Klimapaket die Zweite – oder was kommt jetzt noch auf uns zu.

19. Juni 2008 | Von | Kategorie: Artikel, Blog
Die beschlossenen Maßnahmen werden auf den Geldbeutel des kleinen Bürgers umgelegt. Photo: Paul-Georg Meister/via pixelio.de

Die beschlossenen Maßnahmen werden auf den Geldbeutel des kleinen Bürgers umgelegt. Photo: Paul-Georg Meister/via pixelio.de

Nun ist es raus: es ist beschlossene Sache, den Deutschen zu noch mehr Sparsamkeit zu erziehen.

Schauen wir uns die nun beschlossenen Maßnahmen etwas genauer an. Dazu benutze ich die korrekte Zusammenfassung bei “Pro-Physik“.

1. ENERGIESPAREN: Bei Neubauten und grundlegender Sanierung von Altbauten soll es schärfere Standards zum Energiesparen geben. Von 2009 an sollen 30 Prozent Kilowattstunden pro Quadratmeter Energie eingespart werden. Dies soll auch für Ein- und Zweifamilienhäuser gelten.”

Hier also wird es besonders die Immobilienbesitzer treffen. Angefangen vom kleinen Eigenheim bis zu großen Wohnungsbaugesellschaften, die jede Menge Geld in die Hand nehmen müssen, um diese staatlichen Auflagen zu erfüllen. Selbst wenn die Vermieter diese Rekonstruktionen durchführen, es sind Modernisierungen, die man anschließend Anteilig (elf Prozent pro Jahr) auf die Miete umlegen darf.
Ob sich die Energieeinsparungen, besonders bei jetzt schon sparsamen Mietern, mit der erhöhten Kaltmiete kompensieren, dürfte fraglich sein.

In der “Welt” fand ich dazu einen interessanten Aspekt, den ich hier einmal zitieren möchte:

“Der zuständige Schornsteinfeger wird künftig kontrollieren, ob diese gesetzlichen Anforderungen bei einer Sanierung erfüllt werden. Falls nicht, gebe es zwar kein Bußgeld. Doch der Schornsteinfeger werde das Versäumnis den Behörden anzeigen müssen, die daraufhin Zwangsgelder erheben können.”

Gewollte Denunziation und Strafen für Nichterfüllung staatlicher Auflagen, hier sollte sich jeder Leser die Konsequenzen dieser Aussage vor Augen halten. Besonders wenn man bedenkt, dass wir in einer Demokratie leben.

2. LKW-MAUT: Die Maut auf Autobahnen steigt laut den Plänen für Lkw über 12 Tonnen von durchschnittlich 15 Cent auf durchschnittlich 16,3 Cent pro Kilometer. Wer mehr Abgas ausstößt, muss mehr zahlen. Spediteure werden zugleich entlastet.”

Klingt im ersten Augenblick ja nicht schlecht, denken wir aber mal ein Schritt weiter.

Es trifft hier wieder mal die deutschen Transportunternehmen am härtesten. Der harte Konkurrenzkampf im Transportwesen, vor allem mit den osteuropäischen Speditionen, hat die Preise schon in den Keller gedrückt. Der hohe Dieselpreis, den ausländische Unternehmen mit größeren Tanks (bis zu 1.000 Liter) und Tanken im Heimatland umgehen können, trägt zu weiteren Wettbewerbsnachteilen bei.
Diese Gründe allein führen schon zu äußerst geringen Gewinnmargen, wo also soll da noch das Geld für einen neuen Fuhrpark herkommen?
Der Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung vermutet sogar, das fünf bis sieben Prozent der Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Dadurch sind direkt deutsche Arbeitsplätze gefährdet, das sollte man bei der derzeitigen Euphorie nie vergessen.

3.STROMNETZE: Die Stromnetze werden ausgebaut, damit sie den höheren Anteil an erneuerbaren Energien transportieren können. Ein Teil soll unterirdisch verlaufen.”

Wenn die Windkraft weiter ausgebaut werden soll, ist diese Maßnahme dringend von Nöten. Die derzeitigen Transportnetze sind jetzt schon an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt, das sogar schon zur zeitweiligen Abschaltung von Windkraftanlagen bei Starkwindlagen geführt hat.

Nun kommt aber der Witz. Damit sich die Bevölkerung nicht noch über die neuen Überlandleitungen beschweren können, sollen die Netzbetreiber gezwungen werden einen Teil der neuen Leitungen unterirdisch zu verlegen. Klingt toll, wird aber verdammt teuer. Ein Kilometer Überlandleitung in Mastbauweise kostet zirka 800.000 Euro, dagegen verachtfachen sich die Investitionen bei der unterirdischen Montage, wo man locker schnell mal auf sechs Millionen Euro pro Kilometer Leitung kommt. Weitere Probleme bestehen bei der Kühlung der unterirdischen Leitungen, die mit technischen Aufwand realisiert werden muss.

Nun könnte jemand sagen, na und die Monopolisten haben doch genügend Gewinne abgeschöpft. Die eigentlichen Konsequenzen sehen aber ganz anders aus. Die Investitionen ins Stromnetz wirken sich direkt auf die Durchleitungsgebühren aus, die am Ende der Stromkunde auf seiner persönlichen Rechnung vorfindet. Das heißt, der Strom wird noch ein bisschen teurer.

Alle beschlossenen Massnahmen sollen die Investitionen in Deutschland ankurbeln, aber den Preis dafür werden mal wieder wir tragen müssen, durch höhere Strompreise, Kaltmieten und den Produkten durch höhere Transportkosten. Selbst das reicht den Grünen aber nicht aus, wie die Vorsitzende Bärbel Höhn so schön formulierte:

“Der größte Teil der 30 Vorhaben wurde aufgegeben, verschoben oder verwässert”, sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn zum zweiten Klimapaket der Bundesregierung gegenüber den Dortmunder ‘Ruhr Nachrichten’. Die Energieeinsparverordnung für Neubauten werde nicht ausreichend überwacht. ‘In der Realität wird das nicht viel bringen. Hier fehlen Kontrollmechanismen und ein Bußgeldkatalog’, sagte Höhn.”

Das ist die Zukunft Deutschlands, wir übernehmen die globale Führung im Klimaschutz, aber zu welchen Preis. Einen nachdenklichen Tag wünsche ich allen Lesern hier noch.

Zuerst erschienen auf Readers Edition am 19. Juni 2008

Ähnliche Beiträge (Automatisch generiert):

Print Friendly

4 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Von Heinz Eng 19. Juni 2008
    Der hohe Dieselpreis, den ausländische Unternehmen mit größeren Tanks (bis zu 1.000 Liter) und Tanken im Heimatland umgehen können, trägt zu weiteren Wettbewerbsnachteilen bei.

    Da möchte ich mal nachfragen, in welchen Nachbarland kann man den noch den Diesel günstiger, wesentlich günstiger kaufen ?

  2. Polen, Luxemburg, Österreich…..

  3. @KLein Udolein

    Wie verzweifelt muss man eigentlich sein, wenn man sich genötigt sieht…..einen 10 Jahre alten Artikel raus zu kramen?

    H.E.

  4. Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf 😉

    Heinz, willkommen in der ddr2.0 , die Sklaven wählen ihre Schlächter auch noch selbst…

    Seehofer, diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden, jene, die entscheiden, sind nicht gewählt…

Schreibe einen Kommentar