Maisschädlinge würden Grün wählen!
30. Oktober 2009 | Von Rudolf Kipp | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Artikel, Blog, Ernährung, Gesundheit
Der Landwirt Reinhard Dennerlein hat ein Problem. Dieses Problem ist der etwa 2 cm großer Kleinschmetterling Ostrinia nubilalis, besser bekannt als Maiszünsler. Das nachtaktive Insekt beginnt Mitte bis Ende Juli damit, etwa 30 Eier auf der Blattunterseite der Maispflanzen abzulegen. Aus diesen schlüpfen die Raupen, die sich durch die Frucht hindurch in die Stängel fressen, und an ihren Wirtspflanzen, das sind Hopfen, Hanf, Kartoffeln und vor allem der Mais, erheblichen Schaden anrichten.
Dabei werden die Stängel der Pflanzen durch den Befraß der Schadinsekten durchlöchert und knicken so bei der kleinsten Belastung um. Das kann dazu führen, dass ganze Felder in sich zusammensacken. Die Raupen fressen sich bis zum Herbst durch die Stängel weiter nach unten, wo sie im Wurzelbereich überwintern und zerstören dadurch die Leiterbahnen der Pflanzen, wodurch diese nicht mehr ausreichend Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Die Ertragseinbußen können über 50 % betragen. Bei besonders starkem Befall werden sogar ganze Ernten vernichtet.
Schimmelpilze setzten Giftstoffe frei
Ein weiteres gravierendes Problem ist der Befall mit dem Schimmelpilz Fusarium der durch die Löcher, die die Raupen in den Mais fressen, in die Pflanzen eindringen kann und zu erheblichen Schäden führt. Dieser Pilz kann das Wachstum erheblich beeinträchtigen und sogar zum Absterben der Pflanzen führen. Aus diesem Grund wurden bestimmte Fusarium Arten auch als Mittel der biologischen Kriegsführung und auch Vernichtung von Koka-Plantagen in Kolumbien eingesetzt (Agent Green). Doch selbst wenn nicht die gesamte Pflanze vernichtet wird, stellt der Befall mit Fusarium ein erhebliches Problem dar, schließlich produziert dieser Pilz äußerst potente Giftstoffe, sogenannte Mykotoxine.
In geringen Dosen führen diese Gifte im Futtermais dazu, dass das Futter für Tiere nahezu ungenießbar wird, höhere Mengen würden zu ernsthaften Vergiftungen führen, so dass stark befallener Mais sich allenfalls noch für Biogasanlagen eignet.
Schädlingsfrei ohne Pestizide
Nachdem Landwirt Reinhard Dennerlein im Jahr 2006 erhebliche Ertragseinbußen, verursacht durch den Maiszünsler, hinnehmen musste, hat er sich entschieden im Jahr 2007 einen großflächigen Versuch durchzuführen. Auf einem Drittel seiner Fläche ließ er der Natur ihren Lauf, auf dem zweiten spritzte er ein Pestizid gegen die gefräßigen Raupen, und auf dem dritten pflanzte er gentechnisch veränderten Bt-Mais. Der Bt-Mais ist eine Variante, bei der ein Gen des Bakteriums B. thuringiensis eingebaut wurde. Dieses, auf der ganzen Welt heimische, Bodenbakterium produziert einen Giftstoff (Bt-Toxin), der nur für bestimmte Insekten tödlich ist, weil das entscheidende Gift erst in deren Darm gebildet wird. Durch die Gen-Veränderung ist der Mais in der Lage, das Bt-Toxin selbst zu produzieren und so eine Resistenz gegen den Maiszünsler zu entwickeln. Auf den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln von außen kann dadurch verzichtet werden. Das Bt-Toxin selbst ist für andere Tiere und den Menschen völlig unschädlich und auch für den Ökolandbau zugelassen [BVL]. Allerdings werden beim Ausbringen des Bt-Toxins mehr Insektenarten abgetötet als beim Bt-Mais, wo nur solche betroffen sind die den Mais auch fressen.
Das Ergebnis des Experiments war eindeutig. Die unbehandelte Parzelle war völlig zerfressen, auf der mit Pestizid behandelten waren 38 Prozent befallen. Doch der gentechnisch veränderte Mais war komplett zünslerfrei. “Und das Beste”, sagt Dennerlein, “auf den Blättern krabbelte es. Überall lebten Käfer und andere harmlose Insekten. Es war wirklich nur der Maiszünsler verschwunden.”
Als er im Frühjahr 2008 Bt-Mais anbauen wollte, versammelten sich 1000 Demonstranten aus ganz Deutschland vor seinem Hof. Die Aktivisten gingen zu jedem seiner Verpächter, agitierten und drohten. Nachts zerstörten sie mit Motorsensen zwei Hektar Mais (allerdings den falschen). “Der Rummel hat mich nicht sehr beeindruckt”, sagt er. “Ich wollte gesünderes Futter für meine Schweine.” Doch im April 2009 untersagte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Anbau von Bt-Mais. So musste Dennerlein dieses Jahr wohl oder übel wieder auf die Giftspritze zurückgreifen und dennoch mit mehr Pilzbefall im Futter rechnen [Welt.de].
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=cPTU0nZmw_Q[/youtube]
In den letzten Jahren hat der Maiszünsler enorm davon profitiert, dass immer mehr Mais für Biogasanlagen in immer größeren Monokulturen angebaut wird. Im diesem Jahr beträgt die Fläche für Energiemais geschätzte 3700 km² [agrarheute.de], das sind 3 % der deutschen Ackerfläche und mehr als die Fläche des Saarlandes. Aufgrund der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird in den nächsten Jahren ein noch stärkerer Zuwachs erwartet.
Populismus ersetzt Rationalität
Jetzt sollte man meinen, eine Bundeslandwirtschaftsministerin aus der eher als bauernfreundlich angesehenen CSU würde sich auch für deren Interessen stark machen. Dass gerade Ilse Aigner aber dieses Verbot ausgesprochen hat, liegt unter anderem daran, dass konservative Bauernverbände und auch die in Bayern starken Kirchengruppen sich für das Verbot eingesetzt hatten. So ist ihre Entscheidung nicht rationalen Gründen geschuldet, der Bt-Mais ist nachweislich für Mensch und Umwelt weit weniger schädlich als der Pestizideinsatz, sondern kann als rein populistische Maßnahme angesehen werden. Es geht dabei um Wählerstimmen in einer verunsicherten Bevölkerung. Jahrzehntelange grüne Angstpropaganda hat in Deutschland dazu geführt, dass vielen schon der Angstschweiß auf die Stirn tritt, wenn sie nur das Wort Gen hören.
Dabei wissen die meisten Deutschen nicht einmal was Gene überhaupt sind und dass sie als elementarer Bestandteil in sämtlichen Lebewesen eine Schlüsselrolle einnehmen. Und auch, dass nahezu alle heute genutzten Kultursorten ebenfalls das Produkt einer genetischen Veränderung sind, ist kaum einem bekannt. Denn auch bei der konventionellen Züchtung geht es ja darum, aus bestimmten Pflanzen jeweils die Genvarianten herauszufischen, welche die nützlichsten Eigenschaften haben. Diese Variationen entstehen auch in der Natur durch Genmutationen. Allerdings kann dieser Vorgang äußerst langwierig sein und daher wurde schon früh nach Möglichkeiten gesucht, die Mutationsraten für Züchtungen zu beschleunigen.
Strahlende Züchtungserfolge
Diese wurde mit der Entdeckung der ionisierenden Strahlung gefunden, wie sie in Kernkraftwerken entsteht. Praktisch sah das so aus, dass Saatzuchtunternehmen ihr Saatgut säckeweise in Lieferwagen zu Atomkraftwerken schafften und es dort bestrahlen ließen. Die so behandelten Samen wurden anschließend in möglichst rauen Klimaten wie dem Fichtelgebirge ausgesäht, um sicherzustellen, dass nur die kräftigsten Pflanzen überlebten. Aus den unzähligen Mutationen wählten die Züchter dann jene seltenen Exemplare aus, die besondere Eigenschaften versprachen. Auf diese Weise sind die meisten unserer heute gängigen Obst- und Gemüsesorten “veredelt” worden und auch die meisten modernen Zierpflanzen wären ohne diese Technik nicht denkbar gewesen.
Nach wie vor bedeutend ist die Mutationszüchtung im Bereich der industriellen Mikrobiologie. Durch UV- und Röntgenstrahlung entstanden unter anderem unsere heutigen Bier- und Bäckerhefen, unsere Starterkulturen für Wurst und Käse sowie zahlreiche weitere Mikroben, die biotechnologisch zur Erzeugung von Zusatzstoffen wie Säuren, Vitaminen oder Enzymen, aber auch Antibiotika genutzt werden [EU.L.E.n-Spiegel 03/2004].
Unterstützung bekam Frau Aigner für ihren Vorstoß auch von Gruppierungen, die bislang nicht als erklärter Freunde der CSU Ministerin aufgetreten sind. Beifall kam von Umweltschutzgruppen wie BUND und Greenpeace, von der Linken und natürlich von den Grünen. Nun ist jedoch bekannt, dass gerader Vertreter dieser Gruppen sich selten um die Belange der Landwirte kümmern und meist noch weniger davon verstehen. Wie wenig ausgeprägt das Wissen grüner Politiker von den praktischen Problemen der Landwirte ist, hat Renate Künast in der SWR-Dokumentation “Abgeordnet – Der Politiker Praxistest” eindrucksvoll bewiesen (Hier treffend kommentiert von David Harnasch).
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=MUwaJuHZYeo[/youtube]
Dass Frau Künast in diesem Beitrag dem ohnehin arg gebeutelten Landwirt den schwarzen Peter zuschieben will und damit von einer jahrelangen verfehlten Agrarpolitik abzulenken versucht, grenzt schon an Zynismus. Ähnliche Beispiele für völlig praxisferne Vorschläge der grünen Politikerin finden sich in sämtlichen Folgen der Doku-Serie.
Technologiefeindliches Deutschland
In Deutschland ist, was die grüne Gentechnik anbelangt, die Diskussion inzwischen an einem Punkt angekommen wo Sachargumente kaum mehr zählen und politische Entscheidungen mehr und mehr von diffusen Ängsten beeinflusst werden. Wo Züchtungen, die durch Zufallsmutationen in Atomreaktoren entstanden sind, völlig ungeprüft überall angepflanzt werden dürfen, da wird Pflanzen die geplant und gezielt gentechnisch verändert wurden die Zulassung auch nach ausgiebigsten Studien die deren Unbedenklichkeit unter Beweis stellen verweigert. Das ganze erinnert stark an die Auseinandersetzungen um die sogenannte rote Gentechnik, als die Grünen zusammen mit Umweltschutzgruppen lange erfolgreich die Produktion von Insulin mit Hilfe von genetisch veränderten Bakterien verhindern konnten. Als die Produktion schließlich doch erlaubt wurde, hatten ausländische Hersteller ihren Wettbewerbsvorteil jedoch längst gewinnbringend umgesetzt. Der damals von den hessischen Grünen zum Feindbild erklärte Chemiekonzern Hoechst ist inzwischen ein Teil der französischen Sanofi-Aventis Gruppe.
Eine ähnliches Schicksal, nämlich das Verschwinden von Betrieben aufgrund von Wettbewerbsnachteilen wegen einer in Deutschland immer mehr um sich greifenden Technologiefeindlichkeit, könnte auch den deutschen Landwirten bevorstehen. Viele hochrangige Wissenschaftler haben die Konsequenzen aus dieser Entwicklung derweil schon lange gezogen. Sie forschen jetzt im Ausland.
Welt.de: Die Feinde des Fortschritts




Sehr geehrter Herr Kipp,
toller Blog, meine Anerkung und Hochachtung;)
dass Sie ein Befürworter, der ansonsten nicht kontrollierbaren Massenvernichtungswaffe GT sind, erstaunt mich sehr. Ohne gleich die “Grünen” oder die “Linke” in Schutz nehmen zu wollen, gegen Maschinenstürmerei bin ich auch.
Ich empfehle Mischkulturen, da ist der BT natürlich vertreten und wir haben nicht die Kollateralschäden der angewandten Pharma und BioTec Industriekeulen. Hoffe auf Ihre Offenheit oder Diskussion zu diesem “heißen Eisen” für einen Chemiker.
http://www.biotech-seilschaften.de.vu/
Das Hanf auch von Ostrinia nubilalis befallen wird ist mir neu. Muss an den Standortbedingungen oder am Saatgut liegen. Ich tippe auf Beides.
lG RA
Lieber RegAuf,
Vielen Dank für die netten Worte.
Was ich aus Ihrem Kommentar nicht entnehmen konnte ist, ob Sie die Grüne Gentechnik prinzipiell ablehnen. Der Ausdruck “nicht kontrollierbare Massenvernichtungswaffe” erweckt in mir schon den Eindruck. Bt-Mais in einer Mischkultur scheint für Sie aber OK zu sein.
Ich schließe daraus, dass sie gegen die Monopolisierung der Saatgutherstellung durch genmodifizierte Sorten sind. Liege ich da in etwa richtig? Dass ist allerdings ein Trend, der nicht erst mit der Gentechnik gekommen ist. Beim konventionellen Mais ist es ja auch schon seit langem so, dass Hybridsorten auch nicht zur Saatgutherstellung geeignet sind, also dieses jedes Jahr neu gekauft werden muss. Trotzdem sind diese Sorten unter Landwirten sehr beliebt, weil der Gesamtertrag am Ende höher ist.
Ich sehe es auch nicht kommen, dass aufgrund von genmodifizierten Sorten konventionelles Saatgut verschwinden wird. So lange die Nachfrage danach besteht, wird sich auch ein Hersteller dafür finden. Was ich jedenfalls gut fände, wäre eine echte Wahlfreiheit. Landwirte sollten selbst entscheiden können, ob sie genmodifizierte oder konventionelle Produkte anbauen. Diese Wahlfreiheit ist jedoch in der EU keinesfalls gegeben. Eine Tatsache mit der ich prinzipiell noch leben könnte, wenn nicht Europa anderen Ländern dies auch per Knebelvertrag vorschreiben würde.
Wie etwa 2002, als in Sambia 2,5 Millionen Menschen kurz vor dem Verhungern standen und die EU dem Land verboten hatte, eine Lieferung mit 26.000 Tonnen Mais aus den USA anzunehmen, weil dieser genmodifiziert war.
Oder nehmen Sie das Beispiel von “Golden Rice”, einer von Forschern aus Deutschland und der Schweiz entwickelten Reissorte, die einen erhöhten VitaminA-Gehalt hat und so hunderttausende Kinder in armen Ländern vor dem Verlust des Augenlichtes bewahren könnte. Das hat Greenpeace nicht davon abgehalten, eine groß angelegte Kampagne gegen den Reis aufzuziehen, obwohl keinerlei begründeten ökologischen Bedenken vorlagen. Man fürchtete wohl einfach, dass dadurch die Akzeptanz gegenüber genveränderten Produkten steigen könnte. Diese Kampagne wurde übrigens zum großen Teil aus Mitteln von Greenpeace Deutschland bezahlt.
Mehr solcher Beispiele finden Sie übrigens in dem erschütternden Buch “Öko-Imperialismus. Grüne Politik mit tödlichen Folgen” von Paul k. Driessen.
Dass Mischkulturen, wie Sie im weiteren ausführen, der beste Weg sind eine möglichst intakte Landwirtschaft zu betreiben, da bin ich völlig Ihrer Meinung. Ich glaube auch nicht, dass wir mit Hilfe der Gentechnik sämtliche Probleme der Landwirtschaft oder der Ernährung der Menschheit aus dem Weg räumen können. Ich bin allerdings dagegen die Möglichkeiten dieser Technologie mit dem Hinweis auf hypothetische Gefahren kategorisch auszuschließen.
Mit freundlichen Grüßen,
Rudolf Kipp
Richtig Herr Kipp,
bisher beschränkt sich die Kritik an der Grünen Gentechnik, im Aufzählen von vermuteten Gefahren, die sich auch durch die zahlreichen erbrachten Studien bisher nicht bestätigen ließen.
Was allerdings kaum in der breiten Öffentlichkeit kommuniziert wird sind die Vorteile, die diese Technik in sich birgt.
Wenn Greenpeace meint die Oberherrschaft über unsere Teller erringen zu wollen, so muß ich mich dagegen heftig wehren. Die obskuren Methoden dieser Organisation, wie die selbstherrlichen Festsetzungen von (Greenpeace-)Grenzwerten, lassen sich aktuell ausgezeichnet in der neuesten Greepeace-Gewürz-Studie verfolgen.
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/umweltgifte/FS_Pestizide_Krauter_Gewurze3.pdf
@ Bibliothekar
Sie müssen das Ganze aus der Sicht von Greenpeace betrachten. Obwohl die Grenzwerte in Deutschland für Pestizide in Lebensmitteln äußerst streng und auch recht gut überwacht sind, kommt es nur sehr selten zu Überschreitungen. Das kann sich auch heute kein Produzent mehr erlauben, weil ein Skandal deswegen sehr rufschädigend wäre. Um trotzdem weiter eine Daseinsberechtigung zu haben, erfindet diese Kampagnenorganisation dann eben kurzerhand eigene, strengere Grenzwerte.
Damit kann man dann auch Konzerne, die sich vorbildlich an die gesetzlichen Grenzwerte halten in die Ecke stellen. Wenn das Ganze nur mit genug Medienbegleitung geschieht, werden die Handelskonzerne und Produzenten sich der macht der Straße beugen und die neuen Greenpeace-Werte als dann bindend akzeptieren. Womit Greenpeace mal wieder “bewiesen” hat, wie wichtig sie für unsere Gesellschaft sind und die Spendengelder fließen in Strömen. Alternativ können Handelskonzerne sich auch über die Abnahme eines Großabos des Greenpeace Magazins freikaufen.
Klimawandel, ik hör Dir trappsen….
Dezember & Kopenhagen und die Sirenen fangen an…
Sehr geehrter Herr Kipp, meine Herren,
in den von mir empfohlenen Misckulturen braucht es keine gentechnisch veränderten Pflanzen. Die Erträge sind hoch und der Einsatz von Dünger und Agrotoxiden ist entbehrlich.
Ich bin entsetzt über Ihre Lobgesänge über GenTech und deren angeblichen Segen. Das Sie Greenpeace und die “Grünen” durchschauen ist eine Sache, aber dass Sie hier Propaganda für Saatgutmonopole betreiben, denen alleine in dem letzten halben Jahrhundert mehr Menschen zum Opfer gefallen sind, als durch alle Kriege aller Zeiten ist für mich nicht akzeptabel. Ich möchte Sie bitten auch hier den Sach- und Fachverstand, den Sie in der Klima-Diskussion vorweisen auch in diesen elementaren und für die Mehrheit der Menschheit existenziell bedrohlichen Entwicklung anstreben.
Mit Agro-Industriellen Anbaumethoden zerstören Sie die Bodenfruchtbarkeit und die Wassersysteme. Wovon wollen Sie leben in Zukunft – von Pillen?
Es gibt hinreichend Indizien dafür, dass Genmais für das Bienensterben in der nördlichen Hemisphäre verantwortlich ist. Aber auch für den direkten Tod hunderter, wenn nicht tausender Landarbeiter/innen in Südost-Asien.
Warum meine Vorbehalte genmanipulierter Pflanzen, besonders Mais gegenüber?
- Die Wirkung auf den Menschen und die Natur ist nicht im geringsten erforscht.
- Einmal ausgebrachte Gen-Pflanzen werden die Umwelt nachhaltig verseuchen – man kann Pollen
nicht sagen, wohin sie fliegen sollen. Dann nisten sie sich in unbehandelte Pflanzen ein und der Landwirt muss für die Verseuchung seiner Pflanzen auch noch Lizenzgebühren zahlen.
- Da Gen-Pflanzen steril sind, müssen Bauern jedes Jahr neue Samen kaufen – das führt zur wirtschaftlichen
Abhängigkeit der Bauern und deren Kunden von Großkonzernen.
- Diese Abhängigkeit lässt Nahrungsmittel teurer werden. Auch Missernten sind vorprogrammiert, wie die
Beispiele in anderen Ländern zeigen.
Das Problem ist nicht die Gentechnik schlechthin, das eigentliche Problem ist Monsanto und die Kräfte die dahinter stehen.
@Krishna Gans
mein Post hat nichts mit Copenhagen zu tun – im Gegenteil – es ist die gleiche Posaune die da tönt: der Mensch ist schlecht – die Natur ist unfähig – kauft nur unsere Produkte und bezahlt für eure Zukunft.
@ RegAuf
Oh ja, Ihr Post hat sehr wohl mit Copenhagen zu tun. Über die Grüne Gentechnik verbreiten Sie hier, wie auch die Klimahyper über die “Klimakatastrophe”, Halbwahrheiten und unbewiesene Behauptungen.
Der Ton, den Sie dadurch in die Diskussion hineintragen disqualifiziert Sie für mich.
Wollen Sie die Tatsache, daß transgene Pflanzen seit ihrer Erstzulassung 1996 mittlerweile auf 10% der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche (über 130 Millionen Hektar) angebaut werden ausblenden? Diese Entwicklung erfolgte also, Ihrer Meinung nach, nur durch den Zwang eines Monopolisten?
Ist die Vormachtstellung von Monsanto, nicht auch durch die strikte gesetzliche Blockierung der grünen Gentechnik in Europa verursacht? Warum werden staatlich finanzierte Einrichtungen, die dahingehende Forschungen betreiben, massiv in Deutschland behindert? So unterstützt man ja zwangsläufig die Privatisierung der Grünen Gentechnik und deren gewinnorientierter Ausbeutung.
Diese ungeheuerliche Aussage möchte ich aber dann doch mal von Ihnen erläuert haben.
Ja, das ist die Posaune in die die Öko-Branche pausenlos trötet.
@ RegAuf
Ich betreibe hier auf keinen Fall Propaganda für Saatgutkonzerne. Die Monopolisierung in der Saatgutherstellung betrachte auch ich kritisch, aber das hat nur bedingt mit dem Thema Genveränderung zu tun. Gerade die beim Mais gängigen Hybridsorten müssen doch auch jedes Jahr neu gekauft werden. Die Landwirte kaufen diese Sorten aber trotzdem, weil der Gesamtertrag und damit der Profit höher ist. Das führt dadurch eben nicht, wie Sie anführen, zu höheren Preisen.
Das was Sie als Abhängigkeit bezeichnen stimmt ja so auch nicht. Es ist dem Bauern immer noch selbst überlassen, wo er sein Saatgut kauft oder ob er Sorten verwendet aus denen er im nächsten Jahr selbst wieder Saatgut gewinnen kann. In der Regel wird er sich für die Variante entscheiden, die ihm das Beste Kosten/Nutzen Verhältnis erbringt. Auch gibt es beim Bt-Mais kein Monsanto Monopol. Bt-Mais gibt es von den Herstellern Monsanto, Syngenta, Pioneer Hi-Bred (DuPont), Mycogen Seeds (Dow AgroSciences).
Eine von Ihnen befürchtete “Verseuchung” der Umwelt halte ich auch für äußerst unwahrscheinlich. Mais wächst, wie die meisten unserer Kulturpflanzen, nur auf Flächen auf denen er gehegt und gepflegt wird. Sonst müsste man bei uns überall wild wachsenden Mais, Weizen oder Roggen finden.
Und die Wirkung auf Menschen Tiere und Umwelt ist doch gerade bei genetisch veränderten Pflanzen am allerbesten erforscht. Das ist zwingend für die Zulassung erforderlich. Das war bei sämtlichen Mutationszüchtungen anders. Da brauchte man nicht mit aufwändigen Studien deren Unbedenklichkeit beweisen.
Auch die von Ihnen zurecht kritisierten Monokulturen haben mit Gentechnik nicht das Geringste zu tun. Die gab es vor der Gentechnik und wird es auch mit der Gentechnik geben.
Aber all die Befürchtungen, die Sie ansprechen, sind so alt wie die Gentechnik selbst. Nur, seitdem Genmodifizierte Pflanzen angebaut werden hat es keine Umweltkatastrophen und auch keine greifbaren gesundheitlichen Nebeneffekte gegeben.
“…denen alleine in dem letzten halben Jahrhundert mehr Menschen zum Opfer gefallen sind, als durch alle Kriege aller Zeiten…”
@Bibliothekar
Diese ungeheuerliche Aussage möchte ich aber dann doch mal von Ihnen erläuert haben.
438.000.000 ist die aktuelle, offzielle Zahl von Unicef und Amnesty International hochgerechnet auf die letzten 50 Jahre. Auch wenn die Organisationen Ihre Quellen nicht belegen, kann man doch davon ausgehen, dass sie stimmt. Einige kirchliche Organisationen gehen von 100.000 Hungertoten täglich, davon 40.000 Kinder aus.
http://www.katholisch.de/11204.html
Zum Vergleich der 2. Weltkrieg forderte 27 Mio. Tote. Stalin, Mao, Pol Pot ließen ca. 90-100 Mio. Menschen verhungern.
Ich halte Ihre Aussagen bei diesem Hintergrund für mehr als zynisch und weiter, eine Meinung die nicht in Ihr Weltbild passt zu diskreditieren, für enttäuschend.
@ RegAuf
Sie finden es also richtig, die Hungertoten auf die Existenz und die Wirkungsweise der Saatgutkonzerne zurückzuführen?
Aus welchem Propagandawerk haben Sie den solchen Schmarren abgeschrieben?
@ RegAuf
Diese Art der Argumentation halte ich auch für unredlich. Selbstverständlich wollen Saatgutkonzerne Profit machen und diesen auch maximieren. Und wenn sie das dadurch machen, dass sie ertragsstärkere Sorten produzieren, dann profitieren doch auch die Erzeuger davon. Das ist doch der einzige Anreiz, neue Sorten überhaupt zu kaufen und anzubauen.
Ist es nicht gerade so, dass die Entwicklung von neuen Sorten viele 100 Millionen Menschen auf der Welt erst vorm Verhungern bewahrt hat? War es nicht unter anderem Norman Borlaug, der hier eine Schlüsselrolle spielte? Der hat durch die Züchtung von ertragsstarken Weizensorten die grüne Revolution mit ermöglicht. Und das durch das “hereinzüchten” von Genen aus japanischen Weizensorten in seinen “Mexikoweizen”. Das war auch eine Art von Genmanupilation (wie jede Züchtung es ist). Dafür hat er dann völlig zu Recht 1970 den Friedensnobelpreis bekommen.
“Ist es nicht gerade so, dass die Entwicklung von neuen Sorten viele 100 Millionen Menschen auf der Welt erst vorm Verhungern bewahrt hat?”
ein entschiedenes Nein. s.a. Berliner Zeitung von heute
“In der Debatte darüber, wie das Grundrecht der Menschen auf Nahrung gesichert und die Weltbevölkerung ernährt werden kann, taucht immer häufiger die Forderung auf, dass eine zweite Grüne Revolution stattfinden müsse. Doch das hält Rudolf Buntzel, ein Experte für Welternährungsfragen, für unrealistisch.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1116/tagesthema/0043/index.html
weiter auf den Punkt gebracht:
Warum gab es die (“Grüne”)Revolution nicht auch in Afrika?
Afrika hat kaum Bewässerungslandwirtschaft, die Böden sind nährstoffarmer, anders strukturiert. Die Wunderpflanzen konnten dort nicht gedeihen. In Asien, vor allem in China und Indien, haben die Regierungen den Anbau der Wundersorten und die Landwirtschaft gefördert. Das war in Afrika nicht der Fall. In den letzten Jahren tauchte der Begriff kaum noch auf, denn man hat zunehmend auch die die sozialen und ökologischen Folge-Probleme gesehen.”
s.a. Der Urzeit-Code – eine ökologische Alternative zur Gentechnologie
http://www.google.com/search?hl=de&client=safari&rls=de-de&num=100&q=urzeit+code&btnG=Suche&lr=
Man beachte den mehrtriebigen Mais – es bleibt daher noch zu klären, ob Neuzüchtungen wirklich immer nur ein Fortschritt sind, ob sie nur ein Geschäft mit dem Hunger sind. Gen-Food ist m.E. praktizierte Eugenik und mit liberaler Weltanschauung nicht vereinbar.
@ RegAuf
Afrikas größtes Problem sind bestimmt nicht zu wenig effiziente Pflanzensorten. Bevor das Thema dort wirklich interessant wird, müssten erst einmal einige korrupte Regierungen gestürzt werden. Auch die Methoden à la Grabstock sind wohl noch nicht wirklich optimal. Aber dieses Thema hat ja mit der Gentechnik wirklich nur am Rande zu tun. In meinem Artikel jedenfalls ging es um BT-Mais.
Die Sache mit den Urzeit-Code Züchtungen habe ich mit einer Mischung aus erstaunen und Ungläubigkeit gelesen. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass alle Züchtungsanstrengungen der Menschen letztendlich zu schlechteren Sorten geführt haben sollen. Bei den meisten Pflanzen waren die Urformen wohl eher kleinwüchsiger und enthielten auch mehr Giftstoffe als die gezüchteten Sorten. Züchtung ist ja schließlich nicht erst mit den großen Saatgutproduzenten entstanden. Ansonsten hätten die menschen vor der industriellen Landwirtschaft wohl alle in Saus und Braus leben müssen.
Das Thema selbst interessiert mich aber. Wenn Sie dazu noch weitere Informationen haben, immer her damit…
@Rudolf Kipp
Da gab es mal vor einigen Jahrenwas, ww Samen / Setzlinge einem magnetischen oder elektrischen Feld ausgesetzt wurden und in die Urform zurück fielen udn qualitativ bessere, schneller wachsende Pflanzen “erzeugt” wurden. Muß irgendwie mit der Bayer AG oder so zusammen hängen.
Vor nicht allzu langer Zeit meine ich im I-Net auch drüber gestolpert zu sein, bin aber, weil ich was anderes gesucht habe drüber weg…
@14.Krishna Gans
Das was du meinst findest du im Film der bei Nuoviso zu finden ist:
http://www.nuoviso.tv/forschung/der-urzeit-code.html
lg, Erich
@Erich Sommer #15
Genau das meinte ich – super ! Besten Dank !
Real betrachtet gibt es in der ganzen Debatte nur ein gravierendes Problem.
Wenn sogenannte Biopflanzen durch Pollenflug von genveränderten Pflanzen ?verseucht? werden und der Hersteller (wie bereits geschehen — Monsanto) Lizenzrechte ableitet und diese auch noch gerichtlich durchsetzen will.
@ MEstermeier
Das sieht für mich nicht nach einem Problem aus, dass man nicht ganz einfach durch klare gesetzliche Regelungen aus der Welt schaffen kann. Ist der Fall, den Sie beschreiben, irgendwo dokumentiert? Das würde mich schon interessieren.