Novo Argumente 114 erschienen

27. September 2012 | Von | Kategorie: Blog, Internes

Dieses Mal waren wir uns uneins, die Novo-Redaktion und ich. “Utopien” als Vorstellungen über unsere technologische Weiterentwicklung sind ein Schwerpunktthema der neuen Ausgabe, die gestern erschienen ist und heute bei mir eintraf. Mit diesem Begriff kann ich aber nicht so viel anfangen, denn ich denke, Utopien haben wir genug, es mangelt vielmehr an Visionen. Utopien sind (noch) nicht realisierbare Wunschvorstellungen, sie sind Produkte unserer Phantasie.  Die Charakteristik von Visionen hingegen ist die doppelte Verneinung: Man kann sich keine Welt vorstellen, in der die Vision nicht eintreten würde. So zumindest habe ich es in meinem Artikel “Fliegende Kisten” der Redaktion ins Stammbuch geschrieben. In dem Text beschreibe ich den Weg zum “Fliegenden Auto” und was man daraus über Innovationen lernen kann.

Man ist mir zwar nicht gefolgt und hat die Begrifflichkeit “Utopie” für eines der sechs Schwerpunktkapitel des neuen Bandes beibehalten. Trotzdem sind auch die drei anderen Texte dieses Abschnittes überaus lesenswert. Tilo Spahl liefert in “Auf ins Technium” eine grundsätzliche Betrachtung und rechnet mit dem Nachhaltigkeitsdenken ab. Colin McInnes fügt den Blickwinkel des Ingenieurs hinzu und betrachtet in “Neues Leben aus toter Materie” unter anderem die besondere Rolle der Entropie. Heinz Horeis stellt die Gedanken des Physikers Cesare Marchetti vor, der in den 1970er Jahren den Club of Rome mit seiner Idee von der “Eine-Billion-Menschen-Erde” provozierte. Eine Billion Menschen (ja wirklich: 10 hoch 12 oder 1.000.000.000.000), die wohlgemerkt in Reichtum in einer unzerstörten Umwelt leben können. Dank Technologie natürlich.

Nicht nur dieser Text ist so spektakulär, wie es sich anhört. Insgesamt ist diese Ausgabe eine der besten, die Novo jemals hervorgebracht hat. “Freiheit” ist der umfangreichste Themenkomplex, hier fordert beispielsweise die Schriftstellerin Juli Zeh eine Fortsetzung der Aufklärung, Christoph Lövenich und Rob Lyons widmen sich einmal mehr der Prohibition und Tobias Prüwer nimmt Joachim Gaucks Freiheitsbegriff – nun ja – auseinander. Im Abschnitt “Tiere essen” plädiert unter anderem Udo Pollmer für ungetrübten Fleischgenuß ohne schlechtes Gewissen und von der Kapitalismuskrise über den Syrienkonflikt bis hin zur Beschneidungsdebatte widmet sich der Rest des Bandes vielen aktuellen Diskussionen. Ach ja, speziell unseren Lesern von der Piratenpartei seien die Texte zur Internetpolitik wärmstens empfohlen.

Novo Argumente ist seit vielen Jahren eine Speerspitze des für Aufklärung und Humanismus streitenden Journalismus in Deutschland. Das Projekt spielt gerade mal seine Kosten wieder ein und kann auch nur so funktionieren. Da ich finanziell nicht von meiner Mitarbeit profitiere, sei mir dieser kleine Werbetext verziehen. Also: Absolute Leseempfehlung, bestellen Sie die neue Ausgabe am besten sofort direkt bei Novo Argumente Online (und dort können Sie sich auch schon einmal das Inhaltsverzeichnis ansehen).

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2 Kommentare
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  1. Das neue Novo war auch bei mir gestern im Briefkasten -- jetzt hoffe ich nur noch auf schlechtes Wetter am Wochenende, um ohne schlechtem Gewissen darin lesen zu können.

  2. … wirklich hervorragend sind im Novo die Artikel, die hier ebenso vorkommen. Bei einigen Themen sind die Texte so unterirdisch, dass ich mir immer zweimal überlege, ob/wem ich den link zum novo-Energiewendedossier weiterleite, denn wenn jemand das Geschreibsel von S. Beppler-Spahl entdeckt, dann diskreditiert das und hält am Schluss vom Lesen ab.
    Was auf Novo zum Arabischen Frühling, “Atheismuskritik”, oder zuletzt zur Beschneidungsdebatte (“Vorhautprobleme”) geschrieben wurde ist erstens unwissenschaftlich. Sei’s drum. Es sind aber nicht mal akzeptable Meinungsartikel, sondern einfach nur übel zusammenfantasiert.
    Ich bin gespannt, ob meine Kommentare dort die Moderation überleben.

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