Sechs, setzten! 21 Kapitel im IPCC-Report als mangelhaft bis ungenügend bewertet

14. April 2010 | Von | Kategorie: Artikel, Blog, Klimawandel, Wissenschaft

Der Vorsitzenden des Weltklimarats (IPCC) Rajendra Pachauri ist stolz auf seine Organisation. Wiederholt betonte er, dass das IPCC in seinen Berichten eine Auswertung des wissenschaftlichen Sachstands erstellt, welcher gestützt ist durch Publikationen, die ihre hohe Qualität durch den in der Wissenschaft üblichen Begutachtungsprozess („peer-review“) unter Beweis gestellt hätten (etwa hier).

„Die Leute können den Schlussfolgerungen des IPCC vertrauen…Schließlich basieren sie komplett auf begutachteter Literatur.“

„People can have confidence in the IPCC’s conclusions…Given that it is all on the basis of peer-reviewed literature.“

Seine Überzeugung hat Paschauri damit unterstrichen, dass er diese Aussage bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer und immer wiederholt hat (hier eine kleine Auswahl). Er ließ sich auch nicht beirren durch immer wieder offen gelegte Fälle, in denen gezeigt wurde, dass der IPCC-Bericht an vielen prominenten Stellen nicht diesen Kriterien gefolgt ist. Sollte sich dennoch mal eine nicht begutachtete Studie in den IPCC-Report verirrt haben, dann waren das wohl bedauerliche Einzelfälle (wie etwa hier und hier).

Allein die die große Zahl läßt den unbedarften Beobachter schon daran zweifeln, dass es sich hierbei um Einzelfällen handelt, in denen wohl etwas schlampig gearbeitet wurde. Und spätestens wenn man sich vor Augen hält, dass sämtliche Ungenauigkeiten den Bericht in Richtung einer mehr dramatischen Aussage hin verändert haben, wächst der Verdacht, dass ein gewisser Vorsatz mit im Spiel war.

Lange war nicht klar, welches Ausmaß diese Geschichte wirklich hat, sprich wie viele Studien im IPCC Bericht denn nun wissenschaftlich sauber sind, und wie viele eben nicht. Allein der schiere Umfang des Reports , es werden darin immerhin 18.531 externe Quellen zitiert, macht klar, dass man über Personal und Zeit verfügen muss, um jede dieser Publikationen zu überprüfen.

Freiwillige Gutachter haben Quellen überprüft

Dieser Aufgabe hat sich ein über das Internet rekrutiertes Team von Freiwilligen gestellt und jetzt die Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Von den 18.531 zitierten Quellen hat bei 5587 Quellen, also gut 30%, keine Begutachtung stattgefunden. Eine ziemlich peinliche Zahl, wenn man für sich in Anspruch nimmt, sich nur auf begutachtetes wissenschaftliches Material zu berufen.

Die Gutachter haben den einzelnen Kapitel anschließend nach dem amerikanischen System Schulnoten von A bis F gegeben. 21 von 44 Kapiteln bekamen dabei die Note F. Im Deutschen ist das etwa 5 minus oder 6. Sie bewerteten dabei, wie viel Prozent der zitierten Studien in einem Kapitel „peer-reviewed“ waren oder nicht. Bei weniger als 60% ordentlicher Quellen wurde das Kapitel mit F bewertet.

Das heißt, dass in fast der Hälfte aller Kapitel ein großer Teil der Informationen aus sogenannter grauer Literatur stammte. Unter den angegeben Quellen befanden sich Presseerklärungen, Zeitungs- und Magazin-Berichte, Zwischenentwürfe, Studienarbeiten, Diskussionspapiere, und Arbeiten, die von grünen Interessengruppen publiziert wurden. Wenn das die beste verfügbare Wissenschaft ist, um den Bericht des Weltklimarats dramatisch genug zu machen, dann hat das IPCC ein echtes wissenschaftliches Problem. Oder um es mit den Worten des IPCC zu sagen – Es ist noch weit schlimmer, als wir erwartet hatten.

Quellen:

No Frakking Consensus –Climate Bible Gets 21 „F“s on Report Card
NOconsensus.org –IPCC Report Card
NOconsensus.org – Citizen Audit Main Findings

Danke für den Hinweis an unseren Leser Pierre Gosselin.

[Update]: Bei Roger Pielke Jr.’s Blog ist vor kurzem ein Gastbeitrag erschienen, in dem eine ganz ähnliche Untersuchung für den dritten Bericht des Weltklimarats (TAR) vorgestellt wurde. Damals war die Qualität sogar noch schlechter als heute, fast 40% der Quellen war sogenannte graue Literatur.

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4 Kommentare
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  1. Wenn man nun noch bedenkt, wie der peer-review Prozess abgelaufen ist, zu weiten Teilen ein Zitierkartell war, dies möglicherweise noch ist, dann ist ersichtlich auf welch tönernen Füßen das ganze Werk steht.

  2. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel.

  3. Ziehen wir uns besser schonmal ganz warm an!! Das wird noch richtig lustig!!
    Das ganz dicke Ende kommt noch…Klima/Terror/Krieg/Wirtschaft/Banken/Soziales.. im Moment läuft nichts wie es soll, die „Lösungen“ die angeboten werden sind Augenwischerei…

  4. Wir sollten den vielen Freiwilligen für die Fleißarbeit danken. Jetzt steht es schwarz auf weiß, was von vielen schon immer vermutet wurde. Überraschend ist es allerdings nicht, da allein das peer -- review Material keine ausreichende Basis bietet, um die Horroszenarien zu untermauern. Insoweit muß man wohl davon ausgehen, dass dahinter Methode steckt. Ich kann nur hoffen, dass dieser Spuk eines Tages vorbei sein wird. Bis dahin wird es aber noch ein langer Weg, da mache ich mir nichts vor.

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