So funktionierte “Mike’s Trick”

27. November 2009 | Von | Kategorie: Blog, Climategate

Seitdem vor einer Woche über tausend E-Mails von Klimaforschern aufgetaucht sind, in denen teilweise haarsträubende Manipulationen, Verunglimpfungen und  Vertuschungen ans Tageslicht kamen, reißen die Meldungen über neue Erkenntnisse aus den Daten nicht ab. Eine E-Mail hat dabei besondere Berühmtheit erlangt. In dieser spricht Phil Jones, Direktor der Climate Research Unit (CRU) davon, dass er Mike’s Trick angewandt hatte die Daten nach einem bestimmten Zeitpunkt abzuschneiden und durch Stationsmessungen zu ersetzen, um den Rückgang zu verstecken (942777075.txt).

I’ve just completed Mike’s Nature trick of adding in the real temps
to each series for the last 20 years (ie from 1981 onwards) amd from
1961 for Keith’s to hide the decline.

Dieser Satz und was Phil Jones damit genau gemeint hat, ist seitdem Gegenstand ausgiebiger Diskussionen. Während das Hockey-Team um Michael Mann davon spricht, dass damit kein aktives Verstecken gemeint wäre, sondern dass der Datensatz ab 1960 (bzw. 1981) aus anderen Gründen ungeeignet wäre und daher nicht benutzt würde.

Diese Aussage ist so nicht richtig, wie neue Daten zeigen die Steve McIntyre aus den E-Mails ausgegraben hat (939154709.txt). In dem Schreiben von Tim Osborn an Michael Mann und Ian MacAdam ist der komplette Datensatz der Briffa Rekonstruktion von 1402 bis 1994 angegeben. In den Daten aus der Publikation Briffa’s aus dem Jahr 2001 reichten diese nur bis 1960. In der folgenden Graphik sind die Daten bis 1960 (schwarz) bzw. bis 1994 aufgetragen. Man erkennt deutlich den Rückgang, der versteckt werden sollte.

briffa_recon

Abbildung 1: Die Daten von Briffa in der archivierten und publizierten (abgeschnittenen) Version (schwarz) und der komplette Datensatz (rot)

Dieser Rückgang war etwas, was die Forscher sich wohl nicht erklären konnten. Und bevor sie Gefahr liefen, in Erklärungsnot zu geraten taten sie das aus ihrer Sicht einzig richtige, sie verheimlichten die Daten. Und eben dieser “Trick” scheint laut der E-Mail von Phil Jones auch bei den Daten des berüchtigten Hockeyschlägers ab 1981 angewendet worden zu sein. Beide Graphen (Mann und Briffa) tauchen an promineter Stelle im IPCC Bericht 2001 und auch 2007 auf. In beiden Fällen ist der Rückgang versteckt - the decline is hidden.

fig2-212

Abbildung 2: Die Rekonstruktionen von Briffa und Mann aus Abbildung 2.21 (TAR, IPCC 2001). Der Rückgang der Temperaturen nach 1960 (Briffa) und nach 1981 (Mann) sind nicht eingezeichnet.

In der Begutrachtungsphase des 4. Sachstandsberichtes des IPCC (AR4) hat ein Gutachter sogar explizit darauf hingewiesen, dass in der Darstellung Briffa’s die Daten ab 1960 fehlten und diese daher in die Irre führten. Er verlangte, den Fehler des aus dem 3. Sachstandbericht nicht zu wiederholen (Dank an ClimateAudit):

Zeigen Sie die Briffa Rekonstruktion bis zum Ende; nicht nur bis 1960. Kommentieren Sie die Daten und diskutieren Sie das “Divergenz Problem” wenn Sie müssen. Verdecken Sie nicht die Divergenz durch Abschneiden der Grafik. Das wurde im IPCC TAR gemacht; und es war irreführend (comment ID #: 309-18)

Show the Briffa et al reconstruction through to its end; don’t stop in 1960. Then comment and deal with the “divergence problem” if you need to. Don’t cover up the divergence by truncating this graphic. This was done in IPCC TAR; this was misleading (comment ID #: 309-18)

In einer Antwort bezeichnete das IPCC es als “unangebracht, die neueren Abschnitte der Briffa et al. Serie zu zeigen”. So tauchte in Abbildung 6.10 des AR4 dann auch nur die abgeschnittene Version der Daten auf und wurde in Abbildung 6.10 b) zur Rekonstruktion benutzt.

AR4 6.10Abbildung 3: Abbildung 6.10 aus dem 4. IPCC Sachstandsbericht (AR4) enthält die abgeschnittene Version der Briffa Daten (BOS 2001)

Quellen:

ClimateAudit – The Deleted Portion of the Briffa Reconstruction

ClimateAudit – The Trick

WattsUpWithThat – McIntyre: The deleted data from the “Hide the Decline” trick

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13 Kommentare
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  1. Der Betrug ist nachgewiesen!
    Die Daten sind vorsätzlich gefälscht!
    Die Karawane zieht weiter und läßt sich von der Realität nicht beeinflussen. Kopenhagen muss ein Erfolg werden, denn nur mit den geplanten massiven CO2 Steuerneinnahmen kann die marode Staatengemeinschaft den bevorstehenden Staatsbankrott noch ein wenig vor sich herschieben.
    Die linientreuen Medien erwähnen diesen Klimabetrug nicht einmal. Das ist der eigentliche Skandal.

  2. Mein Schreiben v. 27.11.09 an unsere Bundeskanzlerin:

    Sehr geehrte Bundeskanzlerin,
    sicherlich sind Sie über den Datenskandal der Climate Research Unit (CRU) in England informiert worden. Leider hört man in den öffentlichen deutschen Medien nahezu kein Wort davon. In den USA laufen die Publikationen auf Hochtouren unter dem Begriff “ClimateGate”. Aus den Daten geht hervor, dass wesentliche Grundlagen für die Prognosen der künftigen Klimaerwärmung gefälscht sind, auf die sich die Ergebnisse des IPCC und die Klimapolitik der BRD stützen. Nach Offenlegung der Fakten ist ein “Business as usual” nicht mehr vertretbar. D.h. der Klimagipfel in Kopenhagen muss abgesagt werden, da die Agenda völlig neu überarbeitet werden muss und zwar von unabhängigen Klimawissenschaftlern.
    Bitte informieren Sie mich, wie die Bundesregierung diesen Vorgang bewertet.

    Mit den besten Grüßen

    Hans-Heinrich Willberg

  3. Hoffentlich erscheint der Artikel auch auf R-E.

    Gruß

  4. @Michael Krüger #3
    Meinst Du, der Dolldödel Vennecke schnallt das noch irgendwann ??
    :mrgreen:

  5. Es war einmal eine Klimawissenschaft, die wollte mit aller Kraft Geschichte schreiben. Nun tut sie es, aber in einem anderen Sinne.

  6. Und noch etwas finde ich merkwürdig.

    “In den Daten aus der Publikation Briffa’s aus dem Jahr 2001 reichten diese nur bis 1960.”

    Ist in der Tat so, die Daten aus Briffa 2000 und Briffa 2001 werden in diesem Datensatz (NCDC, NOAA) ab 1960 abgeschnitten.

    In beiden Veröffentlichungen gehen die Kurven aber bis 1994.

    http://www.climateaudit.org/pdf/tree/briffa.2000.qsr.pdf

    http://www.cru.uea.ac.uk/cru/people/briffa/jgr2001/Briffa2001.pdf

  7. Die neue E.G. Beck Seite
    http://www.realCO2.de

  8. P.S.

    Daten aus Briffa 2000

    http://www.cru.uea.ac.uk/cru/people/briffa/qsr1999/qsrfig1.csv

    Daten aus Briffa 2001

    ftp://ftp.ncdc.noaa.gov/pub/data/paleo/treering/reconstructions/n_hem_temp/briffa2001jgr2.txt

    Und im Vergleichsdatensatz wird dann ab 1960 abgeschnitten

    http://www.ncdc.noaa.gov/paleo/pubs/briffa2001/briffa2001.html

    ftp://ftp.ncdc.noaa.gov/pub/data/paleo/treering/reconstructions/n_hem_temp/briffa2001jgr3.txt

    Im Vergleichsgraphen “Plate 3″ geht die Kurve aus Briffa 2000 (grün) noch bis 1994

    http://www.ncdc.noaa.gov/paleo/pubs/briffa2001/plate3.gif

    obwohl der Vergleichsdatensatz ab 1960 endet.

  9. Were the carbon traders truly concerned that global warming is a seriously urgent issue, they could perhaps justify following their untested carbon-trading notion. But if it were an urgent situation, why would they offer a solution that will take decades to take effect? If they have decades to work on the solution, by definition, it cannot be that urgent. And, if they have decades to implement their plan, could they not spend at least a few years or even a few months openly and transparently debating which course of action will save the planet from its imminent death?

    To demonstrate the absurdity of the current “green” position, consider that they are proposing massive increases in nuclear power because it is supposed to be carbon friendly. The nuclear proponents do not seem to care about the disposal of nuclear waste from these sites. This means that they are presenting an extremely short-sighted solution, which is not really a solution at all. Besides, the proponents of expanding nuclear power want to tremendously restrict who can and who cannot use nuclear power. For instance, Iran and North Korea are presently being ostracized for, among other things, having nuclear-power programmes. This is a glaring instance where part of the real agenda of the ruling elite shows through; the nuclear proponents are not as concerned about global warming as they are with political dominance.

    As indicated earlier, humans are only marginally responsible for global warming. The hotter sun is undeniable, and it is the main reason for global warming.

  10. Eine erste, wichtige Reaktion von GS bei Realclimate.org
    http://www.realclimate.org/index.php/data-sources/
    Free Data Access

  11. Soweit ich mich erinnere, wird seit Anfang der 80er ein neues Sysetem eingesetzt, welches die Sonnenaktivität misst. Daher sind die früheren Sonnenmessungen mit den heutigen, anscheinend genaueren, nicht vergleichbar: beispielsweise, da die Anzahl der Sonnenflecken allein nicht Aufschluss gibt über die Aktivität der Sonne.

    Mich würde nicht wundern, wenn deswegen die letzten Jahre anders berechnet werden mussten, andernfalls hätte man die früheren Messreihen ja nicht zur Rate ziehen können -- unter wissenschaftlichen Umständen.

    Wenn Sie sich für einen Wissenschaftler und keinen reißerischen Journalisten halten, wäre es jetzt an Ihnen das zu untersuchen. Der Wunsch einiger Klimakritiker danach die Erderwärmung auf die Sonneneinstrahlung zu vereinfachen, ist ja nun hinlänglich bekannt. Sehen Sie hier: http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=31533399

    Primär schrieb ich jedoch wegen der Interpretation der Interpretation der Mail.

  12. @rw
    dem kann man eigentlich nur mit neueren Arbeiten gegenhalten.

    http://spacecenter.dk/research/sun-climate/other/global-warming

    http://wattsupwiththat.com/2009/09/10/solar-wind-suprise-this-discovery-is-like-finding-it-got-hotter-when-the-sun-went-down/

    http://www.eike-klima-energie.eu/uploads/media/Die_Waermeperiode_neigt_sich_dem_Ende_zu_2009_2.pdf

  13. @ rw

    Sie unterliegen da einem populären Trugschluss. Niemand versucht die Erderwärmung auf die Sonneneinstrahlung zu vereinfachen. Beim Einfluss der Sonne auf das Klima geht es vor allem um den Einfluss des Sonnenwindes und des solaren Magnetfeldes auf die kosmische Höhenstrahlung welche die Erde erreicht. Diese beeinflusst vermutlich die Wolkenbildung und darüber das Klima. Ich werde in den nächsten Tagen zu diesem Thema einen eigenen Artikel schreiben.

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