Lesetipp: Was ist los mit Deutschland?

11. August 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Ökologismus, Politik

Gefunden auf  „Zettels Raum“:

(…)Es gibt, soweit ich sehe, weltweit keinen anderen demokratischen Staat, dessen politisches Spektrum nur von linksaußen bis zur Mitte reicht; mit einem gähnenden Vakuum auf der Rechten.

Es gibt keinen anderen Staat, in dem die Ökologisten mehr sind als eine kleine Partei von Eiferern. In der Bundesrepublik sind sie eine der drei Volksparteien.

Es gibt kaum einen Staat, in dem der Liberalismus – sei es in Gestalt einer Partei, sei es als Flügel einer großen Partei- nicht eine bedeutende politische Kraft wäre. In Deutschland sind die Liberalen heute eine quantité négligeable.

In dieser Bundesrepublik ist bereits ein konservativer Sozialdemokrat wie Thilo Sarrazin ein Rechtsaußen, dem man abspricht, überhaupt noch zum demokratischen Spektrum zu gehören.

Was ist los mit dieser Aussteigernation? Ich weiß es nicht. Ich habe schlicht keine Erklärung. Ein langfristiger Trend scheidet aus; sonst hätte Schwarzgelb nicht vor weniger als zwei Jahren eine Mehrheit bekommen.

Es kommt mir so vor, als sei diese Nation von einem Taumel erfaßt. So, als hätte man uns eine starke Dosis eines Rauschmittels verabreicht (…)

Hier gibt es den gesamten Text.

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29 Kommentare
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  1. Die Masterfrage lautet nicht links oder rechts, sondern (mehr) Marktwirtschaft oder (mehr) Planwirtschaft,
    sozusagen die Mutter aller Fragen. Deren Schwester nennt sich übrigens Demokratie und Freiheit oder
    Diktatur und Unterdrückung.
    Sehr deutlich wird das beim Eurodesaster. Wenn man vor allem in der Leistungsfähigkeit vollkommen
    unterschiedliche Volkswirtschaften unter einer gemeinsamen Währung zusammenfasst, ist das nichts anderes,
    als würde man einen Einheitspreis für Tomaten festsetzen, egal in welcher Größe oder Qualität sie produziert
    wurden -- Planwirtschaft eben. Am Ende dreht sich das Karussell der Auswüchse immer schneller, um dann
    ziemlich abrupt zu stoppen (siehe 1989). Ähnlich wird es auch mit der Subventionsorgie auf dem Energiesektor
    passieren. Wenn z.B. den Eigentümern von EnBW , den Bürgern des Landes, erst einmal klar geworden ist,
    dass im Landeshaushalt eine Position ganz plötzlich von der Haben- auf die Sollseite gewechselt ist, werden
    Kretschmann und sein Landschaftsarchitekt, pardon Energieminister Untersteller auch wieder wechseln
    (in die Opposition). Fast noch unbemerkt wachsen im Hintergrund jedenfalls schon wieder die ersten liberalen
    Pflänzchen: http://www.frank-schaeffler.de/

  2. @Mueller #1

    Marktwirtschaft oder (mehr) Planwirtschaft, sozusagen die Mutter aller Fragen

    Dabei hat man hier, wie sich immer wieder erweist, gar keine freie Wahl. Weniger Markt kann es genausowenig geben wie im biologischen Leben weniger Evolution; die Wahl besteht nur darin, das zu erkennen und das beste daraus zu machen (freie Marktwirtschaft) oder zu versuchen diese einfache Tatsache zu ignorieren und ohne Rücksicht darauf loszuwursteln (Planwirtschaft). Leider haben sich unsere Repräsentanten fast alle im Konsens für die zweite Möglichkeit entschieden.

    Da diese Möglichkeit aber im Widerspruch zur natürlichen Entwicklung steht, läßt sie sich mittelfristig nur mit Zwang, Unfreiheit und Etikettenschwindel realisieren (siehe DDR), langfristig überhaupt nicht. Gerade im Moment können wir sehen, daß planende Eingriffe in den Markt, die seine Dynamik nicht begreifen oder in Betracht ziehen, völlig kontraproduktive Resultate nach sich ziehen können.

  3. Jetzt haben wir mal ein richtig politisches Thema. Das müssen wir aber, so denke ich, von mehreren Seiten beleuchten. Zum einen ist es das Fehlen einer richtig konservativen Partei, auf der anderen Seite das Vorhandensein von grünem Gedankengut quer durch alle Parteien.

    Die Grünen als Partei haben ja, vereinfacht gesagt, zwei Wurzeln. Die spezielle Naturromantik der Deutschen und linke Systemkritik, das was von den 68ern übrig geblieben ist. Diese Janusköpfigkeit der Grünen hat es ihnen aber praktisch ermöglicht, eine breitere Bewegung zu werden, weil jeder nur den Teil des Kopfes sehen will, der einem genehm ist.

    Linke Systemkritiker nehmen die Naturromantik hin, und da sie sowieso von der Ungerechtigkeit des kapitalistischen Systems überzeugt sind, übertragen diese Denke gleich auf die ganze Erde: Industriestaaten beuten die Ressourcen aus, zu Lasten derer, die diese Möglichkeit nicht haben. Da Klassenkampf im nationalen Rahmen wenig populär ist, versucht man dies eben im international, im grünen Deckmäntelchen.

    Da die Naturromantik bei den Deutschen so tief verwurzelt ist, Canetti schrieb in diesem Zusammenhang vom „Waldgefühl“ das in keinem modernen Land der Welt so lebendig geblieben ist wie bei den Deutschen, hat es den Grünen ermöglicht ihr linkes Gedankengut quasi im Rucksack in die gute Stube deutscher Bürgerlichkeit zu tragen. Wobei bei den Grünen natürlich auch rechte Strömungen vorhanden sind, und ihre Programm faschistische Züge hat.

    Dieses Konglomerat aus verschiedenen Ideologien, und quasi religiösen Überzeugungen, verbunden mit einer Heilserwartung, hat die Deutschen in ihren Bann gezogen. Die Holländer zum Beispiel, sonst uns in vielem sehr ähnlich, sind nicht so anfällig auf diese speziell deutsche Mischung von Überzeugungen und Ideologien, da bei ihnen die Naturromantik keine große Rolle spielt. Sie haben eher ein pragmatisches Verhältnis zur Natur, haben ihr Land ja auch zu weiten Teilen dem Meer abgerungen.

    …. Ich höre jetzt hier aus, eigentlich sollte es jetzt weiter gehen, hin zu den zu erwartenden Veränderungen in der politischen Landschaft Deutschlands, doch das wird für einen Kommentar zu viel. Vielleicht mache ich noch mal einen Artikel daraus, quasi als Antwort auf die Gedanken Zettels. Oder führe diesen Kommentar hier später fort. Werde gerade dringend von den Kindern gebraucht.

  4. @Fluminist

    Erschreckend, dass man diese Frage in einem Land nach einem 40 Jahre dauernden Feldversuch mit
    beiden parallel laufenden Wirtschaftssystemen überhaupt noch stellen muss.

  5. Fortsetzung zu #3

    Dass die Grünen eine so starke Position in Deutschland erreicht hat ist, wie oben aufgeführt, auf besondere deutsche Befindlichkeiten zurück zu führen. Das erklärt aber nicht, warum die Liberalen derzeit im Keller herum kriechen. Auch nicht, warum es keine wirklich große konservative Partei in Deutschland gibt. Ob es die CDU jemals gewesen ist, bin ich mir nicht so sicher. Das aber auf der rechten Seite des Parteienspektrums viel brach liegt ist offensichtlich. Der Verkaufserfolg und die Aufregung um Sarrazins Buch sind ein Indikator dafür. Doch gleichzeitig hat man auch Probleme mit der eigenen Identität, zu sagen, man weiß nicht recht was man mit der Beizeichnung ein Deutscher zu sein anfangen soll. Für manche hat es schon etwas anrüchiges, anderen fehlt ein sinnstiftendes und verbindendes Symbol.

    Nach dem Krieg entstand so ein Massensymbol der Deutschen, da alle andern abgenutzt oder negativ besetzt waren. Dies war das Wirtschaftswunder und damit die D-Mark. Durch den Erfolg dieser Währung kanalisierte sich der Nationalstolz dahin. Das war unverdächtig, man brauchte sich für nichts zu schämen. Dieser Stolz darauf ist immer noch vorhanden und die Sehnsucht nach diesem Symbol des Erfolges und der nationalen Auferstehung auch. Eine neue Partei die sich europakritisch darzustellen vermag, dabei Deutschtümelei vermeidet, wird kommen, oder diese Strömungen werden von bestehenden Parteien aufgegriffen. Ihr werdet vielleicht lachen, aber ich traue der Merkel eine solche Wende zu, Opportunistin genug ist sie dafür, ich würde mich arg wunden, wenn sie nicht schon mit diesem Gedanken spielt. Freilich erst, wenn sie sich hinstellen kann um zu sagen: Wir haben alles versucht, es geht nicht, wir müssen jetzt mehr nach unseren eigenen Dingen schauen und können nicht für ganz Europa sorgen. Das könnte ihr die nächste Wiederwahl sicher, kommt ganz darauf an, wie es mit Europa weitergeht.

    Aber richtig großes Potenzial sehe ich für die FDP, dies vor allem, wenn diese sich als Gegenpol zu den Grünen aufstellen. Das wird umso eindrücklicher sein, wenn die negativen Auswirkungen der grünen Politik (zur Zeit von allen Parteien praktiziert) auch deutlich spürbar wird. Pragmatismus statt Ideologie wieder gefragt wird. Das wird zwar noch eine Weile dauern, und die nächste Legislaturperiode in der Opposition benötigen, doch die kommen wieder, da bin ich mir sicher. Auch wenn ich für diese Meinung wahrscheinlich mehrheitlich belächelt werde.

  6. Aua, böses Thema………ganz böses Thema.

    Das 1000 jährige Reich hängt uns auch heute noch an der Backe, wie ein alter Kaugummi an der Schuhsohle.

    Da dürfen Nachwuchs-Grüne auf unsere Nationalflagge pissen ohne das ein Aufschrei durch die Medien gehen, da wollen Altgrüne das Deutschtum ausdünnen…….und merken in ihren Hass auf die eigene Nation nicht, wie sie selber schon wieder ins totalitäre abdriften.

    Hmm, da muss man erstmal ins Ausland reisen um zu sehen, was der Deutsche in den Augen anderer darstellt.
    In China wurden uns stolz gewaltige Bauten gezeigt…….gebaut von Deutschen………..in Malta liegen Wehrmachtsutensilien einträglich neben britischen Waffen…….im dortigen Museum………..“ahhh, you are a German“……immer mit der leichten Note der Bewunderung.
    (Sorry, mein subjektiver Eindruck, kann ja auch alles völlig mißverstanden haben)

    Wir können stolz auf unsere Nation sein, der Ideenreichtum deutscher Tüftler ist in der ganzen Welt berühmt und berüchtigt, die deutschen Tugend wie Fleiss und Pünktlichkeit auch heut noch im Ausland ein Darstellungsmerkmal.
    Paradox daran ist, das die linksgrünen Wohlfühlmenschen diese Eigenschaften teilweise ablehnen, aber dann hoffen das ausgerechnet dieser deutsche Pioniergeist die ach so tolle Energiewende hinbekommt.

    Wer……. wenn nicht wir Deutschen, schafft solch ein Kraftakt………weiß jetzt nicht mehr welcher Politiker das gesagt hat…….irgendwie schizophren ist dat schon.

    Tja, wie gesagt, olle Adolf klebt uns immer noch an der Backe und dient ausgezeichnet dazu, jeden in die Pfui-Ecke zu stellen, der diesen rotgrünen Totentanz kritisch gegenübersteht.
    Sei es ein norwegischer Massenmörder, sei es das SPD Mitglied Sarrazin…………Konservative sind an allem Schuld…..geistige Brandstifter ist da noch die harmloseste Bezeichnung.

    Tja, und dann betrachtet man die deutsche Politik….und versteht garnix mehr. Diese Typen kommen mir vor, wie der Vogel der sein Kopp immer schön in den Sand steckt wenn Gefahren auftauchen………..die Augen vor den tatsächlichen Gefahren verschließen und hoffen das die gleichgeschalteten Medien alles ausbügeln, so läuft es auch heute noch.
    Ick seh da kein Morgenrot am Himmel, keine Partei (einschließlich der FDP) die noch irgendwas für ihre Wähler tun, nach der Wahl, Lug und Betrug und das Bestreben sich noch schneller die Taschen zu füllen oder den eigenen Arsch zu retten.
    Der böse Deutsche………..rettet mal so nebenbei halb Europa vor dem finanziellen Zusammenbruch………ist dat denn nix?

    Nöö, wir werden die ewigen Nazis bleiben……die nächsten 1000 Jahre.

    Onkel Heinz……..Gedankenchaos in der Birne……..schlecht dat alles uff´s Papier zu kriegen.

  7. Während die Ideologie des 1000-jährigen Reichs völlig zu Recht allgemein verabscheut wird, ist die Ideologie des anschließenden 40-jährigen Arbeiterparadieses heute wieder in geradezu obszönem Maße gesellschaftsfähig. Dabei unterscheiden sie sich in erster Linie nur darin, daß der unerwünschte Menschentyp für die einen unrettbar genetisch bestimmt ist, während die anderen ihm zumindest prinzipiell die Umerziehbarkeit vom Volksschädling (der den Wert privaten Besitzes und/oder privater Meinung nicht verleugnen will) zum nützlichen Glied des Kollektivs zubilligen (in der Praxis der Zwangsbeglückung war bei hartnäckigen Fällen aber doch Ausbürgerung oder Vernichtung die Lösung der Wahl). Dieser kleine Unterschied macht offenbar den Kommunismus so schön und harmlos im Gegensatz zum menschenfeindlichen NS.

    Interessant ist nun die Frage, wie sich der Ökologismus in diesem Aspekt stellt. Daß ihm ein bestimmter Typ Mensch ein Dorn im Auge ist (der “Konsument”, “Klimaleugner”, “Atomlobbyist” usw.) liegt ja auf der Hand. Wohlgemerkt steht im Moment noch alles auf demokratischem Boden, und es liegt mir fern, Grünen o.ä. die Planung von Greueln zu unterstellen. Sollte aber die inhärent totalitäre Tendenz der ökologistischen Ideologie einmal wirksam werden, dann wird diese Frage akut. Man kann natürlich hoffen, daß es mit Zwangsumerziehung sein Bewenden haben wird (eine sanfte, Orwellsche Form kann man bereits jetzt beim Quiz des Bürgerdialogs zur Energiewende sehen, wo abgeprüft wird, wie sehr man die neue Sprachregelung und Halbinformation schon verinnerlicht hat -- Vorsicht! K*tztüte bereithalten); doch es gibt auch radikalere Gemüter wie Pentti Linkola, die im Menschen als solchem das Problem sehen…

    Hier könnte auf die Dauer übrigens eine Bruchlinie zwischen Sozialismus und Ökologismus offenbar werden. SPD und Grüne sind nämlich nicht so natürliche Koalitionspartner wie man auf den ersten Blick meinen könnte, da zentrale Programmpunkte in Konflikt miteinander stehen (Grüne gegen Industrie, SPD für das Wohl der Arbeitnehmer). In Baden-Württemberg zeichnet sich das schon etwas ab.

  8. Ich bin nicht gemein, aber als Ausländer finde ich Deutschland…eigenartig. Mit allem, was man darunter verstehen kann. Deutschland bleibt trotzdem mein Lieblingsland.

  9. Hmm, passt zwar nicht ganz zum Thema, ist aber doch ein kleinen Schmunzler wert.

    Die braunen Bio-Bauern

    Karl Heinz Hoffmann (73), in den 70er Jahren Gründer der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann, züchtet heute auf einem Schloss in Sachsen Bioschweine, wie „Report München“ herausfand. Nazis und Ökobewegung – wie passt das zusammen? Offenbar ziemlich gut, wie der Blick zurück zeigt.

    Schon SS-Reichsführer Heinrich Himmler war studierter Landwirt und Anhänger des organisch-dynamischen Landbaus. Im KZ Dachau ließ er extra dafür von Häftlingen Versuchsfelder anlegen…………..

    Jut, wir kennen diesen Schmus ja schon lange aber es ist doch schon verwunderlich das sich da die gleichgeschaltete Presse heranwagt.

    „Es macht mich nicht nur wütend, sondern betroffen, dass Rechtsradikale versuchen, ein zentrales, demokratisches und interkulturelles Anliegen für ihre durchsichtigen Zwecke zu missbrauchen“, empört sich Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz.

    Tja, wie können die Nazis das auch wagen ihre alte Erfindung auch in die Neuzeit einzubringen………wollten die damals nicht auch den Strom erneuerbar machen?

    Ick Knie nieder vor derart Schizophrenie.

    Onkel Heinz……….Sonntags besonders lustitsch drauf

  10. Haetten die braunen sich den Kram bloss patentieren lassen, dann waere den gruenen ein Teil ihrer Identitaet schon im vorherein abhanden gekommen …
    ich muss jetzt aufhoeren sonst komm ich nich mehr hochvor lachen 🙂

  11. Die neuerdings bei Demagogen und verantwortungsscheuen Politikern so beliebte “Beteiligungsdemokratie” untergräbt wichtige Grundprinzipien der parlamentarischen Demokratie. Zunächst die Gleichheit: während bei regulären Wahlen alle gleichermaßen zur Urne gebeten werden und sehr sorgfältig darauf geachtet wird, daß alle in der gleichen Weise und nur einmal abstimmen, haben bei Demonstrationen, Bürgerdialogen etc. diejenigen ein größeres Gewicht, die es sich nehmen, aufgrund einer Neigung zu lautstarkem Auftreten oder weil sie ihrem Interesse an der jeweiligen Frage höhere Priorität und Aufmerksamkeit angedeihen lassen als anderen Tätigkeiten, die sie sonst ausführen könnten (z.B. arbeiten gehen, ausspannen, in der Suppenküche aushelfen…).
    Hier könnte man einwenden, daß es ja immer noch jedem frei stehe, Demonstrationen und Bürgerinitiativen zu veranstalten, Petitionen zu verfassen u. dgl. mehr. Ein zweites Prinzip unseres Wahlrechts ist aber das Wahlgeheimnis. Die Freiheit, meine politische Meinung vertreten zu sehen und dennoch für mich zu behalten, geht in der Beteiligungsdemokratie verloren. “Warum warst du nicht beim Aufmarsch für/gegen…?”: diese Frage liegt da schnell nahe, sie hat aber in unserem Staat nichts verloren.

    Muß man unseren Volksvertretern wirklich erklären, wie pluralistisch-parlamentarische Demokratie funktioniert? Das Volk wählt Repräsentanten ins Parlament, die sich dort stellvertretend streiten, so daß die Bevölkerung sich in aller Ruhe Wichtigerem zuwenden kann. Dafür bezahlen wir unsere Abgeordneten! Die diesjährigen Konsensorgien im Bundestag sind aber das Gegenteil davon: im Parlament alle einig, und die Hälfte (oder so) des Volks fühlt sich nicht repräsentiert und beginnt an der Demokratie zu zweifeln. Unsere Bundeskanzlerin verbringt vielleicht zuviel Zeit auf internationalen Gipfelkonferenzen und überschätzt daher den Wert schneller Konsensfindung. Was auf internationaler Ebene zur Friedenserhaltung beiträgt, ist im Bundestag ein Unding, das seine Bedeutung mindert. Den politischen Konflikt ins Parlament zu bringen und dort und nur dort auszutragen, das ist eine zivilisatorische Leistung, die gesellschaftliche Stabilität sichert. Ein Grund für den Untergang der Weimarer Republik war, daß das Parlament von allen Beteiligten mehr und mehr als Kasperltheater angesehen wurde, während sich die “Bürgerbeteiligungstruppen” verschiedener Couleur Straßenschlachten lieferten.

    Noch ein Gedanke zum Artikel: wenn es stimmt, daß die Parteienlandschaft sich im Moment von gemäßigt links nach durch und durch links erstreckt und folglich ein größerer Teil des Meinungsspektrums in der Bevölkerung nicht abgedeckt ist, dann sollten die Parteien doch bald anfangen, um diese potentiellen Nichtwähler zu buhlen. Wer meldet sich, meine Meinung im Parlament zu vertreten? Ich warte auf Buhlschaft. Die muß aber auch überzeugend vorgebracht werden, denn den Wähler nur als Mittel zum Bundestagssitz anzusehen und, nachdem man erst einmal “drin” ist, einen 180° Sinneswandel zu vollziehen ist zwar gemein, schadet aber dem Gemeinwesen.

  12. @ Fluminist #11

    danke für den Kommentar, dem kann ich nur beipflichten.

  13. Energiewende-Unterstützung durch linksradikalen Mob

    Die Berufsrevolutionäre von indymedia sehen offenbar nun im Energiewendefieber, von dem Deutschland geschüttelt wird, ihre große Stunde kommen. Schottern war gestern. Jetzt sollen die vier „Energieriesen” endlich platt gemacht werden. Schließlich wollen ja auch gefühlte 99,98% des deutschen Volkes die Abschaffung des Kapitalismus…… also, die Fahnen hoch, die Reihen fest geschlossen:

    Von Klima- und Energiekämpfen 2011: Dem industriellen Kapitalismus das Handwerk legen!

    …..Der dominierende Energiekampf der letzten 30 Jahre ist die Auseinandersetzung um die Nutzung der Atomenergie und ihre ungelöste Entsorgungsfrage. Die Anti-AKW-Bewegung in Deutschland ist vielleicht die größte der Welt und hat hier stark die politische Landschaft geprägt. Der Protestmarathon seit Anfang des Jahres konnte in Deutschland die Energiekonzerne teilweise ausbremsen und einen eingeschränkten Ausstieg erreichen. Nun bedarf es bei aller Notwendigkeit der Atommafia weiter das Handwerk zu legen eines scharfen Blicks, dass die Machtstrukturen des industriell-kapitalistischen Systems als solche demontiert werden müssen. Hier zeigen sich gemeinsame Anknüpfungspunkte zu anderen Energiekämpfen, denn die selben Strukturen die die Atomkraftwerke betreiben sind im wesentlichen auch die Betreiber der Braunkohletagebaue und der Kohlekraftwerke allgemein: die vier großen Stromkonzerne RWE, Vattenfall, E.ON und EnBW…..

    …..Durch den sogenannten Atomausstieg produziert unsere Ökonomie derzeit 60 Mio t CO2 mehr pro Jahr. Auch dies sollte ein Grund sein sich auf den Widerstand gegen den dreckigsten aller Energieträger, die Braunkohle, zu konzentrieren und für einen Braunkohleausstieg zu kämpfen. Ein langfristiges Ziel, welches mit den Zielen der Anti-AKW-Bewegung konvergiert, sollte die Entmachtung der vier großen Stromkonzerne sein, die derzeit 80 % des deutschen Strommarktes beherrschen. Die Energieversorgung muß auf Basis der Erneuerbaren rekomunalisiert werden. Wir brauchen eine Energiedemokratie!

    …..Um diesen Ziel einen Schritt näher zu kommen muß neben Vernetzung und Weiterbildung der praktische Widerstand gegen die Stromkonzerne durch zivilen Ungehorsam und direkte Aktionen zunehmen. Inspirierend hierfür könnte zum Beispiel die „RWE abschalten“-Kampagne sein, bei der Anti-Atom-Aktivist_innen zusammen mit Klimaaktivist_innen am 20.04.2011 die Jahreshauptversammlung von RWE in Essen recht erfolgreich blockiert haben. Ebenso waren die Bürobesetzungen in Potsdam und Cottbus, die im Rahmen des Klimacamps in der Lausitz stattfanden, ein richtiges Zeichen das Klima- und Energiekämpfe angesichts der Dringlichkeit der Lage offensiv geführt werden müssen. Weitere Möglichkeiten beherzten Handelns wird es beim internationalen Klimacamp im Rheinischen Braunkohlerevier (26.08.-04.09.2011) geben. Dort soll es u.a. vom 30.08.-01.09.2011 Kohlezugblockaden durch Sitzblockaden von der Grube-gräbt-Kampagne geben, welche auch schon Zivile-Ungehorsamsaktionen im Oktober 2010 am Braunkohlekraftwerk Niederaussem organisiert haben. Nach dem Klimacamp in NRW eröffnet die Werkstatt für Aktionen und Alternativen (WAA) im Rheinischen Braunkohlerevier als eine Art dauerhaftes Klimacamp seine Pforten…..

    Ja klar, und am besten noch sämtliche Atom- und Kohlekraftwerke in die Luft jagen (das ist ja noch viel geiler als Bonzenkarren abfackeln!!!). Und bei dieser Gelegenheit kann man ja gleich alle Kapitalistenschweine enteignen und die Behinderer der „Großen Kulturrevolution” wegsperren. Frau Lötzsch wird jubeln, endlich werden ihre Träume vom Kommunismus wahr.

  14. Tim Hardenberg
    Da fällt mir spontan George Bernard Shaw ein.

    Die Erfahrung verfehlt ihren Lebenszweck,
    wo kein Wunsch besteht, zu lernen…

    Varus

    PS. Ich mag den Mann einfach.

  15. Warum wundert Sie, dass die ehemaligen „Volksparteien“ so rasant Stimmen verlieren und von Wahl zu Wahl schrumpfen? Den Bürgern fällt doch längst auf, dass die gesamte Politik gegen sie gerichtet ist und dieser Kurs wird sich mit jedem „Rettungspaket“ beschleunigen. Dabei pfeiffen es schon die Spatzen von den Dächern, dass die EZB längst selber eine Badbank geworden ist, wo sich die wertlosen verzockten Spielschulden anhäufen. Zunehmend wird in ganz Europa, von Irland über Griechenland und Portugal die Frage gestellt, wieso eigentlich die Bevölkerung für diese verzockten Spielschulden aufkommen soll? Ludwig Erhard würde sich im Grabe umdrehen, wenn er diese gegen die Bürger gerichtete Politik sähe, einschließlich der vergrünten Energiepolitik. Merkel und Sarkozy sind dabei, das zu zerstören, was Erhard und Adenauer aufgebaut haben.

  16. Nebenwirkungen des Ausstiegs

    „Das war ein Putsch“, sagte kürzlich ein befreundeter Anwalt zu uns, als die Rede auf die so genannte Energiewende kam. „Mir ist rätselhaft, wie man in wenigen Wochen über 500 Seiten Gesetzestext schreiben kann“, begründete er seine Einschätzung, „in dieser Zeit kann ich das nicht einmal sorgfältig lesen“. Daraus folgt der Schluss: Die Abgeordneten des Bundestages verfügen entweder über übersinnliche Fähigkeiten oder sie haben das fundamentale Gesetzesvorhaben nicht durchgelesen -- sondern nur durchgewinkt.

    Die Folgen mögen drei isolierte Meldungen der letzten Wochen illustrieren, die wir hier einmal in einen Zusammenhang stellen wollen. Zunächst kündigte der vom Atomausstieg hart getroffene Energieriese E.ON den Abbau von etwa 11 000 Stellen an. Das quittierte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier, mit der Bemerkung, die Entlassungen könnten mit dem Atomausstieg nicht viel zu tun haben, weil E.ON in dieser Sparte nur 2500 Menschen beschäftige. Merke: Wenn man einem Restaurant verbietet Speisen über zehn Euro anzubieten, dann ist nicht etwa das ganze Restaurant gefährdet, sondern nur jene Mitarbeiter, die Menüs über zehn Euro kochen…

    Erschienen in DIE WELT am 19.08.2011

  17. Ganz neu und mit verbessertem Zugang, Nebenwirkungen des Ausstiegs, der funktionierende Link zum Artikel.

    Und um ganz sicher zu sein, hier zum selber kopieren 😉
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nebenwirkungen_des_ausstiegs_maxeiner_miersch/

  18. Klimaschutzgesetz ad acta gelegt

    Die schwarz-gelbe Bundesregierung wird entgegen eigener Pläne kein Klimaschutzgesetz mehr vorlegen. Das berichtet die „Frankfurter Rundschau“ unter Berufung auf Informationen aus der Opposition. Independence über die Marginalisierung des Bundes in der Energiepolitik…….

  19. So und das ist jetzt mal richtich lustich

    -EU-Politiker wollen Energiesparlampen verbieten-

  20. @Karlchen

    Bezeichnend ist ja, das bei WO schon die Kommentarfunktion gesperrt ist.
    Ick gloobe, der Sturm der jetzt bei bekanntwerden dieser Idee losbricht……….ham die noch nie erlebt.

    Na egal, bei den derzeitigen Zustand der EU fasst man sich eh nur noch an den Kopp.

    Heinz Eng

  21. @ Onkel Heinz

    Ick gloobe, der Sturm der jetzt bei bekanntwerden dieser Idee losbricht……….ham die noch nie erlebt.

    Glaubst Du wirklich daran das diese träge Masse endlich mal in Wallung kommt? Ich glaub das erst wenn´s soweit ist, momentan freuen sich alle über olle Kohl seine Kanzlerinnen-Schelte, da geht so ein EU-Horst mit seinem Energiesparlampenverbot vollkommen unter. Es gibt noch nicht genug Elend in -D- .

  22. @E-U Mueller, Fluminist, Quentin:
    Gute Diskussion zu den politischen Aspekten — speziell #1, #2, #3, #5, #7, #11. Zur Gretchenfrage „Mehr Marktwirtschaft oder mehr Planwirtschaft?“ bemerkte Quentin:

    Jetzt haben wir mal ein richtig politisches Thema. Das müssen wir aber, so denke ich, von mehreren Seiten beleuchten. Zum einen ist es das Fehlen einer richtig konservativen Partei, auf der anderen Seite das Vorhandensein von grünem Gedankengut quer durch alle Parteien.

    Stimmt. Und dabei spielt eine Rolle, dass Deutschland offensichtlich auch ein Problem Merkel hat. Wieviel FDJ-geschulte Merkel mag wohl hinter dem stecken, was Maxeiner und Mirsch in ihrem Artikel Nebenwirkungen des Atomausstiegs einen Putsch nennen? Die Welt schreibt dazu: Merkel verändert die demokratischen Grundlagen.

    Der Artikel „Nebenwirkungen des Atomausstiegs“ ist auch hier veröffentlicht: Die Achse des Guten und oekowatch.org

  23. @Tim Hardenberg, #18
    Gut !!!

    @Karl Rannseyer, #19
    ich lach mich scheckig ….

  24. @Karl Rannseyer #19

    -EU-Politiker wollen Energiesparlampen verbieten-

    Der Ausstieg aus Glühbirnen und jetzt auch den sog. Energiesparlampen ist zu begrüßen, denn er ebnet dem erneuerbaren Leuchtmittel der Zukunft den Weg:

    Der Kienspan ist ein natürliches Bio-Leuchtmittel, das aus nachhaltig und ökologisch bewirtschafteten Koniferenforsten klimaneutral bezogen werden kann. Seine Verwendung spart Strom; hinzu kommt der Synergieeffekt: während der längeren und beleuchtungsintensiveren Winternächte hilft die zusätzlich vom Kienspan abgestrahlte Wärme beim Einsparen von Heizkosten. Die Verbrennungsrückstände sind als wertvolles Düngemittel zu 100% recyclingfähig.

    Durch weiträumige Aufforstung zur Deckung des Leuchtmittelbedarfs wird die grüne Lunge Deutschlands regeneriert. Es entstehen tausende neue Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft und in der Kienspanhalterproduktion, einem dezentralisierten häuslichen Handwerk.
    Andere Länder werden der Vorreiterrolle Deutschlands nacheifern und die bei uns von Experten gezüchteten besonders harzreichen und rußarm verbrennenden Fichten übernehmen.

    Die Wolfram- und Quecksilbervorräte der Welt sind begrenzt, aber der Kienspan ist ein nachwachsender Energieträger.
    Der Baum schickt keine Rechnung!!

    … und dann …

    Geht Ihnen ein Licht auf?
    Investieren Sie in die Leuchtmittelzukunft Deutschlands! Fichtenwald-Beteiligungsfonds versprechen Top-Rendite!
    Weitere Information unter http://www.kiengreen.de

    … usw.

  25. @Flumi

    Der Kienspan ist ein natürliches Bio-Leuchtmittel, das aus nachhaltig und ökologisch bewirtschafteten Koniferenforsten klimaneutral bezogen werden kann.

    …..das ist echte Innovation!

    Aber….. der Kienspan erzeugt bei der Verbrennung Dioxin…… wird also auch irgendwann verboten.

  26. @Fluminist

    Kienspan-Beleuchtung, jaaha endlich, heute gehört sie Deutschland und morgen der ganzen …

    …..das ist echte Innovation!(Tim Hardenberg)

    In dem Zusammenhang eine Buchempfehlung von mir um sich die düsternis radikaler naturverbundener Diktaturen vor Augen zu führen,

    „Wenn das der Führer wüsste“ Otto Basil

  27. @Fluminist, #24
    Das ist fast schon gruselig, wie nahtlos das mit der NIE-Propaganda übereinstimmt.

  28. ef-magazin (Gärtner):

    Wärmedämmung: Die so genannte Gebäudesanierung. Schilda lässt grüßen

  29. Nicht nur das bestehende Bausubstanz durch die ausufernden Vorgaben der Energieeinsparverordnung zerstört wird, auch baubiologisch ergeben sich Probleme.
    Durch das luftdichte Abschließen des Baukörpers (Blower-Door-Verfahren) um den ersehnten Energieausweis zu erhalten bleibt auch die zwangsläufig eingetragene Feuchtigkeit durch die Atemluft, Kochen, Waschen im Raum.
    Tapeten und Wandverkleidungen, (z.B. Gibskarton) können nur einen begrenzten Teil speichern. Eine Diffusion nach außen kann nicht stattfinden. Nasse Dämmung ist wie nasse Socken, unbrauchbar.
    Hier hilft nur konsequentes Lüften, das sogenannte Stoßlüften, oder einfach nicht zu Hause sein. Was glaub ich auch keine Lösung ist.
    Dazu kommen noch die zur Herstellung der Dämmstoffe notwendige Energie.
    Zur Herstellung von 1m^3 Styropor werden etwa 1000kW/h aufgewendet, beim Verblasen zu Glas oder Steinwolle sieht es ähnlich düster aus, je nach Dichte auch hier 500 bis 1000kW/h.
    Wer spart eigentlich bei den selbst ernannten Energiesparern?

    Peter Patzig

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