Schlendrian, Schlendrian unter den Laternen

2. Juli 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Medien

Der Weg von den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Klimaforschung hin zu einer Politik der „Risikovermeidung auf Basis des Vorsorgeprinzips“  (welche bislang auf keine andere Idee als die „Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen“  gekommen ist – koste es, was es wolle), gilt für viele Klimaalarmisten als zwangsläufig und nicht diskutierbar.

Diese Vorstellung durchzieht auch Stefan Rahmstorfs Blog „Klimalounge“. Gerade in den aktuellen Beiträgen unter der Überschrift „Spiegel vs. Zeit“ quillt dieses Mantra nicht nur zwischen den Zeilen, sondern auch sehr direkt hervor.  Das sich hartnäckig haltende Gerücht, die Klimalounge diene der Aufklärung über und der Erklärung von wissenschaftlicher Arbeit, kann nun auch endgültig beiseite gelegt werden. Nein, die Klimalounge, gehostet in den „Wissenslogs“ von „Spektrum der Wissenschaft“, ist ein vollständig politisches Projekt. Sie wird von den beteiligten Autoren allein zur Verbreitung einer bestimmten klimapolitischen Ideologie verwendet.

Das ist nicht verboten, keine Frage. Zur Eröffnung einer Debatte ist es sogar wichtig, wenn Klimaforscher sich in dieser Form einmischen und sich der Kritik stellen. Aber beim richtigen Namen nennen sollte man das Kind dann schon. Und den Lesern nicht etwas vorgaukeln.

Ein junger Journalist, Robin Avram, schreibt also eine Diplomarbeit. In der er die klimapolitische Berichterstattung von „Spiegel“ und „Zeit“ für einen bestimmten Zeitraum miteinander verglichen hat. Wer wurde befragt und zitiert, welche Themen wurden aufgegriffen und wie lautete der Tenor der Botschaften? Und das gar schreckliche Ergebnis aus der Sicht von Rahmstorf und Avram: Der Spiegel war, im Gegensatz zur Zeit, nicht linienkonform. Er hat nicht nur die Kritiker an der oben genannten Argumentationskette ausführlich zu Wort kommen, sondern in manchen Texten auch unverhohlen Sympathie für deren Standpunkte erkennen lassen. Das ist natürlich unerhört. Und nicht akzeptabel. Das Dogma von der Zwangsläufigkeit der Emissionsminderung darf nicht angetastet werden. Denn schließlich wissen Klimaforscher wie Rahmstorf nicht nur ganz genau, warum und wie der Klimawandel stattfindet, sie wissen auch, welche Risiken mit welchen Wahrscheinlichkeiten sich daraus ergeben und wie die einzig denkbare politische Reaktion darauf auszusehen hat. Bis hin zu konkret definierten Reduktionszielen. Der Spiegel hat sich also schuldig gemacht. Der Häresie.

Wenn auch nicht unbedingt von einem Klimaforscher, so aber darf man doch von einem mündigen Staatsbürger und erst recht von einem Journalisten eine gewisse Grundkenntnis über die Medienlandschaft und die korrekte Einordnung der Berichterstattung in einen Gesamtzusammenhang erwarten. Der Spiegel ist ein politisches Nachrichtenmagazin und kein wissenschaftliches Fachjournal. Der Spiegel hat auch nicht das Ziel, populärwissenschaftlichen Zeitschriften nachzueifern. „Klimawissenschaftliche“ Berichterstattung im Sinne der Erläuterung von Forschungsergebnissen findet im Spiegel daher überhaupt nicht statt. Das Magazin widmet sich der Klimapolitik. Und in dieser geht es vor allem um die Frage, wie die Arbeit von Wissenschaftlern  politisch zu bewerten ist. Ob aus ihr bestimmte politische Maximen zwangsläufig folgen, oder eben nicht.

Und das haben Herr Rahmstorf und Herr Avram wohl falsch verstanden.

Dies ist die Debatte, die seit Jahren das Internet beherrscht und mittlerweile, spätestens nach dem Scheitern von Kopenhagen, auch in den Verwaltungen und Regierungen angekommen ist. Und über diese Debatte zu berichten, ist Pflicht eines Nachrichtenmagazins, will es die im Grundgesetz verankerte Freiheit der Presse verantwortungsvoll nutzen. Und da sind eben die zu zitierenden und zu befragenden Protagonisten nicht nach der Anzahl ihrer Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachjournalen auszusuchen, sondern nach der Qualität und Klugheit ihrer Konzepte, Ideen und Argumente und nach dem Einfluß, den sie in der Debatte haben. Wenn also der Spiegel über Menschen wie Steven McIntyre schreibt, und Richard Lindzen, Björn Lomborg, Josef Reichholf und Hans von Storch Raum gibt, dann hat er sie nach diesen Kriterien ausgewählt.

Keiner von den genannten zweifelt an der Existenz des Treibhauseffektes. Keiner der genannten zweifelt die Erderwärmung und den menschlichen Einfluß an dieser prinzipiell an. Aber alle genannten kommen aus unterschiedlichen Erwägungen heraus zu demselben Schluß: Eine allein auf die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen fixierte Klimapolitik, wie sie derzeit betrieben wird, ist – je nach Gusto – unangemessen, falsch oder gar gefährlich.

Denn das ist eigentlich, was den Skeptiker vom Alarmisten unterscheidet. Es ist nicht die Infragestellung von Wissenschaft. Sondern die Skepsis gegenüber einer Forschung, die politisches Handeln determinieren will. Und man kann eben, durchaus auf Basis der IPCC-Berichte und selbst bei Berücksichtigung der Kopenhagen-Diagnose, sehr begründet zu dem Schluß kommen, eine andere Klimapolitik als die auf „Vermeidung“ fixierte wäre aus Sicht der Menschen und der Natur verantwortungsvoller und klüger. 

Gerade von einem klimapolitischen Blog wie der Klimalounge wäre eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Thesen zu erwarten. Man könnte das Hartwell-Papier heranziehen, die Analyse des wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriums oder die kritische Würdigung des „2-Grad-Ziels“ durch die Stiftung Wissenschaft und Politik. Und Gegenargumente formulieren. Stattdessen aber erfährt der geneigte Leser, Richard Lindzen wäre Kettenraucher (und damit natürlich unglaubwürdig), Hans von Storch hätte am 2. Weihnachtstag einen Text online gestellt (was ihn natürlich auch unglaubwürdig macht) und der ehemalige Spiegel-Chef Stefan Aust und der Ressortleiter Wissenschaft Olaf Stampf seien ohnehin Klimaskeptiker (die Steigerung von unglaubwürdig).

Einmal mehr wird die religiöse Komponente des Klimaalarmismus an dieser Stelle deutlich. Man lösche die Nachricht durch Herabwürdigung ihres Überbringers. Die Auseinandersetzung mit der Nachricht selbst darf nicht stattfinden. Denn dies würde implizit bedeuten, Kritik an zentralen Dogmen als zulässig zu erachten. Diese Leugnung der Möglichkeit begründeter Widersprüche und der Anspruch auf Interpretationshoheit gegenüber ihren Anhängern sind ein Wesenskern von Religionen. Sonst könnten sie nicht funktionieren.

Der totalitäre Anspruch des Klimaalarmismus zeigt sich in dem Bezug auf das Vorsorgeprinzip besonders deutlich. Robin Avram schließt sich der Bedingung an, jedwede Klimapolitik (auch ein alternativer Ansatz) hätte sich diesem zu unterwerfen. Mit der Formulierung einer Bedrohung in der Zukunft, der gegenüber eine gemeinsame Kraftanstrengung einer Gesellschaft ohne die Möglichkeit des Abweichens die einzig denkbare Maßnahme darstellt, werden allerdings auch Diktaturen begründet. Und wenn man vor diesem Hintergrund die durch Hans von Storch in der Klimazwiebel (eben am 2. Weihnachtstag) begonnene Stalinismusdebatte betrachtet, wie ist Rahmstorfs harsche Kritik an dieser dann einzuordnen? 

Es geht für alle von uns, die die Freiheit als höchstes Gut einschätzen, also genau nicht darum, eine Politik innerhalb des Vorsorgeprinzips zu formulieren. Es geht darum, das Vorsorgeprinzip als solches außer Kraft zu setzen, um zu verantwortbaren Maßnahmen zu gelangen. Die Haltungen, die von Storch, Lomborg, Lindzen und Reichholf vertreten, sind eben nicht innerhalb des Vorsorgeprinzips begründbar. Sondern sie stehen bewußt gegen dieses Mantra.

Ja, da ist es nun, das Einstehen der aufgeklärten Bevölkerung für die Freiheit in der unkontrollierbaren Nacht. Der Spiegel hat dieses an den Tag gebracht, er hat die Laternen entzündet, um den Schlendrian sichtbar zu machen. Und damit ein Kartell des Schweigens in den großen Leitmedien durchbrochen. Der Spiegel ist lediglich seiner Aufgabe als freies Presseorgan nachgekommen. Dies in der Form zu kritisieren, wie in der Klimalounge geschehen, zeigt einmal mehr das merkwürdige Freiheitsverständnis der Protagonisten des Klimaalarmismus auf. Wir Skeptiker wußten um dieses ja schon länger. Jetzt allerdings ist es für jeden erkennbar. Wenn man denn sehen will. Und nicht einfach schlafen geht…

Video: Die Nacht ist nicht allein zum schlafen da

Klimalounge: „Spiegel vs. Zeit

Klimalounge: „Spiegel vs. Zeit: Avrams Sicht

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4 Kommentare
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  1. Rahmstorf….wer?…Kenne ich nicht………..ach doch, der Typ der kleine CO2-Pins an besserverdienenden Gutmenschen vertickt.

    Spass beiseite, langsam wird dieser sogenannte „Klimapfuscher“ derart unausstehlich, das einem nur noch Übel im Magen-Darmtrakt werden kann.
    Wer nicht für mich ist der ist automatisch gegen mich und gehört sofortig medial an den Marterpfahl genagelt, das entnehme ich einzig und allein seinem wirren Text.
    Selbst Georg (Planck) kann sich in seinem Kommentar einer Kritik daran nicht verkneifen und das will schon mal ne Menge heissen.

    Wie solche „Forscher“ in Wirklichkeit ticken, zeigt uns die liebe Frau Kempfert hier mal ganz deutlich auf:

    Sicherlich gibt es immer viel zu verbessern, und gewiss ist es manchmal frustrierend, wenn Politiker nicht das umsetzen, was man rät. Aber der politische Gestaltungsprozess ist komplexer als man sich das in der Wissenschaft so wünscht.

    http://tinyurl.com/37jb8yr

    Politiker sind doof und die Wissenschaft (Weisskittel im goldenen Turm) müssen ihnen den Weg weisen, schweben die noch oder sind sie in ihren Wahn schon im Nirwana angekommen?

    Sorry Herr R. aus P., wer derart ins persönliche abgleitet um seine Gegner an die Wand nageln zu können, der hat seinen Job falsch verstanden oder hat sogar einen politischen Auftrag dafür bekommen oder ist ganz schnöde ausgedrückt, einem dicken WAHN aufgesessen.

    Ein kleiner Blick über seinen begrenzten Tellerrand hinaus ins Ausland hätte ihm sicher gezeigt, das sich führende Industrieländer einen Dreck um seine Thesen scheren, das China und Indien weiterhin tolle Kohlekraftwerke bauen und das EE im großen Massstab eine Vernichtungsmaschinerie darstellt.

    PS. Klimaforscher……macht der nicht nur wat mit Ozeanik, wie will der da eigentlich bei der Atmospährenphysik mitreden………wenn man seiner tollen Argumentation haargenau folgen möchte.

    Heinz Eng

  2. Skepsis ist gut. Nicht alles glauben was man aufgetischt bekommt, sondern erst mal selber informieren und ergbnisoffen nachdenken.
    Welchen Informationen darf man trauen? Ein Hinweis liefert die Sachlichkeit der Darstellung. Kleines Beispiel: Sie schreiben „Richard Lindzen wäre Kettenraucher (und damit natürlich unglaubwürdig),“ Damit sagen Sie ihren Lesern: „Nur weil der Mann Kettenraucher ist, wird er als unglaubwürdig dargestellt.“ Offensichtlich abstrus -- na, dann wird der Rest auch Unsinn sein!

    Schauen wir selber mal nach:
    „Richard Lindzen ist einer der medienprominentesten US-„Klimaskeptiker“, der zum Beispiel behauptet, die beobachtete Erwärmung sei viel geringer als von den Klimamodellen vorhergesagt. Mit welchen Rechentricks er zu dieser Falschbehauptung kommt (u.a. indem er wider besseres Wissen die thermische Trägheit der Ozeane „vergisst“), habe ich in diesem Buchbeitrag näher beleuchtet. Rauchen hält der Kettenraucher Lindzen für unschädlich, Greenpeace vergleicht er auch mal mit Göbbels.“

    Das liest sich schon wesentlich sachlicher und wird hier leider verzerrt dargestellt.

    Übrigens war die begründete Kernaussage, der Spiegel verbreitete Außenseitermeinungen, statt wie der Name nahelegt, die Wirklichkeit abzubilden.
    Es ist weder sachgerecht noch verantwortlich dieses so wichtige Thema zur Emotionlisierung, zum Schüren von Abneigung und Hass zu mißbrauchen.

  3. Ok, Michael, dann beantworten Sie mir folgende Frage:

    Rauchen hält der Kettenraucher Lindzen für unschädlich, Greenpeace vergleicht er auch mal mit Göbbels.

    Was genau möchte Stefan Rahmstorf seinen Lesern damit mitteilen? In welcher Beziehung steht diese Aussage zur Fragestellung nach der richtigen Klimapolitik oder eben auch nur zur Fragestellung, über was der Spiegel berichten sollte?

    Nebenbei: Ich bin ebenfalls Raucher und halte das Rauchen ebenfalls für unschädlich. Was nicht bedeutet, daß ich mir nicht über die Risiken im klaren wäre. Sondern was bedeutet, daß ich bereit bin, diese Risiken einzugehen.

    Mit dem Verweis auf den „Kettenraucher Lindzen“ will Rahmstorf nur eines erreichen: Lindzen in den Augen seiner Leser als unglaubwürdig hinstellen. Das ist nach meiner Auffassung nicht einmal mehr Desinformation, sondern Demagogie.

    Oder anders gefragt: Ist ein Kettenraucher nach Ihrer Auffassung, Michael, dazu in der Lage, etwas Kluges über das Klima herauszufinden, oder nicht?

    Wenn Sie so viel Wert auf Sachlichkeit legen, dann sollte Ihnen aufgefallen sein, daß Rahmstorf sehr viele seiner Beiträge mit persönlichen Attacken anreichert. Wer also schürt Emotionen? Wer verwendet Emotionen (bspw. die aktuelle Hetze gegen Raucher), um seine Meinung zu begründen?

  4. Lieber Herr Michael,
    Prof. Lindzen ist sicher seit Jahrzehnten einer der renommiertesten Meteorologen, die dieser Planet hat.
    Ob ein Prof. Rahmstorf ihm irgendwann das Wasser reichen kann, wird man also erst in Jahrzehnten wissen.
    Dass Professor Rahmstorf
    Prof Lindzen mit folgendem Zitat in der Klimalounge belegt:
    „Rauchen hält der Kettenraucher Lindzen für unschädlich, Greenpeace vergleicht er auch mal mit Göbbels.“
    http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2010-06-10/spiegel-vs-zeit-zum-klimawandel
    zeigt uns, was für ein Zeitgenosse Prof. Rahmstorf ist. Für einen Naturwissenschaftler ist das meiner Meinung nach unwürdig. Als Mensch disqualifiziert er sich.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

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