Süddeutsche: „Schluss mit der Scheindebatte“ um grüne Gentechnik

3. September 2013 | Von | Kategorie: Blog

Radiation BreedingDass dieser Artikel gerade in der Süddeutschen Zeitung erscheint ist besonders beachtenswert. Erreicht dieses Blatt doch wie kaum ein anderes in Deutschland die grüne Stammwählerschaft. Und diese werden in dem Beitrag von Katrin Blawat mit einer Menge für sie eventuell verstörende Informationen konfrontiert. Und das auf extrem lehrreiche und sehr unterhaltende Weise.

Schluss mit der Scheindebatte

…Das ist kein Aufruf dazu, die Diskussion über gentechnisch veränderte Pflanzen aus der Öffentlichkeit zurück in die Labore und Forschergemeinde zu verbannen. Viel zu lange hat es gedauert, bis sich Laien und Wissenschaftler miteinander ins Gespräch getraut haben. Deshalb: Streitet weiter. Aber nicht über Grüne Gentechnik. Auch nicht darüber, ob in der Pflanzenzucht Natur oder Technik dominieren sollen. Trennen lässt sich beides längst nicht mehr. Erst recht stellt es keinen Gegensatz dar – auch wenn Interessenverbände diese lieb gewonnene Illusion mit großer Ernsthaftigkeit pflegen.

Diskussionen sollte es endlich über die Pflanzen selbst geben. Das klingt selbstverständlich? Ist es nicht. Weil der Begriff Grüne Gentechnik – Wiederholung schadet hier nicht – lediglich für ein Bündel wissenschaftlicher Methoden steht, sagt ein entsprechendes Label wenig über die Gewächse und deren Eigenschaften aus. Mitunter führt das zu absurden Kategorien…

Blawat stellt erfreulich unverkrampft die Vor- und Nachteile von konventioneller Züchtung und von Grüner Gentechnik gegenüber und kommt dabei zu überascehnden Ergebnissen. Etwa dass die strikte Unterscheidung zwischen konventionellen und gentechnischen Züchtungsmethoden mittlerweile völlig unsinnig ist.

Wenn dadurch zum Beispiel jede gezielte Genveränderung ungesehen des Teufels ist und abgelehnt gehört, andererseits in der Konventionellen Züchtung völlig ungerichtete Genveränderungen durch Bestrahlung von Saatgut oder den Einsatz von erbgutschädigenden Chemikalien durchgeführt werden. So gezüchtete Pflanzen können in Deutschland sogar als Bio-Obst verkauft werden.

Anstatt irgendeiner Kategorisierung zur strikten Trennung unterschiedlicher Technologien in zwei Lager wäre es ohnehin am sinnvollsten wenn die „konventionellen“ und die „gentechischen“ Gruppen viel enger zusammenarbeiten würden. Die Synergieeffekte könnten einen Boom bei der Pflanzenzucht auslösen. Und eine Menge weiterer interessanter Einblicke in die Welt der Pflanzenzucht und der Gentechnik in dem Artikel „Schluss mit der Scheindebatte“ Unbedingt Lesenswert!

Titelbild: Eine starke radioaktive Quelle in der Mitte dieses Versuchsdfeldes am japanischen Institute für Radiation Breeding beschießt die umgebenden Pflanzen mit Gamma-Strahlen. Diese Behandlung bewirkt zufällige und ungerichtete DNA-Veränderungen (Mutationen) die zu neuen genetischen Variationen führen. Ein sehr erfolgreiches Verfahren der konventionellen Züchtung.

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11 Kommentare
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  1. Passend dazu gibt es auch im Spektrum der Wissenschaft 09/13 einen schönen Artikel über Nutzpflanzenzucht. Da wird unter anderem auch angeführt, wie man mit gentechnischen Methoden nicht das Pflanzenerbgut selbst verändert, sondern sich Pflanzenkeimlinge aussuchen kann für eine vorteilhafte Weiterzüchtung. Es wird dabei auf ein konkretes Ziel gezüchtet, ohne irgendwelche „Fremdgene“ einzupflanzen.

    http://www.spektrum.de/alias/botanik/hilfreiche-transporter-in-nutzpflanzen/1202712 leider nur hinter Paywall.

  2. Noch ein Lesetipp. Das von Udo Pollmer geleitete europäische Institut für Lebensmittel und Ernährung gibt mehrmals im Jahr die sehr lesenswerte Mitgliederzeitschrift Eu.L.En-Spiegel heraus. Passend zum Artikel in der Süddeutschen kann man dort jetzt für kurze Zeit das Heft 3/2004 mit dem Schwerpunkt grüne Gentechnik herunterladen:
    „Gene, Glauben, Kannibalen“

  3. Die Verfasserin hat auf dem Thema promoviert (auch wenn Sie den Dr. nicht führt) und ist als Journalistin damit eine der ganz wenigen vom Fach (die einzige die ich kenne).
    Ab und zu darf sie in der Süddeutschen Zeitung kompetente Artikel zur Biologie schreiben, die dem grünen Mainstream entgegenlaufen.
    In der Regel schreiben dort aber linientreue Journalisten wie Fr. Kuhr (angeblich Juristin) und Sylvia Liebrich ( angeblich Wirtschaftswissenschaft ) die Instant-Ideologie von Greenpeace und von testbiotech (outgesourcte Greenpeace-Lobby) ab.

    Ihr habt hier etwas sehr Seltenes im deutschen Journalismus gefunden.

  4. Nur mal eine Frage: Ist nicht die Genmutation ein gängiges Prinzip der Natur? Wie sonst hätte sich die Vielfalt des Lebens entwickeln sollen?

    Chris Frey

  5. Chris Frey, # 4:

    Es geht nicht um Mutation. Die ist natürlicih ’normal‘.
    Es geht im Kern um Gentransfer zwischen verschiedenen Arten, das ist das, was als ‚unnatürlich‘ empfunden wird: Wenn z.B. Gensequenzen des Bacillus thuringiensis (die ein Enzym produzieren, welches die Häutung von Insekten blockiert und diese daher tötet) in eine Pflanze verpflanzt wird, wodurch alle Insekten, die Teile dieser Pflanze fressen, vergiftet werden.
    Aber auch das ist ein natürlicher Vorgang, das ist nur nicht so bekannt.
    Erst einmal macht jeder Virus das selbe: Genmaterial wird in eine Wirtszelle geschleust und die Zelle wird dadurch ‚umprogrammiert‘ und macht plötzlich was ganz anderes.
    Zweitens können auch Bakterien Genmaterial austauschen, es gibt da faszinierende Forschungsergebnisse, wie z.B. eine Antibiotika-Resistenz über Artschranken hinweg ausgetauscht wird, wie bei einer Art ‚Befruchtung‘!
    Drittens nutzen wir in der Gentechnik sehr gerne derartige natürliche ‚Vektoren‘ (Vorgänge) um nun die uns genehmen Gensequenzen zwischen verschiedenen Spezies auszutauschen.

    Aber unsere Grünen meinen wohl, das sei so was wie Sodomie und wollen daher alles ausser der Missionarsstellung verbieten.

  6. Mich erinnert das ein bisschen an die rituelle Schlachtungen. in Islam oder orthodoxem Judentum.
    die Tiere müssen da teilweise echt erbärmlich leiden bevor sie sterben.
    Ähnlich nur im modernen Kontext sehe ich diese Debatte um die Nicht-Gentechnik-Methoden. Sind eigentlich genauso brutale Methoden mit der Natur umzugehen. Doch wie so oft: Der Zweck heiligt Mittel.

  7. Moin Tritium,

    Sie erwähnten wohl an anderer Stelle, daß der massive Anbau von „Energiepflanzen“ zwangsläufig Gentechnik erfordert, richtig?

    mfG

  8. #2. Rudolf Kipp

    “Gene, Glauben, Kannibalen”

    absolut lesenswert!

    karl.s

  9. @ nleser # 7:

    Nicht zwangsläufig.
    Aber die Hemmschwelle ist sehr viel niedriger.
    Energiepflanzen isst ja niemand, auch nicht indirekt (Tiermast).
    Gleichzeitig ist gerade hier Turbo-Landwirtschaft erforderlich, um nennenswerte Erträge pro Fläche zu bekommen (Höhn’s ‚Blümchenwiese‘ als Rohstoff für die Faulgas-Reaktoren* ist ja wohl sogar für die meisten Grünen zu absurd).
    Und gerade deshalb würde der Energiepflanzen-Anbau längerfristig die Anti-Gentechnik-Haltung unterhöhlen, da gerade die ‚grünen‘ Landwirte nach ihr rufen würden und da die Gentechnik eines der wirksamsten Mittel wäre, die Kosten zu senken und die werden ja bekanntlich immer kritischer.

    * Faulgas-Reaktor™ statt ‚Biogas-Anlage‘ klingt doch viel besser, finde ich, auch als Antwort auf ‚Atommeiler‘. Ich möchte diese Bezeichnung gerne zur allgemeinen Verwendung empfehlen.

  10. „Faulgasreaktor“
    Das i st eine gute Idee; da spiegelt sich ja auch ein bisschen wieder, dass die Dinger auch nicht so ungefährlich sind. 😉

  11. @Tritium
    In Anbetracht der Sachlage, das diese Dinger auch ne Menge Tierexkremente verarbeiten…..sollte „Scheißevergaser“ auch als Bezeichnung durchgehen…….zumindest für mich „Axt im Walde“……*grins*
    Ok, ok……Faulgase sind auch nicht von schlechten Eltern, besonders wenn ick ein Tag vorher ne Menge Zwiebeln verdrückt hatte.
    Ups….und wech
    Onkel Heinz……………..am Rande des Wahnsinns

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