Radioaktivität: Kleine Dosis, große Angst

1. August 2012 | Von | Kategorie: Blog, Energieerzeugung, Kernenergie

Von Lutz Niemann

Seit 500 Jahren weiß die Menschheit durch Theophrastus Bombastus von Hohenheim, bekannt unter dem Namen Paracelsus (1493 – 1541): „Was ist das nit gifft ist? alle ding sind gifft, und nichts ohn gifft. Allein die dosis macht das ein ding kein gifft ist“. Dieser Satz gilt auch für Radioaktivität. Leider scheint er aber seit dem Reaktorunfall von Fukushima in Vergessenheit geraten zu sein.

Um eine mögliche Gefahr durch Radioaktivität einordnen zu können, muss man wissen, wo der gefährliche Dosisbereich liegt: Die Strahlenwirkung auf Lebewesen misst man in Sievert (Sv) und gefährlich wird es bei einer hohen Dosis von einigen Sievert (Sv). Sie führt in kurzer Zeit zur Strahlenkrankheit und eventuell zum Tode. Bei etwas geringerer Dosis darunter bis herab zu 200 mSv hat man eine erhöhte Krebsrate festgestellt (Überlebende von Hiroshima und Nagasaki). Ein Schaden tritt immer nur dann ein, wenn die Dosis hoch ist und wenn diese in kurzer Zeit einwirkt (zum Beispiel innerhalb eines Tages), wie bei den Bombenabwürfen geschehen.

Das wird durch einen Vergleich mit Alkohol verständlich: Eine Flasche Schnaps enthält die tödliche Dosis, in kurzer Zeit getrunken führt es zur Alkoholvergiftung und vielleicht zum Tode. Bei Verteilung der tödlichen Dosis auf ein Jahr schadet sie nicht.

Im Strahlenschutz wird als Lehrmeinung jeder noch so kleinen Dosis eine Wirkung zugeschrieben. Das ist die LNT-Hypothese (LNT = linear no threshold), wobei die Zeit in der Regel nicht beachtet wird. Es handelt sich um eine Annahme, die weder als richtig noch als falsch bewiesen werden kann, eben eine Hypothese. Aus der Annahme einer Wirkung noch bei der kleinsten Dosis folgt das Prinzip des Strahlenschutzes, jede noch so kleine Dosis zu vermeiden (ALARA-Prinzip = as low as reasonably achievable). Die Internationale Strahlenschutzkommission vertritt die LNT-Hypothese und das ALARA-Prinzip, die nationalen Regierungen folgen den Vorschlägen dieser Kommission und gestalten die Gesetze danach. Doch es gibt gute Gründe, die LNT-Lehrmeinung abzulehnen…hier weiterlesen

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2 Kommentare
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  1. Kleiner Programmtip, der wohl echt hut zum Thema passt.

    Arte, heute den 21.08.2012

    Tschernobyl -- Die Natur kehrt zurück
    Achtung, der Link funktioniert nur heute…

    Im Jahre 2010, 24 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl scheint die Natur in die Sperrzone zurückgekehrt zu sein. Dabei ist die Radioaktivität in Tschernobyl stellenweise mehrere tausend Mal höher als die natürliche Strahlung. Für Menschen ist der Zutritt immer noch streng verboten, nur manche Tiere leben hier völlig unbeeinträchtigt durch die Strahlung. In dem Dokumentarfilm “Tschernobyl -- Die Natur kehrt zurück” versuchen Wissenschaftler, die oft widersprüchlichen Forschungsergebnisse zu erklären……

    Warum könnte man Kirschen aus Tschernobyl relativ bedenkenlos verzehren, nicht aber die Kirschkerne? Wieso wird eine Maus, die in einem stark verstrahlten Wald lebt, selbst radioaktiv, ohne dabei gesundheitlichen Schaden zu nehmen? Und wie ist die Resistenz der Przewalski-Pferde zu erklären? Diese vom Aussterben bedrohte Wildpferdrasse wurde 1998 versuchsweise in Tschernobyl angesiedelt.

    Wissenschaftler, die seit Jahren immer wieder nach Tschernobyl kommen und das Gelände wie ihre Westentasche kennen, erläutern die oft sehr widersprüchlichen Forschungsergebnisse, die ihnen so manches Rätsel aufgeben.

    Ach übrigens, eine französische Produktion………..alles andere hätte mich auch stark gewundert.

    Klingt vielversprechend, hoffentlich nicht zu sehr ideologisch durchseucht.
    H.E.

  2. ARTE gibt es auch bei Youtube

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