Nachhaltige Entwicklung? – Die Welt gehört den Lebenden…

15. Mai 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Nachhaltigkeit, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Der Besuch im Vergnügungspark endete vor der lebensgroßen Figur des Mammuts. “Lebensgroß” bedeutet in diesem Fall nichts anderes als “ziemlich groß”, also beeindruckend. Der Gestalter hatte sich alle Mühe gegeben, denn immerhin wissen wir heute genau, wie Mammuts einmal ausgesehen haben. Und im Gegensatz zu all den vielen Dinosauriern, deren lebens- also ziemlich große Nachbildungen der Park ebenfalls zu bieten hatte, waren Mammuts einmal unsere Zeitgenossen. Das erklärt die Faszination, die diese Tiere auf uns ausüben. Und ebenfalls im Gegensatz zu den Dinosauriern gibt es zumindest Indizien, die das Aussterben dieser großen Landsäugetiere mit dem Menschen, mit den Fertigkeiten steinzeitlicher Jäger, in Verbindung bringen.  Die Figurengruppe im Vergnügungspark, die nicht nur aus dem gigantischen Rüsseltier, sondern auch aus unseren fellbedeckten, mit Speeren herumfuchtelnden Vorfahren besteht, bildete einen merkwürdigen Kontrast zu den Horden lärmender Kinder und staunender Eltern, die sie betrachteten.

Dieser Kontrast verdeutlicht das Scheitern des Prinzips der “nachhaltigen Entwicklung”.

Unsere gegenwärtigen Bedürfnisse, so dieses Prinzip, sollen wir auf eine Art und Weise erfüllen, die die Fähigkeit künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nicht einschränkt. Für sich genommen bietet diese Vorgabe keinerlei Entscheidungskriterium. Denn erstens kennen wir die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht – und zweitens nicht deren Fähigkeiten.

Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung ergibt nur dann einen Sinn, wenn es in den Kontext seiner Entstehung gestellt wird. Und dieser Kontext ist die Vorstellung prinzipiell unüberwindlicher Grenzen, denen wir durch unsere Lebensweise bedrohlich nahekommen.

Es scheint ja naheliegend: Die Erde hat eine definierte Größe. Ihre Oberfläche und das, was sich auf ihr so tummelt, ihr Volumen, und das, was man darin so findet, sind tatsächlich von endlicher Menge. Die Vorstellung, daß uns dies einmal Probleme bereiten könnte, ist mindestens so alt wie die industrielle Revolution. Und diese Idee der Begrenzung unserer Möglichkeiten wurde in den 1970er Jahren so populär, daß sie in die Formulierung des Prinzips der nachhaltigen Entwicklung in den 1980ern und dessen Implementierung als grundlegendes politisches Dogma in den 1990ern mündete. Heute gibt es im deutschen Bundestag keine Partei mehr, die sich in ihrer Programmatik gegen diesen Ansatz wendet.

Für das Mammut kam diese Entwicklung etwas zu spät.

Dabei mag es eine große Bedeutung für nomadische menschliche Gesellschaften gehabt haben. Es lieferte nicht nur Fleisch, sondern vom Fell über Elfenbein bis zu den Knochen allerlei Materialien zur Anfertigung einer Vielzahl nützlicher Artefakte. Man kann durchaus eine besondere Abhängigkeit umherziehender Stammesverbände vom Mammut annehmen. Die Vorstellung, das Mammut könnte einmal nicht mehr existieren, wird vielleicht zu den Schreckensszenarien gehört haben, die sich unsere Vorfahren vor zehntausenden von Jahren in dunklen Stunden ausgemalt haben. Sich nachhaltig zu entwickeln, hätte für den Steinzeitmenschen bedeutet, das Mammut auf jeden Fall zu erhalten. Es nicht so intensiv zu bejagen, wie möglicherweise geschehen, damit es auch seinen Nachkommen weiterhin zur Verfügung steht.

Es ist anders gekommen: Das Mammut ist nicht mehr – und dies ist heute völlig ohne Belang.

Tatsächlich ist zu konstatieren: Zu keinem Zeitpunkt in ihrer Geschichte hat sich die Menschheit nachhaltig entwickelt. Immer wurden natürliche Ressourcen ausgebeutet und genutzt, um aktuelle Bedürfnisse zu befriedigen – ohne jede Rücksicht auf nachfolgende Generationen. Und zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte wäre ein Leben auf der Grundlage des Prinzips der nachhaltigen Entwicklung aus heutiger Sicht sinnvoll gewesen.

Was hätte ein Römer denn als wichtig genug erachten können, um es für die Nachwelt zu erhalten? Was ein Mensch des Mittelalters? Und was ein Zeitgenosse der beginnenden Neuzeit? Felle (für Kleidung), Bienenwachs und Walöl (für die Beleuchtung), Pferde und Ochsen (für Transportzwecke), Holzkohle (für die Eisenverhüttung), Pergament (für die Kommunikation)? In Wahrheit könnte man alle diese Ressourcen heute immer noch in beliebiger Menge bekommen – nur werden sie nicht mehr gebraucht (jedenfalls nicht für ihren ursprünglichen Zweck). Bei mir findet sich von all dem aktuell nur ein kleiner Vorrat Holzkohle – zum Grillen.

Es gibt – und das ist der zweite Aspekt dieser kurzen Liste – keine einzige Ressource mit Bedeutung zu irgendeinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte, die heute deswegen nicht mehr vorhanden wäre. Noch nie haben wir irgendetwas vollständig und unwiderruflich verbraucht. Es ist auch alles noch da, was das Mammut zu bieten hatte: Elfenbein, Knochen, Fleisch und Fell. Die Steinzeit – und dieser Satz ist so banal wie alt wie richtig – ist eben nicht aus einem Mangel an Steinen beendet worden.  

Man kann sein Verhalten nicht an der Zukunft ausrichten, da man diese nicht kennt. Die Anhänger der nachhaltigen Entwicklung sehen dies natürlich anders. Sie glauben die Zukunft ganz genau zu kennen. Sie sind davon überzeugt, die Menschheit wäre an einem singulären, besonderem Punkt ihrer Entwicklung angelangt. Am Ende eines Weges, der tatsächlich von einer hohen Mauer begrenzt würde, die man nicht überwinden könne. Es gälte, so die Forderung, anzuhalten oder gar den Weg wieder ein Stück zurückzugehen, um nicht aufzuprallen. Tatsächlich ist diese Vorstellung so alt wie die Menschheit selbst. Noch jede Gesellschaft hat sich selbst als Ende und Höhepunkt einer Entwicklung gesehen, noch jede Gesellschaft hatte keine kluge Idee von dem, was nach ihr kommen könnte. Und bislang haben sich all die angenommenen Mauern als reine Phantasieprodukte herausgestellt, die nur in den Köpfen (einiger) Menschen, nicht aber in der Realität vorhanden waren.

Vor diesem Hintergrund ist das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung in Wahrhheit nur Ausdruck von Hybris und Phantasielosigkeit. In einer Politik, die diesem Prinzip folgt, manifestiert sich ein Mangel an Vorstellungsvermögen. Mehr nicht. Die Anhänger der nachhaltigen Entwicklung glauben die Zukunft zu kennen – aber sie vergessen darüber die Vergangenheit.

Auf die Frage, warum denn genau die aktuelle Epoche der Menschheitsgeschichte eine gegenüber unseren Vorfahren grundlegende Verhaltensänderung erfordert, hat Hans-Joachim Schellnhuber jüngst in einem Essay für die FAZ eine interessante, durchaus neue und bedenkenswerte Antwort gegeben: Weil wir es (erst) heute können. Natürlich ist ihm die oben ausgeführte Argumentation geläufig: Wäre man dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung im 18. Jahrhundert bereits gefolgt, hätte es die industrielle Revolution nie gegeben. Und der Wohlstand, der gegenwärtig Milliarden Menschen ernährt (und alle möglichen anderen Bedürfnisse befriedigt) wäre niemals möglich gewesen. Darauf entgegnet er sinngemäß, natürlich wäre die industrielle Revolution gut und nützlich gewesen. Denn durch sie erst hätten wir überhaupt die Fähigkeit entwickelt, heute eine nachhaltige Lebensweise zu wählen.

Mit anderen Worten: Allein die nicht-nachhaltige Entwicklung der vergangenen Jahrhunderte hat in dieser Argumentation die Möglichkeit geschaffen, (gedachten) Gefahren für unsere weitere Entwicklung durch Abkehr und Umkehr aus dem Weg zu gehen. Der heutige Wohlstand erst, der sehr wesentlich auf der Ausbeutung nicht nachwachsender fossiler und mineralischer Ressourcen beruht, hat also Bremse und Rückwärtsgang geschaffen, durch die man den Aufprall auf die (gedachte) Mauer vermeiden könnte.

Was liegt also näher, als einfach dem bisher eingeschlagenen Weg weiter zu folgen? Auch unsere Nachfahren werden wohl an Mauern, an Grenzen der Entwicklung glauben. Es werden nur andere sein, als man heute annimmt. Unsere Bedürfnisse in der Gegenwart zu befriedigen und sich dabei nicht von Weltuntergangsphantasien stören zu lassen, kann also die Möglichkeiten unserer Nachfahren, mit den Problemen der Zukunft umzugehen (ganz gleich ob diese Phantasie oder Realität sind), nur noch weiter verbessern. Ganz so, wie die Entwicklung von Maschinen, die Nutzung der Elektrizität, die Herstellung von Kunststoffen, die Technisierung der Landwirtschaft und vieles mehr uns den Reichtum ermöglicht haben, der erst heute nach Schellnhuber eine nachhaltige Entwicklung gestatten würde. 

Sich auf diese aber wirklich festzulegen, hieße, künftigen Generationen keine anderen Bedürfnisse zu erlauben, als wir sie heute schon haben.

Aus der Sicht unserer Nachfahren würden wir, folgten wir den Schellnhuberschen Ideen einer “großen Transformation”, genau den Fehler machen, den die Menschen der vergangenen Generationen glücklicherweise nicht gemacht haben. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist der eigentliche Irrtum unserer Zeit, schließlich muß man nicht gleich vor jeder Mauer stoppen. Sollte sie wirklich keine Illusion sein, kann man sie auch umfahren. Oder – und das war in der Vergangenheit immer die bessere Alternative – man erhöht Geschwindigkeit und Panzerung und pulverisiere sie einfach, während man sie durchbricht.     

Die junge, neue Kollegin im Büro fragte mich vor kurzem erst, was denn aus meiner Sicht so kritikwürdig am Prinzip der “nachhaltigen Entwicklung” sei. Ich antwortete wortlos aus dem Fenster zeigend. Sie verstand bemerkenswert schnell: “Ah, Sie meinen, daß die Welt noch immer existiert?” Das ist der Punkt. Es geht uns heute nicht schlechter, als vor zwei oder drei Jahrzehnten. Sondern besser. Und es geht uns sogar sehr viel besser, als den steinzeitlichen Mammutjägern. Auch ohne Mammuts. Und niemand von den Besuchern des Parks, nicht die Kinder und auch nicht die Eltern, niemand wird die folgende Nacht schlaflos vor Trauer über den Verlust dieser Elefantenart verbracht haben. Ganz im Gegenteil: Auf das Mammut nicht mehr angewiesen zu sein und nicht mehr so leben zu müssen, wie unsere Altvorderen, gefällt den Menschen. Auf den Mut der steinzeitlichen Jäger, auf ihren Erfindungsreichtum und ihre Kreativität, der es ihnen ermöglichte, sich den Gefahren ihrer Umwelt erfolgreich zu widersetzen und aus diesen sogar Vorteile zu ziehen, sollten wir heute stolz sein. Versuchen wir doch einfach, diesen Stolz auf unsere Generation auch unseren Nachfolgern zu ermöglichen.

Update 16.5.2011: Der Text ist jetzt auch Online im Novo-Blog:

http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000853

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53 Kommentare
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  1. Ja, Herr Heller, es ist Zeit sich mit den Grundannahmen der Ökobewegung auseinander zusetzen. Natürlich ist es hilfreich und notwendig die Fehler, zum Beispiel in der Klimaforschung, offen zu legen. Gleiches gilt in Bezug auf die Energieversorgung. Doch all das greift zu kurz, da es die Symptome bekämpft und nicht die Ursache.

    Egal ob es ökologische Fundamentalisten sind, oder ergrünte CDU-Politiker, selbst Wirtschaftsbosse, alle benutzen den Begriff Nachhaltigkeit als gewichtiges Argument so, als ob davon die Zukunft des Planeten abhängt, und wir uns an unseren Nachkommen versündigen wenn wir gegen dieses Prinzip verstoßen würden.

    Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Unsere Nachkommen werden das nachholen müssen, was uns eigentlich möglich ist, wir aber aus ideologischen Gründen nicht tun. Auch hier lohnt ein Blick in die Vergangenheit. Hätten unsere Vorfahren aus Gründen der Nachhaltigkeit darauf verzichtet Holzkohle zur Verhüttung von Erzen zu nutzen, wäre ein wesentlicher Schritt in unserer Entwicklung nicht getan worden und wir hätten heute eine gänzlich andere Gesellschaft.

    Oder doch nicht? Ich tendiere dahin anzunehmen, dass es deswegen nicht viel anders auf der Welt aussehen würde. Neue Entwicklungen entstehen nicht nur an einem Ort, dies war auch bei der Verhüttung der Fall, um mal das Beispiel Holzkohle auzugreifen. Wenn also eine bestimmte Kultur, aus welchen Gründen auch immer, gewisse Technologien nicht nutzt, wird das nicht das Ende dieser Technologien sein, sie werden eben nur woanders entstehen. Und in diesen Gebieten, oder Kulturen, wird sich der Wohlstand mehren und Begehrlichkeiten andernorts wecken. Spätestens dann werden die nachfolgenden Generationen von den Entschlüssen abrücken, und versuchen zur Weltspitze wieder aufzuschließen.

    Nachhaltigkeit bedeutet also Stillstand, und wer stehen bleibt fällt zurück. Es wird höchste Zeit den Begriff Nachhaltigkeit zu entzaubern, und darzustellen was dieses auch bedeutet, nämlich, unseren nachfolgenden Generationen Entwicklungsmöglichkeiten zu verbauen.

  2. Lese gern und zustimmend Ihre historisch -- optimistischen Betrachtungen, Herr Heller! Trotzdem der miesepetrige Gedanke an die Gesellschaften oder Zivilisationen, die sich ausklinken. Sind wir schon tot?
    Gruß

  3. Eine wirklich seltsame Herleitung, die ihren sarkastischen Höhepunkt erreicht als ausgerufen wird, dass es uns heute so gut geht. Wer ist “uns”? Ihre Welt scheint sehr klein zu sein.

  4. @Riccardo Wagner

    Wer ist “uns”?

    Ok, Sie dann halt nicht und nur weil´s Ihnen beschissen geht, trifft das nicht auch zwangsläufig auf den Rest der Menschheit zu.
    Herr Heller hat nun überhaupt nicht behauptet diese Welt wäre die beste aller Welten und deshalb nicht mehr verbesserungswürdig, der Lebensstandart hätte seinen absoluten Höhepunkt erreicht wie Herr Schellnhuber das gern suggeriert um die Menschheit zur Umkehr ín´s dunkel zu bewegen und so sie nicht willig zu zwingen.
    Im Gegenteil, nur lässt dieses keinem “Nachhaltigkeitsprinzip” Raum. Es gab schon immer Apokalyptiker, Weltuntergangspropheten und verfechter einer begrenzten Welt, ob nun die Phönizier mit den Säulen des Melkart, die Wikinger mit ihrer Angst über den Rand der Welt zu fahren, die Kirche mit ähnlichem Scheibenweltbild oder oder oder, immer und in jeder Epoche gab es Menschen die das Ende der Welt kommen sahen, auf die eine oder andere Art und Weise, das offenbarte bislang immer nur die Begrenztheit des Denkens und der Phantasie der Untergangsphilosophen.
    Riccardo, Ihr Horizont scheint ziemlich begrenzt zu sein wenn Sie nicht sehen

    … dass es uns heute so gut geht …

    im Vergleich zum 18. oder 19.Jahrhundert.

  5. Hallo Karl, mir gehts übrigens prima, danke der Nachfrage. Alles andere in ihrem Kommentar ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten, aber ich nehme jetzt , mal die wohlwollende Variante, dass Auch Sie der Meinung sind, dass wir uns weiterentwickeln müssen -- denn wenn ich mal in die Welt schaue und das nicht nur bei mir aus dem Fenster, sehe ich Millionen Menschen und Tiere, die das sehr nötig haben und denen ich den Weg des Mammuts gern ersparen möchte. Ich nenne das Nachhaltigkeit, wie Sie es nennen is mir ehrlich gesagt wurscht, so lange Sie das auch im Grunde so sehen.

  6. @Riccardo Wagner

    Ich nenne das Nachhaltigkeit, wie Sie es nennen is mir ehrlich gesagt wurscht, so lange Sie das auch im Grunde so sehen.

    Hm, und was wenn nicht? Komm ich dann ins Lager oder gleich an die Wand, oder schwebt Ihnen die 10:10 Variante vor?
    Könnten Sie Ihre Sichtweise denn etwas detailierter und eventuell auch etwas anschaulicher darstellen? Bislang haben Sie lediglich negiert ohne Begründung, noch nicht einmal absurd.

  7. @ Riccardo Wagner

    Es will sich mir nicht so recht erschließen, welche Millionen Menschen Sie mit Hilfe der “Nachhaltigkeit” vor dem Untergang bewahren wollen. Wie Peter Heller ganz zutreffend schreibt, geht est den allermeisten Menschen auf der Welt heute deutlich besser als vor 50, 100, 1.000 oder 10.000 Jahren. Und das gerade weil sich die Menschen auf ihrem bisherigen Weg eben nicht Nachhaltig im heutigen Sinne verhalten haben.

    Hätten sie das nämlich getan, wäre die Entwicklung hin zu einer modernen Gesellschaft mit all ihren Vorzügen sicher nicht vonstatten gegangen. Bei auch nur halbwegs konsequenter Anwendung des Nachhaltigkeitsprinzips hätte es etwa keine Dampfmaschine, keinen Kohlenbergbau, keine Landwirtschaft und auch nicht die Nutzung dses Feuers durch Menschen geben können.

    Das Prinzip der Nachhaltigkeit geht, wie Peter ausgeführt hat, davon aus zu wissen, welche Ressourcen künftige Generationen brauchen und auf welchem technologischen Stand sich diese befinden. Ein Blick allein in die jüngere Vergangenheit der letzten 100 Jahre genügt um zu wissen, dass wir aber genau nicht sagen können, wie künftige Generationen leben werden und welche Technologien diesen zur Verfügung stehen werden. Es ist sogar sehr wahrscheinlich dass sich darunter Entwicklungen befinden werden, die wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können.

    Was sich mir aus Ihren kurzen Beiträgen allerdings nicht erschließt ist, was Sie denn genau mit dem Begriff Nachhaltigkeit verbinden. Viele Menschen, unter ihnen auch viele Politiker, haben bestenfalls vage Vorstellungen von diesem Begriff. Und genau dort liegt auch ein Grundproblem. Eine vage Vorstellung kann man unmöglich als Grundlage für politisches Handeln gebrauchen. Genau das passiert aber gerade. Mit dem Ergebnis, dass uns alles Mögliche unter dem Mantel der “Nachhaltigkeit” untergejubelt werden soll.

  8. Sehr geehrter Herr Heller,
    erstmal finde ich, dass Sie ihren Gedanken gut herleiten und argumentieren. Einige “Ökofritzen”, zu denen ich mich nicht zähle, haben die Relevanz der Gegenwart gegenüber der Zukunft, meiner Meinung nach aus den Augen verloren. Nachhaltigkeit um jeden Preis ist zum Trend geworden und wird nicht weiter hinterfragt. Trotzdem muss man den Ursprung dieses Themas nochmal beleuchten. Es ist, wie Sie auch schreiben, schon immer so gewesen, dass sich Menschen Gedanken, um den Fortbestand ihres Konsumniveaus, dem Wohlergehen ihrer Familie, ihrer Gesellschaft etc. gemacht haben. Dies scheint mir ein sehr natürlicher, durch die Evolution herausgebildeter Mechanismus zu sein, egal ob auf Mikro- oder Makroebene. Die Furcht vor einem Einbruch des aktuellen Konsumniveaus ist keineswegs unbegründet und dieses Schicksal ist vielen Meschen in der Vergangenheit widerfahren. Ich finde es daher natürlich zu überlegen, ob die Geschwindigkeit des Wachstums an Ressourcenverbrauch noch vertretbar ist oder ob man es nicht gegeben den aktuellen Wohlstand übertreibt. Ich meine die Geschichte mit dem Mammut auch wenn sie qualitativ in dieselbe Richtung geht, spielt quantitativ in einer anderen Liga. Zu den Mammuts gab es ja schon immer Alternativen auch zu jener Zeit und falls sie in einer Region ausgestorben waren, zog man einfacher weiter. Wenn die fossilen Brennstoffe knapper werden und die Anbaufläche auf diesem Planeten knapper wird, während die Weltbevölkerung eine kritische Masse erreicht, werden die Alternativen, technischer Fortschritt hin oder her, überschaubar. Das heißt ja nicht dass wir sofort aussterben und ist kein Grund in Panik zu verfallen, aber einen Gedanken in die Richtung zu verschwenden finde ich, wie gesagt, recht natürlich. Vor allem wenn man eine Präferenz für das Wohlergehen der Menschheit oder zumindest seiner Kinder hat. Dies geht natürlich am Einfachsten, wenn es einem selbst gut geht, da stimme ich vollkommen mit Ihnen überein. Aber wie sieht es mit Ihrer Einstellung aus? Ist das Gefühl, dass man sich vom Staat unterdrückt fühlt, weil Benzin besteuert wird oder weil man mit nem Stinker, der bei allen Passanten Hustenreize auslöst, nicht mehr in die Innenstadt fahren darf, nicht genauso ein Wohlstandsphänomen? Nach dem Krieg als es allen schlecht ging, war der Spitzensteuersatz auf Einkommen immer über 50%, in den USA kurzzeitig sogar an die 90%. Haben da Leute geschrien, dass der Staat sie in ihrer persönlichen Freiheit einschränkt, dass er schlecht ist? Nein, sie haben angepackt und trotzdem das Wirtschaftswunder geschafft. Ich finde, man sollte nicht so radikal in die Frage der Nachhaltigkeit gehen. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, effizienter und bewusster zu leben, Konsum lieber zu glätten statt maximalen Konsum anzustreben. Das heißt aber freilich nicht, dass man aufhört zu leben.

  9. Ich werde heute Abend noch auf einige der genannten Aspekte eingehen. Bis dahin möchte ich nur noch einmal auf den Kernaspekt den obigen Textes verweisen: Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung ergibt nur Sinn, wenn man es mit der Vorstellung von prinzipiellen Grenzen der Entwicklung verbindet.

    Dazu vielleicht mal etwas zum Nachdenken:

    “Die Eisenpreise werden sich mindestens verdoppeln, wenn die Vorräte an diesem Material, was wahrscheinlich ist, nicht ganz und gar erschöpft werden.”
    (Sir Isaac Coffin in einer Rede wider den Bau der Eisenbahn im britischen Parlament, 1840, Quelle: Propyläen Technikgeschichte)

    Coffin hatte offensichtlich nicht Recht. Warum nicht? Und was sagt uns das über aktuelle Vorstellungen von Grenzen?

    Ansonsten denke ich, daß sowohl Riccardo Wagner als auch Skeptiker-Skeptiker ein etwas diffuses Verständnis von “Nachhaltigkeit” vertreten, das nicht mit dem durchaus klar und eindeutig formulierten Prinzip der “nachhaltigen Entwicklung” übereinstimmt. Zwischen “Nachhaltigkeit” und “nachhaltiger Entwicklung” besteht ein gewaltiger Unterschied. Es ist auch eine der Schwächen des hier ebenfalls diskutierten Maxeiner-Textes, dies nicht klar herauszuarbeiten.

    Wie schreibt doch Schellnhuber so schön:

    “In die Vorträge, die ich weltweit zu Themen wie Klima, Energie und Nachhaltigkeit halte, flechte ich fast immer folgendes Frage-und-Antwort-Spiel ein:

    1. Glauben Sie, dass es Ihnen heute besser geht als damals Ihren Großeltern? Ein Wald von Armen reckt sich hoch. 2. Glauben Sie, dass es Ihren Enkeln künftig besser gehen wird als Ihnen jetzt? Fast alle Arme bleiben unten. 3. Finden Sie das in Ordnung? Schweigen, vereinzelte verlegene Lacher . . .

    Somit ist es ein offenes, beschämendes Geheimnis unserer Halbwissensgesellschaft, dass die heute lebenden volljährigen Generationen den historischen Gipfel des materiellen Wohlstands besetzen -- wenn wir verstockt weitermachen wie bisher.”

    Keine Frage, ich hätte auch bei Frage 2 die Hand gehoben und finde das auch durchaus in Ordnung. Der Punkt ist aber: Selbst wenn man Frage 2 verneint (und das dementsprechend auch nicht in Ordnung findet), eine Begründung für die nachhaltige Entwicklung ist dies noch lange nicht…

    Der Glaube an prinzipielle Grenzen ist es, der die Begründung liefert, nicht der Glaube an die Möglichkeit einer besseren Zukunft.

  10. @ Peter Heller
    Ha, Sie haben´s wieder geschafft ;-) . Mit Ihrem Artikel haben Sie also, schon wieder, wie es aussieht die richtigen angesprochen, die üblichen “Verdächtigen” sind schon auf dem Plan und sogar berufsmäßige Nachhaltigkeitsberater , also so richtig echte Experten für Nachhaltigkeit, sind am Start. Einfach nur gut.
    @Riccardo
    Mit dem Hintergrund könnte ich doch etwas bessere Argumente erwarten oder ist da nicht mehr?
    Na dann hoffe ich bloß Ihre Kunden lesen hier nicht mit :-) .

  11. Na, ist doch mal schön, wenn sich hier jemand traut, unter seinem eigenen Namen auch zu seiner abweichenden Meinung zu stehen. Von daher verdient Herr Wagner Respekt. Aber in der Tat, eine substantiellere Argumentation könnte man schon erwarten. ich bin gespannt…

  12. Von daher verdient Herr Wagner Respekt.

    Stimmt!

  13. So dann, ich hatte eine ausführlichere Antwort versprochen.

    Zunächst waren drei Motivationen ausschlaggebend für den Text: Erstens tatsächlich ein Besuch in einem Vergnügungspark mit Mammuts und Dinosauriern. Zweitens der oben verlinkte Text von Schellnhuber, der aus meiner Sicht die Motivation zur “Großen Transformation” sehr gut beschreibt und drittens eine Debatte im Büro über die Zukunft der Energiepreise. Ein Kollege war der Auffassung, einem Kunden im Zusammenhang mit einem bestimmten Konzept mitteilen zu müssen, die Energiepreise würden langfristig steigen. Ich dagegen halte eine Zukunft mit langfristig sinkenden Energiepreisen ebenso für möglich (eigentlich sogar für überaus wahrscheinlich). Ich denke, ich konnte meinen Kollegen überzeugen. Und die Argumentation ist (verklausuliert) in obigen Text eingeflossen.

    Das zeitliche Zusammentreffen mit dem Maxeiner-Text, den wir hier ebenfalls zur Debatte gestellt haben, ist reiner Zufall. Nun diskutieren wir parallel über “Nachhaltigkeit” -- ich finde das aber nicht schlimm, das unterstreicht nur das allgemeine Unbehagen, das sich mit diesem Begriff verbindet. Schon Quentin Quenchers “Nachhaltige Selbstzerstörung” hat gezeigt, daß hier Redebedarf besteht.

    @ Riccardo Wagner:

    Ok, kein wirklich inhaltliches Gegenargument Ihrerseits? Schade. Würde mich freuen, in eine Debatte außerhalb der üblichen Schmähungen einzusteigen. Mir scheint, Sie glauben, der Text oben würde Ihrem Geschäftsmodell die Grundlage entziehen. Bedauerlicherweise ist das auch so.

    @ Skeptiker-Skeptiker:

    Erst einmal Dank für die sachliche Entgegnung, die zeigt, daß Sie meinen Text sehr wohl gelesen und verstanden haben. Ich bin das nicht gewohnt. In der Regel werde ich von Menschen mit anderer Auffassung nur angefeindet.

    Das “Mammut” ist natürlich nur eine Metapher. (Zumal ja nicht klar ist, ob der Mensch wirklich eine Rolle bei seinem Verschwinden gespielt hat) Für das Mammut gelten zwei wesentliche Eigenschaften:

    1. Es ist (war) nur in begrenzter Menge vorhanden.

    2. Es weist (wies) nur eine begrenzte Reproduktionsfähigkeit auf.

    Diese beiden Aspekte gelten für absolut alle Ressourcen, die wir zur Nutzung der Natur entnehmen, seien es biogene oder mineralische (man beachte: die zweite Aussage schließt eine Reproduktionsfähigkeit von Null ein.). Diese Aspekte gelten im übrigen auch für jede Form der NIEs (= “erneuerbare Energien”). Und sie gelten auf allen Skalen, ganz gleich ob wir über Milliarden Tonnen (Erdöl, Kohle) oder über hunderte (seltene Erden) sprechen.

    Es ist nun in gewissen Zusammenhängen absolut sinnvoll, Ressourcen nur im Rahmen ihrer Reproduktionsfähigkeit zu nutzen (damit sie dauerhaft zur Verfügung stehen). Das stellt auch Maxeiner in seinem Text nicht in Abrede.

    Das kann man gerne “Nachhaltigkeit” nennen, denn es bedeutet, daß die Nutzung einer solchen Ressource “lange andauern” kann.

    Die Idee hinter der “nachhaltigen Entwicklung” (oder “großen Transformation”) ist aber eine weitergehende. Ihr zufolge ist eine nachhaltige Nutzung auf absolut alle Ressourcen auszudehnen (auch auf die mineralischen) und die begrenzte Reproduktionsfähigkeit als grundsätzliche Grenze anzusehen.

    Dabei wird die Wechselwirkung zwischen der menschlichen Zivilisation und der Natur völlig außer Acht gelassen. Das der “großen Transformation” zugrundeliegende Weltbild ist sozusagen statisch, es sieht Entwicklung als eine Abfolge konkreter Zustände. Mein Gegenkonzept sieht Entwicklung als einen Prozeß, als eine Dynamik. Ich denke, daß meine Beschreibung die Wirklichkeit besser trifft, denn:

    a) Die Bedeutung von Ressourcen ändert sich im Laufe der Zeit. Damit ändert sich unsere Einschätzung von “viel” oder “wenig”, unsere Einschätzung begrenzter Mengen.

    b) Technologie (menschliche Kreativität) kann in großem Umfang die natürliche Reproduktionsfähigkeit verändern (ausweiten).

    Es ist im übertragenen Sinne auch hier das Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage zu berücksichtigen. Die “große Transformation” sieht nur Änderungen bei der Nachfrage. Eine unvollständige Weltbetrachtung, denn mit der Nachfrage ändert sich auch das Angebot. Wenn etwas intensiv nachgefragt wird, steigt das Angebot, da mehr Wertschöpfungsmöglichkeiten bestehen.

    Recycling (mineralischer Ressourcen) ist ein Beispiel für eine technische Antwort auf begrenzte Reproduktionsfähigkeit. Ebenso ist die Landwirtschaft eine im Falle biogener Ressourcen. Unsere Grundbedürfnisse (Nahrung und Kleidung) werden heute längst völlig unabhängig von der Natur erzeugt. Wir sind nicht mehr auf Jagen und Sammeln angewiesen. Stattdessen haben wir (künstliche) Pflanzen und Tiere erschaffen (die eben mit ihren Wildformen fast nichts mehr gemein haben), die oft unter völlig künstlichen Bedingungen heranwachsen. Damit sind nicht nur die Massentierhaltung (deren ethische Aspekte natürlich diskutabel sind) und Treibhäuser gemeint. Im Prinzip ist heute jeder Acker eine künstliche, technische Umgebung. Noch vor hundert Jahren mussten die Menschen fast 100% ihres Einkommens für Nahrung und Kleidung aufwenden, heute sind es vielleicht noch 10%. Und dieser Anteil wird weiter sinken. Wir agieren hier völlig losgelöst von natürlichen Grenzen, ich sehe auch jede Menge Möglichkeiten, Erträge in der Landwirtschaft weiter zu steigern.

    Ein Beispiel für einen Bereich, in dem wir unvernünftig mit natürlichen Ressourcen umgehen, ist die Fischerei. Die Lösung gegen Überfischung imm Sinne der nachhaltigen Entwicklung ist: Weniger Fisch essen. Meine Lösung ist: Mehr Fisch essen. Denn das wird mehr Anbieter im Bereich der Fischzucht induzieren, die das Potential hat, die herkömmliche Fischerei vollständig abzulösen.

    Man kann noch tausende solcher Beispiele bringen, in denen sich zeigt, daß der Mensch bislang noch jede natürliche Schranke hinweggefegt hat. Weil er eben aus einer Ressource schöpfen kann, die tatsächlich unbegrenzt ist. Seiner Kreativität. Deswegen finde ich Bevölkerungswachstum gut. Viele Anhänger der nachhaltigen Entwicklung sehen ja im Bevölkerungswachstum das Hauptproblem. Ich denke, jeder Mensch mehr auf diesem Planeten bedeutet ein Universum voller Kreativität, voller neuer Ideen mehr. Also sollten wir mehr Menschen anstreben -- und nicht weniger.

  14. Man kann Konsens auch erzwingen,

    „Es ist unmoralisch, die Lebenschancen künftiger Generationen durch einen nicht nachhaltigen Lebensstil zu begrenzen“, argumentiert der Gesellschaftswissenschaftler Claus Leggewie, einer der Mitautoren des Berichts. „Der Genuss der Freiheitsrechte Einzelner darf nicht zur Blockade Dritter führen“, sagt er.

    dieser Artikel in der FAZ passt unglaublicher Weise in diesen Artikel, den und diesen sowieso und auch für den. Quentin Quenchers Befürchtungen vor der Wahl Kretchmann´s nehmen so langsam reale Gestalt an.

  15. @ Peter Heller

    Vielen Dank für Ihre recht differenzierten Ausführungen zu der Thematik.

    Die Idee hinter der “nachhaltigen Entwicklung” (oder “großen Transformation”) ist aber eine weitergehende. Ihr zufolge ist eine nachhaltige Nutzung auf absolut alle Ressourcen auszudehnen (auch auf die mineralischen) und die begrenzte Reproduktionsfähigkeit als grundsätzliche Grenze anzusehen.

    Diese Ausweitung des Nachhaltigkeitsgedankens resultiert aus der Verselbstständigung dieses Themas. Die Diskussion darüber wird immer unsachlicher geführt und Ideologie verdrängt die wirklich wichtigen Themen. Die Idee ist, meiner Meinung nach, nicht die Bewahrung aller Ressourcen für die nachfolgenden Generationen, sondern die Bewahrung eines lebensfreundlichen Umfelds. Die späteren Generationen haben ein Recht darauf eine Grundausstattung an Ressourcen, Technologien und Infrastruktur (dazu zählt natürlich auch eine bestimmte Qualität der Umwelt) mit denen sie leben und arbeiten können. Diese Kombination aus Grundausstattung ergibt sich natürlich aus der Lebensweise der vorangegangenen Generationen, die sich natürlich die Frage stellen müssen, ob sie an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas verschwenderisch ist. Jedoch ist diese notwendige Grundausstattung auch nicht statisch über die Zeit und zu versuchen sie zwanghaft zu fixieren, ist in jedem Fall ineffizient.

    b) Technologie (menschliche Kreativität) kann in großem Umfang die natürliche Reproduktionsfähigkeit verändern (ausweiten).

    Das ist genau der kritische Punkt über den man streiten kann und über den Prognosen immer angreifbar sind, meiner Meinung nach. Ihre Annahmen über den technischen Fortschritt sind ja recht optimistisch und natürlich auch nicht unplausibel. Es sind aber Annahmen und an Annahmen kann man glauben oder auch nicht. Ich kenne kein Modell, das technischen Fortschritt irgendwie versucht vorherzusagen, weil er von den Menschen abhängt und in gewisser Weise heutzutage auch von (Human-)Kapitalverfügbarkeit und politischer und rechtsstaatlicher Stabilität (weswegen das meiner Meinung nach z.B. in Afrika nicht so richtig klappt). Da technischer Fortschritt kein Naturgesetz ist also eher nur stochastisch zu modellieren ist, bin ich immer etwas vorsichtiger ihn als Lösung aller Probleme zu nennen und als “Totschlag-Argument” anzuerkennen. Es bleibt abzuwarten inwieweit Recycling und verbesserte Ertragsmöglichkeiten in der Landwirtschaft sich entwickeln. Und wenn es um Energie geht, werden auch noch bessere Fördermöglichkeiten und Verwertbarkeiten von Öl, Gas und Kohle uns einige Jahre schenken.

    Ein Beispiel für einen Bereich, in dem wir unvernünftig mit natürlichen Ressourcen umgehen, ist die Fischerei. Die Lösung gegen Überfischung im Sinne der nachhaltigen Entwicklung ist: Weniger Fisch essen. Meine Lösung ist: Mehr Fisch essen. Denn das wird mehr Anbieter im Bereich der Fischzucht induzieren, die das Potential hat, die herkömmliche Fischerei vollständig abzulösen.

    Zum Schluss will ich noch etwas zu Ihrem Fischfang Beispiel schreiben. Hier ist es, meiner Meinung nach, kein Problem der Nachfrageseite. Die Konsumenten sollen soviel Fisch essen, wie sie möchten (und hoffen, dass er genießbar ist). Das Problem sind die niedrigen Grenzkosten, der Bereitstellung eines Fisches den man im Meer fängt. D.h. die Bestände, die man mit seinem Kutter erreichen kann, werden tendenziell ausgerottet, wenn noch weitere Fischer die erreichen können und der Preis wird den des gleichen Fisches aus der Aufzucht immer schlagen (nur bis zur Ausrottung natürlich). Da gibt es nur zwei Lösungen, wenn man an Fischbeständen im Meer interessiert ist: dezentrale Lösungen unter den Fischern oder Fangquoten, die die Bestände sichern. Erst dann wird der Preis schon vor der Auslöschung steigen und eine Zucht rentabel machen.

  16. »Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.«
    (Goethe, Faust I, Schülerszene)

    Es ist eine in der Naturwissenschaft bekannte und anerkannte Tatsache, das Begriffe und Theorien wohl definiert sein müssen, um sinnvoll und richtig verwendet werden zu können. Daraus folgt, dass Begriffe und Theorien einen beschränkten Definitionsbereich haben- außerhalb dieses Bereiches werden sie unscharf oder gar falsch. Das klassische Beispiel des Physikers dafür ist der Begriff „Energie“ der innerhalb der Physik (die „Physik der Elektronenhülle“ sei hier ausdrücklich eingeschlossen) wohl definiert und deshalb sinnvoll anzuwenden ist. Außerhalb dieses Definitionsbereiches verliert er an Schärfe (dies ist z.T. bereits bei seiner Verwendung innerhalb der „Physik komplexer selbstorganisierender Systeme“ der Fall) und wird schließlich im Alltags- Sprachgebrauch zum bloßen Wort, zum Symbol und Platzhalter einer wolkig-verschwommenen Vorstellung („Mr. Spock- Energie!“).

    Der Begriff „Nachhaltigkeit“ hat das Schicksal von „Energie“ geteilt. Vom wohl definierten Begriff der Forstwirtschaft hat es seine Karriere über die Jäger-und-Sammler-Sphäre (in der es –merkwürdigerweise- bei etwas Sorgfalt immer noch sinnvoll, wenngleich auch nicht mehr so wohldefiniert, in seinem ursprünglichen Sinne begrifflich brauchbar ist) in den Bereich der Technik und Zivilisation gefunden, wo es sich zur Wortwolke aufgelöst hat.

    „Nachhaltigkeit“ ist im politisch-ideologischen (sic!) Kontext in die Nähe der Metapher von der „Welt, die wir von unseren Kindern nur geliehen haben“ gerückt worden. Will heißen: „Nachhaltigkeit“ in diesem Kontext bedeutet: Unsere Generation hat den „Leihgegenstand“ unseren Kindern so zurückzugeben (Man beachte die bereits formallogische Inkonsistenz, die in dieser Forderung steckt!), wie wir ihn von der vorherigen Generation übernommen haben. Oder nein, doch besser nicht: Möglichst ohne die Ruinen, die zwei Weltkriege in Europa hinterlassen haben. Und ohne die Erreger der Epidemien, die in der Vergangenheit Millionen dahingerafft haben und die in den letzten 100 Jahren kontrollierbar geworden sind. Und ohne…. –kurz, am besten so wie die Welt in der „guten alten Zeit“ gewesen ist wie sie gewesen wäre, hätte es sie je gegeben.

    Aber vielleicht müssen wir ja auch nicht ganz so weit gehen. Vielleicht reicht es, Ökosysteme nur in den Grenzen der Nachhaltigkeit (in dem Sinne, wie der Begriff ursprünglich geprägt wurde) zu nutzen und unseren Kindern die Bodenschätze unangetastet zu überlassen?

    Nur: Wo liegen die Grenzen der Nachhaltigkeit? Als Griechen und Römer den Libanon abholzten, haben sie sicher nicht, weder im ursprünglichen noch im späteren politisch-ideologischen Sinne des Wortes, „nachhaltig“ gewirtschaftet. Sie haben ausgebeutet. Das Ergebnis sehen wir heute: Einerseits die kahlen Hügel des Libanon, andererseits das, was wir “Wiege der europäischen Zivilisation” nennen dürfen. Waren Hellas und Rom die „Zedern des Libanon“ wert?
    Nun ist es heutzutage kein Problem mehr, wieder Zedern auf dem Libanon wachsen zu lassen. Wir könnten, zwar wohl noch nicht unseren Kindern, aber unseren Enkeln, den Libanon wieder wie in vorzivilisatorischen Zeiten hinterlassen. Nachhaltigkeit ist in diesem Falle nachholbar. (Dass es in absehbarer Zeit dazu vermutlich nicht dazu wird hat Gründe, die jenseits der „Nachhaltigkeit“ liegen.) Sicher sind nicht alle Schäden so reparabel wie die Zedern auf dem Libanon. Bei verschwundenen genetischem Material und komplexen Ökosystem stoßen natürliche wie menschengemachte Reparaturmechanismen derzeit noch an ihre Grenzen. Derzeit, weil die Fortschritte der Gentechnologie bereits die Rekonstruktion von Lebewesen aus isoliertem genetischem Material ermöglichen und auf diesem Gebiet die „Grenzen des Wachstums“ (sic!) noch nicht absehbar sind- wenn wir sie denn nicht selbst ziehen wollen.

    Auch die Forderung, unseren Kindern die Bodenschätze „übrig zu lassen“ ist in Wirklichkeit nur eine Blendgranate. Selbst die Wohlmeinenden verstehen darunter bestenfalls: Unseren Kindern billige, leicht erreichbare, in der heutigen Form förderbare Bodenschätze übrig lassen. Tatsächlich verbleiben, selbst nach Verwendung aller heute bergmännisch abbaubaren Bodenschätze, in der Erdkruste, den Meeren und der Atmosphäre mehr Rohstoffe, als die Menschheit auf Erden je brauchen wird. Nur muss sie sich danach in Zukunft tiefer bücken. Aber selbst die von unserer Generation genutzten „Bodenschätze“ verschwinden ja nicht: Mineralien und Metalle werden aus der Erde extrahiert und konzentriert und sind in dieser Form, ob in Stoffkreisläufen oder in Sekundärlagern (=Mülldeponien) unseren Nachfahren einfacher zugänglich als in ihren ursprünglichen Lagern in der Erde. Selbst Kohlenstoff und Kohlenwasserstoffe verschwinden nicht: Sie gehen als CO2 und Wasser wieder in den Stoffkreislauf der Natur zurück und können von dort wieder gewonnen werden. Die ab-initio-Synthesewege für organische Stoffe sind bekannt, es gibt wenige großtechnisch genutzte organische Verbindungen die nicht allein aus Luft und Wasser aufgebaut werden könnten.

    Der Pferdefuss daran: Das kostet Energie. Sehr viel Energie. Diese Energie zu bekommen, wird die Herausforderung für unsere Kinder oder deren Kinder sein. So wie es die Herausforderung für unsere Ur- und Ur-Ur-Großeltern war, in Zeiten schwindender Wälder ihre Stuben weiterhin warm und ihre Hochöfen heiß zu bekommen. Sie haben das Problem, bekanntermaßen, über Bergbau gelöst, nicht dadurch, dass sie „nachhaltig“ die Wälder für ihre Kinder stehen ließen, die gemäßigten und arktischen Breiten aufgaben, in die Tropen zogen und zu Steinwerkzeugen zurückkehrten. Oder wie unsere Eltern und Großeltern das Problem des Pferdemistes in den Straßen nicht durch Rikschas, sondern durch Automobile gelöst haben.
    (N.B: Ich hätte für unsere Nachkommen ja einen Tipp, der mindestens die nächsten drei, vierhundert Jahre prima funktionieren dürfte- aber den zu geben ist im Moment nicht opportun.)

    Ebenfalls nota bene muss ich gestehen: Das Vertrauen, das ich in die „Leihgeber“ des Teiles der Welt, in der ich derzeit lebe, setze, ist momentan nicht gerade hoch. Es ist sicher geringer als das, das die Eltern unserer Generation in uns gesetzt hatten. Das hat vielfältige Gründe. Ich selbst gehöre zu den Kindern des naturwissenschaftlichen Zeitalters, vorgreifend manchmal auch „Atomzeitalter“ genannt. Uns war jedes Problem, selbst wenn es eine potentielle Bedrohung war, Herausforderung. Risiken wurden nicht ignoriert, aber angenommen. Das hat sich geändert. Konservatismus hat die Progressivität abgelöst- ein sicheres Zeichen dafür, dass die Zeiten gut sind. Wer heute in Europa und (Nord-) Amerika lebt, glaubt etwas zu verlieren zu haben. Und er hat Recht. Aber: Alles fließt, und aktuell staut sich gerade ein Fluss im Osten. Und es ist eine mächtige Flut. Wir tun gut daran zu überlegen, ob wir im Sinne der „Nachhaltigkeit“ darauf verzichten sollten, rechtzeitig Dämme zu bauen, um das dafür benötigte Material für unsere Kinder aufzusparen….
    Wir tun auch gut, in die Geschichte zu blicken: Viele Leben sind „für die Enkel“ geopfert worden. Das „pro nepotis“ zieht sich als blutiger Faden durch die Geschichte. Es war fast immer nur Vorwand und Parole um durchaus partikuläre Interessen zu maskieren. So ist es sicher nicht übertriebenes Misstrauen zu prüfen, ob das Wort „Nachhaltigkeit“ bei mehrmaligem Aussprechen nicht doch ähnlich wie „für die Enkel“ schmeckt….

  17. Hallo Herr Heller in #13,

    Sie schreiben:
    Man kann noch tausende solcher Beispiele bringen, in denen sich zeigt, daß der Mensch bislang noch jede natürliche Schranke hinweggefegt hat. Weil er eben aus einer Ressource schöpfen kann, die tatsächlich unbegrenzt ist. Seiner Kreativität. Deswegen finde ich Bevölkerungswachstum gut. Viele Anhänger der nachhaltigen Entwicklung sehen ja im Bevölkerungswachstum das Hauptproblem. Ich denke, jeder Mensch mehr auf diesem Planeten bedeutet ein Universum voller Kreativität, voller neuer Ideen mehr. Also sollten wir mehr Menschen anstreben – und nicht weniger. [Leider weiß ich nicht, wie man das mit dem weißen Zitate-Kasten hinbekommt].

    Dazu folgende Anmerkung: Welche gesellschaftliche Gruppe ist wohl die mit Abstand kreativste? Die Kinder natürlich! Aber sicher nicht die Kinder, die von ihren Eltern alleine vor einem Computer gelassen werden…

    Es ist also im Grunde ein gesellschaftliches Problem. Denn welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft -- oder dem überwiegenden Teil? Wo können sie noch kreativ spielen? Kreativität kann man auch lernen und verlernen…

    sagt der Kinderexperte Chris Frey

  18. Hoppla -- vielleicht hätte ich hier direkter dranbleiben sollen ;-) -- selten ein Forum mit so langen Beiträgen gesehen -- Respekt.

    Hm, und was wenn nicht? Komm ich dann ins Lager oder gleich an die Wand, oder schwebt Ihnen die 10:10 Variante vor?

    keine schöne Unterstellung -- ich bin doch hier der Gutmensch aka Ökofritze etc. ;-) und übrigens auch gern ironisch, ob wohl ich als Journalist auch weiß, dass das eigentlich nie funktioniert.

    Es will sich mir nicht so recht erschließen, welche Millionen Menschen Sie mit Hilfe der “Nachhaltigkeit” vor dem Untergang bewahren wollen.

    Das wundert mich, aber ich glaube, was uns hier unterscheidet ist zum einen die zeitliche Perspektive und zum anderen das Spektrum. Kurz zu Letzterem: Aus meiner Sicht wird hier durchgängig ein Fehler wie so oft in der gesamten Nachhaltigkeitsdebatte gemacht und zwar Nachhaltigkeit nur auf ökologische Faktoren zu beziehen. Hier fehlen Gedanken zu kulturellen, ökonomischen oder sozialen Aspekten, die eigentlich ausmachen, wie gut es uns geht. Halbwissenschaftliche und technisierte Diskussionen über Rohstoffe sind da zu wenig.

    Zur zeitlichen Perspektive: Hier wird von leichter Hand der Bogen von den Dinosauriern zu Generationen in 1000 Jahren gespannt. und vom Überleben der Menschheit im Ganzen gesprochen. Das ist mir zu grob. Ich bin da deutlich mehr im Jetzt in meiner Betrachtung und auch mehr beim Individuum.

    Ich spreche dementsprechend von Menschen/Tieren, die u.a. unter folgenden Problematiken leiden/sterben und zwar genau jetzt und die für mich durch Nachhaltigkeit (Erhaltung / Schonung / Entwicklung von ökologischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Ressourcen) und gesellschaftliche Verantwortung, von Unternehmen aber auch durch verantwortlichen Konsum, gelöst/gemindert werden können und zwar ab sofort.

    Das sind auch die großen Klassiker wie die Auswirkungen der Klimaveränderungen, Ressorucen-Raubbau, etc. aber auch Themen wie Zugang zu Trinkwasser, medizinischer Versorgung, Bildung, demographische Entwicklung. Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte/Arbeitsschutz/Bedingungen, Kunden/Verbraucherschutz etc.

    Mir scheint, Sie glauben, der Text oben würde Ihrem Geschäftsmodell die Grundlage entziehen. Bedauerlicherweise ist das auch so.

    Das möchte ich beweifeln. Diese Angst habe ich aus einem Grund einfach nicht: Wir beraten die, die ganz konkrete Probleme haben und niemanden mit diffusen Ängsten.

    Wir beraten zum einen Unternehmen, die u.a. Antworten suchen auf eben jene Fragen, die ich oben geschildert habe. Das sind Unternehmen, die Geschäftsmodelle anpassen müssen aufgrund von Ressourcenknappheit, Preisentwicklungen etc. Unternehmen die Probleme haben durch demographische Entwicklungen, die Mitarbeiter und Kunden beeinflussen. Unternehmen die in Abstimmung auf Ihre Geschäftstätigkeit freiwillig gesellschaftliche Verantwortung, z.B. durch regionales soziales Engagement übernehmen möchten, weil die Politik sich hier immer mehr aus der Verantwortung zieht und im regionalen Raum ein Vakuum hinterlässt. Oder es sind Unternehmen, die bereits sehr engagiert sind und die das Ganze besser kommunizieren möchten, weil Engagment selbstverständlich geschäftswirksam sein muss.

    Zum anderen beraten wir gemeinnützige Organisationen, die professioneller arbeiten wollen oder gemeinsam mit Unternehmen Kooperationen betreiben möchten, um aktuell vorhandenes Leid und Probleme effektiver zu lösen.

    Worauf ich hinaus möchte ist, dass der Bedarf für eine verantwortliche Lebensweise und Unternehmensführung Realität ist. Es gibt all diese Problemfelder und Menschen/Tiere leiden und/oder sterben deswegen täglich.

    Wer hier mal nachschlagen will. Ich arbeite ehrenamtlich (Gutmensch) für das erste deutsche Spendenportal im Internet http://www.helpdirect.org -- hier kann man sich mal einen kleinen Eindruck verschaffen. was auf unserer Welt so im Argen liegt -- vielleicht mal ein anderes Fenster zum durchschauen.

    Wir müssen nicht wirklich diskutieren, dass sobald etwas einen schicken Namen hat, auch eine Menge Plunder unter dem Label verkauft wird, so auch bei Nachhaltigkeit -- aber ich denke, wir müssen auch nicht wirklich drüber streiten, dass es in der Welt noch sehr viele vermeidbare Probleme und daraus resultierendes Leid und Ungerechtigkeit gibt, die eben durch Nachhaltigkeit und Verantwortung gelindert werden können. Und die Philosophie, dass die Menschheit das schon irgendwie überlebt. Nur Druck und Leid Kreativität freisetzt empfinde ich als zynisch und auch als rückschrittlich, weil wir eben heute schon weiter sind, auch aus sozialer Sicht, als noch vor 1000 Jahren und weil wir die Möglichkeiten haben zu handeln.

    Wie lange wollen wir warten, bis wir Innovation und Veränderung fördern? Ebenso wenig halte ich es für irgendwie sachdienlich darauf hinzuweisen, dass es “uns” vor hundert oder tausend Jahren schlechter ging. Ich bin mir auch nicht sicher, was das eigentlich aussagen soll -- abwarten? Nichts tun? Gibt keine Probleme? Wer jetzt stirbt hat halt Pech gehabt? Wo gehobelt wir, fallen Späne? Survival of the fittest/richest?

    In diese Richtung war ja auch folgendes Zitat sehr entlarvend:

    Ok, Sie dann halt nicht und nur weil´s Ihnen beschissen geht, trifft das nicht auch zwangsläufig auf den Rest der Menschheit zu.

    Das ist nicht meine Art zu denken.

    Das erst mal als eine weitere Reaktion.

    Die besten Grüße

    Riccardo Wagner

  19. hallo,

    entschuldigt, wenn ich eure Therapiesitzung störe, aber es ist einfach unfassbar, was ich hier lesen muss:

    Ich fasse mal den Standpunkt des ersten Artikels zusammen:
    “Ich bau ein Haus aus Sonnenschein, da lass ich keinen anderen rein…”

    So weit ist es also mir der Moral gekommen. Verantwortung? Das können die anderen machen.
    Mir geht es doch gut! (was offensichtlich auch anders gesehen werden kann)

  20. @ Ricardo Wagner,

    Sie vermengen völlig verschiedene Dinge zu einem Konglomerat.

    Ich spreche dementsprechend von Menschen/Tieren, die u.a. unter folgenden Problematiken leiden/sterben und zwar genau jetzt und die für mich durch Nachhaltigkeit (Erhaltung / Schonung / Entwicklung von ökologischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Ressourcen) und gesellschaftliche Verantwortung, von Unternehmen aber auch durch verantwortlichen Konsum, gelöst/gemindert werden können und zwar ab sofort.

    Beginnen wir mit den ökologischen Ressourcen. Das ist mal ein recht schwammiger Begriff, suggeriert aber, das man nur das entnehmen soll, was von selbst nach wächst und dessen Entnahme nicht in ökologische Kreisläufe eingreift. Das ist aber so reine Romantik und funktioniert nirgends auf der Welt. Das geht schon mit jeder Art von Landwirtschaft los. Es entsteht ein Kulturraum und manche Tiere oder Pflanzen profitieren davon, andere werden verdrängt. Das ist auch beim sogenannten Ökolandbau nicht anders.

    Wirtschaftliche Ressourcen. Nun, da kommt es wohl darauf an, mit welchen Mitteln man einen Mehrwert erzielt. Mir ist nicht klar was da erhalten, geschont oder entwickelt werden soll. Die Wirtschaft muss sich jeden Tag aufs neue auf dem Weltmarkt beweisen, und wird dementsprechend reagieren und sich verändern. Man kann allerdings eingreifen und versuchen durch eine Art von Planwirtschaft diese Prozesse zu lenken. Was bei so etwas heraus kommt, haben wir gesehen.

    Was Sie unter kulturellen oder sozialen Ressourcen verstehen, sollten Sie besser noch einmal erklären. Eventuell auch in Zusammenhang mit dem Begriff Nachhaltigkeit. Was wollen Sie da erhalten, schonen und entwickeln? Bis hierher haben Sie bei mir mit diesen Begriffen in diesem Zusammenhang nur Heiterkeit ausgelöst. Aber vielleicht schaffen Sie es ja, diese Aspekte ernsthaft zu betrachten. In Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit, um die es ja hier geht.

    Tut mir leid, aber mir drängt sich der Eindruck auf, dass Sie recht romantische Vorstellungen von Natur, Wirtschaft und Kultur haben und eigentlich hätte ich auch hier gar nicht geantwortet, wenn Sie nicht unterschwellig den Vorwurf machen würden, das diejenigen die nicht Ihre Sichtweise haben, oder den Autor des Artikels im besonderen, würden etwas wie Sozialdarwinismus gutzuheißen. Oder daß das Wohl von Natur und Tier nicht von Belang wäre. Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall. Ihre sogenannte Nachhaltigkeit führt eher zu dazu, dass der Flächenverbrauch steigt, die Effizienz und somit der Wohlstand sinkt.

    Zum Schluß möchte ich Ihnen ein Zitat von Jonathan Swift auf den Weg geben:

    “Derjenige, der zwei Kolben Korn oder zwei Halme Gras auf einem Fleck Erde wachsen lassen kann, wo vordem nur einer wuchs, hat für die Menschheit und sein Land mehr getan als die ganze Spezies der Politiker zusammen.”

    Das ist der Fortschritt zum Wohle von Mensch und Natur. Nachaltigkeitsapostel bewirken das Gegenteil.

  21. @ Ungläubiger:

    Ich habe nicht verstanden, was Sie meinen. Vielleicht erklären Sie das noch etwas deutlicher.

    @ Riccardo Wagner:

    Schön, daß Sie noch antworten.

    Ein paar Aspekte:

    a) Wir können uns gerne darauf einigen, daß wir alle die Welt als nicht perfekt ansehen und uns lediglich über den Weg streiten, sie zu verbessern. Nun hat “nicht-nachhaltiges” Verhalten in den letzten hundert Jahren dazu geführt, daß die Zahl der Menschen, die ein Auskommen haben (deren Grundbedürfnisse gestillt sind) von etwa 1 Milliarde auf über 5 Milliarden gestiegen ist. Das nenne ich eine Erfolgsgeschichte und den Weg sollten wir daher nicht verlassen. Jede Form von Naturschutz hat den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen, sonst kann sie nicht funktionieren. Ich habe oben die Fischerei als Beispiel angeführt, ein anderes ist der Tourismus. Die Tierwelt Afrikas kann auf Dauer eben nur überleben, wenn ihr Nutzen als Attraktion für Touristen den Schaden, den sie anrichtet (Verbrauch von Flächen und Ressourcen, die dem Menschen dann nicht mehr zur Verfügung stehen) übersteigt. Solche Rahmenbedingungen aber entstehen nur bei steigendem Wohlstand, anders geht es nicht. Vergleichen Sie den Zustand der Natur in Deutschland um 1900 mit heute. Nicht-Nachhaltigkeit verbessert die Welt.

    b) Das “Nachhaltigkeitsdreieck”, das Sie anführen, ist aus meiner Sicht eine Erfindung des Konservatismus um dem starken Nachhaltigkeitsbegriff der Brundtland-Kommission einen schwachen Nachhaltigkeitsbegriff, unter dem wirtschaftliches Wachstum noch möglich wird, entgegenzusetzen. Ich denke nicht, daß die Schellnhubersche “Große Transformation” zum Nachhaltigkeitsdreieck paßt.

    c) Insoweit ist das, was Sie vertreten, immer noch ein Kompromiß zwischen der “nachhaltigen Entwicklung” und den Bedürfnissen der Menschen, die sich eben durch Nachhaltigkeit nicht erfüllen lassen. Wenn man “starke Nachhaltigkeit” konsequent und kompromißlos zu Ende denkt, landet man automatisch bei Vorstellungen a la Pentti Linkola u.a..

    d) Ich wende mich gegen die Vorstellung von Grenzen, die letztendlich die (einzige) Begründung für das Prinzip der “nachhaltigen Entwicklung” ist. Vielleicht können Sie mir ja so eine Grenze aufzeigen. Bislang ist noch jede Idee von “Grenzen der Entwicklung” gescheitert.

  22. @ Riccardo Wagner

    Schön dass Sie sich zurückgemeldet haben. Wie Sie ganz richtig bemerkt haben, sind viele Diskussionsbeiträge hier recht umfangreich. Das liegt zum größten Teil daran, dass sich die Punkte über die wir diskutieren nicht mit wenigen Worten abhandeln lassen. Dafür sind die Themen oft zu komplex.

    Dazu gehört auch die Argumente der Diskussionspartner abzuklopfen. Sie sprachen etwa von Millionen Menschen, die wegen unseres nicht nachhaltigen Lebensstils sterben oder zum sterben verdammt sein sollen. Mich würde einmal interessieren, wer diese Millionen sind und wo die herkommen sollen.

    Ich denke eher umgekehrt kann ein Schuh daraus werden. Wenn wir einen aus Ihrer Sicht favorisierten Weg der Nachhaltigkeit einschlagen, der etwa bedeutet so schnell wie möglich auf die Nutzung fossiler Energieträger und auch die Kernkraft zu verzichten, dann ist es wahrscheinlich dass eben dieser Weg viele (Millionen) Menschen das Leben kosten wird. Einfach weil die Verfügbarkeit von bezahlbarer Energie die Grundlage zur wirtschaftlichen Entwicklung darstellt.

    Wer diese Entwicklung in armen Ländern verhindert indem er Energie unnötig verteuert, ist damit verantwortlich etwa für eine erhöhte Säuglingssterblichkeit und eine geringe Lebenserwartung, vor allem hervorgerufen durch katastrophale hygienische Verhältnisse, keinen Zugang zu sauberem Wasser, eine schlechte Ernährung und eine völlig unzureichenden medizinische Versorgung.

    Zu Ihrer Klarstellung was “Nachhaltigkeit” für Sie bedeutet kann ich lediglich sagen, dass diese wohl eher eine Erweiterung das Begriffes darstellt. Und zwar anscheinend auf irgendwie alles, was Sie “gut” finden. Umweltschutz, Soziales, Menschenrechte etc. Ich kann Ihren Standpunkt durchaus nachvollziehen. Nur leider ist eine solche Position zusammengestrickt aus natur- und sozialromantischen Wunschbildern eben nicht geeignet als eine Grundlage für politische Entscheidungen. Und darum geht es hier vor allem.

    Ihre “Definition” von Nachhaltigkeit klingt für mich wie eine Aneinanderreihung von guten Vorsätzen, allesamt entnommen aus dem Repertoire des durchschnittlichen Gutmenschen. Frieden, Liebe, Schöpfung bewahren.

    Das sind Parolen für einen Kirchentag, aber keine Hilfen beim Ausarbeiten von konkreten Handlungsanweisungen für Politik oder Wirtschaft. Nur werden diese Parolen tatsächlich immer häufiger von Politikern missbraucht, vor allem um uns neue Steuern und Abgaben schmackhaft zu machen. Oder um uns unsinnige Gesetze aufzudrücken, wie etwa das Verbot von Glühbirnen oder die Zwangsbeimischung von Nahrungsmitteln zum KFZ-Treibstoff.

  23. Nachhaltigkeit -- nicht nur ein recht schwammiger Begriff, in deutschen Landen sogar recht unbekannt.

    “Nachhaltigkeit, das versuchen manche aber ich weiß nicht -- also ich bin lieber flexibel”

  24. Hier ein Beispiel für nachhaltige erneuerbare Wasserkraft am Jangtse

  25. @Günter Heß
    Das primäres Ziel für den Drei Schluchten Staudamm war eigentlich die jährlichen Überflutungen einzudämmen. Die Energieversorgung ist nur die logistische Folge. Ich hatte die Gelegenheit die drei Phasen der Überflutungen ganzer Ortschaften und jahrhundertalter Tempel, bei einigen Reisen, mit zu erleiden. Letztendlich überwiegt der Schutz und der Nutzen für die Bevölkerung. Ein wirklich gutes Beispiel für Nachhaltigkeit.

    Varus

  26. @Varus

    Hat ja echt gut geklappt
    Jetzt wissen wir wohl auch, dass nachhaltig auch tatsächlich
    Eine Ausrede für Diktaturen sein kann.
    Interessant, dass diktatorischer Willkür in China
    Bei uns schön geredet wird.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  27. Vorsicht, Broder!

    Deutschland auf dem Weg in die bunte Räterepublik

    …..Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat soeben einen „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ vorgelegt, der langfristig das Grundgesetz aushebeln könnte. Damit die Große Transformation gelingt, schlägt der WBGU nicht mehr und nicht weniger als einen „Gesellschaftsvertrag zur Innovation“ vor, der „durch einen neuartigen Diskurs zwischen Regierungen und Bürgern innerhalb und außerhalb der Grenzen des Nationalstaats“ geschlossen werden soll.

    Der Vorschlag hat eine geradezu orwellsche Dimension, liest sich allerdings wie der Entwurf eines Fünfjahresplans des ZK der KPdSU zum radikalen Umbau der bürgerlichen Gesellschaft ……

  28. Hi Günter

    Die Chinesen haben uns gegenüber einen Vorteil………Grund und Boden gehört dem Staat.
    Nur aus diesem Grund konnten die Chinesen überhaupt dieses Monsterprojekt durchziehen………in Deutschland schaffen wir es ja nicht mal eine Hochspannungstrasse durch den Thüringer Wald zu bauen.

    Tja, nun darfst Du dreimal raten, was bei uns passieren wird, wenn die ach so tolle Energiewende durchgezogen wird.
    Am Ende darfst Du dann unser tolles Grundgesetz als Märchenbuch betrachten, aus dem Du Deinen Enkeln von vergangenen, besseren Zeiten erzählen kannst.

    Nachhaltig………wird hier nur eins…………wie gut sich der einzelne Bürger und auch die Kommunen auf kommende Black-Outs vorbereiten. 14 Tage Nahrungsmittelreserven, Notstromaggregate, Stromunabhängige Lichtquellen und Heizungen bis hin zum Selbstschutz der Familie…………….alles andere ist nur ein Marketing-Gag von grünbeseelten Unternehmensberatern.

    Ach übrigens, viele Städte und Gemeinden haben ja nicht einmal ein Notfallplan in der Schublade………..wenn dann Tag X kommt, stehen die da und gucken erschreckt in die Landschaft.
    Ein mehrtägiger Stromausfall in großen Teilen Deutschlands wird zum völligen Zusammenbruch der Infrastruktur führen, gut ist dann, wenn man sein BHKW im Inselbetrieb betreiben kann……solange man dann noch Brennstoff vorrätig hat.

    Ach übrigens………eine meiner Vorraussagen trifft langsam ein………die EEG stehen sich bald selber im Weg……..vllt dürfen Photovoltaik-Freaks bald ihre Wechselrichter nachrüsten um die Netze unterstützend unter den Armen greifen zu können.

    Na und Bio-Energie gehts demnächst auch an den Kragen………man kürzt die Subventionen……….da stehen dann die nächsten Verlierer nachhaltig auf der Matte.

    Wer sich nachhaltig auf Kommisionen verläßt die von Stromversorgung keinen Schimmer haben, wird anschließend nachhaltig sein Geld los………………und wer sich auf Papa Staat und seine gewählten Vertreter verlässt……….ist bald verlassen. Wollen wir nur hoffen, das in den nächsten Monaten die Franzosen keine eigenen Probleme bei der Stromversorgung bekommen……….denn dann ist Schluss mit den tollen Stromimporten aus dem Ausland.

    Gute Nacht Deutschland………und dat ganz nachhaltig.

    Heinz Eng

  29. @Heinz Eng

    Ach übrigens, viele Städte und Gemeinden haben ja nicht einmal ein Notfallplan in der Schublade………..wenn dann Tag X kommt, stehen die da und gucken erschreckt in die Landschaft.

    Moin Onkel Heinz, den Notfallplan werde mer net brauche, die Welt, die die Großen Transformatoren für uns vorgesehen haben, sieht eh so aus:

  30. Werter Herr Heß,

    wenn wir die jetzige Definition von Nachhaltigkeit auf alle Lebensbereiche ausdehnen, diese per Gesetz oder Preis durchsetzen , hat dass für mich ebenfalls diktatorisch Züge.
    PS. Mir ging es ums Projekt an sich und nicht um eine Beurteilung politischer Verhältnisse. Wie Onkel Heinz schon andeutete wäre in Deutschland so etwas schlicht nicht um zusetzen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Varus

  31. @Tim Hardenberg #29
    Wie, mit Pferdewagen und luft-gefüllten Reifen ?
    Ist das nicht ein wenig zu, nun, technologisch ?
    :-)

  32. Hast recht Krishna, is zu modern.

    Dann wohl eher so…….. ach nee, geht auch net, die Mammuts sind ja alle.

  33. Krishna, wat is mit Feuer, auch zu technisch oder wird die Ethikkommission das erlauben? …… nee, Scheiße, geht auch nich, da entsteht ja Dioxin.

  34. Lieber Herr Varus,
    ok. Ich empfinde aber der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird eben gerne politisch missbraucht.
    Zur Zeit sind auch irgendwie alle Zeitungen voll mit den negativen Auswirkungen des Drei-Schluchten Projekts. Ich denke es ist gut, dass wir solche Projekte in Deutschland nicht umsetzen können, die bedeuten, dass 300.000 Menschen oder mehr umgesiedelt werden. Denn gute Absichten reichen nicht aus als Rechtfertigung. Sie pflastern frei nach Shaw den Weg zur Hölle. Das haben alle Diktaturen gemeinsam. Am Anfang steht irgendeine gute Absicht, die dann, da es keine demokratische Kontrolle gibt, gegen das Volk umgesetzt werden. Vor allem dann wenn die Machthaber enttäuscht sind, dass das Volk abhaut und nicht mitmacht. Dann werden eben Mauern gebaut. Ulbricht hatte das Wohl der Arbeiterklasse im Mund und heute reden ehemalige Mitglieder der K-Gruppen und K-Parteien von Nachhaltigkeit für zukünftige Generationen.
    Ich denke man sollte es mit Hayek halten und als Staatsbürger einer Demokratie wachsam bleiben gegenüber solchen Strömungen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  35. @Tim Hardenberg #32

    geht auch net, die Mammuts sind ja alle

    dafür ist dann noch Rente über 8)

  36. @Krishna

    dafür ist dann noch Rente über

    ……die kannste dann in Erneuerbare-Energie-Aktien anlegen. Da freut sich der Asbeck.

  37. @Tim Hardenberg

    Warum nicht einen Erneuerbaren Energie-Riester abschließen mit Einspeisegarantie.
    Mein Vorschlag wäre dann dass das vor Allem die Griechen machen. Da verdioenen die mal Geld und es wäre eh besser die Solarmodule die unter deutschen Wolken nach Sonne dürsten, in Griechenland aufzustellen. Da sind vielleicht ein Paar Watt mehr drin.

  38. @Günter Heß

    Mein Vorschlag wäre dann dass das vor Allem die Griechen machen.

    …..au fein, und aus Mittelmeer und Schwarzem Meer macht der olle Popp dann einen Pumpspeichersee. Dann wird endlich auch noch Hermann Sörgels ATLANTROPA Wirklichkeit. Und da soll noch einer sagen, das wäre net „nachhaltig”!

  39. Genau, was kümmert mich mein Kater von morgen, heute saufen wir ;-)
    Den Menschen wird man später auch nicht vermissen!

  40. Die Erde ist heute aber wirklich an einem Wendepunkt:

    Die Flächenressourcen zur Nahrungserzeugung gehen infolge des Bevölkerungswachstums
    ihrer Kapazitätsgrenze zu.
    Wenn die Weltbevölkerung weiter wächst droht uns die regulierte Biosphäre, das “Lebenserhaltungssystem”,
    das keine Fehler verzeiht.
    Und von den Ressourcen des Sonnensystems trennt uns eine riesige Investitionshürde.
    Nur vor diesem Hintergrund ist der Ökologismus zu verstehen.

  41. @Heraklit

    Nur vor diesem Hintergrund ist der Ökologismus zu verstehen.

    Nur leider ist der Ökologismus der völlig falsche Ansatz dafür. Die Probleme mit zunehmender Weltbevölkerung lassen sich eben NUR unter vernünftiger Nutzung fossiler Energieträger und auch Kernenergie (wozu auch die Fusionsenergie gehört – siehe ITER) langfristig bewältigen.

    Wer jedoch – wie der Chor der Grünen Deutschen Blockparteien und ihrer ökologistischen Erfüllungsgehilfen – Kernenergie per se verteufelt und stattdessen an das Märchen von der Sonne, die keine Rechnung schickt, glaubt, hat leider nix verstanden von der weltweiten Richtung technischer Innovationen der nächsten Jahrzehnte. Und wohin Grüner Ökologismuswahn führt, kann man ja u.a. an den abgeholzten Regenwäldern sehen, auf deren Flächen jetzt Ölpalmen bis zum Horizont im Winde rauschen, da man ja mit Biosprit Welt und Klima retten muss.

    Man muss schon riesige Scheuklappen tragen, um diesen grenzenlosen Irrsinn nicht sehen zu wollen.

  42. So ist es:

    Zwanghaft wird der Stein der Weisen gesucht,
    der den Menschen im sogenannten Einklang mit der Natur leben lässt,
    unter Ignoranz selbst einfachster Physik wie dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.
    Der impliziert nämlich, unter anderem, dass geschlossene Stoff- und Energiekreisläufe unmöglich sind.

    Dabei ist die Veränderung das Wesen aller Dinge, und nur wer sich selbst verändert, wird fortbestehen.
    Und dazu braucht es Energie.
    Ein “ökologisches Gleichgewicht” hat es nie gegeben und wird es nie geben,die Welt fällt von einem metastabilen Zustand in den nächsten, und die menschliche Spezies
    kann nicht den eigenen Untergang akzeptieren.

  43. novo argumente (Bross):

    Architektur ohne Risiken und Nebenwirkungen

    „….Der Mensch und seine Artefakte werden gegenwärtig nur noch von ihren Nebenwirkungen und unerfreulichen Begleiterscheinungen her bewertet. Die Apologeten des einfachen Lebens nennen das Nachhaltigkeit, aber eigentlich spiegelt es Konsumverdrossenheit und ist das Eingeständnis tiefer geistiger Leere: Wer seinem eigenen Leben keinen Sinn zu geben vermag, wer aus sich selbst heraus mit allem nur unzufrieden ist, der sucht sein Heil im Jenseits – oder ersatzweise in der Zukunft. Am besten in einer Zukunft, die er selbst nicht mehr erleben wird, damit ihm erspart bleiben möge, die Kollision der schön gedachten Utopie mit der zukünftigen Realität ertragen zu müssen. Das ganze paart sich mit dem Überdruss vieler Zeitgenossen, in der Optionsgesellschaft ständig Entscheidungen treffen zu müssen, und dem neidischen Gefühl, selber zu kurz gekommen zu sein. Da wird dann schnell geurteilt: Was für mich unerreichbar ist, brauchen meine Mitmenschen auch nicht! Und was ich mir selbst nicht gestatte, gönne ich auch keinem anderen! Damit das alles nicht so missgünstig daherkommt, etikettieren wir das politisch korrekt und moralisch einwandfrei als nachhaltiges Wirtschaften und umweltverträgliches Leben….”

  44. Genau, was kümmert mich mein Kater von morgen, heute saufen wir
    Den Menschen wird man später auch nicht vermissen!

    Blah, blah, blah.

    Wir haben Napoleon überlebt, wir haben den ersten Weltkrieg überlebt und wir haben den 2. Weltkrieg überlebt (als Menschheit)……….wir werden auch euch esotherische Bessermenschen ohne Selbsterhaltungstrieb überleben.

    Hat olle Adolf mich etwa gefragt ob er Krieg spielen darf….nööö……..Kraft seiner Wassersuppe hat der das einfach durchgezogen. Soll ich jetzt meinen Großvater vors Gericht zerren, weil er diesen Blödsinn mitgemacht hat?
    Könnte ja sein, dat ich heut viieeeel besser leben könnte, ohne diese vielen Kriege…………

    Tja, da isser wieder, der olle Darwin……natürliche Auslese, nur die Starken werden überleben, die anderen gehen nachhaltig den Bach runter.
    Die Dekadenz des römischen Reiches hat zwar zum Zusammenbruch selbiges geführt……….aber deswegen gibt es auch heute noch Italiener……….komisch…gelle?

    Onkel Heinz………fatal bis in die Haarwurzel

  45. …also langsam wird’s pathologisch.

  46. “[...]Unsere gegenwärtigen Bedürfnisse, so dieses Prinzip, sollen wir auf eine Art und Weise erfüllen, die die Fähigkeit künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nicht einschränkt. Für sich genommen bietet diese Vorgabe keinerlei Entscheidungskriterium. Denn erstens kennen wir die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht – und zweitens nicht deren Fähigkeiten.[...]”

    So kann man natürlich auch mit Verantwortung umgehen. Wer weiß, was die “Urururenkel” als angenehme Lebensumstände ansehen, wer weiß, wie stark sich ihre Wünsche und Bedürfnisse von unseren unterscheiden -- und überhaupt, in 100 oder mehr Jahren… da haben wir doch längst die technischen Möglichkeiten, ALLES auf diesem Planeten so zu gestalten, wie es uns beliebt. Denkt ihr kurzsichtigen Ökofreaks wirklich, daß unsere Nachfahren, drei oder mehr Generationen nach uns, auch nur im GERINGSTEN davon tangiert werden, wie wir mit den Ressourcen des Planeten umgehen? Geschweige denn, dadurch vor vielleicht unlösbare Probleme gestellt werden?

    Tja, genau das halte ich für durchaus möglich. Wenn wir so weitermachen, sogar für mehr als wahrscheinlich.
    Ruana

  47. @ Ruana:

    Sie wissen aber schon, dass Sie für Ihre Meinung kein historisches Vorbild, keinen einzigen Präzedenzfall haben und dass die Vorstellung, es würde keine nennenswerte Weiterentwicklung und keine Paradigmenwechsel mehr geben, mehr als naiv ist?

    Aber auch Sie könnten mir mir einfach mal folgendes sagen:
    Angenommen, Sie würden jetzt im Jahr 1911 leben -- Was würden Sie vorschlagen, soltte sinnvollerweise getan werden, um den zukünftigen Erdbewohnern ein besseres Leben zu ermöglichen, wie hätte damals denn ‘Nachhaltigkeit’ aussehen müssen?
    Unsere Vorfahren waren damals etrem rücksichtslos, sie beutetenen den Planeten aus, wo sie nur konnten. Die Industrie wuchs in atemberaubendeem Tempo, noch schneller als heute beispielweise in China, die Zahl der Menschen nahm ebenso rasant zu, es war die Zeit des Kolonialismus, des Weltverkehrs, der Planet wurde klein, die Menschen handelten global.
    Also, welche Fehler machten sie denn damals, zum Schaden der Nachgeborenen?
    Oder, alternativ: Wodurch unterscheidet sich denn unsere Situation so grundlegend von der damaligen, dass wir nicht mehr dürfen, was sie damals ungestraft taten?

    Nehmen Sie Ihre Überzeugung mit in die Zeit Ihres Urgroßvaters und entwerfen Sie einen Nchhaltigkeitsplan für Ihre Urenkel!

  48. @ Ruana

    Sie begreifen es nicht. Jede Generation hat auf der Hinterlassenschaft der vorherigen aufgebaut. Niemals gestaltet sich eine Gesellschaft nach angenommenen Bedürfnissen der Menschen in der Zukunft. Wir kennen die Menschen der Zukunft nicht, wissen nicht was sie bewegen wird, welche Probleme sie zu bewältigen haben. Dazu müsste es einen Dialog mit diesen Menschen geben. Da das aber nicht möglich ist, werden heutige Wünsche und Vorstellungen in die Zukunft projiziert. Das dies nicht funktioniert, hat Herr Heller hier schön am Beispiel einer Gesellschaft dargelegt, zu deren wichtigsten Ressource das Mammut gehörte.

    Da, wie oben angeführt, eine Gesellschaft sich nicht nach an den Bedürfnissen der Menschen in der Zukunft orientieren kann, dies ist eine völlige Unmöglichkeit, kann die Nachhaltigkeit wie sie heute vertreten wird, nur Bewahrung bedeuten, Bewahrung der Schöpfung sozusagen. Das ist aber im Prinzip kreatonistisches Denken. Nichts darf sich verändern, alles muss bleiben wie es ist. Was das letztlich bedeutet, möchte ich an einem Zitat von Alexander Hans Gusovius verdeutlichen:

    Im Nachhaltigkeitsdenken von heute wird eine bedenkliche Verschmelzung unterschiedlich gelagerter kollektivistischer Schwärmerei sichtbar, getragen von diffusen Vorstellungen kollektiver Gesundung und von haltlosem Wissen und Verstehen. Die Omnipräsenz, die enorme Unschärfe des Begriffs «Nachhaltigkeit» und seine unduldsame Unhinterfragbarkeit sind dabei ein sicherer Hinweis sowohl auf totalitäre Gesinnung als auch auf religiöse Sehnsucht.
    [...]
    Denn es steht kein vernünftiges, produktives Ziel hinter dem überhöhten Wunsch, sich der Natur und dem Menschen gegenüber als «verantwortlich» zu erweisen, sondern ein quasi-religiöser, freiheitsverächtlicher Impuls, den auszuleben sich zu viele Menschen auf viel zu grosse Fahnen geschrieben haben. Jegliche Vernunft wird, um altchristlich zu sprechen, darüber zum Teufel gehen.

  49. achgut.com (Maxeiner & Miersch):

    Weihnachts-Amnestie

  50. [Der Kommentar hing im Spam-Filter. Ich habe ihn gerade freigegeben. RK]

    @Tritium
    Zitat: [...] dass die Vorstellung, es würde keine nennenswerte Weiterentwicklung und keine Paradigmenwechsel mehr geben, mehr als naiv ist? [...]

    Das habe ich auch nicht gesagt. Ich meine im Gegenteil, daß die Überzeugung, die nach uns kommenden Generationen “werden’s schon richten“, naiv wäre -- wenn man denn so denken würde. Aber dem ist ja nicht so. Mich stört die Kurzsichtigkeit und die Rücksichtslosigkeit des in unserer Gesellschaft verbreiteten Denkens. Sehr wenig Menschen sind heute noch unwissend und blauäugig genug, um sich nicht über die Folgen unseres “fortschrittlichen” Lebenswandels und der allseits betriebenen Ressourcenverschwendung für die Zukunft klarzusein. Doch scheinen wir nicht einmal fähig, eine ernsthafte Debatte über mögliche Lösungsansätze für die zahlreichen Probleme zu führen.

    Die Klimakonferenzen, die G- und WTO-Gipfel und unzählige kleinere Events zeigen deutlich, daß alle Industrienationen bereit sind, zugunsten von Gewinnoptimierung/Profitmaximierung -- pathetisch ausgedrückt -- über Leichen zu gehen. Buchstäblich. Die Umsetzung der auf den G8 Gipfeln und den Klimakonferenzen beschlossener Programme findet nicht statt. Die Intransparenz der Entscheidungsfindung unter Ausschluss der Öffentlichkeit (u. Parlamente) verhindert ein (medien-)wirksames Gegensteuern.

    Selbstverständlich waren unsere Vorfahren extrem rücksichtlos, nicht erst seit 1900+, sondern bereits in der Antike (damals begann das Abholzen der Wälder, um Holz und Kohle zu gewinnen und die zur Eisengewinnung nötigen Rennöfen betreiben zu können). Doch das ist kein Argument, denn wir hätten Alternativen. Wir nutzen sie nur nicht (ich spreche nicht von Windrädern, sondern z.B. vom “Cradle-to-Cradle”-Projekt: http://www.braungart.com/).

    Sie schreiben -- Zitat: “[...] wie hätte damals denn ‘Nachhaltigkeit’ aussehen müssen? [...] Wodurch unterscheidet sich denn unsere Situation so grundlegend von der damaligen, dass wir nicht mehr dürfen, was sie damals ungestraft taten?”

    Erstens, ich rede nicht von Strafe. Und zum Thema “Nachhaltigkeit” nur ein Beispiel: Seit 70ern (und auch schon viel früher, aber damals haben noch alle darüber gelacht) war klar, wohin uns die hirnlose Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen führt. Seit Anfang der 80er Jahre lagen Konstruktionspläne für Elektroautos in den Schubladen der Automobilkonzerne. Gut verschlossen, auf dass sie möglichst lange nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickten und das Geschäft mit den Dreckschleudern nicht störten. Was ja auch gelang. Wie gesagt, nur EIN Beispiel. Wie lange weiß man schon um die Folgen von Bisphenol A in Kunststoffen? Oder um die Folgen einer unkontrollierten und, wichtiger noch, unkontrollierbaren Nutzung von Gentechnik? Oder um die der gepriesenen “sauberen” Energie der Atomkraftwerke? So sauber, daß man bis heute, in über 70 Jahren (!), keine Lösung zur Lagerung des verseuchten Mülls gefunden hat? Ganz abgesehen davon, daß auch Uran ein endlicher Rohstoff ist und kurz nach dem Erdöl nicht mehr verfügbar sei wird. Der Strahlenmüll aber wird uns bleiben.

    Fakt ist: es gäbe genug Ansatzpunkte, die Lage zu verbessern -- und zwar ohne Abstriche an unseren Lebensstandard (s. o., Cradle-to-Cradle). Man müßte nur wollen. Aber solange der Rubel dermaßen rollt, werden wir im Hamsterrad rennen, und rennen, und rennen. Jeder Mathematiker oder Physiker kann bestätigen: Wachstum ist endlich. Doch scheinbar will das kein Mensch wahrhaben.

    @Quentin Quencher
    Aus Ihrem Zitat: [...] Denn es steht kein vernünftiges, produktives Ziel hinter dem überhöhten Wunsch, sich der Natur und dem Menschen gegenüber als «verantwortlich» zu erweisen, sondern ein quasi-religiöser, freiheitsverächtlicher Impuls, den auszuleben sich zu viele Menschen auf viel zu grosse Fahnen geschrieben haben. [.]

    Ich vertrete weder den “Zurück-zur-Natur” Standpunkt, noch den irgendeiner der zahlreichen idealistischen oder gar esoterischen, bzw. pseudo-religiösen Gruppierungen. Trotzdem verstehe ich mich als Mitglied der Gesellschaft und damit bin ich auch mit-verantwortlich für das, was diese Gesellschaft tut (oder eben hinterläßt).

    Sie schreiben: [...] Wir kennen die Menschen der Zukunft nicht, wissen nicht was sie bewegen wird, welche Probleme sie zu bewältigen haben.[..]

    Falsch. Wir kennen die Menschen der Zukunft nicht, aber wir können heute ziemlich genau absehen, welche Probleme sie -- unter anderem -- zukünftig zu bewältigen haben werden. So, wie Deutschland heute noch an den Folgen des WK II “laboriert”, werden die -- mindestens -- nächsten 3 Generationen mit dem zu kämpfen haben, was wir ihnen hinterlassen. Eine Erbschaft, um die ich sie nicht beneide.

    lg Ruana

  51. @ Ruana:

    Selbstverständlich waren unsere Vorfahren extrem rücksichtlos…

    Die Frage, die mein Text oben aufwirft, ist aber die: Inwieweit haben uns unsere Vorfahren damit geschadet?

    Seit Anfang der 80er Jahre lagen Konstruktionspläne für Elektroautos in den Schubladen der Automobilkonzerne.

    Sie meinen wahrscheinlich “seit Anfang der 1880er”, oder? Die Blüzezeit der Elektromobilität im IV lag vor dem zweiten Weltkrieg. Es handelt sich hier nicht um eine neue Technologie, sondern um eine aus der Anfangszeit des Fahrzeugbaus, die seit mehr als hundert Jahren am Markt dahindümpelt. Eine gewisse Relevanz hatten und haben Elektrofahrzeuge seit jeher für Transportdienstleister und für die Intralogistik (Flurförderfahrzeuge). Eine Handvoll Unternehmen, die bis in die 1930er Jahre noch Elektro-PKW gebaut haben, konnten in diesen Segmenten auch bis heute überleben. Auf deutschen Straßen waren immer einige tausend Elektro-PKW unterwegs. Die Technologie ist weitgehend ausgereizt, es ist keine Innovation erkennbar, die den geringen Marktanteil deutlich erhöhen könnte.

    Wie lange weiß man schon um die Folgen von Bisphenol A in Kunststoffen?

    Wie bei so vielen gefühlten Risiken hat auch dieses keinerlei Auswirkungen auf steigenden Wohlstand und steigendes Lebensalter gehabt.

    Oder um die Folgen einer unkontrollierten und, wichtiger noch, unkontrollierbaren Nutzung von Gentechnik?

    Die weltweite Anbaufläche für gentechnisch optimierte Pflanzen ist sehr groß und steigt rasant an. Negative Folgen sind bislang nicht aufgetreten. Es gibt auch keinen Grund, solche zu befürchten, da der klassische Prozeß der Kultivierung auch Gentechnik ist (nur viel langsamer und viel weniger effektiv). Außerdem haben auch der Mensch und der Mais einen gemeinsamen Vorfahren und damit fast identische Gene auf der molekularen Ebene. Gentechnische Optimierung ist daher nicht etwa etwas Künstliches, das neue Risiken beinhalten könnte, sondern lediglich eine effektive, technische Variante der natürlichen Evolution. Adenosin, Thymin, Cytosin und Guanin sind nun einmal nicht gefährlich, da kann man auch schwer was dran ändern. Im Gegenteil: Die Beispiele, in denen die Umwelt durch die Einsparung von Pestiziden profitiert hat, sind Legion.

    Oder um die der gepriesenen “sauberen” Energie der Atomkraftwerke? So sauber, daß man bis heute, in über 70 Jahren (!), keine Lösung zur Lagerung des verseuchten Mülls gefunden hat? Ganz abgesehen davon, daß auch Uran ein endlicher Rohstoff ist und kurz nach dem Erdöl nicht mehr verfügbar sei wird. Der Strahlenmüll aber wird uns bleiben.

    Das entspricht insgesamt nicht der Realität. Weder ist “Atommüll” verseucht (es handelt sich auch hier nicht um Müll, sondern um wertvollen Rohstoff), noch ist es erforderlich, ihn ewig lang unzugänglich zu lagern. Da wir bislang ohne Endlager ausgekommen sind, werden wir das wohl auch in Zukunft so handhaben können. Nur weil es sich jetzt noch nicht lohnt, den leider als Feststoff angefallenen Abfall technisch zu verwerten, heißt das nicht,daß dies immer so bleiben wird. Alternative Reaktorkonzepte, die mit flüssigen Brennstoffen arbeiten, können unsere Möglichkeiten in dieser Hinsicht ohnehin radikal verändern. Zwar ist Uran 235 als Kernbrennstoff tatsächlich prinzipiell endlich (wenn auch noch immer reichlich vorhanden), Uran 233 oder Plutonium 239 als Alternativen sind es aber nicht, da diese aus nahezu unendlich verfügbaren Ausgangsmaterialien (Thorium 232 bzw. Uran 238) immer wieder neu hergestellt werden können.

    Fakt ist: es gäbe genug Ansatzpunkte, die Lage zu verbessern — und zwar ohne Abstriche an unseren Lebensstandard (s. o., Cradle-to-Cradle).

    “Cradle-to-Cradle” ist eine interessante Idee, wenn auch nicht neu. Das Konzept hat nur ziemlich wenig mit dem Nachhaltigkeitsbegriff zu tun, wie er durch die UNO definiert und oben kritisiert wurde. Im Bereich der Stahlproduktion ist Cradle-to-Cradle schon lange realisiert, gäbe es die unvermeidbare Korrosion nicht, hätten wir hier bereits die perfekte Kreislaufwirtschaft etabliert. Diese Möglichkeit bietet uns aber die Kerntechnik -- tatsächlich ist “Cradle-to-Cradle” (auch, wenn das damals noch niemand so nannte) eines der Ursprungsmotive gewesen, den Massendefekt mithilfe einer sich selbst aufrechterhaltenden Kettenreaktion zur Energiegewinnung zu nutzen.

    Jeder Mathematiker oder Physiker kann bestätigen: Wachstum ist endlich. Doch scheinbar will das kein Mensch wahrhaben.

    Ich bin Physiker und ich kann Ihnen versichern: Solange das Universum genug Raum für einen Anstieg der Entropie lässt (und das wird noch viele Milliarden Jahre der Fall sein) ist ungebremstes Wachstum prinzipiell möglich. Im irdischen Rahmen bedeutet Wachstum immer Effizienzsteigerung und auch da haben wir Möglichkeiten, deren Begrenzung man zumindest nicht absehen kann. Nennen Sie mir eine Wachstumsgrenze, nur eine, die uns unmittelbar (also in den kommenden Jahrzehnten) Probleme bereiten könnte. Es ist ganz so wie mit den Mammuts: Ein der Nachhaltigkeit verpflichteter sibirischer Stammesfürst hätte um 20.000 v. Chr. die Zahl der verfügbaren Mammuts wahrscheinlich als Wachstumsgrenze identifiziert. Wie wir heute wissen, wäre das ziemlich bescheurt gewesen. In wettbewerblich organisierten Märkten gibt es keine begrenzten Ressourcen. Prinzipiell nicht. Es ist auch bis heute nicht vorgekommen, daß irgendeine Ressource, die irgendwann in der Menschheitsgeschichte mal große Bedeutung gehabt hätte, deswegen nicht mehr vorhanden wäre.

    Falsch. Wir kennen die Menschen der Zukunft nicht, aber wir können heute ziemlich genau absehen, welche Probleme sie — unter anderem — zukünftig zu bewältigen haben werden.

    Wir kennen auch die Zukunft nicht, daher können wir überhaupt nichts vorhersehen. Das einzige, was man mit einmer gewissen Berechtigung behaupten darf ist, daß unsere Nachkommen reicher sein werden als wir. Reicher in materieller Hinsicht wie auch hinsichtlich der ihnen dann zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Lösung von Problemen.

  52. @ Ruana:
    Sie wiederholen sich nur, ohne auf meine Einwände tatsächlich einzugehen.

    Sie sagen, Sie wären imstande, heute etwas für die Zukunft voraus zu sagen.
    Aber Sie weigern sich, mir konkret einmal zu demonstrieren, wie so etwas gehen soll. Statt dessen ergehen Sie sich in, mit Verlaub, Geschwätzigkeit.
    Ich fragte Sie:


    Angenommen, Sie würden jetzt im Jahr 1911 leben — Was würden Sie vorschlagen, sollte sinnvollerweise getan werden, um den zukünftigen Erdbewohnern ein besseres Leben zu ermöglichen, wie hätte damals denn ‘Nachhaltigkeit’ aussehen müssen?
    Unsere Vorfahren waren damals etrem rücksichtslos, sie beutetenen den Planeten aus, wo sie nur konnten. Die Industrie wuchs in atemberaubendeem Tempo, noch schneller als heute beispielweise in China, die Zahl der Menschen nahm ebenso rasant zu, es war die Zeit des Kolonialismus, des Weltverkehrs, der Planet wurde klein, die Menschen handelten global.
    Also, welche Fehler machten sie denn damals, zum Schaden der Nachgeborenen?
    Oder, alternativ: Wodurch unterscheidet sich denn unsere Situation so grundlegend von der damaligen, dass wir nicht mehr dürfen, was sie damals ungestraft taten?

    Nehmen Sie Ihre Überzeugung mit in die Zeit Ihres Urgroßvaters und entwerfen Sie einen Nchhaltigkeitsplan für Ihre Urenkel!

    Wohlgemerkt, ich spreche von einem PLAN, nicht von dem Smalltalk, mit dem Sie mir antworteten.

    So, das war das grundsätzliche.
    Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fehler aufzeigen:
    1. Wir haben für viele hundert Jahre Kohle, Gas und auch direkt oder indirekt, Öl. Und wir haben praktisch unbegrenzte Menhgen Kernbrennstoff.
    2. Die abgebrannten Brennstäbe, die Sie als ‘Abfall’ bezeichnen, enthalten noch mehr als 99% ihrer Energie, sie sind ein sehr wertvoller Brennstoff für Reaktoren, die es sogar jetzt schon gibt. Diese Reaktoren können diese ‘Abfälle restlos verbrennen, so dass auch keine langlebigen radioaktiven Abfälle übrig bleiben. Wir brauchen also kein Endlager.
    3. Ressourcen sind immer zeitbedingt, was heute Abfall ist, ist morgen Ressource, was heute wertvoller, unverzichtbarer Rohstoff ist, ist morgen wertloser Plunder.
    4. Was Spätfolgen betrifft (‘Wer weiss schon, was x alles anrichtet…’) möchte ich darauf hin weisen, dass Ihrer Meinung nach offenbar schon die Nutzung des Feuers durch unsere halbäffischen Vorfahren ein schwerer Fehler war? Wegen des Feinstaubs und dem Teer und den giftigen Gasen und der Krebsgefahr und all den Verbrennungen?
    Meinen Sie das ernst?
    Ich hoffe, nicht.

  53. Ach ja, was ‘Ressourcen’ betrifft, möchte ich Sie auf einen älteren Beitrag von mir verweisen, Sie Zukunftsblicker ;-)

    Neue Menschen für den Klimaschutz #188

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