Komische Vögel aus dem Norden

31. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Blog

Winterimpressionen2009Es ist Winter. Während ich diese Zeilen schreibe hat es heftig geschneit und das nicht zum ersten Mal in diesem Winter. Schon der letzte Winter ist ein Halbes Grad zu kalt ausgefallen, jedenfalls dem langjährigen Durchschnittswert nach.

Hier und da wurden sogar einige Kälterekorde gebrochen.

Nicht nur der Mensch hat unter der Kälte zu leiden, sondern auch die Tierwelt.

So hat der letzte Winter den Vogelbeständen in der Schweiz und in Deutschland stark zugesetzt. Die Vogelwarte Sempach schätzt, dass etwa 40 Prozent der Eisvögel und 30 Prozent der Schleiereulen im Frühjahr 2009 verhungert sind.

Auch der NABU machte sich aufgrund des kalten Winters Sorgen um den Eisvogelbestand.

In diesem Winter zeichnet sich wieder ein kalter Jahresbeginn ab. Schon im Dezember gab es reichlich Schnee. Z.B. im Norden von Deutschland. Auf der ostfriesischen Insel Langeoog gab es soviel Schnee, wie seit 31 Jahren nicht mehr, wie der Inselarchivar berichtet. Die Kinder rodelten mit Vergnügen die Dünen herunter.

Zur selben Zeit wurde Deutschlands nördlichster Skilift auf dem Bungsberg in der Holsteinischen Schweiz in Betrieb genommen. Schon im Februar 2009 war er, nach dreijähriger Schnee-Pause, erstmals wieder in Betrieb genommen worden. Der Bungsberg ist mit einer Höhe von 168 Metern die höchste Erhebung des nördlichsten Bundeslandes.

Auch die Wetterwarte auf dem Brocken meldete einen Rekord. Mit Minus 21,7 Grad wurde die Kälteste Nacht seit 31 Jahren gemessen.

Auswirkungen auf die Tierwelt

Wenn der Winter hart ist, und draußen in der freien Landschaft die Gräben, Fleete und Seen zugefroren sind, zieht es prächtig gefärbte Eisvögel in die Stadt. Hier ist es oft einige Grad wärmer und sie haben noch Chancen, offene Gewässer für die Jagd zu finden. Dort lauern sie dann auf einen Ansitz, um stoß-tauchend kleine Fische zu erbeuten. Sonst strikte Einzelgänger sitzen sie dann manchmal sogar zu mehreren zusammen um ein Eisloch. Harte Winter können diese Art bis an den Rand des Aussterbens bringen. So konnte ich nicht nur im letzten Winter Eisvögel auf Nahrungssuche beobachten, sondern auch in diesem Winter. Das war in den vorangegangenen Wintern nicht möglich gewesen.

Ein weiterer Gast, der sich in harten Wintern einfindet, ist der Seidenschwanz. Ein starengroßer, gedrungener Vogel mit exotisch anmutender Färbung, aus blau-grau bis kakao-braun, schwarz und ein wenig rot und gelb. Seidenschwänze kommen aus dem hohen Norden. Ihre Masseneinflüge aus Nordeuropa und Sibirien zu uns sind seit dem Spätmittelalter, dem Beginn der so genannten Kleinen Eiszeit, bekannt. Die Invasion dieser Singvögel verhieß den Menschen früher nichts Gutes. In Deutschland galten sie als “Krieg- oder Pestvögel”. Dabei haben es die Beerenfresser nur auf “Vogelbeeren” abgesehen, die nahrhaften Früchte der Eberesche. Mangelt es im Brutgebiet an Nahrung, kann es zu Massenfluchten kommen. Bei uns machen sie sich dann über alle erreichbaren Beeren her.

Im Garten und am Futterhaus sind nun plötzlich Arten zu beobachten, die einem im Frühling oder Sommer gar nicht aufgefallen sind. Neben den bekannten gelb-schwarzen Kohlmeisen und den emsigen Blaumeisen, die jetzt im Winter gerne die Nistkästen der Brutsaison als Nachtquartier nutzen, kommen auch seltenere Meisenarten bis in den Garten wie Weiden- und Sumpf- und Haubenmeise. Unverwechselbar sind die zierlichen Schwanzmeisen mit ihren langen Schwanzfedern.

Neben diesen Exoten versammeln sich auch gewöhnliche Haussperlinge (Spatzen) an den ausgehängten Meisenknödel und an den Futterstellen. In harten Wintern verlieren viele Wildtiere ihre Scheu. So kann man derzeit gut Graureiher beobachten, die an den offenen Wasserstellen verharren und auf Beute warten. Der eine oder andere bleibt dabei auch auf der Stecke. Erst heute konnte ich beobachten, wie ein Graureiher einen anfliegenden Silberreiher von seinem angestammten Fischplatz aus vertrieben hat.

Auch Greifvögel haben es in der kalten Jahreszeit schwer. Man sieht sie derzeitig häufig an den Wegesrändern. Auf Weidezäunen und Bäumen sitzend halten sie Ausschau nach Beute. Auf den verschneiten Wiesen der norddeutschen Tiefebene kann man hingegen Schwäne und Wildgänse beobachten. Neben ihnen finden sich teils Rehe ein. Diese äußerst scheuen Fluchttiere lassen sich derzeit aus nächster Nähe beobachten.

Die Boten des Winters sind eingekehrt und das ungeachtet der drohenden Klimakatastrophe. Auf Kälte, Schnee und Eis müssen sich sowohl Mensch als auch Tier einstellen. Während sich der Mensch anpassen und schützen kann, werden viele Tiere auf der Stecke bleiben. Auf Aktionen wie “Eislöcher für Eisvögel” und “Futterhäuser für Singvögel” wird man vermutlich vergeblich warten. Die Umwelt- und Klimaaktivisten sind anderweitig beschäftigt.

Ich wünsche einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr.

Zuerst erschienen bei Readers Edition

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