Ökologistische Mythen – Teil 1: Die Klimaflüchtlinge

26. März 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Ökologismus, Ökologistische Mythen

Wie jede Religion ist auch der Ökologismus auf zwei Säulen errichtet. Als erstes wäre da die Existenz von Technologien respektive Techniken zu nennen, die nicht jedem zugänglich sind und nicht von jedem verstanden werden (können). Und zweitens ist der Mythos entscheidend, der für die Resultate und Folgen der Anwendung dieser Technologien alternative Interpretationen bietet. Alternativ zur Realität, alternativ zu rational gewonnenem Wissen und damit eben für jedermann ohne Anstrengung erfaßbar.

In der Frühzeit der Menschwerdung konnten auf diese Weise Schamanen ihr spezielles Wissen über Techniken der Heilung, der Beobachtung der Natur (Wetter, Wanderungsbewegungen von Tieren) und mitunter auch der Herstellung besonders wirksamer Waffen und Werkzeuge mystisch gegenüber ihren Mitmenschen verklären. Später dann war es die Astronomie als Technik zur Erstellung und Interpretation von Kalendarien, die eine institutionalisierte Religion begründete. Eine Priesterschaft, die das gesellschaftliche Leben anhand der Festlegung der Daten für Aussaat und Ernte steuerte und regelte. Die großen Weltreligionen der heutigen Zeit fußen alle auf den Techniken des Lesens und Schreibens. Fertigkeiten, die zur Zeit ihrer Entstehung ebenfalls nur wenigen zur Verfügung standen. Wenige, die dadurch die Hoheit der Vermittlung und Deutung des niedergeschriebenen Wissens für sich reklamieren konnten.

Der Ursprung des Ökologismus

Und der Ökologismus? So widersinnig es im ersten Moment klingen mag: Wir haben die Umweltaktivisten dieser Tage der Raumfahrt und dem Computer zu verdanken.

Die Raumfahrt schenkte uns das Bild der Erde von außen. Die tief in uns verankerte Vorstellung, unsere Welt, unser Lebensraum, wäre klein und verletzlich. Eine Vorstellung, auf der allein die Verbreitung des Konzeptes vom Menschen als Feind und Zerstörer der Natur möglich war.

Der Computer auf der anderen Seite ist für viele ein überlegenes Universalwerkzeug, mit dem man nicht nur die Trends und Zustände aus Vergangenheit und Gegenwart vollständig und beliebig genau erfassen, sondern auch die Zukunft berechnen kann. Dem Computer kommt in Verbindung mit all den vielen Modellen, die Klima- und Umweltforscher entwickelt haben, der Rang des delphischen Orakels unserer Zeit zu.

„Wir kennen den Zustand der Welt“ und „Wir wissen was kommen wird“ ist zusammengenommen die Anmaßung des Ökologismus, durch die er die Grenze zur Religion überschritten hat. Er reklamiert die Deutungshoheit über das Bild der Erde ebenso für sich, wie die über die Prozesse, die auf ihr wirken. Und das Bild von der Zukunft, das wir uns machen dürfen, glaubt er ebenfalls bestimmen zu können. Daß dieses Bild Schreckensszenarien apokalyptischen Ausmaßes enthält, kann nicht überraschen. Alle Religionen zwingen ihre Anhänger durch eine Mischung aus Angst vor der ewigen Verdammnis und Hoffnung auf endgültige Erlösung in die mentale Hörigkeit.  Die Mythen, die der Ökologismus zur Verbreitung seiner Botschaften einsetzt, können nur durch Ausnutzung des wissenschaftlich/technischen Analphabetismus der Bevölkerung Verbreitung finden.

So ist durch die Raumfahrt und das Bild der scheinbar kleinen Erdkugel vor dem schwarzen Hintergrund des ansonsten leeren Kosmos der breiten Masse der Sinn für die realen Dimensionen völlig abhanden gekommen. Unser Planet ist in Wahrheit riesengroß, die Atmosphäre eine unendlich komplexe und von dynamischem Wandel gekennzeichnete enorme Menge an Gasen. Die Ozeane bilden ein Universum für sich, sie sind nicht nur weitgehend unverstanden, unbekannt und unerschlossen. Sie stellen auch den zentralen Faktor der Maschinerie dar, die Klima und Wetter ständig neu gestaltet.  Und die Kontinente? Unser Lebensraum? Der Mensch vegetiert an den Rand gedrängt, geballt an Küsten und Flußläufen, in einer insgesamt feindlichen Umgebung dahin. Eigentlich leben wir auf einer zu trockenen und zu kalten Wüstenwelt. Gebirge, Regenwälder, Tundren, Taigen und die polaren Gebiete des ewigen Eises – nichts davon paßt zu unserem Urmythos des Garten Eden, den der Ökologismus in neuem Gewand einfach nur wiederverwertet. Wir leben schon im Paradies, so die Botschaft, aus dem wir uns selbst vertreiben, indem wir es zerstören.

Computer wiederum können nun einmal nur das berechnen, was ihnen ein menschlicher Programmierer vorgekaut hat. Sie erweitern nicht unser Wissen und Verständnis, sie helfen nur, es besser zu sortieren, eingängiger darzustellen und einfacher zu verbreiten. Computer wissen so viel – oder so wenig – von der Zukunft, wie der Mensch, der sie bedient. Sie sind vor allem nicht kreativ und können nichts erschaffen. Das aber kann nur der Zeitgenosse wirklich beurteilen, der zumindest im Ansatz das Werkzeug Computer begriffen hat. Und dies ist auch heute noch bei den weitaus meisten Menschen, selbst in den entwickelten Industrienationen, nicht der Fall.

Und vor diesem Hintergrund allein ist es dem Ökologismus möglich, seinen Mythos zu verbreiten. Den Mythos vom Zerstörer Mensch. Ein Mythos, der nicht die Realität wiederspiegelt, wie sie ist, sondern nur eine konstruierte Welt. Eine Welt, wie es sie nur in den Gehirnen der Ökologisten gibt.

Viele kleine und große Bausteine sind es, aus denen diese Phantasiewelt besteht. Ähnlich, wie das Glaubensbekenntnis vieler christlicher Kirchen auf Konzepten wie „Jungfräulichkeit“ und „Auferstehung“ beruht, ist das Glaubensbekenntnis des Ökologismus gebaut auf Vorstellungen von „Artensterben“ und „Klimawandel“.

Mit dieser Einleitung möchte ich eine neue Reihe von Texten begründen. Eine Serie, in der ich unter der Überschrift „Ökologistische Mythen“ in den kommenden Monaten alle diese Bausteine auf ihren Realitätsgehalt überprüfe und mit der Wirklichkeit vergleiche. Ich werde mich mit dem Artensterben befassen, mit einzelnen Aspekten des Klimawandels, mit dem ökologischen Fußabdruck, dem Sterben der Regenwälder, der Ausbreitung der Wüsten und vielem mehr. Anfangen möchte ich für heute mit einem kleinen Baustein, der sich einfach und ohne größere gedankliche Anstrengung zurückweisen läßt: den Klimaflüchtlingen.

Mythos Klimaflüchtlinge

Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) weist aktuell (Stand 2008) etwas mehr als 9 Millionen Flüchtlinge auf diesem Planeten aus. Es sind ganz genau 9.050.398. Ich habe keine Ahnung, warum man glaubt, das so genau feststellen zu können. Es ist nicht möglich, jeden einzelnen Flüchtling ausführlich zu befragen. Es handelt sich hier um statistische Daten, mehr oder weniger verläßlich. Es ist der Stand unseres Wissens, und ich möchte dem UNHCR ohne weitere Recherche zugestehen, so sorgfältig und gründlich gearbeitet zu haben, wie nur möglich.

Derzeit geistern, ausgelöst durch eine Schätzung der Internationalen Organisation für Migration IOM, Zahlen von 20-25 Millionen Flüchtlingen durch den Äther, die es in Wahrheit sein sollen. Und von denen viele schon heute aufgrund des voranschreitenden Klimawandels ihre Heimat verlassen hätten.

Ich bin durchaus bereit, einzugestehen, daß auch der UNHCR (wie alle anderen Institutionen) nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit wahrnehmen kann. Von daher: verdreifachen wir die Zahl. Gehen wir von 30 Millionen Flüchtlingen aus. Es wird am Gegenargument nichts ändern. Von mir aus kann es auch sein, daß viele dieser 30 Millionen ihrer Heimat konkret wegen wetterbedingter Naturkatastrophen den Rücken gekehrt haben. Auch das ändert nichts.

Denn die Klimakatastrophe hat wie jede religiöse Apokalypse die Eigenschaft, ein Ereignis der Zukunft zu sein. Für deren Vermeidung wir heute schon darben sollen. Und das gilt auch für die Klimaflüchtlinge. Der Ökologismus stellt sich leider nicht der Frage, wie wir den vielleicht 30 Millionen heutigen Flüchtlingen helfen können. Er konzentriert sich auf die  Prophezeiung (ebenfalls durch die IOM), das Jahr 2050 werde mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen aufwarten.

Das aber wird nicht geschehen. Denn wenn das möglich wäre, dann wären sie schon heute unterwegs. In weit größerer Zahl.

Etwa 1 Milliarde Menschen auf diesem Planeten hungern, etwa 1,5 Milliarden haben keinen Zugang zu Basisinfrastrukturen der Hygiene, der Wasser- und Stromversorgung. Die Lebensumstände für diese Menschen sind bereits heute so dramatisch schlecht, daß sie sich längst auf den Weg gemacht hätten. Zu uns, in die entwickelten Industrienationen. Aus der Sicht eines Bauern in Bangladesh, der mit einer Großfamilien in einer windschiefen Einraumholzhütte leben muß und den ganzen Tag ausschließlich mit dem Kampf um eine Handvoll Reis zubringt, ist Deutschland das Schlaraffenland. Ein Land, in dem, wann immer man es will, sauberes warmes Wasser aus der Leitung kommt.

Er wäre auf dem Weg zu uns, bereits heute, wenn er denn könnte. Wenn er denn wüßte, wohin er wandern müßte und vor allem: wie.

Es ist tatsächlich so einfach: Es gibt heute keine 200 Millionen oder mehr Flüchtlinge, weil diese Menschen keinen Zugang zu Transportmöglichkeiten haben. Keine Autos und Eisenbahnen, keine Straßen und Schienen, keine Flugzeuge und Flughäfen, keine ausreichende Schiffskapazität. Und auch keine Möglichkeit, einen Hafen zu erreichen, wenn denn Schiffe dort warten würden.

Und wenn es heute diese Flüchtlinge nicht gibt, obwohl es sie geben müßte, dann wird es sie auch 2050 nicht geben und auch nicht irgendwann danach. Der Hunger ist die ultimative Bedrohung für das Leben. Da kann auch die schönste Klimakatastrophe es nicht noch schlimmer machen, als es schon ist.

Das mag zynisch klingen. Ist aber nicht so gemeint. Ich sage vielmehr: Ermöglichen wir doch der Prophezeiung, den Charakter einer haltlosen Spekulation ablegen und tatsächlich eintreffen zu können. Bauen wir all diese Transportinfrastrukturen und Fahrzeuge, die für 200 Millionen oder eine Milliarde Flüchtlinge notwendig wären.

Auf diese Weise könnten sie sich auf den Weg machen. Und würden es trotzdem nicht tun. Denn dann hätten sie keinen Grund mehr. Sie wären so reich wie wir und so sicher und geschützt vor schlechtem Wetter, wie man es sich nur wünschen kann.

So ist das mit den Mythen des Ökologismus. Sie existieren nur in einer konstruierten Welt. Der Ökologismus erzeugt Überzeugungen durch Glauben, nicht durch Wissen. Und schon gar nicht durch Nachdenken.

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5 Kommentare
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  1. Ja, dieses Technologiegeschwafel geht mir auch auf den Wecker. Technologie ist die Lehre von der Art und Weise der Herstellung. Ein Mobiltelephon ist also ein Stück Technik und kein Stück Technologie. Es ist ein Objekt dieser Lehre.

    Carsten

    http://www.nichtlustig.de/toondb/030508.html

  2. Lieber Herr Heller, ich freue mich schon auf die ganze Serie. Danke!

    Nun, Klimaflüchtlinge hat es schon mehrfach in der Menschheitsgeschichte gegeben. Nur, waren diese durch Eiszeiten verursacht, die teilweise extremste Ausmaße angenommen hatten. Aber selbst die schlechten klimatischen Bedingungen der letzten kleinen Eiszeit im 19.Jahrhundert und deren Auswirkungen besonders auf die Ernährungssituation, haben viele Bewohner Zentraleuropas in die neue Welt gelockt. Klar es müssen geeignete Transportwege zur Verfügung stehen.

    Anders der Fall nach Ende einer Eiszeit. War es hier nicht eher das Nutzen und Besiedeln neu entstandener Lebensräume, das eine Bewegung der Menschen hervorbrachte? Jedenfalls war es keine „Flucht“ vor stark steigenden Temperaturen. Wenn man bedenkt, an welch extremen klimatischen Orten menschliches Leben möglich ist, habe ich meine Zweifel daran, das eine Klimaerwärmung um wenige Grade eine gigantische Flüchtlingswelle auslösen könnte.

    Der gewaltige Anstieg des Meeresspiegels, wie er von Manchen vorausgesagt wird, wäre ein theoretischer Grund für eine massive Bewegung einer Bevölkerung, aber vermutlich nur auf engerem Gebiet. Dieser katastrophale Meeresanstieg dürfte aber wohl auch in das Reich der Märchen anzusiedeln sein.

    Probleme der Ernährung durch Dürren und andere Wetterereignisse, sind mit gutem Willen und unter Einsatz der vorhandenen Technik, so man dies denn will, durchaus lösbar und kein zwingender Grund zur Flucht. Schon gar nicht dürfte so ein Ereignis schon 2050 eintreten.

    Wenn in einigen tausend Jahren gewaltige Gletscher einer neuen Eiszeit wieder die nördliche Hemisphäre überdecken werden, wird hierüber sicher eine ganz andere Diskussion zu führen sein. Ich hoffe man hat dann genug CO2 nachhaltig für die folgenden Generationen aufbewahrt. 😉

  3. Jede Bewegung und jede Religion braucht ein Ziel. Die großen monotheistischen Religionen haben das Jenseits (Paradies) als Ziel auserkoren, in welches man gelangt, wenn gewisse Regeln eingehalten werden. Die Masse der Gläubigen fühlt sich innerhalb dieser Regeln wohl, ja diese geben dem Leben einen Sinn. Außenstehende mögen diese Regeln als Beeinträchtigung ihrer Freiheit betrachten, den Gläubigen ficht das nicht an, er betrachtet sie als notwendig zum erreichen eines höheren Glücks.

    Die Ökobewegung sieht ihr Paradies in einem Zustand, in dem alle Menschen mit der Natur leben. Und nicht von ihr. Das Paradies ist also ein in seinem natürlichen Zustand belassener Globus. Doch dieses Ziel ist nicht sofort zu erreichen, auch hier ist der erhoffte Zustand in einer fernen Zukunft. Doch kann man jetzt schon versuchen, weiteren Schaden an der Umwelt zu verhindern.

    Dies ist, so glaube ich, der religionsähnliche Ansatz der Ökobewegung. Wichtig ist die Ferne des Zieles, ein nahes Ziel lässt die Bewegung wieder auseinanderfallen.

    Diejenigen die nicht dieser Ökoreligion angehören, erscheint deren Wirken reichlich naiv, tun sich aber schwer, die Bewegung entschieden zu kritisieren. „Die meinen es ja gut“, schließlich will niemand eine vergiftete Umwelt.

    Das Paradies der Ökobewegung ist allerdings nie zu erreichen, hat es auch in grauer Vorzeit nie gegeben. Immer schon haben Menschen die Natur zu ihren Nutzen ausgebeutet, ohne dieses Verhalten hätte es keine Zivilisation gegeben. So wie es den edlen Wilden, nach Rousseau, nie gegeben hat, gab es nie die Menschen die im völligen Einklang mit der Natur gelebt haben.

    Wenn wir nun versuchen, der Ökobewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen, tun wir uns schwer. Sobald ein Thema sich erledigt hat (Waldsterben, zum Beispiel), wird eine neue Bedrohung der Mutter Natur heraufbeschworen. Derzeit mit dem Klimawandel. Dabei werden die vermeintlich daraus resultierenden Probleme aufs schrecklichste ausgeschmückt. Klimaflüchtliche sind eines davon.

    Anschwellende Ozeane bedrohen Küsten, Dürre vernichtet Lebensgrundlagen, sind die Hauptgründe. Doch keines der Argumente hält einer genaueren Betrachtung Stand. Darauf einzeln einzugehen erspare ich mir hier, doch gebe ich zu bedenken, wo finden wir heute die meisten Flüchtlinge? In politisch instabilen Regionen. Bürger- und Religionskriege treiben die Menschen zur Flucht, selten die Umweltbedingungen, oder veränderte Umweltbedingungen. Auf diese können sich Menschen einstellen, sofern sie die nötigen Mittel dazu haben.

  4. Und vor diesem Hintergrund allein ist es dem Ökologismus möglich, seinen Mythos zu verbreiten. Den Mythos vom Zerstörer Mensch. Ein Mythos, der nicht die Realität wiederspiegelt, wie sie ist, sondern nur eine konstruierte Welt. Eine Welt, wie es sie nur in den Gehirnen der Ökologisten gibt.

    Wenn man erlebt hat, wie „der Mensch“ bis vor 20 Jahren auf dem Gebiet der ehemaligen DDR mit der Umwelt umgegangen ist, wenn man so Bilder aus dem heutigen China und dem dortigen Umgang mit der Natur ansieht … Da klingt dieses Statement etwas daneben. Da bin ich ja mal gespannt auf die folgenden Artikel.

  5. @ all:

    Ich möchte nicht zuviele Erwartungen wecken. Die Serie wird kommen, aber sie wird sich über Monate hinziehen, da ich derzeit beruflich stark eingespannt bin. Außerdem will ich ja auch noch andere Sachen schreiben…

    @ Müller:

    Der Ökologismus erkennt den Wert von Menschen geschaffener oder stark beeinflußter Ökosysteme nicht an. Darauf bezog sich die von Ihnen kritisierte Passage. Marxismus und abgeleitete Staatstheorien stellen in der Tat das ökonomische Wachstum in den Mittelpunkt und messen der Natur insgesamt keinen Wert und auch keinen Erhaltungsanspruch zu. Ich erkenne im Ökologismus im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren in der Tat einen fundamentalen Widerspruch zu Kommunismus oder Sozialismus. Letztere sind ihrem Wesen nach antispirituell, technokratisch und strikt rational, während der Ökologismus eine echte (Natur-)Religion ist.

    Die Probleme der sozialistischen oder kommunistischen Systeme hatten wir in der kapitalistischen Welt auch. So um 1850 und in den Jahrzehnten danach. Wir haben diese Krisen überwunden, weil wir strikt auf das Effizienzprinzip und die damit möglichen Rebound-Effekte gesetzt und damit quantitatives und qualitatives Wachstum ideal verbinden konnten.

    Der Ökologismus himgegen versucht, das Effizienz-Prinzip durch das Suffizienz-Prinzip zu ersetzen und schadet damit Mensch und Natur gleichermaßen.

    Oder einfacher: Der Umwelt geht es umso besser, je wohlhabender, freier und selbstbestimmter eine Gesellschaft agieren kann. Die Umweltprobleme Chinas oder des ehemaligen Ostblocks sind kennzeichnend für alle unfreien Systeme, es gab derlei auch schon im Mittelalter und in der Antike, nur räumlich noch begrenzter.

    Der Ökologismus ist auf der Vorstellung von Risiken gebaut, unser ökonomisches Wachstumskonzept (der Kapitalismus) auf der Vorstellung von Chancen. Das Erkennen von Chancen aber darf der Ökologismus nicht zulassen, denn das beraubt ihn seiner spirituellen Machtbasis.

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