Quo vadis Meeresspiegel? – Meeresströmungen führen zu starken regionalen Schwankungen

26. Juni 2011 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Meeresspiegel, Wissenschaft

Pressemitteilung des Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Als Folge der Erderwärmung ist der Meeresspiegel in den vergangenen 50 Jahren im Mittel um rund zehn Zentimeter gestiegen. Nach Einschätzung vieler Klimaforscher dürfte sich der Anstieg in den kommenden Jahrzehnten noch beschleunigen. Wie Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) jetzt zeigen konnten, gibt es dabei aber große regionale Unterschiede. Ursache dafür sind Veränderungen in den Meeresströmungen, die vor allem im tropischen Pazifik und im Indischen Ozean zu stark schwankenden Wasserständen führen.

Warum stieg der Meeresspiegel in einigen Regionen des tropischen Indischen Ozeans und Pazifiks in den vergangenen 15 Jahren stark an, während es in den Jahrzehnten zuvor dort sinkende Wasserstände gab? Den Ursachen sind nun Kieler Meeresforscher durch Computersimulationen auf die Spur gekommen. Ihre jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Geophysical Research Letters publizierte Studie zeigt, dass Schwankungen in den Meeresströmungen, verursacht durch die Passatwinde im tropischen Pazifik, eine Schlüsselrolle spielen.

Durch Wind und Meeresströmungen verursachte Meeresspiegeländerungen (relativ zum mittleren globalen Meeresspiegelanstieg) im Indischen und Pazifischen Ozean im Zeitraum 1958-2007 (in cm). Die Modellsimulation zeigt Bereiche mit gesunkenem Meeresspiegel (blau) im tropischen Pazifik und Indischen Ozean.

Den Einfluss von Wind und Meeresströmungen bekommt der tropische Pazifik vor allem infolge des El Niño-Phänomens zu spüren. „Das damit verbundene Hin-und Herschwappen des warmen Oberflächenwassers führt dort zu einem fortwährenden Auf und Ab des Meeresspiegels um bis zu 20 cm innerhalb weniger Jahre“, erläutert Dipl. Ozeanographin Franziska Schwarzkopf, Autorin der Studie vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

Während diese kurzfristigen Schwankungen durch moderne Satelliten-Messungen sehr gut dokumentiert sind, war über das Muster längerfristiger Veränderungen bislang wenig bekannt: „Unsere mit neuentwickelten Strömungsmodellen vorgenommenen Computersimulationen zeigen, dass die regionalen Wasserstände auch noch über Zeiträume von mehreren Jahrzehnten durch Windänderungen und Meeresströmungen geprägt werden“, erklärt der Leiter der Kieler Ozean-Modellierung und Co-Autor der Studie, Professor Claus Böning. Überraschender Befund der Kieler Forscher: Im Mittel über die letzten 50 Jahre erfuhren einige Bereiche im tropischen Pazifik und Indik dadurch entgegen dem globalen Trend einen fallenden Meeresspiegel.

Die neuen Ergebnisse zum Meeresspiegelanstieg der letzten Jahrzehnte bedeuten eine zusätzliche Herausforderung für die Klimamodellierung: „Ob eine tropische Inselgruppe in den nächsten Jahrzehnten mit einem wesentlich höheren Anstieg als im globalen Durchschnitt rechnen muss oder ob der Meeresspiegel dort vorübergehend sogar fallen könnte, hängt entscheidend von der Entwicklung der Windsysteme und Meeresströmungen ab“, so Böning. „Künftige Forschungsprogramme werden den regionalen Schwankungen in den Ozeanen eine verstärkte Aufmerksamkeit widmen.“

Originalarbeit:
Schwarzkopf, F.U. and C.W. Böning, 2011: Contribution of Pacific wind stress to multi-decadal variations in upper-ocean heat content and sea level in the tropical south Indian Ocean. Geophysical Research Letters, 38, L12602, doi: 10.1029/2011GL047651.

Kontakt:
Prof. Dr. Claus Böning, Tel: 0431 600-4003, cboening@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit), Tel: 0431 600-2802, avillwock@ifm-geomar.de

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Anmerkung:
Diese Pressemeldung dürfte vor allem Professor Rahmstorf vom PIK in Potsdam nicht sonderlich gefallen. Schließlich hatte er gerade eine Arbeit mit Michael Mann publiziert (Hockeystick zum Meeresspiegelanstieg entzweit Forschergemeinde ), in welcher der globale Meeresspiegel der letzten 2000 Jahre anhand von 2 Messpunkten in North-Carolina bestimmt worden war. Starke regionale Schwankungen passen da wohl eher nicht ins Konzept.
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10 Kommentare
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  1. Dem Rahmstorf dürfte so einiges nicht gefallen, auch wenn man Ihn an Luftdruck-bedingte Meeresspiegekländerungen erinnert:
    Hier wird ein interessantes Paper
    von Kolker und Hameed besprochen
    welches man hier noch im Detail nachlesen und vertiefen kann.
    Da bleibt vom Hockey-Schläger des Teams nicht mehr viel übrig.
    Die leiden derzeit an Paranoia in der schlimmsten Form.

  2. Ich fordere von Herrn Böning sofortige Widerrufung dieser Irrlehre wider den Marxismus-Schellnhuberismus!

  3. Auch ins Englisch: http://notrickszone.com/2011/06/26/tropical-pacific-sea-level-dropped-from-1958-2007-new-study-shows/
    Tuvalu ist gerettet!

  4. @ Pierre Gosselin

    Man, you are quick 🙂

  5. ich habe so das Gefühl, Mann und Rahmstorf haben sich aber dermaßen was von in die Nesseln gesetzt….
    😀
    @Pierre -- thaks for all the interesting translations ans postings in the sceptic world.
    Will hope, that Wirth will not be after you
    btw, do you have a link to the original source ?

  6. Ich hab den Eindruck, dass man nur für Verwirrung sorgt, wenn man vom Anstieg des Meeresspiegel spricht. Wie man schon im Artikel dargestellt hat, die Sache ist gar nicht so einfach, aber diese Tatsache wird in Medien verschwiegen.

  7. @ Caspar

    …diese Tatsache wird in Medien verschwiegen

    Die Mehrzahl der Medien bekleckern sich derzeit nicht gerade mit Ruhm. Da werden ungeprüft Pressemitteilungen übernommen und Schlagzeilen daraus generiert, kritische Recherche kommt praktisch kaum noch vor. Da verlässt man sich lieber auf die Blogosphäre, dort wird es schon aufgedeckt werden. Siehe auch diesen Artikel von Gerald Traufetter in SPON und die Diskussion darüber in der Klimazwiebel.

  8. Auch empfehlenswert

    Forscher enträtseln Anstieg des Meeresspiegels (UNI Hamburg)

  9. Das das Ergebnis von Rahmstorf und Konsorten vorab festgelegt war, zeigt auch die Antwort, welche er mir in der KlimaLounge vor 2 Jahren gegeben hat:

    [Antwort: Danke für den Literaturhinweis! Diese Autoren haben in den (spärlichen) Meeresspiegeldaten vor Beginn der instrumentellen Messungen im 19. Jh. nach einem ähnlichen Zusammenhang mit der Temperatur gesucht, wie ich ihn 2007 in meinem Science-Artikel für den Zeitraum ab 1880 aufgezeigt habe. Wir arbeiten gerade an einer neuen Publikation zu genau diesem Thema -- Ergebnis werde ich allerdings hier noch nicht verraten. Stefan Rahmstorf]

  10. Einen Widerspruch kann Rahmstorf nicht erkennen
    Wenn er meint….

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