich schätze in Deutschland gibt es ca 150! zugelassene , durch Gentechnik erzeugte Arzneimittel. Neben Stoffwechsel- und immunologischen Erkrankungen werden diese hauptsächlich gegen Krebs- und Blutkrankheiten eingesetzt.
    Es gibt also die „Gengefahr“ nicht nur im Essen oder in der Unterhose sondern selbstverständlich auch in den „bösen“ Arzneimitteln.
    JH

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