Neue CO2-Verordnung für PKW – Gefährliche Industriepolitik zu Lasten Deutschlands

11. Juli 2012 | Von | Kategorie: Blog

Von Holger Krahmer, Mitglied des Europäischen Parlaments.

Die EU-Kommission stellt heute eine neue Regelung zur Begrenzung von CO2-Emissionen durch PKW vor. Ziel des Vorschlags ist die Umsetzung des sogenannten Langfristziels von 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Flottendurchschnitt, das bereits in der zugrundeliegenden Regelung aus dem Jahr 2005 verabschiedet wurde.

„Die Klimakommissarin macht versteckte Industriepolitik zu Gunsten der Hersteller von Kleinwagen“, urteilt Holger Krahmer, umweltpolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament:

„95 Gramm CO2 im Durchschnitt der Flotte eines Herstellers ist kein neues Ziel, es steht bereits in der gültigen CO2-Verordnung. Die Folge des aktuellen Vorschlags besteht ausschließlich darin, die Kosten der CO2-Minderung innerhalb der Autoindustrie zu verlagern und zwar von den Herstellern, die vor allem Kleinwagen absetzen auf die Hersteller, die in der Oberklasse erfolgreich sind. Man könnte auch sagen, das nutzt vor allem französischen und italienischen Firmen und belastet deutsche.

Eine Wirkung auf das Klima hat diese Maßnahme nicht. Daher erschließt sich mir auch nicht der Sinn. Der absolute CO2-Ausstoss gibt keine Auskunft über die Effizienz eines Fahrzeugs. Effizienz ergibt sich aus dem Verhältnis der Motorleistung zum jeweiligen Kraftstoffverbrauch. Große Fahrzeuge sind heute schon meist effizienter als kleine.

Bestenfalls fördert die EU-Kommission also den Bau kleiner PKW, die im Verhältnis zu ihrer Motorleistung mehr Kraftstoff verbrauchen als größere. Schlimmstenfalls gefährdet der Vorschlag die Produktion von Fahrzeugen der Oberklasse in Europa. Da wir vom Bau und dem Export dieser Fahrzeuge leben, ist der neue Hedegaard-Vorschlag eine unsinnige und gefährliche Maßnahme, bei der in Berlin alle Alarmglocken schrillen sollten.“

Ab 2020 sollen PKW nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Flottendurchschnitt ausstoßen dürfen, derzeit maximal 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Große PKW dürfen von diesem Wert um einen bestimmten Faktor abweichen. Dieser liegt derzeit bei 0,045 und soll jedoch künftig nur noch 0,0333 betragen. Das bedeutet, dass für größere Fahrzeuge um bis zu 2,5 Gramm schärfere CO2-Grenzwerte gelten werden, die zu dem langfristigen Einsparungsziel hinzukommen.

Die hier dargestellte Grafik des Amtsblatt der EU stellt die CO2 – Zielwerte der verschiedenen Hersteller nach dem alten, ursprünglich erwarteten Steigungswinkel dar und die Veränderung, die sich aus dem präsentierten Kommissionsvorschlag ergeben.

Zuerst erschienen auf holger-krahmer.de.

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3 Kommentare
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  1. Große PKW an sich mögen ja effizienter funktionieren als kleine. Ein Reisebus läuft sicher noch effizienter. Aber wenn das Ziel heißt, eine Person von A nach B zu transportieren, misst sich die Effizienz dieser Aktion doch nur am Gesamtverbrauch (von mir aus mit anteiligem Herstellungsaufwand des PKW, Verkehrswege-„Verbrauch“, …)

    Soll ab morgen jeder mit dem eigenen Truck zur Arbeit pendeln? Wieviel Tonnen und Kubikmeter PKW pro transportierter Person sollen’s denn sein?

  2. Technische Einzelheiten eigentlich egal; schlimmer ist der immer weitergehende staatliche Eingriff der Staatsmacht in die Wirtschaft, die schleichende Erosion der Marktwirtschaft, letztlich der Freiheit der Bürger selber.

  3. Das mit der Effizienz der großen Autos habe ich nicht ganz verstanden.
    Sinnvoller wäre es nur noch den Sprit zu versteuern und alles andere (KFZ-Steuer) zu streichen.

    Gruß

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