Stephen Fry übt Kritik an der katholischen Kirche

4. März 2010 | Von | Kategorie: Blog, Kurioses

Hier mal etwas völlig anderes. Stephen Fry spricht auf der Intelligence² Debate über die katholische Kirche, wobei er auf typisch britische Art äußerst höflich und doch auch äußerst bissig Kritik an dieser Institution übt. Einzelne Punkte als „Highlights“ herauszustellen würde diesem durch und durch brillanten Vortrag sicher nicht gerecht werden. So erfährt man zum Beispiel, dass der Heilige Thomas Morus (Thomas Moore) zu seiner Lebzeit im 16. Jahrhundert dafür gesorgt hatte, dass Menschen als Ketzer verbrannt wurden, die die Untat begangen hatten, die Bibel in englischer Sprache zu lesen. Und dass eben dieser Thomas Moore als Leuchtturm der Unterdrückung der freien Meinungsbildung im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. zum Patron der Regierenden und der Politiker ernannt worden ist. Irgendwie passend…

Mir war Stephen Fry ja hauptsächlich wegen seiner Auftritte in der großartigen englischen Comedy-Serie Blackadder aufgefallen. Dass er auch sehr kluge Gedanken fassen und äußern kann, hatte ich eher am Rande mitbekommen (unter anderem bei einem Gastauftritt bei der von mir ebenfalls sehr geschätzten BBC-Serie Top Gear).

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4 Kommentare
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  1. Dass die Institution „Kirche“ für alles herhalten muss, ist doch jedem klar. Spätestens seit kirchenhistorischer Grundlagenforschung Mitte des 20. Jahrhunderts sollte jedoch ein differenzielleres Bild der Betrachtung möglich sein. So scheint es noch nicht ganz im Mainstream angekommen zu sein, dass die Verurteilung Galileis, nach damaligem Wissenschaftsstand, durchaus angebracht war!
    (Cf., u.a. Feyerabend: Wider den Methodenzwang, Kapitel 14: Die Kirche zur Zeit Galileis hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei selber und sie zog auch die ethischen und sozialen Folgen der Galileischen Lehren in Betracht. Ihr Urteil gegen Galilei war rational und gerecht, und seine Revision läßt sich nur politisch-opportunistisch rechtfertigen., 206ff. Auch Ludovico Geymonat, Galileo Galilei, New York 1965; de Santillana, The Crime of Galileo, Chicago 1954 etc.)

    Auch die Verhaftung eines Gordiano Bruno wurde nicht durch die Kirche, sondern durch verfeindete „Physiker“ (Naturphilosophen) angestrebt. Zur immer wieder zitierten Hexen- und Ketzerverbrennung, und dem Leid das die katholische Kirche doch so vielen! unschuldigen Menschen angetan hat (ein Vergleich mit faschistoiden Systemen ob linker oder rechter Herkunft, würde die Lächerlichkeit solcher Behauptungen offenbaren) kann auch auf neueste Untersuchungen verwiesen werden. (Cf., Angenendt: Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert) Des Weiteren ist belegt, dass die NSDAP ihre Stimmen hauptsächlich aus der Arbeiterklasse und nicht aus dem christlich geprägten bürgerlichen Milieu bekommen hat. Aber das hört man nicht gern, wenn der Naturalismus zum Religionsersatz geworden ist. Bei den einen ist es das Klima, bei den anderen die Evolutionstheorie und bei wieder anderen der Mammon 🙂 Have a nice day!

  2. BaronM #1

    Einspruch. Ganz entschieden Einspruch!

    Dass die Institution “Kirche” für alles herhalten muss, ist doch jedem klar.

    Dies ist ein so nicht zulässiger Allgemeinplatz, der wie eine Nebelkerze den Kern verschleiern soll.
    Zunächts einmal, verstehe ich unter „Kirche“ die sogenannte „christliche Kirche“.
    Ohne jeden Zweifel ist die Kirche mit all ihren Konfessionen und sektenartigen Strömungen eine Institution. Und zwar eine Institution, die mit ihrem Ursprung, dem Christentum, nur noch die religiöse Glaubensrichtung gemein hat, nicht aber mehr den Glauben im Sine der Bergpredigt. Dieser Weg wurde bereits recht früh mit der sog. Heiligenverehrung und dem Marienkult beschritten. Mit der Teilung der „Kirche“ zwischen Byzanz und Rom, jedoch spätestens mit der Einführung des Papsttums und Gregor I wurde die Kirche, die sich nach Rom orientierte, zu einem Machtinstrument mit universalem Anspruch auf Herrschaft über das gesamte Abendland. Diese Herrschaft ging soweit, dass Kaiser, Könige und sonstige Fürsten nur mit dem „Segen“ der Kirche ihre Herrschaft ausüben konnten. Durch Kardinäle, Bischöfe, Priester und Mönche wurde die Kontrolle über die einzelnen Menschen bist hinein in die kleinste Familie perfektioniert. Die beanspruchte Deutungshoheit in allen Glaubensfragen und somit auch in den Fragen des täglichen Lebens ging soweit, dass Exegese und Hermaneutik ausschließlich dem höheren Klerus vorbehalten blieb, der wiederum in Bezug der Sprachregelung von „Rom“ indoktriniert wurde.
    Eine eigene persönlich Auslegung der „Heiligen Schrift“ oder gar eine Übersetzung aus dem Lateinischen in eine andere Sprache war unter Androhung der Gefahr für Leib und Leben verboten.
    Es blieb einem Martin Lutter vorbehalten diesem Wahn ein Ende zu bereiten. Nur sein inzwischen erworbene Bekanntheitsgrad verhinderte letztlich seine Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen. Er würde „nur“ geächtet und für vogelfrei erklärt. Das Weitere ist ja hinlänglich bekannt.

    Spätestens seit kirchenhistorischer Grundlagenforschung Mitte des 20. Jahrhunderts sollte jedoch ein differenzielleres Bild der Betrachtung möglich sein.

    Wie soll denn diese differenziertere Betrachtung aussehen? Etwa in einer getrennten Betrachtung der „römisch katholischen“, der „protestantischen“ und sonstiger evangelikalen und gottgläubigen Richtungen? Das wäre dann das beliebte Spiel um vom wesentlichen Kern der Schuld -die die Kirche sich nunmal aufgeladen hat- abzulenken. So in der Art: „das waren die und das waren jene“? Das wäre zu einfach, denn alle sind die Äste und Zweige aus dem selben Stamm, dem selben Holz.

    So scheint es noch nicht ganz im Mainstream angekommen zu sein, dass die Verurteilung Galileis, nach damaligem Wissenschaftsstand, durchaus angebracht war!

    Oha, Sie verwechseln da wohl einiges. Der Stand der Wissenschaft war zu Galileis Zeiten das, was Galilei versuchte zu lehren und zu publizieren. Was Sie als „Wissenschaftsstand“ bezeichnen, war nichts mehr oder weniger als das, was die Kirche –sprich der hohe Klerus“ als „Wissen“ genehmigte und in ihrem Dogma so festschrieb.
    Und dann noch etwas und zwar das Wesentliche. Wie kann die bestrafende Verurteilung eines Menschen mit seinem Wissen begründet sein? So etwas nennt man pure Willkür und hat etwas mit Größenwahn und Allmachtanspruch zu tun aber nichts aber auch garnichts mit Rechtsprechung. Als angebracht kann so eine Verurteilung nur in den Augen derer sein, die um ihre Macht über die Menschen fürchteten.
    Sie wollen „Die Kirche“ exkulpieren, bestätigen aber –wenn auch ungewollt- mit Ihren Worten die Schuld „Dieser Kirche“.

    Die Kirche zur Zeit Galileis hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei selber und sie zog auch die ethischen und sozialen Folgen der Galileischen Lehren in Betracht.

    Wenn Sie unter Vernunft verstehen, dass es besser ist „das Maul zu halten“ als die Wahrheit zu sagen um so den Repressalien der Gewalthaber zu entgehen, dann, aber auch nur dann, könnte ich Ihrer Definition der Vernunft folgen.
    Wer hätte denn, wenn überhaupt ethische und soziale Folgen der Galileischen Lehren zu befürchten? Das Volk? Wohl kaum. Es waren die über Alles herrschende und dogmatisierende Kirche, die befürchten musste, dass die Menschen sich selber Gedanken über die offizielle Lehre (Dogma) machten. Man hätte ja erkennen können, dass diese Kirche näher am Teufel, denn an Christus stand. Und das musste auf Biegen und Brechen verhindert werden.

    Ihr Urteil gegen Galilei war rational und gerecht,

    Mit Verlaub, aber Sie reiten im vollen Galopp nach Absurdistan. Das Urteil gegen Galilei mag aus dem Willen zur Wahrung der Meinungs- und Deutungshoheit heraus rational erscheinen (s.o.). Aber gerecht? Nach welchem und wessen Recht? Doch wohl nur nach dem angemaßten Recht der Kirche. Womit wir wieder bei der Willkür, aber meilenweit von Recht sind. Gerechtigkeit hat, wie auch immer, etwas mit Respekt vor der Person des Anderen zu tun. Man nennt so etwas heute auch Menschenrecht und Menschenwürde. Auch zu Zeiten eines Galilei gab es schon diesen Respekt der Individuen untereinander, aber die alles beherrschende Kirche kannte nur die Unterwerfung unter ihr Dogma. Wer anders dachte war ein Ketzer und hatte die Schergen am Halse.

    und seine Revision läßt sich nur politisch-opportunistisch rechtfertigen.

    Wer eine solche Ansicht vertritt, zeigt deutlich, dass er dem Geiste des totalitären Machtanspruchs über seine Mitmenschen sehr nahe steht. Zumindest trauert er dem Verlust der kirchlichen Allmacht nach.

    Auch die Verhaftung eines Gordiano Bruno wurde nicht durch die Kirche, sondern durch verfeindete “Physiker” (Naturphilosophen) angestrebt.

    Irrtum, Es war sein „Gastgeber“ in Venedig, ein gewisser Zuane Mocenigo, der ihn in die Falle gelockt und der Inquisition ausgeliefert hatte. Giordano Bruno wurde zuerst aus dem Dominikaner-Orden und dann aus der Kirche „ausgestoßen“, damit er anschließend von einem weltlichen Gericht auf Weisung der Kirche zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt werden konnte, weil die Kirchenoberen saubere Finger behalten wollten.

    Zur immer wieder zitierten Hexen- und Ketzerverbrennung, und dem Leid das die katholische Kirche doch so vielen! unschuldigen Menschen angetan hat (ein Vergleich mit faschistoiden Systemen ob linker oder rechter Herkunft, würde die Lächerlichkeit solcher Behauptungen offenbaren) kann auch auf neueste Untersuchungen verwiesen werden.

    Oh heiliges Kanonenrohr. Jetzt laufen Sie mit Ihrem Vergleich Katholische Kirche versus rechten oder linken Faschismus in die hinreichend bekannte Sackgasse, die sich immer dann auftut, wenn man Verbrechen miteinander Vergleichen oder aufrechnen will. Entweder ist das eine so schlimm wie das andere oder eines von beidem wird verharmlost. Was bleibt, ist der unbedingte Wille zur Macht und die hierzu benutzten Instrumente.
    In Einem allerdings passt dieser Vergleich. Es ist der hierarchische Aufbau der Macht- und Führungsstrukturen, von der obersten Führung bis zum kleinsten Katecheten/Blockwart/Natschalnik, der nach dem altbewährten Muster zum Vorschein kommt. Diese Ähnlichkeit kommt sicher nicht von ungefähr, sondern fußt auf das große Vorbild eines über Jahrhunderte erprobten Machtapparates.
    Wenn Sie schon die kirchlichen „Heldentaten“ verherrlichen wollen, dann sollten Sie
    auch nicht vergessen die Kreuzzüge zu erwähnen und die Massaker bei den Eroberungen von Akkon und Jerusalem durch das „Fromme Heer“. Da wurde alles niedergemetzelt was sich rührte, auch die Frauen, Greise und die Kinder. Sie wurden alle seelig gemacht, auf die Schnelle mit dem Schwert. Oder die Ausrottung der Prussen resp. Prutzen im Baltikum durch den Deutschen Ritterorden. Oder das große Indioschlachten in Mittel- und Südamerika und die Versklavung der Eingeborenen in Afrika und deren Verschleppung. Überall hatten die Mitglieder der heiligen Kirche ihre Finger im Spiel.

    Des Weiteren ist belegt, dass die NSDAP ihre Stimmen hauptsächlich aus der Arbeiterklasse und nicht aus dem christlich geprägten bürgerlichen Milieu bekommen hat.

    Das mag oberflächlich gesehen sicherlich so scheinen. Aber die NSDAP war nunmal von ihrem politischen Verständnis her eine sozialistische Arbeiter-Partei. Das „National“ diente in erster Linie zu Abgrenzung zur damaligen SPD und den anderen sozialistischen Gruppierungen. In zweiter Linie sollte es die „Nationalen“ im christlich geprägten bürgerlichen Milieu ansprechen, was ja auch wie es sich gezeigt hat nicht ohne Wirkung blieb. Über die Rolle der katholischen und evangelischen Kirche im „Dritten Reich“ brauch ich ja wohl kein Wort verlieren. Da kam wenn überhaupt nur Widerstand von einzelnen integer gebliebenen Personen. Aber hinterher wollten alle die großen Helden spielen. Und gewusst und geahnt hat man auch von nichts. Man war ja soo mit dem Retten –von was eigentlich- beschäftigt.

    Aber das hört man nicht gern, wenn der Naturalismus zum Religionsersatz geworden ist.

    Das was Sie als Naturalismus und Ersatzreligion bezeichnen entwickelt sich in beachtlicher Geschwindigkeit zu einer Hyper-Religion. Und wie nicht anders zu erwarten wirft sich die Kirche dieser an die Brust um auch hier ihr Schäflein ins Trockene zu bringen. Die Selben, die einen Galilei in den Kerker warfen und einen Bruno auf den Scheiterhaufen schickten beten jetzt das „Goldene Kalb“, das Klima an. Die Priester dieses Goldenen Kalbes sind plötzlich keine Ketzer mehr sondern avancieren zu Heroen. Zu Ketzern werden wie in „Alten Zeiten“ diejenigen erklärt, die sich den gesunden Menschenverstand bewahrt haben und es wagen die Realität zu benennen.

    Bei den einen ist es das Klima, bei den anderen die Evolutionstheorie und bei wieder anderen der Mammon

    Das alles finden Sie jetzt im neugeschnürten Portfolio der Kirche und ihrer Äste und Zweige. Es geht mal wieder um Macht über die Menschen und da dürfen die alten Spezialisten natürlich nicht fehlen. Wie heißt es doch so schön: „Ist der Ruf erst ruiniert. lebt’s sich völlig ungeniert“.

  3. Zur Klarstellung:
    Dies ist ein Zitat:
    (Cf., u.a. Feyerabend: Wider den Methodenzwang, Kapitel 14: Die Kirche zur Zeit Galileis hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei selber und sie zog auch die ethischen und sozialen Folgen der Galileischen Lehren in Betracht. Ihr Urteil gegen Galilei war rational und gerecht, und seine Revision läßt sich nur politisch-opportunistisch rechtfertigen., 206ff. Auch Ludovico Geymonat, Galileo Galilei, New York 1965; de Santillana, The Crime of Galileo, Chicago 1954 etc.)
    Ihre Bezugnahme darauf, dass ich wohl einiges verwechsle etc., geht fehl. Dies ist ein Zitat aus Feyerabend.

    Ich gebe aber gerne zu, dass ich wie Feyerabend und einige andere Vertreter einer kritischen, sprich nicht „kritisch rationalistisch fehlgeprägten“ [Meinungsäußerung] Wissenschaftsauffassung, davon ausgehe, dass eine sinnvolle Rolle methodischer Standards für den Wissenschaftsfortschritt überhaupt bestritten werden kann. Wenn eine sinnvolle Rolle methodischer Standards bestritten werden kann, stellt sich die Frage, wie eine Gemeinschaft Wissenschaftsfortschritt bemessen kann. Diese Frage neige ich dahingehend zu beantworten, dass dies innerhalb der Gemeinschaft zu geschehen hat, und den Standards, die in dieser Gemeinschaft gelten. Zur damaligen Zeit war dies eben nun mal das Dargelegte. Dies bezieht sich auch darauf, dass ich nicht der Meinung bin, dass Galilei die damaligen Standards gesetzt hat!!
    Ich zitiere hier wieder Feyerabend:
    „… das Urteil der kirchlichen Fachleute, das der Anweisung an Galilei im ersten Prozeß zugrunde lag, war sachlich einwandfrei -- die Kopernikanische Lehre war damals in der Tat unwissenschaftlich und unbegründet -- und hatte auch die rechte soziale Intention, die Intention nämlich, die Öffentlichkeit vor den Machenschaften der Wissenschaftler zu schützen. Die Revision des Urteils ist sehr ungerecht gegenüber den vielen anderen Menschen der Zeit, die auch verurteilt wurden, um deren Schicksal sich die gelehrten Herren von heute und ihre Anbeter unter den Theologen aber nicht im geringsten kümmern. Sie ist auch nicht sachlich: angesichts der Situation der Zeit und der damals vorliegenden Evidenz war das Urteil ja völlig angebracht [der damals vorliegenden Evidenz, nicht ihrer Beurteilung mit heute, akzeptierten?! Standards, B.M.]“ (Feyerabend: Wider den Methodenzwang, Suhrkamp: Frankfurt am Main, Neunte Auflage 2004, 219f.)
    Zu ihrer Erwiderung im Fall Bruno: Ich teile ihre Meinung dahingehend nicht, kann aber, da ich momentan den Gegenbeweis nicht antreten kann, nicht umhergehen, Ihre Entgegnung unwiderlegt zu akzeptieren.

    Trotz kleinerer Polemiken, finde ich es erfrischend, dass Sie sachlich geblieben sind. Es tut mir Leid, dass ich nicht mehr Zeit in ihre Seite investieren kann. Wünsche Ihnen alles Gute.
    BM

  4. @ BaronM #3

    Aber hallo. Mir war es durchaus bewusst, dass Sie Feyerabend zitieren. Doch da Sie dies ohne „wenn und aber“ tun, sozusagen als Bekräftigung Ihrer vorgebrachten Auffassung, darf ich wohl auch davon ausgehen, dass dieses Zitat auch Ihre Meinung wiedergibt. Dass ich damit wohl richtig liege, haben Sie ja jetzt dankenswerterweise bestätigt.

    Wenn Sie sich zur Bestätigung Ihrer vorgebrachten Argumente auf Paul Feyerabend und Ludovico Geymonat beziehen, darf ich wohl davon ausgehen, dass Sie –um es vorsichtig auszudrücken- mit einer gewissen Grundeinstellung zur Rechtmäßigkeit der freien Meinungsäußerung in Verbindung mit dem absoluten Anspruch auf Deutungshoheit, mit den beiden Genannten konform gehen. Ich weiß nicht, ob Sie mal versucht haben zu hinterfragen, warum Beide zu diesem -- hier auch von Ihnen postulierten -- Urteil kommen.

    Zu Ihrem Verständnis: Beide rechtfertigen die Verurteilung von unliebsamen „Zeitgenossen“ mit der Begründung –um es mal salopp auszudrücken- „dass es damals halt so war“. Das nennen sie dann „damaliges Recht“ und leiten daraus eine doch recht fragwürdige Gerechtigkeit ab. Dabei übergehen beide aber geflissentlich, dass eben diese Umstände der reinen Willkür der übermächtigen römischen Kurie entsprungen sind, die auf Biegen und Brechen und ohne Rücksicht auf das „Volk“ ihre Macht demonstrieren musste um Ihrer nicht verlustig zu gehen.

    Diese Art zu argumentieren muss doch, da es nicht dem humanistischen Gedankengut entspricht, nirgendwo seine Wurzeln bzw. Rechtfertigung haben. Schaut man sich den Background von Feyerabend und Geymonat näher an, so findet man bei beiden eine gewisse Präferenz zu totalitärem Gedankengut.
    Der Eine, Feyerabend, stand in seiner Jugend –um es vorsichtig auszudrücken- dem Nationalsozialismus nicht unbedingt ablehnend gegenüber. Über seine Offiziersausbildung im besetzten Jugoslawien (Bandenkrieg/Partisanenbekämpfung) will ich hier nicht spekulieren oder ihn gar verurteilen. Nur so viel sei angeführt, dass auf diesem Gebiet nicht gerade „Weicheier“ Verwendung fanden. Nach dem „Zusammenbruch“ des Dritten Reiches tat er das was viele Intellektuelle seiner Generation taten, er versuchte sich vor sich selbst und seiner Umwelt zu echtfertigen. Die geschah bei ihm offensichtlich, wie übrigens bei vielen seiner Zeitgenossen dergestalt, dass er sich bemühte eine „Furie“ in bestimmten Facetten zu verteidigen um so sein eigenes Verhalten gegenüber der Furie, der er doch irgendwie gedient hatte, vor sich selbst zu rechtfertigen. Er war nicht der Einzige, der diesen Weg beschritt. Man sollte sich auch davor hüten, ein solches Verhalten in Bausch und Bogen zu verurteilen. Wer kann schon mit Gewissheit sagen, wie man selbst in einer solchen Situation reagiert hätte. Damit wären wir wieder bei der Ratio, der „Vernunft“ angelangt. Für den Mächtigen ist es „vernünftig“ und somit kraft seiner Machtausübung „gerechtfertigt“ seinen vermeintlichen „Feind“ und dessen Gedankengut zu bekämpfen und zu vernichten. Für den „Schwachen“ ist es „vernünftig“ und somit „gerechtfertigt“, das Maul zu halten um nicht von der „Vernunft des Mächtigen getroffen zu werden. Georg Jellinek nannte dieses Kräftespiel unter Berufung auf Kant („Kritik der reinen Vernunft“) „die normative Kraft des Faktischen“ , mit der man letztlich alles begründen kann.

    Der Andere, Geymonat, war überzeugter Kommunist und wie es seiner Zeit entsprach, stand er dem Stalinismus nicht gerade feindlich gegenüber. Seiner Verteidigung des Totalitarismus dürften wohl die gleichen Beweggründe wie die von Feyerabend zugrunde liegen. Wobei ich nicht ausschließen will, dass Ludovico Geymonat bis zuletzt von der Ideologie des Kommunismus beseelt war und seine Begründung von daher ableitet, weil, wie bereits ausgeführt, die Machtinstrumente und die daraus resultierenden Strukturen und somit deren Einstellung zur Meinungs- und Deutungshoheit nahezu identisch mit der der „Kirche“ sind. Was nicht bedeutet, dass es inhaltlich doch wesentliche Unterschiede geben mag.

    Ich gebe aber gerne zu, dass…ff et cetera pp

    Mal abgesehen davon, dass mir ihre Argumentationskette etwas willkürlich und unlogisch vorkommt, vermute ich mal, dass Sie damit rechtfertigen wollen, dass letztendlich im entsprechenden Bedarfsfalle die Obrigkeit (seinerzeit als der Klerus) darüber zu entscheiden und zu bemessen hat, was als Wissenschaftsfortschritt gelten darf und was nicht.
    Damit schaffen Sie ohne Zweifel eine Parallele zur heutigen staatlich patronierten Klimaforschung. Auch hier bestimmt eine „Obrigkeit“ bzw. die, die sich dafür halten, was Wissenschaftsstand zu sein hat bzw, sein darf. Abweichler von dieser Deutungshoheit und Sprachregelung werden mit den Mitteln einer modernen Medienstruktur ausgegrenzt und nach Möglichkeit von der „Öffentlichkeit“ (Veröffentlichungen) ferngehalten.
    Die Zeiten und die Werkzeuge haben sich geändert, aber die Grundhaltung und die treibende Kraft hinter der Methode ist auch heute noch wach.

    Dies bezieht sich auch darauf, dass ich nicht der Meinung bin, dass Galilei die damaligen Standards gesetzt hat!!

    Sie brauchen nicht Etwas zu widersprechen, was niemand behauptet hat. Galielei hat, vereinfacht ausgedrückt, lediglich mit den damaligen Mitteln der Mathematik und der Beobachtung versucht die Theorie des Kopernikus nachzuvollziehen und kam zu der Erkenntnis, dass Kopernikus richtig gedacht hatte.

    Ihr Zitat (Feyerabend):
    “… das Urteil der kirchlichen Fachleute, das der Anweisung an Galilei im ersten Prozeß zugrunde lag, war sachlich einwandfrei –

    Falsch. Es war nicht sachlich einwandfrei, sondern stand im Einklang zur Doktrin des „heiligen Stuhls“ wonach jede Abweichung von dem, was das Volk zu glauben hatte, ohne Nachsicht zu ahnden ist. Das Urteil war demnach also nicht vom Sachlichen her begründet, sondern von der ideologischen Zweckmäßigkeit her.
    Frage: Wie kann etwas sachlich einwandfrei sein, wenn es de facto falsch ist?

    Ihr Zitat (Feyerabend):
    die Kopernikanische Lehre war damals in der Tat unwissenschaftlich und unbegründet –

    Sie (die Theorie vom heliozentrischen System) wurde deswegen lange Zeit als unwissenschaftlich und unbegründet verworfen, weil sie explizit in der Bibel keine Erklärung fand. Das genügte dem Klerus, den damaligen Hütern der Wahrheit und Wissenschaften, dagegen zu Felde zu ziehen.

    Ihr Zitat (Feyerabend):
    und hatte auch die rechte soziale Intention, die Intention nämlich, die Öffentlichkeit vor den Machenschaften der Wissenschaftler zu schützen.

    Genau die gleichen bzw. ähnliche Begründungen fand man auch zur Zeit des „jungen Feyerabend“ um sich unliebsamer „Elemente“ zu entledigen.
    Und auch die gleichen bzw. ähnliche Begründungen findet man auch heute wieder um sich der sog. Skeptiker zu entledigen.
    Wie sich Geschichte doch wiederholen kann.

    Ihr Zitat (Feyerabend):
    Die Revision des Urteils ist sehr ungerecht gegenüber den vielen anderen Menschen der Zeit, die auch verurteilt wurden, um deren Schicksal sich die gelehrten Herren von heute und ihre Anbeter unter den Theologen aber nicht im geringsten kümmern.

    Ist dies tatsächlich auch Ihre Meinung? Daraus ließe sich auch der Umkehrschluss ableiten, dass Galilei posthum noch zum „Tod auf dem Scheiterhaufen“ zu verurteilen wäre, um den bereits so Verurteilten Gerechtigkeit zu Teil werden zu lassen.
    Ich betrachte eine solche Argumentation als hilflos und peinlich, weil sie den millionenfachen Opfern der Inquisition nicht gerecht wird.

    Ihr Zitat (Feyerabend):
    Sie [die Revision.M] ist auch nicht sachlich: angesichts der Situation der Zeit und der damals vorliegenden Evidenz war das Urteil ja völlig angebracht

    Hier wird offensichtlich versucht, die Logik der Herrschenden in ihrer Ausübung der Macht mit dem sicherlich auslegungsfähigen Begriff der „Evidenz“ recht schwammig zu rechtfertigen.

    [der damals vorliegenden Evidenz, nicht ihrer Beurteilung mit heute, akzeptierten?! Standards, B.M.]

    Evidenz hat etwas mit dem „augenscheinlich“ Erkennbaren, aber absolut nichts mit dem „aus welchen Gründen auch immer Wünschenswerten (Gewollten)“ zu tun. So wie Sie Ihre Anmerkung bringen klingt es wie ein Hintertürchen, dass Sie sich schonmal einer –nach Ihrer Interpretation- Evidenz für „morgen“ aufhalten wollen.
    Damalige Evidenz, heutige Evidenz, morgige Evidenz; ist es diese Kette, die sie aufbauen wollen um vor sich selbst bestehen zu können?
    In diesem Zusammenhang fällt mir eigentlich nur die sog. etablierte Klimaforschung mit klerikalen Anspruch auf die „Ultima Ratio“ ein. Auch hier berufen sich klerikal politisierende und philosophierende Wissenschaftler und wissenschaftshörige bzw. opportunistische Politiker und Geschäftemacher auf eine (wenn auch fragwürdige) Evidenz Dabei wird dann schon mal geflissentlich übersehen, dass das Klima sich den Teufel darum schert, was diese „Wissenschaftler“ wollen und als Wissenschaftsstand proklamieren. Wie seinerzeit wird das tatsächlich Augenscheinliche und die andere Erkenntnis unter den Tisch gekehrt bzw. bekämpft und unterdrückt. Für den Fall, dass die Thesen „dieser Klimaforschung“ offensichtlich nicht mehr haltbar sind und das Gerangel um die nunmehr sinnlos versaubeutelten Gelder beginnt, kann man sich dann morgen so wunderschön auf die Evidenz von heute beziehen.
    Ist es dass, worauf Sie hinaus wollen?

    Fazit:
    Auch wenn wir beide hier nur einen recht kleinen Ausschnitt aus dem seinerzeitigen und über Jahrhunderte andauernden Gebaren der Kirche dem „Volk“ gegenüber beleuchtet haben, so bleibt doch festzuhalten, dass die Kirche als seinerzeit selbsternannte oberste Instanz der Wissenschaft, der sog. Naturphilosophie, und auch im Wesentlichen der damaligen weltlichen Politik, sehr wohl und berechtigt einer harschen Kritik unterliegt. Insbesondere dann, wenn sie wieder einmal versucht sich auf ein ihr genehmes Pferd opportunistisch aufzuschwingen um wieder mehr Einfluss auf das „gläubige Volk“ zu erlangen.
    Es hat schon ein gewisses Gschmäckle, das sie sich ausgerechnet den Klimagaul aussucht um ihre Doktrin wieder zu festigen. Ausgerechnet die katholische Kirche, die in ihren Archiven im Vatikan und in den Klöstern über Dokumente verfügen dürfte, die über die Unberechenbarkeit des Klimas und dessen Eskapaden in der Vergangenheit Auskunft geben könnten. Aber statt aufzuklären und so den Druck aus dem Kessel zu nehmen beteiligt sie sich an der angstachelten Klimahysterie und Panik um wieder einmal ihren Einfluss zu festigen. Aber es ist ja ihr ureigenstes Metier; zahlen im Diesseits, Belohnung im Jenseits. Es hat sich nichts geändert. Lediglich dass eine Konkurrenz in Form einer, wie auch immer gearteten, „Klimagläubigkeit“ erwachsen ist, die sich wie ein Krake versucht über alle Religionen zu legen. So gesehen ist das, was die Kirche jetzt treibt, nichts anderes als eine Ergebenheitsadresse mit einem Versuch der Umarmung (wie überall da, wo damals das Schwert nicht hinreichte oder zu stumpf war) um rechtzeitig beim Sieger zu stehen. Wenn‘s schiefgeht, wird sich schon wieder jemand finden, der das einmal mehr mit der „Evidenz“ von „Damals“ entschuldigt.

    meint der Moosgeist

    PS.
    Was bezwecken Sie mit Ihrem so eigenwilligen Gebrauch von Ausrufezeichen.
    Das erinnert mich an Etwas und an Jemanden.

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