Rahmstorf-Mann-Invers-Hockeystick 2.0?

31. März 2015 | Von | Kategorie: Blog, Daten, Klimawandel, Medien, Ökologismus, Profiteure, Wissenschaft

Bezüglich der kürzlich erschienenen Veröffentlichung von Rahmstorf und Mann zur Abschwächung des Golfstromsystems habe ich mir einmal die Mühe gemacht und von Rahmstorf und Mann unabhängige Proxydaten aus der Grönland/ Isländischen See und Skandinavien rausgesucht und das Verfahren reproduziert. Folgendes kommt dabei heraus:

Zuerst die Ergebnisse von Rahmstorf und Mann:

Rahmstorf-Mann2015

Oben zu sehen ist eine Temperaturrekonstuktion der Nordhalbkugel von Mann 2008 aus Proxydaten (Baumringen, Korallen, Eisbohrkernen). In der Mitte zu sehen ist eine Temperaturrekonstruktion im Bereich des subpolaren Nordatlantik-Wirbels vor Grönland und Island aus Proxydaten (Korallen). Ganz unten ist die Differenz aus der zweiten und ersten Abbildung zu sehen. Es zeigt sich ein starker Temperaturabfall am Ende, aus dem Rahmstorf auf eine nie dagewesene Abschwächung des Golfstromsytems im letzten Jahrhundert seit dem Jahr 900 schließt.

Und nun meine Ergebnisse:

Grudd-Sicre2008bOben zu sehen ist eine Temperaturrekonstruktion aus Skandinavien von Grudd 2008 aus Proxydaten (Baumringdaten mit Abgleich von Wetterstationen ab den 19. Jahrhundert), repräsentativ für den hohen Norden. Darunter zu sehen ist eine Temperaturrekonstruktion von Sicre 2008 aus der Grönland/ Isländischen See aus Proxydaten (Sedimentbohrkerndaten, Alkeneone). Drunter zu sehen sind beide Rekonstruktionen und deren Differenz. Es zeigt sich am Ende kein nie dagewesener Temperaturabfall seit dem Jahr 900. Die Grönland/ Isländische See hat sich seit dem Jahr 1300 abgekühlt. Die Temperaturen in Skandinavien zeigen ein Maximum um das Jahr 1000. In der darauf folgenden Kleinen Eiszeit sinkt die Temperatur, unterbrochen von kurzen Warmphasen, übergehend in die heutige Warmzeit. Die Rekonstruktionen reichen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Daran angehängt wurden bewusst keine aktuellen Messwerte von Wetterstationen, wie Rahmstorf und Mann es machen, denn diese basieren nicht auf Proxydaten und zeigen eine wesentlich größere Schwankungsbreite, welche Proxydaten aufgrund der schlechteren zeitlichen Auflösung nicht abbilden können.

Festzuhalten ist, dass Verfahren von Rahmstorf und Mann liefert selektive Ergebnisse, die andere Poxydaten nicht zeigen. Je nach Wahl der Proxydaten kann man nach belieben Kurven produzieren, welche man gerade haben möchte.

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7 Kommentare
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  1. “I only believe in statistics that I doctored myself”

  2. Beim Rahmstorf entwickelt sich, wie es aussieht, eine Interessante
    Diskussion

    Auf Rahmstorfs Antwort auf Stefan Otto habe ich diesen Kommentar verfasst:

    Vielleicht legt es aber auch daran, dass die von Ihnen aktuell verwendeten Proxies tatsächlich keine Aussage über Strömungen und deren Änderungen zulassen, weil schlicht und ergreifend kein Zusammenhang besteht ?

    mal sehen, ob er durch die Moderation kommt 😀

  3. Was ich nicht verstehe -- vielleicht kann mich ja jemand aus dem Fachgebiet aufklären -- ist, warum hier überhaupt Proxydaten verwendet werden; Meeresströmungen kann man doch messen, oder nicht?

    Das wäre in etwa so, als würde ich die Temperatur in meinem Haus über das Wachstum der Topfpflanzen bestimmen, anstatt auf das Thermometer zu sehen.

    Kommt der Rahmstorf an keine anderen Daten ran als jene, die er schon hat?

  4. F.Alfonzo schrieb am 2. April 2015 10:57

    Was ich nicht verstehe — vielleicht kann mich ja jemand aus dem Fachgebiet aufklären — ist, warum hier überhaupt Proxydaten verwendet werden; Meeresströmungen kann man doch messen, oder nicht?

    Ich weiss nicht, ob man dazu vom Fachgebiet sein muss … Die Frage ist doch einfach: Woher nimmt man „Meßdaten“ für Zeiträume, in denen man noch nicht gemessen hat? Einfach nochmal einen Blick auf die Zeitskala werfen, dann sollte sich die Frage von selbst beantworten.

  5. @Marvin Müller #4
    Da Sie sich so gut auskennen, was sagen Ihnen die Mann’schen, von SR verwendeten Proxies und zu deren Qualität ?

  6. @Krishna

    Die Proxydaten von Sicre zeigen eine Abkühlung in der Grönland/ Islandsee seit 1300. Also lange Zeit bevor der Mensch CO2 und THG in großen Umfang emittiert hat. Das scheint mit der sog. kleinen Eiszeit zusammen zu hängen.

    Rahmstorf hat willkürlich Proxydaten nach seiner Gusto gewählt und interpretiert das als „einmalige“ Abschwächung des Golfstromssystems durch die Abschwächung der thermohalinen Zirkulation, durch vermehrten Süßwassereintrag. Stichhaltige Belege dafür hat er nicht. Warum das früher angeblich anders war weiß er nicht.

    Ich bin fassungslos, dass das Peer-Review veröffentlicht wird. Er weiß nichts, veröffentlicht aber eine These als „Gewissheit“.

  7. @Micha
    Guck mal…..interessantes Bild…
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bild-1025994-829407.html
    …von wegen, thermohalinen Zirkulation und solchs Zeug.

    Ach so…hier noch der ganze Artikel bei Spon.

    mfG
    H.E.

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