Kehraus der Klimapolitik: Das Hartwell-Papier

13. Mai 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Climategate, Energieerzeugung, Klimawandel, Kopenhagen, Politik

Das Dilemma eines jeden Klimaskeptikers ist, das Nichteintreten einer Klimakatastrophe nicht beweisen zu können.  Denn es handelt sich hier um ein Ereignis in der Zukunft, und diese kann man nicht vorhersagen. Die klimapolitische Debatte ist daher auch geprägt von den differierenden Verständnissen der Rolle und der Möglichkeiten naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung. Insbesondere der Forschung, die sich mit komplexen und rückgekoppelten, einer Vielfalt von Einflüssen ausgesetzten Systemen befaßt. Systemen, wie sie die Erde, ihr Energiehaushalt und ihre Klima- und Wetterphänomene darstellen.

Auf die Frage, ob unser Wissen genügt, um Risiken vorhersehen und rechtzeitig die richtigen Maßnahmen zu ihrer Minimierung ergreifen zu können, gibt es je nach Problemstellung unterschiedliche Antworten. Die Kollision eines Fahrzeuges mit einem Hindernis gleich welcher Natur ist (abhängig von seiner Masse und seiner Geschwindigkeit) ab einer bestimmten Annäherung tatsächlich unvermeidbar. Auf dieser Basis können Automaten entscheiden, eine Vollbremsung einleiten (um die Aufprallenergie zu vermindern) und tatsächlich in Zukunft einen Notruf bereits kurz vor dem Unfall absetzen. Ob aber ein bestimmter Fluß zu einem bestimmten Zeitpunkt über seine Ufer tritt und Menschen und Sachwerte gefährdet, ist letztendlich auch durch noch so viel klimawissenschaftliche Erkenntnisse niemals beantwortbar. Und selbst wenn man das im Rahmen der Hypothese von der menschgemachten Erwärmung steigende Risiko einer Überschwemmung durch Gegenmaßnahmen wie Emissionsvermeidung verringert, es wird immer größer als Null sein. Denn der Fluß kann aus einer Vielzahl von Gründen sein Bett verlassen, von denen kaum alle jemals menschlicher Kontrolle unterliegen werden.

Das Hartwell-Papier hat hier seine stärksten Momente. Probleme vom Typ des kollidierenden Autos nennt es „zahm“ („tame“). Solche Herausforderungen können durch den Ansatz der Risikovermeidung gebändigt werden. Fragestellungen vom Typ Klimawandel aber sind „boshaft“ („wicked“), denn was man auch unternimmt, sie erstehen auf tückische Weise immer wieder neu und sind nie endgültig zu beantworten. Das Papier nennt neben der Klimafrage Themen wie Armut, Krebs, Drogen und Terrorismus als typische Beispiele für die Boshaftigkeiten, denen man sich  ohne Hoffnung auf Lösung stellen muß.

Da haben sich also 14 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen, die in unterschiedlichen Zusammenhängen tätig sind, an drei Tagen im Februar im Hartwell House in Buckinghamshire getroffen, um sich über eine Neuausrichtung der Klimapolitik Gedanken zu machen.

Ihre Argumentation beginnt mit einer klaren Beschreibung der realen Situation. Das Scheitern des Kopenhagen-Gipfels hat jegliche Anstrengungen, ein globales Regime zur Emissionsminderung aufzubauen, für die kommenden Jahre (wenn nicht Jahrzehnte) sinnlos werden lassen. Das „zwei Grad Ziel“ ist endgültig obsolet. Climategate und verknüpfte Enthüllungen haben einen großen Vertrauensschwund in Politik, Medien und allgemeiner Öffentlichkeit in die Klimawissenschaft zur Folge. Ein Vertrauensschwund, der zu Recht besteht und ebenfalls auf Jahre hinaus irreparabel sein wird.

Davon ausgehend ruft das Hartwell-Papier einige grundlegende Wahrheiten in Erinnerung, die von der Debatte oft überdeckt wurden und damit aus dem Bewußtsein der Menschen verschwunden zu sein schienen:

  • Jegliche Technologie, und insbesondere die zu Bereitstellung von Energie bzw. Elektrizität, hat aus Nutzersicht robust (verfügbar und verläßlich), sicher und wirtschaftlich zu sein. Nur solche Technologien setzen sich im Marktgeschehen durch, die diese Ansprüche besser erfüllen, als ihre Vorgänger.
  • Technologien robust, verfügbar und verläßlich zu gestalten, bzw. Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen dies geschehen kann, ist eine Frage der Menschenwürde. Denn ein würdiges Leben aus heutiger Sicht ist ein solches, in dem die Versorgung mit Nahrung, Gesundheit, Mobilität und Kommunikation, also letztlich mit Energie, gesichert ist.
  • Wenn also mehr als 1 Milliarde Menschen auf diesem Planeten hungern, wenn mehr als 1,3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Elektrizität haben, wenn Menschen in unterentwickelten Regionen nach wie vor an eigentlich leicht zu behandelnden Krankheiten sterben, dann ist dies das Problem, dem sich die Politik auf globaler Ebene mit höchster Intensität widmen muß. Es kann keine andere Priorität geben. Alles, was man auf globaler Ebene vereinbart, hat sich dieser Fragestellung unterzuordnen.

Als Astronom kennt man die Technik des indirekten Sehens. Man schielt an einem kontrastarmen Objekt im Zentrum des Bildfeldes vorbei, um es letztendlich besser erkennen zu können. Das Hartwell-Papier verwendet ein ähnliches Beispiel aus der Arbeit eines berühmten englischen Landschaftsgärtners, wo Menschen auf indirekten Wegen zu ihrem Ziel geführt werden. Wege, die letztendlich aber effektvoll Freude und Entspannung bereiten.

Es ist diese Form der Strategie, die auch für die Neuausrichtung der Klimapolitik vorgeschlagen wird. Ein eher zahmes Problem, also die Versorgung der Menschen mit Strom, in den Mittelpunkt zu rücken, und auf dem Weg zu dessen Lösung indirekt auch eine Antwort auf die boshafte Klimafrage zu geben.

Es ist ja völlig richtig, den wachsenden Energiehunger der Welt kann man durch fossile Energieträger nicht stillen. Sie werden ausreichen, um den Bedarf der Industrieländer für viele Jahrzehnte zu sichern, aber sie sind unmöglich dazu in der Lage, eine Verdoppelung oder Verdreifachung des Energieumsatzes weltweit bis 2050 darzustellen. Um die Welt mit Energie zu versorgen, sprich die Menschen überall mit Strom und Treibstoffen, sind zwingend neue Technologien, alternative Energielieferanten zu entwickeln. Und die, die man sich vorstellen kann, sind oft frei von Kohlendioxid-Emissionen. Wind- und Sonnenenergie werden im Hartwell-Papier genannt, aber auch Kernenergie und die Nutzung von Pflanzenabfällen (Biomasse der zweiten bzw. dritten Generation). Und es ist auch möglich, durch den technischen Fortschritt Strom aus diesen Energieträgern irgendwann einmal preiswerter darzustellen, als solchen aus Kohle. Und dann haben alternative Quellen nicht nur das Potential, fossile Energieträger zu ergänzen, sondern auch, sie zu substituieren, zu ersetzen.

Auf diese Weise, so das Hartwell-Papier, schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Man löst die Energiefrage und vermindert dabei, als indirekten Nebeneffekt, langfristig die Kohlendioxid-Emissionen. Daß dieser Weg nur als Marktlösung, nur durch den Verzicht auf verzerrende Subventionen, beschritten werden kann, wird im Papier ebenfalls klar benannt.

Nur: Ist das nicht der Weg, den die Welt schon immer genommen hat? Es ist der Weg des technischen Fortschrittes, wie er sich natürlicherweise ergibt. Dieser Weg hat nicht nur dazu geführt, daß man nach Holz und Torf auf Kohle und Erdgas, nach Walöl auf Erdöl und schließlich auf Kernenergie gesetzt hat. In freien Märkten ist immer schon das Gute durch das Bessere ersetzt worden, religiös getriebener Umweltaktivismus ist da eher hinderlich. Der stetige Gang des technischen Fortschrittes hat auch in den entwickelten Industrieländern zur Entkopplung von Energieumsatz und Wertschöpfung geführt. Effizienzsteigerungen unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit sind eine Grundbedingung freier Märkte, um Anbietern von Produkten aller Art das Überleben zu gewährleisten. In der westlichen Welt sind die Steigerung der Wirtschaftsleistung und der Energieumsatz seit mehr als 20 Jahren bereits entkoppelt.

Es bedarf keiner formulierten Klimapolitik, um diese Entwicklung überall auf der Welt weiter zu fördern. Es bedarf einzig einer klugen, auf Liberalisierung und dem freien Spiel der Kräfte beruhenden Wirtschaftspolitik.

Auch der zweite wesentliche Aspekt der neuen Klimapolitik im Sinne der Hartwell-Gruppe, die Anpassung an Veränderungen unserer natürlichen Umwelt, ist ein stetiges Element in der Entwicklung der menschlichen Zivilisation. Denn deren Fortschreiten kann auch unter dem Blickwinkel einer immer größeren Unabhängigkeit von destruktiven natürlichen Einflüssen und einer immer größeren Nutzung der Möglichkeiten, die die Natur uns bietet, verstanden werden.

Das Hartwell-Papier fordert als dritte Säule, die Kohlendioxid-Emissionen dann doch nicht so ganz außer Acht zu lassen. Die Wirkungslosigkeit des Kyoto-Protokolls und der etablierten oder geplanten Emissionshandelssysteme wird klar und eindeutig beschrieben. Eine geringe Karbonsteuer, gering genug, um das Wirtschaftswachstum nicht zu bremsen, wird als Ersatz empfohlen.

Vergessen aber haben die 14 Wissenschaftler an dieser Stelle, daß die Karbonsteuer im Prinzip bereits existiert. In Deutschland beispielsweise werden Energieträger aller Art auf unterschiedliche Weise besteuert, neben der Mehrwertsteuer kann man Mineralöl- und Ökosteuern anführen aber auch die Zwangsabgaben zur Subventionierung von Alternativen wie Wind oder Sonne.

Letztendlich ist die neue Klimapolitik, die das Hartwell-Papier formuliert, schlicht und einfach keine Klimapolitik. Und das ist erstens intellektuell brillant begründet und zweitens auch folgerichtig.

Denn der Sündenfall der Klimaforschung war und ist es, die Herausforderungen mutmaßlich anthropogener Klimaveränderungen als zahmes Problem darzustellen, dem man durch eine einfache, direkte und simple Maßnahme wie der Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen begegnen könne. Im Angesicht der wissenschaftlichen Unwägbarkeiten bezüglich aller anderen Klimatreiber, seien sie anthropogen oder natürlich, konnte dies nur geschehen, weil wertegetriebene mit rationalen Argumenten unzulässig verknüpft wurden. Die Klimafrage war und ist nur für eine bestimmte Klientel die Mutter aller Fragen. Für die Ökologisten, die damit eine Veränderung des Menschen an sich durchsetzen wollten. Zugunsten quasi-theologischer Vorstellungen von einer Mutter Natur, der unabhängige, eigene Rechte zugewiesen wurden. Und wenn es auch nur das Recht auf konstante Temperaturen unabhängig von menschlichen Einflüssen ist. Der Absolutheitsanspruch, jegliche andere Fragestellung allein als Unteraspekt der Klimaproblematik behandeln zu dürfen, sei sie zahm oder boshaft, sei sie hinsichtlich Energie, Mobilität oder gar Fortpflanzung, liegt im Wesen solcher Vermischungen von Wertvorstellungen und Rationalität.

Es gilt aus Sicht der Klimaskeptiker nicht, den Versuch zu unternehmen, das Nichteintreten der Klimakatastrophe zu beweisen. Es gilt, diese Verknüpfung zwischen einer Wertvorstellung und einer rationalen Problembeschreibung zu zerbrechen. Denn eine Politik, die auf  dieser Basis Maßnahmen ergreift, wird erstens scheitern und zweitens bis zu diesem Zeitpunkt erheblichen Schaden anrichten. Beides ist bereits geschehen. Nun sind die Scherben aufzuwischen. Das Hartwell-Papier liefert den Besen dazu.

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10 Kommentare
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  1. Hallo Herr Heller,

    Ihre Art aktuelle Probleme aufzugreifen, die Art diese dann auch verständlich zu gliedern, Fragen und Antworten zu provozieren, gefällt mir.

    Warum soll es das Dilemma eines (Klima-)Skeptikers sein, das Nichteintreten einer vagen Prophezeiung nicht beweisen zu können? Ist es nicht vielmehr so, dass die Beweislast und -not bei den Katastrophenkündern liegt? Wie will man die Irrelevanz einer Vermutung(Prognose) beweisen, wenn diese Vermutung selbst nicht beweisbar ist? Würde da ein Skeptiker nicht selber zum „Propheten“ und sich nahtlos in den Kreis der „Spökenkieker“ einreihen? Ein Skeptiker hat nach meiner Definition eine Erwartungshaltung, was den Wahrheitsnachweis betrifft und sieht hinter einer Behauptung grundsätzlich ein Fragezeichen. Theorie und Skepsis sind die Triebfedern der Wissenschaft und lassen sich auch unter den Begriff „Neugier“ definieren. Würde man aus der Wissenschaft die Skepsis eliminieren, bliebe nur die Sackgasse der Lehre eines Glaubens/Dogmas. Offensichtlich sind wir in Bezug auf das Klima auf dem besten Wege in dieser Sackgasse zu landen.

    Spätestens hier stellt sich die Frage, was hinter dieser Art von „wissenschaftlichem“ Gehabe und der daran gekoppelten Politik steht. Ist es der uralte Kampf um die Vormachtstellung selbsternannter Eliten unterschiedlicher Couleur? Oder doch nur primitiver Futterneid und die Angst es könnte nicht für Alle reichen? Es könnte aber auch die Hinwendung zu einer Art „neuer Rassismus“ sein –wir hier die „Entwickelten“ und ihr dort die „Niederen“-.

    Wenn also mehr als 1 Milliarde Menschen auf diesem Planeten hungern,

    Dann darf gefragt werden, ob tatsächlich der qualifizierte Wille vorhanden ist, diesen Menschen zu helfen sich selbst ausreichend zu ernähren. Wenn man betrachtet, welche Wirtschaftszweige und Organisationen sich rund um diese Not aufgebaut haben, so darf sicherlich an diesem „Willen“ gezweifelt werden. Hier wurden und werden immer noch rund um diese Not selbstbefriedigende und finanziell gut dotierte „Existenzen“ aufgebaut. Wo würden diese „selbstlosen“ Helfer hingehen, wenn die Hungernden keiner Hilfe mehr bedürften und selbst in einen, wenn auch nur bescheidenen, Wohlstand hineinwachsen würden? Nicht auszudenken, die staatlichen Gelder und akquirierten Spenden in Mrd.-Höhe würden nicht mehr fließen. Es wäre niemand mehr da, an dem diese „Existenzen“ ihren Edelmut austoben könnten. Dann schon lieber „sporadisch füttern“ und so die Vorzeigeobjekte zur eigenen Existenzsicherung erhalten.

    wenn mehr als 1,3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Elektrizität haben,

    Auch hier erhebt sich die Frage nach dem qualifizierten Willen. Nach dem heutigen Stand der Technik ist es ohne große Anstrengung möglich eine, wenn auch „nur“ dezentrale Lösung und, wenn es denn unbedingt sein muss, unter Einbeziehung von Wind und Sonne, zu installieren. Was spricht denn wirklich dagegen, wenn für den Fall, dass Wind und Sonne schlafen ein Dieselaggregat die Versorgung übernimmt. Da wird keine riesige Infrastruktur gebraucht. Es genügt eine halbwegs befahrbare Piste. Wenn die Leute erst mal eine sichere Grundversorgung haben und eigene kleine Gewerbebetriebe gründen können, werden sie auch eigene Wege finden die Versorgung weiter auszubauen. Da ist eine „grünmenschliche“ Bevormundung nicht von Nöten.

    Aber statt das über 100 Jahre in Sachen Elektrifizierung erworbene Wissen und die in Kriegszeiten erprobte Technik der Notversorgung zu transferieren und den bedürftigen Menschen ehrlich zu helfen ergeht sich die ökologistische Mischpoke in
    menschenverachtender Besserwisserei und spielt sich als Beschützer der Welt auf. Es sind die Gleichen, die sich wie Herrenmenschen gebären und die Armen der „dritten Welt“ dazu zwingen wollen in ihrer teilweise hoffnungslosen Situation zu verharren, weil es so besser für die Welt und die Zukunft der „elitären Gutmenschen“ und deren Weiterentwicklung ist.

    Nein, man will nicht wirklich helfen. Die armen Völker und deren Menschen werden als Dokumentation der eigenen Größe und Herrlichkeit benötigt. Der Kolonialismus der Vergangenheit war gegenüber dem, was den Ökologisten vorschwebt, noch ein hoffnungsvolles Zeitalter.

    wenn Menschen in unterentwickelten Regionen nach wie vor an eigentlich leicht zu behandelnden Krankheiten sterben,

    Auch hier sei wiederum die Frage nach dem Willen erlaubt. Warum –sarkastisch- gefragt soll diesen Menschen geholfen werden? Jeder, der eine „eigentlich leicht zu behandelnde Krankheit“ überlebt, birgt in sich das Potential, sich zu vermehren und somit die „Masse“ der Weltbevölkerung zu erhöhen und den Lebensraum für die selbsternannte Elite einzuengen. Diese Menschen könnten ja nach Wohlstand und Selbstbestimmung trachten und sich als Konkurrenten erweisen. Und außerdem, wie will man da noch eine Reduzierung der Weltbevölkerung bewerkstelligen. Man wäre ja dann zu anderen und drastischeren Mitteln gezwungen.
    Wie sagte doch Herbert Gruhl, einer der Vordenker dieser „grünen Eliten“? ** 2 Mio sind genug. Mehr verträgt die Erde nicht, wenn jeder in Wohlstand leben will**.
    Dies hat sich bei einigen Gefolgsleuten offenbar derart festgesetzt, dass man schlichtweg das Kotzen kriegen könnte, wenn man nur an die Methoden der Bevölkerungsreduzierung denkt, die da in einigen, leider auch prominenten, Köpfen rumspuken.
    Es erübrigt sich hier wohl die Frage, warum hochwirksame Medikamente, die gewissen Hilfsorganisationen für bestimmte Zielgebiete übergeben wurden, plötzlich in ganz anderen Regionen auf dem schwarzen Markt auftauchen. Davon hört und liest man nichts in unseren Medien, sondern erfährt dies nur von Menschen, denen diese Medikamente avisiert wurden.

    dann ist dies das Problem, dem sich die Politik auf globaler Ebene mit höchster Intensität widmen muß. Es kann keine andere Priorität geben. Alles, was man auf globaler Ebene vereinbart, hat sich dieser Fragestellung unterzuordnen.

    Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.
    Offensichtlich scheint aber der Wille nach dieser Priorität zu handeln, wenig ausgeprägt bei „unseren Politikern“ zu sein. Anstatt die Not und das Elend von Mrd. Menschen zum „gemeinsamen Feindbild“ zu artikulieren und entsprechend zu handeln und zu zeigen, dass man in der Lage ist hier und heute anstehende Probleme erfolgreich anzugehen, ergeht man sich, zumindest im „Westen“, in imaginäre Zukunftskatastrophen.
    Ein kluger Kopf (ich weiß nicht mehr welcher) sagte einmal: **Wer die Gegenwart nicht bewältigt, hat die Zukunft bereits verloren.**

    Klima hin, Klima her. Solange sich Politiker als Allwissende aufspielen, Wissenschaftler glauben ihre politischen Wachträume ausleben zu müssen und beide gemeinsam glauben eine sakrosankte Elite zu bilden wird auch kein echtes Problem gelöst werden können. Zukunftsfantasien sind nichts anderes als Ablenkungsmanöver vor ungelösten Fragen der Gegenwart. Ein beliebtes Spiel seit uralter Zeit. Es wird eine Leistung in der Gegenwart verlangt für ein vages Versprechen in die Zukunft, in der Hoffnung, dass niemand Erfüllung mehr einklagen kann oder wird. Immer schön nach dem Motto: **sei schön fromm und zahl deinen Ablass, dann winkt dir das Himmelreich und der alte Mann da Oben gibt dir persönlich die Hand.
    Vulgär ausgedrückt: **Selig die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer mehr**.

    meint der Geist aus dem Moos

  2. Danke für die ausführliche und unterstützende Replik, lieber Moosgeist.

    Zum Dilemma: Diese Aussage in meinem Text bezieht sich auf die Nutzung des Vorsorgeprinzips durch die Alarmisten. Man verwendet ein sehr kleines Risiko und multipliziert dieses mit einem sehr hohen Schaden (dem Weltuntergang, also Schaden=unendlich). „Sehr wenig“ mal „unendlich“ ist aber immer noch unendlich. Aus dieser Mathematik leitet man den Zwang zu einer Reaktion ab. Und auf dieser Basis dreht man die Beweislast um. Denn nur wenn das sehr kleine Risiko mit absoluter Gewissheit gleich Null ist, ist im Rahmen des Vorsorgeprinzips Nichthandeln statthaft.

    Die Argumentationslinie der Skeptiker müßte also eigentlich sein: Mit euren Maßnahmen reduziert ihr „sehr klein“ auf „sehr, sehr klein“. „Sehr, sehr klein“ mal „unendlich“ ist aber immer noch „unendlich“. Ihr habt also in Wahrheit nichts gewonnen. Und da dies so ist, und da ihr nicht so blöde seid, das nicht zu verstehen, habt ihr in Wahrheit andere (wertegetriebene) Motive.

    Hinzu kommt, so das Hartwell-Papier, das in der Realität keine der alarmistischen Ideen jemals irgendwann irgendwo irgendein Gramm CO2 vermieden hat. Ihr habt es also noch nicht einmal geschafft, „sehr klein“ auf „sehr, sehr klein“ zu reduzieren. Wenn ihr aber trotzdem so weitermachen wollt, dann ist eindeutig bewiesen, daß ihr nicht die Rettung der Welt, sondern nur deren Umbau in eurem Sinne zum Ziel habt.

    M.a.W.: Statt an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu zweifeln, und damit in die Falle der Alarmisten (das Dilemma) zu tappen, ist es besser, sie mit ihrem eigenen Dilemma zu konfrontieren.

    Und das leistet das Hartwell-Papier in genialer Weise.

  3. http://pgosselin.wordpress.com/2010/05/15/schellnhuber-scepticism-is-anti-science/

  4. Hallo Herr Heller

    Nutzung des Vorsorgeprinzips durch die Alarmisten

    Dazu fällt mir eine kleine Episode ein, die seinerzeit an den Seefahrtsschulen gerne kolportiert wurde:
    Der Dozent fragt den angehenden Steuermann: „Ihr Schiff liegt auf Reede vor Anker und es kommt Sturm auf. Wie sorgen Sie vor, damit das Schiff nicht abtreibt“
    Antwort: „2. Anker ausbringen.“
    Frage: „Der Sturm wird stärker. Was machen Sie?“
    Antwort: „Noch einen Anker ausbringen“
    Frage: „Der Sturm wird zum Orkan. Was machen Sie?“
    Antwort: „Noch einen Anker ausbringen“
    Frage: „Der Orkan wird stärker. Was machen Sie?“
    Antwort: „Noch einen Anker ausbringen“
    So geht es einige Zeit hin und her, bis der Dozent sagt: „Mann, so viele Anker gibt es garnicht auf dem Schiff.“
    Darauf der angehende Steuermann: „Richtig, aber so viel Wind gibt es auch nicht auf dem Meer“
    Die richtige Antwort wäre gewesen: Stand by an der Maschine und ggf. mit Maschinenkraft das Schiff gegen den Wind halten.

    Etwas modifiziert könnte dies auch auf die Klimadebatte passen. Man tausche den Wind gegen AGW und die Anker gegen CO2-Reduzierung. Die richtige Antwort wäre dann: *Holzauge sei wachsam und flexibel auf die tatsächliche Situation reagieren.*

    Die von Ihnen dargelegte Mathematik der Alarmisten erscheint mir doch recht diffus. Perfid ist sie ohnehin.
    Wohlgemerkt, ich meine nicht Ihre Darlegung, sondern die Anwendung durch die Alarmisten.
    Eine simple Multiplikation „Risiko (=Wahrscheinlichkeit) x Unendlich (=Schaden)“,
    mag zwar eine schöne Alarmsirene sein, aber wie sieht diese Rechnung aus, wenn ich „Risiko“ definiere und korrekterweise auch den Irrtum mit einbeziehe? Risiko bedeutet nunmal Alles = 1 bis Nichts = 0. Spätesten hier wird dieses Spielchen ad absurdum geführt. Denn 0 x Unendlich bleibt auch Null. Nehme ich dann noch den Faktor (=Zukunft) in die Rechnung auf, wird diese Rechnung erst komplett, und macht dieses perfide Konstrukt erst richtig deutlich. Mit anderen Worten, es bleibt ein unendlicher Schaden, der in unendlicher Zeit (oder Nie) auftreten KANN. Wir haben also die reale Mathematik verlassen und gehen in die Philosophie über und befinden uns auf direktem Wege zur Ideologie bzw. Religion. Da aber seit alters her Religionen und Ideologien die Politik beherrschen sind wir auf dem Punkt der sog. Klimapolitik gelandet.

    Was macht es eigentlich für einen Sinn, sämtliche Ressourcen eingleisig in einem Vorsorgewahn zu verbraten um dann im Ernstfall über keine Mittel mehr zu verfügen, den tatsächlichen Gefahren mit der erforderlichen Flexibilität entgegen zu wirken?

    meint der Geist aus dem Moos

  5. Lieber Herr Moosgeist,
    Ihre Aussage:

    Was macht es eigentlich für einen Sinn, sämtliche Ressourcen eingleisig in einem Vorsorgewahn zu verbraten um dann im Ernstfall über keine Mittel mehr zu verfügen, den tatsächlichen Gefahren mit der erforderlichen Flexibilität entgegen zu wirken?

    macht nur Sinn für Menschen die selbstkritisch und skeptisch eingestellt sind.
    Für Menschen die „wissen“, dass sie Recht haben, macht diese Aussage keinen Sinn. Denn es gibt in deren Welt nur das Szenario in dem sie Recht haben.
    Übrigens „wissen“ diese Menschen immer, dass sie Recht haben. Menschen ohne Selbstkritik erkennt man oft an ihren „ad hominem“ Argumenten. Jemand der selbstkritisch ist, wird meiner Erfahrung nach auch andere Menschen stärker respektieren und auf „ad hominem“ Argumente verzichten.
    Meiner Erfahrung nach tun sich Menschen schwer damit mehr als ein Szenario als möglich anzusehen. Das ist unabhängig von der Ausbildung. Sie treffen deshalb eine Wahl und suchen zunächst nur Argumente die für ihr Szenario sprechen. Argumente die gegen das Szenario sprechen werden dadurch zunächst unterdrückt. Siehe Änderung der Wolkenbedeckung als Ursache für einen Teil der Erwärmung im 20. Jahrhundert.
    Mit echten Zukunftsforschern wie Herrn Heller, der parallel mehrere mögliche Szenarien bewertet und Massnahmen vorschlägt, kann kaum jemand umgehen. Da Herr Heller aufdeckt, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, wird er angefeindet. Ist eine übliche Reaktion. Mit dieser Reaktion muss jeder Unternehmensberater bei jedem Auftrag kämpfen.
    Nehmen sie die Aussage eines Beitrags auf R-E, herr heller wäre rückwärtsgewand. Er hat Herrn Heller nicht verstanden und kommt mit verkappten „ad hominem“ Argumenten. Er hat nicht verstanden, dass Herr Heller und das Hartwell-Papier ein Szenario bewertet haben, dass zwar in 2085 die Bundesrepublik mit Photovoltaik versorgt, weil wir es uns leisten können, aber in Afrika die Menschen immer noch nur Moskitonetze als Schutz gegen Malaria haben, und davon nicht genug, und im Sudan weiterhin Menschen verhungern, obwohl sich die Erde nur um 1.85°C erwärmt hat und die Mitteltemperatur im Sudan sogar zurückgegangen ist. Von einer effizienten Energieversorgung für Alle ganz zu schweigen. Ich stimme Ihnen zu. Die Lösung ist eben nicht, bestimmte Energien oder Techniken planwirtschaftlich zu subventionieren, sondern wettbewerblich zu forschen. Effiziente Technologien sollten dann zum Einsatz gebracht werden, wenn es wirtschaftlich ist und nicht solange es unwirtschaftlich ist. Im Übrigen passiert das ja global gesehen auch nicht, denn die Kohle die da ist wird ja auch verbrannt.
    Ein mögliches Szenario: Schanghai wird irgendwann nur mit Elektroautos fahren. Das erhöht die Stadtqualität. Die Akkus wird man dann auch anteilsweise mit Windenergie und Photovoltaik auffüllen. Ihre exportorientierte Halbleiter- und Solarzellenindustrie, etc werden die Chinesen aber unter Umständen mit Kohle- und Kernkraftwerken versorgen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Überlastspitzen werden in die Akkus gefüllt. Damit kriegen sie ein stabiles Stromnetz, das für Industrie mit hohem Maschineninvest notwendig ist. 2001 waren die stabilsten Stromnetze nach der weltweiten Recherche meiner damaligen Firma in Deutschland und Singapur und damit ein Standortvorteil. Wie gesagt, nur ein Szenario.
    Wie war noch die Aussage von dem chinesischen Premierminister. Der kategorische Imperativ gilt ja nicht für China.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  6. Dieses Papier wird ja in den verschiedensten „Foren“ diskutiert -- für den Fall, dass es untergegangen ist, bei der Klimazwiebel gibt es eine Antwort eines der Autoren (Reiner Grundmann) auf diesen Artikel hier.

  7. Ja, Herr Müller.

    Ich akzeptiere Grundmann’s Erläuterungen zur Karbonsteuer. Schließlich hat er das Papier mitverfaßt und weiß daher am besten, was wie gemeint ist.

    Ich bin erstmal (aufgrund meines Staatsverständnisses, völlig unabhängig von Klimafragen) gegen jede zusätzliche Steuer. Ich denke aber, die Karbonsteuer kann interessant sein, wenn sie tatsächlich zweckgebunden eingesetzt wird (was in Deutschland meines Wissens nach nicht so ohne weiteres möglich ist) und den Emissionshandel ersetzt (der dann also abgeschafft werden müßte).

    Ich habe mir da selbst noch kein endgültiges Urteil gebildet, es hängt letztendlich von den Details ab. Man müßte die Karbonsteuer mal als Gesetz konkret ausformulieren, dann könnte man weiterdiskutieren.

  8. Hmm, ich lese nur „Erneuerbare Energien“ und „Carbonsteuer“, der Rest möge ja irgendwie sinnvoll klingen aber dient doch nur wieder einem Zweck.

    Man will mit aller Gewalt eine inneffktive Energieversorgung aufbauen die ohne Subvention nie funktionieren wird, maximal durch künstliche Verteuerung der Konventionellen halbwegs Konkurrenzfähig wird (siehe Brennelementesteuer).
    Bei den ganzen netten Betrachtungen und der inflationären Studienflut (100% EE Bis 2050) übersieht man den Kostenfaktor und die gewaltigen Investitionen die auf uns zukommen werden.
    Bisher haben die ganzen tollen EE kein einziges Großkraftwerk ablösen können (max. etwas Brennstoff), das virtuelle Kraftwerk ist ein schlechter Witz, die Energiemengen für das „intelligente Netz“ gewaltig, der Ausbau des Überlandnetzes bis hin zum Ortsnetz unüberschaubar und trotzdem faseln uns „Wirtschaftswissenschaftler“ und Soziologen eine Machbarkeit herbei, die es so nie geben wird.

    Carbonsteuer………..ja ne is klar, darum geht es doch nur beim Klimawandel, eine neue Einnahmequelle für Regierungen die genauso im Sand versickern wird wie alle anderen Steuern auch und den Bürger auch noch zusätzlich belastet.

    Langsam sieht man ein, das man mit dem AGW niemand mehr hinter dem Sofa hervorlocken kann, dann benutzt man eben die „Rohstoff-Endlichkeit/Mangel“ um den Unsinn weiter bis zur Unendlichkeit treiben zu können.
    Nebenbei begeben wir uns dann in neue Abhängigkeiten (Gas, Wasserspeicher) die einer halbwegs autarken Energieversorgung völlig im Weg stehen wird.

    CO2 ist das ideale Gas um den Völkern auch noch den letzten Mist unterjubeln zu können, deshalb auch die mühseligen Verteidigungen im Rahmen des Climate-Gates, die bei mir nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen.
    Die selben Netzwerke die sich bisher inzestiös gegenseitig gestützt haben, bescheinigen jetzt ihren Kumpels von der Klimafront den einwandfreien Ruf, sorry ich ziehe mir meine Hosen immer noch nicht mit der Kneifzange an.

    MfG
    Heinz Eng

  9. Ach, noch ein kleiner Nachtrag.

    Ein Punkt der überhaupt nicht beachtet wird ist die Finanzkrise, die wir noch lange nicht überstanden haben und die am Ende die EU- Kommisionsdiktatur zerfetzen könnte und auch vor künftigen Bürgeraufständen ist schon gelegentlich die Rede, da tritt dann der AGW wirklich in den Hintergrund.
    Weiterhin haben uns gerade in Kopenhagen die Schwellenländer und die USA aufgezeigt, wie blödsinnig die Absichten Europas eigentlich sind, international spielt kaum noch eine Nation unseren Mist mit, wir gelangen über kurz oder lang ins wirtschaftliche Hintertreffen, da werden uns ein paar Miefquirle und Sonnenpaddel auch nicht mehr viel nützen.

    Europa, ein geschlossene Anstalt von Phantasten ohne jegliches Fachwissen, das man aber äusserst überzeugend per Medien unters Volk jubeln kann.

    PS. Meine persönliche Meinung, kann jeder anders sehen, daher nennen wir uns ja noch „Demokratie“ und besitzen eine angebliche „Meinungsfreiheit“……….was seid einigen Tagen einige Raucher wohl nicht mehr so sehen mögen.

    MfG
    Heinz Eng

  10. Ich interpretiere das Hartwell-Papier etwas anders, Herr Eng. Man ist sich der begrenzten Möglichkeiten vieler alternativer Energien durchaus bewußt und weist eben darauf hin, daß diese in der Regel nur in besonderen Nischen, in speziellen Regionen, wirtschaftlich sein können.

    Wie will man ein abgelegenes Dorf im Dschungel denn mit Energie versorgen? Auf ein Stromnetz, wie wir es haben, mit zahlreichen Großkraftwerken, werden die Menschen dort sehr lange warten müssen. Es fehlt nicht nur an Geld, es fehlt auch an allen anderen notwendigen Voraussetzungen (Infrastruktur, Personal).

    Es ist für diese Menschen schon ein bedeutender Fortschritt, durch ein Windrad oder ein paar Solarzellen wenigstens für einige Stunden am Tag Strom zu haben. Auch ein Dieselgenerator würde ja Rahmenbedingungen erfordern, die die regelmäßige und verläßliche Anlieferung von Brennstoff ermöglichen.

    An dieser Stelle ist es eben genau andersherum, wie oft kolportiert: Die „erneuerbaren“ sind die Brücke in die Zukunft, mit Kernkraft, Kohle und Gas.

    Die Carbonsteuer soll laut Hartwell exakt so gestaltet werden, daß sie zwar Einnahmen bringt, aber keine Lenkungswirkung zeigt. Sie müßte also sehr niedrig ausfallen.

    Pielke hat in seinem Blog vor einiger Zeit ein Beispiel für eine solche Carbonsteuer (aus China) zur Verteidigung angeführt. Mit einem solchen System könnte ich mich tatsächlich eher anfreunden, als mit dem Emissionshandel.

    Und schließlich dürfen wir eines nicht vergessen: Gerade unser westliches System, mit Bürokratie und vielen Regulierungen, ist ein entscheidender Standortvorteil. Denn das System stellt Verläßlichkeit für Investoren her und ermöglicht erst sehr große Projekte, wie etwa den Bau eines Kraftwerkes. Im Einzelfall, da gebe ich Ihnen Recht, gibt es Auswüchse. Aber wenn man mal eine Zeit in anderen Ländern war (bspw. Brasilien oder auch Südafrika), dann weiß man es doch zu schätzen, daß wir hier vernünftige Straßen haben, Beamte in Behörden nicht für jeden Kram schmieren müssen, nicht ständig Gefahr laufen, überfallen zu werden und uns auf Strom- und Wasserversorgung verlassen zu können.

    Auch nach meiner Auffassung müssen wir das System verbessern, aber das geht nur dann gut, wenn wir es auch schätzen und schützen. Ein Ende der EU (respektive ein Stocken des Prozesses) und/oder „Bürgeraufstände“ oder ähnliches wären dabei die größere Katastrophe. Das Leben in einer Gemeinschaft ist immer ein Kompromiß.

    Aber ich lebe lieber mit Kompromissen in einer Umgebung, in der ich ständig überall alles kaufen kann (vor allem Nahrung) und nur selten mehr als einige Schritte von sauberem Trinkwasser entfernt bin. Eine Umgebung, in der ich in meiner Freizeit einer Vielzahl von Vergnügungen nach gehen kann und nicht den ganzen Tag in die Augen meiner hungernden Kinder schauen und um das letzte Reiskorn kämpfen muß. Eine Umgebung, die mir jederzeit Zugang zu Informations- und Kommunikationsmedien sowie ein hohes Maß an Mobilität gewährleistet. Ganz zu schweigen von der Steckdosendichte.

    Wir können es besser, keine Frage, aber nur auf der Basis, die wir schon haben. Deswegen sollten wir nicht zerstören, sondern nutzen. Und diese Grundhaltung finde ich auch im Hartwell-Papier.

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