Täuschungen durch Grafik-Suggestionen

1. Mai 2011 | Von | Kategorie: "Erneuerbare Energien", Blog, Daten

In einer Energie- und Umweltstatistik für das Land NRW für das Jahr 2008 ist dem Autor auf Seite 9 folgende Grafik aufgefallen:

Auf den „1. Blick“ macht diese Grafik den Eindruck, als ob die „erneuerbaren Energieträger“ bereits einen erheblichen Beitrag zum „Primärenergieverbrauch“ in NRW leisten würden, denn die Grafiklinie für „Erneuerbare Energieträger“ übersteigt ja im Jahr 2007 und 2008 sogar die Linie des „Primärenergieverbrauchs“. Erst auf den „2. Blick“ ist zu erkennen, daß die Kurve der „erneuerbaren Energieträger“ einem anderen Maßstab ausgesetzt ist, der an der „rechten Achse“ dargestellt und erklärt wird.

Der Autor hat diese Suggestion „auf die Spitze getrieben“ und die obige Grafik „manipuliert“, um die politisch-gewollte Suggestion deutlich zu machen:

Es ist zu erkennen: Wenn die Legende über die Grafikkurve der „erneuerbare Energieträger“ entfernt wird (rote Linien), erhalten die „erneuerbare Energieträger“ plötzlich eine „überwältigende Bedeutung“.

PrimaerenergieverbrauchNRW_1996_2008_manipul1

Im korrekten, einheitlichen und normalisierten Maßstab müßte die Grafikkurve der „erneuerbaren Energieträger“ (besser: Öko-Energieträger) nämlich wie folgt aussehen und dargestellt werden (rote Grafik-Linie):

PrimaerenergieverbrauchNRW_1996_2008_manipul3

Denn möglicher Weise sind solche Grafiken mit „zwei Maßstäben“ von der Politik für die Presse und Medien bewusst aufgestellte „Fallen“, die dann in anderen Veröffentlichungen manipuliert verwendet werden, aber die Manipulation dann als Manipulation bewusst nicht ausgewiesen wird. Trotzdem wird man dem „Manipulator“ kaum einen Vorsatz nachweisen können, da er sich auf eine „Falle in der Ursprungsgrafik“ als Ausrede zurückziehen kann. Eine nahezu (fast) perfekte Täuschung durch Suggestion, die bei angeblichen Informationen über die Ökoenergien auffallend häufig in ähnlicher Art und Weise praktiziert wird.

Solarkritik 09Einen ähnlichen Fall eines „Marketing-Tricks“ der Solarwirtschaft hat der Autor in SOLARKRITIK09 dokumentiert: Die Solarwirtschaft bezieht auch den Großteil der vorgegaukelten solaren Effizienz auf die Erneuerung  der konventionellen Heizung, erzeugt aber suggestiv den Eindruck, die Hauptenergieeinspareffizienz würde von der ebenfalls eingebauten thermischen Solaranlage erzielt werden, was in Wahrheit gar nicht stimmt.
Am 12.04.2011 wurde in der ZDF-Sendung „Pelzig hält sich“ auch ein interessanter Grafik-Trick in Statistiken dargestellt, obgleich der Autor  der Auffassung ist, daß sich Prof. Bosbach in diesem Video nicht präzise ausdrückt, um korrekt darzustellen, wie der Statistik-Trick „im Kern“ funktioniert, aber schauen Sie selbst. Sie werden feststellen, daß der Grafik-Trick in der obigen Grafik vom NRW-Umweltministerium in ähnlicher Weise durch Maßstab-Manipulation und Suggestion funktioniert, wie das Beispiel im Video zeigt.

Prof. Dr. Gerd Bosbach, geboren 1953, lehrt Statistik, Mathematik und Empirie an der Fachhochschule Koblenz
Sein Taschenbuch: Lügen mit Zahlen: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden.

***
zuerst veröffentlicht auf SOLARKRITIK.DE

Update -Hinweis vom 04.05.2011:
Der Begriff „Erneuerbare Energieträger“ wurde in Grafik 3 gegen den Begriff  „Öko-Energieträger“ ausgetauscht, da es keine „erneuerbaren Energieträger“ gibt, mehr dazu hier:

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8 Kommentare
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  1. Je abstrakter die Zahlen werden, desto undurchschaubarer werden auch die Manipulationen. Wer kann sich schon wirklich vorstellen, was ein Petajoule ist. Dazu wird meist mit statistischen Zahlen derart herumgeworfen, als seien es Frisbeescheiben – was für den Laien dann oft zum endgültigen Desinteresse führt, sich mit solchen verwirrenden Zahlenspielen zu befassen.

    Wir alle kennen die tägliche Beschallung mit dem Verbalmonstrum „Milliarden Gigatonnen CO2” und die oftmals absurden Bombardierungen selbsternannter Klimaexperten mit „wissenschaftlichen Beweisen” menschgemachten CO2-Ausstoßes. Die „Gewöhnung” des Publikums an derart monströse Zahlen scheint dabei voll beabsichtigt zu sein; führt sie doch langfristig zur Verringerung des Risikos, dass dreiste Manipulationen überhaupt noch bemerkt oder gar aufgedeckt werden….. Da beteiligt man sich doch lieber an der Hatz auf den Plagiator Guttenberg….. und entdeckt plötzlich seine uneingeschränkte Liebe zu „Wahrheit” und „Aufrichtigkeit”.

    Außerdem scheint für das Verschleiern von Manipulationen ein weiterer Grundstz zu gelten: Man überhäufe den Leser mit einem gigantischen Tsunami an Informationen, an dem er schier erstickt und so bereits rein zeitmäßig keine Gelegenheit mehr findet, im Detail die Angaben zu überprüfen. So können nach Herzenslust Bilder und Grafiken geschönt, verzerrt oder tendenziös dargestellt werden, ohne dass der dummen Leser noch mitbekommt, wie er verarscht wird….. 2008 ging z.B. zum Thema „Grönlands abschmelzende Gletscher” ein Foto mit einem bizarren Eisberg im Scoresund durch alle Medien. Es bedarf schon ein wenig grafischer Kenntnisse, dieses Foto als ziemlich miserable Photoshop-Montage entlarfen zu können….. aber offenbar ist das niemandem aufgefallen.

    Auf der Website „Lügen mit Zahlen” verweist Gerd Bosbach in seinem „Zahlenblog Sarazin” („Sarrazins unseriöser Umgang mit Zahlen”) u.a. auf die Ausführungen einer Frau Foroutan. Wie diese „Zahlenkünstlerin” mit Statistik umgeht, kann man hier sehen:

    Dr. Naika Foroutan jongliert mit Zahlen.

  2. Als Variante zu Dr. Naika Foroutan kann ich noch Ursula Sladek von den „Schönauer Energierebellen“ liefern:
    http://solarresearch.org/sk2010/videoaudio/videosolar/298-040.html

  3. Interessant in diesem Zusammenhang ist sicher auch der „Klassiker“ von Walter Krämer: So lügt man mit Statistik

  4. Das ist ein sehr gutes Beispiel und kommt gleich in meine private „Lügen mit Statistik“-Sammlung. Es zeigt wie mit unterschiedlichen Skalen getrickst wird, da die wahren Zahlen fast nichts hergeben. Bei Präsentationen lässt man dann z.B. die verräterische Skala (wie oben gezeigt) entweder komplett weg -- oder aber man zeigt die Grafik bewusst nur 1x kurz im Verlauf einer Powerpoint-Präsentation, so dass der Zuschauer keine Gelegenheit hat, die Skalen zu beachten -- oder man druckt die Grafik so klein, dass sich nur die Linien gut erkennen lassen… -- et voilà, der gewünschte Effekt beim Zuschauer wurde erzielt.

    Hier noch ein kleines Beispiel meinerseits zum Thema Statistik-Tricks, wie durch den Vergleich gewöhnlicher zyklischer Steigungen mit den Langzeit-Mittelwerten ein „außergewöhnlicher“ Temperatur- oder Meeresspiegelanstieg suggeriert werden kann -- und auch wird!:

    Beitrag „Lügen mit Statistik“ vom 22.4.2011 (Doc1971)

    Dazu passt hervorragend auch jene berühmt-berüchtigte IPCC-Grafik, in der einfach mehrere Geraden durch unterschiedlich lange Zeiträume gezogen wurden, um einen besonderen Temperatur-Anstieg zu suggerieren:

    „How the IPCC invented a new Calculus“

    …oder auf deutsch bei EIKE:

    „Wie das IPCC eine neue Rechenkunst erfand“

  5. Hi!

    @Rainer Hoffmann
    Da wird aber von beiden Seiten mit Zahlen getrickst. Denn es ist nicht so, als ob Primärenergieverbrauch die wirklich richtige Größe ist. Die Wahrheit liegt dazwischen.
    Erzeuge ich eine kWh Strom mit Kohle, so habe ich einen Primärenergieverbrauch (Wirkungsgradabhängig) von 3 kWh Kohle. Wenn ich nun dieselbe Strommenge mit Wasser (ich nehme bewusst Wasser, da wenig Schwankung und relativ billig), Was ist dann der Primärenergieverbrauch? Es fließt mit 1kWh in die Statistik. Es wurde aber die selbe Menge Strom in ähnlicher Qualität erzeugt, aber der Primärenergieverbrauch unterscheidet sich um Faktor 3 !!!

    Es ist richtig, dass man sich nicht auf Strom fixieren darf, wenn man ueber Energieversorgung spricht, aber es wird in diesem Link eben leider in beide Richtungen verfälscht.
    Aber leider lenkt diese Debatte von den eigentlichen Problemen ab:
    -- Probleme mit Netz/Speicherung ab einer kritischen Masse „reg. Energieen“
    -- Preis
    -- verschärfte zukünftige Abhängigkeit von Gasimporten

    Was allgemein sehr interessant ist, ist folgendes Paper:
    http://www.earth-syst-dynam.net/2/1/2011/esd-2-1-2011.html
    Artikel dazu:
    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-13327-2011-04-26.html

    Alle Windkraftmachbarkeitsstudien gehen davon aus, daß man nur genug Windräder aufstellen muß, um genug Strom zu erzeugen. Es scheint aber, daß die thermodynamischen Grenzen dafür weitaus niedriger liegen, als bisher angenommen -- Windkraft also in engeren Grenzen nicht regenerativ ist. (Ich habe das Wort regenerativ schon immer gehasst)

    Viele Liebe Grüße
    m

  6. ich glaube du hast deinen Satz nicht Richtig zu ende gebracht:
    „Wenn ich nun dieselbe Strommenge mit Wasser…..“….ja und ??

    Über den Begriff „regenerative Energien“ gibt es auf meiner Webseite einen eigenen Artikel:
    http://solarresearch.org/sk2010/videoaudio/videosolar/315-057.html

    Stimmt…das hätte ich auch noch in der Grafik ändern sollen…ich benutze immer den Ausdruck „Ökoenergien“ und auch NICHT „Alternative Energien“, weil diese Energieformen KEINE Alternative für die Energieversorgung für den Industriestandort Deutschland darstellen.

  7. @Rainer Hoffmann
    hi!

    Sorry, Ja der Satz ist leider unvollständig. Der Satz sollte Enden mit, wenn ich die selbe Energiemenge mittels Wasserkraft erzeuge/umwandle,… wie auch immer.

    Es ging um das Lügen mit Statistik. Im Link wird die Zahl von der EWS-Vertreterin als Lüge dargestellt und der Anteil am Primärenergiebedarf als absolut richtig. Der Anteil am Primärenergiebedarf ist aber auch nicht wirklich eine gute „Zahl“, um den ganzen Sachverhalt wiederzuspiegeln. Es ist eine Suggestion zu kleineren Anteilen.
    Es wird einmal zu groß suggeriert und einmal zu klein, obwohl nunmal beides den selben Sachverhalt wiederspiegelt. Und somit auf beiden Seiten mit Statistik „gemogelt“.

    cu
    m

  8. Der Primärenergieverbrauch ist aber die einzig korrekte Größe, um die Abhängigkeit von Energieimporten korrekt zu quantifizieren und nur darum geht es (eigentlich): Die Abhängigkeit von sog. „Schurkenstaaten“ und deren Energie zu minimieren. Mit diesem Argument argumentieren auch Politiker und der „Bürger“ auf der Strasse glaubt ja auch, wenn im TV von „17%“ geredet wird, wir würden auch 17% weniger Gas, Kohle bzw. Öl volkswirtschaftlich verbrauchen und durch die Ökoenergien ersetzt haben. Aber dem ist nicht so, weil die „17%“ der Anteil der Ökoenergien am Strom ist, und nicht an den Primärenergien.

    Ich habe festgestellt, daß die Leute über die Ökoenergien sehr nachdenklich werden, wenn ihnen dieser Prozent-Schwindel klar wird.

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